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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 57 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2 | 3
Llarian Offline



Beiträge: 4.443

05.02.2017 12:02
Martin Schulz, I+II antworten

Zwei kurze Anmerkungen zu einem Buchhändler.

R.A. Offline



Beiträge: 7.632

06.02.2017 10:51
#2 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #1
Zwei kurze Anmerkungen zu einem Buchhändler.

Der ersten Anmerkung stimme ich zu. Wobei es wohl nicht nur ein Anti-Merkel-Effekt per se ist, sondern das allgemeine Unbehagen (gerade links) an jeglicher GroKo.

Bei der zweiten bin ich unsicher, ob das nicht von Anfang an Teil des Deals war. Schulz kann jetzt nicht in die Regierung, weil ihn das im Wahlkampf behindert. Aber es ist völlig klar daß er nicht nach Berlin geht, ohne eine Perspektive auch für den wahrscheinlichen Fall zu haben, daß er nicht Kanzler wird. Und da bietet sich das Außenamt absolut an. Denn was immer man sonst gegen ihn sagen kann - er hat viel mehr Ahnung von der Welt als jeder andere deutsche Spitzenpolitiker. Er kennt insbesondere die Befindlichkeiten und Wünsche der europäischen Nachbarn und kann mit ihnen umgehen. Auch hier ist bei bundesdeutschen Politikern normalerweise völlige Fehlanzeige. Speziell bei Schröder und Merkel sind die Defizite eklatant und haben uns schwer geschadet.
Ein Außenminister Schulz wäre eine vergleichsweise erträgliche Folge der neuen GroKo.

Im übrigen sollte man m. E. auch das mit dem Buchhändler nicht so negativ wertend verwenden. Er mag das nicht lange gemacht haben und er hat keine akademischen Weihen geschafft - aber immerhin hat er mal einige Jahre außerhalb der Politik echt gearbeitet und hat eine Grundahnung davon, wie man in einem Betrieb kalkulieren muß.
Klar, bei seinen populistischen Wahlkampfsprüchen kommt nicht viel davon durch. Aber im Vergleich zu den übrigen Luschen im Kabinett wäre Schulz bei der Wirtschaftskompetenz noch der Einäugige unter Blinden.

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.801

07.02.2017 07:05
#3 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Schulz hat ja schon erste Pflöcke in den Boden geschlagen für den Wahlkampf. Sein erster Vorschlag war "zu hohe Boni der Bosse".

Wir sollten mal eine Liste machen, welche Themen dem Wähler erlaubt werden - und welche nicht.

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

07.02.2017 17:57
#4 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #2
Bei der zweiten bin ich unsicher, ob das nicht von Anfang an Teil des Deals war. Schulz kann jetzt nicht in die Regierung, weil ihn das im Wahlkampf behindert. Aber es ist völlig klar daß er nicht nach Berlin geht, ohne eine Perspektive auch für den wahrscheinlichen Fall zu haben, daß er nicht Kanzler wird. Und da bietet sich das Außenamt absolut an. Denn was immer man sonst gegen ihn sagen kann - er hat viel mehr Ahnung von der Welt als jeder andere deutsche Spitzenpolitiker. Er kennt insbesondere die Befindlichkeiten und Wünsche der europäischen Nachbarn und kann mit ihnen umgehen. Auch hier ist bei bundesdeutschen Politikern normalerweise völlige Fehlanzeige. Speziell bei Schröder und Merkel sind die Defizite eklatant und haben uns schwer geschadet.
Ein Außenminister Schulz wäre eine vergleichsweise erträgliche Folge der neuen GroKo.

Das mag alles sein (ich würde einigem widersprechen), wäre aber ein Thema für den Zustand nach der Wahl. Gabriel jetzt einen drauf zu hauen hat was persönliches. Und in meinen Augen auch niederträchtiges. Wenn nach der Wahl die Entscheidung anstünde, dann könnte man ja immer noch sehen, wer der bessere Kandidat ist. Ich glaube übrigens Gabriel wäre der bessere, denn so wie sich Schulz nach Brexit und Trump Wahl verhalten hat, wäre er als Zirkusdirektor geeigneter. Der Mann ist schon bei zwei Verbündeten ohne jede(!) Not ein rotes Tuch. Nicht gerade eine gute Vorraussetzung.

Zitat
Im übrigen sollte man m. E. auch das mit dem Buchhändler nicht so negativ wertend verwenden. Er mag das nicht lange gemacht haben und er hat keine akademischen Weihen geschafft - aber immerhin hat er mal einige Jahre außerhalb der Politik echt gearbeitet und hat eine Grundahnung davon, wie man in einem Betrieb kalkulieren muß.


