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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 24 Antworten
und wurde 2.044 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.02.2012 19:53
Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Meine Antwort; nebst einem kleinen Gang durch die Geschichte der Beziehungen zwischen Kanzler und Präsident.

Rayson Offline




Beiträge: 2.367

20.02.2012 20:12
#2 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Ach herrje, lieber Zettel, du wirst auch damit nichts daran ändern können, dass deine Kanzlerin deinen Favoriten für das Amt des Bundespräsidenten ganz offenkundig nicht wollte. Du musst dich also inder Einschätzung einer der beiden handelnden Personen irren. Für mich ist klar, welche das betrifft, aber ich überlasse natürlich dir die Wahl

Die Konsequenzen daraus werden uns demnächst beschäftigen.

--
L'État, c'est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s'efforce de vivre aux dépens de tout le monde. (Frédéric Bastiat)

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.02.2012 22:28
#3 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von Rayson
Ach herrje, lieber Zettel, du wirst auch damit nichts daran ändern können, dass deine Kanzlerin deinen Favoriten für das Amt des Bundespräsidenten ganz offenkundig nicht wollte. Du musst dich also inder Einschätzung einer der beiden handelnden Personen irren.

Aber gar nicht.

Sie schätzt ihn persönlich; vermutlich ist das gegenseitig. Sie wollte ihn nicht, weil sie eben Persönliches und Politisches trennt und er ihr als Präsident politisch nicht in den Kram paßte - weder 2010 noch jetzt.

Jetzt hat das Politische sich, dank der FDP, so entwickelt, daß er Präsident wird. Nun wird man gut zusammenarbeiten.

Wo muß ich mich da irren?

Herzlich, Zettel

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

20.02.2012 22:42
#4 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von Zettel

Jetzt hat das Politische sich, dank der FDP, so entwickelt, daß er Präsident wird. Nun wird man gut zusammenarbeiten.

Wo muß ich mich da irren?

Herzlich, Zettel



Ich hoffe, dass sich aus den beiden ein Traumpaar entwickelt. Andernfalls wird die scheinbare Niederlage der CDU/Kanzlerin gegenüber der 15% FDP noch jemandem auf die Füsse fallen. Leider wird das die 5%-FDP sein.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 11.036

21.02.2012 01:01
#5 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Je ne sais quoi. Das Zustandekommen von Gaucks Präsidentschaft wird - wenn er reüssiert (und daß er es tut, darauf darf man wohl Haus & Hof verwetten) - allenfalls als historische Fußnote erinnerlich sein. Oder, um einen Staatsmann zu zitieren: "Das Wichtigste ist, was hinten rauskommt". Die richtige Kür für zukünftige Historiker wird darin liegen, zutreffend zu erklären, warum der Umweg über die "Ära Wulff" überhaupt genommen wurde. Zettel hat das, IMHO, getroffen; aber solche Erklärungen haben es an sich, sehr schnell der Furie des Verschwindens anheim zu fallen.

H_W Offline



Beiträge: 444

21.02.2012 01:11
#6 Was sagt uns Frau Merkels Gesichtausdruck? Antworten

Zitat von Zettel
Sie schätzt ihn persönlich;



Lieber Zettel, ich habe auf Youtube einen kleinen Ausschnitt der Pressekonferenz zu Gaucks Nominierung gefunden, den ich recht amüsant finde.
https://www.youtube.com/watch?v=nhHoMPQ591w
Was bedeutet Frau Merkels Grinsen, das um bei 3:41 beginnt?
Ich fürchte ungefähr dies: "Du armer Irrer, wenn Du wüsstest..."

Wie wohl die meisten hier finde ich Ihre Einschätzung, Frau Merkel hätte das Interesse unseres Landes im Blick, für von der Realität mehrfach widerlegt.
Bei der letzten Präsidentenwahl gab es von SPDGRÜN einen Vorschlag für einen zweifellos sehr guten Mann. Dagegen hat Frau Merkel einen deutlich schlechteren Kandidaten durchgedrückt.
Nachdem jetzt "ihr" Präsident so unübersehbar gescheitert ist, wurde der bessere Vorschlag erneut gemacht. Und was tat sie? Verzweifelte Suche nach Alternativen, meist wieder ziemlich sicher nicht gute, Hauptsache nicht der Mann, der das Präsidentenamt würdig und verantwortungsvoll besetzen wird. Solch Taktieren ist nicht im Interesse unseres Landes!

