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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 29 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
Llarian Offline



Beiträge: 6.920

31.03.2023 13:52
Verdi und der Reallohn Antworten

Eine Bemerkung zur Lohnentwicklung.

Yago Offline



Beiträge: 431

31.03.2023 16:33
#2 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Mein Sportfreund ist Müllmann auf der Straße. Er meint, er kann die Argumentation, dass das zu verteilende Geld irgendwoher kommen muss, nachvollziehen. Für Verdi geht es an die Substanz, da sie immer weniger Mitglieder haben - die alten Mitglieder sterben weg. Verdi muss also etwas tun.

Für ihn selbst sieht es so aus, dass die kommunalen Betriebe keinen Gewinn machen dürfen. Über die Gebühren haben sie soviel Geld, dass die Führung nicht weiß, wohin damit. Da kommen die Prämien für die erfüllten Zielvereinbarungen ins Spiel. Sein kleiner Chef habe 100000 € bekommen. Zielprämien gibt es auch dafür, dass keine Verhandlungsrunde stattfindet (die alten Verträge laufen weiter) oder für jeden im Lohnabschluss eingesparten € bzw Prozentpunkt. Der Müllmann will kein zusätzliches Geld vom Bürger, sondern eine andere Verteilung im Unternehmen. Die Führung kämpft gegen die da unten. Im Grunde ist der öffentliche Dienst ein hochkorrupter Selbstbedienungsladen und 3 Tage Generalstreik seien eine vernünftige Reaktion darauf.

Llarian Offline



Beiträge: 6.920

31.03.2023 17:15
#3 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Yago im Beitrag #2
Der Müllmann will kein zusätzliches Geld vom Bürger, sondern eine andere Verteilung im Unternehmen. Die Führung kämpft gegen die da unten.

Er streikt aber nicht gegen seinen Chef sondern gegen den Bürger und ich kann auch bei Verdi nicht sehen, dass die solche Mißstände besonders thematisieren würden (werden die auch nicht, weil die meisten Verdi-Funktionäre genau die selben Methoden anwenden). Davon ab macht das auch den Kohl nicht fett: Selbst wenn die Führung des öffentliches Dienstes entsprechend geschnitten würde und man solche Bonis alle einstampfen würde, würde man damit kein Prozent Tariferhöhung hinbekommen. Der Fisch mag am Kopf stinken, aber der Kopf ist klein. Und von den fünf Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst stehen nur wenige Prozent in Führungspositionen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Mißstände sind ein Problem (genauso wie es ein Skandal ist was von ein ARD Intendant kassiert oder der Chef von kommunalen Versorgungsbetrieben oder Krankenkassen), aber das eigentliche Problem der Verarmung hat andere Ursachen. Das Geld wird für andere Dinge ausgegeben. Im wesentlichen grüne Wunschträume.

Zitat
Im Grunde ist der öffentliche Dienst ein hochkorrupter Selbstbedienungsladen und 3 Tage Generalstreik seien eine vernünftige Reaktion darauf.


Und ich glaube es gäbe nichts unvernünftigeres, mal ab davon das Generalstreiks in Deutschland (aus gutem Grunde) verboten sind. Wen trifft den der Streik? Sicher nicht die korrupten Führungskräfte. Im Gegenteil: Umso reicher jemand ist, umso eher kann er dem Mist ausweichen. Eine entsprechend hohe Führungskraft hat ein Kindermädchen und muss sich keine Sorgen machen, wenn die KITA zu ist oder wie man mit dem Bus dahin kommt. Was helfen würde ist wählen. Aber da sind die Deutschen oftmals schlicht zu blöd für, weil sie am Ende das tun, was die Tagesschau ihnen gesagt hat. Oder sie feiern Merkel, die ihnen den ganzen Mist eingebrockt hat.

Johanes Offline




Beiträge: 2.421

31.03.2023 18:50
#4 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Sehr geehrter Herr @Llarian,

es tut mir leid, aber ich muss Ihren Artikel doch widersprechen.
Wir sehen derzeit eine Inflation sowohl in den USA als auch in vielen anderen Ländern der Welt. Das als Ergebnis der merkelschen Politik darzustellen, scheint mir dann doch nicht sehr plausibel.

Was wir hier wahrscheinlich beobachten sind die zeitverzögerten Folgen der Covid-Pandemie, der staatlichen Maßnahmen und der direkten oder indirekten Auswirkungen dessen. Oben drauf kommen noch die globalen Folgen des Ukraine-Krieges.

Speziell Deutschland hat damit seinen selbstgewählt einzige Zugang zu kostengünstiger Energieversorgung dauerhaft eingebüßt. Doch die Konsequenzen dessen kommen ebenfalls zeitverzögert.

Dass die grüne Politik es fast unmöglich macht, noch irgendwo gegenzusteuern, das stimmt.
Der kurzfristige Spielraum ist aber eingeschränkt.

Ich wage eine Zukunftsprognose: Wenn verdi sich durchsetzt, dann startet damit eine Lohnpreisspirale, wie man sie aus vergangenen Inflationen kennt. Für die gesellschaftliche Stabilität wird das eine harte Probe werden.

"Die Wissenschaft ist außer Reichweite der Moral, denn ihre Augen sind auf ewige Wahrheiten geheftet." ~ Oscar Wilde

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.006

31.03.2023 22:03
#5 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #4
Wir sehen derzeit eine Inflation sowohl in den USA als auch in vielen anderen Ländern der Welt. Das als Ergebnis der merkelschen Politik darzustellen, scheint mir dann doch nicht sehr plausibel.


Sicherlich nicht nur, aber auch. Ich würde es treffenderweise so formulieren: Die Merkel'sche Politik ist "nicht hilfreich", wenn man sich sowieso schon makroökonomischen Schocks ausgesetzt sieht. Wir hatten das hier ja schon öfter diskutiert: Die deutsche Wohlfühlpolitik kann man sich vielleicht leisten, wenn es wirtschaftlich gut läuft, aber nicht mehr, sobald es Probleme gibt; dann wird das Ganze selbstverstärkend zerstörerisch, und das erleben wir nun.

Ich würde mal behaupten, dass die Deutschen es sich locker leisten könnten, die durch die globale Covid-Panik entstandenen Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen wegzustecken (wie es auch alle anderen Länder schaffen werden), wenn sie sich nicht noch zusätzlich freiwillig haufenweise unnötige Probleme aufgehalst hätten.
Und da sind wir dann bei der Energiewende, die im Kern nichts anderes macht als Energie zu verknappen, und dem Import von Millionen Transferempfängern, die im Kern nichts anderes machen als alle Ressourcen inkl. Energie zu verknappen. Und schwuppdiwupp, gehen die Preise ins unermessliche und wir haben den Verteilungskampf. Und der Politik fällt als Problemlösung nichts besseres ein, als jede Menge schuldenfinanziertes Geld in die Märkte zu pumpen, was dann den Rest erledigt, anstatt zu versuchen die Angebotssituation zu entspannen, was nicht mehr erfordern würde als ein paar der absurdesten Verbote einzukassieren. Die werden mit dem Wahnsinn nicht aufhören, bis sie alle abgewählt sind.

Bzgl. der Lohn-Preis-Spirale bin ich mir aktuell aber noch nicht sicher. Im öffentlichen Dienst - klar. Das wird kommen. Aber da haben wir es sowieso schon mit einer astreinen Kleptokratie zu tun. In der Privatwirtschaft düfte es wohl eher darauf hinauslaufen, dass zigtausende Unternehmen Pleite gehen, weil sich die meisten Kunden kostendeckende Preise nicht mehr leisten können; wenn die Angestellten dann noch mehr Lohn fordern, gehen eben die Lichter aus.

Llarian Offline



Beiträge: 6.920

31.03.2023 22:41
#6 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #4
Wir sehen derzeit eine Inflation sowohl in den USA als auch in vielen anderen Ländern der Welt. Das als Ergebnis der merkelschen Politik darzustellen, scheint mir dann doch nicht sehr plausibel.

Sie unterschätzen den Einfluß und die Verheerungen durch die Regierung Merkel, lieber Johannes. Von den vier aufgezählten Ursachen, dem Energiewahnsinn, dem ESM, der Flüchtlingsparty und den Corona-Maßnahmen, sind bis auf den Energiewahnsinn die meisten ins Ausland zumindest mit exportiert worden. Der ESM ist zwar auf Wunsch der Südländer entstanden, ist aber in dem Sinne ein deutsches Konstrukt. Merkels Flüchtlingsparty ist ebenso ein deutsches, ein reines Merkelprodukt. Und die Corona-Maßnahmen in Europa wurden mit durch die Politik Merkel forciert. Der Effekt dahinter ist ziemlich nahe am "Monkey see, monkey do." Was die Deutschen tun hat in Europa ganz erhebliche Wirkung, nicht zuletzt deshalb, weil die Bundesregierung ihre Macht gerne mal einsetzt, um andere Länder unter gewaltigen Druck zu setzen (man erinnere sich an die Schweiz, als die die tollen Zuwanderungsideen der Deutschen nicht teilen wollten).