Deswegen ist sein Laden ja auch so gut gelaufen und er ist zum Alkoholiker geworden....
Nein, ernsthaft: Die Frage wäre ja die, was hat er aussergewöhnliches(!) geleistet, was ihn qualifizierte. Und das ist genau null. Der Buchhändler drückt das nur eben genau so aus. Man wird nicht Buchhändler wenn man eine besondere intelektuelle Begabung hat. Oder eine wirtschaftliche. Oder überhaupt eine besondere. Das ist ein 0815 Job, wie ihn Millionen anderer Menschen auch machen. Was in sich durchaus legitim ist, aber keine Qualifikation für dieses Amt.
Ich habe es schon einmal hier geschrieben, aber in anderem Kontext: Es lohnt sich mal bei den großen Managern (die berühmten "Nieten") mal in die Lebensläufe zu gucken. Die sind nämlich recht häufig sehr beeindruckend. In hoher Zahl Männer (sorry, liebe Leserinnen, heute keine PC) mit außergewöhnlich hoher Intelligenz, weit überdurchschnittlicher Bildung und Erfahrung. Viele sprechen diverse Sprachen, haben mehrere Abschlüsse, längere Auslandsaufenthalte und gehören in aller Regel zu den besten 5% ihres Jahrgangs. Was davon hat Martin Schulz?

Zitat
Aber im Vergleich zu den übrigen Luschen im Kabinett wäre Schulz bei der Wirtschaftskompetenz noch der Einäugige unter Blinden.


Mir persönlich reicht das nicht im Ansatz.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

07.02.2017 17:59
#5 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #3
Schulz hat ja schon erste Pflöcke in den Boden geschlagen für den Wahlkampf. Sein erster Vorschlag war "zu hohe Boni der Bosse".

Was bezeichnend ist, denn das ist ja der Deutschen wichtigstes Problem.

Zitat
Wir sollten mal eine Liste machen, welche Themen dem Wähler erlaubt werden - und welche nicht.


Eins haben wir ja schon: Die Union erlaubt keine Diskussion mehr über die Obergrenze. Das soll aus dem Wahlkampf raus. Da weiss man doch direkt bescheid.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

07.02.2017 18:12
#6 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #3
Schulz hat ja schon erste Pflöcke in den Boden geschlagen für den Wahlkampf. Sein erster Vorschlag war "zu hohe Boni der Bosse".


Tanz der Vampire... Voltaire, Dictionnaire philosophique, s.v. "Vampire": "Ces vampires étaient des morts qui sortaient la nuit de leurs cimetières pour venir sucer le sang des vivans, soit à la gorge ou au ventre, après quoi ils allaient se remettre dans leur fosses. Les vivans sucés maigrissaient, pâlissaient, tombaient en consomption, et les mors suceurs engraissaient, prenaient des couleurs vermeilles, étaient tout-à-fait appétissans. C'était en Pologne, en Hongrie, en Silésie, en Moravie, en Autriche, en Lorraine, que les morts fesaient cette bonne chère. On n'entendait point parler des vampires à Londres, ni même à Paris. J'avoue que dans ces deux villes il y eut des agioteurs, des traitans, des gens d'affaires, qui sucèrent en plein jour le sang du peuple, mais ils n'étaient point morts, quoique corrompus. Ces suceurs véritables ne demeuraient pas dans des cimetières, mais dans des palais fort agréables."

Älteste Sozen/ialneidschiene. Ausgerechnet. Graf D. geht heuer im Fasching als van Helsing.

http://www.swr.de/report/presse/eu-tageg...1197424/gc8skf/



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Yago Offline



Beiträge: 143

07.02.2017 20:52
#7 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #4
In hoher Zahl Männer (sorry, liebe Leserinnen, heute keine PC) mit außergewöhnlich hoher Intelligenz, weit überdurchschnittlicher Bildung und Erfahrung. Viele sprechen diverse Sprachen, haben mehrere Abschlüsse, längere Auslandsaufenthalte und gehören in aller Regel zu den besten 5% ihres Jahrgangs. Was davon hat Martin Schulz?



Das hier: https://www.youtube.com/watch?v=xDBVWwHsx04

Dazu die Sauferei hinter sich gelassen, einen öden Job, hat nun mehr Einkommen als die meisten hier, quasi einen Privatjet, Mädels, Urlaub mit weißem Strand, blauem Meer...also so ziemlich alles, was die meisten nicht haben - so als Buchhändler

R.A. Offline



Beiträge: 7.632

08.02.2017 09:59
#8 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #4
Gabriel jetzt einen drauf zu hauen hat was persönliches.

Nu - bloß weil die Beiden jetzt einen Deal gemacht haben heißt noch lange nicht, daß sie sich mögen.
Das jetzige Arrangement kam erst nach einem langen Machtkampf. Der nach der Wahl weitergehen wird. Und Beide bringen sich schon mal in Stellung.

Zitat
Der Mann ist schon bei zwei Verbündeten ohne jede(!) Not ein rotes Tuch.


Nicht "ohne Not". Jedenfalls nicht aus Sicht von Schulz - er hat sich mit diesen Sprüchen innenpolitisch profiliert.
Man hat ja gerade bei Trump gesehen, wie man fast systematisch alle möglichen Leute einen vor den Kopf gibt, um einen minimalen Wahlkampfvorteil zu kriegen.
Das bedeutet nicht, daß ein Außenminister Schulz hinterher nicht mit diesen Leuten reden würde.

