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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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M.Schneider Offline



Beiträge: 672

29.08.2007 09:16
Krim, Teil II, Wie sind sie eigentlich, die Ukrainer? antworten
Krim, Teil II

Wie sind sie eigentlich, die Ukrainer?

Liebe Leser, dies ist eine entscheidende Frage.

Dazu eine kleine Anekdote.

Als wir vor einigen Jahren das erste Mal die Krim besuchten, ich war allerdings vorher schon mehrfach in Kiew, übernachteten wir im Hotel Jalta in Jalta.
Wie schon ausgeführt eines jener typischen Komforthotels nach russischem Stil, riesig, mit 2000 Betten und entsprechend großen Anlagen und Vorplätzen.

Wir standen also morgens nach dem Frühstück vor dem Hotel, wir warteten auf unseren Taxifahrer Jurij, mit dem wir immer fuhren und der auch sehr gut Deutsch sprach. Wir, das war mein Vater und ein befreundeter Architekt und ich. Wir unterhielten uns, plötzlich trat ein älteres Ehepaar zu uns, entschuldigte sich und sagte dass sie gehört haben dass wir Deutsch sprechen und ob wir denn auch Urlaub in der Ukraine machen würden.
Das verneinten wir und erklärten, dass wir aus geschäftlichen Gründen auf der Krim sind.

Die ältere Dame erzählte uns dann, dass sie eine Woche mit einer Reisegesellschaft durch die Ukraine gefahren seien, schwärmte davon wie toll das war und was sie alles gesehen hätten und dass sie nun darauf warten, dass der Bus sie wieder zurück zum Flughafen bringt um nach Hause zu fliegen. Wir unterhielten uns über dieses und jenes was sie gesehen hatten und wünschten den älteren Herrschaften einen guten Rückflug.

Schon im Gehen drehte sich die ältere Dame noch einmal um, kam zu mir zurück und fragte mich leise, sagen Sie mal, "wie sind denn eigentlich die Ukraine so?"

Ich muss sagen, dass ich damals ob dieser Frage doch reichlich verblüfft war.
Da fährt man eine solche Reisegesellschaft eine ganze Woche lang kreuz und quer durch die Ukraine, zeigt Ihnen zwar das Land und die Sehenswürdigkeiten aber offensichtlich hatte die Gruppe in der ganzen Woche keinerlei Kontakt zu den Menschen selber.

Nun ich erklärte der älteren Dame in der Kürze der Zeit das Wesentliche, nämlich dass die Ukrainer sehr nette, hilfsbereite, gastfreundliche und friedliche Menschen sind.

Tief befriedigt, nun auch diese Erkenntnis zu haben, bedankte sich die ältere Dame bei mir, verabschiedete sich dann, und das ältere Ehepaar ging zu ihrem Bus.

Diese Beschreibung ist natürlich sehr oberflächlich und schnell, trifft aber den wesentlichen Kern genau.

Wie genau, das konnten wir alle erleben, als wir die Fernsehbilder der Orangenen Revolutionen sahen.

Dazu erst einmal etwas Hintergrundinformationen:

Bis Anfang der 90` er Jahre war die Ukraine ja fester Bestandteil der Sowjetunion. Sie wurde dann selbstständig und hatte logischerweise mit einer ganzen Menge von Problemen zu kämpfen.
Das Land kam aus einer Diktatur und führte nun die Demokratie ein. Aber eine Demokra-tie kann man nicht einfach einführen, sie muss wachsen, nicht nur als Staat, Verwaltung und Justiz, nein, sie muss vor allen Dingen im Bewusstsein der Bürger wachsen.

Dies waren aufwändige Lernprozesse. Dazu kam, dass das Land nun selber lebensfähig sein musste, wirtschaftliche wie auch landwirtschaftlich autark, zumindest aber eben lebensfähig.

Insbesondere der Energiesektor ist in der Ukraine nach wie vor ein Problem, weil die Ukraine keine eigenen Öl- und Gas- Vorkommen hat, muss sie dies vom großen Nachbarn Russland importieren.
Auch hier gibt es immer wieder Probleme, weil Russland diese Energielieferungen gerne als Druckmittel gegenüber seinen kleinen Nachbarn benutzt.

Die Ukraine teilte sich deshalb auch in einen prowestlichen und in einen prorussischen Block.

