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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 1.064 mal aufgerufen
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Zettel Offline




Beiträge: 20.200

30.07.2007 09:35
Marginalie: Worte des Tages Antworten

Diesmal über Oskar Lafontaine.

M.Schneider Offline



Beiträge: 672

30.07.2007 11:06
#2 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Lieber Zettel

Wenn man diese Interviews liest, rauft man sich als Selbstständiger immer nur die Haare.
Herr Eppler gehört ja im linken Lager schon zu denen, die weniger mit Blindheit und Realitätsferne geschlagen sind, dennoch, auch bei ihm die alten linken Illusionen, wenn er sagt:

Die finanzpolitische Souveränität kann erst in einem funktionierenden Europa wieder her-gestellt werden. Mit gemeinsamen Unter- und Obergrenzen für Steuern in den 27 Staaten der EU wäre manch nationaler Haushalt einfacher in Ordnung zu bringen.

Es läuft immer auf den selben Unsinn hinaus, nämlich zu glauben man könne sozialistische Steuern erzwingen. Es funktioniert in der Bundesrepublik nicht, und es wird auch nicht in einem, wie er schreibt „funktionierenden Europa“, klappen.

Es ist die alte Dummheit der Linken nichts dazu zu lernen, und immer die alten Illusionen neu aufzuwärmen.
Es war Fakt, es ist Fakt und wird es bis in alle Ewigkeit sein:
Leistungen kann man nicht erzwingen!
Einsatzwille kann man nicht erzwingen!
Risikobereitschaft kann man nicht erzwingen!
Firmengründungen kann man nicht erzwingen!
Demzufolge kann man auch nicht das Entstehen von Arbeitsplätzen erzwingen!

Und wer glaubt, irgend jemand erbringt Leistung, Einsatzwille Risikobereitschaft und gründete eine Firma und schafft Arbeitsplätze, wenn er dafür nicht auch deutlich mehr verdient als seine Arbeitnehmer, und wenn er damit nicht auch Herr in seinem Betrieb ist, der glaubt auch daran, das Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen.

Zu dieser Einsicht sind linke Kreise nicht fähig, und da gilt das alte Sprichwort wer nicht hören will muss fühlen.

Fühlen heißt, die Abwanderung von mittelständischen Betrieben, aktiven Mittelständlern überhaupt, auch gutausgebildeten jungen Wissenschaftlern, aus Ländern in denen die Randbedingungen nicht stimmen wird zu einer staatsbedrohenden Welle werden, besonders für Hochsteuer- Industrienationen wie Deutschland.

Diese Aktiven sind es zunehmend leid, den Schlendrian, die Faulheit, das Abzocken der durch sie eingezahlten Steuertöpfe zu finanzieren.

Linke Kreise werden es wohl nie kapieren, aber selbst konservative Parteien haben dieses Problem noch in keinster Weise richtig gewichtet.

Die Welt ist längst klein geworden, das gilt nicht nur für die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen, nämlich Urlaub zu planen, nein es gilt insbesondere auch im Wirtschaftsleben.

Schon heute haben viele mittelständische kleine Unternehmen Ableger zum Beispiel in Polen oder in Rumänien und sonst wo. Wer ohnehin schon im Ausland tätig ist, dem fällt es sehr leicht, auch das zweite Standbein aus der Bundesrepublik abzuziehen.
In den siebziger Jahren war dies noch völlig undenkbar für kleine mittelständische Betriebe, heute hat sich das komplett geändert.

Die Politik, die insbesondere in Deutschland immer noch glaubt, sie könne dieses Rückgrat der Nation zur Kasse zwingen, wird den Staat zu Grunde richten.
Die Abwanderung sind schon heute beängstigend, wir haben heute schon ein Defizit von circa 45.000 nicht zu besetzenden Ingenieurstellen, wir haben insgesamt ein Defizit von circa 120.000 nicht zu besetzende Stellen für hoch qualifizierte Leute. Schon heute müssen verschiedene Betriebe ihre Produktionen reduzieren, weil ihnen dieses Potenzial fehlt.