Zitat
Deswegen ist sein Laden ja auch so gut gelaufen ...


Das ist für die Lebenserfahrung sogar noch besser. Da hat er gesehen, wie schwierig es ist einen Betrieb zu führen.

Zitat
Die Frage wäre ja die, was hat er aussergewöhnliches(!) geleistet, was ihn qualifizierte.


Überhaupt nichts natürlich.
Ist doch nicht so, daß ich hier für Schulz plädieren oder ihn für besonders kompetent halten würde.
Ich vergleiche nur mit den ansonsten üblichen Nullen. Im Kabinett sitzen im wesentlichen Leute, bei denen ihr Leben lang pünktlich zum Ersten die Überweisung auf dem Konto war, ohne daß sie sich größere Sorgen um Erwirtschaftung machen mußten. Gegenüber diesem Level ist einige Jahre eine Buchhandlung führen ein Pluspunkt.
Erfolgreiche Manager sind eine ganz andere Klasse. Niemand in der deutschen Politik könnte da mithalten.

R.A. Offline



Beiträge: 7.632

08.02.2017 13:06
#9 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zum Thema auch ein guter Text auf der "Achse des Guten".

Martin Offline



Beiträge: 2.720

08.02.2017 13:45
#10 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #9
Zum Thema auch ein guter Text auf der "Achse des Guten".


Das Abitur zum Gradmesser machen? Da konnte ich auch nur den Kopf schütteln. Vor allem die Altersgruppe Schulz hatte noch ganz andere Voraussetzungen als die etwas jüngere Generation. Ein Plus gegenüber manchen anderen Kandidaten ist bei Schulz seine sicher sehr gute europäische Vernetzung, aus dieser Sicht müsste er auch um den Widerstand der Merkelschen Zuwandungspolitik aus allernächster Nähe wissen und die Konsequenzen ziehen. Dazu müsste er aber seine Parteikollegen ziemlich kalt stellen.

Gruß, Martin

Werwohlf Offline




Beiträge: 903

08.02.2017 15:40
#11 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #8
Ist doch nicht so, daß ich hier für Schulz plädieren oder ihn für besonders kompetent halten würde.
Ich vergleiche nur mit den ansonsten üblichen Nullen. Im Kabinett sitzen im wesentlichen Leute, bei denen ihr Leben lang pünktlich zum Ersten die Überweisung auf dem Konto war, ohne daß sie sich größere Sorgen um Erwirtschaftung machen mußten. Gegenüber diesem Level ist einige Jahre eine Buchhandlung führen ein Pluspunkt.
Das sehe ich auch so. Allerdings scheint sich diese Erfahrung in der Politik mit den Jahren abzuschleifen.
Zitat von R.A. im Beitrag #8
Erfolgreiche Manager sind eine ganz andere Klasse. Niemand in der deutschen Politik könnte da mithalten.
Es sind auch verschiedene Jobs. Ein typischer DAX-"CEO" würde von seiner Persönlichkeit her und mit seinen Methoden in der Politik scheitern, und zwar sowohl parteiintern als auch bei den Wählern.

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Florian Offline



Beiträge: 2.512

08.02.2017 16:58
#12 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #2
Im übrigen sollte man m. E. auch das mit dem Buchhändler nicht so negativ wertend verwenden. Er mag das nicht lange gemacht haben und er hat keine akademischen Weihen geschafft - aber immerhin hat er mal einige Jahre außerhalb der Politik echt gearbeitet und hat eine Grundahnung davon, wie man in einem Betrieb kalkulieren muß.




Sehe ich auch so.

Ich finde Schulz aus anderen Gründen nicht tragbar.

Aber sein Lebenslauf gefällt mir eigentlich ganz gut.

Selbst mal ein Unternehmen geführt zu haben (egal wie klein, egal wie lange her, egal wie erfolglos), das ist schon mal eine sehr erdende Erfahrung, die fast allen deutschen Politikern abgeht.

[Exkurs: Im gesamten Bundeskabinett gibt es nur einen einzigen Minister, der jemals auch nur für kurze Zeit "in der freien Wirtschaft" tätig war: Alexander Dobrindt war etliche Jahre lang Geschäftsführer eines mittelständischen Metall-Betriebs. Ansonsten hat kein einziger deutscher Spitzenpolitiker jemals ein Unternehmen von Innen gesehen.]

Und nur am Rande: Zufällig bin ich selbst Einzelhändler. Der despektierliche Ton mit dem hier der Beruf als selbständiger Einzelhändler immer als Makel dargestellt wird, gefällt mir persönlich gar nicht. Wer glaubt, das wäre eine intellektuell wenig herausfordernde Tätigkeit kann gerne mal einen Tag neben mir herlaufen.