Die Inflation sehen wir vor allem deshalb, weil die Regierungen der Welt, und die deutsche eben ganz vorne dabei, in den letzten 10 Jahren wie bescheuert Geld gedruckt haben und gleichzeitig (wieder Merkel, diesmal flankiert von Draghi) den Finanzmärkten verboten angemessen zu reagieren. Damit wurde eine Blase geschaffen, die sich im letzten Jahr deutlich entladen hat. Die Regierung Obama hat das selbe getan und die Regierung Trump hat das nicht abgestellt, die Regierung Biden sogar noch deutlich verstärkt. Merkel mag nicht alleine in dem Murks sein, aber sie ist die zentrale Figur in Europa.

Zitat
Was wir hier wahrscheinlich beobachten sind die zeitverzögerten Folgen der Covid-Pandemie, der staatlichen Maßnahmen und der direkten oder indirekten Auswirkungen dessen.


Der staatlichen Maßnahmen, richtig. Die Pandemie selber hat nahezu keine direkten Auswirkungen, da durch die Pandemie selber hauptsächlich alte Menschen gestorben sind, was wirtschaftlich wenig Auswirkungen hat (wäre ich zynisch würde ich sogar das Gegenteil nahe legen). Die Maßnahmen dagegen waren eine einzige Verheerung, ohne Sinn und Verstand und irrsinnig teuer. Und, das ist am Ende die bitterste Pille, vollkommen sinnlos, mal ab davon einen halbkriminellen Pharmakonzern reich zu machen.

Zitat
Oben drauf kommen noch die globalen Folgen des Ukraine-Krieges.


Aber auch das ist nicht kriegsentscheidend (no pun intended). In den USA sieht man die Folgen des Ukraine Krieges besser als in Deutschland (weil die USA nicht am deutschen Energiewahnsinn hängt). Die Bideninflation betrug vor dem Ukraine Krieg etwa acht Prozent, nun sind sie bei 10. Das ist nicht unsignifikant, aber nicht kriegsentscheidend. In Deutschland dagegen, wo wir dank Merkel den Energiewahnsinn haben, ist die Steigerung deutlich überproportional. Allerdings, da sind wir einig, die Blase war schon vorher da und wird hier nur deutlich verstärkt.

Zitat
Speziell Deutschland hat damit seinen selbstgewählt einzige Zugang zu kostengünstiger Energieversorgung dauerhaft eingebüßt.


Korrekt.

Zitat
Dass die grüne Politik es fast unmöglich macht, noch irgendwo gegenzusteuern, das stimmt.


Jein. Das mag die Stelle sein, wo wir ein wenig abweichen. Innerhalb des grünen Kosmos ist ein gegensteuern nicht möglich, da bin ich ganz bei Ihnen. Wenn wir grün weiter machen stehen wir vor einer Katastrophe in Größenordnung des zweiten Weltkriegs. Mit Armut, Frieren und am Ende vielleicht sogar Hunger. Das Bruttosozialprodukt wird in wenigen Jahren zweistellig sinken, Energie, Wohnraum, Sicherheit, werden allesamt Luxusartikel werden. ABER: Das gilt innerhalb des grünen Denkens. Wir haben jederzeit die Möglichkeit die Grünen fort zu jagen und tatsächlich eine Kehrtwende hinzulegen. Donald Trump hat gezeigt das es möglich ist. Grüne Gesetze stehen nicht wie eine Mauer. Sie versuchen das so zu verankern, aber kein Gesetz hat eine Ewigkeitsgarantie, mal ab von der Verfassung. Und ein Stephan Harbarth kann auch in verdienten Schimpf und Schande davon gejagt werden. WIR, als Wähler, haben die Möglichkeit das prinzipiell sofort zu ändern. Und ich glaube im Rahmen der zunehmenden Not, wird das eine ganz reale Option (sonst wäre ich auch schon lange nicht mehr hier). Wenn wir wirklich jedes Jahr einen Reallohnverlust einfahren, dann wird der Unmut wachsen. Und irgendwann wird auch die beste Propaganda das nicht mehr verhehlen können. Ich wäre an Stelle der grünen Vortänzer nicht so sicher sein, ob ich meine üppgen Bundestagspensionen wirklich noch 30 Jahre geniessen kann.
Ich glaube das ist auch der Grund für die teils nahezu panischen Reaktionen aus dem linken Spektrum auf Staatskritik, Querdenkertum, Widerspruch und überhaupt Opposition. Die haben Angst davor selber in die Minderheit zu geraten und für all das, was sie die letzten Jahre angerichtet haben, zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Angst kann ich voll nachvollziehen. Ich bin tatsächlich der Meinung Angela Merkel und ihre Helfershelfer gehören auf eine ganz reale Anklagebank uns ich würde nicht ausschließen, dass das noch passieren kann.

Zitat
Wenn verdi sich durchsetzt, dann startet damit eine Lohnpreisspirale, wie man sie aus vergangenen Inflationen kennt.


Das wäre für sich nicht schlimm, denn das hatten wir ja in den siebziger Jahren. Aber diesmal gibt es einen gewaltigen Unterschied. Die Inflation der siebziger Jahre war rein nominell, d.h. wenn sich Produkte und Löhne gleichmäßig nominell erhöhen tut das eigentlich niemandem wirklich weh. Die heutige Situation ist aber eine gänzlich andere: Das ganze Land, insbesondere auch die Industrie, ächzt unter den grünen Auflagen und den Kosten für die grünen Projekte (beispielsweise auch die Flüchtlingsparty). Die Industrie hat das Geld nicht, auch nominell nicht. Sie kann die Löhne nicht erhöhen. Wenn die Gewerkschaften (eben nicht Verdi) eine solche Lohnerhöhung durchsetzen, geht das einher mit hunderttausenden, oder sogar noch mehr, Arbeitslosen. Für so verantwortungslos halte ich nicht einmal die IG Metall. Verdi kann das tun, weil sich der Staat immer weiter verschulden kann, die Industrie kann das nicht. Und daher sehe ich auch die Spirale nicht, denn die industriellen Löhne werden nicht entsprechend erhöht werden, eben weil es nicht geht. Was wir stattdessen sehen ist weit schlimmer: Verarmung.

Zitat
Für die gesellschaftliche Stabilität wird das eine harte Probe werden.


In der Not ist die gesellschaftliche Stabilität das erste das verloren geht. Vielleicht hätte man die Not nicht erzeugen sollen, denn wenn ich den Nachsatz noch schreiben darf: Die Not ist nicht aus der Natur heraus entstanden, sie ist politisch künstlich geschaffen worden. Wir könnten in einer ganz anderen Welt leben, wenn wir eine bessere Politik gehabt hätten. Ein Besenstiel mit Hut wäre die bessere Wahl gewesen. Weit besser. Das Dumme ist, derzeit haben wir Politiker mit der intellektuellen Kapazität eines solchen Besenstiels aber dem Zerstörungswillen von Fanatikern.

Johanes Offline




Beiträge: 2.421

01.04.2023 00:43
#7 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #6
(man erinnere sich an die Schweiz, als die die tollen Zuwanderungsideen der Deutschen nicht teilen wollten).


Wenn ich Ihren Ausführungen folge, dann sind die Deutschen der größe, böse Mastermind hinter der gesamten EU. Wage ich noch zu bezweifeln. Der Einfluss wird wahrscheinlich (in unserem Sinne gewertet) netto negativ sein, aber nicht so gewaltig.

Zitat
Der staatlichen Maßnahmen, richtig



Dazu äußere ich mich jetzt mal nicht. Wir wollen nicht den nten Corona-Thread.

Zitat
Aber auch das ist nicht kriegsentscheidend (no pun intended).



Da sind wir einer Meiung, dass das nicht das gesamte Szenario prägt. Aber unterschätzen Sie die Bedeutung des Weizens von dort nicht und die indirekten Folgen der Sanktionen.
Das ist nicht Irak oder Afghanistan, wo die Amerikaner innerhalb von Wochen alles entschieden haben und es nachher nur noch um die Besatzung ging.

Einen gewissen Impact wird es gehabt haben.

Zitat
Und ein Stephan Harbarth kann auch in verdienten Schimpf und Schande davon gejagt werden.



Ich fürchte, Ihre Einschätzung ist leider falsch.
Die Amtszeit der Verfassungsrichter beträgt 12 Jahre.

