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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 45 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Meister Petz Online




Beiträge: 3.755

05.03.2014 23:08
#26 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Yossarian im Beitrag #25
Ja, der "Näga", ein Kultgetränk damals, vor allem im Biss In. Ganz schlimm die Oberpfalz, die zu Weißbier "Weizen" sagt (wie der Rest der Republik).

Naja, in der Oberpfalz bin ich ja jetzt gelandet, hier ist Weizen und Weißbier gleichermaßen gebräuchlich. Hatte aber mit dem Begriff eh nie ein Problem, weil meine Mutter als Augsburgerin auch "a Woiza" sagt.

Zitat von Yossarian im Beitrag #25
Heute bestellt der zugereiste Münchner eher "einen Spritz" oder "Hugo". Auch die Modewelle des "Tegernseer Helles"-Biersaufen hat ihren Höhepunkt erreicht. Gott sei Dank. Dann wieder zurück aufs August....


Ui ja, das Tegernseer war zu meinen Jugendzeiten ein völlig verschnarchtes Stammtischbier, das keiner freiwillig gekauft hätte. In meiner Gegend war damals das Hauptgetränk die Maisacher Perle, die hatte kneipenmäßig ein ziemliches Monopol. August war auch verbreitet, dazu noch KöLuDu. Aber weil wir schon beim Niedergang sind: Die größte Schweinerei ist die Umbenennung des guten alten Prinzregenten in "König Ludwig Weißbier"!

Gruß Petz

"The problem with quotes from the Internet is that it is difficult to determine whether or not they are genuine" - Abraham Lincoln

Nola Offline




Beiträge: 1.548

05.03.2014 23:58
#27 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten


Also ihr habt ja alle viel Prominenz an euren Stammtischen, bei uns im Norddeutschen hat es nur zur "lüttjen Lage" gereicht.

♥lich Nola

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Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

Krischan Offline




Beiträge: 344

06.03.2014 09:15
#28 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Da möchte ich mal den guten Brauch des Herrengedecks einwerfen - ein Bier, ein Korn (oder gerne auch mal zwei). Ist Herrengedeck noch politisch korrekt?

Egal, beim Bier versteht sich der Deutsche am Ende doch. Muss wohl an der Bierseligkeit liegen.

Freundlichst,
Krischan

Deutsche Wurst - alles andere ist Käse.

Nola Offline




Beiträge: 1.548

06.03.2014 10:57
#29 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Krischan im Beitrag #28
Da möchte ich mal den guten Brauch des Herrengedecks einwerfen - ein Bier, ein Korn (oder gerne auch mal zwei). Ist Herrengedeck noch politisch korrekt?

Egal, beim Bier versteht sich der Deutsche am Ende doch. Muss wohl an der Bierseligkeit liegen.

Freundlichst,
Krischan


Stimmt, lieber Krischan, hatte ich ganz vergessen (bin ja auch kein Herr ).
Das "Gedeck" war auch relativ preiswert, wenn ich das recht erinnere und war in Kneipen in den 60/70ger Jahren gebräuchlich.
Heute kenne ich eigentlich niemanden mehr, der diesen ekligen Korn trinkt.

♥lich Nola

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Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

Doeding Offline




Beiträge: 2.399

06.03.2014 11:02
#30 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Nola im Beitrag #29
Zitat von Krischan im Beitrag #28
Da möchte ich mal den guten Brauch des Herrengedecks einwerfen - ein Bier, ein Korn (oder gerne auch mal zwei). Ist Herrengedeck noch politisch korrekt?

Egal, beim Bier versteht sich der Deutsche am Ende doch. Muss wohl an der Bierseligkeit liegen.

Freundlichst,
Krischan


Stimmt, lieber Krischan, hatte ich ganz vergessen (bin ja auch kein Herr ).
Das "Gedeck" war auch relativ preiswert, wenn ich das recht erinnere und war in Kneipen in den 60/70ger Jahren gebräuchlich.
Heute kenne ich eigentlich niemanden mehr, der diesen ekligen Korn trinkt.


Och, liebe Nola, ne Lüttje Lage, wenn ich denn schon mal wieder in der alten Heimat bin, geht aber schon noch, oder? Da schmeckt auch der Korn .

Herzliche Grüße,
Andreas

Nola Offline




Beiträge: 1.548

06.03.2014 11:19
#31 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #30
Zitat von Nola im Beitrag #29
Zitat von Krischan im Beitrag #28
Da möchte ich mal den guten Brauch des Herrengedecks einwerfen - ein Bier, ein Korn (oder gerne auch mal zwei). Ist Herrengedeck noch politisch korrekt?

