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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 39 Antworten
und wurde 2.355 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

22.10.2010 17:22
Marginalie: Nationale Klischees Antworten

"Oh Gott, jetzt lobt er auch noch Deutschland". Ja, ich mute in diesen Tagen den Lesern von ZR einiges zu.

Das wird den Linken unter diesen Lesern nicht gefallen, oder vielmehr es wird ihr Klischee vom "neuen Rechten" Zettel bestätigen.

Es wird vielleicht auch manchen liberalen und konservativen Lesern nicht gefallen. Freilich dann wohl aus dem ganz anderen Grund, daß sie unser Land unabänderbar nach links driften, es im sozialdemokratischen Sumpf versinken sehen.

Aber wie wir von Münchhausen wissen: Auch aus einem Sumpf kann man herauskommen, notfalls durch Ziehen am eigenen Zopf.

Und auch ein Sumpf ist nicht nur eine Gefahr, sondern auch ein Habitat mit einer ansprechenden Flora und Fauna.

Diskus Offline



Beiträge: 206

22.10.2010 17:57
#2 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Ich kann im Moment nicht erkennen, daß die deutsche Regierung ernsthafte Sparanstrengungen machte. Ich sehe viel heiße Luft und wenig richtige Aktion. Erst wenn es ernsthaft zur Sache ginge würde sich zeigen, ob Deutschland in punkto Protestneigung eher bei den Franzosen oder bei den Briten liegt.
Beste Grüße
Diskus

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

22.10.2010 22:35
#3 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Zitat von Diskus
Ich kann im Moment nicht erkennen, daß die deutsche Regierung ernsthafte Sparanstrengungen machte. Ich sehe viel heiße Luft und wenig richtige Aktion. Erst wenn es ernsthaft zur Sache ginge würde sich zeigen, ob Deutschland in punkto Protestneigung eher bei den Franzosen oder bei den Briten liegt.


Mir scheint, lieber Diskus: Weder noch. Deutschland ist schlicht besser durch die Krise gekommen. Wir können es uns leisten, uns mit Sarrazin zu befassen, statt mit der Arbeitslosigkeit oder einem drohenden Staatsbankrott.

In einer normalen Nation wäre das ein Grund zum Stolz. Nur wir Deutschen ... ils sont fous, les Allemands.

Herzlich, Zettel

Gorgasal Offline




Beiträge: 3.973

22.10.2010 23:26
#4 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Zitat von Zettel
Wir können es uns leisten, uns mit Sarrazin zu befassen, statt mit der Arbeitslosigkeit oder einem drohenden Staatsbankrott.


Noch.

--
Civilización es la suma de represiones internas y externas impuestas a la expansión informe de un individuo o de una sociedad. - Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un Texto Implícito

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

23.10.2010 00:04
#5 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Zitat von Gorgasal

Zitat von Zettel
Wir können es uns leisten, uns mit Sarrazin zu befassen, statt mit der Arbeitslosigkeit oder einem drohenden Staatsbankrott.


Noch.



Wieder (the obvious answer ).

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 657

23.10.2010 01:01
#6 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Ich bin da ganz bei Gorgosal, siehe:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de...rschuldung5.png

Das interessanteste and dieser Grafik: Es ist völlig wurst, wer in Deutschland regiert. Solange regiert wird, steigen die Schulden.
In Gedenken an Milton Friedman:

Grüße,
Alfonzo

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

23.10.2010 19:43
#7 Staatsverschuldung Antworten

Zitat von F.Alfonzo
Ich bin da ganz bei Gorgosal, siehe:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de...rschuldung5.png
Das interessanteste and dieser Grafik: Es ist völlig wurst, wer in Deutschland regiert. Solange regiert wird, steigen die Schulden.


Die Grafik, lieber F. Alfonzo, zeigt ja keinen linearen Anstieg. Sondern gerade diese Grafik zeigt, daß liberalkonservative Regierungen sich fiskalisch anders verhalten als linke.

Da die Abbildungen in Wiki keinem Copyright unterliegen, können wir uns das hier ansehen:

* Unter den CDU-geführten Regierungen bis 1969 gab es einen moderaten, ungefähr linearen Anstieg.

* In der Zeit der sozialliberalen Koalition gab es bis 1983 einen sich beschleunigenden Anstieg (vermutlich könnte man eine Potenzfunktion mit einem Exponenten b > 1 anpassen).

* Vom Machtwechsel zu Kohls Koalition an sehen wir hingegen eine negative Beschleunigung (vielleicht eine Potenzfunktion mit einem Exponenten b < 1) bis zur Wiedervereinigung.

* Ab 1990 gibt es - natürlich durch diese bedingt - einen stark beschleunigten Anstieg bis 1996

* Von 1997 an versuchte Kohl eine Dämpfung des Anstiegs, die auch die Rotgrünen noch zwei Jahr durchhielten, nämlich bis 2001

* Ab dann gibt es die dritte Phase eines sich beschleunigenden Anstiegs von 2001 bis 2005

* Die Große Koalition hat wieder zu dämpfen versucht. Von 2005 bis 2008 gab es so einen geringen Anstieg wie zuvor selten; am ehesten vergleichbar in den Jahren vor der Wiedervereinigung, als Kohl denselben Kurs fuhr.

* 2009 war natürlich ein Ausnahmejahr durch die Wirtschaftskrise.



Fazit:

Es hat drei Phasen eines sich beschleunigenden Anstiegs gegeben. Zwei davon sind mit den beiden sozialdemokratisch geführten Regierungen verbunden, die dritte mit der Wiedervereinigung.

Die CDU-geführten Regierungen, die sie ablösten, haben jeweils eine Dämpfung des Anstiegs erreicht.

Aus meiner Sicht gibt es überhaupt nur eine einzige Chance, die Staatsverschuldung halbwegs in den Griff zu bekommen: Eine längere Periode einer liberalkonservativen Regierung.

In NRW, wo die rotgrüne Regierung einen geradezu skandalösen Haushalt vorgelegt hat, ist zu besichtigen, was wir von einer Volksfrontregierung im Bund zu erwarten haben werden.

Herzlich, Zettel

Angefügte Bilder:
Staatsverschuldung.png  
RexCramer ( gelöscht )
Beiträge:

24.10.2010 02:12
#8 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Lieber Zettel,

Zitat
Diese Lage ist - natürlich - dadurch gekennzeichnet, daß es keine Krise gibt; oder genauer, daß wir die Krise weitgehend hinter uns haben, von der die Briten und die Franzosen noch immer gebeutelt werden.

...

Die soziale Marktwirtschaft hat sich auch in dieser Krise wieder bewährt. Dank der massiven staatlichen Finanzierung von Kurzarbeit und dank der Zustimmung der Gewerkschaften zur Kurzarbeit konnten Entlassungen in Grenzen gehalten werden; für den jetzt einsetzenden Aufschwung standen dadurch die Arbeitskräfte bereit.



wir haben die Krise hinter uns? Woran machen Sie das fest? Sind die zusätzlichen Schulden, die in gigantischem Ausmaß gemacht wurden, bereits wieder getilgt worden? Wenigstens ein Teil? Hat man es überhaupt versucht? Mir ist dbzgl. nichts bekannt.

Hat eine Auseinandersetzung mit den Ursachen der Krise stattgefunden? Sind entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden? Auch dazu wäre es nett, wenn Sie uns kurz Ihre Informationen nennen könnten, denn mir sind keine Meldungen zu Ohren gekommen.


Die Arbeitskräfte hätten auch dann bereitgestanden, falls es (massive) Entlassungen gegeben hätte. Hieran die Überlegenheit unseres Arbeitsmarktes festmachen zu wollen, geht an der Sache vorbei, denn ein flexiblerer tendiert zu durchschnittlich niedrigerer Arbeitslosigkeit, während insbesondere Deutschland an der hohen Sockelarbeitslosigkeit leidet. Diese Probleme, die seit Jahrzehnten bestehen, sind nicht weg, sondern werden nur durch die zahlreichen Fälschungen der Arbeitslosenstatistik kaschiert.


Was unser heutiges Wirtschaftssystem noch mit der Sozialen Marktwirtschaft im ursprünglichen Sinne zu tun haben soll, ist mir auch schleierhaft. Haben Sie sich einmal angeguckt, worum es dabei wirklich ging? Welche Ziele verfolgt wurden? Wie sie erreicht werden sollten? Für das, was heute veranstaltet wird seitens der Politik, würde man fast ausschließlich erheblichen Widerstand und Ablehnung erhalten von den Vätern der echten Sozialen Marktwirtschaft.


