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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 28 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

07.07.2012 19:14
Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Voraussichtlich werde ich künftig intensiver über Frankreich berichten. Nicht nur aufgrund meines allgemeinen Interesses an dem Land; sondern auch wegen zwei sich abzeichnenden Bezügen zu Deutschland:

Erstens haben sich mit der Wahl Hollandes die Machtverhältnisse in Europa grundlegend geändert. Deutschland wird künftig nicht mehr auf seinen bisherigen Verbündeten Frankreich zählen können. Das hat weitreichende Folgen auch für die Eurokrise.

Und zweites lohnt es sich, das genau anzusehen, was auf Frankreich zukommt - als Warnung an alle, die meinen, es sei eigentlich egal, ob in Deutschland die bürgerlichen Parteien regieren, oder wie jetzt in Frankreich die Linke.

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

07.07.2012 20:53
#2 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Lieber Zettel,

ich freue mich schon, von Dir mehr über Frankreich zu lesen! Da ich leider kein Französisch spreche und die Beziehungen beider Länder in der Presse fast ausschließlich personalisiert als Kammerspiel dargestellt werden, fühle ich mich auf diese Quelle sehr angewiesen!

Herzlich, Thomas

Juno Offline



Beiträge: 332

07.07.2012 21:43
#3 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat
Wird Deutschland jetzt eingekreist? Zerbricht die deutsch-französische Achse?



Eine interessante These dazu hat kürzlich Arnulf Baring vertreten:

Zitat
PUR: Wenn Deutschland nicht in Europa aufgehen wird, welche Rolle sehen Sie dann für unser Land?

Arnulf Baring: Im Grunde sind wir seit 1871 zu stark, um in Europa keine Verantwortung zu übernehmen und nicht stark genug für eine echte Führungsrolle. Wir sind ja auch in der Euro-Frage isoliert. Auch Frankreich spielt nicht mehr mit. Frankreich hofft natürlich, dass wir ihnen aus der Patsche helfen, denn es ist viel schlimmer verschuldet als wir. England spielt auch nicht mit. Die deutschen Mitglieder sind aus dem Rat der Europäischen Zentralbank ausgetreten, weil sie immer überstimmt wurden. Diese Isolation ist unser Schicksal in Europa, im Grunde seit 1871.

PUR: Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?

Arnulf Baring: Schauen sie sich in Europa um. Wer kommt denn als wirklicher Freund Deutschlands in Frage? Eigentlich lauter kleine Länder, das nützt uns aber nichts. Meine Schlussfolgerung ist, dass die USA die einzige Macht sind, die diesen inner-europäischen Ungleichgewichtszustand beheben können. Das hat sich sehr deutlich bei der Wiedervereinigung gezeigt. London wollte sie gar nicht, Paris wollte sie auch nicht, Moskau schon gar nicht; ohne Washington hätten wir es nicht geschafft.

Und nehmen Sie den Jugoslawien-Konflikt. Wir hatten vollkommen recht, zu sagen, Jugoslawien ist nicht zu halten, Slowenien und Kroatien werden anerkannt, das sind zivilisierte Katholiken, die kommen durchaus als selbständige Staaten zurecht. Das hat uns großen Ärger eingebracht, weil Franzosen, Engländer und Russen zu den Serben hielten, mit denen sie in zwei Weltkriegen verbündet waren. Nur mit Hilfe der Amerikaner konnten wir dann eine halbwegs ordentliche Lösung herbeiführen. Das zeigt: Ohne die USA sind wir in Europa verloren.
http://www.kath.net/detail.php?id=37247, hat tip: Achse des Guten



Mal abgesehen von einigen Details, über die man hier - wie fast immer bei Baring - streiten kann, finde ich die zentrale These recht plausibel: Deutschland ergeht es besser, wenn die Amerikaner für Balance in Europa sorgen. Allerdings lässt in den USA die Bereitschaft und die Fähigkeit zu Engagement in Europa rapide nach.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

07.07.2012 22:34
#4 Pierre Moscovici, verantwortlich für Franreichs Wirtschafts- und Finanzpolitik Antworten

Zitat von Zettel im Beitrag #1
Und zweites lohnt es sich, das genau anzusehen, was auf Frankreich zukommt - als Warnung an alle, die meinen, es sei eigentlich egal, ob in Deutschland die bürgerlichen Parteien regieren, oder wie jetzt in Frankreich die Linke.

Nach Informationen des "Spiegel" ist für die Nachfolge Junckers als Chef der Euro-Gruppe jetzt eine Rotationslösung beschlossen worden: Erst soll es Schäuble machen, denn Pierre Moscovici.

Moscovici ist ein Veteran der Zeit von Mitterrand und Jospin mit einer Biographie, wie ich sie kürzlich als Filz à la française beschrieben habe:

Er ist Sohn einer kommunistischen Familie; sein Vater floh 1947 aus Rumänien, seine Mutter war eine Sympathisantin der französischen Kommunisten.

Pierre Moscovici war während seines Studiums in der LCR (Revolutionären Kommunistischen Liga) des Trotzkisten Alain Krivine aktiv. Wie Hollande absolvierte er die ENA (Promotion Louise Michel von 1984; damit vier Jahre nach Hollandes Promotion Voltaire). Im gleichen Jahr, in dem er sein Studium abschluß, trat er mit 27 Jahren aus der Revolutionären Kommunistischen Liga aus und schloß sich der Sozialistischen Partei an, in der er schnell aufstieg. (Solcher "Entrismus" ist bei Trotzkisten häufig zu finden).



Schon 1988, mit 31 Jahren, war er Sonderassistent (chargé de mission) des damaligen Bildungsministers Jospin; auch er ein ehemaliger (und damals noch praktizierender) Trotzkist.

Er geht dann in die Wirtschaftsplanungs-Kommission, wird Abgeordneter und steigt in der PS zum nationalen Sekretär für Studien und Entwicklung auf (vergleichbar dem Vorsitzenden der Planungs- oder Programmkommission einer deutschen Partei). 2001 ist er in der Delegation, die für Frankreich den (später gescheiterten) europäischen Verfassungsvertrag aushandelt.

In der Partei orientiert sich Moscovici zuerst in Richtung Strauss-Kahn und dann, nach dessen Affäre, zu Hollande, dessen Wahlkampf er jetzt organisierte.

Nach Hollandes Sieg wurde er dafür mit einem Superministerium für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel belohnt. Er ist also derjenige, der für Frankreichs Politik in der jetzigen Euro-Krise verantwortlich ist.

Seine Karriere, die ihn dorthin führte, war nicht eben die eines Marktwirtschaftlers.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

07.07.2012 22:43
#5 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von Juno im Beitrag #3

Zitat
Wird Deutschland jetzt eingekreist? Zerbricht die deutsch-französische Achse?


Eine interessante These dazu hat kürzlich Arnulf Baring vertreten:

Zitat:(...) Im Grunde sind wir seit 1871 zu stark, um in Europa keine Verantwortung zu übernehmen und nicht stark genug für eine echte Führungsrolle.

