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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 10 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.02.2008 05:25
Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Ungefähr die Hälfte der Deutschen wählen links von der Mitte, ungefähr die Hälfte rechts von der Mitte. Ungefähr so sollten sich auch die Sympathien für die verbliebenen vier aussichtsreichen Kandidaten für die US-Präsidentschaft verteilen.

In "Welt Online" gibt es dazu eine Abstimmung. Da die "Welt" eher rechts als links steht, werden doch vermutlich mehr ihrer Leser einen der beiden konservativen als einen der beiden linken Kandidaten in den USA bevorzugen?

Hm. Sehen Sie sich das momentane Ergebnis einmal an.

M.Schneider Offline



Beiträge: 672

05.02.2008 13:06
#2 RE: Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Lieber Zettel

Es würde mich wirklich wundern, wenn mehr als 10% der Wähler auf dieser online Seite die amerikanischen Kandidaten wirklich zuordnen könnten.

Ich glaube da wird nur geplappert. Obama weil er ein Schwarzer ist, und es muss doch auch mal einen farbigen Präsidenten geben, oder Clinton weil sie eine Frau ist und auch mal eine Frau Präsident werden soll (besonders wo man hier doch Bush laufend ablehnt und sich mit ihr das Gegenteil des wüsten Kriegstreibers ergibt) und sonstige blöde Gründe.

Herzlich M.Schneider

Wullenwever Offline



Beiträge: 27

05.02.2008 13:37
#3 RE: Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Ich stimme sowohl meinem Vorredner als auch Ihnen zu, Zettel. Die Positionen schließen sich ja nicht aus.
Man muss den Medien den erheblichen Vorwurf machen, nicht annähernd objektiv über die Präsidentschaftskandidaten zu berichten, ebenso, wie sie bisher auch nicht objektiv über die amerikanische Gesellschaft berichtet haben. Ich widerspreche Ihnen aber, dass dies mit Kategorien wie "links" und "rechts" vereinbar ist.

Schon bei der Wahl Kerry-Bush hatte es in Deutschland ein erhebliches Missverhältnis in der Wahrnehmung der Kandidaten gegeben. Auch streng konservative Freunde von mir waren für Kerry, ganz ohne jedes Hintergrundwissen. Es ging um eine Anpassung der amerikanischen Führung an die deutschen Gegebenheiten. Denn aus deutscher Brille wirken die "liberals", die, man muss es ja immer wieder sagen, linken Kandidaten der Demokraten ganz außerordentlich vertraut: Einführung eines staatlichen Gesundheitssystems, Keynesianische Geisteshaltung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, starkes Government, Appeasement in der Außenpolitik, "Diplomatie" auf den Rängen der Vereinten Nationen, Abtreibungsbefürworter, etc. etc.

Es sind nicht nur die Medien; unsere ganze Gesellschaft ist in diesem Zusammenhang besehen "links".

Trotzdem verhalten sich die Leser der WELT bei der Auswahl der Kandidaten nicht so, wie sie sich in Deutschland verhalten würden, hätten sie die Wahl. Sie ignorieren völlig, dass 1. auch innenpolitische Gründe und nicht nur Terror, Irak und Iran für die Amerikaner bei der Wahl ihres Präsidenten eine Rolle spielen und 2. sind sie immer auch von der Haltung der amerikanischen Demokraten, denen man das "Linkssein" ja gar nicht ansieht, weil sie ungewohnterweise dennoch Patrioten und im Zweifel gar Freunde ihres Militärs sind, geblendet.

Die deutschen Medien hätten eigentlich die Verantwortung, dem entgegenzuwirken. Deutlich zu machen, dass die Maßstäbe andere sind. Dass die Amerikaner im Gegensatz zu den Deutschen eine reale internationale Bedrohung bei ihrer Wahlentscheidung berücksichtigen müssen. Denn wenn die Amerikaner wie damals bei Kerry schon wieder nicht den von allen Deutschen befürworteten Kandidaten wählen und stattdessen einem Republikaner den Vorzug geben, dann ist doch völlig klar, was passieren wird: Die Deutschen werfen es den Amerikanern (ausgerechnet!) vor, eine dämliche Demokratie zu sein, die schon wieder den Hardliner gewählt hat, anstatt des sympathischen Obama oder wenigstens Hillary.

