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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 23 Antworten
und wurde 2.765 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
R.A. Offline



Beiträge: 8.171

15.09.2014 17:50
Die Puppe in der Puppe Antworten

Das Thema Sezession hat gerade Hochkonjunktur.
Aber obwohl ich gerade dem schottischen Anliegen mit großer Sympathie gegenüberstehe - mich überzeugt das Konzept nicht.

Fluminist Offline




Beiträge: 2.014

15.09.2014 18:37
#2 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von R.A.
Aber das ist eigentlich kein schottisches Öl, sondern liegt im potentiellen Hoheitsbereich der Orkneys und Shetlands.


Stimmt, mit dem "schottischen" Öl ("lots and lots and lots of oil" - Nicola Sturgeon, SNP) wäre es bei einer Abspaltung dieser Inseln (die auch z.B. bei England & Co. bleiben oder sich Norwegen anschließen könnten) Essig.

Zitat von R.A.
Denn ein großer Teil der Bewohner Kataloniens sind überhaupt keine Katalanen. Während Millionen Katalanen in den Nachbarregionen wohnen. Das gäbe ein spannendes Puzzle.


Hmm, etwa so spannend wie in Jugoslawien?

Aber das Mischungsproblem stellt sich nicht nur ethnisch, sondern auch in Bezug auf die Meinung. Denn das ist gewiß: wie auch immer die Abstimmung in Schottland ausgeht, etwa die Hälfte der Bevölkerung wird dagegen gewesen sein und alles, was nachher schiefgeht, der anderen Hälfte anlasten. Da kann man nur hoffen, daß der englische Sportsgeist, ein guter Verlierer zu sein, auch auf die Schotten abgefärbt hat.



Who is General Failure and why is he Reading my Disk?

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

15.09.2014 18:41
#3 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #2
Hmm, etwa so spannend wie in Jugoslawien?

Eigentlich ist das jugoslawische Beispiel viel besser als das bisher fiktive aus Südtirol.
Kroatien hat sich von Jugoslawien abgespalten - und dann wollten sich die serbischen Gebiete von Kroatien abspalten. Und in diesen Gebieten gab es auch wieder Ortschaften mit Bewohnern anderer Nationalität.

Das Matrjoschka-Prinzip hat ganz widerlich grausame Folgen in Ex-Jugoslawien gehabt. In einer gemischten Bevölkerung (wie sie für fast alle Gebiete dieser Erde typisch ist) führt das konsequente Sezessionsprinzip zu heftigen Problemen.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

15.09.2014 18:51
#4 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #2
... wäre es bei einer Abspaltung dieser Inseln (die auch z.B. bei England & Co. bleiben oder sich Norwegen anschließen könnten) Essig.

Und das steht sogar schon konkret auf der Tagesordnung!

Da hätte ich wohl noch etwas recherchieren müssen. Denn es gibt bereits eine sehr aktive Unabhängigkeitsbewegung auf den Orkneys/Shetlands. Und die haben bereits eine Initiative gestartet, um eine Woche nach dem schottischen Referendum über den künftigen Status der Inseln abzustimmen.

Mit den Optionen: "Unabhängigkeit der Inseln", "Verbleib bei Schottland" und - im Falle einer schottischen Unabhängigkeit - "Verbleib bei Großbritannien".

Und große Überraschung , die Salmond-Regierung hat das abgelehnt.

M. E. ist diese willkürliche Ablehnung politisch nicht durchzuhalten. Die SNP kann den Inseln nicht genau das Recht verwehren, was sie selber gegenüber London einfordert.

Und vor allem: Falls die Abstimmung nächste Woche eine Mehrheit für die schottische Unabhängigkeit ergibt, ist das ja erst einmal nur eine Absichtserklärung. Die dann in Verhandlungen mit London umgesetzt werden muß - das Abstimmungsergebnis gäbe nur eine moralische Basis für die Unabhängigkeit, noch keine juristische.
Wenn Cameron schlau ist, benutzt er die Orkney-Frage als Joker: Wenn Salmond das ablehnt, ist seine moralische Basis nichts mehr wert. Aber wenn er zustimmt, ist die schottische Unabhängigkeit nicht mehr finanzierbar.

Florian Offline



Beiträge: 2.947

15.09.2014 18:54
#5 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat
Der Preis für das unklarste und umstrittenste Konstrukt im Völkerrecht geht wohl eindeutig an das "Selbstbestimmungsrecht der Völker".



