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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 44 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

31.03.2016 20:23
#26 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #25
Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?


Das wäre doch eine schöne Öko-Verschwörungstheorie, nicht wahr?


Sehr wahrscheinlich. Hauen & Stechen, Knut Hauser:

BILD war dabei, 2007:

Zitat von 18.4.2007: MORD-DROHUNG | Wer will Knut töten?
Es sind fünf Worte, die gestern Todesangst im Berliner Zoo auslösten.
Todesangst um Knut, den Eisbären, in den sich ganz Deutschland verliebt hat.
Kurz vor 15 Uhr lief ein mysteriöses, handschriftliches Fax bei der Zoodirektion ein. Absender unbekannt.
Darauf die Drohung: „KNUT IST TOT! DONNERSTAG MITTAG.“
Wer will den süßen Knut umbringen? Und vor allem: warum?



Hauen & Stechen II, diesmal aus seriöser Quelle:

Zitat von FAZ, 07.4.2008, Eisbär Knut tötet zehn Karpfen
Durch einen zehnfachen Mord hat Eisbär Knut endgültig seine Unschuld verloren - und der Berliner Zoo eine Attraktion.



Und das in der Frontstadt. Wahrscheinlich hat er für Putin spioniert. Oder er wollte singen (das mit der "Autoimmunkrankheit" ist eh' jedem Leser einschlägiger Fachromane vor Anfang an suspekt gewesen). Angesichts seiner animalischen Natur könnte es sich natürlich auch um einen Agenten des Mossad gehandelt haben... (Heute weiß man nichts mehr sicher. Überschrift des zuletzt verlinkten Tagesspiegel-Beitrags: "Mossad-Delfin könnte eine Ente sein". Ist die Spezieszugehörigkeit jetzt auch schon ein soziales Konstrukt?)



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.734

31.03.2016 21:15
#27 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #25
Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?

Das wäre doch eine schöne Öko-Verschwörungstheorie, nicht wahr?

Ich glaube, er ist von missgünstigem Bergvolk zur Strecke gebracht worden:
https://www.youtube.com/watch?v=sHBovz2jUdA

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

31.03.2016 22:08
#28 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von RichardT im Beitrag #23
Dann kann man möglicherweise in ein paar Jahren nicht mehr überall zum Pilzesammeln in den Wald.


Da gewöhnt man sich an. Wenn man aus dem weiteren Bekanntenkreis hört (Vermont, dörflich/gebirgigt), daß man da kurz vor dem Indian summer Lokalradio gehört wird, bevor man den Hund ausführt, weil der dumm genug wäre, einen Bären anzumachen, der sich gerade Winterspeck anfuttert... Vor einigen Monaten Mittagsgespräch mit einer neuen Juniorprofessorin. Vor zwei Jahren ein Sabbatjahr in Toronto, nach Ablauf, um auch mal was vom Land zu sehen, mit einer Landsmännin 2 Wochen Canadian Rockies. Auf dem ersten Campingplatz nach Aufbau der Dackelgarage beim Marsch zum Mietwagen: 2 runde Pelzohren wandern hinter dem Zeltfirst. Zwei Stunden automobiles Sightseeing in der Erwartung des Sich-Trollens. Nach Rückkehr Visite beim nächsten Lagerfeuer, 50m entfernt: "Oh, by the way, you might want to know that there's a bear wandering around." "Oh, he's back again?" Konsternierung: "What do you mean: again?" "Oh, that's a brown bear. He's harmless - if you don't tease him. But you should beware of the mama grizzly. She has three cubs and she's always irritable." Nich' am Bär packen... (stand nb. in unserm Zoo jahrelang als Graffito am Eisbärgehege).



Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #12
Apropos Niedersachsen. Stichwort "Wolfskinder". ... Für DE war der letzte Fall "Peter the Wild Boy", 1725 in der Gegend um Hameln aufgegriffen


2016: OWL, Barntrup. Das ist justament die Gegend, in der im August 2013 dieses 20 Sek.-Handyvideo aufgenommen wurde (dem Leitwolf wird nicht mal die Bildzeitung nachsagen, daß er sich die Haare färbt). Der jetzige Ostermontagswolf hat einen Zwergziegenbock namens "Peter" gefrühstückt (statt ein Osterlamm das Symbol dionysischer Animalität). Irgendjemand hat da Sinn für passende Symbolik. Außerdem muß da ein Nest sein: Hameln liegt 20km entfernt ("in dem Hamelischen Busche, auf Hände und Füßen als ein vierfüßig Thier gehend, und die Bäume mit grosser Geschwindigkeit hinauf kletternd, gefunden," schreibt die Vossische Zeitung am 16.12.1725). Lippe liegt 150km neben meinem Schreibtisch. : Zu Zeiten von Coppolas Dracula-Remake (auch so ein Film, der beim Wiederanschauen ganz gruselig einbüßt), als die ersten Aussichten auf anstehende Wanderbewegungen id Presse ventiliert wurden, habe ich mal die Hoffnung formuliert, noch zu Lebzeiten Gelegenheit zu haben, bei einem Nachtspaziergang den Originalgrafen Bela L. zitieren zu können: "Hören Sie: Kinder der Nacht! Welche Musik sie machen!" War angesichts norddeutscher Siedlungs- & Waldverhältnisse nicht wirklich ernst gemeint. Aber nachdem sogar die Holländer im vorigen März Sichtungen (Groningen & Drenthe) gemeldet haben...