Glück ist nur, daß die FDP endlich einmal nicht jeden Unsinn mitgemacht hat und sich standfest für die bessere Sache gezeigt hat.
Hätte die FDP das, wie sonst bei ihr üblich, nicht getan, hätte Frau Merkel wieder großen Schaden angerichtet.

Wenn sie sich jetzt mit Gauck irgendwie zusammenraufen wird, sicher ohne Überzeugung, sondern nur aus der Erkenntnis, daß Gauck zu viel Unterstützung hat, als daß sie die ignoriren könnte.

Ich erwarte von Herrn Gauck viel, ich traue ihm zu, daß er die Verfassungsbrüche der Merkelregierung nicht so pflegeleicht abnicken wird. Frau Merkel wußte schon, warum sie ihn lieber nicht gehabt hätte.

Gruß, H_W

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Woran erkennt man ein linksgrünes Märchen?
Es beginnt mit: Es wird einmal sein.
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Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.02.2012 03:56
#7 Mutmaßungen über Merkel Antworten

Lieber H-W,

wenn wir nach den Motiven von Politikern fragen, dann bewegen wir uns meist im Bereich der Mutmaßungen. Allenfalls nach Öffnung der Akten kann man sie mit einiger Sicherheit erschließen; aber eben nur mit einiger, denn nicht alles vertraut jemand den Akten an. Memoiren sind die andere Quelle, noch unzuverlässiger; das bedarf keiner Erläuterung.

Also, wir können nur mutmaßen. Wir sind schlechter dran als ein Schüler, der einen Aufsatz schreiben muß à la "Warum entschloß sich Wilhelm Tell, Geßler zu erschießen?" oder "Warum verließ Tony ihren Ehemann Permaneder?". Denn bei literarischen Figuren hat sich ja (meist) der Autor selbst die Motive überlegt, und wir müssen sie nur herausfinden. Das richtige Leben hat aber keinen Autoren.



Wie verfahren wir also, wenn wir uns Gedanken über die Motive von Politikern machen, zumal zeitgenössischen? Im allgemeinen so: Wir haben ein bestimmtes Bild von dem Betreffenden (wie das entstand, ist eine eigene Geschichte). Wenn es nun das Motiv für eine Handlung zu ergründen gilt, dann suchen wir nach Moriven, die in diese kognitive Struktur (Schema, Image, Bild, wie immer sie es nennen wollen) hineinpassen.

Meist werden wir fündig, und das bestätigt unser Schema. Nur selten, und meist allmählich, häufen sich Fakten, die schwer in das Schema integrierbar sind, dermaßen, das wir uns nach einem neuen umsehen. Da wird man dann vom Saulus zum Paulus; da sieht man jemanden plötzlich mit anderen Augen.

Bei Saulus war das ein plötzliche Wende zu einer positiven Sicht. Häufiger ist es, daß ein solcher Bruch den Charakter einer Enttäuschung hat. Nach der Wiedervereinigung zum Beispiel bei Menschen, die erkennen mußten, daß ihr Partner sie jahrzehntelang bespitzelt hatte.



Solange Sie, lieber H_M, und ich radikal verschiedene Bilder von der Kanzlerin haben, wird jeder von uns das, was er an Informationen bekommt, in sein Bild integrieren können.

Sie schreiben:

Zitat von H_W
Wie wohl die meisten hier finde ich Ihre Einschätzung, Frau Merkel hätte das Interesse unseres Landes im Blick, für von der Realität mehrfach widerlegt.

Sie ist nicht widerlegt, sondern Sie können die Fakten nur ebenso in Ihr Schema integrieren wie ich.

Zitat von H_W
Bei der letzten Präsidentenwahl gab es von SPDGRÜN einen Vorschlag für einen zweifellos sehr guten Mann. Dagegen hat Frau Merkel einen deutlich schlechteren Kandidaten durchgedrückt.

Nachdem jetzt "ihr" Präsident so unübersehbar gescheitert ist, wurde der bessere Vorschlag erneut gemacht. Und was tat sie? Verzweifelte Suche nach Alternativen, meist wieder ziemlich sicher nicht gute, Hauptsache nicht der Mann, der das Präsidentenamt würdig und verantwortungsvoll besetzen wird. Solch Taktieren ist nicht im Interesse unseres Landes!

