Diesen Artikel hatte ich schon gestern schreiben wollen; aber es kamen aktuelle Themen dazwischen.
In ihm befasse ich mich nur mit den technischen Aspekten des Projekts. Sollte es gelingen - zahlreiche frühere Marslandungen sind gescheitert -, dann werde ich über die wissenschaftlichen Aspekte später einmal berichten.
So gaaanz abwegig ist der "Terror" denn doch nicht (besonders wenn man dabei in klassischen aristotelischen Kategorien von Schauspiel & Drama denkt): Es gibt da schließlich noch den "großen galaktischen Ghoul" (Gûl? Ghul?), der sich mit Vorliebe von Marssonden ernährt :
Zitat ___________ The high failure rate of missions launched from Earth attempting to explore Mars was informally called the "Mars Curse" or "Martian Curse".[38] The phrase "Galactic Ghoul"[39] or "Great Galactic Ghoul", referring to a fictitious space monster which subsists on a diet of Mars probes, was coined in 1997 by Time Magazine journalist Donald Neff, and is sometimes facetiously used to "explain" the recurring difficulties.[40][41][42] [43]
Of 38 launches from Earth in an attempt to reach the planet, only 19 have succeeded, and As of November 2011,[citation needed] the success rate is 50%. Twelve of the missions included attempts to land on the surface, but only seven transmitted data after landing.[citation needed] The majority of the failed missions occurred in the early years of space exploration and were part of the Soviet and later Russian Mars probe program that suffered several technical difficulties. ______________
Besonders auffällig wird das, wenn man bedenkt, daß im Grunde sämtliche Missionen zu anderen Destinationen ein Erfolg waren - ob nun zum Merkur, zur Venus, zum Mond oder weiter nach draußen.
Zitat von Zettel im Beitrag #1Sollte es gelingen - zahlreiche frühere Marslandungen sind gescheitert -, dann werde ich über die wissenschaftlichen Aspekte später einmal berichten.
Ich vermute, daß die Leser von ZR unter den ersten waren, die in Deutschland davon lesen konnten; jedenfalls betrug der publication lag weniger als eine Minute.
Besser dran waren natürlich diejenigen, die die Übertragung verfolgt haben.
Der Jubel beim JPL ist buchstäblich grenzenlos. Weniger als fünf Minuten nach der Landung sah man schon die ersten Bilder - den Marsboden, den Horizont und ein Rad von Curiosity.
"Die Menschheit" landet (dank Ingenieurskunst) auf dem Mars, aber in Deutschland diskutiert man lieber über die politische Einstellung des Freundes einer Ruderin.
Zitat von Zettel im Beitrag #8vermutlich wird es jetzt interessant.
Eher nicht.
Der Ablauf des Landevorgangs war extremely neat, extrem sauber. Alle Werte lagen also sehr nah an den nominellen. Offenbar ist man nah am Zentrum der Ellipse, in der die Landung erfolgen sollte; das ist aber noch nicht bestätigt. Bei der Landung waren noch reichlich Treibstoffreserven vorhanden.
Die für mich interessanteste Information war, daß die Lebensdauer von Curiosity theoretisch unbegrenzt ist, denn es gibt keine notwendigen Substanzen in dem Gerät, die allmählich aufgebraucht werden würden.
Eine notwendige Substanz gibt es allerdings schon an Bord: Plutonium. Denn - ein Punkt, der in der deutschen Berichterstattung wenig gewürdigt wurde, soweit ich sie kenne - Curiosity bezieht seine Energie nicht von der guten Sonne, wie frühere Rover - sondern aus Atomstrom .
An Bord ist ein RTG (radioisotope thermoelectric generator), der die Zerfallswärme von Plutonium in elektrische Energie umwandelt.
Plutonium ist also eine notwendige Substanz an Bord von Curiosity; aber bei einer Halbwertszeit von mehreren Jahrzehnten wird der Strom so schnell nicht ausgehen.