Die prowestlichen Befürworter wohnen auch im westlichen Teil der Ukraine also als Kristallisationspunkt ist hier Kiew zu nennen.
Kiew ist nicht nur Sitz von Universitäten und Akademien, es ist auch ein großer Industrieschwerpunkt in der Ukraine.
In Kiew konzentrieren sich Schwer- und Schiffindustrie.
Es ist die geistige Elite, die hier klar in Richtung Europa und auch der Nato strebt.

Ein wichtiger Vertreter dieser Bewegung ist der heutige Präsident Juschtschenko.

Der prorussische Teil der Ukraine manifestiert sich in Donetzk.
Donetzker, das sind die so genannten Kohlebarone. Das Donetzker Becken ist der zweite große Industriestandort, vollständig geprägten durch Kohlegruben. Diese Gegend ist eine Arbeiter Gegend. Hier ist auch der Kern der prorussischen Bewegung anzusiedeln.

Ein wichtiger Vertreter dieser Bewegung ist der heutige Premierminister Janukovitsch.

Dnipropetrowsk und Saporischschja stellen übrigens die dritte Säule der Wirtschaftszentren in der Ukraine dar, hier befinden sich Eisenerzlagerstätten mit entsprechender Verarbeitung.

Aber auch in dem Bewusstsein dieser beiden Strömungen hat sich seit der Unabhängigkeit der Ukraine einiges gewandelt. Am Anfang hatte die russische Seite in der Tat immer noch die Wiedervereinigung mit Russland im Auge, man war dort sogar bereit die Ukraine zu teilen, weil man wusste, dass die westlichen Landesteile der Ukraine diesem Plan niemals zustimmen würden.

Dieser Anschlussüberlegungen hat sich allerdings im Laufe der Jahre auch vollständig verflüchtigt. Auch der prorussische Teil der Ukraine lehnt heute eine Wiedervereinigung mit Russland kategorisch ab und besteht auf ukrainischer Selbstständigkeit.

Man ist dort heute lediglich konservativer, insbesondere was den Beitritt zur NATO angeht.

Nach meiner Einschätzung hat sich Russland mit Putin so manchen früheren prorussischen Ukrainer durch seine aggressive Energiepolitik verscherzt. Wenn man seine Nachbarn dadurch erpresst, dass man ihnen im Winter den Gashahn zudreht, um höhere Preise durchzusetzen, die Nachbarn dadurch in Schwierigkeiten bringt, dann wird das eben nicht als freundschaftlicher Akt gesehen.

Diese Handlungsweise war dumm von Russland, sie nutzt aber der Ukraine, weil sie de-ren Wir-Gefühl gestärkt hat.

Die prowestlichen Seite hat sich aber natürlich auch verändert, weniger in der Grundhaltung in Richtung Europa zu wollen, aber in ihrer Stimmung bezüglich Juschtschenko.
Das Problem aller jungen Staaten, die plötzlich selbstständig werden und zur Demokratie streben, ist es, dass die einfachen Menschen zu ungeduldig sind.
Nachdem man die Orangene Revolutionen gewonnen hatte, machte sich das Gefühl breit, dass nun auch sehr schnell alles sehr viel besser werden müsse.

Dies konnte natürlich nicht so schnell geschehen, aber der Unmut darüber traf letztendlich die Leitfigur der Orangenen Revolution, Präsident Juschtschenko, obwohl der natürlich dafür gar nichts kann.

Die Bevölkerungsstruktur der Ukraine ist, anders wie in der Bundesrepublik, noch sehr inhomogen.
Es gibt heute schon eine reiche bis sehr reiche Oberschicht, es gibt eine sehr arme Unterschicht, aber der Mittelstand beginnt sich erst rauf zu arbeiten und zu etablieren.

Auch das gesamte Renten und Krankenkassensystem ist natürlich in keiner Weise mit westlichem Standard vergleichbar.
Insbesondere viele alte Frauen fallen daher durch die weitmaschigen Sozial- Netze. Hier ist also viel zu tun, was letztendlich nur über eine gestärkte Industrie erfolgen kann.