PS. Wilkommenskultur: Selma Lagerlöf, Gösta Berling (1891) fängt so an:

Zitat von Rolf Vollmann, Die wunderbaren Falschmünzer, S.640
Sehr hübsch ist ziemlich am Anfang eine wenn auch leicht im Undurchsichtigen belassene Geschichte mit Büchern; Gösta muß mit einer jungen Frau irgendwo fort, im Schlitten, winters also, in die Nacht, und die Gastgeberin, damit er nicht ohne irgendwas wegfährt, schenkt ihm drei schöngebundene Romanbände, die Corinne der Madame de Staël; wie sie fahren, lauern da die Wölfe, schneiden ihnen den Weg ab, und Gösta kann nichts tun als den Wölfen die drei schöngebundenen Bücher in den Rachen werfen; dann kommt der Hof, wohin sie wollen, schon zerren die Wölfe an den Schlittenbehängen, dann geht die Tür auf, Licht, und sie sind gerettet.



Bei dem Titel eine völlig angemessene Reaktion. In Sachen Hollandsichtungen: In Joan Aikens bekanntestem Jugendbuch, "The Wolves of Willoughby Chase" (Wölfe ums Schloß), 1962, 1. Band der 8 oder 9 Bände der Dido-Twite-Reihe, wird ihr alternatives England, ausgehendes 19. Jhdt., von Wölfen heimgesucht, die durch den Ärmelkanaltunnel von F aus rübergemacht haben. Bislang gabs aus dem Tunnel in unserm Kontinuum nur die Meldung von 1996, daß ein deutscher Schäferhund (!) mit Namen "Napoleon" (!!) auf halber Strecke abgefangen worden sei.



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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

01.04.2016 09:07
#29 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?


"Operation Knut" war der Testlauf Derjenigen Welcher™: ob man ein ganzes Land durch massive Applizierung von Kindchenschema & stolperiger Hilflosigkeit, vor dem Symbolhintergrund einer angedrohten Weltkatastrophe (schmelzende Eisbären) rückstandslos hypnotisieren kann. Nach dem März 2011 war die Phase Geschichte.



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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

03.04.2016 21:25
#30 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zum Thema "Wolf 2016" & "Willkommenskultur" passt dieser Filmstart: 14. April 2016, Wild, Regie: Nicolette Krebitz. Was in deutschen Parks so abgeht ("Mitten im Park steht sie einem Wolf gegenüber").

Zitat von Inhaltsangabe & Details, FSK ab 16 freigegeben
In ihrer Freizeit treibt Ania ein Kunstprojekt voran und trainiert auf einem Schießstand. Eine Begegnung mit einem Wolf, den sie trifft, während sie nach Hause geht, verändert Anias Leben auf ungeahnte Weise. In ihr erwacht eine große Leidenschaft, die sie im alltäglichen Arbeitstrott gar nicht mehr für möglich hielt. Ania beginnt, den Wolf zu jagen – und ihr gelingt es schließlich, das wilde Tier mit in die Wohnung zu nehmen. Mehr und mehr entdeckt sie ihre eigene animalische Seite: Die Lust auf Sex wächst, das Interesse an sozialen Normen sinkt. Auf andere wirkt Ania nun mal anziehend und mal abstoßend…



. Und die Ärzte haben sich für den Song über Claudia noch ein Indizierungsverfahren angelacht.



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sprout Offline



Beiträge: 4

06.04.2016 11:59
#31 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #17
Der Wildschweinplage, die übrigens durch den vermehrten Maisanbau im Zuge der Bioenergieförderung ausgelöst wurde,

und diese Aussage ist falsch.

Offtopic:
Man kann zum Maisanbau stehen wie man will, aber die Zunahme der Wildschweinpopulation erfolgte nicht erst seit Beginn der Förderung von Biogasanlagen.
Die Zunahme erfolgte (als Anhaltspunkt dienen die Abschusszahlen der Wildschweine) schon bereits Anfang/ Mitte der 1990er. Grund war zum einen der vermehrte Rapsanbau (gefördert im Zuge der EU als Nachwachsende Rohstoffe -> Biodiesel).
Entscheidender war jedoch die großflächige Flächenstilllegung. Dadurch hat man wunderbare Rückzugsräume für die Wildschweine geschaffen.
Zusätzlich zu den Rückzugsräumen gab es ein exzellentes Nahrungsangebot.
Denn eines darf man nicht vergessen. Die Nahrung von Wildschweinen besteht zu min. 30% aus tierischen Quellen.
Das sind im übrigen nicht nur Engerlinge, Würmer, Käfer etc. sondern auch Junghasen, Bodenbrüter und andere Jungtiere.

Diese Zunahme der Wildschweinpopulation in den 90ern stellte für die meisten Gegenden kein Problem da weil Wildschaden auf einer Stilllegung keinen interessierte und Schäden im Weizen nicht so gut erkennbar sind wie die Schäden im Mais.

