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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 42 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

19.12.2009 22:36
Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

China hat dem Abendland den Fehdehandschuh hingeworfen.

Gäbe es einen starken Präsidenten im Weißen Haus, dann hätte man vielleicht noch einige Jahre gewartet. Europa ist kein ernstzunehmender Gegenspieler. "Wieviele Divisionen hat der Papst?" soll Stalin gefragt haben.

califax Offline




Beiträge: 1.502

20.12.2009 01:35
#2 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Inwiefern wurde da ein Handschuh geworfen?
Ich habe die Sache nicht weiter verfolgt und weiß nur, daß China eine eigene Hinterzimmerdiplomatie betrieben hat statt im Plenum aufzutrumpfen.
Das ist aber für China üblich und normal. Dort steht man auch nicht unter dem populistischen Druck der Klimahysterie.
Man hatte eine stinknormale Konferenz und hat sie für stinknormale Verhandlungen genutzt.

--
Der Weg zur Hölle beginnt mit dem Monopol auf Moral.

Uwe Richard Offline



Beiträge: 1.205

20.12.2009 03:45
#3 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat von Zettel
China hat dem Abendland den Fehdehandschuh hingeworfen.

Das glaube ich nicht. Sie, lieber Zettel, haben meiner Meinung nach eine zu europazentristische Sicht auf die Dinge. Wirtschaftlich ist, vielleicht mit Außnahme Englands, Europa auf dem absteigenden Ast, da wir hier planmäßig deindustrialisiert werden (Die Claudia Roths haben immer mehr das Sagen). Die einzig boomende Branche in Deutschland ist grüne Technologie. Die Unis sind überfüllt mit Leuten, die schon stolz sind, ihren Namen fleherfrei schreiben zu können. Wer mehr kann, orientiert sich immer stärker Richtung (außereuropäisches) Ausland.

Amerika braucht Europa nicht und orientiert sich daher schon lange (1989 Gründung der APEC) Richtung Pazifischer Raum/Asien. In dieser Richtung liegt auch der Schwerpunkt nicht nur amerikanischen Wirtschaftswachstums. Europa wird den Arabern und verschmusten GrünInnen überlassen und um Afrika kümmern sich verstärkt die Chinesen und Inder, so einfach ist das.

Und ehe ich‘s vergesse: Beim letzten „Klima-Treffen“ der APEC im November in Singapur ist noch weniger rausgekommen als jetzt in Kopenhagen, wo es vor „nützlichen Idioten“ nur so gewimmelt hat. Diese idiologisierten jungen Leute dort werden das Europa von morgen nicht voranbringen, dafür hat die dänische Polizei ihnen schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf die im grün-sozialistischen zukünftigen Europa herrschende Disziplin gegeben.

Aber vielleicht bin ich ja zu pessimistisch und alles kommt doch ganz ganz anders. In diesem Sinne ...


noch einen schönen dritten Advent

Uwe Richard

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

20.12.2009 08:57
#4 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Lieber Zettel,

auch ich glaube nicht an den Fehdehandschuh. China war in Kopenhagen so wichtig, weil man sich darauf verlassen konnte, daß es sich seine Wirtschaft nicht kaputtmachen lassen würde. Damit standen die westlichen Länder, die sich in der selbstgestellten Falle gefangen hatten, nicht allein als Buhmann da. Ich wette, viele haben gebetet, daß China bloß nicht umfallen würde, nachdem sich die Russen dieser Rolle verweigert hatte. Man stelle sich vor, was passiert wäre, wenn sich die Chinesen zu Reduktionszielen hätten "verleiten" lassen!
Trotzdem, da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht, ist dies die erste internationale Konferenz, auf der Niemand an China vorbeikam. An diesen Zustand werden wir uns gewöhnen müssen. Und wenn wir Europäer nicht wieder lernen, daß guter Wille allein in der realen Welt keine Divisionen ersetzen kann, dann Gute Nacht!