Ich stimme Ihnen in Ihrer Beurteilung zu, daß es richtig war, Kurzarbeit staatlich zu finanzieren. Auch mit Ihren Ausführungen zum Zusammenhalt in Deutschland bin ich bei Ihnen. Aber darauf zurückzuführen, wie die wirtschaftliche Lage heute ist, geht doch weit darüberhinaus, wie sehr und worauf sich diese Faktoren auswirken.
Massive staatliche Finanzspritzen können eben nur überbrücken, mehr nicht. Auf Dauer ist aber entscheidend, ob sich die Auftragsbücher der Unternehmen wieder füllen oder nicht. Nicht benötigte Arbeitskräfte können schließlich nicht ewig durchgeschleppt werden. Ein Nachfrageausfall kann nicht auf lange Sicht vom Staat ausgeglichen werden. Aus zwei Gründen geht das in Deutschland besonders schlecht: Erstens aufgrund der starken Exportabhängigkeit, wobei zweitens der Staat einen Einbruch auch dann nicht auffangen könnte, wenn er die Mittel dazu hätte, weil die Export- und Importstruktur ganz anders aussieht - inländischer Verbrauch und Produktion also unterschiedlich sind, salopp gesagt. Konjunkturprogramme treiben also nicht nur die Verschuldung in die Höhe, sondern begünstigen vor allem auch ausländische Produzenten. Man könnte hier die größten Lohnerhöhungen aller Zeiten machen, hohe Mindestlöhne einführen usw., aber man brächte trotzdem keine Friseure auf die Idee, sich eine Tunnelbaumaschine zu kaufen, überspitzt formuliert.
Weshalb kommen die deutschen Unternehmen gut zurecht? Ich habe es neulich schon detaillierter ausgeführt, worauf Sie aber nicht eingegangen sind: Die Weltmärkte ziehen wieder an, damit steigt die Nachfrage aus aller Welt und vor allem aus Asien. Hier nun zu unterstellen, die Lage sei auf das Handeln unserer Regierung und insbesondere Merkel zurückzuführen, wie Sie das so gerne tun, ohne sich dabei um Argumente zu kümmern, ist reichlich abenteuerlich.
Was ist der Unterschied zwischen den Briten und uns, auf den Sie im Artikel eingehen? Sie stellen Klischees dar und die Mentalität, aber was wirklich den Unterschied macht und weitaus entscheidender ist bzgl. dessen, wie die verschiedenen Länder jetzt wieder aus der Krise herauskommen, fehlt: die wirtschaftliche Basis. Die sieht so aus, daß die Briten uns noch vor ein paar Jahren ausgelacht, dabei aber ihre industrielle Basis vernachlässigt und voll auf Dienstleistungen gesetzt haben. Man könnte schon fast sagen, daß die Briten sich selbst deindustrialisiert haben. Nachdem die Luftnummer zusammengebrochen ist, sitzen sie deshalb nun in der Tinte. Doch wie hat man in all den Jahren in Deutschland darauf reagiert? War man klug, hat man Vernunft bewiesen und darauf hingewiesen, daß das ein gefährlicher Weg sei und es ohne solides Fundament nicht geht, weil auf lange Sicht der Wohlstand von der Wertschöpfung abhängt, also von realen Werten? Nein, ganz und gar nicht, sondern unsere Politiker fanden es fast durch die Bank ganz toll, von der "Dienstleistungsgesellschaft" zu faseln und davon zu schwadronieren, unsere "Industrieabhängigkeit" sei "zu hoch" (ganz zu schweigen von der Anmaßung, wieso ein Politiker glaubt, hier die "richtigen" Quoten zu kennen bzw. überhaupt sich einmischen will). Gerade diese industrielle Basis ist es aber nun, welche dafür verantwortlich ist, daß wir vergleichsweise gut zurechtkommen. Diese Basis haben wir, weil die Politiker mit ihren großen Plänen zur Rettung der Welt zum Glück viel weniger Einfluß haben, als sie gerne hätten. Und vor allem haben wir diese Basis, weil unsere Politiker in langen Jahren vor der Krise eben nicht so konnten, wie sie wollten. Sonst stünden wir jetzt auch vor einem viel größeren Trümmerhaufen nicht mehr nachgefragter Dienstleistungen wie die Briten.

MfG

RexCramer ( gelöscht )
Beiträge:

24.10.2010 03:27
#9 RE: Staatsverschuldung Antworten

Lieber Zettel,

Zitat von Zettel
* Die Große Koalition hat wieder zu dämpfen versucht. Von 2005 bis 2008 gab es so einen geringen Anstieg wie zuvor selten; am ehesten vergleichbar in den Jahren vor der Wiedervereinigung, als Kohl denselben Kurs fuhr.



für mich ist es immer wieder faszinierend, zu sehen, welchen enormen Einfluß Sie der Politik beimessen, es aber gleichzeitig schaffen, viele andere wichtige Faktoren nicht zu beachten.

Was war denn von 2005 bis 2008? Die Konjunktur lief besonders gut, die Wirtschaft hat gebrummt und die Beschäftigung stieg. Das hat für den Staat sinkende Ausgaben und steigende Einnahmen gebracht, ohne daß irgendjemand etwas machen mußte.
Sie aber schreiben, daß die GK "zu dämpfen versucht" hat. Das heißt also, daß die GK aktiv gehandelt hat bzgl. der Staatsverschuldung. Das wirft automatisch die Frage auf, was genau sie getan hat. Hat man sich von Illusionen und Unsinn getrennt? Hat man damit aufgehört, wenigstens den größten Blödsinn, den der Staat veranstaltet, zu finanzieren? Sind Ämter abgeschafft und Posten gestrichen worden, die keiner braucht? Wurden Reformen bspw. zur Entbürokratisierung durchgeführt? Wie genau hat diese "Dämpfung" ausgesehen?

Zitat von Zettel
* 2009 war natürlich ein Ausnahmejahr durch die Wirtschaftskrise.



Das glaube ich nicht, daß es sich hier um eine Ausnahme handelt. Der Zusammenhang ist nur wesentlich offensichtlicher als sonst. Aber warum sollte er hier deutlich sichtbar werden, aber bspw. in den Jahren 2005-2008 nicht vorhanden sein? Was man hier sieht, ist das konjunkturelle Defizit, das nun einmal durch den schweren Einbruch verursacht wurde, aber unser eigentliches Problem ist doch das strukturelle Defizit. Letzteres wird aber laufend ignoriert seitens der Politik und ich fürchte, Sie werden kaum Argumente dafür finden können, die dafür sprechen, daß die GK tatsächlich versucht hat, die Verschuldung "zu dämpfen" - jedenfalls nicht wesentlich, sondern der klar dominierende Faktor für den Verlauf dürfte die Konjunktur gewesen sein.
Ab und zu mag ein Politiker die hohe Staatsverschuldung beklagen, aber echte Bemühungen zur Reduzierung hat es nicht gegeben.

Zitat von Zettel
Die CDU-geführten Regierungen, die sie ablösten, haben jeweils eine Dämpfung des Anstiegs erreicht.



Was für ein Erfolg ...

Hier wird deutlich, wie es um die deutsche Politik steht: Vernunft ist leider nicht verfügbar, sondern zur "Wahl" steht lediglich das Tempo, mit dem wir eine höhere Verschuldung, mehr Bürokratie, neue Vorschriften usw. usf. bekommen.

Zitat von Zettel
Aus meiner Sicht gibt es überhaupt nur eine einzige Chance, die Staatsverschuldung halbwegs in den Griff zu bekommen: Eine längere Periode einer liberalkonservativen Regierung.



Wobei man hier präzisieren muß: Es müßte schon eine Regierung sein, die den Namen verdient. Von den heutigen Politikern brauchen wir in einer solchen Regierung, die sich endlich mal mit den Problemen des Landes befassen müßte, von den "Konservativen" niemanden, von den "Liberalen" einige wenige und von der Politik der jetzigen Regierung gar nichts.

MfG

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.10.2010 12:28
#10 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Zitat von RexCramer

Zitat
Diese Lage ist - natürlich - dadurch gekennzeichnet, daß es keine Krise gibt; oder genauer, daß wir die Krise weitgehend hinter uns haben, von der die Briten und die Franzosen noch immer gebeutelt werden.
...
Die soziale Marktwirtschaft hat sich auch in dieser Krise wieder bewährt. Dank der massiven staatlichen Finanzierung von Kurzarbeit und dank der Zustimmung der Gewerkschaften zur Kurzarbeit konnten Entlassungen in Grenzen gehalten werden; für den jetzt einsetzenden Aufschwung standen dadurch die Arbeitskräfte bereit.


wir haben die Krise hinter uns? Woran machen Sie das fest?



Weitgehend, hatte ich geschrieben, lieber RexCramer. Wenn ein Wachstum von drei Prozent prognostiziert wird und die Arbeitslosigkeit einen Tiefstand erreicht, dann ist eine Rezession nach herkömmlichen Maßstäben vorbei. Natürlich kann es einen Rückschlag geben, vor allem wegen der miserablen Wirtschaftspolitik Obamas, aufgrund deren die USA nicht aus der Rezession herauskommen.

Zitat von RexCramer
Sind die zusätzlichen Schulden, die in gigantischem Ausmaß gemacht wurden, bereits wieder getilgt worden? Wenigstens ein Teil? Hat man es überhaupt versucht? Mir ist dbzgl. nichts bekannt.


Das ist aber eine andere Frage als die, ob die Krise zu Ende geht. Bis zur Krise hatte die Große Koalition eine restriktive Finanzpolitik begonnen; die schwarzgelbe Koalition wird das fortsetzen.

Ich gebe Ihnen ja Recht, lieber RexCramer, daß die Verschuldung gesenkt werden muß. Aber ich sehe keinen Gewinn darin, die sozialdemokratische Ausgabenpolitik und die Politik CDU-geführter Regierungen in einen Topf zu werfen.

Zitat von RexCramer
Die Arbeitskräfte hätten auch dann bereitgestanden, falls es (massive) Entlassungen gegeben hätte. Hieran die Überlegenheit unseres Arbeitsmarktes festmachen zu wollen, geht an der Sache vorbei, denn ein flexiblerer tendiert zu durchschnittlich niedrigerer Arbeitslosigkeit, während insbesondere Deutschland an der hohen Sockelarbeitslosigkeit leidet.


Ich lasse mich gern belehren (schon ganz und gar in Fragen der Nationalökonomie) - aber ich lese das halt, daß es für ein Unternehmen günstig ist, wenn es seine Facharbeiter auch in einer Krise halten kann, statt sie zu entlassen und dann neue einzustellen, die man erst anlernen oder ausbilden muß.

Zitat von RexCramer
Was unser heutiges Wirtschaftssystem noch mit der Sozialen Marktwirtschaft im ursprünglichen Sinne zu tun haben soll, ist mir auch schleierhaft.


Was ist denn der "ursprüngliche Sinn"?

Ich sehe ja vieles a bisserl mit den Augen des Auslands, weil ich ziemlich viel lese, was da so geschrieben wird. In den USA, in Frankreich, sieht man Deutschland überwiegend so, wie ich es beschrieben habe: Ein Land mit (für europäische Verhältnisse) erstaunlich wenig Klassenkampf. Das deutsche Modell wird als ein dritter Weg neben dem angelsächsischen Liberalismus und dem Etatismus Frankreichs gesehen. Als soziale Marktwirtschaft.