Das ist es, was Sebastian Haffner einst Deutschlands "unschickliche Größe" genannt hat.

Was die USA angeht, lieber Juno: Ich fürchte, das sind Wunschträume. Jedenfalls unter Obama werden die USA nicht daran denken, sich auch noch die Querelles d'Europe aufzuhalsen.

Zumal Obama persönlich kein Verhältnis zu Europa hat; anders als Romney, der sogar leidlich Französisch spricht.

Aber es sieht immer deutlicher danach aus, daß Obama gewinnen wird. Seit Wochen liegt er beständig in Führung.

Herzlich, Zettel

Gorgasal Offline




Beiträge: 4.021

07.07.2012 22:45
#6 RE: Pierre Moscovici, verantwortlich für Franreichs Wirtschafts- und Finanzpolitik Antworten

Zitat von Zettel im Beitrag #4
Nach Hollandes Sieg wurde er dafür mit einem Superministerium für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel belohnt. Er ist also derjenige, der für Frankreichs Politik in der jetzigen Euro-Krise verantwortlich ist.

Zitat von H. L. Mencken
Democracy is the theory that the common people know what they want, and deserve to get it good and hard.

--
Defender la civilización consiste, ante todo, en protegerla del entusiasmo del hombre. - Nicolás Gómez Dávila, Escolios a un Texto Implícito

123 Offline



Beiträge: 287

08.07.2012 00:18
#7 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Europa ist ein toter Kontinent. Wirtschaftlich, politisch, kulturell. Er wird rasch absteigen zum Armenhaus zusammen mit Afrika.

Schuld daran ist die sozialistische Ideologie, welche Europa, und inzwischen auch die USA, weltanschaulich vollkommen durchdrungen hat.

Gemäß dieser Ideologie, und nicht anhand den realen Verhältnissen, diagnostiziert man die Schwierigkeiten Europas. In den Überresten der Marktwirtschaft, der Finanzbranche, den Konzernen, aber niemals wird die neosozialistische Sozialstaaterei mit ihrem ruinösen Stimmenkauf per unbezahlbar hohen Sozialleistungen als Ursache genannt.

Die Leserkommentare der Zeitungen sind hierbei sehr aufschlußreich. Mindestens jeder 2.-3. prangert nicht die Politik als Problemverursacher an, sondern einzig irgendwelche Bänkster, Spekulanten und Finanzmärkte. Hier wird wiedergegeben, was uns die Medien tagein-tagaus als Sündenbock präsentieren. Schlußfolglich gäbe es die Eurokrise garnicht in der Gedankenwelt dieser Manipulierten, gäbe es eben keine Finanzmärkte, nichtstaatliche Banken und keine Konzerne.

Die Deutschen (sind da eigentlich auch die mit Mihigru erfasst ?) sollen angeblich durchaus für solides Haushalten sein, bis zu 3/4 sprechen sich dafür aus. Also ungefähr das ausgeben was man einnimmt. Aber wählen tun sie ganz anders. Nämlich rot-grün-dunkelrot-orange mit 60-70%. Also linksradikal wie Hollande.

Daß Rotgrün die nächste Wahl gewinnt ist absolut sicher. Und zwar mit deutlicher Mehrheit.

Dann werden erst so richtig unsere Lebensersparnisse verpfändet und bald auch aufgebraucht von Frührentnern und unproduktiven Staatsdienern in den Club-Med-Staaten. Die Energiewende kommt hinzu und wird noch viel teurer, die Grenzen geöffnet für unlimitierte Zuwanderung in die ohnehin bankrotten Sozialsysteme, usw. Und das alles unter dem Jubel der Medien und Bevölkerungsmehrheit, weil diese ihren rotgrünen Gurus wie schon öfters in der deutschen Geschichte willenlos in den Abgrund nachrennt. Typisch deutsch eben, in seiner negativsten Form ganz besonders bei den Ökolinken anzutreffen.


Hollande konnte gewinnen, weil das Wertesystem und Welterklärungsmodell für das er steht, in den Köpfen der Franzosen schon lange zuvor fest verankert wurde. Im Rest Europas ist das nicht viel anders, und inzwischen auch in den USA, abgesehen von der Teaparty und Fox-News.

Hollande repräsentiert nicht nur ein Programm, sondern eine Weltanschauung, die struktuell einem religiös-dogmatischen Glaubenssystem gleichkommt. Nichts anderes ist der Sozialismus.

Einem Glaubensfundamentalisten ignoriert und leugnet alle Fakten die sein Weltbild hinterfragen könnten. Er wird den Himmel immer für rot halten, auch wenn dieser noch so blau ist. Hollande und seine Anhänger werden niemals ihre ruinöse Ausgabenpolitik für falsch erkennen, sondern immer Sündenböcke erfinden, wenn sie scheitern. Wie eben die Finanzmärkte und die bösen Deutschen. Bei unseren rotgrünen Politfundamentalisten, und das sind nicht nur die Parteimitglieder, sondern auch deren Wähler, tritt an die Stelle der bösen Deutschen eben jene Realisten, die noch verstehen daß man langfristig nur ausgeben kann, was zuvor erwirtschaftet wurde. Man sieht das Problem ausschließlich auf der Einnahmenseite, niemals jedoch auf der Ausgabenseite.

Europa ist heute neosozialistisch. Und zwar vollständig in nahezu allen politischen Parteien, auch wenn sie manche sich noch konservativ oder liberal nennen. Auch die Finanzmärkte selbst sind einer quasi-sozialistischen Ideologie verfallen, indem von Notenbanken bereitgestelltes Geld ohne Deckung durch Produkte und Dienstleistungen für Wohlstand sorgt. Hier liegt ein System vor, das Roland Baader "Geldsozialismus" nannte, und welches vor allem auch in den USA praktiziert wird.

Mit solch einem Wertesystem geht die westliche Zivilisation wirtschaftlich zugrunde. Aber das ist nur die Folge des vorausgegangenen moralisch-kulturellen Wertewandels.

Die Werte, die einst den Westen zu Wohlstand und Freiheit führten, die uns die Menschenrechte bescherten, sind heute vergessen, ja sogar geächtet: Fleiß, (Selbst)Disziplin, Ausdauer, Wille zum Erfolg, Akzeptanz von Vielfalt und individiduelle Freiheitsrechte, das Prinzip der Selbstverantwortung mit den damit verbundenen Chancen und Risiken - all das gilt heute als Ellenbogenmentalität, Männlichkeitswahn und sozial kalt.

Heute ist es tugendhaft sozial und solidarisch zu sein wenn es ums Finanzieren geht. Umgekehrt gilt jeder, der sich selbst mit voller Absicht ruiniert, gilt als Opfer irgendwelcher Umstände, und hat grenzenlosen Anspruch auf das Geld derer, die noch Verantwortung übernehmen und hart arbeiten. Diese Prämisse gilt innerhalb der Turbosozialstaaten genauso wie auf der zwischenstaatlichen Ebene der EU.