Hier steht die Ukraine allerdings sehr gut da.
Der Ukraine wird meist weniger Aufmerksamkeit zugeteilt als ihrem „großen Bruder“ Russland. Doch erreicht die Ukraine nach der Überwindung eines wirtschaftlichen Einbruchs in den 90er Jahren erstaunliche Zuwächse. Heute liegt das Land, was das Wirtschaftswachstum betrifft, in der GUS an vorderster Stelle.


Die ukrainische Wirtschaft wächst weiter. Nach einem enttäuschenden Jahr 2005 mit 2,6% betrug das Wirtschaftswachstum 2006 7,0%. Die höchsten Wachstumsraten wurden in den Branchen Handel, Transport und Bauwirtschaft verzeichnet.

Das Wirtschaftswachstum und die sozialpolitisch motivierten Gehalts- und Rentenerhöhungen haben zu einer überproportionalen Steigerung der Durchschnittseinkommen (2006: nominal 29,2%) und damit zu einem greifbaren Anstieg des Lebensstandards in der Ukraine geführt. Von diesem Anstieg wiederum profitieren besonders der Handel, die Konsumgüterindustrie, die Baubranche und der Dienstleistungssektor.

Die Inflationsrate für 2006 betrug 11,63%.

Die Einnahmen des Staatshaushaltes 2006 beliefen sich auf 133,5 Milliarden Hrywnja (21,02 Milliarden Euro), die Ausgaben betrugen 137,3 Milliarden Hrywnja (21,6 Milliarden Euro); daraus resultierte ein Defizit in Höhe von 3,8 Milliarden Hrywnja (0,58 Milliarden Euro).

Der Haushalt 2007 wurde am 19.12.2006 vom Parlament verabschiedet: Einahmen 147,9 Milliarden Hrywnja (22,2 Milliarden Euro) und Ausgaben 161,8 Milliarden Hrywnja (24,3 Milliarden Euro).

Ein Teil des Haushaltsdefizits wurde durch Eurobond-Emissionen in Höhe von 600 Mio. Euro im Oktober 2005 finanziert.
Die gesamte Aussenverschuldung der Ukraine (staatliche und private) hat 2006 um ein Drittel zugenommen.

Die ukrainische Währung (Hrywnja) wurde gegenüber dem Dollar von 5,3 Hrywnja am Anfang des Jahres auf 5,1 Hrywnja (01.07.2005) aufgewertet; zum Jahresende 2006 – wie auch 2005 - lag der Kurs bei 5,05 Hrywnja.

Man sieht also daran, dass die Ukraine im gesamten osteuropäischen Raum einer Spitzenposition einnimmt und damit eben auch alle Chancen hat, die Einkommenssituation und damit die Bevölkerungsstruktur zu verbessern.

Die Verdienste waren bisher zum Teil katastrophal. Unsere Freundinnen Irina, die in der Stadtverwaltung von Jalta arbeitete verdiente dort damals umgerechnet 50 € pro Monat. Ihre Kollegin, mit einem vollen Uni Diplom als Dolmetscherin verdiente 55 € pro Monat.

Davon kann man auch in der Ukraine nicht leben. Die Dame arbeiteten daher nach Dienstschluss in einem Supermarkt um dort noch zusätzlich Geld zu verdienen.

Diese Fakten muss man berücksichtigen, wenn man, was hier im Westen immer leichtfertig gemacht wird, der Ukraine einen Sumpf von Korruption vorwirft.

Diese Korruption gibt es in der Tat, in den meisten Fällen würde ich aber das Wort Korruption nicht verwenden. Es ist nur dort angebracht, wo insbesondere Behördenvertreter sich normale Arbeitsvorgänge, die sie ohnehin leisten müssen, zusätzlich bezahlen lassen.

In den meisten anderen Fällen handelt es sich weniger um Korruption als um Provisionen.

Weil viele Leute schlichtweg darauf angewiesen sind mehr Geld zu verdienen, um über die Runden zu kommen, ist es in der Ukraine, wie überhaupt in Osteuropa, gang und gäbe, dass einem eine bestimmte Leistungen, eine Dienstleistung, etwas zu organisieren oder auch etwas zu wissen was für mich nützlich ist, verkauft wird.

Ich persönlich fühle mich dadurch nicht der Korruption preisgegeben, sondern sehe es genauso, wie ein deutscher Makler der mir ein Haus bringt, seine Maklerprovision berechnet.