In einem Artikel von A.Posener habe ich einmal (sinngemäß) gelesen:
Das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" ist neben Kommunismus und Nationalismus eine der gefährlichsten Ideen des 20. Jahrhunderts.


Der entscheidende Urheber dieser Idee, Woodrow Wilson, war sicher ein wohlmeinender Idealist. Aber seine Idee hat viel Leid über die Welt gebracht.

Auf den ersten Blick klingt es ja sehr sympathisch.
Aber die Anwendung dieses Rechts kann oft mörderisch sein.
In den seltenen Fällen eines homogenen Staatsvolks in einem Staat mit klaren und eindeutigen Grenzen stellt sich die Frage des "Selbstbestimmungsrechts der Völker" ja gar nicht (zwei der wenigen Beispiele, die mir hier einfallen sind Japan und Island).
Sondern immer nur dann, wenn es in einem Staat Minderheiten gibt. Weil dann aber eben "Völker" nicht gut abgrenzbar sind und in der Realität auch nie homogen ein abgrenzbares Gebiet bewohnen, führt die Anwendung dieses "Selbstbestimmungsrechts" dann immer zu weiteren Problemen:

In Anwendung des Selbstbestimmungsrechts wurde Österreich-Ungarn in seine Teile Österreich und Ungarn zerlegt.
Aber auch Ungarn hatte Minderheiten. Etwa Rumänen. Also wurde der Teil Ungarns mit rumänischer Minderheit dem Staat Rumänien zugeschlagen.
Aber innerhalb dieses Gebiets gab es wiederum Gebiete mit ungarischen Minderheiten. Diese wurden dann aber nicht mehr Ungarn zugeschlagen sondern blieben bei Rumänien. (Und in der Folge war dann Ungarn im 2. Weltkrieg eine der revanchistischen Mächte an der Seite Deutschlands). usw.usf.

adder Offline




Beiträge: 1.073

15.09.2014 19:57
#6 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #5

Zitat
Der Preis für das unklarste und umstrittenste Konstrukt im Völkerrecht geht wohl eindeutig an das "Selbstbestimmungsrecht der Völker".


In einem Artikel von A.Posener habe ich einmal (sinngemäß) gelesen:
Das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" ist neben Kommunismus und Nationalismus eine der gefährlichsten Ideen des 20. Jahrhunderts.


Der entscheidende Urheber dieser Idee, Woodrow Wilson, war sicher ein wohlmeinender Idealist. Aber seine Idee hat viel Leid über die Welt gebracht.

Auf den ersten Blick klingt es ja sehr sympathisch.
Aber die Anwendung dieses Rechts kann oft mörderisch sein.
In den seltenen Fällen eines homogenen Staatsvolks in einem Staat mit klaren und eindeutigen Grenzen stellt sich die Frage des "Selbstbestimmungsrechts der Völker" ja gar nicht (zwei der wenigen Beispiele, die mir hier einfallen sind Japan und Island).
Sondern immer nur dann, wenn es in einem Staat Minderheiten gibt. Weil dann aber eben "Völker" nicht gut abgrenzbar sind und in der Realität auch nie homogen ein abgrenzbares Gebiet bewohnen, führt die Anwendung dieses "Selbstbestimmungsrechts" dann immer zu weiteren Problemen:

In Anwendung des Selbstbestimmungsrechts wurde Österreich-Ungarn in seine Teile Österreich und Ungarn zerlegt.
Aber auch Ungarn hatte Minderheiten. Etwa Rumänen. Also wurde der Teil Ungarns mit rumänischer Minderheit dem Staat Rumänien zugeschlagen.
Aber innerhalb dieses Gebiets gab es wiederum Gebiete mit ungarischen Minderheiten. Diese wurden dann aber nicht mehr Ungarn zugeschlagen sondern blieben bei Rumänien. (Und in der Folge war dann Ungarn im 2. Weltkrieg eine der revanchistischen Mächte an der Seite Deutschlands). usw.usf.



