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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 740 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Johann Grabner Offline



Beiträge: 84

30.09.2011 00:23
Deutsche Mark und Target Antworten

wenn Professor Sinn verhindern will, daß sich die Target-Salden weiter aufbauen, dann müßte der dafür plädieren, innerhalb der Eurozone eine Art Devisenbewirtschaftung einzuführen, wie sie in Deutschland von 1931 bis 1958 praktiziert wurde: http://zettelsraum.blogspot.com/2011/09/...der-jungen.html , wenn er nicht von seinen anderen Standpunkten (Austritt aus der Eurozone, Schuldenschnitt) abweichen will.

seit der öffentlichen Diskussion über die Nichtigkeit des Teils des AEUV, der die "Unwiderruflichkeit" der Währungsunion festgeschrieben hat, gibt es nämlich in den Köpfen verschiedene Euro: sichere deutsche Euro und unsichere griechische, spanische, irische... Euro. Und da Sicherheitsarbitrage nichts kostet, heben die Menschen ihr Geld in den betroffenen Ländern ab und bringen es (vor allem) in Deutschland in Sicherheit. Das läßt sich entweder durch Kapitalvekehrskontrollen á ja Außenhandelsbanken regeln, oder durch eine wasserdichte Garantie, daß die Währungsunion tatsächlich unwiderruflich besteht. Ev. gekoppelt mit einem europäischen Einlagensicherungssystem. Ohne dem wird der "stille Bank Run" nicht abebben. Wäre ich Grieche, würde ich es ja auch so machen.

DrNick Offline




Beiträge: 795

30.09.2011 08:41
#2 RE: Deutsche Mark und Target Antworten

Zitat
Ich weiß in diesem Zusammenhang nicht, warum etwa Griechenland Probleme bei der Finanzierung des eigenen Haushalts hat, die bis zur Zahlungsunfähigkeit reichen. Als letzten Ausweg kann das Finanzministerium ja bei jeder Geschäftsbank vor Ort oder bei einem neu zu gründenden, in öffentlichem Eigentum stehenden Institut Wechsel in beliebiger Höhe einreichen. Diese nicht marktfähige Sicherheit läßt sich dann bei der Zentralbank Griechenlands gegen Euro tauschen. Das wäre eine zwar nur zur vorübergehenden Finanzierung sinnvolle, aber nach Art. 123 EUV legale Form der Staatsfinanzierung.



Wenn das wirklich so ist, wäre das Euro-System schon in seinen Fundamenten völlig hirnrissig konstruiert. Die No-Bail-Out-Klausel aus Art. 125 AEU-Vertrag hätte bei dieser Lesart ja überhaupt keinen echten Gehalt mehr. Griechenland könnte eine Art Hellas-LB gründen, die mal eben neue Staatsanleihen von 100 Milliarden kauft, das Geld an den griechischen Finanzminister überweist und dafür wiederum von der EZB Geld bekommt.

In Art. 123 AEUV wird ja zunächst nur zwischen (nationalen) Zentralbanken und "Kreditinstituten in öffentlichem Eigentum" unterschieden. Während die Zentralbanken keine Staatanleihen erwerben dürfen, ist dies den "Kreditinstituten in öffentlichem Eigentum" erlaubt. Die Nicht-Zentralbanken werden allerdings "was die Bereitstellung von Zentralbankgeld betrifft, wie private Kreditinstitute behandelt."

Das heißt, der entscheidende Punkt scheint mir gar nicht der Art. 123 zu sein; vielmehr geht es um die Frage, welche Wertpapiere von der EZB als Sicherheit akzeptiert werden. Die von der "Hellas-LB" erworbenen Staatsanleihen wären ja nach normalen Standards wertloser Plunder. Dummwerweise akzeptiert die EZB aber seit dem letzten Frühjahr auch Ramschpapiere als Sicherheit, und wie man hier sehen kann, tut sie es nach wie vor, z.B. die bis 2020 laufende Anleihe GR0124032666, die eine Rendite von fast 24 % bringt.

Wenn sich die EZB noch um Ratings kümmern würde, könnte das von Ihnen skizzierte Finanzierungsinstrument also gar nicht funktionieren. Wenn ich die einschlägigen Regeln richtig verstehe, würde es Griechenland auch nichts bringen, den Umweg über die griechische Zentralbank zu wählen, denn es gibt doch ein "einheitliches Sicherheitenverzeichnis", das für alle nationalen Zentralbanken gilt.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

30.09.2011 09:40
#3 RE: Deutsche Mark und Target Antworten

Zitat von DrNick
Das heißt, der entscheidende Punkt scheint mir gar nicht der Art. 123 zu sein; vielmehr geht es um die Frage, welche Wertpapiere von der EZB als Sicherheit akzeptiert werden.