Sie denken möglicherweise an ein Szenario wie in den USA, wo Biden überlegt ganz viele Bundesrichter zu ernennen, um SCOTUS zurückzuerobern, nachdem es dort eine "konservative Mehrheit" gibt (was so ohne Weiteres nicht stimmt).
In Deutschland ist das, denke ich, ausgeschlossen.

Wir werden u. a. mit dem Klimaurteil leben müssen.
Zudem ich es nur noch für eine Frage der Zeit halte, bis das EuGH oder EMGH nachzieht. Die höchsten Gerichte rezipieren ihre Urteile untereinander durchaus.

Zitat
Ich glaube das ist auch der Grund für die teils nahezu panischen Reaktionen aus dem linken Spektrum auf Staatskritik, Querdenkertum, Widerspruch und überhaupt Opposition.



Da warne ich vor vorschnellen Urteilen.

Zitat
Ich bin tatsächlich der Meinung Angela Merkel und ihre Helfershelfer gehören auf eine ganz reale Anklagebank uns ich würde nicht ausschließen, dass das noch passieren kann.



Sie meinen, so wie Donald Trump? Nur im Unterschied zu ihn für ihre Politik?

Sorry, ich halte das für nicht nur illusorisch, sondern auch für nicht zwangsläufig wünschenswert.

"Die Wissenschaft ist außer Reichweite der Moral, denn ihre Augen sind auf ewige Wahrheiten geheftet." ~ Oscar Wilde

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.006

01.04.2023 00:58
#8 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #7
Wenn ich Ihren Ausführungen folge, dann sind die Deutschen der größe, böse Mastermind hinter der gesamten EU. Wage ich noch zu bezweifeln. Der Einfluss wird wahrscheinlich (in unserem Sinne gewertet) netto negativ sein, aber nicht so gewaltig.


Man sieht es doch ganz gut an der aktuellen Debatte über das Verbrennermotorenverbot. Wer ist dafür, wer dagegen? Dafür ist eigentlich nur die Schreckschraube, die Merkel in der EU-Kommision installiert hat, und noch 1-2 Länder, die sich dann von Deutschland (und den anderen "Nettozahlern", wer auch immer das sein mag) teuer entschädigen lassen wollen für die Zustimmung. Der Rest (inkl. der deutschen Bundesregierung) kämpft zurecht mit Klauen und Zähnen dagegen, dass die Automobilindustrie zerstört wird.

Wenn das nicht Merkels Geist ist, der hier rumspukt, dann weiss ich auch nicht mehr...
Mal zur Erinnerung, weil das heutzutage in Anbetracht aller Probleme als insignifikant erscheint: Merkel hat sich auch die "Abwrackprämie" ausgedacht, was bis dato wohl das größte Kapitalvernichtungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.564

01.04.2023 01:53
#9 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #7

Wenn ich Ihren Ausführungen folge, dann sind die Deutschen der größe, böse Mastermind hinter der gesamten EU. Wage ich noch zu bezweifeln. Der Einfluss wird wahrscheinlich (in unserem Sinne gewertet) netto negativ sein, aber nicht so gewaltig.

Das wird gerade geschreddert. Diese Sicht - daß Deutschland in Gestalt von Imperatrix Merkel da einfach mal katastrophalen Murks anrühren kann und dann die Folgen an den Rest der EU delegieren kann - hat ja England daraus vertrieben. Scholz hat, in kleinerem Format, dieselbe Nummer noch einmal aufgeführt, indem er bei zig Ländern verhindert hat, daß die ihr militärisches Gerät so einsetzen können, wie es ihnen zielführend erscheint. Was einen direkten Eingriff eines fremden Staates in Angelegenheiten der Landesverteidigung darstellt. Die Abrams-Nummer wird man Herrn Olaf in Washington nicht vergessen (Biden schon, aber nicht die Entscheidungsträger). Deutschland hat zum x-ten Mal seit der Episode "Nachrüstung Pershing" klargestellt, daß es kein sicherer Bündnispartner ist, weder für "den Westen" allgemein noch für die Anrainer, und das Ziel über die nächstem 5 - 10 Jahre wird sein, solche Abhängigkeiten so weit wie möglich abzubauen und neue gar nicht erst entstehen zu lassen.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Llarian Offline



Beiträge: 6.920

01.04.2023 02:02
#10 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #7
Wenn ich Ihren Ausführungen folge, dann sind die Deutschen der größe, böse Mastermind hinter der gesamten EU. Wage ich noch zu bezweifeln. Der Einfluss wird wahrscheinlich (in unserem Sinne gewertet) netto negativ sein, aber nicht so gewaltig.

Also weder Master noch Mind würde ich mit der aktuellen oder letzten Bundesregierung assoziieren wollen, noch weniger Mastermind. Aber ich denke schon, dass der negative Einfluß der letzten deutschen Regierung auf die EU recht massiv gewesen ist. Vieles von dem Unsinn, der derzeit von der EU getrieben wird, ist dort (und auch noch für viel Geld) von Deutschland aus installiert worden. Nicht zuletzt der Brexit ist eine direkte Folge der Politik von Angela Merkel. Und nebenbei: Ich glaube der Einfluß ist am Ende für jeden negativ, nicht nur für die Deutschen.

Zitat
Dazu äußere ich mich jetzt mal nicht. Wir wollen nicht den nten Corona-Thread.


Keine Sorge, davon kommen noch ein paar. Um den derzeit passenden Buchtitel von Gunter Frank zu verwenden: Das "Staatsverbrechen" ist weit davon entfernt abgeschlossen zu sein. Wir (damit ist nicht Zettels kleines Zimmer gemeint, sondern eher der gesamte Westen) werden noch sehr viel über die Corona Zeit und ihre Folgen reden müssen. Und in dem Fall bin ich sicher: Da werden noch einige im Knast landen. Aber das muss in der Tat nicht in diesen Thread, hier brauche ich nur die wohl recht gut belegte Tatsache, dass die Maßnahmen über eine Billion Euro gekostet haben. Und das Geld ist weg. Und fehlt. Das Warum ist (an dieser Stelle) sekundär.

Zitat
Einen gewissen Impact wird es gehabt haben.


Natürlich. Aber der wäre temporär. Der Schaden den Merkel angerichtet hat ist aber nicht temporär. Wenn man aufgrund eines Krieges für eine Zeit verzichten muss, finden Sie dafür leicht Mehrheiten. Auch und gerade in Deutschland. Betonung liegt auf temporär. Das Ganze wird weniger lustig, wenn der Krieg vorbei ist oder einfriert und man feststellt, dass man arm bleibt. Die Stromkosten in Deutschland werden noch deutlich mehr steigen. Selbst wenn Selinski und Putin gemeinsam mit Lukaschenko Polka tanzen sollten.

Zitat
Die Amtszeit der Verfassungsrichter beträgt 12 Jahre.


Und davon sind glücklicherweise schon vier rum. Und er kann noch so sehr Präsident sein und seiner Freundin die Stange halten, aber umso mehr Richter dazu kommen, die nicht von Merkel ernannt sind, umso mehr wird sein Einfluß schwinden. Auch ein Verfassungsgericht kann nicht gegen eine Bundesregierung regieren. Und noch weniger gegen die Realität.

Zitat
Sie denken möglicherweise an ein Szenario wie in den USA, wo Biden überlegt ganz viele Bundesrichter zu ernennen, um SCOTUS zurückzuerobern, nachdem es dort eine "konservative Mehrheit" gibt (was so ohne Weiteres nicht stimmt).


Der Vergleich hinkt. In Deutschland ist die Zusammensetzung des Gerichtes ziemlich festgelegt. In den USA ist sie offen. Und Joe Biden hätte das zweifelsfrei gemacht, die Demokraten brechen in den USA ohnehin einen Grundsatz nach dem anderen. Wenn er gekonnt hätte. Das dumme (oder gute) ist, dass er spätestens durch Joe Manchin keine Mehrheit dazu hatte. Versucht hätte er es mit Sicherheit. Übrigens gibt es diese konservative Mehrheit schon.

Zitat
Wir werden u. a. mit dem Klimaurteil leben müssen. Zudem ich es nur noch für eine Frage der Zeit halte, bis das EuGH oder EMGH nachzieht. Die höchsten Gerichte rezipieren ihre Urteile untereinander durchaus.


