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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 6 Antworten
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Marian Wirth Offline



Beiträge: 60

21.01.2008 23:38
Pipeline Cements Russia's Hold on Europe's Gas Supply Antworten

Offenbar haben sich die Bulgaren schon wunderbar eingelebt in der EU:

Pipeline Cements Russia’s Hold on Europe’s Gas Supply, New York Times vom 19. Januar 2008

Zitat von Pipeline Cements Russia's Hold on Europe's Gas Supply
Russia strengthened its grip on Europe’s energy supplies on Friday as it signed a major gas deal with Bulgaria that analysts said would further undermine the European Union’s attempts to diversify its energy sources.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

23.01.2008 17:47
#2 RE: Pipeline Cements Russia's Hold on Europe's Gas Supply Antworten

Lieber Marian,

solche Meldungen gehören eigentlich auf die Titelseiten der Zeitungen.

Früher nannte man das "Geopolitik"; vielleicht auch heute noch. Sozusagen als Subtext zu den politischen Auseinandersetzungen entwickeln sich Abhängigkeiten und Machtverhältnisse, die solange im Hintergrund bleiben, wie es keinen offenen Konflikt gibt.

Und dann, schwupps, gibt es einmal einen großen Krach zwischen Rußland und der EU - und die russische Diplomatie weist kühl darauf hin, daß man auch die Öl- und Gaslieferungn a bisserl drosseln oder auch aussetzen könnte.

Daß Schröder diese Politik, Deutschland an Rußland zu binden, betrieben hat, war ja aus seiner Sicht rational; er wollte eine neue Großmacht Europa unter deutsch-französischer Führung, gegen die USA gerichtet und mit den Russen verbündet.

Aber jetzt sollte eigentlich die deutsche Regierung etwas mehr auf das achten, was sich da zusammenbraut.

Herzlich, Zettel

Marian Wirth Offline



Beiträge: 60

23.01.2008 21:02
#3 RE: Pipeline Cements Russia's Hold on Europe's Gas Supply Antworten

Lieber Zettel,

das heißt immer noch Geopolitik. Und es gibt so viele amerikanische, offen zugängliche Quellen (aller politischen Richtungen), dass es schwer ist, den Überblick zu behalten.

Bis die Tage,

Marian

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

23.01.2008 22:22
#4 Geopolitik Antworten

Zitat von Marian Wirth
das heißt immer noch Geopolitik. Und es gibt so viele amerikanische, offen zugängliche Quellen (aller politischen Richtungen), dass es schwer ist, den Überblick zu behalten.

Soso. Ich hatte eigentlich gedacht, daß das Wort durch Haushofer und Konsorten a bisserl diskreditiert sei.

Im Amerikanischen wird es offenbar als Fremdwort aus dem Deutschen verwendet und, jedenfalls in der Wikipedia, auch nur auf deutsche einschlägige Bestrebungen bezogen.

"Geopolitics" allerdings -, ja, lieber Marian, das ist ein geläufiger Begriff. Aber was machen wir Deutschen? Solle wir, wenn wir nicht diese historischen Bestrebungen meinen, auch im Deutschen das englische "geopolitics" verwenden? Oder sollen wir in aller Unschuld von "Geopolitik" sprechen?

Etwas verunsichert, aber herzlich wie immer,

Zettel

Marian Wirth Offline



Beiträge: 60

23.01.2008 23:39
#5 Geopolitik, Geopolitics, Politische Geographie Antworten

Oje, da habe ich mich also aus Unwissenheit politisch unkorrekt ausgedrückt . Aber: die Amis sind schuld. Ich kann doch nichts dafür, dass die dauernd was von geopolitics erzählen. And by geopolitical, I mean an approach that pays attention to the requirements of equilibrium, um das mal mit Kissinger zu sagen (ja, das Zitat ist aus der Wikipedia).

Da könnte man ja gleich schon wieder einen Essay drüber schreiben: "Wie die Deutschen, in dem Bestreben, eine einseitige Auslegung eines Begriffes vergessen zu machen, gleich ein ganzes Fachgebiet in die Tonne kloppten" (oder so ähnlich; ist nur ein Arbeitstitel ).

Den Alternativbegriff "Politische Geographie" habe ich hingegen überhaupt noch nie gehört. Bei der ZEIT erziele ich mit dem Begriff "Geopolitik" 102 Treffer - und bereits 1995 hat Rudolf Walther ebendort pikiert, ja geradezu angewidert festgestellt, dass dieser "alte Begriff erneut Karriere" mache.

Was dabei heraus kommt, wenn man mit einem anderen Land einen Pipeline-Deal abschließt, ohne mal vorher einen Blick auf die Karte zu werfen, hat uns ja der Gazpromi vorgemacht. Nee, dann lieber politisch unkorrekte Geopolitik studieren - und dazu Sendungen wie "Mit offenen Karten" auf ARTE gucken.

