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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 35 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Werwohlf Offline




Beiträge: 975

21.03.2019 20:59
#26 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Eloman im Beitrag #21
Der Sklave will ja auch nicht frei sein, er will einfach nur selber die Peitsche halten.

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Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Werwohlf Offline




Beiträge: 975

21.03.2019 21:04
#27 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Tremorius im Beitrag #25
Ich hab mir mein Leben lang erst einmal die Haare von einem Mann schneiden lassen, und nur weil ich nicht gerechnet habe, dass dort auch ein Mann schneidet. Nie wieder. Ich suche jetzt bewusst nur Friseursalons aus, die ausschließlich Frauen anstellen, damit das nicht mehr passiert. Und ich denke, so denkt der Großteil der einheimischen Bevölkerung hier, denn die meisten Salons haben ausschließlich weibliches Personal.
Ich bin es zwar gewohnt, nicht zur Mehrheit zu gehören, aber ich schätze mal, den meisten geht es so wie mir: Ob Mann oder Frau, ist egal, so lange er oder sie das gut macht. Vor ein paar Jahren war für mein graues Haar noch ein Türke zuständig, und jetzt gehe ich in einen Salon, wo meine Haare schneidet, wer gerade frei ist (allerdings ist die Wahrscheinlichkeit Frau:Mann meist 3:1). Auch bei den Frauen gibt es Unterschiede, und der Mann gehört eher zu den Fähigeren.

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Werwohlf Offline




Beiträge: 975

21.03.2019 21:06
#28 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Dennis the Menace im Beitrag #18
"Verfassungswidrig" u. dgl. (ein beliebtes Abwehrinstrument in alle möglichen Debatten) funzt an dieser Stelle aber nicht, IMHO.
Deshalb schon mal prophylaktisch widerlegt?

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Werwohlf Offline




Beiträge: 975

21.03.2019 21:11
#29 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #8
Dass die Grünen als bürgerliche Partei gehandelt werden ist ein Treppenwitz der Geschichte.
Die Verwirrung entsteht daraus, dass "bürgerlich" sowohl als politische als auch soziale Kategorie verwendet wird. Früher hat man die wenigen von ihrem Status her "Bürgerlichen", die linke Positionen vertraten, als "Salon-Kommunisten" oder Ähnliches bezeichnet, aber heutzutage gibt es nicht nur keine Salons mehr (obwohl diverse Beobachter immer wieder konstatieren, dass sich irgendwas für sie qualifiziert hat), es sind auch mittlerweile so viele, dass mit einem elitären Hauch versehene Begriffe nicht mehr passen. Die Politik der "Grünen" ist alles andere als bürgerlich.

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Werwohlf Offline




Beiträge: 975

21.03.2019 21:24
#30 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Florian im Beitrag #22
Aber:
Sofern man den Begriff "links" definiert als Klassenposition, d.h. entlang der Interessen der Arbeiterklasse, ist die Position der Grünen in der Migrationsfrage alles andere als links.
Allerdings gibt es bei den Linken seit jeher den Internationalismus - natürlich ausgehend von ganz anderen Verhältnissen und mit ganz anderen Perspektiven. Mittlerweile scheinen sich eine Art "Neue Linke" und "Alte Linke" herausgebildet zu haben, die sich in den Ebenen unterscheiden, in denen sie agieren. Folgt man der These des Philosophen Stephen Hicks, war der Ausgangspunkt der Trennung das offensichtliche Scheitern kommunistischer und sozialistischer Experimente in der Realität. Die "Neue Linke" griff daraufhin dankbar das Angebot der Postmoderne auf, wonach es sowas wie "Realität" gar nicht gibt und unsere Wahrnehmung vor allem durch Machtverhältnisse bestimmt wird. Da sich die Arbeiterklasse so gar nicht mehr als Quelle des Widerstands zeigte, suchte man sich neue "Opfer" auf anderen Ebenen, denen dann auch andere "Täter" gegenüberstanden. Die "Alte Linke" hält hingegen am Materialismus der Gründerväter (und -mütter?) fest und kritisiert die fehlende ökonomische Perspektive der "Neuen Linken". "Aufstehen" war z.B. klar ein Projekt der "Alten Linken", die aus der Defensive herauskommen will, während die "Grünen" die Partei der derzeit dominierenden "Neuen Linken" ist.

Die Prognose, dass sich die Verhältnisse bei einer schlechteren Wirtschaftslage schnell wieder drehen könnten, ist wohl nicht allzu sehr gewagt.