Egal, beim Bier versteht sich der Deutsche am Ende doch. Muss wohl an der Bierseligkeit liegen.

Freundlichst,
Krischan


Stimmt, lieber Krischan, hatte ich ganz vergessen (bin ja auch kein Herr ).
Das "Gedeck" war auch relativ preiswert, wenn ich das recht erinnere und war in Kneipen in den 60/70ger Jahren gebräuchlich.
Heute kenne ich eigentlich niemanden mehr, der diesen ekligen Korn trinkt.


Och, liebe Nola, ne Lüttje Lage, wenn ich denn schon mal wieder in der alten Heimat bin, geht aber schon noch, oder? Da schmeckt auch der Korn .

Herzliche Grüße,
Andreas



Lieber Andreas, dieser Korn schmeckt aber nur indem man das zur "lüttjen Lage" gehörige kleine "Stamperl" Dunkelbier dazu trinkt bzw. beides zusammenmischt. Außerdem birgt es die Gefahr, daß der Wirkungsgrad zeitversetzt eintritt und man leichtsinnerweise denkt, man könne noch mehr davon trinken.

Wiki:
Der Name Lüttje Lage stammt möglicherweise aus dem Lateinischen, wo lagona für Krug oder Flasche steht. Im Altdeutschen gab es dafür die Bezeichnung lagella.[1] Der Hannoveraner Cord Broyhan aus dem Dorf Stöcken (heute Stadtteil) braute 1526 als erster das nach ihm benannte obergärige Broyhan-Bier. Damit verschaffte er Hannover einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine bedeutende Stellung im Bereich der damaligen Braukunst. Aus der Sitte, das Broyhan-Bier zusammen mit Branntwein zu trinken, entstand Ende des 19. Jahrhunderts die Lüttje Lage. Zunächst war sie ein preiswertes Getränk der kleinen Leute, das es in den vielen kleinen Kneipen der Altstadt gab. Ein ähnliches Getränk durch die Kombination von Bier und Schnaps entwickelte sich in Hamburg als Lütt un Lütt.

Heute wird die Lüttje Lage als Getränk bei Volks- und Schützenfesten in der Region Hannover, wie dem Schützenfest Hannover und dem Maschseefest, ausgeschenkt. Auch wird es im Raum Hannover in einigen Gaststätten serviert. Das spezielle Lüttje-Lagen-Bier ist auch im Einzelhandel erhältlich.

♥lich Nola

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Zettel im August 2008

Herr Offline




Beiträge: 406

06.03.2014 12:19
#32 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Carlo M Dimhofen im Beitrag #6
Sehr schön! Tja, die deutschen Sprachvarietäten sind schon sehr vielfältig - als ich das erste Mal das Wort "Teilchenbeschleuniger" hörte, musste ich lachen, weil ich dachte, da in Genf hätten sie eine Art Katapult, um Apfeltaschen, Zimtschnecken oder eben auch Berliner durch die Gegend zu schießen.


Bei mir genau umgekehrt der erste Gedanke: Verkaufen die Bäcker im Westen einzelne Atome?

Herzliche Grüße!
Herr

Paul Offline




Beiträge: 1.285

06.03.2014 12:36
#33 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Krischan im Beitrag #28
Da möchte ich mal den guten Brauch des Herrengedecks einwerfen - ein Bier, ein Korn (oder gerne auch mal zwei). Ist Herrengedeck noch politisch korrekt?


In meinem Umfeld in Berlin wurde mit Herrengedeck ein Getränk halb Bier halb Sekt bezeichnet. Ob dieser Begriff in Berlin allgemein verbreitet war, weiß ich nicht.

Na dann Prost

Prost

PS Aschermittwoch ist vorbei und es kann wieder weiter gehen.

___________________________
In dubio, pro reo.

Paul Offline




Beiträge: 1.285

06.03.2014 12:47
#34 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Ein Kalauer fällt mir zum Thema Sprache ein.
Ausländer haben wohl besondere Probleme unsere für Außenstehende manchmal schwer verständlichen Begriffe zu verstehen.

Ein bekannter ungarischer Dirigent (ich weiß aber nicht wer), soll sich mal beschwert haben:

"Deutsche Sprach sein schwere Sprach.
Man sagen "Die Regent", dann sein sich Musik.
Man sagen "Das Regent"; alle Leute stehen Spalier am Straßenrand.
Man sagen "Der Regent" und man muss sich aufspannen Regenschirm."