Jede Wahl eines Bundespräsidenten war ein Machtspiel; und das wird immer so sein. Es ist das Wesen der Demokratie, daß nach Regeln um Macht gekämpft wird.

Im Interesse des Landes liegt es, daß die Regeln eingehalten werden; sonst nimmt die Demokratie Schaden. Im Interesse des Landes liegt es auch, daß es gegensätzliche Positionen, daß es unterschiedliche Kandidaten gibt.

Daß alle demokratischen Parteien sich auf einen Kandidaten verständigen, ist ein Ausnahmefall und sollte es sein.

Im zweiten Wahlgang der Reichstagswahlen von 1925 war das so, als gegen die beiden Feinde der Republik Thälmann und Hitler nur Hindenburg eine Chance hatte; zähneknirschend haben ihn sogar die Sozialdemokrten mitgewählt.

In Frankreich gab es 2002 eine ähnliche Situation, als neben Jacques Chirac der rechtsextreme Jean-Mari Le Pen in den zweiten Wahlgang gekommen war. Damals wählte die gesamte Linke den Rechten Chirac.

Aber das sind eben Ausnahmen. Als 2010 die Linken Gauck nominierten, war es selbstverständlich, daß die beiden Regierungsparteien ihren eigenen Kandidaten aufstellen würden. Es gab keinen Grund, den Kandidaten des politischen Gegners mitzuwählen.

Was die Ereignisse angeht, die jetzt zur Nominierung Gaucks führten, habe ich das ja gestern zu analysieren versucht.

Herzlich, Zettel

patzer Offline



Beiträge: 359

21.02.2012 09:33
#8 RE: Mutmaßungen über Gauck Antworten
R.A. Offline



Beiträge: 8.171

21.02.2012 11:05
#9 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Aus Merkel und dem von ihr so vehement abgelehnten Gauck ein "Traumpaar" zu konstruieren, das ist schon ein skurrile Idee.

Aber natürlich haben die Beiden auch Gemeinsamkeiten. Am schönsten ausgedrückt hier:

Zitat
Man könnte die beiden als politische Zwillinge betrachten, gäbe es nicht einen wichtigen Unterschied: Gauck ist gleichzeitig links, konservativ und liberal, während Frau Merkel hintereinander links, konservativ oder liberal ist. Er ist immer alles, sie ist immer das, was gerade passt.


Ein Mann mit inhaltlichen Widersprüchen und die Frau ohne Inhalte.

Gorgasal Offline




Beiträge: 4.020

21.02.2012 12:51
#10 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von R.A.
Ein Mann mit inhaltlichen Widersprüchen und die Frau ohne Inhalte.


Das Zwillingspaar ohne Eigenschaften?

--
Defender la civilización consiste, ante todo, en protegerla del entusiasmo del hombre. - Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un Texto Implícito

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.02.2012 12:55
#11 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von R.A.
Aus Merkel und dem von ihr so vehement abgelehnten Gauck ein "Traumpaar" zu konstruieren, das ist schon ein skurrile Idee.

Ja, das war a bisserl provokativ formuliert, lieber R.A. Aber ich denke, es trifft das, was wir erleben werden.

Die beiden passen einfach zusammen; viel besser als Merkel und Sarkozy. Und da Sarko demnächst abhanden kommen dürfte ... (Seine Umfragewerte haben sich seit Wochen nicht verbessert).

Zitat von R.A.
Aber natürlich haben die Beiden auch Gemeinsamkeiten. Am schönsten ausgedrückt hier:

Zitat
Man könnte die beiden als politische Zwillinge betrachten, gäbe es nicht einen wichtigen Unterschied: Gauck ist gleichzeitig links, konservativ und liberal, während Frau Merkel hintereinander links, konservativ oder liberal ist. Er ist immer alles, sie ist immer das, was gerade passt.


Ein Mann mit inhaltlichen Widersprüchen und die Frau ohne Inhalte.


Man kann das so und so sehen (siehe meine Antwort an H_W). Ich würde es so formulieren:

Beide lassen sich nicht in eine Schublade schieben. Merkel sucht nach pragmatischen, durchsetzbaren und für alle Beteiligte akzeptierbare Lösungen. Diese kann man mal als "links" und mal als "öko" und mal als "liberal" und mal als "konservativ" apostrophieren (letzteres zum Beispiel ihre strikte Weigerung, die Türkei in die EU aufzunehmen).

