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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 674 mal aufgerufen
 Pro und Contra
Realist Offline



Beiträge: 110

24.04.2014 15:02
Die Rückkehr der Geschichte antworten

In der aktuellen Ausgabe von Foreign Affairs (May/June 2014) analysiert Walter Russell Mead unter dem Titel „The Return of Geopolitics“ die Wiedergeburt der Geopolitik. Der Westen habe sich seit dem Ende des Kalten Krieges der Illusion hingegeben, dass alle machtpolitischen Konflikte dauerhaft überwunden wären. Aus der überzeugenden Sicht des Autors handelte es sich hierbei um eine gefährliche Fehleinschätzung, auf die man sich nie hätte einlassen dürfen:
“But Westerners should never have expected old-fashioned geopolitics to go away. They did so only because they fundamentally misread what the collapse of the Soviet Union meant: the ideological triumph of liberal capitalist democracy over communism, not the obsolescence of hard power. China, Iran, and Russia never bought into the geopolitical settlement that followed the Cold War, and they are making increasingly forceful attempts to overturn it. That process will not be peaceful, and whether or not the revisionists succeed, their efforts have already shaken the balance of power and changed the dynamics of international politics.”

Ob es sich nun um den westlichen Pazifik, den mittleren Osten oder den osteuropäischen Raum handelt, stets ist davon auszugehen, dass der bislang bestehende Status Quo unter erheblichen Druck gerät und von revisionistischen Staaten aufgekündigt wird. Friedlich geht es dabei mit Sicherheit nicht zu, weshalb sich der Westen von seinen beliebten Mythen - wie etwa dem vom friedlichen Aufstieg Chinas – endlich verabschieden muss.

Jetzt rächt es sich, dass die politische Klasse im Westen seit Jahren Unsummen verfehlt ausgegeben hat. Klimaschutz, Sozialpolitik oder Bankenrettungen waren immer wichtiger als die Gewährleistung der äußeren Sicherheit und die damit verbundenen Ausgaben. Der Verteidigungshaushalbt ist bis heute ein unbeliebtes Stiefkind der Politik geblieben.
Mit dieser Entwicklung war durchaus zu rechnen gewesen. Man hätte lediglich einen Blick in das 2001 erschienene Buch „The Tragedy of Great Power Politics“ von John J. Mearsheimer werfen müssen, um sich der unerfreulichen Tatsache bewusst zu werden, dass es einen „ewigen Frieden“ in der realen Welt nicht geben wird.

Realist

Realist Offline



Beiträge: 110

27.04.2014 11:26
#2 RE: Die Rückkehr der Geschichte antworten

Jetzt auch Dan Blumenthal in einer Buchbesprechung im Weekly Standard („Beijing Rising“):
„Now, even as Western elites have consigned geopolitical competition to the dustbin of history, big-power rivalry is back. And at a time when sharp-edged statecraft is required, the United States finds itself ill-prepared to play the game.
Of the three major revisionist states, for now, Russia and Iran have been the most aggressive. But China is the strongest and has the greatest potential to upend the geopolitical arrangements that have been paid for in (mostly American) blood and treasure since the end of World War II. Like Moscow and Tehran, Beijing, too, faces manifold obstacles on the road to power and glory. But China’s sheer size, economic dynamism, increasing global interests, long peacetime military buildup, and sheer will to power pose the greatest challenges to the structure of international politics dominated by the United States.”

http://www.weeklystandard.com/articles/b...ing_787357.html

Realist

Emulgator Offline



Beiträge: 1.698

28.04.2014 00:26
#3 RE: Die Rückkehr der Geschichte antworten

Zitat von Realist im Beitrag #2
Jetzt auch Dan Blumenthal in einer Buchbesprechung im Weekly Standard („Beijing Rising“):
„Now, even as Western elites have consigned geopolitical competition to the dustbin of history, big-power rivalry is back."

In den Blättern für deutsche und internationale Politik findet sich aktuell eine sehr schöne Kritik an dem Kozept der "Geopolitik". Geopolitische Spekulationen haben sich regelmäßig als falsch herausgestellt. Die Strategien, die wegen dieser Spekulationen gefaßt wurden, haben stets zu unfrieden geführt, weil internationale Politik in die Regeln eines Nullsummenspiels gedrängt wurde:

Zitat
Erschwerend kommt noch hinzu, dass in geopolitischen Analysen eines regelmäßig zu kurz kommt – nämlich das Nachdenken über die Grundlagen der menschlichen Zivilisation. Geopolitik beschreibt die inhärente Logik von Machtzusammenhängen. Eine Grundannahme der Geopolitik, ja vielleicht deren grundlegendste, ist, dass die Ausdehnung von Macht wünschenswert sei. Doch die Macht des einen ist die Ohnmacht des anderen. Das, was unter dem Gesichtspunkt der Zivilität etwas Positives wäre, nämlich eine möglichst machtfreie Beziehung zwischen Staaten und Kulturen, stellt sich in der Geopolitik als etwas Negatives dar. Sobald ein Geostratege die Wahl zwischen einer geopolitischen Ausgleichssituation und einer Machtexpansion hat, wird er sich gemäß den Prämissen seines Fachs für die Machtexpansion entscheiden.

Realist Offline



Beiträge: 110

28.04.2014 08:55
#4 RE: Die Rückkehr der Geschichte antworten

Danke für den Hinweis. Ich werde mir den verlinkten Beitrag demnächst durchlesen. Leider komme ich heute aus zeitlichen Gründen nicht mehr dazu.
Wie Sie sich aber wahrscheinlich denken werden, stehe ich geopolitischen Konzepten deutlich positiver gegenüber, als es in der von Ihnen zitierten Zeitschrift üblich ist.

Realist

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