Ich glaube nicht, dass irgendein Richter die Harbarth Urteile ernsthaft rezipiert. Es ist kein Geheimnis warum und wieso er ernannt wurde. Der EUGH interessiert sich schon von vorneherein nicht für das deutsche Verfassungsgericht. Und ob das Klimaurteil Bestand hat oder nicht: Es scheitert an der Realität. Wo nichts ist, kann nichts sein. Und wenn die Leute ernsthaft in Not geraten (und davon sind wir nicht mehr so weit entfernt), dann pfeifen sie auf solche Urteile. Und selbst wenn der EUGH nachziehen würde (was ich nicht glaube), dann wird die EU am Ende daran zerbrechen, denn unsere Nachbarn sind, im Unterschied zu den Deutschen, nicht bereit für den grünen Fanatismus in die Grube zu fahren. Wenn die Wirtschaft der EU in ernsthafte Schwierigkeiten gerät (und auf gutem Weg sind wir ja), dann sind die EU Verträge ohnehin einen feuchten Schmiss wert. Die EU wird von deutschem Geld zusammen gehalten, da soll man sich mal nix vormachen, ist das deutsche Geld weg, geht die EU hinterher.

Zitat
Da warne ich vor vorschnellen Urteilen.


Das ist kein Urteil sondern eine Vermutung. Und der schrille Ton von links fällt auf, seit Donald Trump in den USA die linke Hegemonie gebrochen hat.

Zitat
Sie meinen, so wie Donald Trump?


Überhaupt nicht wie Donald Trump. Donald Trump ist Opfer eines offensichtlichen(!) politischen Verfahrens, dass rein dem Zweck dient ihm einen Vorteil vor Ron DeSantis zu verschaffen. Wenn es nicht gerade derzeit das absurde Verfahren gegen Michael Ballweg gäbe, würde ich steif und fest behaupten, so ein Blödsinn wäre im Leben nicht mit der deutschen Justiz zu machen. Aber wie dem auch genau ist: Donald Trump wird wegen Lächerlichkeiten verfolgt, nicht wegen dem, was er als Präsident getan hat. Was auch anders schwierig wäre, denn den USA hat Donald Trump furchtbar gut getan. Und das wissen auch die Demokraten, weshalb sie ihn nicht für seine Politik sondern für seine Persönlichkeit attackieren. Angela Merkel dagegen hat ein politisches Problem, denn sie hat auf ihren Amtseid gepfiffen und mehr Schaden angerichtet als jeder einzelne Kanzler der Nachkriegsgeschichte. Sie hat die Verfassung mit Füßen getreten, die Demokratie beschädigt und mehrere Billionen an direktem Schaden verursacht. Und dafür sollte Sie, meines Erachtens nach, für den Rest ihres Lebens tatsächlich ins Gefängnis kommen. Denn vieles von dem, was sie getan hat, geschah nicht "unglücklicherweise" sondern mit voller Absicht.

Zitat
Sorry, ich halte das für nicht nur illusorisch, sondern auch für nicht zwangsläufig wünschenswert.


Ich halte es nicht für wahrscheinlich aber für absolut wünschenswert. Ich denke man sollte (und das gilt eigentlich für jeden, nicht nur für Bundeskanzler) Verantwortung tragen für das was man tut. Und was man anrichtet. Ich glaube ein nicht unwichtiger Grund für den desolaten Zustand der deutschen Politik ist die vollkommene Verantwortungslosigkeit der Politiker. Man kann noch so inkompetent oder korrupt sein, es hat keine Folgen. Wenn ich mir einen Titel erschleiche oder meinen Lebenslauf fälsche, dann ist das für mich ein fristloser Kündigungsgrund (und die Kündigung kommt). Nicht für Politiker. Wenn ich Schaden bei meiner Firma anrichte, dann bin ich dafür voll haftbar. Nicht so Politiker. Wenn ich lüge, betrüge oder mich vom Konkurrenten kaufen lasse, dann werde ich gefeuert und komme unter Anklage. Nicht so Politiker. Das ist ein gewaltiges Problem. Denn wenn ich eine Gruppe von Leuten habe, die nicht nur keine Verantwortung tragen, sondern zudem auch noch keinen Schaden haben, bei dem was sie anrichten, wie will ich dann von denen verantwortliche Entscheidungen erwarten? Ich denke die Aufarbeitung des Corona-Unrechtes alleine wäre ein absolut notwendiges Fanal um zu zeigen, dass Politik eben nicht alles darf.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.006

01.04.2023 02:03
#11 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #6
Die Inflation der siebziger Jahre war rein nominell, d.h. wenn sich Produkte und Löhne gleichmäßig nominell erhöhen tut das eigentlich niemandem wirklich weh.


Da würde ich widersprechen: Hohe Inflation führt immer zu einer Umverteilung von Wohlstand, und das i.d.R. in einer Richtung, die nicht wünschenswert ist (wer profitiert von Inflation? Schuldner, zu Lasten von Gläubigern / Sparern... man kann sich vorstellen, zu welchen Verhaltensänderungen sowas langfristig führt, und was dann die Konsequenz ist; gibt genug Beispiele für Staaten, die aus der Inflationsspirale nicht mehr rausgekommen sind bis zum Ruin).

Und dann kommt noch der Aussenhandel dazu: Das überleben nur die Leute schadlos, die in der Export-Wertschöpfungskette weit oben stehen (salopp formuliert: Waren gegen Waren oder Dienstleistungen tauschen, nicht Waren gegen Währung), die ganz unten müssen die teuren Importpreise zahlen, profitieren aber nicht von den Exportüberschüssen.

Eine dauerhaft hohe Inflation an sich hat das Potenzial, eine Volkswirtschaft extrem zu destabilisieren. Im Prinzip der Effekt, den Globalisierung in einer nationalen Volkswirtschaft ohnehin schon auslöst, allerdings mit Vollgas tausend mal schneller. Man kann sich vorstellen, welche Leute dann gewählt werden...

Llarian Offline



Beiträge: 6.920

01.04.2023 02:19
#12 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #11
Da würde ich widersprechen: Hohe Inflation führt immer zu einer Umverteilung von Wohlstand, und das i.d.R. in einer Richtung, die nicht wünschenswert ist (wer profitiert von Inflation? Schuldner, zu Lasten von Gläubigern / Sparern... man kann sich vorstellen, zu welchen Verhaltensänderungen sowas langfristig führt, und was dann die Konsequenz ist; gibt genug Beispiele für Staaten, die aus der Inflationsspirale nicht mehr rausgekommen sind bis zur Staatspleite).

Dem steht aber auch gegenüber das eine Deflation noch viel verheerendere Folgen haben kann (schönen Gruß aus Japan).

Inflation ist auch ein Treiber von wirtschaftlicher Dynamik, es genügt eben nicht mein Geld auf einem Sparkonto vergammeln zu lassen, ich muss es investieren, um es gegen Inflation abzusichern. Auch die gesellschaftliche Dynamik nimmt zu, ein verschuldeter Mensch kann sich langsam entschulden, ein vermögender Mensch kann sich nicht nur auf seinem Reichtum ausruhen. Das natürlich alles in Maßen, eine Inflation im zweistelligen Bereich ist sicher nicht wünschenswert, den sechziger und siebziger Jahren haben die großen Inflationswellen aber wenig ausgemacht, das waren wirtschaftlich extrem erfolgreiche Zeiten.

Zitat
Eine dauerhaft hohe Inflation an sich hat das Potenzial, eine Volkswirtschaft extrem zu destabilisieren. Man kann sich vorstellen, welche Leute dann gewählt werden...


Das ist ein Totschlagargument und auch historisch nicht richtig. In den siebziger Jahren war die Inflation zwar noch nicht so hoch wie 2022, aber doch im deutlich oberen einstelligen Bereich. Und das waren politisch absolut stabile Zeiten. Das Problem ist nicht eine einstellige Inflation, das Problem ist die Stagflation die wir beobachten. Mal unabhängig von Gerechtigkeitsargumenten: Politische Instabilität kommt nicht davon, dass ein Millionär etwas Geld einbüsst und auch nicht davon, dass Oma Trudes Sparstrumpf kleiner wird (auch wenn das sicher ungerecht ist). Politische Instabilität kommt daher, dass Lieschen Müller nicht mehr einkaufen kann und Hans Dampf nicht mehr tanken. Wenn die beiden entsprechend mehr verdienen ist ihnen die Inflation zwar nicht egal, aber nicht so wichtig. Inflation frisst vor allem Sparvermögen aber das reicht nicht für politische Unruhen. Wenn dagegen die Inflation bei null Prozent liegt und trotzdem keiner genug verdient um sein Essen zu bezahlen, dann wirds lustig.

Llarian Offline



Beiträge: 6.920

01.04.2023 02:21
#13 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

PS. Ich möchte auch darum bitten einmal gepostete Beiträge nicht wieder abzuändern (mal ab vielleicht von einem kleinen Typo). Danke.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.564

01.04.2023 02:43
#14 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #6
Was wir stattdessen sehen ist weit schlimmer: Verarmung.