Die Folgen eines solchen Wertesystems sind Unfreiheit, Ungerechtigkeit, Enteignung und Entrechtung des Einzelnen, der nur noch einem anonymen Kollektiv zu dienen hat, bzw. in Wirklichkeit den machtgierigen Politikern und Bürokraten des Neosozialismus.

Die Produktivität Europas wird massiv und beschleunigt absinken, noch viel mehr als wir uns heute vorstellen können (und wollen). Zielniveau ist jenes 3. Welt, das in den ClubMeds schon heute flächendeckend erreicht ist. Nur mit immer wertloserem EZB-Inflationsgeld lässt sich die Wohlstandsillusion noch eine Weile vortäuschen, aber die steigenden Rohstoffpreise aufgrund der skrupellosen Geldmengenausweitung werden dafür sorgen, daß der Wohlstand immer weiter sinkt. Bis er irgendwann da angekommen ist, wo eine echte Gegenfinanzierung stattfindet.

Für die BRD müsste das z.B. heißen, würden Renten gemäß den Einnahmen ausbezahlt, daß diese erheblich niedriger liegen müssten - heute. In ein paar Jahren nur noch bruchteilig bei deutlich weniger Einzahlern als Anspruchsberechtigten. Bei den Beamtenpensionen und deh Zigmilliarden für die Profihartzer ebenso. (Sagt man das einem Neosozialisten, bekommt der den Ausraster und verfällt in eine Diffamierungskanonade)

Ein Land wie Griechenland hat nicht mehr Produktivitätspotenzial wie z.B. Kenia. Einfache Landwirtschaft, ineffiziente Bürokratie, keine Produktionsindustrie (wurde ruiniert durch den Euro, war davor durchaus vorhanden, insbesondere im Texilbereich), und sonst nur Dienstleistungen und Reparaturbetriebe etwa für Kfz. Wo ist da der Unterschied z.B. zu Kenia. Dennoch ist der Lebensstandard der Griechen weiterhin extrem hoch im Verhältnis zur dortigen Produktivität, woran man das immer noch gigantische Abstiegspotential erkennt. Es gibt keinen Grund, warum der Durchschnittslohn in Griechenland höher sein sollte als z.B. in Kenia, wo er bei 120 Euro pro Monat liegt.


Europa ist dekadent geworden, und der Sozialismus lieferte die moralische Legitimation dafür. Der Neosozialismus hat die einstigen Tugenden der Europäer weitgehend ausgelöscht in den Gehirnen, und folglich weiß man garnicht mehr, wie Wohlstand erwirtschaften eigentlich geht, wie man aus der Misere wieder heraus kommt. Nämlich durch echte Marktwirtschaft in welcher der Staat nicht mehr lenkend, sondern unterstützend durch gebende Rechtssicherheit präsent ist.

Wir werden augenblicklich Zeugen und sind Opfer eines epochalen Kulturwandels, des totalen Niedergangs jenes Kontinentes der 5 Jahrhunderte die Welt dominiert hat. Der Wohlstand, Fortschritt und Tugendenden im Sinne der Menschenrechte der Welt geschenkt hat - und in seinen positiven Leistungen seine negativen Seiten weit überwiegt. Der aber auch das Gift des Sozialismus hervorbrachte, dessen Diktaturen die mörderischsten der Menschheitsgeschichte waren, und stets zu Unterdrückung und Elend führt(e).

Wenn Europa sich selbst auslöscht, vielleicht nimmt es dann den abscheulichen Sozialismus mit ins Grab. Das wäre ein Trost, dann wären unsere Opfer nicht ganz umsonst.


P.S. Mal praktisch gedacht.

Der Euro hat keine Zukunft, weil ganz Europa keine mehr hat. Es gibt außerhalb des Westens eine Reihe Währungen, die weitaus substanzhaltiger sind. Wer etwas von seinem Ersparten retten will, sieht sich um nach Ländern mit geringer Staatsverschuldung, kaum (keinen) ethnokulturellen Spaltungen, effizienten Regierungen.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

08.07.2012 01:30
#8 RE: Pierre Moscovici, verantwortlich für Franreichs Wirtschafts- und Finanzpolitik Antworten

Zitat von Zettel im Beitrag #4
Zitat von Zettel im Beitrag #1
Und zweites lohnt es sich, das genau anzusehen, was auf Frankreich zukommt - als Warnung an alle, die meinen, es sei eigentlich egal, ob in Deutschland die bürgerlichen Parteien regieren, oder wie jetzt in Frankreich die Linke.

Nach Informationen des "Spiegel" ist für die Nachfolge Junckers als Chef der Euro-Gruppe jetzt eine Rotationslösung beschlossen worden: Erst soll es Schäuble machen, denn Pierre Moscovici.

Moscovici ist ein Veteran der Zeit von Mitterrand und Jospin mit einer Biographie, wie ich sie kürzlich als Filz à la française beschrieben habe:

Er ist Sohn einer kommunistischen Familie; sein Vater floh 1947 aus Rumänien, seine Mutter war eine Sympathisantin der französischen Kommunisten.

Pierre Moscovici war während seines Studiums in der LCR (Revolutionären Kommunistischen Liga) des Trotzkisten Alain Krivine aktiv. Wie Hollande absolvierte er die ENA (Promotion Louise Michel von 1984; damit vier Jahre nach Hollandes Promotion Voltaire). Im gleichen Jahr, in dem er sein Studium abschluß, trat er mit 27 Jahren aus der Revolutionären Kommunistischen Liga aus und schloß sich der Sozialistischen Partei an, in der er schnell aufstieg. (Solcher "Entrismus" ist bei Trotzkisten häufig zu finden).



Schon 1988, mit 31 Jahren, war er Sonderassistent (chargé de mission) des damaligen Bildungsministers Jospin; auch er ein ehemaliger (und damals noch praktizierender) Trotzkist.

Er geht dann in die Wirtschaftsplanungs-Kommission, wird Abgeordneter und steigt in der PS zum nationalen Sekretär für Studien und Entwicklung auf (vergleichbar dem Vorsitzenden der Planungs- oder Programmkommission einer deutschen Partei). 2001 ist er in der Delegation, die für Frankreich den (später gescheiterten) europäischen Verfassungsvertrag aushandelt.

In der Partei orientiert sich Moscovici zuerst in Richtung Strauss-Kahn und dann, nach dessen Affäre, zu Hollande, dessen Wahlkampf er jetzt organisierte.

Nach Hollandes Sieg wurde er dafür mit einem Superministerium für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel belohnt. Er ist also derjenige, der für Frankreichs Politik in der jetzigen Euro-Krise verantwortlich ist.

Seine Karriere, die ihn dorthin führte, war nicht eben die eines Marktwirtschaftlers.






Nachtrag: Ich habe aus diesem Beitrag jetzt einen Artikel in ZR gemacht.