Gemäß Ludwig von Mises, der ebenfalls das Selbstbestimmungsrecht der Völker in einem liberalen Verfassungsrahmen gutheißt, gibt es diese Probleme nur dort, wo die Freizügigkeit und das Wahlrecht eingeschränkt sind. Ansonsten klären sich die "Probleme" mit dem Selbstbestimmungsrecht wie von selbst. Sollte z.B. die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein einen Anschluss an Dänemark wollen und innerhalb der Wahlkreise oder gar des ganzen Bundeslandes auch entsprechende Mehrheiten zusammenbekommen, spricht doch absolut nichts dagegen, dass diese Wahlkreise zu Dänemark gehen. Die unterlegene Minderheit der Deutschen in den neuen dänischen Wahlkreisen kann ja ohne Probleme nach Deutschland immigrieren und genießt im Zweifel ähnliche Schutzrechte wie die Dänen hier.

Mises legt das deutlich wortgewaltiger als ich dar, und man sollte dieses unbedingt im Original lesen - wie das Buch "Liberalismus" unbedingt jedem zur Lektüre zu empfehlen ist.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 9.637

15.09.2014 21:02
#7 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #5
(zwei der wenigen Beispiele, die mir hier einfallen sind Japan und Island).


Selbst die beiden nicht - jedenfalls nicht in diesem Sinn. Japan hat 2 Minderheiten: die Koreaner & die Ainu - bei denen aber jede Idee einer eigenen Staatlichkeit ausfällt (die Koreaner kommen aus der Arbeitsmigration der Kolonialzeit 1904-44 her; die Ainu hatten nie einer Form von ausgreifenderer Organsiation, die über das eigene Dorf hinausging: darin übrigens mit den Eskimos, den Sibiriaken & den "500 Nationen" in der Neuen Welt vergleichbar). Okinawa hält in vieler Hinsicht den Posten "Schottland/Hebriden": ein unverständlicher Dialekt, rückständige Inselwirtschaft mit Hightech/Tourismus-Glasur & eine blutige Geschichte, die der Anschluß an die Große Insel mit sich brachte. Allerdings ist man da eher stolz, was Besseres unter Besseren zu sein, anstatt einsamer Wattwanderer. (Bei John Buchan sagt Sandy Arbuthnot irgendwo sinngemäß zu Richard Hannay: "Of course we Scots are ten times better than you English, but together we are still better than the rest of the world".)

Island ist hingegen zur Unabhängigkeit gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Das war die Bedingung der Amerikaner an die dänische Verwaltung, um dort, unabhängig vom weiteren Kriegsverlauf, ab 1944 ohne Dreinreden von außen einen mittelatlantischen Flugplatz zu sichern. (Die Nachkriegsaushandlungen über Kippen oder Ausbauen des Vertrags war 7-8 Jahre lang das einzige Thema, an dem sich die isländische Politik hochgezogen hat; sh. Halldor Laxness' "Atomstation", dem das als 100%igem Stalinisten eher weniger schmeckte.)

Lord Rust Offline



Beiträge: 4

16.09.2014 11:47
#8 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Hallo erstmal!
Mal eine Frage zu dem Nordseeöl: Wenn ich mir diese Karte der Ölvorkommen anschaue, würde eine Szession von Orkneys und Shetlands zwar einige Vorkommen mitnehmen, aber ein großer Batzen würde doch bei den Schotten verbleiben?

Ich habe keine Idee, wie man Seegebiete aufteilt, deshalb die Frage.

https://fbcdn-sphotos-b-a.akamaihd.net/h...348529506_n.jpg

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

16.09.2014 12:37
#9 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Lord Rust im Beitrag #8
Wenn ich mir diese Karte der Ölvorkommen anschaue, würde eine Szession von Orkneys und Shetlands zwar einige Vorkommen mitnehmen, aber ein großer Batzen würde doch bei den Schotten verbleiben?

Richtig ist natürlich, daß sehr wohl einige Vorkommen bei Schottland verbleiben. Aber eben nicht annähernd die aktuelle Größenordnung, die Salmond und Genossen für die Finanzierung ihres Staats einkalkulieren.

Die Seegrenzziehung ist zwischen Inseln immer etwas schwierig und wohl auch Verhandlungssache. Mir ist zum Beispiel nicht klar, wie diese als Grenze von 1999 gekennzeichnete Linie zwischen englischem und schottischem Seegebiet zustande gekommen sein soll. Normal würde man die Landgrenze schlicht verlängern, in einer geraden Linie, dann würden die Engländer etwas mehr Öl abbekommen.
Die Linie zwischen den Orkneys und Schottland müßte m. E. etwas schräg nach Südosten verlaufen. Damit würden Schottland wohl etwa die Hälfte der Punkte verbleiben.

