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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

10.12.2010 15:20
Marginalie: Die Boykotteure von Oslo Antworten

Eine illustre Gemeinschaft.

Und eine, die dem Westen zu denken geben sollte.

Symbolische Akte haben in der Diplomatie einen hohen Stellenwert. Wer die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Nachfolger des Preisträgers Obama boykottiert; wer sich damit ostentativ dagegen wendet, daß ein Mann geehrt wird, der für die Demokratisierung seines Landes eintritt, der wendet sich damit gegen den Westen.

Solche symbolischen Akte sind Indikatoren. Hier jetzt sehen wir einen Indikator dafür, wie der Westen unter der Regierung Obama an Boden verliert, wie Chinas ´Aufstieg zur Weltmacht sich ankündigt.

123 Offline



Beiträge: 287

10.12.2010 17:50
#2 RE: Marginalie: Die Boykotteure von Oslo Antworten

In der Tat zeigt sich hier eine sehr tiefgreifende Veränderung im geopolitischen Einflußgefüge.

Der Niedergang des Westens, nicht nur wirtschaftlich, demografisch und militärisch, geht einher mit dem Verlust der Fähigkeit eigene moralische Maßstäbe als global verbindlich zu etablieren. Der Boykott ist eine offene Rebelion gegen diesen Anspruch, und das durchaus berechtigt.

Die wirtschaftlich aufstrebenden Kulturen gewinnen an Selbstbewusstsein. Dies gilt insbesondere für China. China, selbst stets gescholten als Diktatur, hat sich erfolgreich der globalen Ökodiktatur des IPCC widersetzt, und damit der Menschheit einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Dieses Friedensnobelpreiskomitee hat aber die Falschaussagen Gores und die Manipulatoren des IPCC zum Klimawandel mit einem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Vielleicht eine Form der Rache, ausgerechnet einen chinesischen Systemkritiker nun auszuzeichnen. Die vielen Gründe die gegen diesen Preis sprechen habe ich an anderer Stelle bereits dargelegt. Nur in Kürze: China liberalisiert sich ständig. Bedenkt man welchen Weg es zurück gelegt hat seit Mao, ist dies höchst bemerkenswert. Noch nie ging es den Menschen in China so gut, waren sie so frei, war es so friedlich und das Leben sicher von Bedrohungen wie Krankheit, Naturkatastrophen, (Bürger)Kriegen. Diese Leistung ist schlicht phänomenal, und wird dennoch nie gewürdigt. Es muß beleidigend wirken, wenn sich der Westen dann böswillig auf die wenigen übrigen Negativaspekte China stürzt, und alles Positive vollkommen ignoriert wird.

Daß weitaus schlimmere Diktaturen beim Boykott aufspringen, ist nur zu verständlich. Wo man bei China maßlos übertreibt, wären solche Preise für jeden Kritiker des Islam mehr als berechtigt, sondern notwendig. Ebenso bei allen Gegner des echten Sozialismus, wie man ihn in Kuba vorfindet.

Doch es ist dieses Nobelpreiskomitee selbst, das seine Glaubwürdigkeit durch Willkür ruiniert. Die spielt zwar in jenen Ländern ohnehin keine Rolle, weil dort andere ethische Maßstäbe gelten, die man bewahren möchte. Aber die Selbsterhöhung als einzig Definitionsberechtigte von Gut und Böse wird sehr wohl verstanden, und inzwischen hinterfragt.

Zumal auch in Europa offen politische motivierte Diskriminierung, wirtschaftliche Existenzvernichtung, Ausgrenzung und Rufmord an der Tagesordnung sind, siehe Sarrazin und Herman, Andersdenkende gemordet werden (Fortyun, van Gogh), Systemkritiker Personenschutz benötigen (Wilders, Ali, Kelek), aber politische Gewalttäter in höchste Regierungsämter aufsteigen können (Fischer), und eine Partei die foltern und morden ließ (SED, umbenannt in "die Linke") wieder regieren kann (Berlin). Wo die Medien fast vollkommen gleichgeschaltet sind als lebten wir in einer sozialistischen Diktatur. Juden werden wieder drangsaliert und sind bedroht (z.B. jüdische Kinder wenn Moslems in der Klasse sind), vor allem durch andere Minderheiten - und die Staatsmacht sieht oft (meist) tatenlos dabei zu. Ebenso schweigen hierzu die Medien.