Auch ein Bürgermeisteramt (auch hier: ganz egal wie lange her. ganz egal wie klein die Stadt) wirkt erdend. Und auch diese Erfahrung hat kaum einer der bedeutenden Bundespolitiker jemals gemacht. Fast alle sind gleich in die große Bundes- (oder in wenigen Fällen: Landes-) Politik eingestiegen.

Dass er kein Abitur hat, das hat er übrigens mit der Mehrheit der Deutschen gemein.
Als Argument im Wahlkampf finde ich das daher auch sehr zweischneidig. Sieht nämlich sehr schnell nach Wählerbeschimpfung aus, wenn man Menschen ohne Abitur für pauschal minderbefähigt erklärt.

Wie gesagt: ich werde Schulz nicht wählen. Es gibt genug Punkte, an denen er sich politisch angreifbar gemacht hat.
Die frühen Jahre seines Lebenslaufs scheinen mir jedoch im Wahlkampf wenig geeignete Munition zu liefern.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

08.02.2017 23:49
#13 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Florian im Beitrag #12
Und nur am Rande: Zufällig bin ich selbst Einzelhändler. Der despektierliche Ton mit dem hier der Beruf als selbständiger Einzelhändler immer als Makel dargestellt wird, gefällt mir persönlich gar nicht. Wer glaubt, das wäre eine intellektuell wenig herausfordernde Tätigkeit kann gerne mal einen Tag neben mir herlaufen.

Ich glaube nicht, dass sich meine Meinung dazu wesentlich ändern würde, vielleicht auch weil ich diesen Einblich schon an anderer Stelle lange hatte. Ich will Sie nicht persönlich angreifen, lieber Florian, aber ich bleibe dabei das die intelektuelle Herausforderung einen kleinen Betrieb zu führen begrenzt ist. Vielleicht auch deshalb, weil auch ich diese Erfahrung hinter mir habe und vielleicht den Vergleich von zwei Welten kenne. Das bedeutet nicht das das jeder Idiot machen kann, es bedeutet auch nicht, dass es keine gesellschaftlich sehr erfolgreiche Rolle sein kann, und eben nicht, dass das jeder tun kann. Und es bedeutet noch am wenigsten, dass jemand der das macht, nicht auch sehr klug sein kann. Was es bedeutet ist schlicht, dass es kein Beleg eines besonders klugen Geistes ist. Oder simpel: Ein Buchhändler braucht(!) keinen besonderen Verstand. Ein guter Geschäftssinn ist da weit nützlicher.

Zitat
Auch ein Bürgermeisteramt (auch hier: ganz egal wie lange her. ganz egal wie klein die Stadt) wirkt erdend. Und auch diese Erfahrung hat kaum einer der bedeutenden Bundespolitiker jemals gemacht. Fast alle sind gleich in die große Bundes- (oder in wenigen Fällen: Landes-) Politik eingestiegen.


Was am Ende aber immer auf das Argument hinausläuft: Nehmt die Pfeife, denn es gibt noch viel größere Idioten.

Zitat
Dass er kein Abitur hat, das hat er übrigens mit der Mehrheit der Deutschen gemein.


Die meisten Deutschen sind auch nicht qualifiziert ein Land zu führen.

Zitat
Als Argument im Wahlkampf finde ich das daher auch sehr zweischneidig. Sieht nämlich sehr schnell nach Wählerbeschimpfung aus, wenn man Menschen ohne Abitur für pauschal minderbefähigt erklärt.


Minderbefähigt. Aber sicher. Genauso wie ich minderbefähigt bin ein Auto zu reparieren. Ich weiss nicht warum man in Deutschland immer so ein Riesenproblem hat seine eigenen Grenzen zu erkennen. (So ist auch nichts fairer verteilt als der Verstand. Jeder glaubt genug davon zu haben.) Den meisten Deutschen müsste man, sollten sie der Idee anhängen das Land führen zu können, eine Fehleinschätzung unterstellen.

Und dabei geht es nicht um das Abitur. Worum es geht, dass man überhaupt etwas geleistet hat, worauf man sich berufen kann.

Ich kenne folgende schöne Begründung warum in meiner Firma gerne Promovierte eingestellt werden. Nicht wegen dem, worauf man promoviert hat. Das ist ziemlich irrelevant. Selbst das darunter liegende Studium ist nicht das ausschlaggebende. Was entscheidend ist, dass ein Promovierter (wie auch ein Diplomierter, wenn auch in kleinerem Maße) belegt hat, dass er in der Lage war sich einem neuen(!) Thema selber(!) zu nähern, mit Beharrlichkeit dabei zu bleiben und das zu Ende zu bringen. Das ist weit weniger selbstverständlich, als es klingt. Nicht wenige meiner früheren Kommolitonen sind nicht eingestellt worden, weil sie ein bestimmtes Fach studiert haben oder ein besonderes Fachwissen haben. Sondern weil sie Denken gelernt haben. Und DAS bewiesen haben.