Gestreute Gerüchte über nicht funktionierende Wahlmaschinen werden dann in Deutschland wieder zu Wahlfälschungen hochgebauscht, und am Ende stehen die Deutschen wieder gleichsam verständnislos wie arrogant den USA gegenüber. So schafft man Anti-Amerikanismus.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.02.2008 13:39
#4 RE: Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Lieber M. Schneider

Zitat von M.Schneider
Es würde mich wirklich wundern, wenn mehr als 10% der Wähler auf dieser online Seite die amerikanischen Kandidaten wirklich zuordnen könnten. Ich glaube da wird nur geplappert.

Kann gut sein. Nur müssen sie ja ihre Kenntnisse dieser Kandidaten irgendwo herhaben. Und das ist eben die einseitige Berichterstattung der meisten Medien.

Heute morgen berichteten zwei Redakteure des "Morgenmagazins" aus den USA über den Super Tuesday. Der Redakteurin Anne Gesthuysen schien auch aufgefallen zu sein, daß mehr über Clinton und Obama als über McCain und Romney berichtet wird. Jedenfalls sagte sie einleitend zu ihrem Bericht sinngemäß: In Europa interessieren wir uns ja mehr für die Kandidaten der Demokratischen Partei.

Nur, warum? Ist die ehemalige First Lady wirklich journalistisch so viel interessanter als John McCain, der jahrelang Gefangener in Nordvietnam gewesen ist? Der sich weigerte, entlassen zu werden, wenn nicht auch seine Kameraden freikommen?

Ist sie wirklich journalistisch interessanter als Mitt Romney, Sohn von George Romney, der auch einmal ein Presidential Hopeful gewesen ist (ich entsinne mich, daß er sogar einmal auf dem Titel von Time Magazine gewesen ist); ein Mormone und Multimillionär?

Nein, lieber M. Schneider. Ich fürchte, daß die Mehrzahl der deutschen Journalisten schlicht mehr Sympathie für Clinton und Obama hat als für Romney und McCain; von Huckabee ganz zu schweigen.

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.02.2008 14:06
#5 RE: Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Lieber Wullenwever,

Zitat von Wullenwever
Schon bei der Wahl Kerry-Bush hatte es in Deutschland ein erhebliches Missverhältnis in der Wahrnehmung der Kandidaten gegeben. Auch streng konservative Freunde von mir waren für Kerry, ganz ohne jedes Hintergrundwissen. Es ging um eine Anpassung der amerikanischen Führung an die deutschen Gegebenheiten. Denn aus deutscher Brille wirken die "liberals", die, man muss es ja immer wieder sagen, linken Kandidaten der Demokraten ganz außerordentlich vertraut: Einführung eines staatlichen Gesundheitssystems, Keynesianische Geisteshaltung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, starkes Government, Appeasement in der Außenpolitik, "Diplomatie" auf den Rängen der Vereinten Nationen, Abtreibungsbefürworter, etc. etc.

Das stimmt. Nur - sollte es nicht gerade deshalb die Aufgabe der Medien sein, über die vom europäischen Mainstream so abweichenden Konservativen ausführlich zu berichten? Sie sind doch - ich habe das gerade in meiner Antwort an M. Schneider geschrieben - journalistisch mindestens genauso interessant, wenn nicht interessanter.

McCain hat das Hauptproblem, daß er für die amerikanischen Konservativen nicht konservativ genug ist. Vielen gilt er als verkappter Demokrat; er wird ja auch sowohl von der NYT als auch von der LAT unterstützt. Innerhalb des deutschen Koordinatensystems wäre er ein Erzkonservativer.