Was ist denn nach Ihrer Beurteilung heute grundlegend anders, als es Erhard und Müller-Armack entworfen haben? In welchen anderen Ländern gibt es die soziale Marktwirtschaft in der reinen Form, die Ihnen vorzuschweben scheint?

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.10.2010 19:10
#11 RE: Staatsverschuldung Antworten

Zitat von RexCramer

Zitat von Zettel
* Die Große Koalition hat wieder zu dämpfen versucht. Von 2005 bis 2008 gab es so einen geringen Anstieg wie zuvor selten; am ehesten vergleichbar in den Jahren vor der Wiedervereinigung, als Kohl denselben Kurs fuhr.


für mich ist es immer wieder faszinierend, zu sehen, welchen enormen Einfluß Sie der Politik beimessen, es aber gleichzeitig schaffen, viele andere wichtige Faktoren nicht zu beachten.



Wenn es einen Faktor im Wirtschaftsleben gibt, auf den Regierungen unmittelbaren Einfluß haben, dann dürfte das die Staatsquote sein.

Zitat von RexCramer

Zitat von Zettel
* 2009 war natürlich ein Ausnahmejahr durch die Wirtschaftskrise.


Das glaube ich nicht, daß es sich hier um eine Ausnahme handelt. Der Zusammenhang ist nur wesentlich offensichtlicher als sonst. Aber warum sollte er hier deutlich sichtbar werden, aber bspw. in den Jahren 2005-2008 nicht vorhanden sein?



Ich verstehe die Frage nicht. Die Bankenrettung hat ja nicht nur in Deutschland den Staatshaushalt massiv belastet. In den USA war das so unter Bush und erst recht unter Obama. In Deutschland immerhin hat die Große Koalition im Januar 2009 die Schuldenbremse beschlossen; auf Empfehlung der Föderalismuskommission.

Zitat von RexCramer

Zitat von Zettel
Die CDU-geführten Regierungen, die sie ablösten, haben jeweils eine Dämpfung des Anstiegs erreicht.


Was für ein Erfolg ...



Ein Erfolg!

Zitat von RexCramer

Zitat von Zettel
Aus meiner Sicht gibt es überhaupt nur eine einzige Chance, die Staatsverschuldung halbwegs in den Griff zu bekommen: Eine längere Periode einer liberalkonservativen Regierung.


Wobei man hier präzisieren muß: Es müßte schon eine Regierung sein, die den Namen verdient. Von den heutigen Politikern brauchen wir in einer solchen Regierung, die sich endlich mal mit den Problemen des Landes befassen müßte, von den "Konservativen" niemanden, von den "Liberalen" einige wenige und von der Politik der jetzigen Regierung gar nichts.



Welche Parteien, welche Personen sollten denn Ihrer Ansicht nach eine Regierung tragen, die sich "endlich mal mit den Problemen des Landes" befaßt?

Ich sehe überhaupt keine (bessere) Alternative zur schwarzgelben Koalition. Ihre Alternative würde mich wirklich interessieren.

Vielleicht, lieber RexCramer, ist deshalb die Diskussion zwischen uns beiden manchmal etwas mühsam: Sie denken, so scheint es mir, in Kategorien dessen, was man sich alles in einem Elysium wünschen könnte. Ich denke in Kategorien des in dieser häßlichen realen Welt Möglichen.

Herzlich, Zettel

C. Offline




Beiträge: 2.639

24.10.2010 23:43
#12 RE: Staatsverschuldung Antworten

Zitat von Zettel
Welche Parteien, welche Personen sollten denn Ihrer Ansicht nach eine Regierung tragen, die sich "endlich mal mit den Problemen des Landes" befaßt?



Ich habe leider keine Zeit, ich kann mich ja nicht um alles kümmern. Außerdem brauchen wir keine Regierung mehr, sondern nur eine Handvoll Schlichter und den von und zu Guttenberg machen wir zum König.

http://www.iceagenow.com/

Nola ( gelöscht )
Beiträge:

25.10.2010 13:54
#13 RE: Staatsverschuldung Antworten

Zitat
Zitat Rex Cramer
(…)Sie werden kaum Argumente dafür finden können, die dafür sprechen, daß die GK tatsächlich versucht hat, die Verschuldung "zu dämpfen" - jedenfalls nicht wesentlich, sondern der klar dominierende Faktor für den Verlauf dürfte die Konjunktur gewesen sein.
Ab und zu mag ein Politiker die hohe Staatsverschuldung beklagen, aber echte Bemühungen zur Reduzierung hat es nicht gegeben.



Hallo Rex Cramer, aber man bemüht sich doch ...


Zitat
http://www.n-tv.de/politik/Raucher-zahlen-Oekosteuer-article1779011.html

Ein Streichen der Ökosteuer-Vergünstigungen für die Industrie hätte eine Belastung von bis zu 1,5 Milliarden Euro nach sich gezogen. Dagegen hatte die Wirtschaft massiv protestiert. Die nun vereinbarten Zugeständnisse sollen auch den Mittelstand entlasten. Die höhere Tabaksteuer solle im kommenden Jahr Mehreinnahmen von 200 Millionen Euro bringen, die dann in den Folgejahren auf 500, 700 bis auf 800 Millionen Euro im Jahr 2014 stiegen, hieß es in Koalitionskreisen. Ein Teil der Entlastungen der Betriebe bei der Ökosteuer muss demnach auch über den Haushalt finanziert werden.

Die Koalitionsrunde verständigte sich auf Steuervereinfachungen ab 2012, die teilweise auch schon rückwirkend für 2011 gelten sollen. Die Pläne könnten rund 500 Millionen Euro Erleichterung für Steuerzahler bringen. Steuererklärungen müssen demnach künftig nur noch alle zwei Jahre abgegeben werden. Die Tabaksteuer soll so stark steigen, dass damit auch der Einstieg in Steuervereinfachungen finanziert werden kann. Brüderle hob hervor, dass es sich um eine Paketlösung handele.



Ist doch ganz einfach, oder nicht? Es sei denn, die Pharmaindustrie bringt ein Mittel auf den Markt, welches unter Garantie das Rauchen abgewöhnt. Dann allerdings hätten die Raucher eine Lobby, zumindest bis der letzte Raucher geheilt oder endlich gestorben ist. Aber bis dahin besteuert man das "Böse" wenn man es schon nicht verbieten kann. Selbst Schuld, ist doch Rauchen immer und immer wieder als gesellschaftliches NoGo propagiert worden.

Schämt man sich in dieser Regierung eigentlich für nix mehr

♥lich Nola



"Die Wahrheit vor der Wahl - das hätten Sie wohl gerne gehabt." – Sigmar Gabriel, zu angeblichen rot-grünen Steuererhöhungsplänen, Rheinische Post, 1. Oktober 2002

C. Offline




Beiträge: 2.639

25.10.2010 16:12
#14 Ignoranz ist Stärke Antworten

Zitat von Nola
Ist doch ganz einfach, oder nicht?



Ist das die Regierung, die Steuern senken wollte? Kaum ist Herr Schäuble aus dem Krankenhaus, geht es mit der Volksverarsche weiter. Sparen ist etwas anderes als Steuern erhöhen, zumal kaum jemand mehr zur Entlastung der Rentenversicherung beiträgt als der durchschnittliche Raucher.

Mit kann zwar diese Steuererhöhung egal sein, aber ich befürchte, das demnächst die Sektsteuer zur Arbeitsplatzsicherung herangezogen wird und dann werde ich sauer und werde zivil ungehorsam. Mir kommt das schwarz-gelbe Gebaren vor wie ein Feldversuch um die Grenzen der Geduld des nicht staatlich alimentierten Normalbürgers auszutesten.


Zitat von Hamburger Religionswächter
Warum weigert sich dann der Staat, Vorbild zu sein und eine Migrantenquote im öffentlichen Dienst einzuführen?



Zitat von des Teufels Großmutter
Der Staat ist in vielen Bereichen bereits Vorbild. Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, in der Verwaltung den Anteil von Bewerbern und Auszubildenden mit Migrationshintergrund bis 2011 auf 20 Prozent zu steigern und hat entsprechende Maßnahmen ergriffen. Eine solche Zielvorgabe sollten sich die anderen Länder und der Bund zum Vorbild nehmen. Eine Zielvorgabe halte ich für das bessere Instrument als eine Quote.





Quote nicht ereicht, Ziel verfehlt.

Von Frau Böhmer kann Claudia Roth noch viel lernen.

http://www.iceagenow.com/

Nola ( gelöscht )
Beiträge:

25.10.2010 18:41
#15 RE: Ignoranz ist Stärke Antworten

Zitat
Zitat C.
Von Frau Böhmer kann Claudia Roth noch viel lernen.



... das tut sie doch. Immerhin besucht sie das Land unserer zukünftigen Migranten.

Zitat
http://www.tw24.info/?p=2555
Zu Gast bei Freunden in der Islamischen Republik Iran ist gegenwärtig eine illustre Delegation des Deutschen Bundestags. Unter der Führung von Peter Gauweiler (CSU) wollen Monika Grütters (CDU), Günter Gloser (SPD), Lukrezia Jochimsen (Die Linke) und Deutschlands betroffenste Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) “mit den Möglichkeiten der kulturellen Zusammenarbeit zur Konfliktlösung” beitragen.(…)



Zitat
http://www.n-tv.de/politik/Gauweiler-und-Roth-in-Teheran-article1733516.html

Sonntag, 17. Oktober 2010
"Festgenommene Deutsche im Herzen"Gauweiler und Roth in Teheran
Die Inhaftierung von zwei Deutschen überschattet den Besuch einer fünfköpfigen Bundestagsdelegation im Iran. Der CSU-Abgeordnete Gauweiler und Grünen-Chefin Roth verurteilen die Verhaftung der Deutschen scharf.
Am Freitag hatte Teheran erklärt, die Deutschen hätten zugegeben, eine Straftat begangen zu haben. Sie seien mit einem Touristenvisum gereist und hätten sich als Journalisten ausgegeben, ohne dies beweisen zu können, sagte Generalstaatsanwalt Gholamhossein Mohseni Edscheie laut iranischen Nachrichtenagenturen.