Die ESA hätte ein solches Gerät vermutlich nie starten können, denn was wäre, wenn der Start mißglückt wäre und alle die Atome regneten auf die Menschen herab?
Und wie kann man es überhaupt ethisch vertreten, den Mars radioaktiv zu verseuchen?
Ansich eine uralte Technologie, die schon seit ewigen Zeiten läuft - bis hin zu Herzschrittmacher. Wie kam man eigentlich auf die laveden Sonnenpaddel?
Zitat von Hausmann im Beitrag #12Wie kam man eigentlich auf die laveden Sonnenpaddel?
Weil Solarzellen viel billiger sind als Radionuklidbatterien. Die ersten Solarzellen im Weltraum waren an Bord des amerikanischen Satelliten Vanguard 1 als Alternative zu chemischen Batterien.
Radionuklidbatterien machen nur Sinn weit draußen im Sonnensystem, wie Mission zum Pluto, oder wie beim jetzigen Rover, weil eine Lösung mit Solarzellen einfach zu sperrig geworden wäre.
Zitat von ZettelDie ESA hätte ein solches Gerät vermutlich nie starten können, denn was wäre, wenn der Start mißglückt wäre und alle die Atome regneten auf die Menschen herab?
Die NASA-ESA-ASI Mission Cassini–Huygens hatte Radionuklidbatterien an Bord. Ich glaub das hat zu den berühmten "Keine Atome im Weltraum"-Sager einer Wiener Lokalpolitikerin geführt.
Zitat von Zettel im Beitrag #7Ich vermute, daß die Leser von ZR unter den ersten waren, die in Deutschland davon lesen konnten; jedenfalls betrug der publication lag weniger als eine Minute.
Herzlichen Dank! Wobei mir die Geschwindigkeit eigentlich weniger wichtig ist. Aber ohne ZR hätte ich von der ganzen Sache vielleicht gar nichts mitbekommen. In unserer Lokalzeitung stand davon bisher nichts.
Zitat von Hausmann im Beitrag #12Ansich eine uralte Technologie, die schon seit ewigen Zeiten läuft - bis hin zu Herzschrittmacher.
Den meisten Mitteleuropäern dürfte Plutonium in der Brust ernsthaftes Unbehagen bereiten. Schon aus diesem Grund sind Radionuklidbatterien für Herzschrittmacher unsinnig. Die kleine Minderheit, zu der ich gehöre, die diese Vorstellung cool findet, ist einfach kein ausreichend großer Markt für Hersteller solcher spezialisierter Produkte. Mein TI-68 Taschenrechner lief 12 Jahre mit einer Batterie, was übrigens länger ist als die Lebensdauer von amorphen Solarzellen in Taschenrechnern. Chemische Herzschrittmacherbatterien halten sicher genau so lange.
Zitat von xanopos im Beitrag #13 Radionuklidbatterien machen nur Sinn weit draußen im Sonnensystem, wie Mission zum Pluto, oder wie beim jetzigen Rover, weil eine Lösung mit Solarzellen einfach zu sperrig geworden wäre.
Außerdem ist das letzte Mars-Erkundungsfahrzeug eingefroren, weil es nicht nur im Sand stecken blieb, sondern ausgerechnet mit den Solarzellen im Schatten. Ein solches Debakel wollte man wohl nicht noch einmal riskieren.
Wie ich hörte, gibt es übrigens ein komplettes zweites "Curiosity"-Auto, nur ohne die Batterie. Die wollte man erst im Schadensfall bauen ...
Zitat von Frank Böhmert im Beitrag #16Wie ich hörte, gibt es übrigens ein komplettes zweites "Curiosity"-Auto, nur ohne die Batterie. Die wollte man erst im Schadensfall bauen ...
Was angesichts des Preises nicht verwundert. Die RTGs der Cassini–Huygens Mission haben einige hundert Millionen $ gekostet.
Zitat von xanopos im Beitrag #17 Wie ich hörte, gibt es übrigens ein komplettes zweites "Curiosity"-Auto, nur ohne die Batterie. Die wollte man erst im Schadensfall bauen ...
