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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 381 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 12.680

16.05.2021 23:20
H. G. Wells, "Der Mensch im Jahr eine Million" (1893) Antworten



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Frank2000 Offline




Beiträge: 3.088

17.05.2021 10:49
#2 RE: H. G. Wells, "Der Mensch im Jahr eine Million" (1893) Antworten

Interessant.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.
“Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt”, Georg Cristof Lichtenberg

Johanes Offline



Beiträge: 1.911

17.05.2021 23:15
#3 RE: H. G. Wells, "Der Mensch im Jahr eine Million" (1893) Antworten

Seltsam, wie ähnlich die Phantasieprodukte von Wells den Greys aus der UFO-Szene und manche Scifi-Geschichten sind.
Angeblich sollen diese Figuren mit den großen Augen und Köpfen auf eine Designerin aus Kanada (?) zurückgehen, vielleicht wurde sie ja von Wells inspiriert?

Den Zusammenhang zu den Aliens aus "Krieg der Welten" habe ich ebenfalls sofort gesehen. Die waren, soweit ich mich erinnere, tintenfischartig mit großen Köpfen. Das fällt dann unter "Mars als alte Welt", was UE ja schon hinreichend beschrieben hat.

Wells hat wirklich ein Gedicht dazu geschrieben?

Auch interessant ist die Rahmenhandlung. Bedeutet das die Einordnung als Novelle? Und das sieht wirklich nach einen Vorläufer der "fiktiven Bücher" aus, wie sie u.a. Lem später nutzte.

Dass Schriftsteller die Beschreibung fiktiver Bücher zum Anlass nehmen, eigene Theorien usw. auszurollen, überrascht nicht. Die hier vorgestellte Idee macht mich aber aus einem anderen Grund stutzig.

Wells Beschreibt etwas, dass entfernt an Lamarck erinnert (häufiger gebrauch des Hirns macht es größer) und beruft sich dabei auf Selektionseffekte.
Nun hat Darwin nach seinem Buch über die Entstehung der Arten auch ein Buch über die Entstehung des Menschen geschrieben. Im ersteren ging es um negative oder natürliche Selektion, im zweiten um positive oder sexuelle Selektion und dort unterstellte er den Weibchen (analog menschlichen Frauen) einen "Schönheitstrieb".

Wie passt das zusammen?
Klar, ein Poet und geistreicher Denker hat ebenfalls seinen Reiz, aber müsste Wells nicht analog zu Darwins zweiten Werk annehmen, dass der Schönheitstrieb die Entstehung von menschlichen Kaulquappen verhindert?

Okay, ich overthink das jetzt. Wissenstand des 19. Jahrhunderts, Wissensstand Wells und diese Kurzgeschichte... Das muss nicht zusammenpassen.

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 12.680

18.05.2021 00:07
#4 RE: H. G. Wells, "Der Mensch im Jahr eine Million" (1893) Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #3

Wells hat wirklich ein Gedicht dazu geschrieben?



Nein, die Verse stammen von einem der anonymen Wasserträger des "Punch, or The London Charivari." Die ganze Nummer gibt es hier nachzulesen:

https://ia803105.us.archive.org/34/items...4-h/39504-h.htm

Da sehen Sie dann, daß zu dem Zeitpunkt noch sämtliche Beiträge ungezeichnet waren (in diesem Fall der Beitrag auf S. 250 unten; die Seitenzahlen finden sich am linken Rand.) Das war nicht so ungewöhnlich - das Times Literary Supplement erschien bis in die sechziger Jahre auch komplett incognito; das hatte nicht zuletzt den Vorteil, daß es von den Karikierten bzw. Rezensierten wenig Ranküne zu befürchten gab; in der Praxis hat das natürlich nicht immer funktioniert; Flurfunk und Kiebigkeiten, die ja im Literaturbetrieb üppig gedeihen, spielen da keine kleine Rolle. (Übrigens ist das auch der Grund, warum beim Prozess der Peer Review für akademische Journale die Namen der Gutachter streng geheim sind: um nicht für unnötig böses Blut zu sorgen; auch das funktioniert mitunter nur ungenügend). Das TLS hat ich meine Anfang der 90er Jahre die Namen der Rezensenten für alle zurückliegenden Jahrgänge freigegeben, lange nachdem die Kritiken alle gekennzeichnet waren. "Punch" ist ebenfalls von der Praxis abgekommen; in den 20er Jahren steht der Name oder bei den redaktionellen Beiträgen ein Kürzel darunter. Der "Spiegel" hat das ja bei uns über Jahrzehnte so gehalten. Es gab von Anfang an stets Gastbeiträge mit Autor+Bild, aber der Rest war "Spiegel-Redaktion."

Wells ist einer der ganz wenigen Autoren der Jahrhundertwende, der anscheinend nie den Trieb verspürt hat, sich in Versen auszutoben; er wußte wohl, daß er dafür keinerlei Talent besaß. Dafür hat er sein Leben lang immer gern gekritzelt, allerdings auf einem blamablen Niveau. Die beiden Bände des "Experiments in Autobiography" von 1934 haben alle paar Seiten solche "Picshuas," die unter "eher nicht" fallen. Das hier soll einen seiner Marsbewohner darstellen.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 12.680

18.05.2021 00:41
#5 RE: H. G. Wells, "Der Mensch im Jahr eine Million" (1893) Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #3

Wells Beschreibt etwas, dass entfernt an Lamarck erinnert (häufiger gebrauch des Hirns macht es größer) und beruft sich dabei auf Selektionseffekte.
Nun hat Darwin nach seinem Buch über die Entstehung der Arten auch ein Buch über die Entstehung des Menschen geschrieben. Im ersteren ging es um negative oder natürliche Selektion, im zweiten um positive oder sexuelle Selektion und dort unterstellte er den Weibchen (analog menschlichen Frauen) einen "Schönheitstrieb".

