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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 25 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
Johanes Offline



Beiträge: 261

05.05.2018 13:38
#26 RE: Die Quote und die FDP antworten

Hallo liebe Zimmerleute,

ich wage es mal, meinen Senf dazu zu geben:
Für mich gibt es grundsätzlich zwei sich widersprechende Prinzipien: Die gleiche Repräsentanz von allen möglichen Kollektiven und das Prinzip der demokratischen Wahl.
Das Repräsentationsprinzip führt meines Erachtens zu so etwas wie einer Ständevertretung. Dann gibt es eben X Sitze für den Repräsentanten des Adels, X für den Klerus oder für die großen Städte oder irgendwas und der Rest bekommt X Sitze. Nur das eben die Gruppen Klerus, Adel usw. ausgetauscht wurden gegen die Gruppen Frauen, Menschen mit Behinderung und z. B. Leute mit einer bestimmten Augenfarbe usw.

Dem Repräsentationsprinzip liegt die Vorstellung zu Grunde, dass es bestimmte, homogene Gruppen gibt, die gemeinsame Wünsche ("Interessen", "Werte") verfolgen. Es scheint daher naheliegend, dass diesen Gruppen auch ihren Anteil gemäß zu Wort kommen sollen. In der Praxis führt das häufig dazu, dass bestimmte Organisationen quasi "das Mandat erhalten". Also sprechen z. B. Gewerkschaftsvertreter für die Arbeitnehmer und ihre Wünsche, die Industrie- oder Handwerskammer für die wünsche der Unternehmer, die Frauenbeauftragte ist für die Sichtweise der Frauen zuständig und die Vertreter der Landeskirchen für die Sichtweise der Religion oder gleich der Moral als solches.

Auch die Kommunisten (und die meisten Sozialisten) folgen einer abgewandelten Form des Repräsentationsprinzipes, mit dem Sonderfall, das im Grunde nur die Arbeiterklasse ("Werktätige") eine Rolle spielen soll.

Nun hat dieses "Repräsentationsprinzip" aus meiner Sicht zwei deutliche Kritikpunkte.
Erstens ist die Auswahl der Gruppen, die Vertreten werden sollen, relativ willkürlich. In Touristenregionen z. B. könnte es sinnvoll sein, die Interessen der Gaststätten- und Hotelbetreiber anzuhören. In Universitätsstädten dagegen könnten man über eine Art "Vertretung der Akamdemiker, Studenten und universitär Beschäftigten" nachdenken.
Zweitens gibt es das Problem der Über- oder Unterrepräsentierung.
Das weibliche, katholische Gewerkschaftsmitglied wird z. B. potentiell schon durch drei Gruppen vertreten. Sie ist eine Frau, in der Gewerkschaft und in der katholischen Kirche.
Ein atheistischer, männlicher Berufsschriftsteller dagegen kommt in dieser Welt gar nicht vor.
Es gibt ja keinen "Männerbeauftragten", die Künstlerverbände spielen so gut wie keine Rolle und eine atheistische Kirche gibt es auch nicht.

Das Demokratieprinzip dagegen ist vergleichsweise simpel. Nachdem eine bestimmte, sehr niedrige Hürde genommen wurde, kann jeder Bürger für einen politischen Posten oder ein Mandat kandidieren.
Anschließend findet eine Wahl statt und die Posten werden durch Wählerstimmen verteilt.
Natürlich hat auch das Demokratieprinzip einige Probleme. Etwa kommt es zu Verzerrungen durch das Wahlrecht, die Parteien und dem Geld, das in Wahlwerbung gesteckt wird.
Auch führt das demokratische Wahlrecht zu anderen Verzerrungen: So werden im Schnitt gebildete, männliche und wohlhabendere Personen eher Kandidieren als andere. Aus verschiedenen Gründen: Die Wohlhabenden eher, weil sie mehr Zeit für die Beschäftigung mit Politik haben, für die Gebildeten gilt das selbe, der Arbeiter am Band bleibt eben einfach dabei, dass "die da oben eh machen was sie wollen".
Bei den Männer ist es etwas komplizierter, dennoch scheinen sich Männer tendenziell eher in den offenen Wettbewerb um Posten zu stürtzen als Frauen es tun. Hier mag es kulturelle und auch biologische Faktoren geben... Man darf hier durchaus darüber nachdenken, ob man nicht eine "frauenfreundlichere" Politik machen will.

mit freundlichen Gruß,

Johanes.

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