Abgesehen von der fehlenden Glaubwürdigkeit für diesen Nobelpreis, fehlt inzwischen Europa selbst die moralische Legitimation für die Verleihung solcher Preise aufgrund der Mißstände in diesem Kontinent. Zumal bisher kein Kritiker der Mißstände in Europa (wie z.B. Wilders) oder islamische Frauenrechtsaktivistinnen als preiswürdig galten.

Wenn man sich dann noch die Liste der bisher Ausgezeichneten ansieht: Terrorist Arafat, Lügner Gore und die Manipulatoren vom IPCC, der antiwestliche Linke Obama, ....

eigentlich ist es eher bedenklich daß überhaupt noch Staaten zu diesem moralischen Ritual ihre Botschafter anrücken lassen, und ihm somit unverdiente Reputation verschaffen. Die Auszeichnung ist immer auch Anklage, ein Tribunal aufgrund von willkürlichen Bewertungsmaßstäben wie man sie grade politisch für opportun hält. Die man jedoch selbst im eigenen Einflußbereich garnicht mehr erfüllen will.

Europa leidet unter gravierendem Realitätsverlust: Man pflegt ein Selbstbild der moralischen Überlegenheit und des Wohlstandes, das der Rest der Welt längst nicht mehr teilt. Ohne Deutschland, Schweiz, Holland wäre Resteuropa längst reines RÜCK-Entwicklungsland. Und ohne die Exporte nach China wäre auch Deutschland bedeutend ärmer, - und ohne die Importe aus China wäre unsere Kaufkraft signifikant niedriger. Ohne den Trick die Sozialstaaten-deluxe mit permanent wachsender Neuverschuldung zu finanzieren, wäre das Wohlstandniveau in den meisten EU-Länder ungefähr auf das der 50iger Jahre gesunken, Tendenz weiterhin rasch fallend. Hinzu kommt aber die immer totalitärere Struktur der politischen Korrektheit und die anti-demokratische EU-Bürokratie. Von China unterscheidet da eher die Tendenz: Dort immer liberaler, immer wohlhabender, hier immer totalitärer, immer verarmender.

Europa ist am Ende, und genau das dokumentiert dieser Boykott der Preisverleihung. Es ist erst der Anfang einer Entwicklung, an deren Ende die vollkommene (Selbst)Marginalisierung Europas steht. Alle nehmen das wahr, nur die Europäer selbst nicht.

Und was lernt man im Rest der Welt aus dem Niedergang Europas:

Der einst so mächtige, wirtschaftlich blühende, innovative Kontinent, ist verkommen zu einem überbürokratischen Sozialamt, gelähmt von inneren Machtkämpfen, zerfressen von geschürter Unzufriedenheit weil es nunmal zum Wahl- und Machtkampf gehört den Erfolg des Gegners schlecht zu reden. Durchdrungen von loderndem Selbsthaß, demografischem Niedergang weil man die Familienstriktur und das Kinder großziehen schlecht redet, - ein System das allerlei Psychopathen größen Einfluß gewährte die in ihrer eigenen Kultur das größte Übel in der Welt sahen, das es zu beseitigen gilt. (Mit Obama, und all den anderen Linken, regieren längst Leute mit dieser Zielsetzung: Die westliche Kultur muß verschwinden, dann wird alles besser)

Kein Regent mit Vernunft und keine Kultur außerhalb Europa, denen an der Selbsterhaltung etwas liegt, will ein solches autodestruktives System übernehmen.

Der Nobelpreisboykott ist auch ein Boykott der Werte für die er angeblich steht. Es lohnt sich schlicht nicht mehr diesem demnächst vollkommen kollabierenden Kontinent in irgend einer Weise zu huldigen. Die Zukunft gehört China, den Rohstoffländern und der islamischen Welt. Entsprechend verschieben sich die kulturellen Werte.

Pentas ( gelöscht )
Beiträge:

10.12.2010 18:33
#3 RE: Marginalie: Die Boykotteure von Oslo Antworten

Zitat von Zettels Raum
Eine dritte Gruppe sollte man sich genauer ansehen. Staaten, die als "westlich orientiert" gelten; die zum Teil erhebliche Hilfe aus dem Westen erhalten. Pakistan, Afghanistan, der Irak beispielsweise.