Das ist doch spannend, das müßte doch einen Journalisten reizen, der informieren und nicht beeinflussen will?
Zitat von Wullenwever
Es sind nicht nur die Medien; unsere ganze Gesellschaft ist in diesem Zusammenhang besehen "links".

Ja. Und ich habe den Eindruck, daß sie immer weiter nach links rückt. Über die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn hätte man in der alten Bundesrepublik den Kopf geschüttelt. Selbst die Gewerkschaften hätten das damals empört als einen Eingriff in die Tarifautonomie zurückgewiesen.

Oder, anderes Beispiel: Daß dieser Marburger Bürgermeister planen kann, alle Bürger dazu zu zwingen, auf ihr Dach eine Solaranalage zu setzen, ohne daß das bundesweit Empörung auslöst, das ist auch ein sehr illustrativer Fall.
Zitat von Wullenwever
... Haltung der amerikanischen Demokraten, denen man das "Linkssein" ja gar nicht ansieht, weil sie ungewohnterweise dennoch Patrioten und im Zweifel gar Freunde ihres Militärs sind ....

Auch da Zustimmung. Clinton und Obama stünden, würden sie ihre Meinungen in Deutschland vertreten, in manchen Punkten rechts von der CDU. Obama hat zum Beispiel, wenn ich mich recht entsinne, die Sorge geäußert, unter Clintons Gesundheits-Modell könnten Leute Leistungen in Anspruch nehmen, ohne angemessen eingezahlt zu haben!
Zitat von Wullenwever
Die deutschen Medien hätten eigentlich die Verantwortung, dem entgegenzuwirken. Deutlich zu machen, dass die Maßstäbe andere sind. Dass die Amerikaner im Gegensatz zu den Deutschen eine reale internationale Bedrohung bei ihrer Wahlentscheidung berücksichtigen müssen.

So ist es. Und daß sie eine ganz andere Tradition haben, in der die Selbstverantwortung immer im Mittelpunkt stand; in der der Staat nicht als Supernanny, sondern als notwendiges Übel gilt.
Zitat von Wullenwever
Denn wenn die Amerikaner wie damals bei Kerry schon wieder nicht den von allen Deutschen befürworteten Kandidaten wählen und stattdessen einem Republikaner den Vorzug geben, dann ist doch völlig klar, was passieren wird: Die Deutschen werfen es den Amerikanern (ausgerechnet!) vor, eine dämliche Demokratie zu sein, die schon wieder den Hardliner gewählt hat, anstatt des sympathischen Obama oder wenigstens Hillary.

McCaine würde kein besseres Image verpaßt bekommen als jetzt Bush.
Zitat von Wullenwever
Gestreute Gerüchte über nicht funktionierende Wahlmaschinen werden dann in Deutschland wieder zu Wahlfälschungen hochgebauscht, und am Ende stehen die Deutschen wieder gleichsam verständnislos wie arrogant den USA gegenüber. So schafft man Anti-Amerikanismus.

Ich muß Ihnen in allem zustimmen, lieber Wullenwever. "Muß" deshalb, weil eine Diskussion ja spannender ist, wenn man unterschiedlicher Meinung ist.

Aber als ich in Ihrem Blog den McCain-Button gesehen habe, da habe ich ja schon Schlimmes geahnt.

Herzlich, Zettel

Wullenwever Offline



Beiträge: 27

05.02.2008 22:51
#6 RE: Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Kontinuierlich in der Übereinstimmung, lieber Zettel. Aber das eine oder andere Detail wird uns schon noch unterschiedliche Bewertungen bescheren, da bin ich mir sicher. Klopfe hier wieder an, wenn es soweit ist.

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

06.02.2008 16:51
#7 RE: Marginalie: Eine informative "Abstimmung" antworten

Ich glaube Sie, Zettel, und Sie, M. Schneider haben beide recht.

Ja, die deutsche Gesellschaft ist linksliberaler eingestellt als die amerikanische.

Ja, deutsche Medien und Journalisten sind weiter links eingestellt als ... ja, als was?