Gauck läßt sich aus einem anderen Grund nicht in Schubladen schieben: Weil er einen Schritt über diese Kategorien hinausdenkt; weil er sich zu jeder Frage eine eigene Meinung bildet, statt sie aus dem Vorrat fester ideologischer Inhalte abzurufen.



Übrigens bin ja auch ich, lieber R.A., nicht nur liberalkonservativ, sondern habe manchmal linke Anwandlungen. Beispielsweise gab es hier im Forum schon heftige Diskussionen, weil ich der Meinung bin, daß die Entwicklung der Kommunikationstechnik die Finanzmärkte so verändert hat, daß neue Regulierungen erforderlich sind.

Also, wenn Gauck und Merkel das Traumpaar sind ... dann dürfen Sie sich Zettel als einen von den Knaben vorstellen, die die Schleppe der Braut tragen (oder sind das immer Mädchen? keine Ahnung ).

Herzlich, Zettel

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

21.02.2012 13:19
#12 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von Zettel
Übrigens bin ja auch ich, lieber R.A., nicht nur liberalkonservativ, sondern habe manchmal linke Anwandlungen.



Einmal Sozi, immer sozi

Frank Böhmert Offline




Beiträge: 927

21.02.2012 13:31
#13 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von Zettel
Also, wenn Gauck und Merkel das Traumpaar sind ... dann dürfen Sie sich Zettel als einen von den Knaben vorstellen, die die Schleppe der Braut tragen (oder sind das immer Mädchen? keine Ahnung ).


Pff, dann gendern wir das!





Könnte allerdings auf Crossdressing hinauslaufen.

Frank Offline




Beiträge: 187

21.02.2012 13:34
#14 RE: Mutmaßungen über Merkel Antworten

Korrektur
Reichspräsidentenwahlen
1925
Zweiter Wahlgang: SPD verzichtet auf ihren Kandidaten Braun, die liberale DDP auf ihren Kandidaten Held und unterstützen im zweiten Wahlgang Wilhelm Marx vom Zentrum.
Marx verliert knapp mit 45%, da die Rechte (DNVP-DVP..) den Joker Hindenburg aus dem Ärmel zaubern, damit viele Nichtwähler zur Urne bringen (Hindenburg 48%) und die depperten Kommunisten unbedingt an ihrem Thälmann (6%) festhalten.

P.S.: Hindenburg enttäuscht seine anidemokratischen Wähler und ernennt den unterlegenen Gegenkandidaten Wilhelm Marx zum Reichskanzler.

1932 stellen SPD, Zentrum und DDP (jetzt Deutsche Staatspartei) Hindenburg als ihren Kandidaten gegen Hitler und den unvermeidlichen Thälmann auf.


KANDIDATEN ANTEIL DER STIMMEN IN %
1. Wahlgang 2. Wahlgang
(29.3.) (26.4.)
Braun (SPD) 29,0
Hellpach (DDP) 5,8
Marx (Z) 14,5

Volksblock 49,3

2. Wahlgang Marx 45,3
---------------------------------------

Held (BVP) 3,7
Jarres (DVP) 38,8
Ludendorff (NSDAP) 1,1
Reichsblock 43,6

2. Wahlgang Hindenburg 48,3
---------------------------------------
Thälmann (KPD) 7,0 6,4
Verschiedene 0,1 0,1
Wahlbeteiligung 68,9 % 77,6 %
(Aus: Walter Tormin, Die Weimarer Republik, S. 272)

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Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.02.2012 14:00
#15 RE: Mutmaßungen über Merkel Antworten

Zitat von Frank
Korrektur
Reichspräsidentenwahlen
1925

Vielen Dank für die Korrektur! Ich hatte nicht parat gehabt, daß es der dritte und nicht der zweite Wahlgang war, in dem Hindenburg von den bürgerlichen Parteien und der SPD unterstützt wurde.

Wird korrigiert.

Herzlich, Zettel

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 11.036

21.02.2012 14:06
#16 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Die taz macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube und bezeichnet Gauck als "reaktionären Stinkstiefel":
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artik...Hash=7afd487b0c

Da steht zwar der Name des Autors drüber, aber ein Redakteur, der so etwas durchwinkt, gehört ebenfalls vor den Kadi (das dürfte auch das Pressegesetz wohl so sehen).