Weil es dazu paßt wie der .. auf den Eimer (pardon my French):

Zitat
„Wir verstehen diese Toiletten als ein Portal in die Zukunft“: Berlin testet autarke Öko-Klohäuschen in Parks

Sehen so die Klohäuschen der Zukunft aus? Für 1,7 Millionen Euro testet Berlin 24 Toiletten, die ohne Strom und Wasser auskommen.

Die Parktoiletten sind nicht nur barrierefrei und kostenlos, sondern auch „autark“, kommen also ohne Wasseranschluss und Strom aus. Dadurch können sie vergleichsweise einfach auf öffentlichen Grünflächen installiert werden. „Gespült“ wird in der Trockentoilette nicht mit Wasser, sondern mit Strohmehl, für Beleuchtung sorgen ein Solarpanel und eine Bewegungsmelder.

Der Staatssekretär lobte: „Gerade Corona hat uns gezeigt, dass öffentliche Toiletten ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge sind.“ Im Rahmen eines einjährigen Pilotprojektes der Senatsumweltverwaltung erhält jeder Berliner Bezirk nun zwei der autarken Toiletten.

Nach dem ersten Eindruck gefragt, äußerte sich die vorbeilaufende 76-jährige Steglitzerin Christa Klinghammer neugierig. „Das ist erstmal ein Plumpsklo, aber ein vornehmes.“



https://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-p...en-9587156.html

Zurück zum Plumpsklo. Aber zum Stückpreis von 80.000€. (Wobei mir nicht ganz klar ist, wie man mit einem Bretterverschlag, einem Lithiumakku, einem Bewegungsmelder und einem etwas groß geratenen Katzenklo auf solch einen Betrag kommen kann. Aber ich bin auch kein Berliner.)

Ich glaube übrigens nicht, daß es nur Merkel war. Die war nur der fleischgewordene Ausdruck dieses Zeitgeistes. Der Weltgeist im Hosenanzug, frei nach Hegeln.



Nachtrag. (Auch wenn ich die Mahnung einen Posten höher zur Kenntnis genommen habe.) Aber das hier fällt mir erst jetzt auf:

Zitat von Tagesspiegel
Die menschlichen Fäkalien werden dann nach Eberswalde gebracht, wo man versucht, durch Kompostierung aus den Hinterlassenschaften einen „Superdünger“ herzustellen.



"Nachterde." 倒夜香。Frühmorgens eingesammelt von Kulis. Wir werden uns nämlich, wenn die Entwicklung durchgezogen werden sollte, nicht mehr leisten können, die Haber-Bosch-Konverter zur Produktion von Stickstoffdünger laufen zu lassen. Nicht nur, weil niemand mehr die Energie bezahlen kann, sondern weil sie schlicht nicht mehr zur Verfügung steht. Und keine Devisen, ihn im Ausland einzukaufen.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.006

01.04.2023 02:47
#15 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #12
Inflation ist auch ein Treiber von wirtschaftlicher Dynamik, es genügt eben nicht mein Geld auf einem Sparkonto vergammeln zu lassen, ich muss es investieren, um es gegen Inflation abzusichern. Auch die gesellschaftliche Dynamik nimmt zu, ein verschuldeter Mensch kann sich langsam entschulden, ein vermögender Mensch kann sich nicht nur auf seinem Reichtum ausruhen.


Nein, das hört man oft, halte ich aber für Unsinn. Was wirtschaftliche Dynamik treibt ist eine Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung, die jeder haben will. Und in dem Fall ist Inflation irgendwo zwischen irrelevant (falls man was anbietet, was schlecht substituierbar ist und man schnell die Preise anpassen kann) und extrem schädlich (wenn man bspw. langfristig ein Produkt für einen Markt entwickelt, den es dann aufgrund von Wohlstandsverwerfungen vielleicht nicht mehr gibt).

Die einzige Dynamik, die durch Inflation entsteht, ist die selbe, die wir jetzt nach der Gelddruckerei-Orgie schon gesehen haben: Es entstehen Zombie-Unternehmen, die auf dem Markt eigentlich nichts mehr verloren haben und Investment-Bubbles, die dann irgendwann zusammenkrachen, wenn alle feststellen dass da nix dahinter ist ausser Geldflucht in Unternehmensanteile. Haben wir jetzt in den letzten 20 Jahren auch schon oft genug erlebt.

Ich kann überhaupt nicht sehen, in wie fern eine Geldentwertung irgendeinen positiven Effekt hätte. Und wenn man mal ein bisschen darüber nachdenkt, merkt man auch sofort, wie unlogisch das wäre. Da geht nur Vertrauen und Planungssicherheit verloren. Menschen sind keine Roboter, die zur Bank rennen und blöde Kredite aufnehmen wenn sie billig sind, sondern in erster Linie Individuen, die Risiko vermeiden wollen.

Zitat von Llarian im Beitrag #12
Das ist ein Totschlagargument und auch historisch nicht richtig. In den siebziger Jahren war die Inflation zwar noch nicht so hoch wie 2022, aber doch im deutlich oberen einstelligen Bereich. Und das waren politisch absolut stabile Zeiten.


Damals war es aber eben noch so, dass die Inflation ein Problem war, das die BRD ertragen konnte. Das bedeutet nicht, dass es nicht schädlich war; es war nur ohne große Verwerfungen überlebbar. Genauso wie die aktuelle Inflation in den meisten anderen Ländern ein Problem ist, das in 10 Jahren niemanden mehr interessiert. Das geht jetzt eben nicht mehr, weil Deutschland sich noch 200 andere Klötze ans Bein gebunden hat.

F.Alfonzo Offline



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01.04.2023 02:50
#16 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #13
PS. Ich möchte auch darum bitten einmal gepostete Beiträge nicht wieder abzuändern (mal ab vielleicht von einem kleinen Typo). Danke.


Nachdem vermutlich ich damit gemeint bin: Jo, ich mache das öfter, sorry... ich achte aber darauf, dass die Kernaussage nicht verändert wird. Manchmal fallen mir noch 1-2 Sätze ein, die nachgetragen werden müssen. Ich kann das aber gerne in Zukunft markieren oder als edit hinzufügen, damit das ganze halbwegs zitierfähig bleibt...

Llarian Offline



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01.04.2023 03:27
#17 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #14
Sehen so die Klohäuschen der Zukunft aus? Für 1,7 Millionen Euro testet Berlin 24 Toiletten, die ohne Strom und Wasser auskommen.

Das macht ja auch unbedingt Sinn, da Wasser ja in Deutschland ein unglaublich knappes Gut ist. Wenn es nicht gerade vom Himmel fällt. Man erinnert sich kafkaesk an die Aussage erinnert: Wenn die Sozialisten in der Wüste regieren würden, dann wird der Sand knapp.

Zitat
Der Staatssekretär lobte: „Gerade Corona hat uns gezeigt, dass öffentliche Toiletten ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge sind.“ Im Rahmen eines einjährigen Pilotprojektes der Senatsumweltverwaltung erhält jeder Berliner Bezirk nun zwei der autarken Toiletten.


Irgendwie gibt es eine grüne Besessenheit mit Toiletten. Das muss mal irgendein Psychologie-Doktorant untersuchen, aber irgendwas ist da irgendwie sehr, sehr seltsam.

Zitat
Ich glaube übrigens nicht, daß es nur Merkel war. Die war nur der fleischgewordene Ausdruck dieses Zeitgeistes. Der Weltgeist im Hosenanzug, frei nach Hegeln.


Das kommt vielleicht in meinen Beiträgen nicht so rüber: Ich halte Merkel zwar für einen Verbrecher erster Kajüte, aber sie ist nur eine Person. Und genauso wie andere berühmte Personen der deutschen Geschichte viel Schaden angerichtet haben, so ist das System Merkel das eigentliche Problem. Walter Ulbricht (um nicht schon wieder den österreichischen Kunstmaler zu bemühen) hat nicht hunderte Menschen ermorden und Millionen einsperren können, wenn er nicht ein ganzes System von Leuten gehabt hätte, die hinter ihm standen. Und das System Merkel ist nach wie vor an der Macht, es heißt jetzt nur Scholz.

Llarian Offline



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01.04.2023 03:50
#18 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #15
Nein, das hört man oft, halte ich aber für Unsinn. Was wirtschaftliche Dynamik treibt ist eine Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung, die jeder haben will. Und in dem Fall ist Inflation irgendwo zwischen irrelevant (falls man was anbietet, was schlecht substituierbar ist und man schnell die Preise anpassen kann) und extrem schädlich (wenn man bspw. langfristig ein Produkt für einen Markt entwickelt, den es dann aufgrund von Wohlstandsverwerfungen vielleicht nicht mehr gibt).