WasIstLiberal? ( gelöscht )
Beiträge:

08.07.2012 06:50
#9 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Seien Sie mir nicht bös aber Ihre Pseudonym verleitet mich zu folgendem:

123 aus.


Und damit treffen Sie 100 % den Nagel auf den Kopf.

Je eher diese "Achse" zerbricht umso besser. Soll jeder Seine eigenen Wege gehen, das täte jedem Bürger besser gut. Jeder
bekäme zwar die Politiker die er sich wählt aber nicht noch dazu diejenigen die man gar nicht wählen kann. Ich kann nur konsterniert festellen:
Europa hat sich aber so etwas von weit von seinen Wurzeln entfernt, daß man eigentlich nur noch von Spurenelementen sprechen kann.


PS. Nach Irritationen: Ich beziehe mich auf den Poster 123.

Und außerdem bin ich der Meinung Zentralbanken gehören abgeschafft.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

08.07.2012 07:01
#10 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von WasIstLiberal? im Beitrag #9
Seien Sie mir nicht bös aber Ihre Pseudonym verleitet mich zu folgendem:

123 aus.
Ich verstehe nicht, was "Zettel" damit zu tun hat.

xanopos ( gelöscht )
Beiträge:

08.07.2012 09:19
#11 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von 123 im Beitrag #7
Schuld daran ist die sozialistische Ideologie, welche Europa, und inzwischen auch die USA, weltanschaulich vollkommen durchdrungen hat.
Das klingt so wie: Schuld an der Krise ist die neoliberale Ideologie...

Zitat
Europa ist ein toter Kontinent. Wirtschaftlich, politisch, kulturell. Er wird rasch absteigen zum Armenhaus zusammen mit Afrika.


Der HDI ist in vielen Ländern Europas weltspitze. Selbst das Krisenland Griechenland hat den 29. Platz, Kenia dagegen den 143.
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cou...velopment_Index

ESKA ( gelöscht )
Beiträge:

08.07.2012 10:57
#12 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von xanopos im Beitrag #11
Zitat von 123 im Beitrag #7
Schuld daran ist die sozialistische Ideologie, welche Europa, und inzwischen auch die USA, weltanschaulich vollkommen durchdrungen hat.
Das klingt so wie: Schuld an der Krise ist die neoliberale Ideologie...
Mag sein. Aber was wollen Sie uns damit sagen?
Zitat von xanopos im Beitrag #11
Zitat von 123 im Beitrag #7
Europa ist ein toter Kontinent. Wirtschaftlich, politisch, kulturell. Er wird rasch absteigen zum Armenhaus zusammen mit Afrika.
Der HDI ist in vielen Ländern Europas weltspitze. Selbst das Krisenland Griechenland hat den 29. Platz, Kenia dagegen den 143.
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cou...velopment_Index
Ich liebe sie, die Gleichberechtigungs-, Antirassismus-, Bildungs-, Sozial-, Glücks-, Friedens- und überhaupt alle Indices.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

08.07.2012 11:26
#13 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat
Arnulf Baring: Schauen sie sich in Europa um. Wer kommt denn als wirklicher Freund Deutschlands in Frage? Eigentlich lauter kleine Länder, das nützt uns aber nichts.


Baring präsentiert hier das ganz klassische Defizit deutscher Außenpolitik: Erfolglosigkeit wegen Überheblichkeit.
Sehr typisch insbesondere für die deutschen Konservativen, aber nicht nur - auch Schröder hat genau so gedacht und gehandelt. Mit entsprechend schlechten Ergebnissen.

Eine größere Macht (um für Deutschland den schwierigen Begriff "Großmacht" zu vermeiden) kann nur beschränkt "wirkliche Freunde" haben. Und eher nicht unter den anderen großen Mächten. Die sind vielleicht Partner, wo die Interessen übereinstimmen, ansonsten Konkurrenten (was nicht "Feinde" bedeuten muß).

Freunde hat eine größere Macht in erster Linie eben bei den kleinen Ländern. Und sie sollte viel dafür tun, diese Freundschaften zu pflegen, in sie auch zu investieren. Denn bei den Interessenkonflikten zwischen den Großen ist es ganz entscheidend, wer möglichst viele andere Länder als Unterstützer mobilisieren kann. Wer nur auf die eigene Stärke setzt, oder den guten Draht zu einem anderen Großen - der wird am Ende immer ausmanövriert.

Als aktuelles Beispiel: Deutschland hätte mehr in der "Eurokrise" durchsetzen können, wenn Merkel nicht immer so personifiziert als "Madame No" aufgetreten und den Konflikt als "Deutschland gegen den Rest der EU" gefahren hätte. Es gibt genug "Kleine" in der Eurozone (Finnland, Österreich, Slowenien, die Niederlande ...), die die deutschen Interessen teilen und bei geschickterer Diplomatie ganz wesentlich hätten helfen können. Auf der "Gegenseite" funktioniert die Choreographie viel besser.

Und was die langfristigen Perspektiven betrifft: Gerade Deutschland hat - im Gegensatz zu Frankreich, UK, Italien - besten Zugang zu einer ganzen Reihe von kleineren Verbündeten. Polen hat sehr ähnliche Interessen und ist eine Mittelmacht mit Perspektive. Österreich, die Schweiz, Tschechien und die Niederlande orientieren sich sehr weitgehend an Deutschland, auch auf dem Balkan gilt das für die meisten Staaten. Aber man muß das eben auch erwidern, die Interessen dieser Staaten bewußt fördern und sie vor Verhandlungen einbeziehen.

Und nicht zuletzt: Eigentlich ist das UK in den meisten Politikbereichen ein natürlicher Partner für Deutschland. Gerade in Wirtschafts- und Finanzfragen liegt London viel näher bei uns als Paris.
In der Vergangenheit wurde diese Partnerschaft bewußt hintenan gestellt, weil die Achse Berin/Paris Priorität hatte. Da galt immer: Lieber eine Maßnahme unterstützen, die eigentlich nicht so gut ist für Deutschland, als Frankreich verärgern.
Was ich übrigens auch fast immer für richtig hielt. Umgekehrt hat ja auch Frankreich entsprechende Unterstützung für Deutschland gebracht.

Aber bevor man sich nun auf Hollande und seine Kommunisten einläßt: Es gibt bessere Alternativen in Europa.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

08.07.2012 11:38
#14 Otimismus für Europa Antworten

Lieber 123,

Sie zeichnen hier ein düsteres, ein bedrückendes Bild von der Zukunft Europas. Ich räume ein, daß es so kommen kann, wie Sie es darstellen. Aber wir wissen es nicht. Dazu kurz diese Überlegungen:

-- Die Zukunft ist opak. Ich habe das kürzlich in verschiedenen Diskussionszusammenhängen geschrieben. Wir kennen unser eigenes individuelles Schicksal nicht; wir kennen so wenig das von Völkern und Kulturen. Alle Versuche, "Gesetze" der Geschichte zu entdecken, sind gescheitert; die bekanntesten waren der von Karl Marx und der von Oswald Spengler.