Zitat
http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/10/18/opfer-von-medienpropaganda/
Press TV berichtet soeben, dass Peter Gauweiler auf der Reise schon erste Erkenntnisse gewonnen habe:
“Bezüglich des Iran sind wir Opfer von Medienpropaganda. … Während unserer Reise in den Iran haben wir hilfreiche Erkenntisse über die friediche Kooxistenz verschiedener religiöser Gruppen in der iranischen Gesellschaft gewonnen, die mit dem, was wir in anderen regionalen Ländern gesehen haben, nicht vergleichbar sind.”



Also Friede, Freude, Eierkuchen mit der Aussicht auf bestes Einvernehmen. Und zukünftig erhält Frau Roth "prominente" Unterstützung:

Zitat
http://www.coe.int/NewsSearch/Default.asp?p=nwz&id=13444&lmLangue=3

Thorbjørn Jagland und Joschka Fischer rufen Expertengruppe für ein ''multikulturelles Europa'' ins Leben [30/09/2010]

Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Außenminister, übernimmt den Vorsitz der ''Gruppe namhafter Persönlichkeiten'', zu deren Mitgliedern unter anderem Javier Solana und Emma Bonino zählen. Die Gruppe hat die Aufgabe, Antworten auf die aktuellen Bedrohungen durch Intoleranz und Diskriminierung in Europa zu finden. Beim Start der Initiative am 30. September in Brüssel erklärte Thorbjørn Jagland, dass die neuen Herausforderungen für die Sicherheit und Stabilität in Europa nicht zwischen den Staaten, sondern innerhalb der Staaten zu liegen scheinen. Joschka Fischer sagte bei der Pressekonferenz, das Zusammenleben in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft werde von grundlegender Bedeutung für den Erhalt und die Weiterentwicklung des europäischen Models sein. Zum Abschluss ihrer Arbeit wird die Gruppe bei einer Ministerkonferenz im Mai 2011 in Istanbul Empfehlungen an den Europarat aussprechen. Die Initiative ist Teil des türkischen Vorsitzes im Ministerkomitee (November 2010 bis Mai 2011).




... und weil ich grade bei Fischer war, noch eine "Randnotiz" die bei dem Kanzler a.D. Schröder und seinen ehemaligen Vize Fischer die Ohren klingeln lassen, oder noch mehr?

Zitat
http://brf.be/nachrichten/international/142395/

Opec will Fördermengen nicht verändern
15. Oktober 2010, 12:15 • Redaktion • Kommentieren
Im kommenden Jahr übernimmt der Iran den Vorsitz der Organisation der Erdölexportierenden Länder, OPEC. Iran ist der zweitgrößte Ölexporteur der OPEC und besitzt ein Zehntel der weltweiten Ölreserven. Zuletzt hatte der Iran vor 40 Jahren den OPEC-Vorsitz inne. Außerdem beschloss die Organisation, ihre Förderquoten nicht zu verändern. Am Ende des OPEC-Herbsttreffens zeigten sich die Ölminister zufrieden mit den Preisen und Fördermengen, die seit rund zwei Jahren unverändert sind.



Vom Öl zum Gas, egal, Pipeline ist Pipeline. Aber welche:

Zitat
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69065795.html
(...)Joschka Fischer und Gerhard Schröder ringen wieder miteinander. Es geht nicht mehr um die Macht in Deutschland, es geht jetzt um Pipelines, aber sonst hat sich nicht viel verändert.
Der eine steht auf der Seite der Russen, seine Pipeline heißt "Nord Stream", der andere arbeitet gegen die Russen, seine Pipeline heißt Nabucco. Es geht um die Energieversorgung der Zukunft, den Kampf um die endliche Ressource Gas. Die beiden spielen jetzt "the great game", das große Spiel.
Aber wenn Joschka Fischer gegen Gerhard Schröder antritt, geht es nicht nur um die Frage, wer die längste Pipeline hat. Es ist der Wettstreit der zwei größten Egos in der deutschen Politik, ein Wettbewerb, der seit mehr als zehn Jahren läuft und noch keinen Sieger hat.
Das mit Iran sei völliger Unsinn, sagt Fischer über Schröders süffisante Bemerkung. "Überlegen Sie mal, was es heißt, wenn Nabucco nicht kommt", sagt er. "Die Region, geopolitisch, Moskau!" Er hebt die Arme in die Höhe, eine Geste der Verzweiflung.(...)



Aber ich schweife schon wieder ab, ich gelobe Besserung.

♥lich Nola



"Die Wahrheit vor der Wahl - das hätten Sie wohl gerne gehabt." – Sigmar Gabriel, zu angeblichen rot-grünen Steuererhöhungsplänen, Rheinische Post, 1. Oktober 2002

C. Offline




Beiträge: 2.639

26.10.2010 01:45
#16 RE: Ignoranz ist Stärke Antworten

Zitat von Nola
... das tut sie doch. Immerhin besucht sie das Land unserer zukünftigen Migranten.



Ich befürchte auch, dass das Gespann Roth/Gauweiler (in Fachkreisen auch Rothweiler genannt) Ahmadinejad und Freunden politisches Asyl für die Zeit nach dem Umsturz anbietet. Immerhin komme ich nicht umhin meinen Respekt für den BND auszudrücken, dem es gelungen ist nicht nur eine würdigen Ersatz für Haider als Kundschafter des Friedens zu finden, sondern dabei auch noch die Genderquote zu beherzigen.

Zitat von Nola
Die Gruppe hat die Aufgabe, Antworten auf die aktuellen Bedrohungen durch Intoleranz und Diskriminierung in Europa zu finden. Beim Start der Initiative am 30. September in Brüssel erklärte Thorbjørn Jagland, dass die neuen Herausforderungen für die Sicherheit und Stabilität in Europa nicht zwischen den Staaten, sondern innerhalb der Staaten zu liegen scheinen. Joschka Fischer sagte bei der Pressekonferenz, das Zusammenleben in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft werde von grundlegender Bedeutung für den Erhalt und die Weiterentwicklung des europäischen Models sein



Solche Meldungen machen mir mehr Angst als ein bevorstehender Mongolensturm. Religiöse Gesellschaften sind mir hochgradig suspekt, aber sicherlich hofft Fischer auf Gleichstellung der "Church of Climate Change" mit Islam und Christentum und auf die Verfolgung der Klimaleugner durch den Blasphemieparagraphen.

Multikulti ist tot - es lebe Multikulti und Multigotti.

http://www.iceagenow.com/

RexCramer ( gelöscht )
Beiträge:

28.10.2010 16:12
#17 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Lieber Zettel,

Zitat von Zettel
Weitgehend, hatte ich geschrieben, lieber RexCramer. Wenn ein Wachstum von drei Prozent prognostiziert wird und die Arbeitslosigkeit einen Tiefstand erreicht, dann ist eine Rezession nach herkömmlichen Maßstäben vorbei. Natürlich kann es einen Rückschlag geben, vor allem wegen der miserablen Wirtschaftspolitik Obamas, aufgrund deren die USA nicht aus der Rezession herauskommen.



Sie müssen sich schon entscheiden, worauf Sie sich beziehen.
Eine Wirtschaftskrise kommt üblicherweise als Stagnation, Rezession oder Depression daher. Daneben gibt es noch Inflation, Deflation und viele andere unschöne Situationen. Wenn man allgemein von einer Krise spricht, so ist das ein weiter Begriff, wobei überhaupt nicht klar ist, was genau gemeint ist.
Oben haben Sie davon gesprochen, "daß wir die Krise weitgehend hinter uns haben." Nun reden Sie von der "Rezession". Was denn nun?

Wenn Sie oben von der Krise sprechen, dann bleibt zu diskutieren, was genau gemeint ist, sein könnte und wie eine Einschätzung jeweils aussähe, während das mit Ihren Anmerkungen hier zur Rezession einfacher ist, die nämlich falsch sind.
Eine Rezession wird gemeinhin definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum. Woher Sie jene merkwürdigen Kriterien und die "herkömmlichen Maßstäbe" haben, ist mir schleierhaft. Auch ist mir nicht klar, wie Sie darauf kommen, die USA kämen "nicht aus der Rezession" heraus. Unser Auswärtiges Amt schreibt für die USA: Für das Jahr 2010 wird mit einem soliden BIP-Wachstum von real 3,3% gerechnet, für 2011 angesichts auslaufender Stützungsmaßnahmen mit 2,9% (IWF). Nach Ihrem ganz persönlichen Kriterium ist die Rezession bei uns vorbei, weil "ein Wachstum von drei Prozent prognostiziert wird", aber die USA kommen mit einer Prognose von real 3,3 % nicht heraus? Ob Sie diesen Sachverhalt noch mal genauer unter die Lupe nehmen möchten? Vielleicht beschäftigen Sie sich auch mit der unterschiedlichen Darstellung des BIP-Wachstums bei uns und in den USA und geben an, wie die Berechnung mit der jeweils anderen Methode aussähe, um die Zahlen vergleichen zu können? Und wenn Sie schon dabei sind, dann können Sie gleich auch noch mit angeben, wann etwa die Rezessionen jeweils beendet waren.

Was genau macht denn Obama für eine Wirtschaftspolitik und wie ist denn unsere, was viel interessanter ist? Während bei uns die Exportquote inzwischen bei über 40 % liegt, haben die USA seit Jahrzehnten regelmäßig negative Außenbeiträge. Das bedeutet, daß die USA nicht darauf hoffen können, von einer anziehenden Weltkonjunktur mitgezogen zu werden, während wir dagegen stark vom Export abhängig sind. In den USA schlägt die eigene Wirtschaftspolitik also voll durch, aber bei uns nicht. Und wie sieht es bei uns aus in diesem Jahr? Der Automobilverkauf in Deutschland wird um etwa 35 % einbrechen, aber die Unternehmen kommen trotzdem gut voran, weil das Ausland ordentlich bestellt. Das können Sie in einem aktuellen Interview mit Hans-Olaf Henkel nachlesen, der darin Hans-Werner Sinns These der Basarökonomie "absolut zustimmt". Das sieht mir stark danach aus, was ich Ihnen neulich schon gesagt habe, nämlich daß wir von der Weltkonjunktur profitieren, aber eine erfolgreiche eigene Wirtschaftspolitik drückt sich hier nicht aus. Möglicherweise sollten Sie sich mehr mit der Realität befassen, statt blind Merkel hochzuschreiben?

