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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 75 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
Rayson Offline




Beiträge: 2.367

05.05.2009 14:19
#26 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

In Antwort auf:
PeterCoyote, indem er ihn regelmäßig mit der "FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda" ärgert, verlangt ihm den Preis dafür ab.


Das also ist "rationale Diskussion"? Staun

--
L'État, c'est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s'efforce de vivre aux dépens de tout le monde. (Frédéric Bastiat)

Kallias Offline




Beiträge: 2.203

05.05.2009 14:28
#27 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Zitat von Rayson
In Antwort auf:
PeterCoyote, indem er ihn regelmäßig mit der "FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda" ärgert, verlangt ihm den Preis dafür ab.

Das also ist "rationale Diskussion"? Staun
Aber nein. Während andere Kommentatoren noch meinen, man könnte mit Zettel ernsthaft über Angela Merkel diskutieren, hat PeterCoyote verstanden, daß das unmöglich ist, und seine Folgerung daraus gezogen. So deute ich das.

Gruß,
Kallias

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.05.2009 14:30
#28 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Zitat von Hajo
Nun, dieses Zitat von "fembio" erscheint mir dann doch etwas arg rührselig um der Wahrheit letzter Schluss zu sein. Ist es nicht genau so eine Interpretation von biographischen Daten, nur eben diesmal wohlwollend ausgelegt anstatt migünstig?

Vielleicht, lieber Hajo. Jedenfalls werden dort die Fakten aus den publizierten Biografien zusammengestellt.

Wenn jemand Hinweise darauf kennt, daß Merkel dem Kommunismus positiv gegenüberstand oder daß sie jemals irgendwo Agitation oder Propaganda für das DDR-System oder den Kommunismus betrieben hat, dann möge er seine Quellen nennen.

Das Unschöne an dieser Diffamierungskamagne ist, lieber Hajo, daß sie mit eine Bezeichnung ("Sekretärin für Agitation und Propaganda") operiert, unter der sich der Westdeutsche etwas völlig anderes vorstellt, als es der DDR-Realität entsprach. Jede kleine Gliederung der FDJ - Califax hat es ja beschrieben - guckte so jemanden aus, der dann eben die Termine für die Veranstaltungen machte und dergleichen. Es ist ein typisches Beispiel für die hochtrabenden Bezeichnungen, wie sie in der DDR üblich waren.

Oder vielleicht überhaupt in der Arbeiterbewegung. Ich habe das seinerzeit schon geschrieben, als wir diese Diskussion führten: Auch ich war in einem SPD-Ortsverein "Bildungsobmann", ohne jemals etwas für die Bildung zu tun. Meine einzige Aufgabe war es, die Pressemitteilungen des Ortsvereins zu verfassen; über eine wieder einmal sehr gelungene Maifeier, oder daß ein neunzigjähriger Genosse geehrt wurde.

Der andere Punkt, lieber Hajo, dessentwegen ich mich da immer wieder zu Wort melde, ist diese Haltung von Wessis, die meinen, es DDR-Bürgern moralisch und/oder politisch ankreiden zu können, daß sie sich halt dem System angepaßt haben. Merkel hat das Minimum dessen getan, was erforderlich war, um in Ruhe leben und arbeiten zu können. Sie war weder in der SED, noch hat sie an der Jugendweihe teilgenommen. Aber sie ist halt in der FDJ gewesen, wie nahezu alle.

Es läuft da eine miese unterschwellige Propaganda, die mich an die Propaganda seinerzeit gegen Willy Brandt erinnert. Dieser war "keiner von uns", weil er den Stallgeruch des Emigranten hatte. Merkel ist "keine von uns", weil sie kommunistischen Stallgeruch hat.

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.05.2009 15:06
#29 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Zitat von Kallias
Während andere Kommentatoren noch meinen, man könnte mit Zettel ernsthaft über Angela Merkel diskutieren, hat PeterCoyote verstanden, daß das unmöglich ist, und seine Folgerung daraus gezogen. So deute ich das.