Mittlerweile ist es ja schon so schlimm, dass durch diesen unsäglichen Sozialklüngel nicht mal mehr polnische Gastarbeiter zu Spargelernte zu uns kommen, weil man ihnen nämlich von ihrem Lohn nun auch noch Sozialbeiträge abnehmen will.

Ärzte denken gar nicht mehr daran in Deutschland zu arbeiten, beziehungsweise nur noch eingeschränkt, die arbeiten ab Donnerstag in England oder Skandinavien.
Ich kenne selbst mehrere Ärzte und einer sagte mir, " ich verdiene an zwei solchen Wochenenden mehr, als in Deutschland in zwei Monaten."

Die Unfähigkeit deutscher Politik ist kaum zu ertragen und das sind leider nicht nur die linken Kreise.

Solche Sätze wie von Herrn Eppler:
Der „Vorsorgende Sozialstaat“, ein Kernpunkt des neuen Programms, ist eine richtige und in die Zukunft weisende Antwort.

- sind unerträglich und zeigen, dass auch intelligente Leute wie Herr Eppler gar nicht verstehen worauf es ankommt, nämlich darauf die Eigeninitiative des einzelnen Bürgers zu stärken.

Nicht jammern, nicht Neid entwickeln gegenüber Besserverdienenden, nicht permanent Urlaub planen ist angesagt, sondern Eigeninitiative, sich weiterbilden, den geradezu ortsgebundenen Kleberarsch hoch zu bekommen um sich dem Stellenangebot anzupassen, beziehungsweise eben auch darüber nachzudenken sich selbstständig zu machen sind angesagte Tugenden.

Genau diese fehlen in Deutschland, und zwar genau wegen diesem völlig ausgeuferten Sozialstaat, diesem wie er sagt „vorsorgenden Sozialstaat“

Da kommt Herr Gabriel mit solchen Sprüchen wie:" Da wäre etwas Mut gut. Diesen Mut muss in dieser Regierung immer erst die SPD herbeiführen.“

Welchen Mut meint er eigentlich, Mut zu mehr Kommunismus oder Mut, uns energiepolitisch den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen?

Da sagte er: "Die Linkspartei ist neonationalistisch. Sie will zurück zum Nationalstaat und zur Verteilungspolitik der Siebzigerjahre.“

Um kurz vorher gesagt zu haben: “Wenn die Arbeitgeber mit der Leiharbeit weiter sozial unverantwortlich umgehen, wird sich der Gesetzgeber mit dem Thema befassen müssen.“ Wo ist denn da wohl der Unterschied?

Und der größte Lacher

WELT ONLINE: Letzte Frage: Welches politische Urteil über Sie würde Sie wirklich verärgern?
Gabriel: Ich würde mein Handwerk nicht beherrschen.

Nein, bei soviel Blödsinn und Selbstüberschätzung auf einem Haufen bedarf es wirklich nicht noch eines Lafontaines.
Deutschland ist mit den andern Politikern schon genug geschlagen.

Herzlich M. Schneider

C. Offline




Beiträge: 2.639

30.07.2007 12:14
#3 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Lieber Herr Schneider,

es war mir ein Vergnügen heute morgen Ihren Beitrag zu lesen. Ich bin davon überzeugt, dass er nicht nur mir aus der Seele spricht.



Frankfurter Offline



Beiträge: 233

30.07.2007 15:40
#4 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Es ist genau so, wie Schneider es schreibt: Niemand ist unternehmerisch tätig und riskiert sein Geld aus altruistischen und philantropischen Gründen. Sondern man will schlicht und einfach Geld verdienen. Aber das geht den Linken einfach nicht in den Kopf rein, trotz neun Jahrzehnten Erfahrungen mit dem Sozialismus.

Libero Offline



Beiträge: 393

30.07.2007 17:09
#5 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Lieber M. Schneider

kennen Sie die Herren des Pazifik von Sterling Seagrave. Da wird beschrieben, wie die Kolonien der Auslandschinesen in Südostasien entstanden und wie man mit ihnen umsprang. Die Auslandschinesen sind nicht unbedingt Freunde Chinas und schon rein sprachlich von den meisten Festlandchinesen getrennt, konnten als nicht auf den Schutz Chinas rechnen. Auf welchen Schutz sollen sich deutsche Geschäftsleute außerhalb Deutschlands verlassen?