Umgekehrt kann man sich auf die Leistungen dann auch voll verlassen, sie wird sauber und vor allem auch schnell erbracht. Über den Preis einer solchen Hilfe muss man, und kann man auch, verhandeln.
Also, dieser Versuch zusätzlich Geld zu verdienen ist einfach in der Ukraine an vielen Orten vorhanden, das beginnt auch schon bei der Taxifahrt.

Umgekehrt wird man aber keineswegs betrogen.

Man muss es als Nichtukrainer einfach kennen, und damit geschickt umgehen. Wer auf einem türkischen Basar etwas zum angebotenen Preis kauft, ohne runter gehandelt zu haben, hat eben auch zu viel bezahlt. Das kennen westliche Urlauber mittlerweile und haben sich diesem Gebaren angepasst.

Weil die Verdienstmöglichkeiten viel Ukrainer zwingen zusätzliches Geld zu verdienen, haben die Ukraine es auch zu einer ziemlichen Professionalität gebracht, zusätzliche Provisionen und Gelder zu verdienen.
Dessen muss man sich bewusst sein, und dies muss man in Verhandlungen auch voll miteinbeziehen.

Wie auch immer, die Korruption wird von der Regierung sehr stark bekämpft, gerade weil sie ein schlechtes Licht auf die Ukraine wirft, wobei aber eben wie gesagt westliche Staaten urteilen ohne die Fakten wirklich zu kennen.

Mit zusätzlichem Lebensstandard, wird nach meiner Einschätzung auch die Korruption abnehmen, wenn auch zu null ist sie nie zu bringen, selbst wir in der Bundesrepublik, die wir uns immer so großartig auf die eigene Schulter schlagen und uns sehr leicht für besser als andere Nationen halten, haben ein gerüttetes Maß an Korruption.

Kommen wir noch einmal zurück zur politischen Situation.

Es gibt heute eine Art Pat- Situation zwischen der prorussischen und der prowestlichen Seite.
Neben den beiden Hauptvertretern Juschtschenko und Janukovitsch spielt Frau Timoschenko eine gewichtige Rolle.

Frau Timoschenko ist wie Präsident Juschtschenko vom prowestlichen Lager.

Während Herr Juschtschenko mehr der feinsinnige Diplomat ist, ist Frau Timoschenko jemand der immer gleich mit dem Kopf durch die Wand will.

Ukrainische Witzbolde behaupten daher auch, Frau Timoschenko sei der einzige Mann im Parlament.

Es ist schade, dass in der praktischen politischen Zusammenarbeit Präsident Juschtschenko und Frau Timoschenko, trotz dass sie einmal so bei der Orangenen Revolution angetreten sind, doch nicht richtig zusammenfanden.

Im Prinzip ergänzen sie sich sehr gut, Präsident Juschtschenko braucht für bestimmte Aufgaben einem gröberen Keil, was seine Mentalität nicht hergibt, die von Frau Timoschenko aber sehr wohl, umgekehrt muss sie jedoch ab und zu gemäßigt werden, weil sie zu forsch ist, und das wiederum gibt die Mentalität von Präsident Juschtschenko her.

Wir werden in der Zukunft erleben, wie sich diese verschiedenen Kräfte zu einer Balance zusammenfinden.

Immerhin war bei dieser Orangenen Revolution zu sehen, wie die Ukrainer wirklich sind, nämlich extrem friedlich. Die Situation damals war hoch brisant, weil sich beide Lager unversöhnlich und nach Macht strebend gegenüberstanden.
Die Waffen der Sicherheitsleute waren allesamt scharf geladen, und Demonstranten wie Sicherheitsleute standen sich Auge in Auge gegenüber.

Dennoch, und das ist in einer solchen Situationen fast unvorstellbar, hat es keine Ausschreitungen gegeben, keine Prügeleien keine Steinwürfe, nichts, es blieb alles friedlich, Ukrainerinen tanzten vor den Sicherheitsleuten des Parlaments, und verteilten an diese Blumen, wodurch sich letztendlich alles entspannte.

Das was dort in der Ukraine friedlich abging, wäre bei uns in der Bundesrepublik niemals friedlich geblieben, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Noch ein Wort zu den Oligarchen.