Ei, auf!, wie wir Hessen sagen.

Versuchen Sie's doch erst einmal, lieber Kallias, mit mir rational über Angela Merkels Vergangenheit zu diskutieren. Sagen Sie, was Sie über ihre kommunistischen Verstrickungen wissen, nennen Sie die Quellen. Vielleicht wissen Sie ja, anders als ich, wo und wann sie Agitation betrieben hat, und Propaganda.

Ich verspreche Ihnen, das wird eine Diskussion - rationaler geht's nicht. Kühl bis ins Herz hinan.

Herzlich, Zettel

Eltov Offline




Beiträge: 152

05.05.2009 15:16
#30 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Genau dieses Einprügeln auf Strohpuppen wie die von ihnen angesprochenen Esoteriker sorgt doch nur dafür die Diskussion auf Schenkelklopferniveau herunter zu ziehen - das mag durchaus seinen Reiz haben, man sollte dann aber nicht hingehen und ernsthafte Themen damit vermischen.

Die weiterhin von ihnen angesprochenen Punkte mögen auf einen Teil zutreffen, ich habe aber den Verdacht das wir es hier mit Scheinkorrelationen zu tun haben: Die Angst vor Mobilfunkmasten z.B. ist erstens nicht auf das Grüne Milieu beschränkt, dafür aber auf den ländlichen Raum. Ich habe mein bisheriges Leben in Großstädten verbracht und bin dort kein einziges Mal damit belästigt worden. Das Grüne in der Regel keinerlei Ahnung von Statistik haben ist genau so richtig wie nichtssagend: Niemand versteht Statistik, Statistiker *vielleicht* ausgenommen. Zu Impfmüdigkeit und Bioprodukten schreibe ich evtl heute Abend noch etwas.

Hajo Offline



Beiträge: 440

05.05.2009 15:47
#31 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Ich habe mich möglicherweise nicht klar genug ausgedrückt, was ich jetzt nachholen möchte. Es ging mir in erster Linie darum zu fragen, und zwar vor dem Hintergrund, daß über ihre tatsächliche Tätigkeit, ihre tatsächlichen Gedanken und Einstellungen quasi nichts außer ein paar Zeilen Biographie bekannt ist, ob positive wie negative Interpretation da nicht gleichermaßen reine Kaffeesatzleserei sind, die ganz maßgeblich davon abhängt, in welchem Kontext man sie stellen möchte. Ich denke eben nicht, daß Fembio eine andere Faktenbasis zur Verfügung hatte als jene, die Frau Merkel gerne das Fell mit ihrer Vergangenheit gerben würden.

Ich bin selbst an sich niemand, der anderen ihr systemkonformes Verhalten vorwirft, denn, Gott sei Dank, ich bin selbst nie in die Verlegenheit gekommen gegen ein System aufstehen zu müssen oder auch nur zu wollen, weswegen ich mich da mit Vorwürfen an andere sehr bedeckt halte. Etwas anderes ist es jedoch, und an eben diesem Punkt muß ich dann doch wieder auf die Kaffeesatzleserei im negativen Kontext zurückkommen, wenn etwa Frau Merkel markige Sprüche an eine Generation adressiert, die ebenso nicht aufgestanden ist, gegen ein zweifelhaftes System. Und ja: An dieser Stelle mangelt es mir dann selbst einmal ein wenig an Neutralität. Wenn ich anderen etwas vorwerfe, dann darf genau dieses Arrangement, von Unterstützung will ich gar nicht reden, nicht Teil meiner eigenen Biographie sein.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.05.2009 16:01
#32 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Lieber Hajo,

ich stimme Ihnen weitgehend zu. Nur eine kurze Anmerkung und eine Frage:

Zitat von Hajo
Es ging mir in erster Linie darum zu fragen, und zwar vor dem Hintergrund, daß über ihre tatsächliche Tätigkeit, ihre tatsächlichen Gedanken und Einstellungen quasi nichts außer ein paar Zeilen Biographie bekannt ist, ob positive wie negative Interpretation da nicht gleichermaßen reine Kaffeesatzleserei sind