Allerdings sind diese als Punkte markierten Fördergebiete nicht gleichwertig. M. W. liegen die größeren Vorkommen und vor allem die künftig zu erschließenden Vorräte tendenziell weiter im Norden.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 9.637

16.09.2014 13:16
#10 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #9
Mir ist zum Beispiel nicht klar, wie diese als Grenze von 1999 gekennzeichnete Linie zwischen englischem und schottischem Seegebiet zustande gekommen sein soll. Normal würde man die Landgrenze schlicht verlängern, in einer geraden Linie, dann würden die Engländer etwas mehr Öl abbekommen.
Die Linie zwischen den Orkneys und Schottland müßte m. E. etwas schräg nach Südosten verlaufen. Damit würden Schottland wohl etwa die Hälfte der Punkte verbleiben.


A-ha: http://www.craigmurray.org.uk/archives/2...ime-boundaries/

In 1999 Tony Blair, abetted by the Scottish traitor Donald Dewar, redrew the existing English/Scottish maritime boundary to annex 6,000 square miles of Scottish waters to England, including the Argyll field and six other major oilfields. The idea was specifically to disadvantage Scotland’s case for independence.

The pre-1999 border was already very favourable to England. In 1994, while I was Head of the Maritime Section of the Foreign and Commonwealth Office, I had already queried whether it was too favourable to England. I little anticipated that five years later Blair would push it seventy miles North!!

I should explain that I was the Alternate Head of the UK Delegation to the UN Convention on the Law of the Sea, and was number 2 on the UK team that negotiated the UK/Ireland, UK/Denmark (Shetland/Faeroes), UK/Belgium, and Channel Islands/France maritime boundaries, as well as a number of British Dependent Territories boundaries. There are very few people in the World – single figures – who have more experience of actual maritime boundary negotiation than me.

The UK’s other maritime boundaries are based on what is known formally in international law as the modified equidistance principle. The England/Scotland border was of course imposed, not negotiated. It is my cold, professional opinion that this border lies outside the range of feasible solutions that could be obtained by genuine negotiation, arbitration or judgement.


Säbelrasseln, Kanonenboote, "Verräter", "perfides Albion"... Der Spaß für die nächsten 30 Jahre dürfte gesichert sein.

PS: http://en.wikipedia.org/wiki/Scottish_Ad...ries_Order_1999
"The Scottish Adjacent Waters Boundaries Order 1999 is a statutory instrument of the United Kingdom, defining "the boundaries between waters which are to be treated as internal waters or territorial sea of the United Kingdom adjacent to Scotland and those which are not." It was introduced in accordance with the Scotland Act 1998, which established the devolved Scottish Parliament, replacing the Civil Jurisdiction (Offshore Activities) Order 1987 and the Criminal Jurisdiction (Offshore Activities) Order 1987."

Die Pressemitteilung von 1999 & der Text der Regelung.

Florian Offline



Beiträge: 2.947

16.09.2014 13:21
#11 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #9

Die Seegrenzziehung ist zwischen Inseln immer etwas schwierig und wohl auch Verhandlungssache. Mir ist zum Beispiel nicht klar, wie diese als Grenze von 1999 gekennzeichnete Linie zwischen englischem und schottischem Seegebiet zustande gekommen sein soll. Normal würde man die Landgrenze schlicht verlängern, in einer geraden Linie, dann würden die Engländer etwas mehr Öl abbekommen.
Die Linie zwischen den Orkneys und Schottland müßte m. E. etwas schräg nach Südosten verlaufen. Damit würden Schottland wohl etwa die Hälfte der Punkte verbleiben.



Ich spekuliere jetzt mal:
die Grenze wird so gezogen, dass jeder einzelne Punkt im Meer der Nation gehört, dessen Festland näher liegt.

(Oder anders formuliert: jeder Punkt auf der Seegrenze ist genauso weit vom englischen wie vom schottischen Festland entfernt).


Der etwas gebogene Grenzverlauf würde sich dann daraus ergeben, dass Schottland eine breite Landzunge in die Nordsee hat (auf der Aberdeen liegt), während die englische Küste nichts vergleichbares hat.
Ich habe meine Theorie gerade mit einem Zirkel geprüft, sie scheint in etwa zu stimmen. (Wobei die verlinkte Karte für diese Aufgabe womöglich auch nicht optimal geeignet ist. Man bräuchte eine längentreue Projektion. Keine Ahnung, ob dies hier der Fall ist. Eine Mecator-Projektion würde z.B. zu Verzerrungen führen, die in einer nördlichen Region wie Schottland schon spürbar wären).