Pakistan und China sind schon recht eng verbandelt. Man schaue sich nur einmal das Inventar des pakistanischen Militärs an. Pakistan überrascht mich nicht wirklich. http://en.wikipedia.org/wiki/Sino-Pakistan_relations


john j Offline




Beiträge: 591

10.12.2010 18:35
#4 RE: Marginalie: Die Boykotteure von Oslo Antworten

Wenn ich sie richtig verstehe sind sie der Meinung der Nobelpreis haette statt an Liu Xiaobo eher an Hu Jintao gehen sollen?

C. Offline




Beiträge: 2.639

10.12.2010 19:24
#5 RE: Marginalie: Die Boykotteure von Oslo Antworten

Zitat von Zettel
Solche symbolischen Akte sind Indikatoren. Hier jetzt sehen wir einen Indikator dafür, wie der Westen unter der Regierung Obama an Boden verliert, wie Chinas ´Aufstieg zur Weltmacht sich ankündigt.



Die obengenannten wären auch bei der Regierung von George Bush weggeblieben und hätte Schröder noch mit rot-grün regiert, wäre dann auch Deutschland nicht angetreten. Überraschend ist lediglich, dass die Türkei daran teilgenommen hat.

http://www.iceagenow.com/

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

10.12.2010 22:53
#6 Das kommunistische China Antworten

Lieber 123,

Zitat von 123
In der Tat zeigt sich hier eine sehr tiefgreifende Veränderung im geopolitischen Einflußgefüge.
Der Niedergang des Westens, nicht nur wirtschaftlich, demografisch und militärisch, geht einher mit dem Verlust der Fähigkeit eigene moralische Maßstäbe als global verbindlich zu etablieren.


So weit einverstanden.

Zitat
Die wirtschaftlich aufstrebenden Kulturen gewinnen an Selbstbewusstsein. Dies gilt insbesondere für China. China, selbst stets gescholten als Diktatur, hat sich erfolgreich der globalen Ökodiktatur des IPCC widersetzt, und damit der Menschheit einen unschätzbaren Dienst erwiesen.


Hm, zwischen einer Diktatur à la China und der Dominanz des IPCC, was die Interpretation der globalen Erwärmung angeht, würde ich aber doch gewisse Unterschiede sehen.

Zitat
Dieses Friedensnobelpreiskomitee hat aber die Falschaussagen Gores und die Manipulatoren des IPCC zum Klimawandel mit einem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Vielleicht eine Form der Rache, ausgerechnet einen chinesischen Systemkritiker nun auszuzeichnen.

Vielleicht eher ein Zurückschwingen des Pendels; auch vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen Zusammensetzung des Nobel-Komitees.

Zitat
China liberalisiert sich ständig.


Ist das wirklich so? Ich sehe nur eine klassische kommunistischen Diktatur mit allem, was dazugehört - eine allmächtige Geheimpolizei, eine Staatspartei, die eine für jeden Bürger verbindliche Weltanschauung verkündet und durchsetzt, eine Willkürjustiz. Die vollständige Kontrolle der Medien durch die Partei; keine freie Presse, keine Vereins- und Versammlungsfreiheit. Wo sehen Sie die Liberalisierung?

Liberalisiert wurde, soweit ich sehe, allein die Wirtschaft. Soweit ich das verstanden habe, sehen das die chinesischen Kommunisten aber nicht als Abkehr vom Marxismus. Sie argumentieren, daß auch China die Stufe des Kapitalismus durchlaufen muß, bevor die wirtschaftlichen Bedingungen für einen Aufbau des Sozialismus gegeben sind.

In gewisser Weise kann man das sogar als eine Rückkehr zu Marx interpretieren, den Lenin in diesem Punkt korrigiert hatte, indem er von der russischen Feudalgesellschaft direkt in den Soialismus springen wollte; oder vielmehr sein Land dorthin prügeln. Mao wollte dasselbe mit der chinesischen Gesellschaft. Das haben seine Nachfolger korrigiert.