Es gibt da aber keine Symmetrie. Wenn ich über jemanden nichts weiß, dann darf ich über ihn sagen: Sie sind ein anständiger Mensch. Aber ich darf nicht über ihn sagen: Sie sind ein Verbrecher. Vorwürfe müssen belegt werden; wenn man nichts vorwirft, braucht man das auch nicht zu belegen
Zitat von Hajo
Etwas anderes ist es jedoch, und an eben diesem Punkt muß ich dann doch wieder auf die Kaffeesatzleserei im negativen Kontext zurückkommen, wenn etwa Frau Merkel markige Sprüche an eine Generation adressiert, die ebenso nicht aufgestanden ist, gegen ein zweifelhaftes System.

Könnten Sie das bitte konkretisieren?

Herzlich, Zettel

Hajo Offline



Beiträge: 440

05.05.2009 16:22
#33 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten
Nunja, Frau Merkel bedient sich gerne der bundesrepublikanischen Geschichtsinterpretation, dernach eine gewisse Generation selbst die Schuld an Krieg und Verwüstung hatte, weil sie sich nicht gegen ein Unrechtsregime zur Wehr gesetzt hat, was als Argumentation zwar etwas grenzwertig, aber trotzdem statthaft ist, solange man selbst nicht überführt worden ist, sich mit einem anderen Unrechtsregime, wie Sie die DDR ja selbst gerne bezeichnen, ebenfalls arrangiert zu haben.

Wie kann ich den Bürgern des Dritten Reichs vorwerfen, ihren Frieden mit Rechtlosigkeit und Diktatur gemacht zu haben, wenn meine eigene Biographie da ebenso wenig ein positives Beispiel, wenn auch in anderem Kontext, ist?

Haftungsausschluß: Es geht mir hier weniger darum zwei verschiedene Diktaturen auf dt. Bodem zu vergleichen, was ich sicherlich nicht in einem Nebensatz machen würde, sondern um das Verhalten von Menschen in solchen Systemen.
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.05.2009 17:04
#34 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Zitat von Hajo
Nunja, Frau Merkel bedient sich gerne der bundesrepublikanischen Geschichtsinterpretation, dernach eine gewisse Generation selbst die Schuld an Krieg und Verwüstung hatte, weil sie sich nicht gegen ein Unrechtsregime zur Wehr gesetzt hat

Hat das Angela Merkel wirklich gesagt?

Ich habe es jedenfalls nicht gelesen. Und wenn ich es gelesen hätte, lieber Hajo, dann hätte ich es mir gemerkt. Denn ich halte diese Kollektivschuld-These erstens für abwegig, und ich kann mir nach allem, was ich von der Kanzlerin weiß, zweitens nicht vorstellten, daß sie sie vertritt. (Daß wir Deutschen aufgrund der Verbrechen der Nazis eine besondere Verantwortung haben, zum Beispiel gegenüber den überlebenden Opfern der Judenverfolgung und ihren Angehörigen, ist eine ganz andere Frage).

Falls Sie den Beleg für das, was Sie zitieren, noch finden können, lieber Hajo, dann wäre ich Ihnen dafür wirklich dankbar. Es würde mein Bild von Angela Merkel erheblich verändern.

Herzlich, Zettel

Hajo Offline



Beiträge: 440

05.05.2009 18:04
#35 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Zitat von Zettel
Hat das Angela Merkel wirklich gesagt?


Explizit: Nein.

Implizit läßt es sich an jeder Äußerung zu den entsprechenden Vorgängen ablesen.

Jetzt kommen Sie mir wahrscheinlich mit der Unschuldsvermutung im Zusammenhang mit Implikationen, wie?

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.05.2009 18:50
#36 RE: Angela Merkel in der DDR Antworten

Zitat von Hajo
Zitat von Zettel
Hat das Angela Merkel wirklich gesagt?