Es geht nicht darum ein Abitur zu haben, aber das Zeug ein Abitur zu machen ist notwendig. Es geht auch nicht darum ein Studium abgeschlossen zu haben, aber die Befähigung dazu ist eine Vorraussetzung. Wenn jemand etwas vergleichbares geleistet hat, oder anders belegt hat, wunderbar. Tut es ebenso. Aber da muss auch etwas sein. Und bei Schulz ist nichts. Und darum mag sein Lebenslauf keine Munition liefern seine Unfähigkeit zu belegen, was er aber liefert ist die Abwesenheit des Belegs einer Qualifikation. Was ich fast genauso schwerwiegend finde. Der Buchhändler Status alleine ist nicht disqualifizierend oder despiktierlich. Wenn das aber alles ist, dann ist das sehr wohl.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

08.02.2017 23:56
#14 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #8
Nu - bloß weil die Beiden jetzt einen Deal gemacht haben heißt noch lange nicht, daß sie sich mögen.

Völlig klar. Nur hat Gabriel hier eben zuungunsten seiner selbst auf etwas verzichtet. Was ihm ziemlich sicher gewesen wäre, wenn er nicht verzichtet hätte. Und das ist Schulz sein Dank.

Zitat
Nicht "ohne Not". Jedenfalls nicht aus Sicht von Schulz - er hat sich mit diesen Sprüchen innenpolitisch profiliert.
Man hat ja gerade bei Trump gesehen, wie man fast systematisch alle möglichen Leute einen vor den Kopf gibt, um einen minimalen Wahlkampfvorteil zu kriegen.
Das bedeutet nicht, daß ein Außenminister Schulz hinterher nicht mit diesen Leuten reden würde.


Aber die nicht mit ihm. Die Nummer ist ja bei Schröder schon schief gelaufen. Klar, er hat damit 2002 seine Wahl gewonnen. Und am Ende war er in Amiland so beliebt wie Fußpilz und hat da schlicht gar nichts mehr gerissen. Wenn Schulz nun das selbe Spiel spielt, wird er auch den selben Erfolg dabei ernten. Und es ist noch ein Dreiviertel Jahr hin. Wenn in Holland sich die PVV durchsetzt, wird Schulz dann auch die Holländer beschimpfen? Ist ne ganz ehrliche Frage, weil in Deutschland der Bundeskanzler durchaus auch als Außenpolitiker in Erscheinung tritt.
Und was Trump angeht, wo wusste ich bisher nicht, dass Trump ein Vorbild für deutsche Diplomatie sein soll.

Zitat
Ich vergleiche nur mit den ansonsten üblichen Nullen. Im Kabinett sitzen im wesentlichen Leute, bei denen ihr Leben lang pünktlich zum Ersten die Überweisung auf dem Konto war, ohne daß sie sich größere Sorgen um Erwirtschaftung machen mußten. Gegenüber diesem Level ist einige Jahre eine Buchhandlung führen ein Pluspunkt.


Das Argument ist gut. Aber in sich extrem deprimierend.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

09.02.2017 00:16
#15 "Es ist so geil, in der SPD zu sein" antworten

"SPD will mit Hackathon die Welt retten und den Schulz-Hype kanalisieren"

Zitat von heise.de, 08.02.2017
Die Idee für den Programmierwettbewerb sei freilich schon "lange vor dem Schulz-Hype" geboren worden, betonte Barley zur Vorstellung des Projekts am Mittwoch. Für sie ist es nach eigenen Angaben schon seit über 20 Jahren ein Anliegen, zu vermitteln, dass "Politik Spaß macht". Alle müssten sehen können, "es ist so geil, in der SPD zu sein", dass sie auch rein wollten. Dies sollte der Hackathon mit technischen Mitteln von Anfang an vermitteln. Dass dieser nun im Vorwahlkampf mit dem Schulz-Faktor zusammenfalle, könnte besser gar nicht sein.

Immer wieder seien auch technisch versierte Leute auf ihn zugekommen und hätten signalisiert, sich politisch engagieren zu wollen, berichtete Tobias Nehren, Leiter digitaler Wahlkampf der SPD. Er könne sich vorstellen, dass bei dem Hackathon etwa Apps herauskommen, über die "Genossen auf eine Plattform Bilder hochladen können". Auch ein "Quiz-Tool für die eigene Homepage" könne mit dem gewissen "Spaß- und Gamification-Faktor" zeigen, "dass die SPD freundlich durch die Welt läuft".



Eine Plattform, auf die Genossen Bilder hochladen können. Ist das geil. Und das Ganze läuft auch noch unter dem Titel #SPDHack.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Yago Offline



Beiträge: 143

09.02.2017 06:02
#16 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #13
Zitat von Florian im Beitrag #12
Und nur am Rande: Zufällig bin ich selbst Einzelhändler. Der despektierliche Ton mit dem hier der Beruf als selbständiger Einzelhändler immer als Makel dargestellt wird, gefällt mir persönlich gar nicht. Wer glaubt, das wäre eine intellektuell wenig herausfordernde Tätigkeit kann gerne mal einen Tag neben mir herlaufen.