Nur als Randbemerkung: Ihre Anmerkung, daß die "Arbeitslosigkeit einen Tiefstand" erreicht hätte, meinen Sie hoffentlich nicht ernst, oder? Ist die Arbeitslosigkeit auf einen Tiefpunkt gesunken oder nur die amtliche Statistik (in jeder Hinsicht)?
Wer weiß, es ist durchaus möglich, daß wir noch erleben, daß die Arbeitslosigkeit laut Statistik beseitigt wird. Wir sollten uns dann nicht von den Millionen Menschen irritieren lassen, die sich weiterhin in den Arbeitsagenturen drängeln werden, sondern beherzt diesen "Erfolg" zelebrieren!
Um noch schneller ans Ziel zu kommen, schlage ich vor, zukünftig nur noch homosexuelle Männer ohne Arbeit, die zwischen 34,5 und 38 Jahre alt sind, grün-graue Augen haben und auf dem linken Bein hinken, als arbeitslos zu zählen ...
Beschäftigung läßt sich übrigens nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ messen. Wie sieht es mit diesen "tollen Erfolgen" am Arbeitsmarkt wohl bzgl. der Qualität der neuen Arbeitsplätze aus, wenn die Zahl der Transferempfänger sich weiterhin auf sehr hohem Niveau bewegt? Haben Sie sich darüber mal Gedanken gemacht?


Bleibt noch zu klären, was denn mit der Krise gemeint sein könnte. Zum Thema Rezession habe ich ja schon einiges gesagt und erwarte mit Freuden die Ergebnisse Ihrer Analyse.
Da wir von der Krise sprechen, aus der wir "jetzt wieder herauskommen", können wir uns sicher schnell darauf einigen, daß wir über die Finanzkrise sprechen. Diese hat viele Komponenten. Auf einige möchte ich eingehen:

- Weltwirtschaftskrise: Es ging zunächst darum, einen Absturz der Realwirtschaft ins Bodenlose zu verhindern. Das ist einigermaßen geschafft worden und möchte ich hier abkürzen und, auch wenn das an sich nicht korrekt ist, unter dem Punkt Rezession abhaken, ohne darauf weiter einzugehen.

- Antizyklische Wirtschaftspolitik: Wenn man sich zu solchen Maßnahmen entscheidet, dann gehört dazu zwingend der Abbau der dazu eingegangenen Verschuldung hinterher! Selbst beinharte Keynesianer würden das nicht abstreiten. Sie sagen, wir hätten "die Krise weitgehend hinter uns", aber solange das nicht erledigt ist, ist gar nichts vorbei. Was Sie hier betreiben, ist Schönrederei, wie sie bei Regierungen beliebt ist, denn selbstverständlich wirken sich massive staatliche Ausgabenprogramme aus, aber leider werden die dafür aufgenommenen zusätzlichen Schulden gerne "vergessen", was Sie hier auch tun.
Das ist überhaupt einer der Gründe, warum wir so eine gigantische Staatsverschuldung haben, daß die neuen Schulden einfach stehengelassen werden! Aber wir dürfen doch den "Aufschwung nicht kaputtsparen"? Doch, genau dann muß man sparen (Schulden zurückführen), denn das ist Bestandteil dieser Maßnahme! Aber dann funktioniert das alles doch gar nicht so schön? Ja, eben ...

- Analyse der Ursachen und ggf. Einleitung von Maßnahmen zur Verhinderung zukünftiger Krisen: Hier sieht es ganz schlecht aus. Zwar wurden hier und da ein paar Kleinigkeiten erledigt, aber die großen Probleme bleiben. Es wird noch nicht einmal akzeptiert, worin sie bestehen.
Marktwirtschaft funktioniert wie ein Regelkreis: Wenn irgendjemand irgendetwas macht, hat das immer Rückwirkungen auf das Gesamtsystem. Marktwirtschaft ist aber kein Mechanismus, der Dummheit verhindert, sondern nur darauf reagiert. Unternehmen verschwinden und entstehen ständig - das ist insgesamt kaum zu merken. Wenn nun aber ein dominanter Marktteilnehmer wie der Staat kräftig mitmischt und den Markt stark verzerrt, indem er über den Community Reinvestment Act und über die GSEs Fannie Mae und Freddie Mac mit über 50 % Marktanteil dazu zwingt, daß Kredite massenhaft auch an Leute vergeben werden, die sich diese eigentlich gar nicht leisten können, darauf aber staatliche Garantien setzt, eine Verbriefung stattfindet und damit ein fröhlicher Handel in alle Welt entsteht, dann darf man sich nicht wundern, wenn das Echo des Marktes entsprechend mächtig ausfällt, wenn es nämlich irgendwann dämmert, daß die realen Werte hinter den Papieren in keinem Verhältnis stehen zu den gehandelten Summen und Garantien. Wenn man dann natürlich noch einen starken staatlichen Bankensektor hat wie wir, der von ahnungslosen Politikern kontrolliert wird, die bestenfalls zuletzt oder eher gar nichts merken, dann ist es nicht überraschend, wieviel Schrott es zu "uns" geschafft hat, wofür nun der deutsche Steuerzahler bluten muß. Das alles wurde natürlich kräftig befeuert von einer viel zu laxen Geldpolitik und die vielen lieben Banker, die an diesem Wahnsinn kräftig verdienen wollten, wollen wir auch nicht vergessen.
Und was sind die Konsequenzen daraus? Es gibt keine - abgesehen von der zwischenzeitlichen Hysterie, irgendjemanden wahllos an den Panger stellen zu wollen. Der Staat entzieht sich seiner Verantwortung, wie sich auch alle anderen Teilnehmer nicht verantwortlich fühlen. Die Notenbanken betreiben eine noch lockerere Geldpolitik, die Staatsschulden erreichen neue Dimensionen und dringend notwendige Strukturreformen bleiben aus. Wer sollte sich auch drum kümmern? Im Bundestag ist schließlich kaum noch Wirtschaftskompetenz vorhanden. Und der Rest geht unter im allgemeinen Populismus und den nächsten Säuen, die durchs Dorf getrieben werden. Wozu sich auch mit komplizierten Sachfragen auseinandersetzen, da sich mit den Folgen fehlender Reformen doch sowieso erst der nächste oder übernächste Bundestag herumschlagen muß? Da kann man sich doch lieber mit seichten Themen beschäftigen, für die man keine Sachkenntnis braucht und worüber man viel reden kann ...

Zitat von Zettel
Das ist aber eine andere Frage als die, ob die Krise zu Ende geht. Bis zur Krise hatte die Große Koalition eine restriktive Finanzpolitik begonnen; die schwarzgelbe Koalition wird das fortsetzen.

Ich gebe Ihnen ja Recht, lieber RexCramer, daß die Verschuldung gesenkt werden muß. Aber ich sehe keinen Gewinn darin, die sozialdemokratische Ausgabenpolitik und die Politik CDU-geführter Regierungen in einen Topf zu werfen.



Wie schon gesagt: Das kommt drauf an, worüber wir reden. Sprechen wir von der Rezession, dann ja, die ist vorbei. Aber bei einer Gesamtbetrachtung und bezogen auf die ergriffenen Maßnahmen gehört die zusätzliche Verschuldung auf jeden Fall dazu. Alles andere wäre nicht ehrlich und sollte nicht akzeptiert werden in unserem eigenen Sinne.

Es wirft sie ja auch niemand in einen Topf, sondern sie kriechen selber hinein. Sicher mag es Unterschiede geben, aber weniger schlecht ist eben immer noch schlecht. Da beißt die Maus den Faden nicht ab.

Zitat von Zettel
Ich lasse mich gern belehren (schon ganz und gar in Fragen der Nationalökonomie) - aber ich lese das halt, daß es für ein Unternehmen günstig ist, wenn es seine Facharbeiter auch in einer Krise halten kann, statt sie zu entlassen und dann neue einzustellen, die man erst anlernen oder ausbilden muß.



Was wäre denn mit den Entlassenen passiert? Wären sie alle drüber hinweggestorben oder ausgewandert?
Günstig fände ich es auch, wenn gebratene Tauben durch die Luft flögen. Ob das mal jemand organisieren kann?
Im Ernst: Was soll das für ein Argument sein, ob es günstig ist? Natürlich ist es das. Aber sollte man diese Sache nicht von allen Seiten betrachten, vor allem auch die Kosten bedenken?

Abgesehen davon verkennen Sie hier den Zweck dieser Maßnahme, denn Ihre Darstellung bezieht sich auf die Zeit nach der Krise. Sie argumentieren, daß es günstig ist, wenn man Arbeitnehmer halten kann, die man dann wieder braucht, wenn die Krise vorbei ist.
Aufgrund der Struktur dieser Krise und des Ernstes der Lage ging es aber um was ganz anderes, nämlich zunächst einen Absturz der Realwirtschaft zu vermeiden, worauf ich oben schon hingewiesen habe. Vor diesem Hintergrund ist diese Maßnahme zu sehen. Es kam darauf an, einem Einbruch der Nachfrage zu entgehen. Man hatte davor Angst, Massenentlassungen in nicht gekanntem Ausmaß seit Bestehen der Bundesrepublik hätten dazu führen können, daß die Bürger allgemein vorsichtig geworden wären, angefangen hätten zu sparen in Vorbereitung auf schlechte Zeiten, was dann aber letztlich hätte dazu führen können, daß die Wirtschaft noch viel weiter in den Abgrund und die Situation gänzlich außer Kontrolle geraten wäre. Deswegen ging es hier nicht darum, was für die Unternehmen nach der Krise wünschenswert wäre, also in Anbetracht der Gefahren eher um Kinkerlitzchen, sondern der Hintergrund war, alles so normal wie möglich weiterlaufen zu lassen und so zu tun, als sei nichts geschehen. Denn man hatte die Bilder von 1929 vor Augen, wobei es galt, eine Wiederholung um jeden Preis zu verhindern. Deshalb wurde diese Maßnahme ergriffen, um die Stimmung nicht abkippen und so die Folgen daraus gar nicht erst entstehen zu lassen.