Herzlich, Thomas

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.12.2009 09:13
#5 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat von Thomas Pauli
Trotzdem, da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht, ist dies die erste internationale Konferenz, auf der Niemand an China vorbeikam.


Das ist es, was ich meinte, lieber Thomas.

Die Politik Chinas ist es bisher immer gewesen, sich kleinzumachen. Wir lernen; wir wissen, wie weit wir noch zurückliegen etc. Im Schatten dieser asiatischen Bescheidenheit hat man gerüstet, hat man eine Machtposition nach der anderen erobert.

Ich habe darauf gewartet, wann man diese Maske fallenläßt und offen als Großmacht auftritt. Das ist jetzt erstmals geschehen. Deshalb ist diese Konferenz historisch.

Irgendwann wäre es natürlich in jedem Fall geschehen. Aber hätten die USA nicht einen derart schwachen Präsidenten, dann hätten die Chinesen vermutlich noch gewartet.

So einen wie Obama kriegen sie aber vermutlich nie wieder. Diese Chance haben sie genutzt. Auch der Iran, auch Nordkorea, auch Rußland werden die Chance nutzen, daß im Weißen Haus ein Mann sitzt, der seinem Amt nicht gewachsen ist.

Herzlich, Zettel

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

20.12.2009 09:36
#6 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat
So einen wie Obama kriegen sie aber vermutlich nie wieder.


Wer weiß?

Es sind ja mehrere Träume in Kopenhagen vorerst zerschellt, auch wenn das noch lange nicht zugegeben wird:
- Der der Grünen/Linken nach weltweiter Dominanz. Sie wird wohl weiter auf Europa und Kalifornien begrenzt bleiben, mit desaströsen Folgen dort.
- Der der UNO nach einer führenden Rolle im billiardenschweren Reichtumstransfer
- Der vieler Entwicklungsländer nach einem neuen Milliardensegen
- Der vieler Politiker nach neuen Sinekuren ohne demokratische Kontrollen
- Der vieler Konzernführer nach lukrativen öffentlich finanzierten Aufträgen und Auflagen, die die Konkurrenz benachteiligen
Keine dieser Gruppierungen wird ihre Träume so schnell aufgeben, also werden der Konferenzzirkus weitergehen.

Herzlich, Thomas

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.12.2009 09:42
#7 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat von Thomas Pauli
Es sind ja mehrere Träume in Kopenhagen vorerst zerschellt, auch wenn das noch lange nicht zugegeben wird:
- Der der Grünen/Linken nach weltweiter Dominanz. Sie wird wohl weiter auf Europa und Kalifornien begrenzt bleiben, mit desaströsen Folgen dort.
- Der der UNO nach einer führenden Rolle im billiardenschweren Reichtumstransfer
- Der vieler Entwicklungsländer nach einem neuen Milliardensegen
- Der vieler Politiker nach neuen Sinekuren ohne demokratische Kontrollen
- Der vieler Konzernführer nach lukrativen öffentlich finanzierten Aufträgen und Auflagen, die die Konkurrenz benachteiligen

Das ist, lieber Thomas, die beste Zusammenfassung, die ich irgendwo gelesen habe. Und das in einem kleinen Zimmer

Herzlich, Zettel

Inger Offline



Beiträge: 296

20.12.2009 09:46
#8 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Hi Zettel,
für Obama habe ich auch nicht so viel übrig, aber wie er einmal um das andere bemüht war, doch eine Einigung zu erreichen, hat was für sich- oder besser für ihn. Jeder andere wäre als Vermittler abgeblitzt, weil er zu unbedeutend ist. Die Klatsche gegen Obama haben wir alle bekommen- und wir wissen, was die Uhr geschlagen hat.
Das China nicht die Milliarden für die ärmeren Länder ablehnt, ist sinnfällig. Daß aber die nötige Kontrolle abgelehnt wird, finde ich direkt süffisant.
Grüßchen zum vierten Advent,
Inger

Calimero Offline




Beiträge: 3.278

20.12.2009 09:53
#9 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Ohne Worte:

Zitat von Dirk Niebel
Es gilt das Prinzip: Wer die Luft verschmutzt, muss auch zahlen. Das gilt aber nicht nur für die Industrie. Mittelfristig muss der Emissionshandel auch für den Verkehr gelten. Beginnen sollten wir mit dem internationalen Luftverkehr.



http://www.welt.de/politik/deutschland/a...er-Verkehr.html

Ich habe in der letzten Zeit einiges getan, was ich gerade bereue.