Explizit: Nein.
Implizit läßt es sich an jeder Äußerung zu den entsprechenden Vorgängen ablesen.
Jetzt kommen Sie mir wahrscheinlich mit der Unschuldsvermutung im Zusammenhang mit Implikationen, wie?

Nein, lieber Hajo. Mir scheint, sie hat es nicht gesagt, weil es nicht ihre Meinung ist. Übrigens wird die Meinung von der Kollektivschuld ja kaum noch von jemandem vertreten.

Als "impliziten" Inhalt kann man natürlich Beliebiges in jede Äußerung hineinlesen oder hineininterpretieren. Die Diskussion vor einiger Zeit mit MomoRulez und seinen linken Mitstreitern, die ich am Anfang des Artikels verlinkt habe, liefert ein instruktives Beispiel. Da habe ich wirklich gestaunt, was ich nach deren Meinung "implizit" alles behauptet haben sollte!

Herzlich, Zettel

Llarian Offline



Beiträge: 4.751

05.05.2009 18:55
#37 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Zitat von Eltov
Das Grüne in der Regel keinerlei Ahnung von Statistik haben ist genau so richtig wie nichtssagend: Niemand versteht Statistik, Statistiker *vielleicht* ausgenommen.

Kann man so nicht sagen, ich bin kein Statistiker und verstehe trotzdem eine ganze Menge davon. Die Grundprinzipien der Statistik kann man eigentlich mit weniger als 100 Stunden durchaus aufnehmen (die normale "kleine" Statistik Vorlesung ist in der Regel auch nur 14x2 Stunden).

Dennoch meine ich, dass das Nichtverständnis einer Sache nicht das primäre Problem ist. Das Problem ist die Arroganz dabei und damit schliesst sich der Kreis zum Vorhergesagten. Es ist keine Schande etwas nicht zu wissen, bei den wenigsten reicht es zum Universalgenie, aber was eben typisch für die linke (und grüne) Denke ist, ist ein absolut festes und vermeintlich informiertes Weltbild. Das Grüne in der Regel keine Ahnung von Statistik haben (es sei dahingestellt ob das so stimmt) wäre kein Problem, Problem ist nur, dass es sie nicht daran hindert ohne jedwelches Wissen Aussagen über die Welt zu machen. Und das mit einer Felsenfestigkeit, die einem Angst und Bange machen muss.

Dem zugrunde liegt genau das, was schon Zettel im Aufhänger geschrieben hat, es ist ein Weltbild, dass durch gegenseitige Zustimmung entsteht und nicht durch Faktenbasis.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.05.2009 19:36
#38 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Zitat von Llarian
Dem zugrunde liegt genau das, was schon Zettel im Aufhänger geschrieben hat, es ist ein Weltbild, dass durch gegenseitige Zustimmung entsteht und nicht durch Faktenbasis.

Das, lieber Llarian, ist, glaube ich, ein zentraler Punkt.

Falls es so etwas wie charakterliche Übereinstimmung zwischen vielen (vielleicht den meisten) Linken geben sollte, dann ist es nach meiner Erfahrung die Neigung zum Sozialen - nicht primär im Sinn des Helfens, sondern im Sinn der Kommunikation.

Es sind oft Menschen mit einer hohen sozialen Intelligenz; sie merken schnell, wie in einer Gruppe die Stimmung ist, und passen sich dem an. Sie beziehen ihr Weltwissen mehr aus sozialer Kommunikation als aus Büchern, dem Internet oder gar eigener Erfahrung. Was "man" denkt und fühlt, darauf vertrauen sie.

Das war bei den klassischen Kleinbürgern genauso. Flaubert hat das wunderbar karikiert im Anhang zu "Bouvard et Pécuchet", dem Dictionnaire des idées reçus, zu Deutsch Wörterbuch der Klischees (ich habe aber auch schon die Übersetzung "Lexikon der empfangenen Ideen" gelesen ).