Ein spezielles Problem sind natürlich gerade in diesem Fall Inseln.
Zählt eine vorgelagerte Insel zum "Festland"? Auf den ersten Blick ist das zwar abwegig. Aber nachdem ja Großbritannien selbst kein "echtes" Festland sondern auch eine Insel ist, kann man vielleicht schon argumentieren, dass eine vorgelagerte Insel auch Teil des "Insel-Festlands" ist. Aber nachdem es im hier untersuchten Bereich keine Inseln gibt, ist das kein praktisches Problem. (In der irischen See könnte aber die Isle of Man ein Streitfall sein).

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 9.637

16.09.2014 13:45
#12 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #11
Ein spezielles Problem sind natürlich gerade in diesem Fall Inseln.
Zählt eine vorgelagerte Insel zum "Festland"? Auf den ersten Blick ist das zwar abwegig.


Alles andere als. Für Bodenschätze & Fischereirechte gilt nach UN-Bestimmungen die 200-Meilen-Zone - und Inseln zählen zum Hoheitsgebiet des jeweils anspruchsberechtigten Staats. Das ist in den 80er Jahren ziemlich langstielig ausklamüsert worden & m.W. 1988 in Kraft getreten. Bei Überschneidungen gilt Äquidistanz oder Sondervereinbarungen zwischen den einzelnen Staaten. Die Sache hat dazu geführt, daß von Anfang der 90er Jahre an die gesamten Randzonen der 7 Weltmeere neu kartografiert worden sind (gegen Indonesien/Mikronesien mitsamt diversen Mandatsresten ist das Doggerbankdilemma Kleinfisch),

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

16.09.2014 14:31
#13 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #10
A-ha: http://www.craigmurray.org.uk/archives/2...ime-boundaries/

Wo gräbst Du nur immer diese Skurrilitäten aus!
Offenbar ist Craig Murray als geborener Engländer das Gegenstück zu dem von ihm "Scottish traitor" genannten Dewar.

Spaßiger Lebenslauf, u.a.: "Murray separated from his first wife, Fiona, with whom he has two children, after starting a relationship with Nadira Alieva, an Uzbek woman whom he met in a lapdancing club in Tashkent."
Also nichts von wegen "No sex please, we're british".

Aber das sagt natürlich nichts gegen seine Glaubwürdigkeit.

Allerdings scheint mir Florians Erklärung deutlich plausibler als Murrays Verratstheorie.

Solus Offline



Beiträge: 384

16.09.2014 15:42
#14 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #12
Zitat von Florian im Beitrag #11
Ein spezielles Problem sind natürlich gerade in diesem Fall Inseln.
Zählt eine vorgelagerte Insel zum "Festland"? Auf den ersten Blick ist das zwar abwegig.


Alles andere als. Für Bodenschätze & Fischereirechte gilt nach UN-Bestimmungen die 200-Meilen-Zone - und Inseln zählen zum Hoheitsgebiet des jeweils anspruchsberechtigten Staats. Das ist in den 80er Jahren ziemlich langstielig ausklamüsert worden & m.W. 1988 in Kraft getreten. Bei Überschneidungen gilt Äquidistanz oder Sondervereinbarungen zwischen den einzelnen Staaten. Die Sache hat dazu geführt, daß von Anfang der 90er Jahre an die gesamten Randzonen der 7 Weltmeere neu kartografiert worden sind (gegen Indonesien/Mikronesien mitsamt diversen Mandatsresten ist das Doggerbankdilemma Kleinfisch),

Was zu reichlich Situationen wie dieser hier geführt hat http://en.wikipedia.org/wiki/Senkaku_Islands.

Florian Offline



Beiträge: 2.947

16.09.2014 16:55
#15 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #12
Zitat von Florian im Beitrag #11
Ein spezielles Problem sind natürlich gerade in diesem Fall Inseln.
Zählt eine vorgelagerte Insel zum "Festland"? Auf den ersten Blick ist das zwar abwegig.


Alles andere als. Für Bodenschätze & Fischereirechte gilt nach UN-Bestimmungen die 200-Meilen-Zone - und Inseln zählen zum Hoheitsgebiet des jeweils anspruchsberechtigten Staats.