Der vermehrte Maisanbau (wobei in den 80ern gab es viele Gegenden in Westdeutschland wo deutlich mehr Mais angebaut wurde aber ohne Zunahme der Wildschweinpopulation) hält die Population stabil.

Aber auch andere Rückzugsorte sollte man etwas beachten. Spargelfelder zum Beispiel sind wunderbare Einstände für Wildschweine.
Aber auch die vielen Biotope sind ein Schlaraffenland für diese Tiere.
Siedlungen sollten auch nicht vergessen werden, denn Wildschweine sind perfekte Opportunisten.

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.734

06.04.2016 12:08
#32 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Lieber sprout, willkommen als Aktiver im Kleinen Zimmer! Ich hoffe, ich kann mich auf weitere sachkundige Beiträge zu landwirtschaftlichen Themen von Dir freuen!

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

sprout Offline



Beiträge: 4

06.04.2016 12:53
#33 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #5

momentan hast Du mit Deinen Parallelen kein Glück bei mir, mich überzeugt die auch nicht. Vor allem die von dir verlinkte Seite ist für BUND-Verhältnisse relativ ausgewogen, da geht es ja eben nicht um unkontrollierte Zuwanderung, sondern natürlich mit "Wolfsmanagement".


Aber man sollte schon erwähnen das gerade der BUND und andere NGOs maßgeblich dazu beigetragen haben das ein vernünftiges Wolfsmanagement nicht so leicht möglich ist.

Denn auf deren Betreiben wurde mal so eben eine neue "Wolfsart" erfunden.
Die Wölfe in Deutschland sind deshalb so stark durchs EU Artenschutzrecht geschützt weil man eine Westpolnisch/deutsche Wolfspopulation proklamierte.
Sprich man geht davon aus das diese eine isolierte Wolfspopulation sei die wenig bis keinen Genaustausch mit anderen Populationen hat und nur durch eine Mindestanzahl an Tieren aufrecht erhalten werden kann.

Das dem nicht so ist wird ja immer wieder durchs Wolfs-Monitoring gezeigt. Wanderungen von Jungwölfen nach Russland und in entgegengesetzter Richtung wurden nicht nur einmal dokumentiert sondern sind sehr häufig.

Auch hat sich in letzter Zeit - durch die zunehmende Zahl von "Problemwölfe" eine etwas pragmatischere Sicht durchgesetzt. Doch der mMn grundliegende Fehler - die willkürliche Einführung einer westpolnischen/deutschen Population - steht nicht zu Diskussion.

Anfänglich wurde ja auch Gebetsmühlenartig behauptet Wölfe seien so scheu - niemand würde sie zu Gesicht bekommen. Dieses Bild lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten.
In Anlehnung an die Domestikation vom Wolf zum Hund sollte man die Arbeiten des einen der genialsten Genetiker - Dmitri Konstantinowitsch Beljajew - nicht ausser acht lassen.

Er kreierte ein Silberfuchsexperiment um den Zusammenhang von Umwelt, Selektion, Kontrollgenen, physiologischen Prozessen, Entwicklung und Evolution zu untersuchen.
Nach nur vier Generationen zeigte sich bei den Silberfüchsen eine deutliche Wesensänderung.

Bei Wölfen passierte das auch. Nur halt in umgekehrter Richtung. Sprich dadurch das über Jahrhunderte die Wölfe bejagt wurden war die dominierende Linie eben die, die eine hohe Scheu vor dem Menschen hatten. Da aber nach meinem Wissensstand diese Scheu eher als "epigenetisches Merkmal" zu betrachten ist verwundert es nicht das nach ein paar Generationen diese Scheu verloren geht. Sprich es ist nicht nur gelernte Erfahrung sondern auch genetisch bedingt (kann man ja auch bei Hunden immer noch feststellen das in einem Wurf Welpen sich unterschiedlich verhalten).

Das durch die strenge Nichtbejagung vermehrt Problemwölfe auftreten ist daher nicht verwunderlich.

Auch kann man den Standpunkt vertreten das der Nahrungsanteil von Nutztieren beim Wolf sehr gering ist.
Doch dann muss man sich auch über die Konsequenzen im klaren sein.

Denn "Schäden" entstehen nicht nur durch direkte Risse sondern sind schon etwas größer.
Finanzielle Aufwendungen für Schutzmaßnahmen (die die letzten Jahren auch immer wieder geändert werden mussten weil der Wolf eben nicht die das Verhalten zeigte was Naturschützer ihm zubilligten)sind ein Problem.
Aber auch entstandene Schäden durch z.B. Panik in Herden (z.B. Verlammung) führt zu Problemen die nicht ersetzt werden. Das erschwerte betreuen einer "Wolfsgeschädigter" Herde und der dadurch einhergehende erhöhte Unfallgefahr für den Tierhalter sollte man auch in die Betrachtung einfließen lassen.