-- Was wir sehen können, das sind Tendenzen; Trends. Beispielsweise die Verschlechterung der demographischen Situation in Europa. Aber Trends lassen sich in der Regel nicht extrapolieren. Die Klimaforschung zeigt, zu welchen Fehlprognsen das führen kann.

-- So, wie Sie das heutige Europa beschreiben, sind vor 100 Jahren das China des letzten Kaisers Pu Yi und das Osmanische Reich beschrieben worden, der "Kranke Mann am Bosporus". Im 19. Jahrhundert hatte Indien ein solches Bild geboten; eine estarrte, scheinbar gelähmte Kultur, die sich nicht der englischen Expeditionsheere zu erwehren wußte. China, Indien und die Türkei sind heute vitale, aufstrebende Länder.

-- Auch die längerfristigen historischen Entwicklungen bieten keine Handhabe für eine Extrapolation, wie Sie sie versuchen, lieber 123. Als Tacitus den Niedergang des Römertums beschrieb, standen diesem noch Jahrhunderte des Erfolgs bevor. Es gab immer wieder Umbruchszeiten, in denen eine ähnliche Stimmung verbreitet war, wie sie Ihren Beitrag durchzieht; denken Sie etwa an die Zeit der Reformation oder die des Dreißigjährigen Kriegs. Danach ging es nicht monoton weiter abwärts, sondern wieder aufwärts.

-- Was nun das heutige Europa angeht: Es ist noch immer eine der prosperierenden Regionen der Welt; mit einer exzellenten Infrastruktur, einer überwiegend sehr gut ausgebildeten Bevölkerung, mit Spitzenforschung und einem großen kulturellen Reichtum. Und so klein ist Europa ja auch gar nicht. Die EU hat eine halbe Milliarde Einwohner (die USA etwas über 300 Mio).

-- Sie beklagen zu Recht sozialistische Tendenzen in Europa. Aber gerade hier gilt, daß man mit dem Extrapolieren vorsichtig sein sollte. Der Sozialismus ist bisher noch überall gescheitert; ja nicht nur in Osteuropa, sondern beispielsweise auch in Indien, dessen Aufstieg damit begann, daß es Abschied vom Sozialismus nahm.

Warum sollte nicht auch in Europa das Pendel wieder in die andere Richtung schwingen?



Es gibt, lieber 123, aus meiner Sicht keinen Grund zum Kulturpessimismus; nicht zu einem konservativem, wie ihn Spengler und Möller van den Bruck verkörpert haben, und auch nicht zu einem linken, wie ihn zB Theodor W. Adorno zelebriert hat. Seien wir doch nicht so verzagt.

Herzlich,

Zettel

Edit: Link zu dem Beitrag von 123 eingefügt.

C. Offline




Beiträge: 2.639

08.07.2012 12:05
#15 RE: Pierre Moscovici, verantwortlich für Franreichs Wirtschafts- und Finanzpolitik Antworten

Zitat von 123
Daß Rotgrün die nächste Wahl gewinnt ist absolut sicher. Und zwar mit deutlicher Mehrheit



Ich bin begeisterte Leserin dystopischer Romane, aber Ihr Szenario ist selbst mir zu schwarzmalerisch. Auch wenn ich das derzeitige bunte Treiben unterlegt mit der medialen Kakophonie mit Sorge betrachte, ist es noch ein langer Weg bis zum Untergang. Die rot-grüne Gefahr ist nur in weiter Ferne am Horizont zu erkennen, von deutlichen Mehrheiten keine Spur. Je mehr Europa, EU und Euro in den Fokus gerückt sind, desto klarsichtiger werden die Wähler, dass rot-grün auch keine Lösung ist.

Selbst wenn der "Deutschland-Trend" und vergleichbare Umfragen sicherlich nicht das Gelbe vom Ei sind, hat das Volk eine realistischere Sicht als Politik und Medien vermuten lassen. In Krisen ist keine Zeit für große Experimente, was vor zwei Jahren noch die Gemüter bewegt hat, erscheint heute als purer Luxus. Die in den Umfragen herauszulesende Absage an sozialistische Politik ist Anlass zur Hoffnung, sie ist aber auch ein Warnung an Merkel und Schäuble, bis hierhin und keinen Schritt weiter und die Forderung an die FDP zu ernsthafter liberaler Politik zurückzukehren, wenn sie nicht bedeutungslos werden will.

Entscheidend wird sein, ob die Warnung gehört wird. Da habe ich ich allerdings angesichts der Europabesoffenheit und Demokratiefeindlichkeit der ganz großen Koalition unter Führung von Merkel und Schäuble meine Bedenken.* Ich warte aber erst ab, wie das Bundesverfasungsgericht urteilen und wie die politische und mediale Reaktion auf dieses Urteil sein wird. Wir können uns schon auf jede menge Lügen, tricksereien und Manipulationsversuche gefasst machen. Lammert hat schon erste Kostproben abgegeben, das große Konzert steht noch aus. Sicher ist, es wrd so unschön wie die Sarrazin-Debatte, aber auch die war kein Ruck nach links, sondern eine Entlarvung des politisch-medialen Komplexes.

*Nachtrag: Die neuste meldung bei SpOn bestätigt meine Sorgen: Berlins Widerstand gegen Euro-Bonds bröckelt

In einem privatwirtschaftlichen Unternehmen hätte sich die Firmenleitung von solchen notorischen Querschießern im beiderseitigen Einvernehmen getrennt. In der Politik ist das natürlich anders, da wird die Belastbarkeit der Nerven des Volkes getestet und wenn die Empörung ausbleibt, die Idee in die Tat umgestzt.

Der Riesling gehört zu Deutschland.

Calimero Offline




Beiträge: 3.280

08.07.2012 12:10
#16 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #13
Freunde hat eine größere Macht in erster Linie eben bei den kleinen Ländern. Und sie sollte viel dafür tun, diese Freundschaften zu pflegen, in sie auch zu investieren. Denn bei den Interessenkonflikten zwischen den Großen ist es ganz entscheidend, wer möglichst viele andere Länder als Unterstützer mobilisieren kann. Wer nur auf die eigene Stärke setzt, oder den guten Draht zu einem anderen Großen - der wird am Ende immer ausmanövriert.

Genau so ist es!

Zitat
Als aktuelles Beispiel: Deutschland hätte mehr in der "Eurokrise" durchsetzen können, wenn Merkel nicht immer so personifiziert als "Madame No" aufgetreten und den Konflikt als "Deutschland gegen den Rest der EU" gefahren hätte. Es gibt genug "Kleine" in der Eurozone (Finnland, Österreich, Slowenien, die Niederlande ...), die die deutschen Interessen teilen und bei geschickterer Diplomatie ganz wesentlich hätten helfen können. Auf der "Gegenseite" funktioniert die Choreographie viel besser.