Meine Frage bezog sich allerdings auf etwas anderes.
Nicht darauf, zu wessen Hoheitsgebiet eine Insel gehört.
Sondern, ob eine Insel Einfluss auf das Hoheitsgebiet hat.

(Auch hier kommen wir beide allerdings letztlich zum gleichen Ergebnis: Die Antwort lautet soweit ich weiß "ja").

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

17.09.2014 16:50
#16 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Interessantes Detail:
Die "Better Together Orkney"-Facebook Gruppe hat fast 14.000 "Likes". Das ist Gruppe, die auf den Orkneys gegen die Unabhängigkeit Schottlands aktiv ist.
Natürlich sind viele dieser "Likes" nicht von Orkney-Bewohnern. Trotzdem ist das bei gerade mal 20.000 Einwohnern eine hohe Zahl.

Interessant der Vergleich mit "Better Together Caithness". Das ist die Grafschaft gerade benachbart zu den Orkneys, aber eben im eigentlich Schottland. Mit ebenfalls 20.000 Einwohnern - und nur 800 "Likes".


Die entsprechende Gruppe für Glasgow hat 20.000 "Likes" - und die Stadt hat 600.000 Einwohner.

Florian Offline



Beiträge: 2.947

17.09.2014 17:06
#17 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

beim Thema Shetland schlagen die Wellen hoch:

http://euanmearns.com/cameron-warns-norw...land-land-grab/

Zitat
David Cameron today summoned Norwegian Ambassador Hårek Hardbalne to Downing Street to demand that Norway makes clear it has no territorial interest in the Shetland Islands. This follows yesterday’s extraordinary announcement by the leader of Shetland Islands’ Council, Leif Erikson, that Shetland planned to hold a separate referendum on independence from Scotland should Scots choose independence from the UK on September 18th.



und besonders nett natürlich der "grüne" Blickwinkel der LibDems:

Zitat
A spokesperson for the Liberal Democrats said that with all those oil and gas terminals, Shetland has the highest CO2 footprint of anywhere in the UK, whilst Scotland as whole has a low CO2 footprint. Should Scotland vote yes and Shetland remains in FUK then the average CO2 emissions of the FUK would go through the roof making it impossible for the FUK to meet its binding CO2 reduction targets. The Liberal Democrats, therefore, would welcome losing Shetland to Norway leaving Norway with the nightmare of tackling Shetland’s emissions legacy.



[Anmerkung:
Um den Artikel richtig einordnen zu können, sollte man unbedingt auch einige der Kommentare lesen und/oder den Namen des norwegischen Botschafters googeln.]

Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.660

17.09.2014 17:20
#18 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #17
beim Thema Shetland schlagen die Wellen hoch:

http://euanmearns.com/cameron-warns-norw...land-land-grab/

Zitat
David Cameron today summoned Norwegian Ambassador Hårek Hardbalne to Downing Street to demand that Norway makes clear it has no territorial interest in the Shetland Islands. This follows yesterday’s extraordinary announcement by the leader of Shetland Islands’ Council, Leif Erikson, that Shetland planned to hold a separate referendum on independence from Scotland should Scots choose independence from the UK on September 18th.


und besonders nett natürlich der "grüne" Blickwinkel der LibDems:

Zitat
A spokesperson for the Liberal Democrats said that with all those oil and gas terminals, Shetland has the highest CO2 footprint of anywhere in the UK, whilst Scotland as whole has a low CO2 footprint. Should Scotland vote yes and Shetland remains in FUK then the average CO2 emissions of the FUK would go through the roof making it impossible for the FUK to meet its binding CO2 reduction targets. The Liberal Democrats, therefore, would welcome losing Shetland to Norway leaving Norway with the nightmare of tackling Shetland’s emissions legacy.



[Anmerkung:
Um den Artikel richtig einordnen zu können, sollte man unbedingt auch einige der Kommentare lesen und/oder den Namen des norwegischen Botschafters googeln.]



Schönes Beispiel für den immer wieder herzerfrischenden und ganz speziellen britischen Humor:
FUK (Former UK)
Ach ja, und wie war das mit dem Datum des Artikels? 01.April 2014? War das mit der Anmerkung gemeint?

Viele Grüße, Erling Plaethe

xanopos ( gelöscht )
Beiträge:

18.09.2014 08:03
#19 YES/NO Antworten

Was steht eigentlich auf den Stimmzetteln?