Oder anders gesagt, lieber Llarian (wenn ich mal a bisserl pro domo sprechen darf), was zB dieses Forum kennzeichnet - daß (fast) jeder sich zu (fast) jedem Thema erst mal seine eigene Meinung überlegt -, das ist diesen Kleinbürgern ein Greuel: Man hat diejenige Meinung, von der man wittert, daß die anderen sie auch haben. (Was übrigens auch zu dieser Wortkillerei führt; "Schweinegrippe" ist das jüngste Opfer; nur ja nix Falsches sagen).

Herzlich, Zettel

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

06.05.2009 09:42
#39 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten
Ein äusserst interessanter Artikel, lieber Zettel!

Der "linke Gutmensch", "Grünen-Wähler" und Weltverbesserer in der Tradition des Kleinbürgers. Ein Bild dass sich beim Lesen des Fadens mit all den genannten Beispielen nur bestätigt.

Für England gibt das Buch "Watching the English" eine Interpretation dieser und anderer Phänomene indem die Gesellschaft in Upper, Upper Middle, Middle-Middle, Lower Middle und Working Poor Klassen eingeteilt wird. Diese Klassen gibt es zwar nicht mehr offiziell, aber inoffiziell selbstredend schon. Die Autorin des Buches, eine Antropologin, betrachtet "The English" aus wissenschaftlicher Perspektive und findet eine Reihe Unterscheidungsmerkmale zwischen den Klassen.

Meiner eigenen Erfahrung nach ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Upper/Upper Middle und Middle-Middle die Haltung zum Leben. Die Upper Class hat wenig materielle Existenzängste und ist von starkem Selbstbewusstsein geprägt.

Die Middle-Middle grenzt sich mit allen erdenklichen Mitteln nach unten ab und hat panische Angst nach unten abrutschen zu können. Dennoch fehlt die Coolness, die Abgeklärtheit welche die Uppers auszeichnet.

Ich vermute, der von Ihnen skizzierte Kleinbürger ist in der Middle-Middle zu verorten. Abgrenzung nach unten: (Rot)Wein statt Bier, Toskana statt Ballermann, Birkenstock statt Tennissocken, Abitur statt Auto-Tuning, Obama, FAZ und TAZ statt BILD und politischem Desinteresse, Selbstverständnlich ist man gegen Kernkraft, rettet die Umwelt, das Klima und überhaupt.

Es fehlt im Gegensatz zur Upper-Middle an echter Weltläufigkeit, Stil dem Stil halber und nicht dem Abgrenzen halber, Zuversicht immer wieder mit neuen Herausforderungen positiv fertig zu werden. Uppers können auch Verhaltensweisen der Lowers an den Tag legen, wenn diese praktisch sind (im UK v.a. was die Pflege des Autos angeht) denn die Abgrenzung nach unten ergibt sich aus anderen Dingen.

Trifft so ein Erklärungsmuster auch für die Akademischen Kleinbürger zu?
----
(Nachtrag: Der "Kleinbürger" scheint für seinen relativen Wohlstand Dinge verantwortlich zu machen, die ausserhalb seiner Möglichkeiten liegen. Die Kleinbürgerakademiker profitieren massiv von der Bildungsfinanzierung durch andere Leute, von den STellen im Öffentlichen Dienst, etc. pp. - Dies unterscheidet ihn vom "Working Poor" der sich mehr schlecht als recht durchs leben schlägt und von den Uppers, die der Meinung sind, immer auf hohem Niveau zurechtzukommen. Es unterscheidet den Kleinbürgerakademiker auch vom Handwerker (Bäcker meinetwegen) der von einer Leistung lebt (Brot backen) die immer nachgefragt wird.)

Die Kleinbürger sind damit die Mittelschicht, die Antwort freier Märkte auf die "Soziale Frage", aber eben auch mit den von Zettel genannten Begleiterscheinungen

Ende Nachtrag)
neoliberaler ( gelöscht )
Beiträge:

06.05.2009 18:30
#40 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Was zeichnet diese Leute noch aus:

Neoliberal ist aquivalent mit allem schlechten auf der Welt.
Eignet sich ausgezeichnet als Totschlaginstrument.
Natürlich weiß man nicht, was Neoliberal wirklich bedeutet, aber das ist auch egal.