Ich glaube nicht, dass sich meine Meinung dazu wesentlich ändern würde, vielleicht auch weil ich diesen Einblich schon an anderer Stelle lange hatte. Ich will Sie nicht persönlich angreifen, lieber Florian, aber ich bleibe dabei das die intelektuelle Herausforderung einen kleinen Betrieb zu führen begrenzt ist. Vielleicht auch deshalb, weil auch ich diese Erfahrung hinter mir habe und vielleicht den Vergleich von zwei Welten kenne. Das bedeutet nicht das das jeder Idiot machen kann, es bedeutet auch nicht, dass es keine gesellschaftlich sehr erfolgreiche Rolle sein kann, und eben nicht, dass das jeder tun kann. Und es bedeutet noch am wenigsten, dass jemand der das macht, nicht auch sehr klug sein kann. Was es bedeutet ist schlicht, dass es kein Beleg eines besonders klugen Geistes ist. Oder simpel: Ein Buchhändler braucht(!) keinen besonderen Verstand. Ein guter Geschäftssinn ist da weit nützlicher.



Ja, so macht man sich Freunde. Aber nicht so wichtig, da man eh nicht im Einzelhandel bleiben wollte.

Der Rest des Beitrags nehme ich wie andere Beiträge davor als recht arrogant wahr. Nur ist diese Arroganz nicht mit dem nun zu vermutenden Erfolg unterlegt. Sie sitzen hier kurz vor 24 Uhr als Tastaturworrior und sind nicht gestaltender Politiker oder Kanzler. Sie sind in der Firma aber auch nicht ganz oben, da sie beim Hausbau noch rechnen müssen und nicht einfach da bauen kann, wo man seine Ruhe hat.

Es ist nicht nett, auf anderen Menschen rumzutreten - einfach zum Zeitvertreib. Es ist wie mit der von Ihnen in Ihrem Artikel kritisierten Presse. Die informiert nicht mehr über Fakten, sondern sagt nur, wie blöd der andere ist.


Ich erinnere Sie an die erste Forumsregel, die persönliche Beleidigungen oder Angriffe gegen Mitforisten untersagt. Daß hier mitunter zum diskutierten Thema schärfer, mitunter sarkastisch formuliert wird, ist eine Sache. Ein Abkanzeln eines Mitforisten oder Autors als "arrogant" ist in diesem Forum nicht akzeptabel.

Bitte nehmen Sie diese Warnung ernst. Ulrich Elkmann, als Moderator

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.801

09.02.2017 08:07
#17 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Um euch wieder auszusöhnen, darf ich aus Dilbert zitieren: Für Intelligenz gibt es sehr viel weniger Anwendungsmöglichkeiten als gemeinhin angenommen wird.

Wieder Freunde? ;-)

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

Florian Offline



Beiträge: 2.512

09.02.2017 13:37
#18 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Lieber Llarian,

vorab nur zur Klarstellung (weil es im weiteren Thread-Verlauf thematisiert wurde):
ich empfinde Ihre Argumentation nicht als arrogant oder unfreundlich.

Und nun inhaltlich:

Zitat von Llarian im Beitrag #13
Zitat von Florian im Beitrag #12
Und nur am Rande: Zufällig bin ich selbst Einzelhändler. Der despektierliche Ton mit dem hier der Beruf als selbständiger Einzelhändler immer als Makel dargestellt wird, gefällt mir persönlich gar nicht. Wer glaubt, das wäre eine intellektuell wenig herausfordernde Tätigkeit kann gerne mal einen Tag neben mir herlaufen.

Ich glaube nicht, dass sich meine Meinung dazu wesentlich ändern würde, vielleicht auch weil ich diesen Einblich schon an anderer Stelle lange hatte. Ich will Sie nicht persönlich angreifen, lieber Florian, aber ich bleibe dabei das die intelektuelle Herausforderung einen kleinen Betrieb zu führen begrenzt ist. Vielleicht auch deshalb, weil auch ich diese Erfahrung hinter mir habe und vielleicht den Vergleich von zwei Welten kenne. Das bedeutet nicht das das jeder Idiot machen kann, es bedeutet auch nicht, dass es keine gesellschaftlich sehr erfolgreiche Rolle sein kann, und eben nicht, dass das jeder tun kann. Und es bedeutet noch am wenigsten, dass jemand der das macht, nicht auch sehr klug sein kann. Was es bedeutet ist schlicht, dass es kein Beleg eines besonders klugen Geistes ist. Oder simpel: Ein Buchhändler braucht(!) keinen besonderen Verstand. Ein guter Geschäftssinn ist da weit nützlicher. (...)


Auch hier zur Klarstellung:
richtig ist natürlich, dass Lebenslauf-Charakteristika wie "selbständiger Unternehmer" oder "Kleinstadt-Bürgermeister" keine ausreichende Qualifikation für das Kanzleramt sind. Den meisten Buchhändler und den meisten Kleinstadt-Bürgermeister fehlt ganz sicher das Zeug zum Kanzler.