Noch eine rein subjektive Beobachtung und These: Die "Neue Linke" ist eher weiblich, die "Alte Linke" eher männlich. Ausnahmen wie Wagenknecht bestätigen die Regel.

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Tremorius Offline



Beiträge: 85

22.03.2019 07:17
#31 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #27
Zitat von Tremorius im Beitrag #25
Ich hab mir mein Leben lang erst einmal die Haare von einem Mann schneiden lassen, und nur weil ich nicht gerechnet habe, dass dort auch ein Mann schneidet. Nie wieder. Ich suche jetzt bewusst nur Friseursalons aus, die ausschließlich Frauen anstellen, damit das nicht mehr passiert. Und ich denke, so denkt der Großteil der einheimischen Bevölkerung hier, denn die meisten Salons haben ausschließlich weibliches Personal.
Ich bin es zwar gewohnt, nicht zur Mehrheit zu gehören, aber ich schätze mal, den meisten geht es so wie mir: Ob Mann oder Frau, ist egal, so lange er oder sie das gut macht. Vor ein paar Jahren war für mein graues Haar noch ein Türke zuständig, und jetzt gehe ich in einen Salon, wo meine Haare schneidet, wer gerade frei ist (allerdings ist die Wahrscheinlichkeit Frau:Mann meist 3:1). Auch bei den Frauen gibt es Unterschiede, und der Mann gehört eher zu den Fähigeren.


Ich hab meine Haarschneidevorlieben bislang eher für einen Splen gehalten, nur spricht einiges dafür, dass ich damit nicht alleine bin. In meiner Kleinstadt gibt es zwar unzählige Friseursalons, aber um sich von einem Mann die Haare schneiden zu lassen, muss man wohl gezielt den türkischen Männerfriseur aufsuchen. Alle anderen Salons beschäftigen ausschließlich Frauen, glaube einer davon hat einen Mann als Chef, aber sonst sind die Geschäfte in weiblicher Hand.

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.994

22.03.2019 07:56
#32 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Der Hinweis Neue Linke und Alte Linke ist schon mal gut. Aber aus meiner Sicht sind die Begriffe Links, Bürgerlich und Rechts thematisch fast komplett entkernt worden und nur noch ein Werkzeug, um die Lufthoheit über den Stammtischen der Journalisten zu behalten. Auf diese Arroganz spielt auch der Begriff "Gutmensch" an.

In diesem Sinn ist alles das "Links", was aktuell das Ettikett "moralisch wertvoll" erhält und damit politisch korrekt ist.
"Bürgerlich" sind dann Linke, die an dem Konzept von individuellem Gehalt und Einkommen festhalten wollen (einhergehend mit der Möglichkeit einer Wohlstandsspreizung), wobei es keine Rolle spielt, ob das Gehalt und Einkommen auf einem freien Markt Bestand hätte oder nicht.
"Rechts" ist alles andere, einschließlich Liberalen, Nationalisten, Anhängern einer Präsidialdemokratie, Tribalisten, Faschisten, Traditionalisten, Rechtsstaatspuristen und so weiter. Eben alles, was aktuell "moralisch bekämpft " werden muss.

Wenn ich Recht habe, dann ist "Links" inzwischen eher eine Art Kirche und genau wie bei einer Kirche kann sich die erlaubte Lehre über Nacht ändern (Und damit auch ihre Kinder fressen).

Beispiele für solche inneren Widersprüche in der Linken Kirchenlehre:

- Es gibt "böse Umweltverschmutzung" und "gute Umweltverschmutzung". "Gute Umweltverschmutzung" entsteht bei der Produktion von Solarzellen oder dem Bau von WKAs.
- Es gibt "bösen Reichtum" und "guten Reichtum".
- Es gibt "böse Lügen" und "gute Lügen"
- Manchmal ist links, die kulturellen Besonderheiten eines Volksstamms mit Gewalt zu erhalten (bis hin zu Kontaktverboten), im nächsten Moment ist wieder Globalismus linke Pflicht. Ebenso bei "MultiKulti", das oft auch so ausgelegt wird, dass eine bestimmte Kultur sogar künstlich zurückgedrängt werden muss (zB die Deutsche oder amerikanische Kultur), MultiKulti in der Linken Weltsicht also alles andere als ein freier Wettbewerb der Kulturen ist.
- Wie es ja überhaupt auch "böse Kultur " und " gute Kultur" gibt. In einer "bösen Kultur" ist selbst eine grundgesetzliche Verankerung der Gleichheit von Mann und Frau noch böse (weil damit rechte Rollenbilder verankert werden), während in einer "guten Kultur" auch Zwangsheirat, Beschneidung oder öffentliche Steinigungen von Frauen ein erhaltenswerte Beispiel kulturellen Selbstbewusstseins sind


Und so weiter.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.