Mehr an Liberalisierung sehe ich nicht, lieber 123. Wer gehofft hatte, daß die Olympischen Spiele eine Liberalisierung in den Bereichen außerhalb der Wirtschaft mit sich bringen würden, der wurde vollständig enttäuscht.

Die Spiele waren die perfekte Inszenierung eines Polizeistaats; gewissermaßen ein modernes Berlin 1936.

Zitat
Bedenkt man welchen Weg es zurück gelegt hat seit Mao, ist dies höchst bemerkenswert. Noch nie ging es den Menschen in China so gut, waren sie so frei, war es so friedlich und das Leben sicher von Bedrohungen wie Krankheit, Naturkatastrophen, (Bürger)Kriegen. Diese Leistung ist schlicht phänomenal, und wird dennoch nie gewürdigt. Es muß beleidigend wirken, wenn sich der Westen dann böswillig auf die wenigen übrigen Negativaspekte China stürzt, und alles Positive vollkommen ignoriert wird.


Als in den sechziger Jahren die ersten HighTech-Geräte aus Taiwan und Singapur kamen, als bald Taiwan führend bei Computern wurde, dachte ich oft: Was könnte aus dieser alten Kulturnation China, diesem hochbegabten Volk werden, wenn dort nicht die Kommunisten herrschten.

China hatte ja in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg den Weg in die Industrialisierung, in eine moderne Industriegesellschaft begonnen. Hätte Tschiang den Bürgerkrieg gewonnen und nicht Mao, dann hätte sich das Festland so entwickelt wie Taiwan; wo die Voraussetzungen übrigens, als Tschiangs geschlagene Armee dorthin (auf das damalige Formosa) flüchtete, ungleich schlechter gewesen war als auf dem Festland.

Die Kommunisten haben China fast ein halbes Jahrhundert lang runiert und lockern jetzt ihren Griff. Eine Leistung kann ich darin nicht sehen. Das Land entwickelt sich allmählich so, wie es sich ab 1950 hätte entwickeln können, wenn nicht die Diktatur Maos mit dessen aberwitzigen und barbarischen Ideen es daran gehindert hätte.

Was den Wohlstand angeht, stimmt das, was Sie schreiben, sicherlich für das städtische Bürgertum. So war es auch im Frühkapitalismus, dessen Phase der, mit Marx zu sprechen, ursprünglichen Akkumulation China in den vergangenen Jahrzehnten nachgeholt hat.

Damals war die Kehrseite die Armut der Landbevölkerung und teilweise des Proletariats. In China existiert diese Armut in einem Ausmaß, das im Westen kaum mitgeteilt und kommentiert wird. Aufstände sind an der Tagesordnung, nur erfährt man selten davon.

Würden irgendwo auf der Welt in einer offenen Gesellschaft, über die Informationen frei nach außen dringen, solche Zustände herrschen und gäbe es irgendwo eine so krasse und schamlose Klassengesellschaft wie in China, dann wäre dieses Land der Lieblingsfeind aller Linken.

Herzlich, Zettel

123 Offline



Beiträge: 287

11.12.2010 01:28
#7 RE: Das kommunistische China Antworten

Lieber Zettel,

ich habe China auch viel negativer gesehen bis ich dort war. Es kann nicht mit den kommunistischen Diktaturen des ehemaligen Ostblocks verglichen werden. Es ist weitaus liberaler, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht.

Zitat
Hm, zwischen einer Diktatur à la China und der Dominanz des IPCC, was die Interpretation der globalen Erwärmung angeht, würde ich aber doch gewisse Unterschiede sehen.



Bedenken Sie, daß "Klimaschutz" eine Verelendung der gesamten Menschheit zur Folge hat und nur über vollkommene Leitmedienzensur durchsetzbar ist. (In den BRD-Medien längst vollzogen). Einen totalitären Wahrheits- und Gestaltungsanspruch haben IPCC und KPC beide. Jedenfalls verdanken wir ausgerechnet der KPC daß sich diese erste globale Planwirtschaftsstruktur (vorläufig) nicht durchsetzen ließ. Der Westen ist zum Widerstand gegen solche Ambitionen ja nicht mehr in der Lage, bzw. sogar ihr ärgster Betreiber.

