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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 732 mal aufgerufen
 Gesellschaft und Medien
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

23.11.2007 17:05
Zitat des Tages: "Abstand zwischen Obama und Clinton wird kleiner" (sagt SPON) antworten

Vor den letzten US-Präsidentschaftswahlen war "Spiegel Online" in seiner Berichterstattung über die Umfrageergebnisse notorisch unzuverlässig. Obwohl die Daten durchweg einen knappen Vorsprung von Präsident Bush zeigten, behauptete "Spiegel Online", es gebe ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Ein Grund also, diesmal genau hinzusehen. Ich werde das von Zeit zu Zeit machen, bis zum Wahltermin in einem Jahr.

Diesmal behauptet "Spiegel Online" das, was im Titel des Beitrags steht. Eine absurde Behauptung, wenn man sich die tatsächlichen Umfragedaten ansieht.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.11.2007 14:16
#2 Aktuelle Ergänzung: Jeder Demokrat würde jeden Republikaner schlagen antworten

Wenn in den Umfragen jeweils ein demokratischer und ein republikanischer Kandidat einander gegenübergestellt werden, dann zeigt sich ein einfaches Bild: Egal, wer als Kandidat genannt wird, fast durchweg würde im Augenblick der Demokrat den Republikaner schlagen.

Dabei liegt Giuliani tendenziell bei den Republikanern vorn. (Aber McCain ist ihm oft ebenbürtig, erhält teilweise sogar mehr Zustimmung). Bei den Demokraten steht Hillary Clinton am besten da, aber auch Obama und sogar Edwards würden derzeit jeden Kandidaten der Republikaner schlagen.

Noch ist es freilich ein Jahr bis zu den Wahlen. Wenn sich die positive Entwicklung im Irak stabilisiert, kann dann vielleicht alles ganz anders sein.

Allerdings haben in den USA die Demokraten - ähnlich wie in Deutschland inzwischen die Volksfront - eine strukturelle Mehrheit. Wenn man sich die Karte ansieht, hat man zwar den Eindruck der größte Teil der USA wähle republikanisch. Aber diese "red states", die fast die gesamten Binnen-USA ausmachen, sind überwiegend dünn bevölkert. Und die "blauen" Staaten an der Westküste und im Nordosten ("Ostküste" und die Staaten um die Großen Seen) sind die mit den großen Städten.

Dort konzentrieren sich die Wähler der Demokraten - Einwanderer der ersten Generationen, Arbeiter, Intellektuelle, Minderheiten wie Juden, Schwarze, Latinos.

Marian Wirth Offline



Beiträge: 60

24.11.2007 21:56
#3 RE: Zitat des Tages: "Abstand zwischen Obama und Clinton wird kleiner" (sagt SPON) antworten

Ich glaube keiner Umfrage, die ich nicht selber in Auftrag gegeben und bezahlt habe. Siehe auch: Zehn Minuten Recherche

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.11.2007 22:21
#4 Kann man den Demoskopen trauen? antworten

Lieber Marian Wirth,

Zitat von Marian Wirth
Ich glaube keiner Umfrage, die ich nicht selber in Auftrag gegeben und bezahlt habe.

Da sind wir einmal verschiedener Meinung.

Ich habe mir vor den letzten US-Präsidentschaftswahlen den Spaß gemacht, die Daten aller Institute, die man bei Polling Report sehr komplett findet, zu verfolgen und zu vergleichen.

Ich konnte keinen Zusammenhang mit der politischen Präferenz des jeweiligen Auftraggebers feststellen; z.B. waren die Daten, die für den rechtskonservativen Sender Fox News erhoben wurden, für Kerry nicht günstiger und für Bush nicht ungünstiger als die anderen.

Jede Erhebung unterliegt selbstverständlich einem Stichprobenfehler, dessen Größe oft unterschätzt wird. Wirklich aussagekräftig sind deshalb nur aggregierte Daten. Solche Aggregationen wurden von Polling Report damals zur Verfügung gestellt. Sie zeigten wochenlang einen kleinen, aber konstanten Vorsprung von Präsident Bush vor Kerry, und die letzten aggregierten Daten sagten das tatsächliche Ergebnis mit eine Abweichung von unter einem Prozent voraus.



Wenn ich so etwas schreibe, werden oft Gegenbeispiele genannt, zB die schlechten Vorhersagen vor den letzten Bundestagswahlen.

Aber damals gab es wirklich eine heftige Wählerbewegung in den letzten Tagen vor der Wahl. Der SPD war es gelungen, mit ihrer Kampagne gegen Prof. Paul Kirchhoff und vor allem mit der windigen Geschichte von der Krankenschwester, die genausoviele Steuern zahlen solle wie der Klinikchef, Sozialangst und Sozialneid in einem Maß zu schüren, wie das nicht zu erwarten gewesen war.

Zum zweiten spitzte sich in diesen letzten Tagen alles auf eine Entscheidung zwischen Schwarzrot und Schwarzgelb zu. Viele, die Schwarzgelb wollten (zB ich) wählten statt der CDU die FDP, um die Wahrscheinlichkeit von Schwarzgelb zu erhöhen. Andere, die dem Arbeitnehmerflügel der CDU nahestanden, dürften ähnlich die SPD gewählt haben, um die Wahrscheinlichkeit für eine Große Koalition zu befördern.

So schnitt am Ende die CDU unerwartet schlecht ab, und die FDP ebenso wie die SPD unerwartet gut.

Das sind solche Entwicklungen, vor denen die Demoskopie versagt. Aber in der Regel macht sie nach allem, was ich weiß, einen guten Job.



Übrigens, lieber Marian, ist ja den Demoskopen das Hemd auch näher als der Rock. Sie können nur dann gut im Geschäft bleiben, wenn sie gute Daten liefern. Mehr als 90 Prozent ihrer Auftraggeber sind Unternehmen, die jedes Interesse an objektiven Daten haben. Kommt ein Institut - wie einst die Wickert- Institute in Tübingen - in den Ruf, unseriös zu arbeiten, dann ist es bald weg vom Fenster.

Politische Umfragen sind für die Institute nur interessant, weil sie Publicity bringen. Und weil man bei der Sonntagsfrage am Ende ja anhand des Wahlergebnisses prüfen kann, wie gut ein Institut war, geben sie sich gerad dort Mühe, gute Daten zu liefern; u.a. durch aufwendige Gewichtungen.

Herzlich, Zettel

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