In Russland wird der Begriff seit den 1990er Jahren verwendet, um Geschäftsleute zu bezeichnen, von denen die Allgemeinheit annimmt, dass sie in der chaotischen Zeit nach dem Ende der UdSSR durch unsaubere Mittel zu großem Reichtum und politischem Einfluss kamen. Der Begriff wurde in Bezug auf Russland auch von deutschen Medien aufgenommen. Spätestens seit der Orangefarbenen Revolution wird der Begriff auch in Bezug auf die Ukraine gebraucht.

Diese Oligarchen werden insbesondere von in der westlichen Presse gerne als schlimme Gangster gesehen.
Sicherlich steckt auch hinter verschiedenen Leuten ein gehöriges Maß an persönlicher Profitsucht und es ist sicherlich auch nicht alles sauber abgelaufen, wie so mancher zu viel Geld gekommen ist.

Interessanter ist jedoch eine andere Frage, nämlich die, wie gehen junge Demokratien wie die Ukraine damit um.

Ich erinnere mich an ein hochrangiges Treffen im deutschen Außenministerium, 2004, zu dem wir ebenfalls eingeladen waren. Es waren hochkarätige Leute aus der Ukraine da, Politiker, Wissenschaftler, die Botschafter und unter anderem auch der Präsident der ukrainischen Nationalbank.

Ein Reporter stellte dann in üblicher, hinterlistiger Weise die Frage, was man denn gegen die Oligarchie unternehmen wolle.
Der Chef der ukrainischen Nationalbank nahm sich dieser Frage an, und führte folgendes aus.
Man wisse im Lande um die historischen Probleme der Oligarchen, es wäre natürlich auch bekannt dass so manches Vermögen nicht auf legale Weise erworben wurde und hier sicherlich rein theoretisch eine Menge Strafbestände zu ahnden wären.

Man wisse jedoch auch, dass es fast unmöglich ist, dies in der Praxis durchzusetzen, nicht nur weil die Beweisbarkeit im Nachhinein sehr schwer ist, sondern auch weil diese Leute zu den Aktiven und geistig regen Leuten gehören, die umgekehrt das Land dringend braucht.

Aus diesem Grunde habe man sich zu einem pragmatischen Weg entschlossen, in dem man sagt, wenn diese Leute ihr Vermögen auch wieder nutzbringend in die ukrainische Industrie mit einbringen, dann nutzt es letztendlich dem Land und den Bürgern insgesamt und letztendlich zählt nur das. Von daher habe man bis auf Ausnahmefälle einen pragmatischen Frieden mit den Oligarchen geschlossen.

Ich fand diese Einstellung war absolut sinnvoll und sie hat sich auch in der Ukraine bewährt.

Zwar führt Frau Timoschenko nach wie vor ihrem Privatkrieg gegen eine Reihe von Oligarchen, aber ihr geht es meist auch nicht so sehr um deren Kapital, sondern sie ist ein erbitterter Feind Russlands, zumal Russland vor der Orangenen Revolution alles versucht hatte sie mit unlauteren Tricks mundtot zu machen.

Insgesamt halten wir die Ukraine für ausgewogen und auch die Kriminalität überschreitet kein gängiges Maß.
Man darf übrigens Begriffe wie die russische Mafia auf keinen Fall auf die Ukraine übertragen.

Ein Gegenstück zur russischen Mafia gibt es in der Ukraine nicht. Selbstverständlich gibt es Kriminalität, aber diese organisierte Kriminalität mit ihrer gesamten Brutalität, wie man sie von der russischen Mafia kennt gibt es in der Ukraine nicht. Allerdings treiben Russen ab und zu ihr Unwesen, manchmal auch in der Ukraine.
Als Urlauber wird man damit aber nie in Berührung kommen da geht es nur um Wirtschaftskriminalität.

Jeder Vergleich mit Russland ist schon im Ansatz falsch.

Dies liegt auch schon am friedlichen Charakter der Ukrainer.

Als die ukrainische Revolution begann, gab es einen Vorgang der im Westen fast nicht bekannt wurde.

Unser Freund Kostia sagte einmal, die Ukrainer sind nicht nur friedlich, sie gehen auch nicht auf Demonstrationen und wenn man sie auf Demonstrationen bringen will, dann muss man sie dafür bezahlen.