Nach dem Grundsatz "Versäume nie eine Gelegenheit, einen ZEIT-Redakteur auf die Palme zu bringen" entschließe ich mich jetzt einfach dazu, weiterhin "Geopolitik" zu sagen. Aber wenn Sie damit Probleme haben, dürfen Sie, qua Ungnade der zu frühen Geburt, das Ganze "politische Geographie" nennen.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

24.01.2008 16:52
#6 Deutsche Befindlichkeit, deutsche Schwierigkeiten Antworten
Zitat von Marian Wirth
Da könnte man ja gleich schon wieder einen Essay drüber schreiben: "Wie die Deutschen, in dem Bestreben, eine einseitige Auslegung eines Begriffes vergessen zu machen, gleich ein ganzes Fachgebiet in die Tonne kloppten"

Ja, das sollte man mal, lieber Marian.

Es würde aber wohl eher nicht ein Essay daraus, sondern eine Monographie. Vielleicht eine Habilitationsschrift, wäre das nicht ein Thema?

Es ist ja nicht nur bei der Geopolitik so, sondern zum Beispiel bei der Genetik, der Zwillingsforschung.

Gebiete der, sagen wir, öffentlichen Ethik, sind immer noch von der Nazizeit belastet. Denken Sie nur an die Absurdität, daß es in Deutschland zwar nicht schwer und in vielen Fällen straffrei ist, einen Embryo abzutreiben, der als Frühgeburt hochgepäppelt werden würde; daß aber die Forschung an Stammzellen mit dem Argument der absoluten Schutzwürdigkeit "des Lebens" streng verboten ist!

Oder nehmen Sie - ein ganz anderes Gebiet - die deutsche Singularität, daß es im demokratischen Spektrum keine rechte Partei gibt! Dieses Spektrum hört bei uns in der "Mitte" auf, dann kommt eine große weiße Fläche, und dann kommen die "Nazis". Die absurderweise auch noch oft "die Rechten" genannt werden, obwohl es kaum einen größeren Gegensatz gibt als zwischen rechten und nazistischen politischen Auffassungen; die Nazis waren ja mindestens ebenso Links- wie Rechtsextremisten.



Man könnte das fortsetzen, lieber Marian. Wie es bewerten?

Ich tue mich da schwer. Viele dieser Reaktionen auf die Nazi-Verbrechen waren ja nach 1945 bitter nötig. Sie scheinen sich dann irgendwie verselbständigt zu haben. Was einmal eine historische Funktion hatte, eine wichtige, scheint immer mehr zu so etwas wie eine Dauerhaltung zu werden; ein Mehltau, der sich über das öffentliche Nachdenken legt.

Bis hin zu der Multikulti-Ideologie. Weil die Nazis xenophob waren, galt bei uns die Xenophilie sozusagen die einzig anständige Haltung. Daß man die mit der Einwanderung verbundenen Probleme nüchtern betrachten sollte, wie man das in jedem Einwanderungsland tut, wurde schon als eine nachgerade "faschistische" Einstellung gebrandmarkt.

Und das Dollste, lieber Marian: Viele haben ja sozusagen aus der Last der Vergangenheit eine Lust gemacht.

Entweder, indem sie masochistisch Aggressionen auf ihre eigene deutsche Identität richten - sie wollen am liebsten gar keine Deutschen sein, konstruieren sich eine deutsche Geschichte zurecht, die aus einer Serie von Katastrophen und Verbrechen besteht, sozusagen alles nur das Vorspiel zum Nazismus.

Oder, indem sie ein dialektisches Salto schlagen - "gerade wir Deutschen mit unserer Geschichte" sollen angeblich berufen sein, für den Schutz des Lebens, für einen vorbildlichen Umgang mit Einwanderern das weltweite Vorbild abzugeben, für den Umweltschutz usw. "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen": Da ist es wieder, wie die Sonne sozusagen auf der einen Seite, der rechten, untergegangen, und auf der anderen, der linken wieder aufgegangen.

Die Geopolitik ist nur eine kleine Fußnote zu diesem Thema, lieber Marian. Aber es ist eben schon bezeichnend, daß die Seltsamkeiten der deutschen Befindlichkeit bis zu solchen Wörtern reichen.

Vielleicht sollte ich mal einen Blogbeitrag zu diesem Thema schreiben; mal sehen.

Herzlich, Zettel
Sparrowhawk ( Gast )
Beiträge:

24.01.2008 17:35
#7 RE: Deutsche Befindlichkeit, deutsche Schwierigkeiten Antworten

Tja, das ist wohl wahr... warum aber gerade "wir Deutschen mit unserer Geschichte" wieder Extremisten ins Parlament wählen... ach nein, was links ist, ist ja nucht rechts und damit automatisch gut.... oder wie ein Freund von mir mal sagte "links ist besser als rechts"... das allerdings glaube ich nun weniger.

 Sprung  



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