Und natürlich:

Yoga

Bionade trinken

Vollkorn

Strom von Greenpeace

Mitglied bei Greenpeace und Amnesty Intérnational

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

07.05.2009 16:24
#41 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Der hier sehr beliebte Spiegel-Politologe Franz Walter hat sich geäussert und nennt das, was Zettel den "Akademischen Kleinbürger" nennt, einen "verstörten Wesenzug des bundesdeutschen Postmaterialisten".

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...,623422,00.html

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

07.05.2009 16:50
#42 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Zitat von Dagny
Der hier sehr beliebte Spiegel-Politologe Franz Walter hat sich geäussert und nennt das, was Zettel den "Akademischen Kleinbürger" nennt, einen "verstörten Wesenzug des bundesdeutschen Postmaterialisten".
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...,623422,00.html
Ja, ich habe das auch gesehen, liebe Dagny. Na, da bin ich aber in schlechter Gesellschaft.

Nur irrt Walter, wenn er meint, er beschreibe die Anhängerschaft der Partei "Die Grünen". Dieses Milieu ist links, aber nicht parteigebunden. Man wählt entweder die SPD, oder die Grünen, oder die Kommunisten.

Und andererseits hat jede dieser drei Parteien auch Wählergruppen, die nicht zu diesem Milieu gehören: Die SPD natürlich ihre klassische Wählerschaft, die "Kleinen Leute". Die Grünen das ursprüngliche grüne Milieu - Studenten, Arbeitslose, Biobauern usw. Und die Kommunisten im Osten ihre alte Klientel aus der Nomenklatura, im Westen ihre ebenfalls alte Klientel der radikalen Arbeiter und Intellektuellen.

Es geht nicht um eine Partei, sondern es geht um ein soziales Phänomen: Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens angesiedelt sind, die also allen Grund hätten, mit dem Kapitalismus zufrieden zu sein, die sich aber zu allen den Annehmlichkeiten, die sie genießen, auch noch ein extragutes Gewissen leisten, indem sie - unverbindlich für sie, kostenlos ohnehin - für das Gute in der Welt eintreten.

Man wohnt gut, man ißt gut, man liest nur das Beste, man macht Urlaub nur in den schönsten Gegenden - da wird man doch bei der Moral und in der Politik nicht mit dem Zweitbesten zufrieden sein.

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

07.05.2009 18:14
#43 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Zitat von Eltov
Und das liegt nicht an deren "Blödheit" oder ihrem Abgrenzungsverhalten, sondern an ihrer starken Werteorientierung.

Was mich an diesem Milieu stört, lieber Eltov, ist gerade ein Mangel an Wertorientierung, wenn es um das eigene Verhalten geht. Die angebliche Wertorientierung ist so heuchlerisch, wie es die des klassischen Kleinbürgertums auch war; Doppelmoral nannte man das damals.

Mir hat zum Beispiel jemand aus diesem Milieu erzählt, wie man es schaffte, in Vietnam Urlaub zu machen (man kann es sich ja leisten), und wie nett doch eigentlich die Einheimischen bei all ihrer Armut waren.

"Eingeborenen" hat er nicht gesagt, aber vermutlich gemeint.

Herzlich, Zettel

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.883

07.05.2009 18:40
#44 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Zitat von Zettel
[Na, da bin ich aber in schlechter Gesellschaft.