Aber auch das wir in Deutschland eine Kulturlandschaft haben und keine Natur. Sprich der Artenreichtum in Deutschland ist nur deshalb so hoch weil es den Mensch gibt. Ansonsten wäre es vornehmlich Wald.
Viele Gebiete die heute von Nutztieren beweidet werden würden sich dann zuerst zu Buschland und dann zu Wald weiterentwickeln. Auf den ersten Blick scheint das kein Problem darzustellen. Aber auf den zweiten halt nicht.
Denn wenn eine kostendeckende Haltung der Weidetiere nicht mehr möglich ist dann wird sie nicht mehr durchgeführt. Dann gibt es zwei Szenarien. Die eine: Verbuschung --> Verwaldung mit einhergehendem Rückgang der Artenvielfalt + Zunahme von Großflächigen Busch und Waldbrände + hoher Attraktivitätsverlust für z.B. Tourismus weil die meisten wollen nicht nur im Wald sein.
Die andere: hohe Kosten fürs maschinelle "offenhalten" bestimmter Gebiete oder halt massive finanzielle Zuwendungen an Weide-Tierhalter. Auch das wäre finanzierbar aber dann sollte man schon so ehrlich sein dies mit in die Diskussion mit einfließen zu lassen.
Schutzmaßnahmen wie Herdeschutzhunde - das sind keine Hütehunde - sind auch nicht unproblematisch. Denn diese unterscheiden nicht zwischen Tourist und andere Bedrohungsquellen. Aber auch große Weidetiere (Rinder) können zu massiven Gefahr für Spaziergänger/Touristen werden wenn dann vornehmlich Rinderrassen/Linien eingesetzt werden die ein hohes Verteidigungspotential aufweisen.

Das muss man auch beachten.

Doeding Offline




Beiträge: 2.397

06.04.2016 20:10
#34 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von sprout im Beitrag #33

Aber man sollte schon erwähnen das gerade der BUND und andere NGOs maßgeblich dazu beigetragen haben das ein vernünftiges Wolfsmanagement nicht so leicht möglich ist.

[…]

Vielen Dank für Ihre beiden sehr lesenswerten und -für mich- lehrreichen Beiträge .

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

Martin Offline



Beiträge: 2.724

06.04.2016 20:54
#35 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von sprout im Beitrag #33
[Bei Wölfen passierte das auch. Nur halt in umgekehrter Richtung. Sprich dadurch das über Jahrhunderte die Wölfe bejagt wurden war die dominierende Linie eben die, die eine hohe Scheu vor dem Menschen hatten. Da aber nach meinem Wissensstand diese Scheu eher als "epigenetisches Merkmal" zu betrachten ist verwundert es nicht das nach ein paar Generationen diese Scheu verloren geht. Sprich es ist nicht nur gelernte Erfahrung sondern auch genetisch bedingt (kann man ja auch bei Hunden immer noch feststellen das in einem Wurf Welpen sich unterschiedlich verhalten).

Das durch die strenge Nichtbejagung vermehrt Problemwölfe auftreten ist daher nicht verwunderlich.


Wenn ich gelegentlich in Brandenburg bin und mich mit im regen Austausch mit Jägern befindlichen Leuten vor Ort rede, dann werden mir in der letzten Zeit allerlei Wolfs-Geschichten erzählt: Vom Jäger, der auf seinem Jägerstand saß, nicht herunter wollte, weil unten ein Wolf nicht von der Leiter weichen wollte. Letztlich half ein Schuss Schrot am Allerwertesten des Wolfs vorbei. Oder Radfahrerinnen, die eine lange Strecke von einem Wolf 'begleitet' wurden und etwas entnervt an ihr Ziel kamen. Oder einem Wolf, der auf ein Privatgrundstück eingebrochen ist und den kleinen Hund angeknabbert hat.

Es wird auch erzählt, dass die den Jägern oder Förstern vorgesetzte Stelle die Weitergabe entsprechender Meldungen an die Presse für unerwünscht erklärt hat. Vielleicht lesen wir deshalb wenig über Vorfälle. In solchen Dingen gibt es anders als bei Kernkraftwerken keine Meldepflichten.

Gruß, Martin

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

06.04.2016 21:15
#36 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #16
als die Schnittmenge DE(-West, zumindest), Teilmenge Bayern & "Wolf" genau 1 Element aufwies: Erik Zimen.


"Treppenwitz" sagt der höfliche Mensch für Spätzünder. Stichwortkopplung "Wolf" & "Osterspaziergang". Zimen war in den 70ern nicht nur als Mitten-im-Wolfsrudel-Leben à la Konrad Lorenz bekannt (eine Sportart, die irgendwie démodé geworden ist; der letzte Namhafte war wohl Timothy Treadwell, der 2003 als Bärenatzung endete; sh. Werner Herzogs "Grizzly Man"; für die gefiederten Freunde scheint der Schlußpunkt durch den Film Le peuple migrateur von 2001 markiert; dessen allerdings traumhafte Sequenzen sich momentan auf YouTube finden); Zimen betrieb als Schüler von Lorenz auch vergleichende Verhaltensforschung, und zwar bei Hund-Wolfs-Hybriden. Wobei er als Hunderasse Königspudel nahm; Begründung: weil die, zumindest genetisch, dem Wolf am nächsten stünden (so wurde das zumindest kolportiert - tatsächlich ging es aber - alle Hunderassen sind genetisch so ziemlich identisch - um das ererbte Verhaltenrepertoire, hinweg über zwei Generationen). Wolves in Sheep's Clothing: The Badass Roots of 5 Sissy Dogs. (Hier übrigens ein honest-to-God Rekrutierungsposter der 40er.)