Woher nehmen Sie eigentlich die Gewissheit, daß sie als Deutscher in Osteuropa oder außerhalb Europas die wirtschaftliche Existenz für ihre Familie aufrechthalten können. Nehmen wir an, Sie sind ein Unternehmer und bauen eine Fabrik, bauen eine Belegschaft auf, an die Sie ihr Know-How übertragen. Sie sind ja kein Finanzinvestor, der Geld in ein Land verlagert und wieder zurück. Die Fabrik können sie nicht mehr mitnehmen, ihr Know-How auch nicht.

Sie sehen jetzt die Situation in Deutschland. Sie haben jetzt noch ein Standbein in Deutschland. Wenn Sie keins mehr haben, verändert sich ihre Lage. Die polnische Regierung hat das Mündelgeld meiner Tante großzügig angenommen. Das waren 1914 20000 Goldmark, anlegt in auch nach 1918 profitablen Aktien. Das war richtig viel Geld. Es war natürlich weit vor 1945.

Soll ich Ihnen sagen, warum wir einen Ingenieurmangel haben. Weil mit den ausgebildeten Ingenieuren Schindluder getrieben wird. Als ich fertig wurde, war für 5 Jahre Einstellungsstop. Die Deppen in den Personalabteilungen scheinen zu glauben, Ingenieure wachsen auf den Bäumen. Jeder Jugendliche, der ,mit dem Studium beginnt, kennt mindestens einen Ingenieur, der mit 50 abgesägt wurde oder an der Hürde Einstellungsstop nicht vorbei kam. Soll ich ihnen aufzählen, welche Berufswege meine Studienkollegen eingeschlagen haben?

Herzlichst
Libero

Pelle ( Gast )
Beiträge:

30.07.2007 22:39
#6 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Sehr geehrter Herr Schneider,

sie schreiben:

>Die Abwanderung sind schon heute beängstigend, wir haben heute schon ein Defizit von circa 45.000 nicht zu besetzenden Ingenieurstellen, wir haben insgesamt ein Defizit von circa 120.000 nicht zu besetzende Stellen für hoch qualifizierte Leute. Schon heute müssen verschiedene Betriebe ihre Produktionen reduzieren, weil ihnen dieses Potenzial fehlt.

Ist das ein Wunder? Nein, wir sind selber Schuld an dieser Miesere! Aus sehr sicherer Quelle (Gehaltsabrechnung eingesehen) weiß ich z.B., wie es ist, wenn man als Ingenieur mit etwas über 750,- Euro netto im Monat nach Hause geht! (Für einen 40 bis 50h-Vollzeitjob.) Das reicht, um nicht zu verhungern aber eine Familie ernähren können Sie damit nicht und so wandern qualifizierte Leute auch weiterhin ins Ausland ab. Dergleichen Ärzte und andere gebildete Personen.

Übrigens ist das Hauptproblem an den 750,- Euro netto die gewaltigen Abzüge, denn ohne diese extrem hohe Abgabenlast käme erheblich mehr raus.

Leider ist es heute bei privat Beschäftigten üblich, dass sie 50 bis 80% Abzüge von ihrem Bruttolohn haben. Nur solange man das ungelernte pöbelnde Proletariat "durchfüttert" wird sich an diesen Zuständen grundsätzlich nichts ändern.