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.02.2012 14:19
#17 *ggr* Antworten

Zitat von Zettel

Zitat von Frank
Korrektur
Reichspräsidentenwahlen
1925

Vielen Dank für die Korrektur! Ich hatte nicht parat gehabt, daß es der dritte und nicht der zweite Wahlgang war, in dem Hindenburg von den bürgerlichen Parteien und der SPD unterstützt wurde.

Wird korrigiert.


Wird nicht korrigiert.

Es ist, lieber Frank, mal wieder das alte, leidige Problem: Sie haben nicht zitiert, worauf Sie sich beziehen. Ich dachte ergo, ich hätte auf die Wahl Hindenburgs in ZR hingewiesen und habe jetzt alles durchgesehen und nichts gefunden.

Es war also vermutlich hier in diesem Thread, wo sachlich nichts korrigiert, sondern nur durch ein Edit ergänzt wird.

Hätten Sie zitiert, wäre mir die Arbeit und der Ärger erspart geblieben. Aber offenbar ist dieser kleine Wunsch von mir, den ich nun seit Jahren vortrage, in diesem Forum einfach nicht durchsetzbar.

Herzlich, wenn auch wütend, Zettel

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

21.02.2012 14:32
#18 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von Zettel
Merkel sucht nach pragmatischen, durchsetzbaren und für alle Beteiligte akzeptierbare Lösungen.


Merkel sucht nie nach Lösungen, sondern immer nur nach Auswegen.
Wenn ein Problem auf den Tisch kommt, und die Beschäftigung damit nicht zu vermeiden ist - dann nimmt sie den einfachsten Weg, um das Problem wieder wegzudrücken. Das muß nicht der beste Weg sein, nicht der preiswerteste, er muß nicht einmal wirklich funktionieren. Hauptsache vom Tisch.

Man sieht das sehr gut an der "Energiewende": Großer Medienhype wegen Fukushima, irgendetwas muß passieren. Und die einfachste Lösung ist schlicht, den von den Medien geforderten Atomausstieg sofort zu beschließen. Ohne große Untersuchung, ohne Folgenabschätzung, ohne Suche nach Alternativen.
Dann wird noch eine Verkaufsshow namens "Ethikkommission" etabliert, und dann ist das Thema durch.

Eigentlich hätte dieser Beschluß der Anfang einer intensiven und langjährigen Regierungstätigkeit sein müssen. Es besteht heftiger Handlungsbedarf bei den Netzen, bei den Marktregelungen, beim Bau neuer Kraftwerke. Die "Energiewende" ist ein Kraftakt, der regelmäßig auf Regierungsebene größere Entscheidungen erfordert.

Es arbeiten aber nur irgendwelche unteren Chargen in den Ministerien daran, ein Jahr später sind immer noch keine Entscheidungen gefällt, wir sind nur ganz knapp an einem großen Blackout vorbeigeschrammt.

Und wenn der kommt (mit Milliardenschäden), dann wird Merkel hektisch nach dem nächsten Ausweg suchen, irgendwelche dummen und teuren Maßnahmen beschließen - und dann wieder in politische Inaktivität verfallen.
Lösungen sehen anders aus.

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.923

21.02.2012 15:05
#19 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann
Die taz macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube und bezeichnet Gauck als "reaktionären Stinkstiefel":
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artik...Hash=7afd487b0c

Da steht zwar der Name des Autors drüber, aber ein Redakteur, der so etwas durchwinkt, gehört ebenfalls vor den Kadi (das dürfte auch das Pressegesetz wohl so sehen).

Nicht, wenn es Deniz Yücel ist, der Mann darf bei der taz auch unsere Frauen-Fußball-Nationalmannschaft als Schlampen bezeichnen und ist, auch wenn ich ihm politisch so gut wie nie zustimme, einer der wenigen taz-Autoren mit richtig Unterhaltungswert. Siehe auch hier: http://taz.de/Wulff-nach-dem-Ruecktritt/!87939/

Gruß Petz

"The problem with quotes from the Internet is that it is difficult to determine whether or not they are genuine" - Abraham Lincoln

Frank Offline




Beiträge: 187

21.02.2012 15:36
#20 RE: *ggr* Antworten

Zitat
Zitat von Zettel #7
Im zweiten Wahlgang der Reichstagswahlen von 1925 war das so, als gegen die beiden Feinde der Republik Thälmann und Hitler nur Hindenburg eine Chance hatte; zähneknirschend haben ihn sogar die Sozialdemokrten mitgewählt.