Ich habe es die ganze Zeit über nicht verstanden, wieso man sich nicht viel stärker mit den anderen "Geberländern" und auch den Skeptikern wie Tschechien und der Slowakei kurzgeschlossen hat. Jetzt kommt ja z.B. Finnland aus der Deckung, das ja früher schon Extra-Garantien von Griechenland gefordert hat. Die Niederlande wollen auch nicht jede Schuldenvergemeinschaftung mittragen, die Slowakei hatte geklagt, dass sie für das pro Kopf reichere GR zahlen soll, Vaclav Klaus ist erklärter Gegner des Rettungszirkus, das UK spielt eh nicht so mit, wie sich die Schuldensozialisten das so vorstellen ... es gäbe genug Partner mit denen man sich verständigen könnte.

Stattdessen lässt sich Deutschland ständig von denen treiben und ziehen, die den unseren entgegengesetzte Ziele verfolgen. Rational finde ich die absolute Frankreich-Fokussierung unsererseits schon lange nicht mehr. Gerade Frankreich dürfte das letzte Land sein, das auch mal Rücksicht auf Deutschland nehmen würde. Ganz ehrlich, mir persönlich ist jedes andere Land in Europa näher und sympathischer.

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Calimeros Rumpelkammer - Ein Raum für freie Rede und Gedanken, mittendrin im Irrenhaus.

123 Offline



Beiträge: 287

08.07.2012 14:38
#17 RE: Pierre Moscovici, verantwortlich für Franreichs Wirtschafts- und Finanzpolitik Antworten

Aktuell liegen die Linken, bzw. die Linksextremen, denn die sozialdemokratisierte CDU und FDP kann man eigentlich ebenfalls als links einordnen, bei knapp 60%. http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm

Interessant ist, daß wohl auch viele Wähler der Linksextremen Eurobonds ablehnen, welche diese Parteien jedoch stark befürworten.
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...b-a-835289.html
Andererseits ist man mit deutlicher Mehrheit für drastisches Neuverschulden - obwohl der Kenesyianismus längst gescheitert ist. Aber man plapptert halt nach was die linken Medien vorkauen. Die eigentliche Lösung wäre nicht mehr Verschuldung, sondern Deregulierungen, Entbürokratisierung, Senkung der Staatsquote und Steuern. Also das genaue Gegenteil linker Rezeptur, die immer nur darauf abzielt die Macht der Politik zu erhöhen.

Die Leute wählen fast immer und fast alle nicht gemäß Einzelfaktoren, sondern entsprechend ihrer grundsätzlichen Weltanschauung. Wer die am ehesten repräsentiert, der wird gewählt. Sachfragen sind, abgesehen von Hypesituationen wie Fukujima, untergeordnet.
Und eine deutliche Mehrheit ist heute eben ökosozial(istisch) orientiert, so wie man früher wie selbstverständlich christlich war ohne groß darüber nachzudenken.



Obwohl es an den Finanzmärkten nie etwas sicher Prognostizierbares gibt, kann man aber mit Sicherheit sagen, daß es nach einer Machtübernahme durch die Ökolinken noch weniger Argumente gibt sein Geld in Euroland anzulegen, ob nun als Direktinvestition oder Kapitalanlage.

So gesehen bietet diese Entwicklung ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis, ganz abgesehen davon, daß es gradezu eine Notwendigkeit ist, Ersparnisse zu diversivizieren über den Euroraum hinaus.

Eierkopp Offline



Beiträge: 221

08.07.2012 15:38
#18 RE: Pierre Moscovici, verantwortlich für Frankreichs Wirtschafts- und Finanzpolitik Antworten

Zitat von C. im Beitrag #15
Selbst wenn der "Deutschland-Trend" und vergleichbare Umfragen sicherlich nicht das Gelbe vom Ei sind, hat das Volk eine realistischere Sicht als Politik und Medien vermuten lassen.


Bei solchen Fragen wird mir nur noch schlecht. Die weiteren Kompetenzen, die für Fiskalunion, Eurobonds, gemeinsame Haushaltspolitik oder ähnliche Konstrukte notwendig sind, kollidieren allesamt mit der Budgethoheit des Parlamentes und damit mit Artikel 20GG. Fiskalpakt und ESM sind (so zumindest mein Eindruck, bin aber kein Jurist und das Verfassungsgericht wird mich ggfs. korrigieren) so gestrickt, dass sie Chancen haben, gerade noch durchgewunken zu werden. Die Frage, ob Parlament oder Volk abstimmen soll, stellt sich aber garnicht. Das Parlament kann Artikel 20GG nicht ändern/abschaffen und eine Volksabstimmung kann auch nur eine neue Verfassung installieren, nicht aber ein Gesetz ermöglichen, das verfassungswidrig ist.

Immer wenn von Volksabstimmung über die Euro-Rettung die Rede ist, geht es eigentlich um die Einschränkung/Abschaffung der Budgedhoheit des Parlamentes und damit um die Abschaffung von Deutschland als Staat. Da macht der "Deutschland-Trend" durchaus Hoffnung.

AldiOn Offline




Beiträge: 983

08.07.2012 23:02
#19 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von 123 im Beitrag #7
Wir werden augenblicklich Zeugen und sind Opfer eines epochalen Kulturwandels, des totalen Niedergangs jenes Kontinentes der 5 Jahrhunderte die Welt dominiert hat.
Das ist doch ganz schön lange. Da kann man sich eigentlich nicht beschweren. Sind jetzt halt mal andere (Chinesen/Inder) dran. Das ist nur gerecht.

Wenn ich Sie richtig verstehe sind wir jetzt ungefähr in der Lage wie Argentinien in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts - es kommt also eine jahrzehntelange Abwärtsbewegung auf uns zu. Diejenigen von uns, die schon etwas älter sind (>40) dürfte das kaum betreffen (außer das sie traurig bezüglich der Entwicklungen sind).

Wobei... wenn 2013 wir eine rot-grüne Koalition mit sicherer Mehrheit haben, kann sich die CDU vielleicht wieder in einer etwa 10jährigen "Aufwärmphase" wieder zu einer mehrheitsfähigen konservativen Partei entwickeln. Es ist ja darauf hinzuweisen, daß diejenigen, die aktuell linksextremistisch (Grüne,Piraten, Linke) wählen überwiegend die Beamten und Lehrer sind. Das waren früher ja mal konservative Wählerschichten. Da diese unter sozialistischer Mißwirtschaft auch leiden, kann deren ja vorhandener Masochismus ja auch mal zu Ende gehen und das Pendel zurückschwingen.