Ich auch, sogar fast wortwörtlich

Zitat von Petz
Man fühlt sich berufen, zu allem eine Meinung zu haben die aber so äquidistant und relativierend ist, dass man damit keinen Staat machen kann. Ein Ja-aber-tum, wie es sich in den 70ern in dem unsterblichen Klassiker-Satz "Ich habe nichts gegen lange Haare wenn sie gepflegt sind"


Zitat von Walter
Geben sich Demoskopen und Sozialforscher auf Erhebungsreisen in die verschiedenen Lebenswelten der Republik und landen dann bei den Sympathisanten der Grünen, so machen sie die immergleiche Erfahrung: Deren Anhänger entscheiden sich bei der Beantwortung der vorgelegten Fragen nicht gern für "stimme voll zu" oder "stimme gar nicht zu". Sie lieben mehr als alle anderen Bevölkerungsteile die Antwort "teils-teils"


Aber immerhin zitiert er hier einen empirischen Befund, der meine These bestätigt, und zu meiner Ehrenrettung kann ich mich zumindest rühmen, eloquenter formuliert zu haben !

Zitat von Zettel
Man wohnt gut, man ißt gut, man liest nur das Beste, man macht Urlaub nur in den schönsten Gegenden - da wird man doch bei der Moral und in der Politik nicht mit dem Zweitbesten zufrieden sein.


Und das ist schon das nächste wahre Klischee: Unheilbares Besserwissertum! "Ach weißt Du, der Grand Canyon..da fahren ja nur die Touris hin! Richtig schön ist der Bryce Canyon!" Man fühlt sich dabei an den klassischen Rechtsspießer auf Prozentejagd erinnert ("ich kenn da einen, der kann Dir das 20% unter Listenpreis besorgen!"). Aber dabei immer schön ethisch korrekt bleiben.

Und Essen wird natürlich auch "weltoffen" genossen. Am liebsten asiatisch im Wok, da kann man nämlich alles aus dem "Kattus"-Sortiment zusammenpanschen, weil man sicher sein kann: Keiner wird sich trauen, zu sagen dass der Fraß ungenießbar ist.

Gruß Petz

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

07.05.2009 19:19
#45 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Wer wäre denn, mileautechnisch ein Gegenbeispiel zum Linken Klein- und Spiessbürger? Wer ist das "Grossbürgertum" heute?

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.883

07.05.2009 19:26
#46 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten
Zitat von Dagny
Wer wäre denn, mileautechnisch ein Gegenbeispiel zum Linken Klein- und Spiessbürger? Wer ist das "Grossbürgertum" heute?


Liebe Dagny, ich denke dass wir hier nicht von Milieus im klassischen soziologischen Sinne reden. Also eine Gruppe die nach Beruf, Einkommen oder sonstwas an Hard Facts dingfest zu machen ist. Es geht um Verhalten und Weltanschauungen.

Aber da Sie wie ich aus dem bayerischen Raum kommen: Ein typisches Beispiel des heutigen Großbürgertums ist für mich der Gäubodenbauer! Ein wohlsituierter, wertkonservativer Mensch mit traditionellem Hintergrund, der gleichzeitig für CSU oder FW im Stadtrat sitzt, eine beneidete aber trotzdem wohlgelittene Persönlichkeit, die eher anpackt als lamentiert und ein "Leben und Leben lassen" praktiziert.

Gruß Petz

Edit: Was das Lamentieren angeht ist natürlich das berufstypische Jammern der Bauern ausgenommen. Ich meine damit Lamentieren über den Zustand der Welt.
Rayson Offline




Beiträge: 2.367

08.05.2009 01:06
#47 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

In Antwort auf:
Man wohnt gut, man ißt gut, man liest nur das Beste, man macht Urlaub nur in den schönsten Gegenden - da wird man doch bei der Moral und in der Politik nicht mit dem Zweitbesten zufrieden sein.


Wenn man Bryan Caplan folgt, sind Wahlentscheidungen auch keine Entscheidungen aus objektivem Eigeninteresse, sondern vom subjektiven Wunsch beseelt, sich durch Entscheidung für das "Gute" wohl zu fühlen.