Das ist nur ein Treiber von wirtschaftlicher Dynamik, es gibt diverse. Und wie eben die japanische Deflation zeigt, ist Inflation keinesfalls so negativ, wie Sie sie empfinden. Sie müssen zwar nicht, aber ihr Beitrag geht nicht auf das Argument ein, sondern setzt nur eine andere Behauptung daneben, die mit dem Argument nichts zu tun hat.

Zitat
Die einzige Dynamik, die durch Inflation entsteht, ist die selbe, die wir jetzt nach der Gelddruckerei-Orgie schon gesehen haben: Es entstehen Zombie-Unternehmen, die auf dem Markt eigentlich nichts mehr verloren haben und Investment-Bubbles, die dann irgendwann zusammenkrachen, wenn alle feststellen dass da nix dahinter ist ausser Geldflucht in Unternehmensanteile. Haben wir jetzt in den letzten 20 Jahren auch schon oft genug erlebt.


Das ist in seiner Absolutheit sicher falsch. Die heutigen Zombieunternehmen existieren nicht aufgrund der Inflation sondern aufgrund der aberwitzig niedrigen Zinsen, die gerade einer Inflation entgegen stehen. Aber die sind staatlich angeordnet. In Zeiten großer Inflation steigen die Zinsen normalerweise deutlich an und in der Folge sind es gerade die wirtschaftlich schwachen Unternehmen, die daran zugrunde gehen. Mithin ist Inflation in diesem Falle ein Reiniger des Marktes. In Zeiten von Nullinflation können Zombieunternehmen aufgrund der niedrigen Zinsen deutlich besser überleben. Das Problem in Deutschland ist, dass man die einen Auswirkungen der Inflation (Abtragung der Staatsschulden) gerne hingenommen hat, aber die für den Staat negativen, für den Markt aber wichtigen Effekte, verboten hat.

Zitat
Ich kann überhaupt nicht sehen, in wie fern eine Geldentwertung irgendeinen positiven Effekt hätte. Und wenn man mal ein bisschen darüber nachdenkt, merkt man auch sofort, wie unlogisch das wäre.


Einige Vorteile habe ich Ihnen genannt: Der Geldbesitzer ist gezwungen sein Geld zu investieren und die existierenden Reichtumsstrukturen sind deutlich weniger verknöchert. Es reicht eben nicht auf seinem Geld zu sitzen. Das kann man auch leicht daran ersehen, wenn man Geld als eine Form von Kapital betrachtet. Maschinen, im Unterschied zu Geld, verfallen. Genauso wie Werkhallen, Werkzeuge, Fahrzeuge, etc. pp. Deswegen muss der Investor das physische Kapital arbeiten lassen. Und das tut er auch. Bei Geld, das nicht inflationiert, ist dieser Effekt nicht vorhanden. Und mithin ist der Druck es einzusetzen, deutlich geringer, als wenn der Wert des Geldes verfällt.

Zitat
Menschen sind keine Roboter, die zur Bank rennen und blöde Kredite aufnehmen wenn sie billig sind, sondern in erster Linie Individuen, die Risiko vermeiden wollen.


Genau! Und das ist exakt der Punkt. Sie vermeiden das Risiko, wenn sie können. Das ist aber volkswirtschaftlich kein Vorteil. Wenn der Millionär auf seinem Bankkonto sitzt, dann hat da kaum jemand etwas davon. Muss er das Geld aber investieren, so schafft er Mehrwert. Auf die physikalische Welt übertragen: Wir haben nix von einem Kran der rumsteht. Oder einem Feld das keinen Ertrag bringt. Aber sehr viel von einem Kran der eingesetzt wird und einem Feld, das bestellt wird.

Zitat
Damals war es aber eben noch so, dass die Inflation ein Problem war, das die BRD ertragen konnte. Das bedeutet nicht, dass es nicht schädlich war;


Und noch weniger bedeutet es, dass es nicht nützlich war. Das lässt sich so nicht ableiten, aber der Indikator sagt uns, dass selbst eine jahrelange, deutliche Inflation das Wachstum nicht verhindert hat. Natürlich kann man sich immer hinstellen und argumentieren, es wäre noch viel größer gewesen, wenn nicht. Aber das ist in sich völlig unbeweisbar und damit argumentativ nicht weiter führend.

F.Alfonzo Offline



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01.04.2023 04:54
#19 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #18
In Zeiten großer Inflation steigen die Zinsen normalerweise deutlich an und in der Folge sind es gerade die wirtschaftlich schwachen Unternehmen, die daran zugrunde gehen.


Verwechseln Sie da nicht Ursache und Wirkung? Die Geldmenge, im Verhältnis zum ökonomischen Output, ist der Inflationstreiber schlechthin.
Das ist ein wesentlich stärkerer Treiber als alle Markteffekte, und die EZB hat jetzt 10 Jahre lang Geld rausgeballert, als gäbe es kein Morgen mehr. Inkl. Strafzinsen für Banken, die es wagen auf dem Geld sitzenzubleiben, anstatt es in Form fauler Kredite rauszuhauen. Was wird da wohl das Ergebnis sein? Damit wird jederlei Quatsch finanziert, der die Inflation treibt, aber keinerlei Nutzen hat.

Zitat von Llarian im Beitrag #18
Das kann man auch leicht daran ersehen, wenn man Geld als eine Form von Kapital betrachtet. Maschinen, im Unterschied zu Geld, verfallen. Genauso wie Werkhallen, Werkzeuge, Fahrzeuge, etc. pp. Deswegen muss der Investor das physische Kapital arbeiten lassen.


Ich betrachte "Kapital" ausschließlich im volkswirtschaftlichen Sinne, d.h. Produktionskapital. Fiat-Geld ist irrelevant für eine Volkswirtschaft, wir können auch mit bunten Muscheln bezahlen, wenn die als klein-teilbares Tauschmittel akzeptiert würden.
Aber Sie haben einen guten Punkt gebracht: Welche Kriterien entscheiden denn darüber, ob ein Unternehmer eine Fabrikhalle baut um irgendeinen Kram zu produzieren? Das Produktionskapital ist es nicht, da kann man nämlich gut abschätzen, wie die Abnutzung läuft, wann man Ersatz beschaffen muss, usw. Die große Unbekannte ist der Absatzmarkt, und da möchte ein Unternehmer i.d.R. möglichst wenig Chaos über den Abschreibungszeitraum seiner Maschinerie, weil alles andere die Planung erschwert und das Risiko erhöht.

Zitat von Llarian im Beitrag #18
Wenn der Millionär auf seinem Bankkonto sitzt, dann hat da kaum jemand etwas davon. Muss er das Geld aber investieren, so schafft er Mehrwert.


Ich hab's vielleicht zu flapsig ausgedrückt:
Menschen sind Risikominimierer, nicht Geldrausschmeisser. D.h. ein Unternehmer wird auch zu hohem Zinssatz einen Kredit aufnehmen, wenn er was vernünftiges damit anzustellen weiss, oder zumindest vermutet, dass er damit nicht auf die Nase fällt. Und genauso wird er nicht investieren, wenn er keinen Absatzmarkt sieht, nur weil Geld gerade billig zu bekommen ist.
Da steckt immer dieser Gedanke dahinter, dass man Geld nur billig genug zur Verfügung stellen muss und dann auf einmal der Wirtschaftsaufschwung kommt. Man zeige mir mal, wann das nachhaltig (und nicht nur als Bubble) funktioniert hätte.

Johanes Offline




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01.04.2023 09:44
#20 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #8
Der Rest (inkl. der deutschen Bundesregierung) kämpft zurecht mit Klauen und Zähnen dagegen, dass die Automobilindustrie zerstört wird.


Das widerlegt meines Erachtens den deutschen Mastermind.

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #9
Deutschland hat zum x-ten Mal seit der Episode "Nachrüstung Pershing" klargestellt, daß es kein sicherer Bündnispartner ist, weder für "den Westen" allgemein noch für die Anrainer, und das Ziel über die nächstem 5 - 10 Jahre wird sein, solche Abhängigkeiten so weit wie möglich abzubauen und neue gar nicht erst entstehen zu lassen.


Ich glaube, uns allen hier ist doch klar, dass es eine Sache gibt, die Deutschland nicht mehr und nie wieder sein will: eine Militärmacht.
Dagegen gibt es wirklich sowohl im gemeinen Volk als auch in der Elite als auch im Kulturleben bis hin zu den wirklichen Entscheidungsträgern starke Vorbehalte. Einzelne Ausnahmen wie FJ Strauß mal abgesehen.

Diese Eigentümlichkeit sollte man den Deutschen schon nachsehen können.

Zitat von Llarian im Beitrag #10
Aber ich denke schon, dass der negative Einfluß der letzten deutschen Regierung auf die EU recht massiv gewesen ist.