So sehe ich das auch.
Die EZB hat hier Entscheidungsfreiheit. Sie hat diese letztes Jahr genutzt, um Griechenland entgegenzukommen - sie kann das aber auch jederzeit wieder zurücknehmen.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

30.09.2011 10:01
#4 RE: Deutsche Mark und Target Antworten

Zitat von Johann Grabner
seit der öffentlichen Diskussion über die Nichtigkeit des Teils des AEUV, der die "Unwiderruflichkeit" der Währungsunion festgeschrieben hat, gibt es nämlich in den Köpfen verschiedene Euro: sichere deutsche Euro und unsichere griechische, spanische, irische... Euro.


Diese Vorstellungen gibt es in der Tat bei vielen Leuten, und entsprechend wird wie beschrieben agiert. Und da es ja wegen der angeblichen "Unwiderruflichkeit" auch keine offiziellen Ausstiegsszenarien gibt, halten sich diese Vorstellungen.

M. E. sind die aber falsch. Wenn man den Euro wieder rückabwickeln bzw. teilweise in nationale Währungen überführen wollte, dann reicht es eben nicht, die Bankguthaben umzustellen und dabei den Sitz der kontoführenden Bank als Kriterium zu nehmen.
Denn es gibt ja sehr viele Euro-Guthaben bzw. Schulden, die sind nicht bei einer Bank deponiert - von den Beträgen her werden die sogar deutlich überwiegen.

Da haben wir in erster Linie Schuldverschreibungen, staatliche wie private. Da ist nicht sicher, ob die nun automatisch nach Nationalität des Schuldners umgestellt werden.
Und da sind die vielen privaten Verträge zwischen Partnern aus allen möglichen EU-Ländern, in denen Zahlungsverpflichtungen enthalten sind. Wenn z. B. ein deutscher Kunde bei einem italienischem Lieferant gekauft und Zahlung in Euro vereinbart hat - müssen dann nach Umstellung Lira oder Mark fließen? Es gibt da keine einfachen Lösungen, weil die Vertragsbeziehungen beliebig kompliziert mit Akteuren aus verschiedenen Ländern sein können (ich hätte da einige interessante Beispiele im Aktenschrank, und da geht es um viel Geld).

Und nicht zu vergessen: Viele Milliarden Euro werden von Besitzern auf Bankkonten gehalten, die überhaupt keiner Euroland-Nationalität zuzuordnen sind. Alle möglichen Leute/Firmen aus vielen Ländern halten Euro-Beträge in London oder Zürich. Die werden bestimmt nicht in Pfund oder Franken umgewandelt ...

Eine ordnungsgemäße Ablösung des Euro könnte m. E. nur durch einen Währungskorb erfolgen. D.h. es wird (wie bei der Euro-Bildung) eine nach BSP gewichtete Mischung errechnet und JEDES Euro-Guthaben in den neuen Währungskorb umgerechnet.
Beispiel: Die "PIGS" treten aus und der Rest der Euro-Zone macht weiter. Es gibt dann vier "neue" nationale Währungen und es gibt einen Euro, der zumindestens rechnerisch auch "neu" wäre.

Dann würde jeder bestehende Euro umgerechnet und man bekommt vielleicht für 100 alte Euro 80 neue Euro, 1 neue Drachme, 2 neue Escudos, 7 neue Peseten und 10 neue Lira.
Und da das für alle Euros auf egal welchen Konten gleichermaßen passiert, würde eine "Devisenbewirtschaftung" überflüssig.

Johann Grabner Offline



Beiträge: 84

30.09.2011 12:10
#5 Sinn's Vorschlag in der Kritik Antworten

http://www.iiea.com/blogosphere/professo...sses-the-target

Zitat

Understand what a limit on Target 2 balances would imply. It’s September 2012 and I’m writing a cheque to a German economics journal to pay my submission fee. However, the cheque bounces. Even though I have sufficient money in my account, I’m told that Ireland has reached its limit on its Target 2 balance, so the ECB is refusing to transfer my money. In other words, the euros in my bank account can’t do the same things that a euro in a German bank account can do. This kind of suspension of transfers would mean the end of the Euro as a single currency.

Florian Offline



Beiträge: 2.869

30.09.2011 13:14
#6 RE: Deutsche Mark und Target Antworten

@ R.A.:

Zustimmung zur Analyse.

Jedoch:

Zitat

Eine ordnungsgemäße Ablösung des Euro könnte m. E. nur durch einen Währungskorb erfolgen. D.h. es wird (wie bei der Euro-Bildung) eine nach BSP gewichtete Mischung errechnet und JEDES Euro-Guthaben in den neuen Währungskorb umgerechnet.
Beispiel: Die "PIGS" treten aus und der Rest der Euro-Zone macht weiter. Es gibt dann vier "neue" nationale Währungen und es gibt einen Euro, der zumindestens rechnerisch auch "neu" wäre.