Es gibt ebenso linke Journalisten in den USA - und da wohl deutsche Journalisten nur diese kontaktieren, verstärkt ihre Einstellung. Sie fahren einmal von NYC nach Washington mit einem Kurzabstecher nach Californien und gelten dann als Amerikaexperten.

Nein, deutsche Journalisten stehen weiter links als die Gesamtheit der US-Gesellschaft, was wiederum damit zusammenhängt, daß eben die deutsche Gesellschaft weiter links steht als die amerikanische.

Es wirken hier beide Elemente zusammen.

Der Vorwurf an die deutschen Medien ist dennoch berechtigt, denn man möchte meinen, daß Medien auch eine gewisse aufklärerische Funktion hätten, daß sie nicht nur nicht verbreiteten Vorurteilen nicht nur verstärken sondern ihnen sogar entgegenwirken. In anderen Bereichen tun sie das ja auch bzw. geben vor, das zu tun.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

06.02.2008 22:45
#8 Sollen die Medien Vorurteilen entgegenwirken? antworten

Zitat von str1977
Der Vorwurf an die deutschen Medien ist dennoch berechtigt, denn man möchte meinen, daß Medien auch eine gewisse aufklärerische Funktion hätten, daß sie nicht nur nicht verbreiteten Vorurteilen nicht nur verstärken sondern ihnen sogar entgegenwirken.

Ich denke, lieber str1977, sie sollten weder das eine noch das andere tun.

Auch Vorurteilen entgegenzuwirken ist nicht die Aufgabe der Medien.

Sie sind doch, die Journalisten, Dienstleister, die wir bezahlen. Sie sind keine Volkspädagogen, sie sind keine Erzieher, sie haben erst recht keine Agitprop zu betreiben.

Wenn jemand sich volkspädagogisch betätigen will, bitte. Aber dann für sein eigenes Geld. Und nicht für unsere Gebühren, nicht für das, was wir als Konsumenten für eine Zeitung oder Zeitschrift bezahlen.

Wenn ich Vorurteile habe, ist das meine Sache. Ich bezahle doch Journalisten nicht dafür, sie mir auszutreiben!

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

11.02.2008 02:16
#9 Aktuelle Ergänzung: Und auch FAZ.Net ... antworten

....wird offenbar überwiegend von Linken gelesen. In einer ähnlichen Abstimmung entscheiden sich im Augenblick 69 Prozent für einen der beiden linken Kandidaten und ganze 14 Prozent für McCain. 17 Prozent ist es egal, wer nächster US-Präsident wird.

Und unter denen, die für einen der beiden linken Kandidaten sind, ziehen 47 Prozent Obama vor; nur 22 Prozent Hillary Clinton.

Was mögen sie bisher über Obama gelesen haben?

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

16.02.2008 20:05
#10 Weitere Aktualisierung antworten

Zitat von Zettel
In einer ähnlichen Abstimmung entscheiden sich im Augenblick 69 Prozent für einen der beiden linken Kandidaten und ganze 14 Prozent für McCain. 17 Prozent ist es egal, wer nächster US-Präsident wird. Und unter denen, die für einen der beiden linken Kandidaten sind, ziehen 47 Prozent Obama vor; nur 22 Prozent Hillary Clinton.

Inzwischen hat in der Umfrage der FAZ Obama mit 50,21 Prozent die absolute Mehrheit erreicht. Clinton liegt bei 19,65 Prozent, McCain bei 14,05 Prozent. Egal ist es 16,09 Prozent.

Das basiert auf inzwischen 24006 abgegebenen Stimmen.

C. Offline




Beiträge: 2.639

16.02.2008 20:13
#11 RE: Weitere Aktualisierung antworten

Sollte es in den USA nicht zum Präsidenten reichen, wäre zumindest ein Recycling Obamas zum Kanzlerkandidaten der SPD zu erwägen. Hier hat er mit Sicherheit größere Chancen als bei den bornierten Amis. Wir sollten ihm allerdings schnell das Angebot überbringen, bevor es der derzeitige Publikumsliebling Erdogan ihm wegschnappt.

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