Sorry, lieber Zettel, darauf wollte ich mich beziehen.

1925: Hindenburg als Kandidat der Rechten gegen Marx (Weimarer Koalition) und Thälmann
1932: Hindenburg als Kandidat der Weimarer Parteien gegen Hitler und Thälmann

Es gab nur zwei Wahlgänge, im zweiten Wahlgang brauchte man keine absolute Mehrheit.

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Sit intra te concordia et publica felicitas
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Hausmann Offline



Beiträge: 710

21.02.2012 20:23
#21 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Guten Abend!

Zitat von R.A.
... und dann wieder in politische Inaktivität verfallen.

Sie irren natürlich, denn: "Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und trägt dafür die Verantwortung." :-) mfG
EDIT Eben erst Ihren Beitrag gelesen. Die Frage hat sich damit erledigt; Entschludrigung!

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.02.2012 21:50
#22 RE: *ggr* Antworten

Zitat von Frank
1925: Hindenburg als Kandidat der Rechten gegen Marx (Weimarer Koalition) und Thälmann
1932: Hindenburg als Kandidat der Weimarer Parteien gegen Hitler und Thälmann

Es gab nur zwei Wahlgänge, im zweiten Wahlgang brauchte man keine absolute Mehrheit.

Ja, danke, so ist es richtig. Ich hätte doch nachsehen sollen, statt mich auf mein Gedächtnis zu verlassen.

Herzlich, Zettel

morgenmuffel Offline



Beiträge: 11

22.02.2012 15:07
#23 RE: Marginalie: Merkel und Gauck - ein Traumpaar? Antworten

Stimme R.A. absolut zu.

Merkel gestaltet nicht, sie sucht Auswege.
Sie hat zwar Ausknocker-Qualitäten, sieht aber den Gegner vorzugsweise im eigenen Lager.

Den Bruch des Maastricht-Vertrages samt Bailout-Verbot hätte sie niemals mittragen dürfen, sondern sie hätte ein VETO einlegen müssen, wie es jüngst David Cameron tat; der handelte im Interesse seines Landes...

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

22.02.2012 16:56
#24 Macher und Gestalter Antworten

Zitat von morgenmuffel
Merkel gestaltet nicht, sie sucht Auswege.

Auswege suchen ist die Art, wie man das im Einzelnen umsetzt, was man gestalten möchte. Das eine ist Strategie, das andere die zu ihrer Realisierung erforderliche Taktik.

Ich habe, lieber morgenmuffel, schon oft auf die Ähnlichkeit zwischen Merkel und Helmut Schmidt hingewiesen. Auch ihm hat man damals den Vorwurf gemacht, nicht zu gestalten. Er sei ein "Macher", kein Gestalter.

Der größte Macher, der perfekte Auswegsucher unter den Kanzlern war Adenauer. Er hat überhaupt nichts "gestaltet". Er hat mit Geschick und Beharrlichkeit das umgesetzt, was die Situation verlangte, alternativlos: Im Inneren den Schutz der freiheitlichen Gesellschaft gegen ihre Feinde, in der Außenpolitik den Schutz der Bundesrepublik gegen die UdSSR.



Auch wenn sie nicht "gestalten", hatten diese Macher doch Prinzipien: Das Interesse Deutschlands, Freiheit und Demokratie. Exakt so ist das auch bei Angela Merkel.

Kein Kanzler - ich verweise wieder auf den Artikel von Kurbjuweit, den ich zweimal verlinkte habe - hat in der Außenpolitik so das nationale Interesse Deutschlands betont wie sie. Kaum ein Kanzler ist so eindeutig immer wieder für Freiheit und Demokratie eingetreten. Der Sozialdemokrat Schröder hat zum Beispiel den Chinesen stets nach dem Mund geredet; Merkel bringt immer wieder Themen wie Demokratie und Dissidenen zur Sprache, wenn sie mit den Chinesen verhandelt.