Diese Tatsache war auch Herrn Janukovitsch damals bekannt und war Basis eines infamen Plans von ihm. Er beabsichtigte nämlich damals mehrere 100 Bergleute aus dem Donetzker Becken nach Kiew zu bringen, damit diese dort Rabatz machen sollten. Sein Plan war, dass dann ein Vorwand existieren würde, dass die Sicherheitsleute einschreiten müssten und er damit seine eigene Macht festigen wollte.

Wohlwissend, dass die Bergleute nicht ihm zu Gefallen nach Kiew kommen würden, hatte er in der Tat beschlossen sie zu bezahlen.

Dieser infame Plan schlug jedoch fehl, weil seine wirtschaftlichen Geldgeber eine solche Eskalation nicht wollten und daraufhin Herrn Janukovitsch kurzerhand den Geldhahn zudrehten, wodurch das gesamte Unternehmen ins Wasser fiel.

Also insgesamt sind die Ukrainer sehr pragmatisch, sehr friedlich, und auch das Bildungsniveau ist hoch. Es gibt viel Ukrainer die auch im Ausland studiert haben, viele auch in der Bundesrepublik und heute in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Ukraine tätig sind.

Die Ukraine war übrigens auch das Land, in dem für Russland die High-Tech.- Schmieden für Militär und Raumfahrt standen. Auch die Flugzeugindustrie saß zu großen Teilen in der Ukraine.

Das größte Transportflugzeug der Welt, die Antonow 225 wird übrigens ebenfalls von der Ukraine betrieben. Sie wurden vom ukrainischen Flugzeugkonstrukteur Antonow unter Führung des Chefingenieurs Petro Balabujew entwickelt und gebaut.

Das heißt, die Ukraine ist sehr wohl eine Industrienation, auch wenn viele landwirtschaftliche Produkte erzeugt werden.

In der Mentalität unterscheiden sich die Ukrainer etwas vom forschen Deutschen (forsch jedenfalls dann, wenn er was verkaufen will), sie nehmen sich für Entscheidungen mehr Zeit, vielleicht nicht wie die Asiaten, aber sie fallen auch nicht mit der Tür ins Haus.

Bei den Arbeitnehmern stellt man fest dass sie zwar gut arbeiten, dass sie es aber manchmal mit der Pünktlichkeit nicht ganz so genau nehmen wie wir das in Deutschland gewohnt sind.

Verschiedene deutsche Industriebetriebe, die sich mittlerweile in der Ukraine angesiedelt haben sind daher dazu übergegangen, dass sie ihren ukrainischen Arbeitnehmern gesagt haben, dass das Außentor 10 Minuten nach Arbeitsbeginn zugesperrt wird, wer dann nicht da ist, kommt nicht mehr rein und bekommt demzufolge für diesen Tag auch keinen Lohn.

Diese kleine Maßnahme hat sich sehr positiv ausgewirkt, wie ich von den Betrieben erfuhr.

Was uns bei unseren Besuchen in der Ukraine immer wieder auffiel, das ist, dass die Ukrainer sehr viel mehr Wert auf eine gepflegte Kleidung legen, als wir das heute in der Bundesrepublik erleben.
Sowohl die Jugendlichen wie auch die Erwachsenen tragen eine modisch schicke Kleidung, (nicht overdressed) aber eben adrett.

Den von unseren Städten bekannten Schlabber- und Turnschuh- Look, der das Auge des Betrachters beleidigt, findet man dort nicht, was ob der Einkommenssituation des normalen Ukrainers zusätzlich verwundert.

In Kiew als Hauptstadt sieht man sogar eine Menge sehr gut angezogener Leute, die den normalen Rahmen nach oben sprengen. Dabei handelt es sich natürlich dann in der Tat um die Oberschicht.

Was wir auch nie gesehen haben, das ist der für Deutschland schon typische Schmiervandalismus. Die Straßen und Hausfassaden sind allesamt sauber, der Zahn der Zeit mag daran genagt haben, aber niemand verunreinigt dort etwas.


Nun liebe Leser, ich denke nun können Sie sich ein recht gutes Bild machen und diese Schilderungen ist sehr viel umfangreicher wie das, was ich der älteren Dame damals auf die Schnelle erklären konnte.


Soweit für heute Teil II.

Herzlich M. Schneider
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