Gruß, Calimero

----------------------------------------------------
Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen. - Voltaire

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.12.2009 09:57
#10 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat von Inger
... aber wie er einmal um das andere bemüht war, doch eine Einigung zu erreichen, hat was für sich- oder besser für ihn. Jeder andere wäre als Vermittler abgeblitzt, weil er zu unbedeutend ist.


Er flog ein, er flog aus. Er hat, liebe Inger, nicht einen Augenblick den Willen zur Macht erkennen lassen.

Wenn dieser Mann sich nicht aufrafft, Machtpolitik zu machen, dann wird er als derjenige Präsident der USA in die Geschichte eingehen, der die Macht der USA verspielt hat.

Es ist schon deprimierend. Und niemand kann was machen, denn er hat noch drei Jahre sicher.

Herzlich (bei dir immer besonders herzlich), Zettel

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

20.12.2009 10:06
#11 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Merci, lieber Zettel! Allerdings hätte ich die Carbon-Industry noch explizit erwähnen sollen!

Edit: Auch gut zusammengefaßt, hier

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.12.2009 10:32
#12 Der arme Niebel antworten

Zitat von Calimero
Ich habe in der letzten Zeit einiges getan, was ich gerade bereue.


Mir geht das genauso, lieber Calimero.

Ich hatte von Niebel kein besonders klares Bild. Aber jetzt hat er erst ein Ministerium übernommen, dessen Abschaffung er verlangt hatte: und jetzt redet er, als sei er schon den Grünen beigetreten.

Das dürfte aber an dem Ministerium liegen, das natürlich vom Abteilungsleiter bis zum Pförtner grün beherrscht ist. Seit Jahrzehnten.

Niebel steht vor dem Problem, nahezu das gesamte Ministerium feuern zu müssen.

Aber tue das mal einer, gegeben das deutsche Beamtenrecht.

Herzlich, Zettel

Abraham Offline



Beiträge: 174

20.12.2009 10:43
#13 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat
Wenn dieser Mann sich nicht aufrafft, Machtpolitik zu machen, dann wird er als derjenige Präsident der USA in die Geschichte eingehen, der die Macht der USA verspielt hat.


Mal angenommen, CO2 wäre wirklich die Riesenbedrohung für das Klima (wenn es das nicht ist - was ich eher glaube - wäre Obama ja besser zu Hause geblieben). Was hätte Obama bei dem Gipfel Ihrer Ansicht nach denn tun sollen, lieber Zettel? Wie hätte er die Macht der USA einsetzen sollen und warum wäre China dann entgegenkommender gewesen? Was hätte McCain getan? Der wollte ja auch das Klima retten (was ihm bei Ihnen übrigens keine Minuspunkte eingebracht hat, wenn ich mich recht erinnere).

Grüße,

Abraham

Abraham Offline



Beiträge: 174

20.12.2009 11:35
#14 RE: Der arme Niebel antworten

Zitat
Ich hatte von Niebel kein besonders klares Bild. Aber jetzt hat er erst ein Ministerium übernommen, dessen Abschaffung er verlangt hatte: und jetzt redet er, als sei er schon den Grünen beigetreten.

Das dürfte aber an dem Ministerium liegen, das natürlich vom Abteilungsleiter bis zum Pförtner grün beherrscht ist. Seit Jahrzehnten.



Das ist sicher ein Problem für Niebel. Ich habe aber den Eindruck, dass konservativ-liberale Politiker heute dazu neigen, die Umwelt- und Klimapolitik zu benutzen, um auf der Seite des politischen Spektrums Punkte zu sammeln, auf der sie wegen ihrer wirtschaftsfreundlichen Tendenz unbeliebt sind. Deshalb spielt Angela Merkel gerne die "Kimakanzlerin". Ich kann mir gut vorstellen, dass genau aus diesem Grund auch McCain die "Klimapolitik" zu einem wichtigen Wahlkampfthema gemacht hat.