Das ändert aber nichts daran, daß flexiblere Arbeitsmärkte zu niedrigerer Arbeitslosigkeit tendieren.


Zur Sozialen Marktwirtschaft später mehr.

MfG

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

28.10.2010 18:38
#18 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Zitat von RexCramer
Eine Wirtschaftskrise kommt üblicherweise als Stagnation, Rezession oder Depression daher. Daneben gibt es noch Inflation, Deflation und viele andere unschöne Situationen. Wenn man allgemein von einer Krise spricht, so ist das ein weiter Begriff, wobei überhaupt nicht klar ist, was genau gemeint ist.

Oben haben Sie davon gesprochen, "daß wir die Krise weitgehend hinter uns haben." Nun reden Sie von der "Rezession". Was denn nun?


Naja, die Krise, die in diesem Fall - als eine der von Ihnen aufgezählten Varianten - den Charakter einer Rezession hatte.

Entschuldigen Sie, wenn ich das nicht genauer gesagt habe. Ich habe zwar meine Nase in das eine oder andere Fach gesteckt, aber Nationalökonomie war nicht dabei; weswegen ich auch auf diesem Gebiet Fachdiskussionen mit einer gewissen Hartnäckigkeit ausweiche.

Um so lieber lese ich das, was Beschlagenere zu sagen wissen; Beschlagenere wie Sie und gerade hier im kleinen Zimmer.

Herzlich, Zettel

RexCramer ( gelöscht )
Beiträge:

29.10.2010 02:26
#19 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Lieber Zettel,

Zitat von Zettel
Was ist denn der "ursprüngliche Sinn"?



gucken wir uns doch einmal an, was wir von Ludwig Erhard höchstpersönlich zum Thema erfahren können. Sein bekanntes Buch gibt es hier: http://www.ludwig-erhard-stiftung.de/ind...13&act=sonstige

"Wohlstand für Alle" - damit ist zum Sinn und Zweck genug gesagt.

Vielleicht finden wir ja in Kapitel XII "Versorgungsstaat - der moderne Wahn" Informationen zur heutigen Situation. Ich bin schon ganz gespannt, Sie auch?

Zitat
Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf die Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist.



Wir sehen, daß er Glück hatte, nicht heute Politiker zu sein, denn dann wäre er sofort aus allen Rohren als "kalter Neoliberaler" verbal gesteinigt und auf die hinterste Bank verfrachtet worden.

Zitat
Wenn dagegen die Bemühungen der Sozialpolitik darauf abzielen, dem Menschen schon von der Stunde seiner Geburt an volle Sicherheit gegen alle Widrigkeiten des Lebens zu gewährleisten, d. h. ihn in einer absoluten Weise gegen die Wechselfälle des Lebens abschirmen zu wollen, dann kann man von solchen Menschen einfach nicht mehr verlangen, daß sie das Maß an Kraft, Leistung, Initiative und anderen besten menschlichen Werten entfalten, das für das Leben und die Zukunft der Nation schicksalhaft ist und darüber hinaus die Voraussetzung einer auf die Initiative der Persönlichkeit begründeten "Sozialen Marktwirtschaft" bietet.



Und was wollen heutige Politiker? Genau das, was er kritisiert und seiner Ansicht nach die Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft zerstört. Man kann ja heute noch nicht einmal mehr entscheiden, wann man sich anschnallt, sondern dank EU-Vorschrift fängt der Wagen an zu piepen ...

Zitat
Wirtschaftliche Freiheit und totaler Versicherungszwang vertragen sich denn auch wie Feuer und Wasser.



Wurde nicht 2007 der Krankenversicherungszwang eingeführt? Wie sieht es in den anderen Bereichen der Sozialversicherung aus? Gibt es nicht gelegentlich Überlegungen, auch Selbständige in die Zwangsversicherungen zu "integrieren"?

Zitat
Ich bin in der letzten Zeit allenthalben erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte. Wo aber sollen wir hinkommen und wie wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir uns immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bereit ist und jedermann Sicherheit im Kollektiv gewinnen möchte.



Ich glaube, er hatte noch keine Ahnung, wie weit man die Sozialindustrie ausbauen und dann trotzdem noch laufend von "Sozialabbau" etc. faseln kann. Unser Staat heute dürfte jedenfalls weit jenseits seiner schlimmsten Albträume liegen, wenn man bedenkt, wann er das geschrieben hat.

Zitat
Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann nur zu unserem Unheil ausschlagen.



Heute ist selbst die CDU ständig damit beschäftigt, neue staatliche Leistungen für irgendwas zu erfinden ...

Zitat
Hier liegt ein wahrlich tragischer Irrtum vor, denn man will offenbar nicht erkennen, daß wirtschaftlicher Fortschritt und leistungsmäßig fundierter Wohlstand mit einem System kollektiver Sicherheit unvereinbar sind.



Erklären Sie das mal einem Politiker ...

Zitat
Die auf Zwang beruhende allgemeine Volksversicherung - gleich ob sie nun aus einem Topf oder nach Gruppen gegliedert gespeist wird - unterscheidet sich allenfalls gradweise, nicht aber prinzipiell von der allgemeinen Staatsbürgerversorgung.



Soviel zu den verschiedenen Finanzierungsmodellen für die heutige Sozialversicherung, die aber alle auf Zwang basieren.

Zitat
Hat denn das Eindringen des Staates, der öffentlichen Hand und der sonstigen großen Kollektive in das menschliche Leben, - hat die damit verbundene Aufblähung der öffentlichen Haushalte und die wieder dadurch bewirkte immer größere Belastung des einzelnen Staatsbürgers nun wirklich zur Vermehrung seiner Sicherheit, zu Bereicherung seines Lebens und zur Minderung der Lebensangst jedes einzelnen beigetragen? Wenn ich diese Frage absolut stelle, dann möchte ich sie auch ebenso absolut mit aller Deutlichkeit verneinen.



Spricht für sich.

Zitat
Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, daß der einzelne sagen kann: "Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein. Sorge du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin."



Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie haben Sarrazin kürzlich wie folgt zitiert:

Zitat
Gerade unter dem Aspekt des Glücks muß der Staat jene "capabilities" stützen, die den Menschen zu einer selbstbestimmten, ihn mit Stolz erfüllenden Lebensweise befähigen. (...) Investition in das Glück der Menschen muß Investition in ihren Stolz sein, und das heißt in die Entwicklung ihrer Fähigkeiten und die Förderung ihrer Anstrengungsbereitschaft.



http://zettelsraum.blogspot.com/2010/10/...itleidslos.html

Erhard und Sarrazin hauen in die gleiche Kerbe. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß Erhard diese unheilvolle Entwicklung befürchtet und vorausgesehen hat, während Sarrazin auf schlechte Erfahrungen mit dem massiven Ausbau des Staates zurückblickt.

Zurück zu Ludwig Erhard:

Zitat
Es stünde im sozialen Leben um manche Not in unserem Volke besser, wenn wir nicht zu viel sozialen Kollektivwillen, sondern mehr soziale Gesinnung und Haltung bezeugen wollten. Das eine aber schlägt das andere tot, und darum stellt sich uns zuletzt die Frage, ob wir, einig in dem Willen und der Verpflichtung, keinen deutschen Menschen mehr der Not ausgesetzt zu sehen, gut daran tun, die besten menschlichen Tugenden im perfektionierten Kollektivismus gar völlig zu ersticken oder ob wir nicht im Streben nach mehr Wohlstand und durch die Eröffnung immer besseren Chancen zur Gewinnung persönlichen Eigentums dem verderblichen Geist des Kollektivismus Todfehde ansagen sollten. Meine eigene Meinung liegt klar und eindeutig zutage; ich hoffe, daß meine Mahnung nicht ungehört verhallt.



Leider wurde seine Mahnung ignoriert. Und ich möchte sagen: Ludwig Erhards Worte sind aktueller denn je.


Kommen wir zu einigen anderen Aspekten: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Mar...t#Ludwig_Erhard

Zitat
Für Ludwig Erhard, dem sogenannten „Vater der Sozialen Marktwirtschaft“, war der Ausdruck Soziale Marktwirtschaft ein Pleonasmus, denn für ihn war der Markt an sich sozial und brauchte nicht erst sozial gemacht zu werden. Erhard konkretisierte diesen Gedanken noch, indem er betonte

„Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.“

Die Marktwirtschaft war nach Erhard an sich bereits sozial, „weil die Bürger nicht auf Zuweisungen des Staates, auf das Wohlwollen von Parteien, auf die Bevormundung durch Organisationen oder auf die fürsorgende Einvernahme von Volksgemeinschaften angewiesen sind“. Im Ergebnis nehme in einer ordnungspolitisch richtig gesteuerten Marktwirtschaft mit zunehmendem Wohlstand der Bedarf an klassischer Sozialpolitik immer mehr ab.



Hier wird der Kern deutlich, was die Soziale Marktwirtschaft eigentlich ist: Es ist die freie Marktwirtschaft ergänzt durch einige Komponenten und ein Sozialsystem, das aber nicht vergleichbar ist mit dem, was wir heute haben und dessen gigantischer Ausbau insbesondere in den 70er Jahren losging. Im Gegenteil hat er vor dem Staat, wie wir ihn heute haben, ausdrücklich gewarnt!

Zitat
Für Erhard ist die Erhaltung des freien Wettbewerbs eine der wichtigsten Aufgaben des auf einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung beruhenden Staats.



Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden und zu verhindern:
1. Kartelle u. a. Beschränkungen des Wettbewerbs: Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
2. Keine direkten Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, die den Wettbewerb verzerren.

