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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 742 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Llarian Offline



Beiträge: 4.137

04.01.2018 14:34
They. antworten

Ein etwas längerer Gedankensplitter zu einem vielleicht nicht immer so ganz direkt wichtigen Thema.

Fluminist Offline




Beiträge: 1.916

04.01.2018 16:53
#2 RE: They. antworten

So ein richtig singulares "they" ist es ja nicht einmal.

Zitat von wikipedia
Dillon identifies as pansexual, stating they have been attracted to multiple genders.

"They have", nicht "they has".

Zitat von IMDb
They are known for playing Brandy Epps in Orange Is the New Black (2013) and Taylor Mason in Billions (2016).

"They are", nicht "they is". Es handelt sich also grammatikalisch gesehen eher um eine Parallelbildung zum Majestäts- oder Höflichkeits-Plural. Für uns Deutsche sollte aber die Bezeichnung einer einzelnen Person durch einen grammatikalischen Plural nichts neues sein, finden Sie nicht auch?

Krischan Offline




Beiträge: 316

05.01.2018 09:02
#3 RE: They. antworten

Ich erinnere da nur noch an die etwas altertümlichen Höflichkeitsformen "Euer", "Eure" und "Euch", auch im Plural, nicht wahr, Euer Hochwohlgeboren? In der direkten Anrede gerne auch "Ihr" - Was verschweigt Ihr, Baron von Kladderadatsch?

Wobei das ja nun Höflichkeitsformen sind und explizit nicht das Geschlecht betonen, sondern den sozialen Status bzw. den Respekt gegenüber dem Gegenüber.

Gleichwohl ist der wesentliche Punkt in Llarians Polemik ja der, dass hier Personen durchsetzen wollen, wie andere sie anzureden, mithin wahrzunehmen haben. Die Übertragung des Pippi-Langstrumpf-Prinzip ins Zivilleben, möglichst noch gesetzlich geregelt (Ansätze dazu gibt es ja, meist in Universitäten). Und das ist die eigentliche Gefahr, die davon ausgeht.

Freundlichst,
Krischan

Deutsche Wurst - alles andere ist Käse.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 550

05.01.2018 18:42
#4 RE: They. antworten

Falls mir eine kleine Randbemerkung zu der Serie gestattet ist:

Es wundert mich ehrlichgesagt, dass der ÖR noch nicht auf die Idee gekommen ist sich die Rechte an der Serie zu sichern und dann in der ARD auszustrahlen. Würde aufgrund des erzieherischen Werts jedenfalls perfekt in deren Beuteschema passen:

Kriminelle, arrogante Börsengurus, zwielichtige (und deshalb selbstverständlich: amerikanische) Staatsdiener, zwei starke und moralisch fast makellose Frauen als treibende Kräfte hinter den unsympathischen, kaukasisch-männlichen Antagonisten, und dann noch der nicht-binäre Charakter... klingt schon sehr stark nach dem Traum eines jeden Tatort-Produzenten. Nur dass die das niemals so gut hinbekommen würden, selbst mit dem 10-fachen Budget. Wäre doch mal ne Idee.

Gruß,
Fonzo

P.S.: Die Serie ist m.W. übrigens überaus beliebt in der amerikanischen Hedgefonds-Industrie... vermutlich weil der ein oder andere Charakter der Serie recht nah an diverse reale Personen angelehnt ist die jeder hasst der mal mit ihnen zu tun hatte...

Llarian Offline



Beiträge: 4.137

05.01.2018 22:28
#5 RE: They. antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #2
So ein richtig singulares "they" ist es ja nicht einmal.

Ich glaube die wissen selber noch nicht so richtig damit umzugehen. In dem von Ihnen genannten Beispiel kann man natürlich auch den pluralis majestatis sehen (gibts den im Englischen überhaupt in der Form?), aber das ist eher Zufall. Ebenso in der Einleitung des Wikipedia Artikels wird explizit auf das singuläre They verwiesen und folgt man dem Link ist da auch einiges zu aufgeführt. Ebenso merkt man das man im weiteren Text versucht die Form ganz zu vermeiden, und sehr oft (unüblich oft) den Namen verwendet. Es gibt sozusagen eine Forderung aber die Jünger arbeiten selber noch daran.