Das Resultat nannte er PuWo.

Zitat von taz, 14,12,2010, 'Im Strudel der Pudel'
Vorsorglich beantrage ich hiermit Namensschutz für den Puckel (Pudel/Dackel), Wockel (Wolf/Dackel) und den Dalf (Dackel/Wolf). Ferner für den Spotz (Spitz und Wolf) und den Worrier (Wolf und Terrier). Chow) natürlich und den plumpen Wotter (Wolf/Setter). ... Interessant wird es allerdings dann, wenn wir die Hybriden weiter kreuzen: Aus Puwo und Pudel entsteht der Puwodel. In der nächsten Generation entsteht aus einem Puwodel und einem Wockel ein kleiner Puwockelwelpe.



Heiliger Loriot, hilf! Das also war des Pudels Kern.




Begegnung der Dritten Art. Rubrik: "Ich lese gerade: Fundstellen". James Thurbers bekannte Version, stammt, an den Verweisen deutlich erkennbar, von 1939:

Zitat von The Little Girl and the Wolf
When the little girl opened the door of her grandmother's house she saw that there was somebody in bed with a nightcap and nightgown on. She had approached no nearer than twenty-five feet from the bed when she saw that it was not her grandmother but the wolf, for even in a nightcap a wolf does not look any more like your grandmother than the Metro-Goldwyn lion looks like Calvin Coolidge. So the little girl took an automatic out of her basket and shot the wolf dead. (Moral: It is not so easy to fool little girls nowadays as it used to be.)



Aktuelle Lektüre: Otto Penzler, hg., The Big Book of Sherlock Holmes Stories (Random House, Okt. 2015). Als Artefakt: joycelich. Telefonbuchformat, 800+ Seiten. Doppelspaltig. Spillerig gelumbeckt; ohne Lesepult unlesbar. Aber es hat all die Sherlockiana, über die man mal als bibliographisches Karteileiche gestolpert ist. U.a. Anthony Bouchers "The Adventure of the Bogle-Wolf" von 1949. Dr. Watson ist zum Kinderhüten abgestellt & Sherlock, der ihm die Aufwartung macht, bekommt dabei die Grimm'sche Variante von Little Red Riding Hood erzählt. (Die er nicht kennt, weil er sich den Kopf ja von irrelevanten Details wie u.a. dem kopernikanischen Weltbild freihält.) Nachdem er das Unmögliche eliminiert hat (2 Menschen unzerstückt aus 1 Wolfsmagen gerettet), bleibt als unabweisbarer Schluß übrig: Großmutter war ein Werwolf, der von Rotkäppchen gerade bei der Metamorphose erwischt wurde.



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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

26.04.2016 16:17
#37 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

"Eine Uhr schlägt zwölfe / Im Walde stehn zwei Wölfe..." (Morgenstern). Nachtrag Canis lupus (vom, wat't nich all't gifft: "Freundeskreis freilebender Wölfe e.V." - hört sich irgendwie an wie "Freunde der italienischen Oper"...)

http://www.freundeskreis-wolf.de/

21.04.: Fotonachweis eines Wolfs in Nordhessen

Zitat
Anfang März diesen Jahres ist ein mutmaßlicher Wolf in Nordhessen von einer Fotofalle aufgenommen worden. Ein Wissenschaftler entdeckte das Foto bei der Kontrolle der Fotofalle am Dienstag, 19. April. Die Kamera hatte das Tier am 3. März 2016 nahe dem Ortsteil Wellerode der Gemeinde Söhrewald im Landkreis Kassel erfasst.



25.4.2016 - Zur Entnahme des Wolfes MT6 in Niedersachsen

Zitat
25. April 2016 – Dem Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. ist aktuell bekannt, dass der besenderte Wolfsrüde MT6 aus dem Munsteraner Rudel einen Hund angegriffen und verletzt hat. Die DNA-Auswertung scheint momentan noch nicht abgeschlossen. Dem Anschein nach kann dieser Berichterstattung Glauben geschenkt werden. Der Wolf MT6 ist sowohl vor als auch nach der Vergrämungsaktion durch den Schwedischen Experten Karlsson immer wieder durch Nahkontakte zu Menschen aufgefallen.

Das Umweltministerium Niedersachsen hat verkündet, dass MT6 der Natur entnommen werden muss. Die Maßnahme zur Entnahme soll das Fangen und Einsperren in ein Gehege in Springe beinhalten.



24.04.2016: Wolfsverbreitungskarte DE: https://www.google.com/maps/d/viewer?mid...Pk.kpTEIl7gng7U



Eine der ältesten literarischen Werwolferzählungen (falls das kein Oxymoron ist) kommt bei Frederick Marryat vor (richtig: der mit Sigismund Rüstig), als Kapitel 39 in dem Roman The Phantom Ship von 1839 & wird bei Anthologie-Auskoppelungen u.d.T. "The White Wolf of the Hartz Mountains" gebracht. Spielt im unbekanntesten Teil des wilden Dunkeldeutschlands. Da muss irgendwo ein Nest sein.