Wie passt das zusammen?


Wie Lamarck eigentlich nicht. Da geht es ja um die Weitergabe erworbener Eigenschaften. Wells steht hier durchaus in der Linie von Darwin - oder in seinem Fall Th.H.Huxley, von dem er ja seine ganze Sicht der Evolution hat. Jedenfalls zu diesem Zeitpunkt. Es ist kein Zufall, daß "The Science of Life," zwischen 1929 und 1931 in Zusammenarbeit mit Julian Huxley entstanden, der erste Vorschein der "neuen Synthese" ist, die dann im Lauf der dreißiger Jahre von J.B.S.Haldane und G.P.Waddington und ein paar anderen (etwa Ernst Mayr)ausformuliert worden ist, die wir heute meinen, wenn wir von "Darwninismus" reden. Darum braucht Wells auch die äonenlangem Zeiträume, bis signifikante Veränderungen zum Tragen kommen. Zu Darwins Zeiten - und auch zu denen von Wells - hatte niemand eine Ahnung, WAS Träger der Erbinformation war und wie das aufgebaut war; es war nur klar, DASS sie weitergegeben wurden und bei bestimmten Merkmalen einzelen dieser Etwasse, behelfsmäßig "Gene" genannt, bestimmend waren; Mendel läßt grüßen (Hans Castorp im "Zauberberg" noch: "das waren die Genen"). Darwins "The Descent of Man" hatte 1871 nicht annähernd den Knalleffekt der "Entstehung der Arten" von 1859 - nicht zuletzt deswegen, weil die fossile Geschichte der Frühmenschen zu der Zeit ja noch äußerst lückenhaft - und heftig umstritten war (selbst der Neandert(h)aler war ja noch längst nicht anerkannt) und Darwins vermutete wirkmächtige Formprinzipien schienen den Zeitgenossen - und den Zunftgenossen wie Huxley, Spencer und Haeckel eher luftige Spekulationen. Und Wells hatte unbestritten ein Fiable für biologische Albträume, Chesterton hatte das richtig erkannt. Seine beiden fiktiven Ausmalungen der menschlichen Frühzeit ("A Story of the Stone Age", 1897 und "The Grisly Folk", 1921) lassen da eher wenig Platz für ästhetische Verfeinerung.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Johanes Offline



Beiträge: 1.911

18.05.2021 19:17
#6 RE: H. G. Wells, "Der Mensch im Jahr eine Million" (1893) Antworten

@Ulrich Elkmann

Zitat
Jedenfalls zu diesem Zeitpunkt. Es ist kein Zufall, daß "The Science of Life," zwischen 1929 und 1931 in Zusammenarbeit mit Julian Huxley entstanden, der erste Vorschein der "neuen Synthese" ist, die dann im Lauf der dreißiger Jahre von J.B.S.Haldane und G.P.Waddington und ein paar anderen (etwa Ernst Mayr)ausformuliert worden ist, die wir heute meinen, wenn wir von "Darwninismus" reden.



Das hatte ich bisher als Querverweis kein Stück auf den Schirm, ehrlich gesagt. Ich kenne aber auch das Buch "The Science of Life" nicht.

Dass es allerdings bis in die 1920er oder 1930er Jahre eine Auseinandersetzung zwischen (Neo-)Lamarckisten und Darwinisten gab, war mir bekannt. Überraschenderweise waren dabei die Lamarck-Fans sogar eher Links angesiedelt (siehe Paul Kammerer, später Lyssenkoismus), Darwinismus galt als bürgerlich. (Der Leser mag sich in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass die Sowjetunion auch sehr Stolz auf die Ergebnisse von Pawlow war.)

Die Auseinandersetzung war aber im Wesentliche nicht politisch, sondern faktenbasiert-sachlich und wurde meines Wissens durch die Entdeckung der DNA (vorläufig) entschieden.

Nun wird die Weitergabe erworbener Eigenschaften populärwissenschaftlich durch die Epigenetik wieder rehabilitiert.

Zitat
Zu Darwins Zeiten - und auch zu denen von Wells - hatte niemand eine Ahnung, WAS Träger der Erbinformation war und wie das aufgebaut wa



Sir Galton vermutete meines Wissens wirklich das Blut.

Zitat
Darwins "The Descent of Man" hatte 1871 nicht annähernd den Knalleffekt der "Entstehung der Arten" von 1859



Darwin selbst soll ja gesagt haben, er hätte das Buch gar nicht geschrieben, wenn er das ähnliche Werk von Haeckel schon gekannt hätte.

Zitat
eine beiden fiktiven Ausmalungen der menschlichen Frühzeit ("A Story of the Stone Age", 1897 und "The Grisly Folk", 1921) lassen da eher wenig Platz für ästhetische Verfeinerung



Darwin geht ja davon aus, dass die Frauen sich bewusst schöne Männer aussuchen.

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