--
L'État, c'est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s'efforce de vivre aux dépens de tout le monde. (Frédéric Bastiat)

Eltov Offline




Beiträge: 152

08.05.2009 09:30
#48 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

In Antwort auf:

Was mich an diesem Milieu stört, lieber Eltov, ist gerade ein Mangel an Wertorientierung, wenn es um das eigene Verhalten geht. Die angebliche Wertorientierung ist so heuchlerisch, wie es die des klassischen Kleinbürgertums auch war; Doppelmoral nannte man das damals.

Mir hat zum Beispiel jemand aus diesem Milieu erzählt, wie man es schaffte, in Vietnam Urlaub zu machen (man kann es sich ja leisten), und wie nett doch eigentlich die Einheimischen bei all ihrer Armut waren.

"Eingeborenen" hat er nicht gesagt, aber vermutlich gemeint.

Herzlich, Zettel


Zunächst einmal erschließt sich mir ^das übermäßig Heuchlerische an geschilderten Geschichte kein Stück - vielleicht muss man die Person dazu kennen.

Das Problem mit der Doppelmoral tritt doch automatisch auf sobald man sich einem Wertesystem unterwirft, dass zwangsläufig mit den Erfordernissen des Alltags oder gar des Lebens überhaupt in Konflikt steht. Die Anzahl der Katholiken, die ihre Triebe ausschließlich zur Kinderzeugung ausleben dürfte gegen Null gehen. Genau so verzichten halt wenige Umweltfans die es sich leisten können auf Reisen. Sie spenden dann zum Ausgleich ein wenig für die Rettung des Regenwalds. Der Katholik kommt mit der Beichte heutzutage billiger davon.

Gorgasal Offline




Beiträge: 3.973

08.05.2009 10:07
#49 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten

Zitat von Eltov
Die Anzahl der Katholiken, die ihre Triebe ausschließlich zur Kinderzeugung ausleben dürfte gegen Null gehen... Der Katholik kommt mit der Beichte heutzutage billiger davon.

Weder dienen unsere "Triebe" nach katholischem Verständnis "ausschließlich zur Kinderzeugung", noch hat die Beichte die Funktion, die Sie ihr nach meinem Verständnis zuschreiben.

--
Ultramontan – dies Wort beschreibt vorzüglich die katholische Mentalität: mit einem kleinen Teil des Bewusstseins nicht Deutscher, nicht Zeitgenosse, nicht Erdenbürger zu sein. - Martin Mosebach, Spiegel 7/2009

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.883

08.05.2009 10:16
#50 RE: Zitat des Tages: Linke Kleinbürger Antworten
Zitat von Eltov
Die Anzahl der Katholiken, die ihre Triebe ausschließlich zur Kinderzeugung ausleben dürfte gegen Null gehen. Genau so verzichten halt wenige Umweltfans die es sich leisten können auf Reisen. Sie spenden dann zum Ausgleich ein wenig für die Rettung des Regenwalds. Der Katholik kommt mit der Beichte heutzutage billiger davon.


Fast bin ich versucht ein weiteres Klischee unserer besprochenen Klientel anzufügen, lieber Eltov: nämlich einen gewissen Antikatholizismus, der vor allem auf falschen Vorstellungen beruht. Z. B. der mit dem "ausschließlichen Ausleben der Sexualität zur Kinderzeugung". Das glaubt in der gesamten katholischen Welt kein Mensch! Also bevor Sie uns hier ein stereotypes Einprügeln auf Ihr geschätztes Milieu vorwerfen, einfach mal den Katechismus zur Hand nehmen und schauen wie es wirklich ist.

Aber Sie treffen da noch einen Punkt, der das katholische Denken fundamental vom "linken Kleinbürgertum" unterscheidet, nämlich in Ihrem grundlegenden Missverständnis der Beichte. Diese funktioniert nämlich anders als das CO2 Zertifikat: Der bußfertige Sünder versteht sich als solcher und bereut seine Sünde, während der Zertifikat-Käufer nie aufhört, sich als richtig Handelnden zu empfinden, im Gegenteil, er kann fröhlich auf alle prolligen Ballermann-Touristen herabsehen, die keine Zertifikate kaufen.

Gruß Petz
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