Grüße,

Abraham

Inger Offline



Beiträge: 296

20.12.2009 11:48
#15 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Na goldisch:" Er flog ein, er flog aus"- ich denke, Obama wußte da auch schon vorher einiges, was man so Diplomatie nennt-,))))
Und welche Macht hat er denn? Soweit ich weiß, hat China mehr Dollar als Obama, damit könnte man die ganze Ökokutsche bezahlen.
Trotzdem auch besonders herzlich,
Inger

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

20.12.2009 12:21
#16 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Letztens irgendwo die Frage gelesen, ob China schneller reich oder schneller alt wird? Die Ein-Kind-Politik wird den Chinesen frueher oder spaeter massive Probleme bereiten, die mangelnde Zivilgesellschaft als Fundament eines nachhaltigen Aufschwungs eigentlich auch. Wer an die langfristige Uberlegenheit des Rechtsstaates vor autoritaeren Strukturen glaubt, wer von Hayek uberzeugt ist, nach dem der Preismechanismus die einzig effektive Methode zur nachhaltigen Gueterallokation ist, der m u s s in China massive Probleme kommen sehen. Nicht heute, nicht morgen, aber frueher oder spaeter schon. Indien erscheint mir in dieser Hinsicht auch viel eher geeignet eine Grossmachtrolle zu ubernehmen.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.12.2009 12:22
#17 Internetfreundschaften antworten

Zitat von Inger
Trotzdem auch besonders herzlich, Inger


Laß mich dazu ein Wort sagen, liebe Inger, oder ein paar.

Du gehörst zu meinen ältesten Internet-Bekanntschaften. Ich glaube, am Anfang haben wir uns über die Urchristen gestritten, und du fandest mich unmöglich.

Das mag zehn Jahre her sein, vielleicht mehr. Es ist schon bemerkenswert, welches Vertrauen dabei entsteht, wenn man so lange miteinander redet. In dich zum Beipiel. Kaa ist hier noch dabei, Elto(v). Schrippe ist tot. Carla hat geschmissen. Regina hat sich auf eine absurde Weise verabschiedet.

Die Zettelogen haben ihr eigenes Forum aufgemacht, in dem sie auf eine bizarre Weise auch nach Jahren noch ihren Zettel-Haß pflegen. Für mich das Seltsamste, was mir im Web begegnet ist.

Ich freue mich, liebe Inger, daß du hier schreibst.

Könnte man nicht mal wieder ein UBoot versenken und die alte Manschaft an Bord bringen? Aber das wäre wohl eher das Thema für eine PM.

