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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Pro und Contra
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

22.11.2006 16:00
Zu den Hintergründen des Attentats auf Gemayel antworten
Gestern hat es Saad Hariri, Sohn des ermordeten libanesischen Staatsmanns, in CNN gesagt. Soeben hat es wieder Walid Jumblatt in einer von CNN übertragenen Rede gesagt, der Führer der Drusen:

Man vermutet, daß das eigentliche Ziel des Attentats gewesen sei, die jetzige Regierung zum Fall zu bringen. Kürzlich sind sämtliche Hisbollah-nahe Minister zurückgetreten. Wenn nach dem Mord an Gemayel jetzt noch ein weiterer Minister ausfällt, dann ist das Kabinett gemäß der libanesischen Verfassung nicht mehr amtsfähig.

Offenbar können nach der Verfassung in einem solchen Fall nicht einfach neue Minister ernannt werden, sondern es beginnt dann eine neue Regierungsbildung, die angesichts der politischen Gesamtsituation fast unmöglich sein dürfte.

Es scheint also wirklich um eine tiefgreifende Destabilisierung des Libanon zu gehen.
Warum? Cui Bono?

Es wird von prosyrischer Seite argumentiert, daß gerade Syrien kein Interesse an einer Eskalation habe, da es ja gerade mit den USA ins Gespräch zu kommen versuche.

Jumblatt hat dazu etwas Interessantes gesagt: Seines Erachtens wird Baschir Assad von der Angst gequält, es könne ihm so gehen wie Saddam Hussein. Es gehe ihm bei seiner jetzigen Politik hauptsächlich darum, den eigenen Kopf zu retten.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.11.2006 17:03
#2 RE: Zu den Hintergründen des Attentats auf Gemayel - Aktuelle Ergänzung antworten

Im Guardian hat jetzt Jonathan Cook eine andere Theorie aufgestellt: Er meint, daß der Mossad hinter dem Attentat stecken könnte.

Seine Überlegungen erscheinen durchaus schlüssig: Israel habe schon mit dem letzten Krieg eine Auseinandersetzung zwischen der Hisbollah und den anderen Kräften im Libanon zu erreichen versucht und versuche das jetzt erneut. Der Verdacht falle natürlich auf Syrien, und genau das habe Israel beabsichtigt. Und so fort.

Mir erscheint das lesenswert, so wie ein guter Krimi lesenswert ist.
Nur sollte man solche Spekulationen nicht mit der Realität verwechseln.

Mit der Intelligenz von Jonathan Cook könnte man mühelos auch plausibel machen, daß, sagen wir, der russische oder der französische Geheimdienst hinter dem Anschlag steckt (um eine eventuelle Verständigung zwischen den USA und Syrien zu torpedieren, die die Stellung der USA im Irak stärken würde), oder - warum nicht? - der Geheimdienst des Vatikan. Denn jetzt stehen die Christen im Libanon auf und beginnen, sich gegen die Moslems zu wehren.




C. Offline




Beiträge: 2.639

24.11.2006 19:22
#3 RE: Zu den Hintergründen des Attentats auf Gemayel - Aktuelle Ergänzung antworten

Wenn Israel den Libanon ins Chaos stürzen wollte, würden der Mossad den Nasrallah umlegen, bei dem Mord an Gemayel bleibt die Hizbollah außen vor, sondern der Streit spielt sich zwischen Pro- und Anti-Syrer ab und die Hizbollah lacht sich ins Fäustchen und zeigt mit dem Finger auf Israel,aber die haben genug damit zu tun die Irren von Gaza unter Kontrolle zu halten und gar kein Interesse och eine weitere undurchsichtige fRont zu haben. Chaos ist für die Hizbollah in soweit vorteilhaft, weil die UNO dann sehr schnell den Schwanz einzieht und abreist und es dann Nachschub für neue Spielsachen gibt.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

25.11.2006 23:42
#4 RE: Zu den Hintergründen des Attentats auf Gemayel - Aktuelle Ergänzung antworten

Zitat von C.
Wenn Israel den Libanon ins Chaos stürzen wollte, würden der Mossad den Nasrallah umlegen, bei dem Mord an Gemayel bleibt die Hizbollah außen vor, sondern der Streit spielt sich zwischen Pro- und Anti-Syrer ab und die Hizbollah lacht sich ins Fäustchen und zeigt mit dem Finger auf Israel,

Cook argumentiert, daß die konfessionellen Auseinandersetzungen im Libanon durch den Mord an einem Christen aufgeheizt werden sollen. Ein Mord an Nasrallah würde ja im Gegenteil einen Solidarisierungseffekt mit der Hisbollah bewirken.

Soweit ich sehe, hat Israel die Wirkung des letzten Kriegs mindestens zum Teil falsch beurteilt. Man wollte den Libanesen zeigen, daß sie nur dann Frieden bekommen können, wenn sie die Hisbollah nicht mehr gewähren lassen. Vielleicht gab es diese Wirkung in gewissem Umfang, aber zugleich gab es eine Solidarisierung mit der Hisbollah über die Schiiten hinaus.
In Antwort auf:
aber die haben genug damit zu tun die Irren von Gaza unter Kontrolle zu halten und gar kein Interesse och eine weitere undurchsichtige fRont zu haben.

Diese Front hat sich Israel ja nicht ausgesucht. Die Israelis versuchen ja fast verzweifelt, einigermaßen sichere Grenzen zu bekommen. Sie haben sich vor Jahren aus dem Südlibanon zurückgezogen, sie haben sich aus dem Gazastreifen zurückgezogen, sie bauen im Westjordanland die Mauer. Alles hat aber nur den Appetit derjeniger angestachelt, die nun mal diesen Staat zerstören wollen.
In Antwort auf:
Chaos ist für die Hizbollah in soweit vorteilhaft, weil die UNO dann sehr schnell den Schwanz einzieht und abreist und es dann Nachschub für neue Spielsachen gibt.

Das fürchte ich auch. Die Schuld liegt wieder mal wesentlich bei Frankreich, das in der Lage gewesen wäre, eine Truppe zu entsenden, die den Frieden wirklich sichern kann. Aber Chirac hat wieder mal gekniffen, wie beim Irak. Frankreich ist selten solidarisch; es kennt meist nur die unmittelbaren eigenen nationalen Interessen.

Herzlich, Zettel


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