Hochachtungsvoll

Pelle
C. Offline




Beiträge: 2.639

30.07.2007 23:54
#7 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten
Hallo Pelle,

ich habe mal versucht Deine 750 € nachzuvollziehen

Das entspricht einem Bruttolohn von 950, 00 €
Abzüge:

Lohnsteuer: 6,67 €
Kirchensteuer: 0,53 €
Solidaritätszuschlag: 0,00 €

Krankenversicherung:74,10
Rentenversicherung:94,52
Pflegeversicherung:8,08
Arbeitslosenversicherung:19,95

Netto-Arbeitslohn: 746,15

Abzüge: 203,85

Abzüge in %: 21,46%
Um einen Abzug von 50% vom Bruttolohn zu haben musst Du 65.000 Euro Brutto im Monat verdienen

Brutto-Arbeitslohn: 65.000,00
Lohnsteuer: 27.807,50
Solidaritätszuschlag: 1.529,41
Kirchensteuer: 2.224,60
Krankenversicherung: 277,88
Pflegeversicherung: 30,28
Rentenversicherung: 522,38
Arbeitslosenversicherung: 110,25
Netto-Arbeitslohn: 32.497,70

Alles bei Steuerklasse 1 Krankenkasse 13,8 % Alte Bundesländer

Beitragsbemessungsgrenze bitte beachten.

Zum Nachrechnen - Brutto-Netto-Rechner: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,223811,00.html


Wenn ein Ingenieur bei 170 Stunden im Monat nur 950 brutto verdient, macht er etwas verkehrt. Das entspricht einem Stundenlohn von 5,58 €. Dann sollte er besser Nachhilfe geben
Sicherlich sind die Abzüge , besonders bei Krankenversicherung und Rentenversicherung sehr hoch, vor allen Dingen weil der Arbeitgeber ebenfalls bis zur Beitragsbemesungsgrenze noch einmal den gleichen Betrag zahlt, aber selbst bei Verzicht auf die Durchfütterung des ungelernten pöbelnden Proletariats ändert sich da nicht so viel, wie Du Dir das vorstellst.

Hartz 4 beträgt etwa 26 Milliarden, Sozialhilfe etwa 17 Milliarden, für die Rentenversicherung sind es 78 Milliarden (alles 2006)
M.Schneider Offline



Beiträge: 672

31.07.2007 10:35
#8 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Lieber Libero

Ich befürchte, dass Sie sich jetzt erheblich zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, und ihnen auch die Erfahrungen fehlt, das beurteilen zu können von dem Sie schreiben. Mir fehlen sie aber nicht, zum einen bin ich seit über 30 Jahren als Freiberufler selbstständig und außerdem bin ich schon seit Jahren nur noch im Ausland tätig, übrigens in verschiedensten Ländern.

Also gehen wir mal auf die Details ein:

Woher nehmen Sie eigentlich die Gewissheit, daß sie als Deutscher in Osteuro-pa oder außerhalb Europas die wirtschaftliche Existenz für ihre Familie auf-rechthalten können.

Lieber Libero nehmen Sie's mir nicht übel, aber genau diese Frage spiegelt das Grundproblem in Deutschland wieder, nämlich für alles einen Gürtel einen Hosenträger und zwei Vollkaskoversicherung haben zu wollen. Es gibt im Leben nur eine einzige Gewissheit, nämlich die, dass alle sterben müssen.
Wer mit dieser Frage anfängt, ist auch schon am Ende, er wird nie einen eigenen neuen Weg gehen.
Mit dieser Frage anzufangen, würden Sie sich auch nie selbstständig machen, weil Sie da auch nicht wissen ob es klappt.

So sehen das aber eben nicht alle Menschen, zum Glück, beispielsweise verlassen circa 640.000 Menschen pro Jahr die Bundesrepublik, davon ist zwar ein großer Teil Ausländer, die die Bundesrepublik wieder verlassen, aber ungefähr 1/3 sind Bundesbürger, die genau das machen, nämlich auszuwandern.

Ich selbst bin seit Jahren nur noch im Ausland tätig, bin also diesen Schritt gegangen, meine Frau die übrigens ebenfalls seit 25 Jahren selbstständig ist, ist natürlich mit mir zusammen im Ausland tätig.


Nehmen wir an, Sie sind ein Unternehmer und bauen eine Fabrik, bauen eine Belegschaft auf, an die Sie ihr Know-How übertragen. Sie sind ja kein Finanzin-vestor, der Geld in ein Land verlagert und wieder zurück. Die Fabrik können sie nicht mehr mitnehmen, ihr Know-How auch nicht.

Dieses Beispiel lieber Libero ist ein schlechtes Beispiel.