Zitat von C. im Beitrag #15
Selbst wenn der "Deutschland-Trend" und vergleichbare Umfragen sicherlich nicht das Gelbe vom Ei sind, hat das Volk eine realistischere Sicht als Politik und Medien vermuten lassen. In Krisen ist keine Zeit für große Experimente, was vor zwei Jahren noch die Gemüter bewegt hat, erscheint heute als purer Luxus. Die in den Umfragen herauszulesende Absage an sozialistische Politik ist Anlass zur Hoffnung, sie ist aber auch ein Warnung an Merkel und Schäuble, bis hierhin und keinen Schritt weiter und die Forderung an die FDP zu ernsthafter liberaler Politik zurückzukehren, wenn sie nicht bedeutungslos werden will.
Diese Leute gibt es sicher aber sie haben derzeit keine für sie wählbare Partei. Diese Menschen verstecken sich derzeit deshalb bei den Nichtwählern. Ihr Gedanke hilft also kurzfristig gar nichts.

nestroy Offline




Beiträge: 14

09.07.2012 00:24
#20 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von Calimero im Beitrag #16
Zitat von R.A. im Beitrag #13
Als aktuelles Beispiel: Deutschland hätte mehr in der "Eurokrise" durchsetzen können, wenn Merkel nicht immer so personifiziert als "Madame No" aufgetreten und den Konflikt als "Deutschland gegen den Rest der EU" gefahren hätte. Es gibt genug "Kleine" in der Eurozone (Finnland, Österreich, Slowenien, die Niederlande ...), die die deutschen Interessen teilen und bei geschickterer Diplomatie ganz wesentlich hätten helfen können. Auf der "Gegenseite" funktioniert die Choreographie viel besser.

Ich habe es die ganze Zeit über nicht verstanden, wieso man sich nicht viel stärker mit den anderen "Geberländern" und auch den Skeptikern wie Tschechien und der Slowakei kurzgeschlossen hat. Jetzt kommt ja z.B. Finnland aus der Deckung, das ja früher schon Extra-Garantien von Griechenland gefordert hat. Die Niederlande wollen auch nicht jede Schuldenvergemeinschaftung mittragen, die Slowakei hatte geklagt, dass sie für das pro Kopf reichere GR zahlen soll, Vaclav Klaus ist erklärter Gegner des Rettungszirkus, das UK spielt eh nicht so mit, wie sich die Schuldensozialisten das so vorstellen ... es gäbe genug Partner mit denen man sich verständigen könnte.


Sehe ich auch so. Finnland, die Niederlande und Österreich haben zusammen immerhin etwa 30 Millionen Einwohner; dazu kämen mit der Slowakei, Slowenien und Estland noch einmal nicht ganz 10 Millionen Einwohner von Staaten, die prinzipiell auch den deutschen Kurs mittragen sollten. Das Problem dabei ist aber, dass von den drei reichen Staaten nur Finnland nach außen hin deutlich für den deutschen Kurs auftritt. Mark Rutte, der liberale niederländische Premierminister, hat im April sein Budget im Parlament nicht durchgebracht (gescheitert ist es, wie viele wissen, an der fehlenden Zustimmung von Geert Wilders' PVV) und hat seit dem keine Mehrheit mehr für einen Sparkurs; die Neuwahlen, die im September statt finden sollen, lähmen eine starke außenpolitische Positionierung. Österreich wiederum hat eine strenge konservative Finanzministerin (war auch ein Portrait in einer der letzten Spiegel-Ausgaben) - an der Regierung sind aber auch Sozialdemokraten beteiligt und der rote Bundeskanzler ist vor kurzem zumindest rhetorisch auf einen Pro-Hollande-Kurs eingeschwenkt. Aufgrund der uneindeutigen Positionierung ist daher auch Österreich hier keine große Hilfe. Leider, muss man in beiden Fällen sagen, denn beide Staaten (NL und Ö) haben währungspolitisch eindeutig deckungsgleiche Interessen und hatten ihre Währungen auch an die Mark gekoppelt. Würden Finnland, Österreich und Niederlande geschlossen und deutlich für den deutschen Kurs eintreten, wäre es zumindest nicht so einfach, in der Öffentlichkeit diese Geschichte von der Isolierung Merkels zu etablieren.

Zu den drei postsozialistischen Staaten: Sowohl die Slowakei als auch Estland haben Reformen durchgeführt, die in West- und Mitteleuropa in dem Ausmaß schwer vorstellbar wären (von Südeuropa selbstredend ganz zu schweigen) und wären in der Sache nicht nur Unterstützer des deutschen Kurses, sondern auch Beispiele, wie man mit austeritätsorientierten Reformen Staaten wieder fit bekommen würde. Für Slowenien sollte im Grunde Ähnliches gelten - ich bin mit der Situation dort aber zu wenig vertraut, um hier wirklich eine Einschätzung zu treffen. Zuletzt gab es zudem Gerüchte, wonach Slowenien selbst ein Kandidat für den Rettungsschirm werden könnte (etwas, das für Estland und die Slowakei meiner Einschätzung zufolge völlig ausgeschlossen ist).

Außerhalb der Eurozone sollten Tschechien, Polen und Schweden (vermutlich auch Dänemark) ebenso grundsätzliche Sympathisanten des deutschen Kurses sein.

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

09.07.2012 11:59
#21 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von nestroy im Beitrag #20
Würden Finnland, Österreich und Niederlande geschlossen und deutlich für den deutschen Kurs eintreten, wäre es zumindest nicht so einfach, in der Öffentlichkeit diese Geschichte von der Isolierung Merkels zu etablieren.

Sie würden nur dann geschlossen und deutlich für einen deutschen Kurs eintreten, wenn Deutschland a) einen klar erkennbaren Kurs fährt und b) die "Kleinen" VOR den EU-Verhandlungen konsultiert und eine Unterstützung organisiert.
Kein kleiner Staat schmeißt sich für die Interessen einer Großmacht ins Feuer, solange diese selber zaudert.

Ansonsten sehe ich die Lage ziemlich ähnlich - es gibt eine Menge potentieller Bündniskandidaten.
Wenn man eben die Baring'sche Fixierung auf die "Großen" vergißt und die "Kleinen" nicht länger vernachlässigt. Aber das ist ein klassisches Defizit deutscher Außenpolitik, daß derzeit Kanzlerin und Außenminister das nicht können, ist völlig normal.

Florian Offline



Beiträge: 3.130

09.07.2012 13:59
#22 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat
Aber das ist ein klassisches Defizit deutscher Außenpolitik, daß derzeit Kanzlerin und Außenminister das nicht können, ist völlig normal.



Mag sein.

Kann man aber auch anders sehen:

Die Politik der Bundesrepublik stand international noch NIE so in der Kritik wie zur Zeit.
Natürlich ist die Kritik unfair. Aber das hilft uns nichts.
Das ist eine ganz neue Erfahrung, die wir da machen.
(Die USA und Israel sind es ja gewohnt, dass sie aus der Sicht der weltweiten Medien-Öffentlichkeit nichts richtig machen können. Für Deutschland ist das eine neue Erfahrung).