Politiker, die "gestalten" wollen, statt einfach ihre Pflicht zu tun, richten meist nur Schaden an. Ausgerechnet der Opportunist Schröder trat 1998 als "Gestalter" auf; man wollte "das rotrüne Projekt" in die Tat umsetzen. Es endete bekanntlich damit, daß er nach einem totalen Scheitern dieses Projekts das Ruder herumreißen und die neoliberale Agenda 2010 durchpauken mußte.

Die beiden anderern "Gestalter" unter den Bundeskanzlern waren Ludwig Erhard und Willy Brandt. Beide sind gescheitert, und zwar schneller als Schröder.



Ich habe das alles schon früher hier im Forum geschrieben, manches mehrfach. Aber was die Kanzlerin angeht, habe ich den Eindruck, bei einigen der geschätzten Mitglieder auf taube Ohren zu stoßen. Als mir das zuerst auffiel - diese seltsam unerbittliche und totale Ablehnung einer Kanzlerin, die von den meisten Menschen geschätzt, wenn nicht bewundert wird -, konnte ich es kaum fassen.

Ich verstehe das auch jetzt noch nicht.

Ich kritisiere sie ja auch; habe zum Beispiel den "Ausstieg" und damals die Nominierung Wulffs heftig kritisiert.

Aber ich sehe sie nicht als die böse Hxe, als die sie manchen vorzukommen scheint.

Herzlich, Zettel

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

22.02.2012 17:54
#25 RE: Macher und Gestalter Antworten

Zitat von Zettel
Der größte Macher, der perfekte Auswegsucher unter den Kanzlern war Adenauer. Er hat überhaupt nichts "gestaltet".


Das finde ich jetzt eine kühne Aussage.
Adenauer hatte konkrete strategische Ziele (Westbindung, europäische Einigung, Marktwirtschaft ...) und die hat er auch mit zahlreichen großen gestalterischen Maßnahmen verfolgt (Wiederbewaffnung, NATO-Beitrtt, EU-Gründung, ...).
Leider auch mit Grundsatzentscheidungen wie dem verkorksten Rentensystem.

Ähnlich war das bei Brandt (trotz der kurzen Regierungszeit) und Kohl. Schröder hatte zumindestens eine Phase des Gestaltens (die auch zu gewissen Erfolgen führte).

Zitat
Auch wenn sie nicht "gestalten", hatten diese Macher doch Prinzipien: Das Interesse Deutschlands, Freiheit und Demokratie. Exakt so ist das auch bei Angela Merkel.


Das ist die Jobbeschreibung eines Kanzlers. Auch Lafontaine würde jederzeit behaupten, er würde diesen Prinzipien folgen. Wenn es nur nach diesen Abstrakta ginge, könnte man fast jeden Politiker zum Kanzler wählen.
Entscheidend sind aber doch die Ausgestaltungsprinzipien: Mehr Staat oder mehr Markt, Zentralismus oder Föderalismus, Ausbau oder Reform des Sozialstaats und so weiter.
Da hatte jeder Kanzler seine Position, Schröder sogar mehrere wechselnde. Und bei Merkel ist da nichts.

Zitat
ich verweise wieder auf den Artikel von Kurbjuweit


Der leider nur für Spiegel-Abonnenten zugänglich ist.

Zitat
Kaum ein Kanzler ist so eindeutig immer wieder für Freiheit und Demokratie eingetreten.


Davon habe ich bisher nichts bemerken können. Merkels Sprechblasen in China sind nicht konkreter als die Schröders und haben auch nichts bewirkt.
Wo es wirklich um die Förderung von Freiheit und Demokratie geht, und wo Deutschland konkret Einfluß nehmen könnte - da bleibt sie wie üblich passiv: Ukraine, Weißrußland, Ungarn, Georgien, Türkei ...

Zitat
Aber was die Kanzlerin angeht, habe ich den Eindruck, bei einigen der geschätzten Mitglieder auf taube Ohren zu stoßen.


Wir warten schlicht auf konkrete Belege. Wo hat Merkel jemals etwas konkret für irgendeines der Ziele gemacht, die Sie bei ihr vermuten?
Merkels Amtszeit besteht im wesentlichen aus Passivität, mit Ausnahme zweier weitreichender Weichenstellungen, die ihr von außen aufgedrückt wurden: Schuldenkrise und Fukushima.

 Sprung  



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