Wie sieht es damit heute aus? Schlimmer geht es kaum: Sobald irgendein Unternehmen, das groß genug ist, um es in die Nachrichten zu bringen, am Abgrund steht, stehen Politiker aller Couleur auf der Matte, um es "zu retten". Daß sie damit Schaden anrichten, der aber nur nicht so offensichtlich ist, kümmert sie nicht. Wenn es aber bspw. ein Überangebot in einem Markt gibt, werden Arbeitsplätze wegfallen. Der Unterschied ist lediglich, daß die Arbeitnehmer dieses Unternehmens bekannt sind, aber bei einer "Rettung" Leute woanders getroffen werden, die anonym sind.
Subventionen sind ebenfalls Eingriffe in den Markt und stören den Wettbewerb. Eine hohe Besteuerung, die die Gelder durch irgendwelche Ämter schleust, damit sie nach langwierigen bürokratischen Verfahren wieder ausgeschüttet werden, verzerren nicht nur den Wettbewerb, sondern lähmen die Wirtschaft und verhindern Dynamik. Doch wie sehen Politiker das? Gucken Sie sich eine beliebige Gesprächsrunde im Fernsehen an, in der Unternehmer und Politiker sitzen, aber es geht immer so ab: Der Unternehmer möchte gerne befreit werden von allerlei Blödsinn, den ihm der Staat aufdrückt, doch auf die Frage, was der Politiker für die Wirtschaft tun will, wird dieser immer noch ein neues Amt schaffen wollen, wo dann der Unternehmer irgendwelche Anträge ausfüllen soll.

Gibt es heute überhaupt noch Politiker (abgesehen von denen des "liberalen Aufbruchs"), die Prinzipien haben? Die nicht alles und jeden "retten" wollen, weil es prinzipiell falsch ist? Nein, wir haben fast nur noch diese farblosen Typen, die das machen, was eine gefühlte Mehrheit will - egal, wie sinnlos es ist.

Zitat
Von großer Bedeutung ist ebenfalls die Sicherung des Geldwerts, insbesondere durch eine unabhängige Zentralbank. Für Erhard ist die Soziale Marktwirtschaft ohne eine konsequente Politik der Preisniveaustabilität nicht denkbar. Nur diese Politik würde gewährleisten, dass sich nicht einzelne Bevölkerungskreise zu Lasten anderer bereichern.



Nun kann man bei verschiedenen liberalen Autoren nachlesen, daß die Geldmenge nicht stärker als die Realwirtschaft wachsen darf. Gerade dieses Gebot ist aber sträflich mißachtet worden, denn nach 2001 hat insbesondere die Fed die Zügel so sehr gelockert, daß die Geldmenge eben doch wesentlich stärker gewachsen ist. Das hat uns die Finanzkrise gebracht. Und nun? Heute hat nicht nur die Fed die Schleusen noch weiter aufgemacht, sondern die EZB kauft nun Staatsanleihen aus dem eigenen Währungsraum! Und das nicht gegen den ausdrücklichen Protest der Bundesregierung, sondern unter deren Zustimmung. Unglaublich!

Sie schreiben hier ja ständig Artikel für den Rechtsstaat, die Demokratie, gegen Kommunisten und andere Extremisten, für die Freiheit usw. und hören nicht auf, die Bedeutung in den Vordergrund zu stellen. Alles sehr lobenswert. Was ich aber gar nicht begreifen kann, ist, daß Sie diesen Dammbruch der Geldpolitik, dieses Überschreiten einer Grenze, die nicht überschritten werden darf, so klaglos hingenommen haben, bloß weil Merkel daran beteiligt war. Das ist schon krass, wie weit Ihre Nibelungentreue geht.
Mal zum Vergleich: Es gibt durchaus Länder, die keine Demokratie haben, wo es mit den Menschenrechten schlecht steht, wo man nicht von einem Rechtsstaat sprechen kann, wo Kommunisten herrschen, die wenig individuelle Freiheit bieten, aber trotzdem wirtschaftliche Erfolge vorweisen können. Aber wenn das Geld kaputt ist, dann geht kaum etwas. Deshalb finden Sie bei Ludwig Erhard immer wieder Anmerkungen, wie wichtig eine stabile Währung ist. Zu so ziemlich jedem Thema.
Mir ist jedenfalls schleierhaft, wie Sie einerseits sagen können, Sie seien liberal, aber die Vorgänge bei der EZB unter deutscher Billigung passieren lassen können, als sei nichts gewesen. Mir kommt das vor wie ein Grüner, der sich für den Ausbau der Kernenergie ausspräche ...

Zitat
Zur Gewährleistung des effizienten Einsatzes des Produktivkapitals gehört neben dem Recht auf Privateigentum auch die Haftung. Die Eigentümer von Produktivkapital sollen sich nicht nur die Gewinne aneignen, sondern auch die volle Haftung für getroffene Fehlentscheidungen tragen.



Haftung? Bloß nicht! Haben wir ja gerade erst gesehen in der Finanzkrise: Je größer das Versagen, desto mehr Staatsknete fließt!

Zitat
Als die Gewerkschaften noch eine umfassende „Neuordnung der Wirtschaft“ (Münchener Grundsatzprogramm von 1949) mit dem Kernelement der wirtschaftlichen Mitbestimmung forderten, erklärte Erhard 1949, es müsse eine saubere Trennlinie gezogen werden: Mitwirkung sei ein Element der freien Marktwirtschaft, Mitbestimmung hingegen gehöre in den Bereich der Planwirtschaft.



Mitbestimmung gehört in den Bereich der Planwirtschaft? Kürzlich haben Sie noch behauptet, Mitbestimmung sei Bestandteil der Sozialen Marktwirtschaft. Darf ich fragen, wie Sie darauf gekommen sind?

Zitat
Im Jahre 1974 erklärte Ludwig Erhard die Epoche der Sozialen Marktwirtschaft sei längst beendet, die aktuelle Politik sah er von seinen Vorstellungen von Freiheit und Selbstverantwortung weit entfernt.



Wie müßte ihm das wohl vorkommen, was wir heute haben? "Halbsozialismus" ist wahrscheinlich noch viel zu schwach dafür.
Warum meinen Sie, was wir heute haben, hat noch was mit Sozialer Marktwirtschaft zu tun, wie sie gedacht, umgesetzt und erfolgreich war, wenn selbst Ludwig Erhard vor Jahrzehnten schon meinte, man hätte sich davon bereits "weit entfernt" und sich der Staat heute vielmehr damit deckt, wovor er eindringlich gewarnt hat?


Halten wir fest: Wichtig ist der Wettbewerb, aber statt den zu gewährleisten, greift der Staat nun laufend aktiv in die Wirtschaft ein; Währungsstabilität ist von grundlegender Bedeutung, aber die EZB pumpt Liquidität ohne Ende, wobei der offene Bruch entscheidender Prinzipien für Papiergeldwährungen hingenommen wird; Ordnungspolitik wäre zwar dringend notwendig und hier gibt es erhebliche Defizite - worauf sich auch viel bezieht, was ich ständig anmahne -, aber findet so gut wie gar nicht mehr statt; wir haben eine Staatsquote, die viel zu hoch ist (Erhard sprach schon von einer "Aufblähung öffentlicher Haushalte", als er noch aktiver Politiker war).

Einige Vorschläge, was wir heute tun müßten, um wieder zu der echten Sozialen Marktwirtschaft zurückzukommen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und unter Berücksichtigung heutiger Umstände):
- Abschaffung aller Subventionen (nur über die Förderung von Grundlagenforschung könnte man reden) bei gleichzeitiger Steuersenkung
- Sofortige Beendigung der Aufnahme zusätzlicher Staatsverschuldung
- Abschaffung des Sozialsystems unter Einführung des liberalen Bürgergeldes
- Ausübung von Druck auf die EZB, sich an die vertraglich festgelegten Grundprinzipien zu halten unter Androhung des Ausstiegs aus dem Euro
- Abschaffung sämtlicher Landesbanken (haben seit dem Fall der Gewährträgerhaftung ohnehin kein Geschäftsmodell mehr)
- Konsequente Durchsetzung des Subsidiaritätsprinzips von der EU an abwärts
- Abschaffung des Länderfinanzausgleichs unter Änderung der wohnort- zu einer arbeitsplatzbezogenen Grundlage der Besteuerung durch die Länder
- Deutliche Reduzierung der Staatsquote
- Durchführung einer großen Steuerreform gemäß der Vorschläge von Paul Kirchhof
- Einführung einer Regelung, damit "systemrelevante" Unternehmen untergehen können, ohne dabei einen "Domino-Effekt" zu erzeugen: In Zukunft sollten die Gläubiger geschützt werden, um ihr umkippen und das weiterer Unternehmen zu verhindern, aber nicht das Unternehmen selbst
- Streichung der Hilfen für Griechenland
- Beendigung der Exportsubventionen europäischer Güter durch die EU
- Abschaffung sämtlicher Regelungen und Verbote aus ideologischen und bevormundenden Gründen (Glühbirnen etc.)
- Umgestaltung der Ökosteuer zu einer echten Pigou-Steuer

Zitat von Zettel
Ich sehe ja vieles a bisserl mit den Augen des Auslands, weil ich ziemlich viel lese, was da so geschrieben wird. In den USA, in Frankreich, sieht man Deutschland überwiegend so, wie ich es beschrieben habe: Ein Land mit (für europäische Verhältnisse) erstaunlich wenig Klassenkampf. Das deutsche Modell wird als ein dritter Weg neben dem angelsächsischen Liberalismus und dem Etatismus Frankreichs gesehen. Als soziale Marktwirtschaft.



Ich lese auch viel, wenn der Tag lang ist. Aber ist das nicht eher eine Frage der Mentalität? Aus Sicht der "DDR" war die Bundesrepublik das freiheitliche Paradies, aber für die Amerikaner sind wir Sozialisten. Ich meine, daß das zu wenig führt, wer was wie sieht.
Vielmehr ist doch entscheidend, welche Prinzipien man hat und ob man sich auch dran hält. Wenn also bspw. ein Rüttgers den Neoliberalismus geißelt, aber gleichzeitig die Soziale Marktwirtschaft bejubelt, dann kann das doch niemand mehr ernstnehmen.