Tremorius Offline



Beiträge: 85

22.03.2019 08:27
#33 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #32
Beispiele für solche inneren Widersprüche in der Linken Kirchenlehre:


Es gibt keine linke Kirchenlehre im Sinne der klar ausformulierten katholischen Kirchenlehre.

Zitat
Zwangsheirat, Beschneidung oder öffentliche Steinigungen von Frauen ein erhaltenswerte Beispiel kulturellen Selbstbewusstseins sind



Kein Linker findest das gut oder erstrebenswert, die sitzen eher der Idee auf, dass traditionelle Rollenbilder in einer westlichen Gesellschaft sehr schnell abgelegt werden.

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.826

22.03.2019 11:19
#34 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #29
Die Politik der "Grünen" ist alles andere als bürgerlich.


Wie man an dieser Diskussion hier auch wieder sehen kann, geht bei den Begriffen links/rechts oder bürgerlich/antibürgerlich, viel durcheinander, was dran liegt, dass die Begriffe per se nicht scharf definiert sind. Dein Hinweis, dass der Begriff “bürgerlich” eine soziale wie auch politischen Komponente hat, geht ja genau in diese Richtung.

Ich kann versuchen dazulegen, wie ich einige Begriffspaare definiere, um meinen Punkt klar zu machen:

Erstes Begriffspaar:

Bürgerlich ist vor allem die soziale, Komponente einer Haltung, welche für sich (und andere) ein auskömmliches, zivilisiertes Leben möchte. Eine Haltung, die gleichzeitig versteht, dass die Sicherung materieller Grundlagen, Fleis, Aufstiegsstreben, Vorsicht und Umsicht dazu konstitutiernd sind.

gegenüber

Avantgarde / Elite Dies ist die soziale Komponente einer Haltung, welche sich an der Spitze einer gesellschaftlich notwendigen Entwicklung sieht.

Zweites Begriffspaar:

“Konservativ” verstehe ich als politische Komponente der bürgerlichen Haltung. Der Konservative setzt auf Bewährtes. Er weiß dass es Veränderungen gibt, aber er möchte sie langsam. Brücken werden nicht hinter sich einfach abgerissen, erst wird geschaut ob die neue Brücke trägt. Er ist weder Visionär noch Utopist. Er will den Nutzen einer Veränderung verstehen lernen, bevor er sich ihr hingibt. Er setzt auf dezentrale gesellschaftliche Strukturen. Uniformität ist für ihn als Utopie nicht gangbar.

gegenüber

Utopist / Revolutionär Im Gegensatz zum Konservativen, kennt der Revolutionär kein Zögern und keinen Kompromiss. Das Neue kann nur mit radikalem Umdenken geschaffen werden, weil bewährtes keine Option ist. Gesellschaftliche Strukturen müßen zentral (uni)formiert werden, um die notwednigen, radikalen Schritte zu gehen.

Drittes Begriffspaar:

Realist. Jemand der seine Weltsicht an der wennmöglich intersubjektiuv überprüfbaren Beschreibung der beobachtbaren Wirklichkeit ausrichtet. Sein Wille zu Veränderung ist eine Funktion seiner empirischen Erfahrung. Ich würde diese Haltung als konstituierend für eine bürgerliche Gesellschaft sehen.

gegenüber

Reaktionär. Oft fälschlicherweise mit Konservativ verwechselt, bezeichne ich damit eine Verweigerungshaltung gegen (spezifische) Veränderung, die niemals kritisch überprüft wird.

und

Progressiv Damit bezeichne ich Veränderungswillen um der Veränderung Willen. Stoßrichtung ist of eine eigene Utopie. Auch hier findet keine kritische überprüfung statt.

Progressiv und Reaktionär sind beides unkritische und unreflective Haltungen im Vergleich zum Realist. Sie treten nicht selten gemeinsam auf. In meinen Augen sind beide Haltung zutiest antibürgerlich in meinem Sinne.

In der Realität lassen sich mit diesen Begriffen meiner Meinung nach alle politischen Richtungen beschreiben. Links rechts und liberal sind garnicht notwendig. Auch treten bei politischen Richtungen oftmals auch widersprüchliche Komponenten der Begriffspaare auf.