Ich sprach bewusst immer vom kleinen Mittelstand, das ist nämlich das Rückgrat der Nation. Dieses Fabrikbeispiel geht aber schon in hohe Größenordnungen, und repräsentiert damit nicht mehr den gängigen breiten Mittelstand. Das sind nämlich Betriebe im Bereich von vielleicht, je nach Branche, ein bis drei Dutzend Mitarbeitern.

Beispielsweise ausführende Firmen für Elektrotechnik, Heizung, Sanitär, Lüftung oder eben auch andere Gewerke. Die brauchen im Ausland nicht eine Riesenfabrik mit vielen teuren Maschinen, die produzieren dort auch keine Endprodukte, sondern sie liefern Dienstleistungen. Die haben überhaupt kein Problem, und jene Größenordnungen die Sie als Beispiel gewählt haben, haben erst recht kein Problem, die haben ihre Verträge mit den entsprechenden Ländern.

Außerdem wissen Sie nicht, dass man sämtliche Auslandsaktivitäten gegen sämtliche politischen Risiken absichern lassen kann, zum Beispiel über die Price Waterhouse Coopers oder andere Gesellschaften. Wer also ein politisches Risiko mildern will, kann das tun.

Sie sehen jetzt die Situation in Deutschland. Sie haben jetzt noch ein Standbein in Deutschland. Wenn Sie keins mehr haben, verändert sich ihre Lage.


Das ist absolut falsch, ich habe kein Standbein mehr in Deutschland. Ich bin den Schritt längst gegangen.
Ich sprach nicht von mir, sondern von einer ganzen Reihe mir bekannter anderer Mittelständler, die diesen halben Schritt gemacht haben, aber dabei sind, das zweite Bein ebenfalls aus der Bundesrepublik abzuziehen.

Soll ich Ihnen sagen, warum wir einen Ingenieurmangel haben. Weil mit den ausgebildeten Ingenieuren Schindluder getrieben wird. Als ich fertig wurde, war für 5 Jahre Einstellungsstop.

Lieber Libero, dazu muss ich Sie auch fragen, wo gab es einen Einstellungsstopp?

Aus ihrem Text lese ich, dass Sie selber auch Ingenieur sind, ich kann aber nicht beurteilen für welches Fachgebiet. Einen Einstellungsstopp hat es, wenn es ihn für Sie gegeben hat vielleicht in der öffentlichen Hand gegeben?

Bei uns im Mittelstand kenne ich keinen Einstellungsstopp in den vergangenen 30 Jahren.
Allerdings kenne ich eine Menge Leute die aus ihrem übertriebenen Sicherheitsbewusstsein, manchmal auch aus geldlichen Gründen, eine Anstellung in einem kleinen mittelständischen Unternehmen ablehnten. Ich kenne vor allen Dingen eine ganze Menge Leute die unbedingt in den öffentlichen Dienst wollten, nämlich aus reiner Bequemlichkeit und weil sie jegliches Risiko scheuten. In der öffentlichen Hand gab es in der Tat einen Einstellungsstopp.
Aber wenn ich irgendwo keinen Angestellten- Posten bekomme, dann kann ich mich auch selbstständig machen, ich kann mich sogar als Freiberufler jenen Firmen die mich nicht anstellen wollen andienen. Das klappt auf jeden Fall, ich kenne auch hier mehrere Beispiele, bis hin zu freiberuflich tätigen technischen Zeichnerrinnen.


....der mit 50 abgesägt wurde....

Gab es im Mittelstand nicht.

Soll ich ihnen aufzählen, welche Berufswege meine Studienkollegen eingeschlagen haben?

Hier liegt das nächste Problem in Deutschland, ein absolut starres Denken ohne Flexibilität.

Ich selber bin Dipl. Ing.(TU) für Energie und Verfahrenstechnik, mit einer Reihe von Unterschwerpunkten.

Wer hat eigentlich je gesagt, dass man sein ganzes Leben lang nur den Beruf ausführen muss, den man einmal gelernt oder studiert hat? Schon allein diese starre Haltung macht es einem schwer das Passende zu finden.