Zitat von Zettel
Was ist denn nach Ihrer Beurteilung heute grundlegend anders, als es Erhard und Müller-Armack entworfen haben? In welchen anderen Ländern gibt es die soziale Marktwirtschaft in der reinen Form, die Ihnen vorzuschweben scheint?



Falls Ihnen meine Anmerkungen noch nicht reichen sollten, lesen Sie einfach mal nach, was Erhard selbst noch in den 70ern dazu gesagt, was sich zu seinem Mißfallen entwickelt hat und extrapolieren Sie die Entwicklung ein wenig bis heute.

Sicher gibt es viele gute Beispiele für eine vernünftige Politik. Aber was haben andere Länder damit zu tun?


Wenn Sie sich die Texte verschiedener anderer Autoren ansehen, werden Sie sicherlich auf Unterschiede in der Beurteilung und Betonung einzelner Sachverhalte treffen, aber die Grundlagen decken sich.

MfG

Gorgasal Offline




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01.11.2010 09:32
#20 RE: Marginalie: Nationale Klischees Antworten

Zitat von RexCramer
Nun kann man bei verschiedenen liberalen Autoren nachlesen, daß die Geldmenge nicht stärker als die Realwirtschaft wachsen darf. Gerade dieses Gebot ist aber sträflich mißachtet worden, denn nach 2001 hat insbesondere die Fed die Zügel so sehr gelockert, daß die Geldmenge eben doch wesentlich stärker gewachsen ist. Das hat uns die Finanzkrise gebracht. Und nun? Heute hat nicht nur die Fed die Schleusen noch weiter aufgemacht, sondern die EZB kauft nun Staatsanleihen aus dem eigenen Währungsraum! Und das nicht gegen den ausdrücklichen Protest der Bundesregierung, sondern unter deren Zustimmung. Unglaublich!

Sie schreiben hier ja ständig Artikel für den Rechtsstaat, die Demokratie, gegen Kommunisten und andere Extremisten, für die Freiheit usw. und hören nicht auf, die Bedeutung in den Vordergrund zu stellen. Alles sehr lobenswert. Was ich aber gar nicht begreifen kann, ist, daß Sie diesen Dammbruch der Geldpolitik, dieses Überschreiten einer Grenze, die nicht überschritten werden darf, so klaglos hingenommen haben, bloß weil Merkel daran beteiligt war. Das ist schon krass, wie weit Ihre Nibelungentreue geht.


Volle Zustimmung!

Und vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag!

--
Civilización es la suma de represiones internas y externas impuestas a la expansión informe de un individuo o de una sociedad. - Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un Texto Implícito

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

01.11.2010 12:02
#21 Nibelungentreue Antworten

Zitat von Gorgasal

Zitat von RexCramer
Sie schreiben hier ja ständig Artikel für den Rechtsstaat, die Demokratie, gegen Kommunisten und andere Extremisten, für die Freiheit usw. und hören nicht auf, die Bedeutung in den Vordergrund zu stellen. Alles sehr lobenswert. Was ich aber gar nicht begreifen kann, ist, daß Sie diesen Dammbruch der Geldpolitik, dieses Überschreiten einer Grenze, die nicht überschritten werden darf, so klaglos hingenommen haben, bloß weil Merkel daran beteiligt war. Das ist schon krass, wie weit Ihre Nibelungentreue geht.


Volle Zustimmung!



Sie meinen, Merkel ist die holde Kriemhild und ich bin der finstere Hagen?

Aber im Ernst, lieber RexCramer und verehrter Gorgasal: Ich schreibe das, was mir einsichtig erscheint. Meine Einsichten sind, wie möglicherweise ja auch die Ihrigen, die eines fehlbaren Menschen.

Aber es sind Einsichten; es ist halt der beste Reim, den ich mir machen kann. Mit Treue hat das, meine Treu, nun gar nichts zu tun.

Herzlich, Zettel

Gorgasal Offline




Beiträge: 3.973

01.11.2010 12:44
#22 RE: Nibelungentreue Antworten

Zitat von Zettel
Aber im Ernst, lieber RexCramer und verehrter Gorgasal: Ich schreibe das, was mir einsichtig erscheint. Meine Einsichten sind, wie möglicherweise ja auch die Ihrigen, die eines fehlbaren Menschen.
Aber es sind Einsichten; es ist halt der beste Reim, den ich mir machen kann. Mit Treue hat das, meine Treu, nun gar nichts zu tun.


Offen gestanden finde ich es ein wenig schade, dass Sie sich in Ihrer Antwort nur am Schlagwort "Nibelungentreue" aufhängen. RexCramers ausführliche Darlegung hat nun wirklich einiges zu bieten, was Ihrer Ansicht widerspricht, Merkel habe uns sicher durch die Krise gesteuert. Ich würde mich schon dafür interessieren, was Sie dazu denken.

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Civilización es la suma de represiones internas y externas impuestas a la expansión informe de un individuo o de una sociedad. - Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un Texto Implícito

Calimero Offline




Beiträge: 3.278

01.11.2010 18:56
#23 RE: Nibelungentreue Antworten

Zitat von Gorgasal
RexCramers ausführliche Darlegung hat nun wirklich einiges zu bieten, was Ihrer Ansicht widerspricht, Merkel habe uns sicher durch die Krise gesteuert. Ich würde mich schon dafür interessieren, was Sie dazu denken.


Ja, mich auch. Vor allem nachdem Frau Merkel mit ihrem Einknicken beim EU-Gipfel (dem Basar von Brüssel) am Donnerstag/Freitag anscheinend endgültig den Weg zur Transferunion freigemacht hat. Wenn ich das alles richtig mitverfolgt habe, ist die "Eiserne Kanzlerin" wachsweich geworden, als es um den möglichen Stimmrechtsentzug von notorischen Euro-Defizitlern ging. Dafür wird jetzt irgendwie 'n bissl im EU-Vertrag rumgekritzelt um festzuschreiben, dass jede Larifari-Republik der EU finanziell gerettet wird, sobald die Euro-Zone als Ganzes in Gefahr ist.

Heißt für mich, falls ich das alles richtig verstanden habe, dass die Bundesregierung bereit ist auch weiterhin für die EU-Schuldnerperipherie zu bürgen, um ja nur nicht das Konstrukt Euro zu gefährden. Also verantwortungsvolle Politik (für die Bürger von denen sie gewählt wurde) stelle ich mir irgendwie anders vor.

Kann mir eventuell mal jemand erklären, wo bei diesem Gemauschel der Vorteil Deutschlands liegt? Ich werde das Gefühl nicht los, dass uns der Laden früher oder später um die Ohren fliegt wenn wir unsere eigenen Schuldenprobleme schon nicht in den Griff kriegen, uns aber noch zusätzlich die Probleme anderer ans Bein binden lassen.

Beste Grüße, Calimero

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Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen. - Voltaire

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

01.11.2010 19:13
#24 RE: Nibelungentreue Antworten

Zitat von Calimero
Vor allem nachdem Frau Merkel mit ihrem Einknicken beim EU-Gipfel (dem Basar von Brüssel) am Donnerstag/Freitag anscheinend endgültig den Weg zur Transferunion freigemacht hat. Wenn ich das alles richtig mitverfolgt habe, ist die "Eiserne Kanzlerin" wachsweich geworden, als es um den möglichen Stimmrechtsentzug von notorischen Euro-Defizitlern ging.


Es hat sich gezeigt, daß die EU nicht nur aus Deutschland besteht.

Auch Andere haben ihre Interessen, die sie durchzusetzen trachten. Solche Beschlüsse sind folglich für die meisten, manchmal alle Beteiligten unbefriedigend. Wie stellen Sie sich, lieber Calimero, eine Union vor, in der alle nach der Pfeife der deutschen Kanzlerin tanzen?

Ja, das ist ein "Basar" in Brüssel, nämlich ein Ort des Gebens und Nehmens, des Ausgleichs von Interessen und des Findens von Kompromissen. Wie sollte es denn anders sein?

Was die Kritik an der Kanzlerin angeht, so finde ich es schon bemerkenswert, daß ihr abwechselnd vorgeworfen wird, sie könne sich nicht durchsetzen und sie setze sich rücksichtslos durch.

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

01.11.2010 19:26
#25 RE: Nibelungentreue Antworten

Zitat von Gorgasal
Offen gestanden finde ich es ein wenig schade, dass Sie sich in Ihrer Antwort nur am Schlagwort "Nibelungentreue" aufhängen. RexCramers ausführliche Darlegung hat nun wirklich einiges zu bieten, was Ihrer Ansicht widerspricht, Merkel habe uns sicher durch die Krise gesteuert. Ich würde mich schon dafür interessieren, was Sie dazu denken.


Ich verstehe ja den Wunsch, daß ich mich am besten mit jedem Beitrag hier im Forum mit derselben Ausführlichkeit auseinandersetzen soll, mit der dieser geschrieben wurde. Und natürlich auf demselben fachlichen Niveau - mal als der bekannte Jurist Zettel, mal als der studierte Nationalökonom Zettel, mals als der Theologe, der Philosoph, der Historiker und der Philologe Zettel.

Ja, das wäre schön, gell?

Hier werden, lieber Gorgasal, sehr viele sehr gute Beiträge geschrieben. Die von RexCramer gehören zur Spitzengruppe; ich sage das, auch wenn ich meist nicht seiner Meinung bin. Manchmal gehe ich auf sie ein, manchmal nicht. So wie ich auf die Beiträge von allen anderen eingehe und manchmal nicht.

Meine Kapazität ist begrenzt. Und wenn ich antworte, dann versuche ich das fundiert zu tun. RexCramer hat einen sehr interessanten Beitrag zu Ludwig Erhard geschrieben. Um antworten zu können, müßte ich erst einmal dessen Buch lesen, Aber vor mir liegt ein Stapel von Büchern, die ich dringend lesen müßte.

Herzlich, Zettel

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