Herzlich, Zettel

Inger Offline



Beiträge: 296

20.12.2009 14:33
#18 RE: Internetfreundschaften antworten

Lieber Zettel,
das U-Boot war witzig und gerade richtig für uns, die wir mit den rabiaten Verbalkriegen nichts anfangen können und konnten. Lassen wir es bei der schönen Erinnerung?
Es hat ja lange gedauert, bis Du Dein eigenes Forum aufgebaut hast, und dann waren wir auch (fast) alle vor Freude darüber dabei. Inzwischen ist das hier ein gute Platz für faire Diskussionen geworden, deshalb bin ich weiterhin gern dabei. Anteil daran haben ganz gewiß die vielen Diskutanten, die ebenfalls die abfälligen Verbalkriege nicht mögen und lieber gute Beiträge und Ergänzungen, auch konträre Ansichten bringen, aber in einem zivilisierten Ton.
Ich denke, es hat sich gelohnt, daß Du so besonnen "Deinen Laden" in Ordnung hältst-,))) In Wirklichkeit beneidet Dich mancher Gegner von früher um so ein schönes Forum. Und es ist ganz allein Deine eigene Sache, wie Du mit unfairen Meinungen, die es doch überall gibt, umgehst. Anders müßtest Du wahrscheinlich öfters einen Spagat machen als Vermittler zwischen den Befindlichkeiten einzelner Teilnehmer.
Carla habe ich auch immer gern gelesen. Aber da hattest und hast Du auch Deine Ecken und Kannten, die sie nicht akzeptieren konnte. Und Regina wird allein schon deshalb angegriffen werden, weil sie in der "falschen"Partei ist. Wir kennen sie gut und wissen, was für ein lieber Mensch sie ist und wie gut sie ausgleichen kann. Es gibt aber viele uninformierte Menschen, die einfach drauflos quatschen und verurteilen, wo sie rein gar nichts verstehen. Dir ist gewiß niemand böse, es gibt halt nur keine direkten Verbindungen mehr.
Daß Du Herrig gewinnen konntest, ist ein echter Gewinn- gerade jetzt, wo Du mit Deinen agnostizistischen Auslassungen auch nicht mehr grad so forsch bist.
Alle guten Grüße und Wünsche,
Inger

JeffDavis Offline



Beiträge: 448

20.12.2009 15:22
#19 RE: Internetfreundschaften antworten

Ich mache mir weniger Sorgen um die wachsende Macht Chinas. Der zunehmende Realitätsverlust und die Inkompetenz unserer Führungschicht, das ist es, was mir Kopfzerbrechen bereitet.

China hat eine Menge ernster politischer, wirtschaftlicher und sozialer Probleme. Das Wirtschaftswachstum und die Entschlossenheit der politischen Führung in Peking verdecken das nur. Eine kluge und vorausschauende europäische Politik könnte einem chinesischen Machtanspruch sehr wohl begegnen. Aber die ist mE mit unserer Politikern nicht zu machen.

Als ich im Januar 2004 die Familie meiner Frau in China besucht habe, die in einer für chinesische Verhältnisse kleinen Stadt lebt (500.000 E), ist mir eines sehr krass aufgefallen: Verglichen mit China ist Deutschland ein Altersheim, regiert von politischen Rentnern. Dieser Unterschied in der Mentalität, der Zuversicht, des Optimismus, die weit verbreitete Packen-wir-es-an - Stimmung, das ist es, was den großen Unterschied ausmacht.

Florian Offline



Beiträge: 2.615

20.12.2009 15:49
#20 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

was bei dieser Konferenz sehr spanend zu wissen wäre, ist die jeweilige "hidden agenda" der Teilnehmer.

Zumindest die europäischen Politiker mussten allein schon aus innenpolitischen Gründen als "Klimaretter" auftreten.
Das bedeutet aber nicht, dass ihnen dieses Thema wirklich ein Herzensanliegen ist (geschweige denn, dass sie glücklich darüber gewesen wären, viele Miliarden Wohlstandsverlust für ihre Länder zu akeptieren).
Kann also gut sein, dass man in vielen europäischen Hauptstädten in den Hinterzimmern das Ergebnist gar nicht so sehr bedauert.

Umgekehrt musste Obama aus AUSSENpolitischen Gründen als Klimaretter auftreten.
Innenpolitisch dürfte er aber gar nicht so unglückich über das Ergebnis sein, dass ihm u.a. einen möglichen Schiffbruch im Senat erspart.

Wenn nun auch alle Krokodilstränen weinen: Kann gut sein, dass insgeheim viele Politiker China dankbar sind.
Eine (in diesem Sinne) kluge westliche Verhandlungsführung könnte theoretisch durchaus so ein Ergebnis provoziert haben:
wir reisen ohne große Zugeständnisse wieder ab und China wird als Sündenbock dargestellt.

Verschwörungstheorie?
Vielleicht.
Aber man sollte nicht so blauäugig sein und einfach die veröffentlichte Meinung glauben, nach der "alle" auf der Welt beim Thema Klimaschutz einen großen Handlungsdruck sehen.