Dann würde jeder bestehende Euro umgerechnet und man bekommt vielleicht für 100 alte Euro 80 neue Euro, 1 neue Drachme, 2 neue Escudos, 7 neue Peseten und 10 neue Lira.
Und da das für alle Euros auf egal welchen Konten gleichermaßen passiert, würde eine "Devisenbewirtschaftung" überflüssig.




Ist das wirklich der einzige mögliche Weg? (Frage ich als volkswirtschaftlich ausgebildeter aber währungspolitisch ahnungsloser Mensch).

Gäbe es nicht folgende Alternative:

Griechenland steigt am 1.1.2012 aus dem Euro aus und führt eine Neue Drachme (ND) zum Kurs 1:1 ein.
Der Euro ist aber deshalb in Griechenland nicht "illegal". Es ist weiter möglich, bei einer griechischen Bank ein Euro-Konto zu haben. Genauso wie bei einer deutschen Bank z.B. ein Dollar-Konto.
Verträge, die in Euro geschlossen wurden, müssen auch in Griechenland weiter in Euro bedient werden.

Ggf. hat der Schuldner bei Dauer-Verträgen (wie Miete oder Arbeitsvertrag) die Option auf eine Änderungskündigung, so dass künftige Zahlungen in ND geleistet werden könnten.

Zukünftige laufende Zahlungen des griechischen Staates (Gehälter, Renten,etc.) werden sebstverständlich in ND geleistet.

ND ist außerdem das gesetzliche Zahlungsmittel.
Auch dies betrifft aber natürlich nur künftige Verträge, nicht Alt-Verträge die in Euro geschlossen wurden.

Das Ergebnis wäre in Griechenland ein Misch-System.
Das ist aber soweit ich sehe unproblematisch. Es gibt viele Weichwährungs-Länder, in denen z.B. das laufende Geschäft in Landeswährung und die Wertaufbewahrung in Dollar gemacht wird.


Vorteil dieser Methode wäre m.E., dass es sich hier um eine liberale Lösung handelt, die auf Zwangsmaßnahmen weitgehend verzichtet.
Es gibt auch keine stille Enteignung griechischer Bankkunden, so dass es auch keine Bank-Run gäbe (zumindest solange die Banken nicht pleite gehen - auch dies ist bei dieser "sanften" Umstellung aber eher gewährleistet als bei einer "harten" Lösung).

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

30.09.2011 15:56
#7 RE: Deutsche Mark und Target Antworten

Zitat von Florian
Ist das wirklich der einzige mögliche Weg?


Es ist m. E. die einzige rechentechnisch saubere Lösung, die Währungsunion aufzulösen. Man kann natürlich andere Verfahren wählen - aber wird es immer heftige Abgrenzungsprobleme und Willkür geben.

Zitat
Griechenland steigt am 1.1.2012 aus dem Euro aus und führt eine Neue Drachme (ND) zum Kurs 1:1 ein.


Eine zusätzliche Währung einzuführen ist natürlich möglich. Das wäre eben keine Auflösung der Währungsunion. Rein theoretisch könnten ja auch die Euro-Nutzer sich dazu entschließen, ihre neuen Geschäfte nur noch in Franken oder Pfund abzuwickeln. Dann wäre der Euro mittelfristig (wenn alle noch laufenden Geschäfte ausgelaufen sind) auch beendet, aber eben alle bestehenden Verpflichtungen sauber gelöst.

Zitat
Verträge, die in Euro geschlossen wurden, müssen auch in Griechenland weiter in Euro bedient werden.


Eben. Und damit wäre mit dieser Neuen Drachme auch nichts gewonnen (außer Aufwand). Insbesondere wäre Griechenland immer noch überschuldet.

Zitat
Ggf. hat der Schuldner bei Dauer-Verträgen (wie Miete oder Arbeitsvertrag) die Option auf eine Änderungskündigung, so dass künftige Zahlungen in ND geleistet werden könnten.


Wenn man das politisch will, dann braucht man dazu keine neue Währung!

Der ganze Knackpunkt bei einer "weichen" Währung bzw. der Konkurrenzfähigkeit durch Währungsabwertung besteht ja darin, daß man nötige Lohnsenkungen indirekt durchführen kann. Die Leute bekommen zwar noch denselben Lohn, aber der ist halt weniger wert.

Ein solches Sonderkündigungsrecht würde diesen Effekt direkt ermöglichen. Dann kann man auch gleich per Gesetz ermöglichen, daß Löhne (in Euro) gesenkt werden können - wenn das politisch durchsetzbar ist.

 Sprung  



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