Zitat
Für uns Deutsche sollte aber die Bezeichnung einer einzelnen Person durch einen grammatikalischen Plural nichts neues sein, finden Sie nicht auch?


Im Deutschen ist es halt Zufall, dass die Singular und Pluralformen in der Anrede zusammenfallen. Das klappt aber schon in der Beschreibung nicht.
"Ich lief die 100 Meter in 12 Sekunden" / "Er lief die 100 Meter in 12 Sekunden" / "Sie lief die 100 Meter in 12 Sekunden" / "Sie liefen die 100 Meter in 12 Sekunden".
Und dann eben nicht-binäres Gederdeutsch: "Sie lief die 100 Meter in 12 Sekunden". Ist das jetzt ein singläres "Sie"? Oder die 3. Person weiblicher Natur?

Außerdem haben wir noch so schöne Wortwitze wie "BundeskanzlerInnen" (seit neuestem auch "Bundeskanzler*innen") und "Professx". Da ist noch viel Raum wo der Quatsch herkommt.

Llarian Offline



Beiträge: 4.137

05.01.2018 22:40
#6 RE: They. antworten

Zunächst: SPOILER-Warnung. Wer die zweite Staffel noch nicht gesehen hat und noch sehen will, hört hier auf zu lesen

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #4
Falls mir eine kleine Randbemerkung zu der Serie gestattet ist:
Kriminelle, arrogante Börsengurus, zwielichtige (und deshalb selbstverständlich: amerikanische) Staatsdiener, zwei starke und moralisch fast makellose Frauen als treibende Kräfte hinter den unsympathischen, kaukasisch-männlichen Antagonisten,

So unterschiedlich kann man die Welt wahrnehmen, ich finde nämlich die männlichen Protagonsten alles andere als unsympathisch (gut, ich fand auch Walter White klasse). Axelrod ist durchaus kein unmoralischer Character. Und Wags ist schon fast auf einer Ebene mit Sandor Clegane: Er ist kultiviert und gebildet, zynisch und völlig skrupellos. Und fährt in vollem Bewusstsein mit 180 auf die Betonwand zu. Und Rhoades ist eine der besten Abwandlungen von Captain Ahab seit Gregory Peck. Es sind allesamt Antihelden, aber in ihrer Tragik absolut nachvollziehbar und glaubwürdig.

Aber wer ist die zweite, moralisch fast makellose Frau?

R.A. Offline



Beiträge: 7.170

08.01.2018 11:30
#7 RE: They. antworten

Schwieriges Thema. Ich bin ziemlich allergisch gegen Sprachpanschereien und insbesondere gegen die Änderung von etablierten Wortbedeutungen.

Aber man muß natürlich zugeben, daß wir auch in der etablierten deutschen (und englischen) Sprache gewisse Logik-Probleme haben, die zu unnötigen Komplizierungen zwingen.
Es ist nicht sinnvoll, daß für gemischte Gruppen bzw. unklare Einzelfälle generisch das Maskulinum genommen wird, während die feminine Form nur verwendet wird, wenn es eindeutig und nur Frauen sind. Explizit Männer zu benennen (wie das mir Frauen problemlos geht) ist dabei nicht möglich, und "gemischt" wirkt eben nicht neutral - das festzustellen ist kein übertriebener Feminismus.
Das Problem ist halt nur, daß alle bisher vorgeschlagenen Reparaturideen überkomplizierter Murks sind, da bleibt man lieber beim Altgewohnten.

Schwierig ist es auch mit dem Anspruch, daß jemand nach seinen eigenen Vorstellungen angesprochen werden möchte. Bis zu einem gewissen Grad finde ich das ok und würde dem höflicherweise folgen (z. B. früher einmal die Frage, ob man Frau oder Fräulein als Anrede verwendet - da hat die Angesprochene das letzte Wort).
Und wenn jemand mit einem schwierigen Hintergrund wie diese Schauspielerin eine logisch klare und konsistente sprachliche Lösung anbieten würde, dann würde ich das auch akzeptieren.
Aber das hat halt alles Grenzen, beliebiges Pippi-Langstrumpf geht halt nicht.

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