Juno Offline



Beiträge: 332

20.12.2009 15:57
#21 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

China hat nicht das getan, was die Europäer und das Obama-Amerika wollten, sondern es hat kühl seine eigenen Interessen verfolgt.

Ich sehe darin weniger einen "Fehdehandschuh" als eine hilfreiche Geste, die vielleicht manche im Westen auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Und uns obendrein einen gewaltigen ökonomischen Unfug erspart

Chinas (und Indiens und Russlands etc. etc.) nüchterne Interessenpolitik ist weder überraschend noch verwerflich. Sie trifft nur auf einen Westen, der sich seit geraumer Zeit am liebsten in ein Paralleluniversum halluziniert, in dem die Weltpolitik abläuft wie ein Kirchentag. Das Klima ist dabei das Lieblingsthema - völlig neue Herausforderung! eine Weltregierung muss den Planeten retten! Deutschland ist Vorreiter! - und Kopenhagen war der große Jahrmarkt dieser gutmenschlichen Eitelkeiten.

Wenn jetzt der eine oder andere in die Realität zurückgeholt wird, dann können wir den Chinesen dafür nur dankbar sein.

Calimero Offline




Beiträge: 3.278

20.12.2009 18:06
#22 RE: Internetfreundschaften antworten

Internetfreundschaften?

Gibt's sowas? Sind wir nicht alle nur Kameraden, oder Gegner, auf Zeit? Wenn sie, liebe Inger, und sie, lieber Zettel sich schon seit zehn Jahren kennen und im Netz begleiten, nötigt mir das massiv Respekt ab.

Meine Beobachtung ist allerdings eine andere, und ich war auch schon in diversen Foren und Blogs aktiv. Leute kommen, Leute gehen, man geht selbst, verliert die Lust ... irgendwas.

Ja, und manchmal bleibt man irgendwo hängen, vielleicht auch für lange Zeit ... wenn der Blog/das Forum es wert sind. Denn - es gibt immer 'ne neue Überraschung, nur zwei Clicks entfernt!

Bei den anonymen Info-Nomaden kann sich doch kaum eine Freundschaft aufbauen. Allenfalls Respekt und Interesse ... für Texte, verfasst von Menschen hinter Avataren. Für Freundschaft muss man sich in die Augen sehen können. M.E. ist allenfalls Gefolgschaft, oder Wiedererkennung möglich.

Bei Freunden weiß man z.B. ob sie gestern vom Bus überfahren wurden, eine neue Liebe gefunden, oder in ein entlegenes Amazonas-Dorf umgezogen sind ... bei "Members" und "Mail-Kontakten" nicht.

Internetfreundschaften kann es m.E. nicht geben, bevor man den letzten Schritt gewagt und sich im RL getroffen hat. Vorher ist alles nur unverbindliche Kommunikation, aus der jeder jederzeit aussteigen kann.

Gruß, Calimero

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Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern; darum sei erstes Naturgesetz, dass wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen. - Voltaire

john j Offline




Beiträge: 588

20.12.2009 21:37
#23 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

@ Zettel:

Ihr ceterum censeo (Obama - der schwaechste, unfaehigste, dilettantischet etc Prasident der USA - ever!) nimmt langsam den Zug einer Obsession an. Sie moegen Obama nicht, das ist ihre Recht, aber ihn staendig mit invectives (Stuemper! Dilettant!) zu belegen ist schlicht kein guter Stil und unterscheidet sich von der Sachlichkeit ihrer anderen Beitraege.

Ihre Meinung ueber Obama ist eine Sache, aber dass sie sie in fast jedem neuen Artikel in irgendeiner Form unterbringen und Obama fuer alles moegliche verantworlich machen, ist eine ganz andere Sache.
Ich halte nicht viel von Merkel (im Gegensatz zu ihnen), aber schreibe auch nicht in jedem zweiten Kommentar dass ich ihre von Opportunismus, Risikoscheu und Lethargie durchsetzte Biographie fuer bedrueckend typisch fuer viele deutsche Politikerbiographien des 20. und 21. Jhdt's halte. Wie andere Kommentatoren warte ich auch auf ihre Erklaerung was sie damit meinten Obama sei eben in Hawaii und Indonesien aufgewachsen.

