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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 283 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

07.08.2009 15:06
Der Mann Putin Antworten

Er kennt seine Russen, der Wladimir Putin, dessen Aufstieg zum Herrscher aller Reußen vor zehn Jahren begann. Sie lieben die Stärke, sie lieben den starken Mann.

Stalin, bei dessen Tod sie massenhaft weinten, die Russen, hatte sein Stärke auf die herkömmliche Art orientalischer Despoten demonstriert: Durch äußerste Grausamkeit.

Damit ist es vorbei. Putin macht den Russen heute seine Stärke sinnfällig, indem er Widersacher ausspielt und demütigt, indem er gegenüber dem Ausland auftrumpft; und eben auch durch Pinup-Schaustellungen, die uns ein wenig lächerlich vorkommen mögen, die aber beim Muschik ihre Wirkung nicht verfehlen dürften.

Und was will er nun, Putin der Starke?

Erstens über Rußland herrschen, bis er senil wird und vielleicht darüber hinaus. Also mindestens noch bis 2024; soviel gibt ihm die jetzt gültige Verfassung. Und die kann man ja in den nächsten 15 Jahren auch noch ein wenig anpassen.

Zweitens will er das Land so kontrollieren, wie das jeder große russische Herrscher getan hat - von Iwan dem Schrecklichen über Peter den Großen bis zu Lenin und Stalin. Also mit Hlfe der Geheimdienste, mit Hilfe eines ihm ergebenen Funktionärssapparts und einer Polizei und Justiz, die nach seiner Pfeife tanzen.

Und drittens will er - das vor allem betont der Autor Peter Zeihan, den ich in dem Artikel zitiere - die Expansionspolitik Rußlands fortsetzen, die aus der Sicht Zeihans der Kern jeder russischen Außenpolitik ist, seit 1480 die Mongolen vertrieben wurden.


Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

08.08.2009 10:41
#2 RE: Der Mann Putin Antworten

Lieber Zettel,

mich erinnert das stark an das Durchschwimmen des Yangtse-Kiang, mit dem Mao Zweifeln an seiner Gesundheit oder seiner Virilität begegnen wollte. Ein Potentat muß von Zeit zu Zeit nachweisen, daß mit ihm in Zukunft noch gerechnet werden muß - deshalb damals die Geheimhaltung der Krankheiten Stalins, Breschniews, Adropows und anderer. Wenn man es schaftt, den 154-seitigen Satz, der im wesentlichen Marquez' Buch "Herbst des Patriarchen" ausmacht, zu lesen, hat man eine Vorstellung davon, was einen Caudillo so umtreibt. Natürlich fehlt Putin die Farbigkeit eines südamerikanischen Potentaten, aber die Mechanismen der personenzentrierten Macht dürften überall gleich sein. Da feiert das Mittelater (Saelde!) seine fröhlichen Urständ!

Herzlich, Thomas

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

08.08.2009 17:25
#3 RE: Der Mann Putin Antworten

Zitat von Thomas Pauli
mich erinnert das stark an das Durchschwimmen des Yangtse-Kiang, mit dem Mao Zweifeln an seiner Gesundheit oder seiner Virilität begegnen wollte. Ein Potentat muß von Zeit zu Zeit nachweisen, daß mit ihm in Zukunft noch gerechnet werden muß - deshalb damals die Geheimhaltung der Krankheiten Stalins, Breschniews, Adropows und anderer.

Ja, das ist ein Merkmal jeder Gewaltherrschaft. In einer Demokratie ist jeder ersetzbar; also ist es keine Katastrophe, wenn der Mann an der Spitze nicht mehr fit ist. Herrscher wie Mao und Putin halten sich aber für unersetzlich.

Allerdings trat Mao mit dieser Schwimmnummer ja wieder ins Rampenlicht, nachdem er längere Zeit aus der Öffentlicheit verschwunden gewesen war und man schon mit seiner Krankheit, wenn nicht seinem Tod rechnete. Putin hingegen hat das Rampenlicht nie verlassen und erfreut sich offenbar bester Gesundheit.

Seit ich Medwedews Auftritte gesehen habe, ist mir auch klar, warum sich Putin gerade ihn als seinen Statthalter ausgesucht hat: Er wirkt alles andere als viril. Niemand in Rußland käme auf den Gedanken, daß dieser blasse, immer ein wenig steif und unsicher wirkende Mann jemals eine Bedrohung für Putins absolute Machtstellung sein könnte.

Putin - oder seine Ratgeber - hat ein exzellentes Gefühl für die Wirkung von Bildern. Der Pomp der Amtseinführung von Medwedew; Putins plötzliches Erscheinen in der Feldjacke bei den russischen Truppen, die in Georgien einmarschierten; selbst die Art, wie er sitzt - breitbeinig, raumgreifend -, wenn er einen Besucher empfängt: Das sind alles Signale, die man wohl in Rußland sehr gut versteht.

Herzlich, Zettel

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