Es ist schon bemerkenswert, daß ausgerechnet ein Staat der sich kommunistisch nennt, aber nicht mehr ist, dem Westen, der sich liberal nennt, aber gern (öko)sozialistisch sein möchte, vor der neo-sozialistischen Selbstzerstörung im Ökogewand bewahrt haben könnte.

Zitat
Liberalisiert wurde, soweit ich sehe, allein die Wirtschaft.


Ausgehend von der Zeit Mao´s ist China heute unbestreitbar liberaler geworden. Wirtschaftliche Freiheit ist jedoch sehr konkrete Freiheit, speziell wenn man das Land nach belieben verlassen und sich innerhalb dieses Landes frei bewegen kann. Schon hier eine enorme Veränderung zu Mao oder Honeckers und Gysis DDR.

Zitat
Ich sehe nur eine klassischen kommunistischen Diktatur mit allem, was dazugehört - eine allmächtige Geheimpolizei, eine Staatspartei, die eine für jeden Bürger verbindliche Weltanschauung verkündet und durchsetzt, eine Willkürjustiz. Die vollständige Kontrolle der Medien durch die Partei; keine freie Presse, keine Vereins- und Versammlungsfreiheit. Wo sehen Sie die Liberalisierung?



Im Alltag merken sie nichts von dieser Geheimpolizei. Die Leute sagen offen was ihnen nicht passt ohne Anzeichen von Furcht. Ich war darüber sehr erstaunt. (Beobachten sie mal in der BRD, wenn die Leute über Moslems/Islam oder Sozialstaatsmißbrauch reden - viele werden dann plötzlich leiser, drehen sich um um sich zu vergewissern, daß wirklich nur der richtige Gesprächspartner das Gesagte hört. Ein Zeichen von Angst und Indikatór für effektive Sanktionen) Und sie sind ziemlich gut informiert, auch über Mißstände in ihrem Land. So einseitig können die Medien also auch nicht sein. Ob die Justiz willkürlich ist - naja, eine Susanne Winter wurde in Österreich bestraft für eine wahrheitsgemäße Aussage bezüglich des Propheten Mohammed. Sicher nicht vergleichbar mit Strafmaßen in China, nur Geld - aber Haft auf Bewährung. Vieles von dem was der Westen China vorwirft, praktiziert er längst selbst, speziell in Europa und der BRD. Wenn auch (noch) in milderer Form.

Aber früher kam man in China für Systemkritik in Lager, wo viele starben. Heute haben auch Systemkritiker ihren Anwalt, und verschwinden nicht einfach. Ein Fortschritt, wenn man bedenkt wie es in China unter Mao zuging und das muß man anerkennen als Liberalisierung.

Zitat
Soweit ich das verstanden habe, sehen das die chinesischen Kommunisten aber nicht als Abkehr vom Marxismus. Sie argumentieren, daß auch China die Stufe des Kapitalismus durchlaufen muß, bevor die wirtschaftlichen Bedingungen für einen Aufbau des Sozialismus gegeben sind.



Aus Sicht der KPC logisch. Sie will ja ihre Machtlegitimation aufrecht erhalten. Das kann sie nur, wenn sie sich weiterhin auf Marx und teils auch Mao beruft.

Zitat
Als in den sechziger Jahren die ersten HighTech-Geräte aus Taiwan und Singapur kamen, als bald Taiwan führend bei Computern wurde, dachte ich oft: Was könnte aus dieser alten Kulturnation China, diesem hochbegabten Volk werden, wenn dort nicht die Kommunisten herrschten.



Wie Recht Sie damit haben. Allerdings machen die Chinesen heute mehr aus diesem "Kommunismus" als alle anderen Kulturen. Man könnte sagen: Im Guten wie im Schlechten (unter Mao).

Zitat
Die Kommunisten haben China fast ein halbes Jahrhundert lang runiert und lockern jetzt ihren Griff. Eine Leistung kann ich darin nicht sehen.



Die Leistung besteht in der Fähigkeit zur Problemanalyse und Selbstkritik. Dazu sind westliche Linke bis heute nicht fähig, weshalb heute die DDR zunehmend als mustergültiger Sozialstaat gesehen wird und zugleich die antikapitalistische Rhetorik heute dominiert. Zudem ist es in China gelungen diesen Wandel nahezu vollständig unblutig zu gestalten. Der eigentliche Begründer des heutigen China ist nicht Mao, sondern Deng Xiao Ping. Mao ist praktisch nur noch Gründungsmythos, und man spricht offen über seine "Fehler".