Zitat von 'The Wild Wolf of the Hartz Mountains'
"I take it for granted, that you have heard people speak of the Hartz Mountains," observed Krantz.

"I have never heard people speak of them, that I can recollect," replied Philip; "but I have read of them in some book, and of the strange things which have occurred there."

"It is indeed a wild region," rejoined Krantz, "and many strange tales are told of it; but strange as they are, I have good reason for believing them to be true."



http://gutenberg.net.au/ebooks06/0606061h.html

Interessant, daß der Erzähler aus einer noch vorbestrafteren Region kommt, von der ich gedacht hatte, daß sie erst 1897 mit einem gewissen Grafen literarisch zu spuken begonnen hätte (& das auch nur, weil Bram Stoker den zuerst "Count Vampire" genannten Entwurf nicht mehr in der Steiermark spielen lassen wollte, damit die thematische Parallele zu Le Fanus "Carmilla" nicht ganz so schlagend auffiel).

Zitat von Marryat
"My father was not born, or originally a resident, in the Hartz Mountains; he was the serf of an Hungarian nobleman, of great possessions, in Transylvania; but, although a serf, he was not by any means a poor or illiterate man. In fact, he was rich and his intelligence and respectability were such, that he had been raised by his lord to the stewardship; but, whoever may happen to be born a serf, a serf must he remain, even though he become a wealthy man: and such was the condition of my father. My father had been married for about five years; and by his marriage had three children---my eldest brother Caesar, myself (Hermann), and a sister named Marcella. You know, Philip, that Latin is still the language spoken in that country; and that will account for our high-sounding names."



Das letzte halte ich zumindest für Siebenbürgen & die 1820er Jahre für leicht zweifelhaft, geht aber nicht ganz fehl, zumindest für Göttingen, ergo Harzrand, & eine Generation vorher:

Zitat
Als ich im Jahr 1769 einen Engländer zu dem Professor F... (= Paul Jakob Förtsch, 1722-1802; dieses Netz weiß alles ) führte, der damals Prorector war, so hielt dieser mit vieler Gravität und rhetorischer Genauigkeit eine lateinische Rede an ihn, und als er völlig ausgeredet hatte (denn ich wollte ihm nicht in die Rede fallen), sagte ich zu ihm: Ihr Magnificenz, die Engländer verstehen unser Latein nicht. Er schien aber nicht sehr betreten darüber. (Georg Christoph Lichtenberg)



Kam im 18. Jhdt. öfters vor aufgrund der allgemeinen Unkenntnis des Englischen; wogegen alle studirten Britten natürlich Latein weg hatten.



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

Fluminist Offline




Beiträge: 1.923

26.04.2016 17:41
#38 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #37

Zitat
Als ich im Jahr 1769 einen Engländer zu dem Professor F... (= Paul Jakob Förtsch, 1722-1802; dieses Netz weiß alles ) führte, der damals Prorector war, so hielt dieser mit vieler Gravität und rhetorischer Genauigkeit eine lateinische Rede an ihn, und als er völlig ausgeredet hatte (denn ich wollte ihm nicht in die Rede fallen), sagte ich zu ihm: Ihr Magnificenz, die Engländer verstehen unser Latein nicht. Er schien aber nicht sehr betreten darüber. (Georg Christoph Lichtenberg)


Kam im 18. Jhdt. öfters vor aufgrund der allgemeinen Unkenntnis des Englischen; wogegen alle studirten Britten natürlich Latein weg hatten.


In Britannien ist zudem die harte klassische Aussprache üblich ("Sir Isaac's Prinkippia"), weshalb ich als mit bajuwarischem Kirchenlatein Aufgewachsener ("Meum est propositum in taberna mori / sit Deus propizius huic potatori") mich erst einmal umstellen mußte. In der jüngeren Generation ist die Ignoranz dieser Sprache aber rein choquant.

R.A. Offline



Beiträge: 7.638

26.04.2016 18:16
#39 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #37

Zitat von Marryat
You know, Philip, that Latin is still the language spoken in that country; and that will account for our high-sounding names."
Das letzte halte ich zumindest für Siebenbürgen & die 1820er Jahre für leicht zweifelhaft, ...


Siebenbürgen war 1820 ungarisch. Und in Ungarn war Latein bis ins 19. Jahrhundert Amtssprache. Das entspricht zwar nicht ganz "language spoken", aber grundsätzlich paßt die Geschichte.

Von Marryat kenne ich nur den Rüstig und den Midshipman Easy. Kein besonderer literarischer Tiefgang, aber der Autor weiß ziemlich gut, wovon er schreibt (vor allem natürlich bei Marine-Themen, er hat unter Cochrane gedient!). Über seine deutsche Mutter war er auch mit dem Kontinent deutlich besser vertraut als bei seinen Landsleuten üblich.

Zitat
Kam im 18. Jhdt. öfters vor aufgrund der allgemeinen Unkenntnis des Englischen; wogegen alle studirten Britten natürlich Latein weg hatten.