Aber umgekehrt: ich finde, dass diese Punkte im Lebenslauf eben auch nicht gegen jemanden sprechen.
Und wie Sie in Ihrem Eingangspost Schulz' Herkunft als Buchhändler angesprochen haben war klar, dass sie das als Negativ-Punkt sehen.
Und weil ich ähnliche Äußerungen über Schulz jetzt einige Male im Internet gelesen habe, fand ich eine Gegenrede angebracht.

Übrigens nur fürs Protokoll:
Schulz wäre nicht der erste Einzelhandelskaufmann im Kanzleramt.
Gerhard Schröder hatte auch eine entsprechende Lehre.
Und übrigens auch Ludwig Erhard. (Der später nur deshalb Volkswirtschaftslehre studierte, weil er durch eine Kriegsverletzung den Familien-Einzelhandelsbetrieb nicht weiter führen konnte).
Und Kanzlerkandidat Johannes Rau hatte sogar eine Buchhändler-Ausbildung.
(Und: In Großbritannien gibt es ja keine Berufsausbildung im deutschen Sinne. Aber immerhin: Margaret Thatcher begann ihr Berufsleben im elterlichen Kolonialwarenladen. Dann erfand sie das Softeis (!). Und dann erst ging sie in die Politik).

Wie gesagt:
Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Einzelhändler-Dasein einem besonders für höhere Staatsämter befähigen würde.
Aber umgekehrt ist es eben auch kein Gegenargument, dass eine Eignung irgendwie zweifelhaft erscheinen ließe.

Dass man im eigenen Berufsleben einmal erlebt hat, wie normale kleine Selbständige ihr Geld verdienen müssen, hat aber auf jeden Fall einmal einen erdenden Effekt.
Den man z.B. bei Margagret Thatcher sehr deutlich gespürt hat. In vielen ihrer Reden merkt man, dass sie als Protagonisten den kleinen, hart arbeitenden Selbständigen im Kopf hat. Ähnlich übrigens auch bei Ludwig Erhard.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

09.02.2017 16:08
#19 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Damit können wir alle weiteren Spekulationen begraben & uns Ernsthafterem zuwenden.

SPD-Kanzlerkandidat Schulz: Und ob he can!
Eine Kolumne von Jakob Augstein


Of he dat kan süll wi nu wull nich to sien kreegn.

Behüt dich Gott, es wär zu schön gewesen; / Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.801

09.02.2017 16:54
#20 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Wie schon lang erwartet, wird jetzt zwischen guten und bösen Populisten unterschieden. Diese Differenzierung war echt überfällig...

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

09.02.2017 21:53
#21 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Florian im Beitrag #18
vorab nur zur Klarstellung (weil es im weiteren Thread-Verlauf thematisiert wurde): ich empfinde Ihre Argumentation nicht als arrogant oder unfreundlich.

Das freut mich, lieber Florian. Denn Sie war tatsächlich auch ganz sicher so nicht gemeint. Es ging mir ganz sicher nicht darum Sie, oder sonst einen Anwesenden hier, abzukanzeln. Ich versuche es noch ein bischen klarer zu stellen:

Zitat
richtig ist natürlich, dass Lebenslauf-Charakteristika wie "selbständiger Unternehmer" oder "Kleinstadt-Bürgermeister" keine ausreichende Qualifikation für das Kanzleramt sind. Den meisten Buchhändler und den meisten Kleinstadt-Bürgermeister fehlt ganz sicher das Zeug zum Kanzler.
Aber umgekehrt: ich finde, dass diese Punkte im Lebenslauf eben auch nicht gegen jemanden sprechen.


Mit beidem haben Sie recht. Und ich merke, ich habe mich sehr schlecht ausgedrückt. Oder vielleicht auch selber meine Position zu wenig reflektiert und klar gemacht:
Es geht mir nicht unbedingt dagegen das der Mann gelernter Buchhändler ist. Sondern eher dagegen, dass das eigentlich alles ist, was er ist. Und da würde ich mehr erwarten. Wenn jemand einen Hauptschulabschluss macht, dann wäre vermutlich die Bezeichnung einer solchen Person 20 Jahre später als "Hauptschüler" despektierlich. Aber sie kann den Kern treffen, wenn das alles ist, was jemand bisher zu Wege gebracht hat. Umgekehrt habe ich einen "Hauptschüler" kennengelernt, der erst eine Lehre machte, das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholte, ein Studium abschloss, eine Promotion abschloss und das letzte mal, dass ich von ihm hörte, er eine kleine und recht umtriebige Firma als Geschäftsführer leitete. Ich bin sicher, dass er deutlich erfolgreicher ist als ich und das auch bleiben wird. Ihn nur als "Hauptschüler" zu klassifizieren wäre sicher etwas infam, denn er hat ordentlich nachgelegt. In der Sache aber richtig. Insofern hätte ich kein Problem damit, dass Herr Schulz ein gelernter Buchhändler ist, wenn er danach noch etwas bewiesen hätte. Aber genau das vermisse ich. Warum sollte der Mann qualifiziert sein? Eine Parteikarriere ist in meinen Augen kein Beleg von Befähigung. Kann man anders sehen, aber das ist meine Sicht.