"Tätä tätä tätä

Entschuldigung: Karneval oder wie wir in Berlin sagen, Fasching, ist vorbei

___________________________
In dubio, pro reo.

Zaungast Offline



Beiträge: 21

06.03.2014 13:42
#35 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Ich wohne seid nunmehr 20 Jahren auf der Kippe zwischen Ruhrpott und Bergischem Land und habe mich vor allem über die Redewendung "Jetzt trinken wir uns erstmal nen schönen Kaffee" amüsiert. Aber man gewöhnt sich und heute freut sich meine sprachakuratere Familie in der Nähe von Hannover halb tot, wenn ich pöttische Grammatik einfließen lasse. Mein Lehrjahre in Hannover brachten mich auch immer wieder mit Menschen in Verbindung, die der Meinung waren, das klarste Deutsch bundesweit zu sprechen.

Und hierzulande gibt es - mit absteigender Tendenz- Berliner Ballen zu kaufen.

Rayson Offline




Beiträge: 2.367

06.03.2014 15:46
#36 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Nola im Beitrag #31
Lieber Andreas, dieser Korn schmeckt aber nur indem man das zur "lüttjen Lage" gehörige kleine "Stamperl" Dunkelbier dazu trinkt bzw. beides zusammenmischt.
Und zwar, das ist besonders wichtig, im Moment des Trinkens, indem das "Korn"-Glas mit den kleineren Fingern so gehalten wird, dass der Korn genau in dem Moment in das Bier fließt, wo es gerade sein Glas verlässt, um in den Mund des Durstigen einzutauchen (ähnlich einer Kaskade). Angeblich muss jeder, der Oberbürgermeister von Hannover werden will, diese Übung selbst zu später Stunde (und das will auf dem platten Land da was heißen) noch beherrschen.

--
L'État, c'est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s'efforce de vivre aux dépens de tout le monde. (Frédéric Bastiat)
Je länger das Dritte Reich tot ist, um so stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen. (Johannes Gross)

Kritiker Offline



Beiträge: 274

06.03.2014 17:26
#37 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Hier in Hessen habe ich den Ausdruck "Kreppel" kennen gelernt.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob man den in das babylonische Sprachgewirr des "Berliners" einordnen darf, da der Kreppel streng genommen ohne Füllung serviert wird.

Der Kritiker

Doeding Offline




Beiträge: 2.399

06.03.2014 17:33
#38 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Rayson im Beitrag #36
Zitat von Nola im Beitrag #31
Lieber Andreas, dieser Korn schmeckt aber nur indem man das zur "lüttjen Lage" gehörige kleine "Stamperl" Dunkelbier dazu trinkt bzw. beides zusammenmischt.
Und zwar, das ist besonders wichtig, im Moment des Trinkens, indem das "Korn"-Glas mit den kleineren Fingern so gehalten wird, dass der Korn genau in dem Moment in das Bier fließt, wo es gerade sein Glas verlässt, um in den Mund des Durstigen einzutauchen (ähnlich einer Kaskade).


Selbstverständlich nur so. Im übrigen lassen sich entsprechende hannoversche Festivitäten auch zum Zwecke der Vergleichenden Verhaltensforschung nutzen. So erkennt man beispielsweise den gemeinen aber harmlosen Auswärtigen daran, daß er zuerst den Schnaps zischt, um dann mit dem Obergärigen nachzuspülen, wohingegen die undomestiziert-gefährliche Form immer wieder dabei beobachtet worden ist, wie sie den Schnaps in das Bier kippt, um sich an dem dann entstandenen stehend-brackigen Gewässer gütlich zu tun.

Herzliche Grüße,
Andreas

Nola Offline




Beiträge: 1.548

06.03.2014 20:27
#39 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Rayson im Beitrag #36
Zitat von Nola im Beitrag #31
Lieber Andreas, dieser Korn schmeckt aber nur indem man das zur "lüttjen Lage" gehörige kleine "Stamperl" Dunkelbier dazu trinkt bzw. beides zusammenmischt.
Und zwar, das ist besonders wichtig, im Moment des Trinkens, indem das "Korn"-Glas mit den kleineren Fingern so gehalten wird, dass der Korn genau in dem Moment in das Bier fließt, wo es gerade sein Glas verlässt, um in den Mund des Durstigen einzutauchen (ähnlich einer Kaskade). Angeblich muss jeder, der Oberbürgermeister von Hannover werden will, diese Übung selbst zu später Stunde (und das will auf dem platten Land da was heißen) noch beherrschen.



Isses möglich - noch'n Insider.
Lieber Rayson, ich glaube heute ist das nicht mehr üblich, aber OB Schmalstieg sah man 36 Jahre lang üben auf Hannovers Schützenfest.