Ich habe diese starre Denken nicht. Ich habe deshalb auch die verschiedensten Dinge gemacht. Ich erwähnte es an anderer Stelle schon einmal, begonnen habe ich mit einer eigenen kleinen Softwarefirma, habe dabei Software für die Branche geschrieben, die ich kannte. Danach habe ich 18 Jahre lang ein großes Ingenieurbüro in meinem studierten Kerngebiet geleitet.
Seit sechs Jahren mache ich etwas völlig anderes, ich mache Projektentwicklung im Ausland, das hat nun mit meinen Kerngebiet gar nichts zu tun.

Ich will damit nur eines sagen, als gutausgebildeter Ingenieur kein Posten zu bekommen, das gibt es nicht!
Das gibt es nur, wenn man alle möglichen Dinge eben nicht will, Risiken wie Selbstständigkeit oder einen Branchenwechsel scheut, sich Ausland gar nicht vorstellen kann und so weiter.
Da ich aber selber alles das gemacht habe, akzeptiere ich natürlich diese Schutzbehauptung auch nicht.

Und noch mal etwas allgemeines zu uns Ingenieuren gesagt.
In der Bundesrepublik war doch jahrelang aufgrund der unsäglichen Ökodiskussion ein Ingenieur fast das gleiche wie ein Brunnenvergifteter. Hier liegt auch der maßgebliche Grund, warum viele junge Abiturienten nicht mehr Ingenieur studierten, zumal das Ingenieurstudium immer eines der schwersten war und ist.

Das Ausland hingegen sieht das schon immer anders, dort können gutausgebildete deutsche Ingenieure sehr wohl etwas werden.
Wenn Sie, wie ich das tue, in sehr großem Stile im Ausland Projekte entwickeln, das heißt also auch für diese Projekte das Investitionskapital beschaffen und diese Projekte dann in den Ländern realisieren, dann rollt man ihn dort einen roten Teppich aus.
Von Risiko ist hier überhaupt gar keine Rede, zumal sie dabei die besten Kontakte in höchste Regierungskreise haben.

Sie würden sich auch wundern wie viele Kontakte sie bekommen, mit Deutschen die entweder Vorort schon leben, solche Kontakte haben wir beispielsweise in Saudi-Arabien, in Dubai und Oman, oder Kontakte zu Leuten die in bestimmten Ländern schon tätig sind und auf deren gute Verbindungen Sie aufbauen können, so was haben wir beispielsweise nach Thailand, in die Dom. Rep. , Aserbaidschan oder nach Südafrika.

Oder man muss eben seine Kontakte selber von a bis z aufbauen, wie ich das in der Ukraine getan habe.

Nur eines habe ich bei all dem was ich gemacht habe nie getan, mir schon vorher folgende Frage gestellt:

Woher nehmen Sie eigentlich die Gewissheit, daß sie als Deutscher in Osteuro-pa oder außerhalb Europas die wirtschaftliche Existenz für ihre Familie auf-rechthalten können.

Und ich muss Ihnen sagen, ich hab es nie bereut, würde es jederzeit wieder tun und liebe die ganzen neuen Eindrücke, Kontakte und Erfahrungen die sich aus diesem Schritt ergeben.

Allerdings will ich auch nicht verschweigen, wie schwer es war, dies am Anfang zu beginnen, sich völlig um zu orientieren und erst mal zu lernen wie das Großfinanzierungsgeschäft überhaupt läuft. Wenn ich heute sage, das war für meine Frau und mich ein Knochenjob, dann ist das wirklich eine maßlose Untertreibung. Aber Sie kennen ja das alte Sprichwort, ohne Schweiß kein Preis, und wer nicht losgeht, kann nicht ankommen.

Nebenbei erschaffen sich damit auch Arbeitsplätze, sowohl in Deutschland wie in den betreffenden Ländern und ich habe dabei eine ganze Menge Leute, die mich beim operativen Geschäft im Ausland begleiten, also zwar noch in der Bundesrepublik leben aber eben nicht mehr hier tätig sind. Ich habe weiter Leute, die mir schon gesagt haben, wenn ich sie Vorort gebrauchen kann dann würden sie die Bundesrepublik verlassen und ganz ins Ausland ziehen.