"Sind sie für den Verbleib bei GB" oder "Sind sie für ein unabhängiges Schottland".

Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.660

18.09.2014 09:05
#20 RE: YES/NO Antworten

Zitat von xanopos im Beitrag #19
Was steht eigentlich auf den Stimmzetteln?

"Sind sie für den Verbleib bei GB" oder "Sind sie für ein unabhängiges Schottland".

"Should Scotland be an independent country?"
http://www.electoralcommission.org.uk/__...Large-Print.pdf

Viele Grüße, Erling Plaethe

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

18.09.2014 11:26
#21 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #17
beim Thema Shetland schlagen die Wellen hoch

Wunderschön!

Zitat
Um den Artikel richtig einordnen zu können, sollte man unbedingt auch einige der Kommentare lesen


Ich stimme völlig mit einem Kommentator überein:
" The FUK acronym made me slightly suspicious but the Lib Dim comment confirmed that the article was genuine."

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 9.637

18.09.2014 11:59
#22 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Schottland muss interdependent werden.

Es ist ein ungeschriebenes, aber eisernes Gesetz in der EU, daß sich die Zahl der Mitgliedstaaten pro Jahrzehnt um (π mal ) ±7 (mit einer stochastischen Marge von 2), erhöht. Eine systemische Konsequenz aus Parkinsons Gesetz infolge der Selbstmaximierung & Metastasenbildung der EU-Bürokratokratie. Im Blick auf eine mögliche Außenerweiterung scheinen die Grenzen des Wachstums in Sicht: im Osten neben dem Sonderfall Ukraine (Kriegswaise!) bleiben Kandidaten wie Usbekistan oder die Mongolei. Putinistan ist wg. roter Karte infolge von Huliganismus für 1 Runde auf die Strafbank verbannt. Im Südblick stellt die Türkei den 2. Sonderfall da: ein ebenso ungeschrieben eisernes Gesetz legt fest, daß man ihr auf alle Ewigkeit die Mitgliedschaft in Aussicht stellt, aber niemals über das Überreichen der Einladungskarte hinauskommt. Israel ist der 3. Sonderfall - wg. Drohung-mit-Selbstverteidigung & dgl. Dauerabonnent auf der Strafbank. Zudem besteht das Risiko, daß im Fall einer solchen Assoziation die "arabische Straße" in Paris & Berlin explodieren könnte. Und bei dezidierten ... Mediävisten ... bestehen Zweifel, ob sie das Wesen einer Metapher als Tropos des Uneigentlichen nicht mißverstehen. Libyen hat leider keine ortsfeste Zustelladresse für Diplomatenpost ("Libyan parliament takes refuge in Greek car ferry"). Der IS verfügt nicht 1x über gefälschte Wirtschaftsstatistiken; auch entspricht das Freizeitangebot nicht binneneuropäischen Standards. Zudem hat man dort eine ... mediävistische ... Auffassung von "Reality TV".

Es bleibt also nur die Option der Binnenerweiterung - zumal das Prinzip divide et impera den impliziten Ausrichtungen Brüssel-Strasbourg'scher Staatsphilosophie höchst kongruent sein dürfte. Wenn infolge des erwartbaren Dominoeffekts die Anzahl der EU-Mitgliedstaaten die Zahl der von der UN anerkannten Staaten übersteigt, kann S.M. Martin I. den auf die Größe der Artus'schen Tafelrunde (*) angewachsenen Sternenkreis mit Fug als parallele Weltregierung auf dem zerklüfteten Nordwestkap Asiens proklamieren.

(* Thomas Malory, Morte d'Arthure, nennt 150 Ritter der Tafelrunde; Layamon im Brut 1600.)

Solus Offline



Beiträge: 384

19.09.2014 07:42
#23 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten
R.A. Offline



Beiträge: 8.171

19.09.2014 09:57
#24 RE: Die Puppe in der Puppe Antworten

Zitat von Solus im Beitrag #23
Sieht aus, als hätten die Schotten mehrheitlich für "nein" gestimmt.

Und das noch überraschend deutlich. Selbst in den Highlands überall Mehrheiten für die Union.
Das ist eine schallende Ohrfeige für Salmond und Genossen - auch wenn sie jetzt natürlich reklamieren werden, daß nur die Abstimmungsdrohung weitere Londoner Zugeständnisse gebracht hat.
Und es ist ein klarer Erfolg für Cameron, der dieser Abstimmung zugestimmt hat.

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