Innerhalb der KPC findet ebenfalls ein politischer Kulturwandel statt. Weg von der europäisch-marxistischen Lehre hin zu einer national-chinesischen Variante, quasi einer Anschmiegung an die chinesische Mentalität, sie haben das oben als "alten Kulturnation China, diesem hochbegabten Volk" beschrieben. Weg vom Dogmatismus, hin zum Pragmatismus. Deng´s langer Marsch sozusagen.


Zitat
Was den Wohlstand angeht, stimmt das, was Sie schreiben, sicherlich für das städtische Bürgertum. So war es auch im Frühkapitalismus, dessen Phase der, mit Marx zu sprechen, ursprünglichen Akkumulation China in den vergangenen Jahrzehnten nachgeholt hat.



Ist nicht vergleichbar. Die Mittelschicht in China, das Bürgertum, ist schon von der Anzahl her riesig. Der Wohlstand steigt breit an. Zuerst in den Sonderwirtschaftszonen nahe Hong-Kong, dann Shanghai, nun immer mehr Städte bis hinein in die hinteren Provinzen. Überall neue, viel bessere Wohnungen, zunehmende Verkehrsmobilität, überall sehr gute Warenangebote. Auch wenn die Landbevölkerung noch sehr arm ist, so bessert sich die Situation immer mehr.

Ich denke, man darf hier nicht Perfektion erwarten, daß alle zugleich den gleichen Wohlstand erlangen. Im Westen wird dieser Maßstab aber suggeriert, um China schlecht darzustellen. Gegenüber islamischen oder linken Ländern kommt er übrigens nie zur Anwendung.

Zitat
In China existiert diese Armut in einem Ausmaß, das im Westen kaum mitgeteilt und kommentiert wird. Aufstände sind an der Tagesordnung, nur erfährt man selten davon.



Im Vergleich zu Indien, Afrika und vielfach Lateinamerika, aber auch Pakistan oder Ägypten auf dem Land, stehen die ärmeren Chinesen gar nicht so schlecht da. Ob es so viele Aufstände gibt - wie will man das wissen ? Plausibel erscheinen sie nur in sofern, daß Aufstände nur in relativ liberalen Gesellschaften überhaupt stattfinden können. Allein schon um sich zu artikulieren und zu mobilisieren bedarf es einer gewissen Liberalität. Undenkbar unter Mao, ebenso in allen heutigen islamischen Ländern ein Protest für einen Systemwechsel ohne Islam. Undenkbar waren Aufstände auch in der DDR vor Gorbatschow.
Im Übrigen ist unwahrscheinlich, daß die BRD Aufstände gegen Steuererhöhungen nicht niederschlagen würden, oder gegen Windräder, Moscheebauerei und Geschlechterapartheid. Auch wären bei solchen Protesten systematische Kriminalisierungen zu erwarten um Repressoinsdruck aufzubauen. Angetrieben würde dies von unseren Ökolinken. Nur daß die Leute hier zu passiv sind, mal aufzumucken gegen die Mißstände in der BRD, heißt noch lange nicht, daß hier nicht auch die Gefahr totalitärer Zuspitzung bestünde. So gesehen erscheinen die staatlichen Gegenmaßnahmen gegen Aufstände eher als normal systemerhaltend, als besonders repressiv.

Zitat
Würden irgendwo auf der Welt in einer offenen Gesellschaft, über die Informationen frei nach außen dringen, solche Zustände herrschen und gäbe es irgendwo eine so krasse und schamlose Klassengesellschaft wie in China, dann wäre dieses Land der Lieblingsfeind aller Linken.



1. Die Klassengesellschaft in China gibt es nicht mehr. Sie ist hochgradig durchlässig.
2. Aufgrund der von reinen machtpolitischen Erwägungen geprägten Moral der Linken halte ich die heutige Kritik der westlichen Linken an China für einen Racheakt, weil Deng´s China sich von Mao´s Konzept abgewendet hat.