Die Grünen sind allerdings besonders stringent: Sie verstehen sich im Wesentlichen als Avantgarde einer progressiven, revolutionären Bewegung. Die Utopie, welche sie anstreben konstituiert sich dabei aus einem im Kern reaktionären Weltbild: Und damit wird klar: Sie sind antibürgerlich in jeder Dimension.

Der bürgerliche Anstrich kommt alleine durch den oftmals stark hedonistisch anghauchten, individuellen Lebensstil vieler Vertreter zustande, welcher allerdings im krassen widerspruch zur eigenen Politik steht.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Werwohlf Offline




Beiträge: 975

23.03.2019 19:39
#35 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #34
Ich kann versuchen dazulegen, wie ich einige Begriffspaare definiere, um meinen Punkt klar zu machen
Interessante und nachvollziehbare Klassifikationen, nur eben nicht unbedingt die allgemein gebräuchlichen... Die "Bürgerlichkeit" der "Grünen" wird eben momentan in den Medien vor allem auf ihren sozialen Status zurückgeführt: Wohlhabend, in angesagten Gegenden wohnend, sich mit positiver Absicht in die Gemeinschaft einbringend. Vor den 68ern wählte sowas schwarz oder blau-gelb. Aber die "Avantgarde" von damals ist eben angekommen mitten in den Institutionen dieses Landes, und mit ihr das leicht modifizierte Feindbild. Und wie früher sind die "Bürgerlichen" anscheinend sehr anfällig für das, was von Kanzeln herab gepredigt wird.

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(Reinhard Mey)

dari Offline




Beiträge: 187

01.04.2019 14:02
#36 RE: Marginalie: Wo man singt, da lass dich nicht ruhig nieder antworten

Zitat von Dennis the Menace im Beitrag #18

Okay, aber ich hab ja auch Art 15 angesprochen^.


Oh ja, hatte ich überlesen. Mein Fehler!

Zitat von Dennis the Menace im Beitrag #18

Ich sag ja auch mitnichten, dass das Berliner Wohnungs-Ding ne gute Idee ist. Nach meinem Dafürhalten - so weit wie ich das überblicke - wohl eher 'ne ziemlich schlechte; ferner stimme ich Ihnen natürlich zu, dass die Debatte ohne die Entschädigungsfrage keine seriöse Debatte ist. "Verfassungswidrig" u. dgl. (ein beliebtes Abwehrinstrument in alle möglichen Debatten) funzt an dieser Stelle aber nicht, IMHO.



Auch hier volle Zustimmung: Per se verfassungswidrig wäre eine solche Enteignung sicherlich nicht - auch wenn ich wie gesagt hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme schon einige Zweifel hätte.
Verhältnismäßigkeit heißt hier dreierlei:

- Die Enteignung muss geeignet sein, d.h. Der Zweck muss durch die Maßnahme überhaupt erreicht werden können.
Wenn der Zweck der Erhalt des bestehenden Mietniveaus in den betroffenen Wohnungen ist, so kann man schon fragen, ob ein öffentliches Unternehmen nicht letztlich auch gezwungen wäre, eine kostendeckende Miete zu erheben. Daher zeigt auch die Praxis, dass auch öffentliche Unternehmen gerne einmal die Miete nach Sanierung ordentlich erhöhen...

- Die Enteignung muss erforderlich sein, d.h. der Zweck darf nicht durch ein anderes, weniger schweres Mittel erreichbar sein.
Milderes Mittel könnte z.B. eine Ausweitung des Milieuschutzes sein - kenne mich aber letztlich nicht genügend aus.

- Die Enteignung muss angemessen sein, d.h. eine Abwägung des Nutzens im Verhältnis zur Schwere des Eingriffs darf nicht außer Verhältnis stehen.
Hier könnte man wahrscheinlich stundenlang streiten. Der vollständige Entzug des Eigentums im großen Stil zur Erreichung von Zwecken, die keinesfalls sicher erreicht werden, erscheint mir schon etwas übergriffig.

Aber es stimmt: Richtig sicher kann man erst sein, wenn der Fall vorm BVerfG entschieden wurde.
Und auch stimme ich Ihnen zu, dass der Vorwurf "Das ist verfassungswidrig!" in politischen Diskussionen leider viel zu oft unreflektiert als Totschlagargument gebracht wird - letztlich ein Zeichen für geistige Faulheit...

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