Und damit schließt sich der Kreis lieber Libero, mit dem was ich am Anfang einmal sagte, in Deutschland hat man diese Erosion an Spitzenleuten noch überhaupt nicht begriffen. Sie ist aber da, und jeder der wie ich schon gegangen- und im Ausland tätig ist, zieht automatisch eine ganze Menge weiterer Leute nach, weil er auf diese absprungbereiten Leute wie ein Kristallisationspunkt wirkt und ihnen den Absprung leicht macht.

Alle diese Leute sind den linken Sozialstaat leid.


Herzlich M. Schneider

M.Schneider Offline



Beiträge: 672

31.07.2007 10:49
#9 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Lieber Pelle

Also ich muss da C. Recht geben, ich kann mir ehrliche gesagt auch nicht vorstellen, wo ein Ingenieur für einen Vollzeitarbeitsplatz mit 750 € nach Hause geht.

Es würde mich freuen, wenn Sie das mal näher beschreiben würden, welche Fachrichtung, Uni oder Fachhochschule und bei welchem Arbeitgeber.

Herzlich M. Schneider

Libero Offline



Beiträge: 393

01.08.2007 05:44
#10 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten
Lieber Herr Schneider

wie versichern Sie sich gegen Know-How Verlust und das Entstehen von Mitbewerbern auf Basis ihres Know-Hows?

Selbständig bin ich auch, wenn auch nicht seit 30, sondern seit 20 Jahren. Das Sachgebiet, für das ich ausgebildet wurde, ist nur noch ein Teil meines Arbeitsgebietes. Die mangelnde Flexibilität finden Sie bei keinem meiner Studienkollegen, weder geographisch noch hinsichtlich des Arbeitsgebietes.

Einen Einstellungsstop hat es nicht nur in der öffentlichen Hand gegeben und nicht jeder junge Fachingenieur findet eine Anstellung im Mittelstand, wenn er sie braucht. Ein Anstellung im öffentlichen Dienst ist bei meinem Fachgebiet auch äußerst selten. Wenn sie nicht gerade Professor sind.

Schön, Sie leben im Ausland. Ich bin im Ausland geboren. Na raten Sie mal warum? Mein Alter Herr gurkte seit den Fünfziger Jahren im Ausland herum. Das Schwarze Meer kannte er auch von den anderen Seite. Das Mittelmeer auch, den Atlantik von beiden Seiten. Nichts da mit Sicherheitsdenken. Auf den Servicetechniker brauchte man auch nicht zu warten, der Produktionsausfall wäre zu groß gewesen.

Da wo sie sich aufhalten, hätte sich mein Vater oder seine Brüder auch bewegen können. War ja 200 Jahre die Heimat der Familie. Konnte er nur nicht, da gab es ja noch den Eisernen Vorhang. Polnisch und Russisch war vorhanden, meine Generation ist die erste, die beide Sprachen nicht mehr spricht. Mein Vater ist übrigens auch im Ausland geboren, er immigrierte. Meine Großvater auch, er immigrierte. Damit sind wir bei meinen Urgroßeltern, die in einer Gegend lebten, die heute die Ukraine ist. Soweit zum Sicherheitsdenken und mangelnder Flexibilität. Was aus der Familie, die zurückblieb wurde, wissen wir nicht. Die sind in Stalin Mühle geraten. Ein Großonkel kam noch durch. Wir haben die Gewissheit, daß alle diese Menschen nicht nur ihre wirtschaftliche Existenz verloren.

USA Ja, Canada Ja. Die Hälfte der Verwandschaft ist ohnehin da. Nordeuropa und Westeuropa vielleicht. Ansonsten? Vier Nationalitäten in vier Generationen bei immer nur einer Muttersprache reichen erst mal.

Herzlichst
Libero
M.Schneider Offline



Beiträge: 672

01.08.2007 08:30
#11 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Lieber Libero

wie versichern Sie sich gegen Know-How Verlust und das Entstehen von Mitbewerbern auf Basis ihres Know-Hows?