Theoretisch konnten sie Latein, praktisch war es für den Umgang mit Kontinentaleuropäern ziemlich unbrauchbar. Weil die Briten eben ihre sehr eigene englische Aussprache verwendeten.

Ich kann als Beispiel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts meine Urgroßeltern anführen. Urgroßmutter war - wie damals beim englischen Bürgertum modern - in einem deutschen Internat. Urgroßvater war reitender Oberförster und damit damals wie heute ganz oben auf der Liste der Traumberufe künftiger Ehemmänner für romantische Mädchen.
Aber das reichte nur Heirat nicht, selbstverständlich brauchte er die Genehmigung des Brautvaters in Liverpool. Mit dem er sich aber nicht direkt verständigen konnte: Englisch konnte auf dem Kontinent fast niemand, der Schwiegervater in spe konnte kein Deutsch (um das zu lernen, hatte er ja seinen Kindern eine Schulbildung in Deutschland verpaßt ...).
Es blieb also nur Latein, aber eben nur mühsam, weil die englische Latein-Aussprache so merkwürdig war (und ist).
Was Lichtenberg so schön beschrieb, galt als ein Jahrhundert später immer noch.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

27.04.2016 01:04
#40 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zu "Wölfe als Kulturnachfolger" fand sich voriges Jahr in der Welt noch dies:

Zitat von Die Welt, 03.03.2015
Denn die Wölfe benehmen sich nicht so wie erwartet. Sie gehen den Menschen nicht aus dem Weg, sondern suchen neugierig ihre Nähe, streifen um ihre Häuser und hinterlassen Spuren auf Gartenwegen und Terrassen. Lässig spazieren sie mit einem erbeuteten Huhn im Maul über die Dorfstraße. Oder lassen sich auf einem Truppenübungsplatz von Soldaten in einem Fahrzeug aus nächster Nähe filmen.

Erst am Montag wurden mehrere Tiere im niedersächsischen Wildeshausen gesichtet. Völlig ungeniert liefen die Tiere durch die Kleinstadt, wurden dabei von Anwohnern gefilmt. Bei Mölln in Schleswig-Holstein trieb ein Wolf am helllichten Tag eine Schafherde vor sich her, verletzte und tötete Tiere. Dass Menschen mit einer Kamera in der Nähe waren, störte ihn nicht.



Das mit den Selfies nimmt allmählich wirklich überhand.

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #37
Werwolferzählungen


Anbei fällt auf, daß diese Spezies sich auch heftig urbanisiert hat. Die frühen Loups-Garous waren, bis zum Wiederaufleben der Horro-Faibles id 60ern, naturgemäß auf Waldwildnissen, mit Dörfern durchsetzt, zentriert. Ab den 80ern scheinen die nur noch (Stephen Kings Cycle of the Werewolf, 1984 mal außen vor: der spielt mit den vorgegebenen Tropen der Comics & B-Filme der 40er/50er Jahre) im Dschungel der Großstadt zu pirschen: An American Werewolf in London, 1978, Wolfen, 1981 etc. pp. "Einsamer Wolf - im Dunkel der Nacht - Raubtierinstinkte ausleben": Bleibt die Frage, ob da irgendwelche Metaphorik aufscheint. Ist eine konkrete Frage, denn in der phantastischen Literatur moderner Prägung, und umso mehr, als sie sich nicht nur der gängigen Tropoi des Phantastischen bedient, sondern sich genremäßig mittenrein setzt, ist der ganze Janhagel dieser Schreckgestalten schlicht mimetisch zu sehen: ein Vampir ist ein untoter Blutsauger, nicht eine symbolische Versinnbildlichung irgendwelcher Wünsche oder des Unbehagens oder eine Chiffre für den pösen Kapilismus, sondern echt krass konkret. Letztendlich gibt der Werwolfstoff aber, filmisch wie literarisch, nicht viel Variationsbreite her: 3-4 Grundplots: die Bedrohung durch ein reißendes Ungeheuer, da tät's auch jedes andere Untier (nur als Schreckmoment, weil sich hier der unverdächtige Nebenmensch plötzlich zum Raubtier wandelt); der Unschuldige, den das Verhängnis, bzw. der mutierende Biss, aus unheiterem Himmel trifft, schließlich die lykanthrope Variante des "Rufs der Wildnis". C'est ça. Bleibt zum Schluß die ironische Invertier(!)ung; die kann freilich nur ganz vereinzelt gespielt werden, sonst langweilt das schlimmer als die "Metamorphosen". Wie in Boris Vians "Le loup-garou" von 1947.

Zitat
Il habitait dans les bois de Fausses-Réposes en bas de la côte de Picardie, un très joli loup adulte au poil noir et aux grands yeux rouges. Il se nommait Denis et sa distraction favorite consistait à regarder les voitures de Ville-d'Avray mettre plein gaz pour aborder la pente luisante sur laquelle une ondée plaque parfois le réflet olive des grandes arbres. Snoblesse obliesch: Héritier d'une longue lignée de loups civilisés, Denis se nourrissait d'herbe et de jacinthes bleues, corsées en automne de quelques champignons choisis. Und diesen harmlosen Zeitgenossen trifft der Fluch, sich alle vier Wochen in ein gar stiges, böses Raubtier verwandeln zu müssen: einen Menschen. Einziger Trost: Heureusement, pensa-t-il, cette pénible transformation va se limiter aux jours de pleine lune.