Das ist der Normalfall bei Raumsonden - es kostet nicht sooo viel mehr, statt 1 Komponente sagen wir 3 herzustellen; ein montiertes Duplikat wird in einer sterilen Kammer während der Mission hochgefahren gehalten - um die Auswirkungen von Funkkommandos vorher zu überprüfen und bei Ausfällen Schadensanalyse zu betreiben. Und bei einem Fehlstart muß nicht der gesamte Arbeitsaufwand von neuem getrieben werden.
Zitat von Frank Böhmert im Beitrag #16Außerdem ist das letzte Mars-Erkundungsfahrzeug eingefroren, weil es nicht nur im Sand stecken blieb, sondern ausgerechnet mit den Solarzellen im Schatten. Ein solches Debakel wollte man wohl nicht noch einmal riskieren.
Nach über 5 Jahren erfolgreichem Rumkurven am Mars, würde ich das nicht gerade als Debakel bezeichnen, besonders da der baugleiche Rover Opportunity noch heute funktioniert.
Zitat von xanopos im Beitrag #15Den meisten Mitteleuropäern dürfte Plutonium in der Brust ernsthaftes Unbehagen bereiten.
... solange es nicht um die eigene Gesundheit geht. Hat sich aber wohl in diesem Punkt wegen ordentlicher chemischer Batterien erledigt.
Zitat Radionuklidbatterien machen nur Sinn weit draußen im Sonnensystem, wie Mission zum Pluto, oder wie beim jetzigen Rover, weil eine Lösung mit Solarzellen einfach zu sperrig geworden wäre.
Meiner Meinung nach ist eine Auswahl sinnvoll, die technologieunabhängig ist und sich am Einsatz orientiert: Robustheit, Langlebigkeit und Autonomie meinetwegen.
Man sieht, um wieviel komplexer die von Wind und Wetter geprägte Landschaft des Mars verglichen mit derjenigen des Mondes ist.
Eine "Neue Welt" im wahrsten Sinne des Wortes :)
Und das beste daran ist, dass (wie schon bei den jüngsten Planeten-Missionen zuvor) sämtliche Roh-Aufnahmen unmittelbar nach der Übertragung zur Erde bereits frei im Internet verfügbar sind !
Ich kann mich noch daran erinneren, wie ich als Kind in den 70er Jahren auf die ersten in Zeitschriften veröffentlichten Bilder der Voyager- oder Viking-Sonden wochen- und Monatelang warten musste... Heute sind wir alle in Echtzeit bei der Entdeckung einer neuen Welt dabei, sitzen praktisch selbst als Zuschauer mit im Cockpit :-)
Im Verhältnis dazu scheinen mir die Kosten der Mission von 7 Dollar pro US-Bürger (bzw. weniger als 1 Dollar pro Weltbürger) verschwindend gering :)
Zitat Jemanden, der panische Angst vor allem was strahlt hat, macht schon die Vorstellung vom Plutonium in der Brust krank.
Aha + Danke für Ihre Mitteilung dazu, was sich andere Leute so vorstellen und dazu, was Sie sich so vorstellen, was andere Leute krank machen könnte. :)
Es handelt sich doch ganz bestimmt um irgendeine finstere Machenschaft. Stanislaw Lem hat das in seinem buchlangen Porträt/Interview, Lem über Lem, auf den Punkt gebracht: (sinngemäß) "Da landen die Amerikaner auf dem Mond, und sie haben nichts Besseres zu tun, als ihre Schrottautos dort zu deponieren. Typisch amerikanisch..." (Soweit mir erinnerlich, waren in den 1971/72er Ausgaben des Whole Earth Catalog Fotos von der Umgebung der Landeplätze der späteren Apollo-Missionen zu sehen, die in der Tat ziemlich unaufgeräumt waren: da wurde ja alles außenbords geworfen, was nicht überlebensnotwendig war). Hhm - und jetzt probt man offensichtlich, ob man nicht den lästigen Atommüll auf den Mars schießen kann...aber denkste: "Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück!"
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