Ich verstehe diesen Einwurf nicht? Sie haben überall Konkurrenten und ein spezielles Wissen ist niemals auf Dauer nur einem Betrieb gegeben. Im Maximum können Sie sich noch ein spezielles Wissen für eine gewisse Zeit patentieren lassen, mehr geht eh nicht.

Ganz davon abgesehen gehen Sie aber bei ihren Beispielen grundsätzlich von großen, Produkte produzierenden Firmen aus. Nur wenn Sie bestimmte Produkte produzieren, haben Sie mit dem Problem dass Sie beschreiben zu tun.
Wenn Sie wie auch immer geartete Dienstleistungen erbringen, tritt dieses Problem gar nicht auf.


Die mangelnde Flexibilität finden Sie bei keinem meiner Studienkollegen, weder geographisch noch hinsichtlich des Arbeitsgebietes.

Einen Einstellungsstop hat es nicht nur in der öffentlichen Hand gegeben und nicht jeder junge Fachingenieur findet eine Anstellung im Mittelstand, wenn er sie braucht.


Fakt ist auf jeden Fall, im Mittelstand hat es nie einen Einstellungsstopp gegeben und ich behaupte nach wie vor, Ingenieure haben im Mittelstand immer einen Posten gefunden. Das einzige Problem was ich mir theoretisch vorstellen könnte wäre, wenn jemand einen so exotischen Zweig studiert hat, mit dem sich der Mittelstand nicht befasst, dazu kann ich aber nichts sagen, weil Sie nicht gesagt haben worüber wir reden. Auch wurde natürlich im Mittelstand weniger gut verdient als in der Großindustrie.


Ihre Familiengeschichte ist recht bewegt, da stimme ich Ihnen natürlich zu. Wenn Sie jedoch das was Sie schreiben noch mal selber lesen, dann fällt Ihnen genauso wie mir auf, dass Sie bezüglich des Sicherheitsdenkens immer von zurückliegenden Generationen sprechen.
Ich sprach aber bei meiner Kritik in Sachen Sicherheitsdenken in Deutschland nur von heute.

Nur mal nebenbei bemerkt, es liegt mir fern Sie zu kränken, meine Kritik ist eine Kritik am Zeitgeist in diesem Land, nur damit ich richtig verstanden werde.

Herzlich M. Schneider

Libero Offline



Beiträge: 393

01.08.2007 09:05
#12 RE: Marginalie: Worte des Tages Antworten

Glückauf, M. Schneider

ich bin Metallurge, nicht Bergbauingenieur, obwohl man Glückauf eher mit Bergbau assoziiert. Da gibt es zwar mittelständische Betriebe, aber die sind halt deutlich größer als in anderen Branchen. Ich arbeite wie sie als Dienstleister. Eigentlich geht bei mir alles von der Metallurgie aus, auch wenn es mich in gänzlich andere Arbeitsgebiete führte. Das ist ja das Faszinierende bei meinem Beruf, er ist mit vielen anderen Arbeitsbereichen verknüpft.

Nun zum Sicherheitsdenken, daß Sie nur bei den Menschen in Deutschland wahrnehmen.

Mich interessieren, wenn ich die Neigungen mit dem Brot verbinden kann, neue Verfahren, mit denen deutliche Einsparungen an Energie und Kosten möglich sind. Verfahren, die zum Beispiel den Stromverbrauch des Schrotteinschmelzen, den Energieverbrauch der Titan- und Aluminiumgewinnung deutlich senken. Logisch, das das nicht von heute auf Morgen geht. Das kann 20 bis 30 Jahren dauern. Das neue Armstrong Verfahren für Titan hat so lange gedauert. Jetzt raten Sie mal, wie begeistert die Unternehmen sind, ein Risiko auf sich zu nehmen. Und zwar weltweit, daß ist nicht nur auf Deutschland bezogen. Sicherheitsdenken nur bei den Menschen? Die Abhängigkeit von dem shareholder value Denken führt dazu, das die Gegenwart auf Kosten der Zukunft lebt.

Herzlichst
Libero

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