Gewisse interkulturelle Mißverständnisse beim Habitatwechsel in die Großstadt hat Tex Avery bereits 1942 penibel dokumentiert (bes. ab 3:25).
https://www.youtube.com/watch?v=BF4ptvH8L-A

Als letztes ein Hinweis auf die unverbrüchliche Wolfshymne zum Thema: Los Lobos (;)), "Will the Wolf Survive?" von 1984.



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

28.04.2016 10:41
#41 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?


Knut nicht, aber Kurti.



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

Doeding Offline




Beiträge: 2.397

28.04.2016 14:16
#42 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #41
Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?


Knut nicht, aber Kurti.


Verwunderlich, daß für den grünen Minister in Niedersachsen bereits eine verletzte Joggerin und ein angeknabberter Haushund gereicht haben, um dem Abschuß zuzustimmen.

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.658

28.04.2016 14:46
#43 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #42
Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #41
Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?


Knut nicht, aber Kurti.


Verwunderlich, daß für den grünen Minister in Niedersachsen bereits eine verletzte Joggerin und ein angeknabberter Haushund gereicht haben, um dem Abschuß zuzustimmen.

Herzliche Grüße,
Andreas

Der Versuch einer Erklärung:
Eine Joggerin ist betroffen, also eine Frau und sie treibt Sport. Sie verhält sich insofern konform zum grünen Menschenbild welches den Gehorsamen gestattet auf der Erde zu verweilen. Desweiteren ein Haushund, ein Tier also das keine mildernden Umstände braucht, da es zur Umwelt zählt und natürlich ist.
Ein Viehzüchter hat da ganz andere Karten und kann nicht auf Gnade hoffen - er muss seine Produkte, die dem menschlichen Fleischverzehr dienen und damit zur Klimakatastrophe beitragen, dem Wolf überlassen denn für ihn sind die Schafe da. Und wenn sein Appetit auf den Viehzüchter umschlägt ist das des Züchters gerechte Strafe. Was nimmt er dem Wolf sein Fressen weg. Er ist nicht mal eine Frau und ernährt sich vermutlich auch nicht vegetarisch. Selbst wenn, hat er schwer gesündigt weil er mit seiner Züchterei in den natürlichen Kreislauf eingegriffen und nicht im Einklang mit der Natur gelebt hat. Dem Wolf gebührt der Dank weil sich kein Grüner die Hände schmutzig machen musste und trotzdem die Welt ein kleines bisschen besser wurde.

Viele Grüße, Erling Plaethe

Doeding Offline




Beiträge: 2.397

28.04.2016 16:44
#44 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Zitat von Erling Plaethe im Beitrag #43
Zitat von Doeding im Beitrag #42
Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #41
Zitat von Doeding im Beitrag #3
Wie, Knut wurde erlegt?


Knut nicht, aber Kurti.


Verwunderlich, daß für den grünen Minister in Niedersachsen bereits eine verletzte Joggerin und ein angeknabberter Haushund gereicht haben, um dem Abschuß zuzustimmen.

Herzliche Grüße,
Andreas

Der Versuch einer Erklärung:
Eine Joggerin ist betroffen, also eine Frau und sie treibt Sport. Sie verhält sich insofern konform zum grünen Menschenbild welches den Gehorsamen gestattet auf der Erde zu verweilen. Desweiteren ein Haushund, ein Tier also das keine mildernden Umstände braucht, da es zur Umwelt zählt und natürlich ist.
Ein Viehzüchter hat da ganz andere Karten und kann nicht auf Gnade hoffen - er muss seine Produkte, die dem menschlichen Fleischverzehr dienen und damit zur Klimakatastrophe beitragen, dem Wolf überlassen denn für ihn sind die Schafe da. Und wenn sein Appetit auf den Viehzüchter umschlägt ist das des Züchters gerechte Strafe. Was nimmt er dem Wolf sein Fressen weg. Er ist nicht mal eine Frau und ernährt sich vermutlich auch nicht vegetarisch. Selbst wenn, hat er schwer gesündigt weil er mit seiner Züchterei in den natürlichen Kreislauf eingegriffen und nicht im Einklang mit der Natur gelebt hat. Dem Wolf gebührt der Dank weil sich kein Grüner die Hände schmutzig machen musste und trotzdem die Welt ein kleines bisschen besser wurde.


Hehe, diese Hypothese ließe sich empirisch prüfen, indem man heimlich einen Wolf auf dem Flur des Umweltministers aussetzt, nachdem man die Türschlösser ausgebaut hat. Abhängige Variable: die Art der von ihm angeforderten Maßnahme in diesem gänzlich unnatürlichen Umfeld.

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

26.01.2018 13:39
#45 RE: Die Willkommenskultur für Wölfe und ihre Folgen antworten

Der mit dem Wolf tanzt... Gestern.

http://www.wn.de/NRW/3143748-Bestaetigte...ersloh-entdeckt

Das ist 8 km von der Tastatur entfernt, auf der ich das gerade einhacke.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

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