Was China betrifft, es war schon lange vor Obama auf dem Weg zur Weltmacht wenn man es so sehen will. Selbst hard liner des 'Nuke'em and steal their gas' wie Mark Steyn sind jedoch der Meinung dass "China will get old before it gets rich", aufgrund seiner Bevoelkerungspolitik. Und in Indien hat es auch noch einen veritablen Herausforderer in der Region. Wir werden also sehen was aus China wird. Tatsache ist dass die Bush-Administration die USA "open for business" mit China erklaert hat - soll Obama das nun rueckgaengig machen?

Was die Ruestung betrifft, bis in die 90er war China miliatertechnologisch auf dem Stand der 60er. Nachdem die Mittel in China jetzt seit einigen Jahren vorhanden sind wird das Militaer eben modernisiert. Daraus eine Alarmmeldung zu machen ist mW weit uebertrieben und passt ganz gut in die "strategischen" Analysen die bspw Stratfor anbietet: Das osmanische Reich kommt wieder, Russland draengt zum Atlantik etc. Ein paar Fakten aus dem Zusammenhang gerissen, ein bisschen Kuechenhistorie und -ethnologie und eine strenge Warnung und fertig ist die Analyse.

Kopenhagen war in erster Linie ein Versagen der EU und ihrer sog. Eliten. Vielleicht koennen sie auch dort mal ihre Kritik anbringen statt staendig Obama auf eine subjektive Art aufs Korn zu nehmen.

Inger Offline



Beiträge: 296

20.12.2009 21:38
#24 RE: Internetfreundschaften antworten

Lieber Calimero,
da hast Du ganz viel Richtiges gesagt, wie es denn im Allgemeinen so zugeht. Aber in den mehr als zehn Jahren haben wir doch vieles gemeinsam erlebt, unsere Eindrücke geschildert, miteinander gelitten und getrauert, uns deftig geärgert über Ungerechtigkeiten und immer wieder herzlich gelacht. Freundschaften sind doch möglich, vielleicht liegt es ja auch an meiner norddeutsch Art, bei der man sich nicht unbedingt direkt auf den Pelz rückt und dann wieder fetzt wie sonstwer.
Grüßchen,
Inger
Kannst mich duzen, ist ja ganz internetmäßig-,)))

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.12.2009 22:05
#25 RE: Marginalie: Die Bedeutung der Konferenz von Kopenhagen antworten

Zitat von john j
Ihr ceterum censeo (Obama - der schwaechste, unfaehigste, dilettantischet etc Prasident der USA - ever!) nimmt langsam den Zug einer Obsession an. Sie moegen Obama nicht, das ist ihre Recht, aber ihn staendig mit invectives (Stuemper! Dilettant!) zu belegen ist schlicht kein guter Stil und unterscheidet sich von der Sachlichkeit ihrer anderen Beitraege.


Es ist halt so. Als er das Amt antrat, habe ich ihm ja the benefit of the doubt gegeben. Aber er ist nun mal ein miserabler Präsident.

Zitat von john j
Wie andere Kommentatoren warte ich auch auf ihre Erklaerung was sie damit meinten Obama sei eben in Hawaii und Indonesien aufgewachsen.


Ja, ist das so schwer? Jeder Mensch wird durch seine Kindheit und Jugend geprägt.

Zitat von john j
Was die Ruestung betrifft, bis in die 90er war China miliatertechnologisch auf dem Stand der 60er. Nachdem die Mittel in China jetzt seit einigen Jahren vorhanden sind wird das Militaer eben modernisiert.


Es wird auf den Stand einer Weltmacht gebracht. China wird nuklear demnächst Rußland überholen und nur noch von den USA übertroffen werden.

Taikonauten werden auf dem Mond landen und Chinas Flagge dort aufstellen. Wissenschaftlich ist das Unfug, aber jeder wird spätestens in zehn Jahren merken, daß China die USA überholt hat.

Herzlich, Zettel

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