♥lich Nola

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Zettel im August 2008

Rayson Offline




Beiträge: 2.367

06.03.2014 21:58
#40 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Nola im Beitrag #39
Isses möglich - noch'n Insider.
Bald sind wir genug, um machtvoll unser Lied anstimmen zu können: "Wir sind die Niedersachsen, trinkfest und erdverwachsen!" http://youtu.be/1ZPHWMhiggo

Zitat von Nola
Lieber Rayson, ich glaube heute ist das nicht mehr üblich, aber OB Schmalstieg sah man 36 Jahre lang üben auf Hannovers Schützenfest.

Liebe Nola, ich meine mich auch erinnern zu können, dass er es zumindest in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit auch ziemlich perfekt beherrschte (wiewohl er natürlich das Üben nicht lassen wollte).

--
L'État, c'est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s'efforce de vivre aux dépens de tout le monde. (Frédéric Bastiat)
Je länger das Dritte Reich tot ist, um so stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen. (Johannes Gross)

Nola Offline




Beiträge: 1.548

06.03.2014 22:36
#41 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Rayson im Beitrag #40
Zitat von Nola im Beitrag #39
Isses möglich - noch'n Insider.
Bald sind wir genug, um machtvoll unser Lied anstimmen zu können: "Wir sind die Niedersachsen, trinkfest und erdverwachsen!" http://youtu.be/1ZPHWMhiggo

Zitat von Nola
Lieber Rayson, ich glaube heute ist das nicht mehr üblich, aber OB Schmalstieg sah man 36 Jahre lang üben auf Hannovers Schützenfest.
Liebe Nola, ich meine mich auch erinnern zu können, dass er es zumindest in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit auch ziemlich perfekt beherrschte (wiewohl er natürlich das Üben nicht lassen wollte).



... und selbst wenn man ihm (Schmalstieg) auf 20 cm nahe kam, konnte man sein "Genuschel" kaum verstehen - mit oder auch ohne lüttje-Lagen-Genuß zuvor.

♥lich Nola

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Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

Zaungast Offline



Beiträge: 21

07.03.2014 17:54
#42 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

"Wir sind die Niedersachsen, trinkfest und erdverwachsen!"

Ist es denn nicht verpöhnt, dieses Lied im nüchternen Zustand zu singen? Wegen faschistoidem Hintergrund?
Ich habe es in meinen hannoveraner Jahren nie gehört. Das ganze Gegenteil erlebte ich vorher in Minden/Westfalen. "Wo die Weser einen großen Bogen macht, wo der Kaiser Wilhelm hält die treue Wacht.." habe ich dort ruckzuck gelernt. Dafür brauchte es nichtmals eine Flasche in der Hand.

MfG vom Zaungast

Rayson Offline




Beiträge: 2.367

08.03.2014 00:02
#43 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Zaungast im Beitrag #42
Ist es denn nicht verpöhnt, dieses Lied im nüchternen Zustand zu singen? Wegen faschistoidem Hintergrund?
Nun, dass es in Kreisen, die gerne Begriffe wie "faschistoid" verwenden, verpönt sein könnte, halte ich durchaus für realistisch. Da steckt halt derselbe Geist drin, der auch das Hermann-Denkmal schuf. Allerdings ist es bei den Gelegenheiten, zu denen ich das Lied vernehmen durfte (durchaus auf dem hannöverschen Land, aber auch in der Tat meist nie in nüchternem Zustand, doch der dauert bei einem niedersächsischen, geselligen Beisammensein eh nie lange), meiner Erinnerung nach daraufhin nie zu antifranzösischen Ausschreitungen gekommen. Und in den meisten Fällen wurde von der Mehrheit sowieso nur die relativ harmlose erste Strophe zum besten gegeben, während man sich ansonsten darauf konzentrierte, den Refrain mitgrölen zu können.

Hach, das waren noch Zeiten.

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Je länger das Dritte Reich tot ist, um so stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen. (Johannes Gross)

adder Offline




Beiträge: 1.073

08.03.2014 09:26
#44 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von Zaungast im Beitrag #42
"Wir sind die Niedersachsen, trinkfest und erdverwachsen!"

Ist es denn nicht verpöhnt, dieses Lied im nüchternen Zustand zu singen? Wegen faschistoidem Hintergrund?
Ich habe es in meinen hannoveraner Jahren nie gehört. Das ganze Gegenteil erlebte ich vorher in Minden/Westfalen. "Wo die Weser einen großen Bogen macht, wo der Kaiser Wilhelm hält die treue Wacht.." habe ich dort ruckzuck gelernt. Dafür brauchte es nichtmals eine Flasche in der Hand.