Ich würde es so formulieren wollen: Die deutsche Volkswirtschaft finanziert "zivilgesellschaftliche Initiativen" (und NGOs), deren Einfluss zumindest kontrovers zu beurteilen ist.
Die Bundesregierung selbst kontrolliert aber die EU nicht.

Zitat von Llarian
Und noch weniger gegen die Realität.



Ich wünschte ich hätte in dieser Beziehung Ihren Optimismus.

Das Thema ist nicht leicht zu erschöpfen, aber in dem Fall genügt: Selbst eine 100% Änderung der Rechtssprechung käme erst sehr langsam in Bewegung.

Zitat von Llarian
Es ist kein Geheimnis warum und wieso er ernannt wurde.



Wir leben nicht in den USA.
Die Urteile spricht ein Spruchkörper. Zudem hat jeder Verfassungsrichter sehr viele wissenschaftliche Mitarbeiter, Helfer und es gibt sicherlich genügend Leute, die gerne helfen würden.
Zur Not muss man ja nur aus einer politisch gut gestellten Publikation im jur. Fachgebreich abschreiben.

Zitat von Llarian
Das ist ein gewaltiges Problem.



Das ist jetzt sehr weit von verdi usw. weg.

Fakt ist: Mit dieser Idee schaffen Sie eine Anreizstruktur, in der es für die Politiker sinnvoller ist, eine Politik für Gerichte zu machen (sie könnten ja potenziell angeklagt werden) als für ihre Wähler.
Wenn die Ex-Kanzlerin jetzt wegen der Eurorettung (oder 2015) in den Knast wandern würde, dann wäre das für einige Leute vielleicht emotional befriedigend, aber es würde alle Nachfolger sehr hellhörig werden lassen.

Damit würden Sie vor allen Dingen zwei Wirkungen haben: (a) Die Anhänger der Ex-Kanzlerin würden auf die Barrikaden gehen und (b) es würde ein erbitterter politischer Streit ausbrechen, wer das Gericht kontrolliert.

Sorry, die politische Immunität mag abstrakt gesehen eine dämliche Idee sein, aber sie hat eine historische Bedeutung. Ihre Abschaffung würde den Charakter unseres Systems ändern müssen. Zumidest in eine Art Präsidential- oder Direktoralsystem.

Zitat von Llarian im Beitrag #12
Dem steht aber auch gegenüber das eine Deflation noch viel verheerendere Folgen haben kann (schönen Gruß aus Japan).


Eine niedrige Geldmengenausweitung ist, meiner Meinung nach, wegen des technischen Fortschritts notwendig. Sonst entsteht ein Deflationseffekt, weil Produkte günstiger werden, Rohstoffquellen erschloßen werden und effizienter verwendet werden usw.

Zitat
Wenn dagegen die Inflation bei null Prozent liegt und trotzdem keiner genug verdient um sein Essen zu bezahlen, dann wirds lustig.



Für mich Horror.

Johanes Offline




Beiträge: 2.421

01.04.2023 10:00
#21 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #14
Ich glaube übrigens nicht, daß es nur Merkel war. Die war nur der fleischgewordene Ausdruck dieses Zeitgeistes.




Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #15
Ich kann überhaupt nicht sehen, in wie fern eine Geldentwertung irgendeinen positiven Effekt hätte.


Begrenzt ja.

Nehmen wir Fernseher. Nehmen wir an, Sie wollen sich einen neuen Fernseher kaufen. Die neuste Generation hat eine supertolle Auflösung, ist Energiesparend und verfügt über diverse Extras. Jetzt wissen Sie aber, dass im Herbst die Hersteller wieder eine neuere Generation vorstellen, die noch besser sein soll. Hat zwei Konsequenzen. Wenn Sie ein besseres Produkt wollen, dann warten Sie lieber bis Herbst. Falls Sie dagegen günstig einen TV brauchen, dann warten Sie ebenfalls, weil die älteren Modelle dann voraussichtlich billiger werden.

Haben viele Leute dieses Kalkül geht es den Supermärkten und Online-Händlern schlecht und die geben das wiederum an die Hersteller weiter usw.usf.
Eine geringe Inflation wird da als abhilfe empfohlen.

Zitat von F.Alfonzo
Das geht jetzt eben nicht mehr, weil Deutschland sich noch 200 andere Klötze ans Bein gebunden hat.



Ich weiß nicht, ob das so speziell deutsch ist.

Ich höre Meldungen aus China, wo die Regierung die negativen Entwicklug vertuschen will, aus den USA usw.usf.

Es sieht nach einer Weltwirtschaftskrise aus.

Zitat von Llarian im Beitrag #18
Und wie eben die japanische Deflation zeigt, ist Inflation keinesfalls so negativ, wie Sie sie empfinden.


Abenomics hat positive Erfahrungen mit Geldentwertung gemacht. Das hilft aber mE in erster Linie der Exportwirtschaft. Den Binnenkonsum macht es schwächer.

Zitat von Llarian im Beitrag #18
Wenn der Millionär auf seinem Bankkonto sitzt, dann hat da kaum jemand etwas davon.


Und die Bank tzt nichts mit dem Geld?

"Die Wissenschaft ist außer Reichweite der Moral, denn ihre Augen sind auf ewige Wahrheiten geheftet." ~ Oscar Wilde

Llarian Offline



Beiträge: 6.920

01.04.2023 15:31
#22 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #20
Ich würde es so formulieren wollen: Die deutsche Volkswirtschaft finanziert "zivilgesellschaftliche Initiativen" (und NGOs), deren Einfluss zumindest kontrovers zu beurteilen ist.

Über welche Bande die Regierung spielt ist nicht wirklich wichtig, entscheidend ist welche Ziele sie verfolgt und durchsetzt. Ob das über NGOs passiert oder Brüssel macht ja keinen großen Unterschied im Ergebnis. Entscheidend ist, dass die Bundesregierung extrem negative Ziele angestrebt und durchgesetzt hat.

Zitat
Das Thema ist nicht leicht zu erschöpfen, aber in dem Fall genügt: Selbst eine 100% Änderung der Rechtssprechung käme erst sehr langsam in Bewegung.


Sie unterstellen mir Optimismus, wo es eigentlich eher Realismus oder Fatalismus ist. Die Not kennt keine Gesetze außer der Not. Die Rechtssprechung wird, wenn die Not groß wird, schlicht überrollt. Warum ist Hitler, ein Mann von dem man durchaus wusste, dass er auf Rechtsstaat, Ethik und Demokratie pfeift, 33 an die Macht gewählt worden? Doch nicht weil die Deutschen alle unbedingt Verbrecher werden wollten. Das hat viel mit der Not der Situation zu tun. Und die Situation ist beileibe nicht einmalig. Ohne zu arrogant zu wirken, aber die meisten Deutschen haben echte Not noch nie gesehen und können sich auch nicht vorstellen wie es sein könnte, wenn echte Not ausbricht. Ich für meinen Teil habe Not gesehen, weil ich eben nicht nur Deutschland kenne. Und ich weiß manchmal nicht wovor ich mehr Angst haben soll, vor der grünen Diktatur, oder vor dem was kommt, wenn die Republik auf dem Weg dorthin zusammen bricht. Denn beides ist alles andere als lustig.

Zitat
Fakt ist: Mit dieser Idee schaffen Sie eine Anreizstruktur, in der es für die Politiker sinnvoller ist, eine Politik für Gerichte zu machen (sie könnten ja potenziell angeklagt werden) als für ihre Wähler.


Zur Zeit machen Politiker Politik für ihre Ideologie und die Presse. Das ist noch deutlich schlimmer. Und ja, natürlich sollen Politiker auch Politik für Gerichte machen. Sie sollen nichts illegales tun. Das tu ich auch nicht. Und Millionen von Arbeitnehmern, Managern und Selbstständigen auch nicht. Denn wir können alle angeklagt werden, wenn wir uns nicht an Gesetze halten. Es gibt keinen, so wirklich gar keinen Grund, Politiker davon auszunehmen.

Zitat
Wenn die Ex-Kanzlerin jetzt wegen der Eurorettung (oder 2015) in den Knast wandern würde, dann wäre das für einige Leute vielleicht emotional befriedigend, aber es würde alle Nachfolger sehr hellhörig werden lassen.


Hoffentlich. Das ist ja Sinn und Zweck der Übung. Es geht doch am Ende nicht darum ob die Alte in einem Altersheim oder einem Knast verschimmelt. Sie ist auf ganzer Linie gescheitert und die Zukunft zeigt das von ganz alleine. Ob sie jetzt wirklich eingesperrt wird ist am Ende dem Land völlig schnuppe. Aber es muss eben darum gehen, dass solche Dinge in Zukunft verhindert werden, die Abschreckungswirkung ist deutlich wichtiger als die Vergeltung. Die Frau ist ohnehin alt, sie hat 20 Jahre ihre Macht genossen und soviel Schaden angerichtet, dass selbst wenn sie jetzt die selben 20 im Knast säße, das nichts ausgleichen oder vergelten würde. Erich Honnecker hätte in dem Sinne auch nie für seine Taten zahlen können, entscheidend ist, dass man die Taten verurteilt.