Wirklich brutale Klassengesellschaften sind alle islamischen (auch die Enklaven im Westen), das hinduistische Kastensystem, und die Klassenunterschiede in immer noch großen Teilen Lateinamerikas sowie die Clangesellschaften Afrikas. Hier ist es meist unmöglich seinen Status zu verändern. Hinzu kommt beim Islam die äußerst brutale Frauendiskriminierung. - Hier hat die KPC sogar unter Mao wirklich enorme Fortschritte erzielt.

Nein, China werden nur deshalb Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, weil es eben nicht mehr Mao´s China ist. Sondern ein marktwirtschaftlicher Staat mit sehr ausgeprägter (aber reletiv effizienter) Zentralbürokratie. Eigentlich ganz ähnlich wohin sich die EU entwickelt, dabei aber weniger effizient und kompetent. China ist ein Rivale geworden, und wird den Westen bald wirtschaftlich und militärisch überholen. Da will man sich wenigstens noch moralisch überlegen fühlen, und Moral als Machtinstrument einsetzen können.

Nur - China löst sich auch aus der moralischen Dominanz des immer linkeren Westens, und wird früher oder später auch in Fragen der Ethik zumindest Gleichrangigkeit einfordern, bzw. schlicht Fakten schaffen, weil der Westen nur noch eine Kulisse des Wohlstandes ist und bald zusammenbricht unter seinen sozialstaatlichen Versprechungen, Trägheit und öko-bedingten Fortschrittsfeindlichkeit.


Ob einem gefällt oder nicht was sich in China abspielt. Klar ist:

China ist die künftige wirtschaftliche Weltmacht. Wahrscheinlich auch bald von der Innovationskraft her. Man sollte mit China auf Kooperation setzen anstatt auf Konfrontation, gemeinsam Wohlstand und Frieden anstreben, und sich verbünden gegen den wirklichen Feind beider Systeme, den Islam. Der für China innenpolitisch eine erhebliche Bedrohung darstellt aufgrund leicht fanatisierbarer islamischer Minderheiten.


P.S.: Ich denke China funktioniert nicht als Demokratie nach westlichem Muster, sondern würde zerfallen aufgrund von Machtkämpfen und in Bürgerkriegen versinken. Die Wahl die China hat ist nicht Demokratie und Menschenrechte, sondern Demokratie und Blutvergießen. Auch wenn einem der Gedanke aus westlicher Sicht nicht gefällt, aber da erscheint der jetzige Zustand als der weitaus bessere. Denn die chinesiche Geschichte zeigt: Immer wenn die Machtfrage nicht eindeutig geklärt war, fanden Machtkämpfe in gradezu genozidaler Dimension statt.


Herzlich 123,

und nebenbei mal wieder Danke für ihre vielen erstklassig recherchierten Hintergrundanalysen. Enorme Arbeit steckt da drin, und hat ein Niveau das man in kaum noch einem etablierten Medium findet. Wünsche Ihnen (nicht ganz uneigennützig ) darum noch viel Freude am bloggen und beste Gesundheit.

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

11.12.2010 11:14
#8 RE: Das kommunistische China Antworten

Lieber 123,

vielen Dank für Ihre bemerkenswerten Artikel. Ganz so linear scheint die Entwicklung auch in China nicht zu verlaufen! Mal sehen, was passiert, wenn der Riese Fieber bekommt...

Herzlich, Thomas

Meyer2 ( gelöscht )
Beiträge:

11.12.2010 19:30
#9 RE: Das kommunistische China Antworten

Zitat von FAZ 11.12.2010
Mit Hilfe der Weltbank soll ein Grüner Klimafonds etabliert werden, um arme Länder etwa bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Insgesamt sehen es die Länder als nötig an, dass bis 2020 jährlich rund 100 Milliarden Dollar (75 Milliarden Euro) Klimahilfsgeld zusammenkommen.

Wir können jetzt so tun, als wüssten wir nicht wer bezahlt.
Wir können aber auch der Wahrheit ins Auge sehen. Es bezahlt, wer immer bezahlt (an Merkel wird es garantiert nicht scheitern).
Auch das ein Unterschied zu China. Die Kommunisten sind sicherlich nicht besonders angenehme Leute. Aber die kämen nicht mal im Traum auf die Idee, das Vaterland zugunsten ausländischer Abzocker (90% der Transfers werden dort landen, wo die immer landen) auszuplündern.

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