MfG vom Zaungast


Nun ja, der politisch-korrekte Zeitgeist hat dafür gesorgt, dass selbst der NDR diese Nationalhymne nicht mehr in gesungener Form spielen darf. Hannover ist aber auch nicht wirklich (Nieder-)Sachsen - dazu sind die Leute dort viel zu lange vom Königreich Hannover beeinflusst worden. Das echte, authentische (Nieder-)Sachsen findet man im ehemaligen Großherzogtum Oldenburg. Hier wurde und wird klassischerweise zu offiziellen und nicht-offiziellen Gelegenheiten nicht nur dieses eine, sondern auch noch das andere gesungen: neben dem (Original) Niedersachsenlied wie selbstverständlich auch das "Heil Dir, oh Oldenburg!"

Beides im Übrigen keine Nazi-Lieder. Herzogin Cäcilie und Theodor Kobbe mögen ja vieles gewesen sein, aber Nazi nun wirklich nicht. Und das Niedersachsenlied bezieht sich ausdrücklich auf eine Vergangenheit, die selbst im zweiten Deutschen Reich schon lange vorbei war. Widukind der Große ist nun aber als Kronzeuge für den Hitlerismus tatsächlich nicht zu gebrauchen, Hitler war deutlich mehr von seinem Gegenspieler, dem "Europa-Vereiniger" Karl, begeistert. Naja, Karl hat ja auch zum Vereinigen auf Gewalt gesetzt (Massenmord an den Awaren, militärische Aktionen gegen Spanien, Italien, Sachsen...) - das war dann wohl insbesondere weil auch noch erfolgreich der bessere Bezugspunkt. Und auch Hermann Grote, der Autor dieses Liedes, hat mit dem Hitlerismus genausowenig zu tun wie die alte Cäcilie...

Nola Offline




Beiträge: 1.548

08.03.2014 11:16
#45 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

Zitat von adder im Beitrag #44
Zitat von Zaungast im Beitrag #42
"Wir sind die Niedersachsen, trinkfest und erdverwachsen!"

Ist es denn nicht verpöhnt, dieses Lied im nüchternen Zustand zu singen? Wegen faschistoidem Hintergrund?
Ich habe es in meinen hannoveraner Jahren nie gehört. Das ganze Gegenteil erlebte ich vorher in Minden/Westfalen. "Wo die Weser einen großen Bogen macht, wo der Kaiser Wilhelm hält die treue Wacht.." habe ich dort ruckzuck gelernt. Dafür brauchte es nichtmals eine Flasche in der Hand.

MfG vom Zaungast


Nun ja, der politisch-korrekte Zeitgeist hat dafür gesorgt, dass selbst der NDR diese Nationalhymne nicht mehr in gesungener Form spielen darf.


Da gibt es ja einige Lieder, die aus Pietät nicht mehr gesungen oder gespielt werden.
In meiner Jugend, bekam ich ein Liedbüchlein im Konfirmandenunterricht vom Pastor. Die "Mundorgel" ca. 10 x 10 cm groß. Nebst Lieder fürs "Lagerfeuer" auch fast alle deutschen Volkslieder enthalten. Einige davon hat ja mal "Heino" wiederbelebt aber natürlich war er damit rechts und verpönt.

♥lich Nola

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Zettel im August 2008

Zaungast Offline



Beiträge: 21

08.03.2014 17:23
#46 RE: Und sie verstehen sich doch – Deutsche Sprache, fremde Sprache antworten

@Rayson:

Danke für die historische Einordnung.

Und:
Zitat:Allerdings ist es bei den Gelegenheiten, zu denen ich das Lied vernehmen durfte (durchaus auf dem hannöverschen Land, aber auch in der Tat meist nie in nüchternem Zustand, doch der dauert bei einem niedersächsischen, geselligen Beisammensein eh nie lange)Zitat:

Ich habe natürlich zentraler gewohnt und war wohl ziemlich problembewußt


@Nola:
Ja, die Mundorgel gehörte unbedingt dazu und ihre Lieder waren Kulturgut, ebenso wie die Lieder von Frederik Vahle. Was singen die Kinder eigentlich heute? Die Klassiker aus meiner kindheit jedenfalls nicht mehr. Singen scheint schon in der Grundschulzeit immer uncooler zu werden. Schade drum.

Mit freundlichen Grüßen vom Zaungast


Edit: Kampf mit der Zitatfunktion

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