Zitat
Damit würden Sie vor allen Dingen zwei Wirkungen haben: (a) Die Anhänger der Ex-Kanzlerin würden auf die Barrikaden gehen


Das sollen die nur tun. Und mit Schimpf und Schande von eben jenen gejagt werden. Es hätte uns auch nicht interessiert was Honneckers Anhänger gedacht hätten, wenn wir ihn eingesperrt hätten, was interessiert die Meinung von Totalitarismus-Fans? Die sollen auf die Barrikaden gehen und ihr Gesicht mal ordentlich zeigen. Nur bezweifele ich am Ende das das so viele sein werden. Merkel hat mit Macht und Angst regiert, und sie verbreitet durch ihre Netzwerke noch heute diese Macht. Ist diese aber einmal gebrochen, eben weil sie vor Gericht steht, wird sich ein guter Teil nicht mehr daran erinnern sie auch nur gekannt zu haben. In Distanz zu Corona und den ganzen Spätfolgen der Pfizer-Suppe sieht man auch, wie viele plötzlich damit alles nichts mehr zu tun haben wollen. Schröder war zu seiner Zeit ein sehr beliebter Politiker in der SPD. Heute bekennt sich nahezu keiner mehr zu ihm.

Zitat
und (b) es würde ein erbitterter politischer Streit ausbrechen, wer das Gericht kontrolliert.


Ein echter Grund die Justiz endlich aus den Händen der Politik zu nehmen. Aber ich sehe das Problem. Nur ist das für mich kein Grund Politiker über das Gesetz zu stellen. Insbesondere übrigens auch deshalb, weil dieses Manko von vorneherein existiert: Die AfD wird permanent von der Justiz verfolgt. Die deutsche Politik nutzt die Justiz nämlich durchaus zur Verfolgung Andersdenkender. Nur die Kamorra selber nimmt sich aus. So gesehen ist der Missstand sogar noch größer, denn die derzeitige Immunität schützt nur die Mehrheit vor der Haftung. Nicht aber die Minderheit.

Zitat
Sorry, die politische Immunität mag abstrakt gesehen eine dämliche Idee sein, aber sie hat eine historische Bedeutung. Ihre Abschaffung würde den Charakter unseres Systems ändern müssen.


Wenn ein System keine Verantwortung kennt, dann ist das gut, es zu ändern. Und es geht am Ende nicht wirklich um Politik. Die Energiewende beispielsweise, ein totaler Irrsinn und gesellschaftlicher Selbstmord, ist am Ende eine politische Entscheidung gewesen. Und dafür kann man niemanden anklagen. Leider. Aber Merkel hat wiederholt, nicht einmal, sondern vielfach, die Gesetze der BRD gebrochen, von der Sicherung der Grenzen über die Etablierung nicht gesetzlicher Staatsorgane bis zur Durchsetzung verfassungswidriger Rechtsnormen. Das ist etwas gänzlich anderes.

Zitat
Eine niedrige Geldmengenausweitung ist, meiner Meinung nach, wegen des technischen Fortschritts notwendig. Sonst entsteht ein Deflationseffekt, weil Produkte günstiger werden, Rohstoffquellen erschloßen werden und effizienter verwendet werden usw.


Genau so sehe ich das auch. Ich rede ja keiner Inflation von 10 oder 20 Prozent das Wort. Aber eine Inflation von wenigen Prozent ist durchaus volkswirtschaftlich nicht ungesund.

Zitat
Für mich Horror.


Aber auf diesen Horror steuern wir zu. Das muss man sich absolut klar machen: Die Energienot wird über die nächsten Jahre noch deutlich dramatischer werden, mit dem Abschwung der deutschen Industrie werden viele Güter sehr viel teurer und unerschwinglich werden. Wir reden über Wohlstandsverluste im mittleren einstelligen Bereich. Pro Jahr. Wenn wir 10 Jahren grün regiert werden, dann sinkt unser Wohlstand um ein lockeres Drittel. Und das bedeutet Frieren, Wohnungsnot, Armut und am Ende sogar Hunger. Es gibt Dutzende Beispiele von dieser Entwicklung. Venezuela ist das jüngste, das war mal das reichste Land Südamerikas. Und heute hungern die Leute. Das ist die grüne Zukunft. Natürlich ist das der Horror.

PS. Und bevor mir wieder unterstellt wird, ich würde permanent schwarz malen: Man darf sich gerne mal die Mühe machen und meine Prognosen der letzten Jahre betrachten. Denn das, was heute passiert, was im letzten Jahr passiert ist, die Inflation, die Reallohnverluste, die Energienot, die Kosten für die grünen Projekt ala Flüchtlingsparty, habe ich allesamt ziemlich genau vorher gesagt. Und das war keine besondere Leistung, denn das entspricht ziemlich trivialen Zusammenhängen. Das, was die Regierung nur derzeit zusammen braut, wird weitere Wohlstandsverluste im dreistelligen Milliardenbereich nach sich ziehen. Die Not kommt, wenn diese Regierung an der Macht bleibt. Politisch bin ich schlecht in Vorhersagen, aber wirtschaftlich liege ich ziemlich gut.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.564

01.04.2023 15:53
#23 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #20

Ich glaube, uns allen hier ist doch klar, dass es eine Sache gibt, die Deutschland nicht mehr und nie wieder sein will: eine Militärmacht.
Dagegen gibt es wirklich sowohl im gemeinen Volk als auch in der Elite als auch im Kulturleben bis hin zu den wirklichen Entscheidungsträgern starke Vorbehalte. Einzelne Ausnahmen wie FJ Strauß mal abgesehen.

Diese Eigentümlichkeit sollte man den Deutschen schon nachsehen können.


Darum ging es aber in beiden Fällen überhaupt nicht. Sondern darum, ein verlässlicher Partner im Rahmen des westlichen Verteidigungsbündnisses zu sein und den Verpflichtungen nachzukommen, die sich daraus ergeben. Bei der Nachrüstung war DE ja einzig als Stationierungsort involviert (zu einem Zeitpunkt, an dem seit Jahrzehnten hunderte taktischer Atomssprengköpfe im Land stationiert waren, ohne daß diese Tatsache einen Konensationskern für eine Protestbewegung abgegeben hätte - das war der Grund, warum hinter der Friedensbewegung eine Moskauer Initiative vermutet worden ist). Die Unterstüzung der Statioierung der Pershing 2 hat Schmidt die Kanzlerschaft und drei Monate später den Parteivorsitz gekostet.

Der NATO-Doppelbeschluß war die Antwort auf die Stationierung der SS-20 im Osten, um eine ausreichende Zweitschlagskapazität zu haben, falls es zum Äußersten kommen sollte. Nicht zum Ersteinsatz. Die Version der Friedensorganisierer war. daß allein schon die Aussicht darauf auf eine solche Erhöhung Auslöser für den Ostblock sein würde, um im Vorfeld auf den roten Knopf zu drücken, um dem zuvorzukommen. Die Realität es Gleichgewichts des Schreckens, das über Jahrzehnte gut funktioniert hatte, kam in dieser Sicht überhaupt nicht vor. Und genau dieser alte Pawlow'sche Reflex funktioniert immer noch zuverlässig, wie wir im vorigen Jahr gesehen haben: wenn wir Marder schicken, wird uns Russland mit Atombomben..., wenn wir Gepard schicken...



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Nobster Offline




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01.04.2023 17:51
#24 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #23
Die Unterstüzung der Statioierung der Pershing 2 hat Schmidt die Kanzlerschaft und drei Monate später den Parteivorsitz gekostet.

Ich frage mich ja, wie man auf solche Aussagen kommt ... Das mit der Kanzlerschaft ist ja eine gern verbreitete Legende, da konnte Schmidt in noch so vielen Interviews darauf hinweisen, dass das Lambsdorff-Papier die Ursache war. Aber Parteivorsitz? Und dann genau drei Monate? Damit gaukelt man doch vor, dass man genau unterrichtet ist.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.564

01.04.2023 18:43
#25 RE: Verdi und der Reallohn Antworten

Schmidt hat den Parteivorsitz Mitte Dezember 1982 eingebüßt. Die Staffelübergabe an Kohl ("noch habe ich hier in diesem Haus das Rederecht!" bei seiner letzten Rede) war in der ersten Oktoberwoche.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

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