Was da zur Zeit an Deutschland-Bashing abläuft, ist absolut nicht normal.
Es gibt hier eine ganz breite Front vom linken Ökonomen Krugman bis zum (eigentlich) liberalen Economist. Vom Kapitalisten Soros bis zum Sozialisten Hollande. Vom amerikanischen Präsidenten bis zur griechischen Boulevard-Presse:
es ist absolut en vogue, die derzeitige Krise den Deutschen anzuhängen.

Und das wird uns außenpolitisch noch viele Jahre anhängen.
Denn ganz egal, was jetzt passieren wird: in der Rhetorik der veröffentlichten Welt-Meinung werden die Deutschen schuld sein.

(Ganz ähnlich wie die USA immer schuld sind: wenn sie - sagen wir mal - in Lybien intervenieren sind sie Kriegstreiber. Wenn nicht, halten sie einen Diktator an der Macht).


Es ist ein ganz massives Versagen der deutschen Außenpolitik, hier nicht ausreichend gegenzusteuern.
Da haben wir einen Außenminister, der sich wie keiner seiner Vorgänger mit den Themen Finanzen und Steuern beschäftigt hat.
Der jetzt wirklich gefordert wäre, um der internationalen Öffentlichkeit die deutsche Position verständlich zu machen (und vielleicht sogar zu überzeugen versuchen, dass die deutsche Politik im langfristigen Interesse aller Beteiligten ist).
Der vielleicht auch die Niederlande, Finnland und Österreich dazu animieren sollte, die deutsche Politik mit zu verteidigen.
Aber da kommt eindeutig zu wenig.


[Wenn ich mir den aktuellen Terminkalender des Außenministers und seiner beiden Staatssekretäre anschaue (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/L...itung_node.html), dann sehe ich zwar jede Menge Termine zur Menschenrechtsfrage in Syrien und zur Zivilgesellschaft in Russland. Aber nichts Euro-relevantes.

Auf der englischen Version der AA-Seite gibt es auch eine Interview-Liste mit Westerwelle. http://www.auswaertiges-amt.de/EN/yyy_Ar..._lang_node.html .
Aus den letzten 6 Monaten stammen knapp 40 Interviews. Davon nur 3 mit einem klaren Euro-Fokus. Diese 3 Interviews führte Westerwelle übrigens mit der Passauer Neuen Presse, der Zeit und der Financial Times Deutschland. Kein einziges Interview mit einer wichtigen ausländischen Zeitung.}

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

09.07.2012 14:20
#23 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #22
Die Politik der Bundesrepublik stand international noch NIE so in der Kritik wie zur Zeit.

Und das trotz aller Hilfszahlungen. Es wäre auch hier deutlich schlauer gewesen, sich auf die Verträge zurückzuziehen und Griechenland Pleite gehen zu lassen.

Zitat
Das ist eine ganz neue Erfahrung, die wir da machen.


Aber keine Erfahrung, die hierzulande jemand beeindrucken würde. Die Leute lassen das (durchaus zu Recht) einfach ablaufen.

Zitat
Es gibt hier eine ganz breite Front vom linken Ökonomen Krugman bis zum (eigentlich) liberalen Economist. Vom Kapitalisten Soros bis zum Sozialisten Hollande. Vom amerikanischen Präsidenten bis zur griechischen Boulevard-Presse


Ist doch logisch. Es gibt halt viele Leute, die ökonomisch oder politisch dem Schuldendenken verhaftet sind.

Zitat
Und das wird uns außenpolitisch noch viele Jahre anhängen.


In Griechenland vielleicht - aber die haben uns ja auch den zweiten Weltkrieg nicht vergessen. In den übrigen Ländern, auch in Italien oder Spanien, sehe ich da wenig Gefahr.

Zitat
Der jetzt wirklich gefordert wäre, um der internationalen Öffentlichkeit die deutsche Position verständlich zu machen


Ich bin ja nun kein besonderer Fan von Westerwelle als Außenminister. Aber hier hat er m. E. Recht.
Die ganze Euro-Geschichte war Merkels Ding, das hat sie von Anfang an unter bewußter Ausschaltung des Koalitionspartners durchgezogen. Das muß sie dann auch alleine auslöffeln.

Und selbst wenn er wollte: Wie soll Westerwelle eine deutsche Position erklären, die Merkel selber nicht erklärt und wohl auch nicht erklären kann?

Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.660

09.07.2012 17:28
#24 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #23
Und selbst wenn er wollte: Wie soll Westerwelle eine deutsche Position erklären, die Merkel selber nicht erklärt und wohl auch nicht erklären kann?


Und wie sollen wir dann die dringend benötigten Alliierten gewinnen? Jahrelang haben wir über die Köpfe der kleineren Eurostaaten gemeinsam mit Frankreich hinwegregiert. Sind wir zu stolz oder gar zu arrogant diesen Fehler zu korrigieren? Es ist dringend geboten hier einen Kurswechsel vorzunehmen. Wenn Finnland wahrmacht was es androht, werden vielleicht andere folgen, von den Kleinen mit AAA.

@Florian
Sie haben doch selbst geschrieben, dass eine gemeinsame Fiskalpolitik nicht die richtige Antwort auf die Eurokrise ist. Das ist einer der Kretikpunkte vom Economist und anderen, die Deutschland kritisieren. Ein weiterer ist die Zögerlichkeit, das Nichtstun. Und die daraus resultierende Unberechenbarkeit.
Gerade in Amerika haben wir immer noch viel Sympathien, aber die oben genannten Punkte verspielen sie zusehends.




Ich halte gar nichts davon, uns immer nur als Opfer zu stilisieren welches vom Rest Europas erpresst und von den anderen ohne jeglichen Grund, einer Verschwörung ähnlich, verdammt wird. Da ist eine Portion Selbstmitleid zuviel im Spiel.

Viele Grüße, Erling Plaethe

nestroy Offline




Beiträge: 14

09.07.2012 17:47
#25 RE: Zitat des Tages: Ende der Achse Berlin-Paris? Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #21
Zitat von nestroy im Beitrag #20
Würden Finnland, Österreich und Niederlande geschlossen und deutlich für den deutschen Kurs eintreten, wäre es zumindest nicht so einfach, in der Öffentlichkeit diese Geschichte von der Isolierung Merkels zu etablieren.

Sie würden nur dann geschlossen und deutlich für einen deutschen Kurs eintreten, wenn Deutschland a) einen klar erkennbaren Kurs fährt und b) die "Kleinen" VOR den EU-Verhandlungen konsultiert und eine Unterstützung organisiert.
Kein kleiner Staat schmeißt sich für die Interessen einer Großmacht ins Feuer, solange diese selber zaudert.


Beide Einwände sind berechtigt; zum letzten Satz möchte ich aber gerne noch darauf hinweisen, dass die deutschen Interessen de facto deckungsgleich sind mit denen Finnlands, der Niederlande und Österreichs. Sie würden nicht aufgrund eines guten Willens oder bloßer Sympathie solche Positionen vertreten, vielmehr lägen diese auch im Eigeninteresse dieser Staaten.

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