Zitat
Übrigens nur fürs Protokoll:
Schulz wäre nicht der erste Einzelhandelskaufmann im Kanzleramt.
Gerhard Schröder hatte auch eine entsprechende Lehre.
Und übrigens auch Ludwig Erhard. (Der später nur deshalb Volkswirtschaftslehre studierte, weil er durch eine Kriegsverletzung den Familien-Einzelhandelsbetrieb nicht weiter führen konnte).
Und Kanzlerkandidat Johannes Rau hatte sogar eine Buchhändler-Ausbildung.


Rau finde ich aus mehreren Gründen ein schwieriges Thema. Die ersten beiden haben aber, im Unterschied zu Schulz, durchaus nachgelegt. Beide haben Abitur erworben, beide ein Studium absolviert. Sprich: Sie sind da nicht stehen geblieben. Wobei es mir auch egal wäre, wie jemand sich weiter entwickelt. Ein Studium ist nur ein Beleg (und für einen Posten des Kanzlers wäre es mir noch zu wenig). Aber irgendwas sollte da sein.

Zitat
Dass man im eigenen Berufsleben einmal erlebt hat, wie normale kleine Selbständige ihr Geld verdienen müssen, hat aber auf jeden Fall einmal einen erdenden Effekt.
Den man z.B. bei Margagret Thatcher sehr deutlich gespürt hat. In vielen ihrer Reden merkt man, dass sie als Protagonisten den kleinen, hart arbeitenden Selbständigen im Kopf hat. Ähnlich übrigens auch bei Ludwig Erhard.


Umso mehr ich das drehe, umso mehr leuchtet mir dieses Argument ein. Das wäre in der Tat ein deutlicher Pluspunkt für Schulz, so ungern ich das zugebe.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

09.02.2017 22:32
#22 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Yago im Beitrag #16
Der Rest des Beitrags nehme ich wie andere Beiträge davor als recht arrogant wahr. Nur ist diese Arroganz nicht mit dem nun zu vermutenden Erfolg unterlegt. Sie sitzen hier kurz vor 24 Uhr als Tastaturworrior und sind nicht gestaltender Politiker oder Kanzler. Sie sind in der Firma aber auch nicht ganz oben, da sie beim Hausbau noch rechnen müssen und nicht einfach da bauen kann, wo man seine Ruhe hat.

Ihre kleine ad-hominem Argumentation hat leider einen nicht ganz unerheblichen Fehler, liebe(r) Yago: Sie gehen davon aus, dass Arroganz (so ich diese habe) auch dazu führen muss, dass jemand die Lebensziele verfolgt, die Sie (!) sich darunter vorstellen. Das tue ich bloss nicht. Ich habe (heute, das war mal anders) andere Vorstellungen davon, wie ein glückliches Leben aussieht, als 14 oder 16 Stunden am Tag zu arbeiten. Ja, ich halte mich für ziemlich intelligent (ich habs sogar schriftlich. ). Aber Intelligenz ist nicht gleichbedeutend damit auch Raubbau an sich betreiben zu wollen. Ich hätte zweifelsfrei gerne mehr Geld, aber ich habe es nicht, weil ich es einfach nicht genug will. Das ist nichts dramatisches, ich bin eben nicht bereit den Preis dafür zu zahlen.

Zitat
Es ist nicht nett, auf anderen Menschen rumzutreten - einfach zum Zeitvertreib.


Ich habe den Eindruck Sie sind der einzige, der sich auf den Schlips getreten fühlt. Und Sie waren nicht einmal angesprochen.

Aber ich hätte mir nicht die Mühe gemacht ihren kleinen Rant noch einmal aufzugreifen, wenn ich nicht etwas anderes dabei klar stellen wollte: Etwas zu kritisieren oder in Frage zu stellen ist nicht gleichbedeutend damit, es selber besser machen zu können oder zu wollen. Ich möchte den Job, um den sich Schulz bewirbt, nicht machen. Der Preis wäre dafür viel zu hoch, alleine um die Qualifikation zu bekommen, die man meines Erachtens zu dem Job braucht. Deswegen erlaube ich mir trotzdem zu beurteilen, dass der Mann keine besondere Qualifikation hat. Und ich würde von einem Kanzler einfach mehr erwarten. Das gilt übrigens, wenn auch am Rande vermerkt, genauso für seine Konkurrentin. Oder anders gesagt: Ich muss mich kaum als Alternative verkaufen, um zu sagen, dass ich jemanden für ungeeignet halte.

Was nun ihren persönlichen Angriff angeht, so bin ich natürlich ganz bei Ulrich: Das wollen wir hier einfach nicht. Der dahinter stehende Ton ist nicht der unsrige. Ich selber kann damit durchaus umgehen, denn ich entscheide immer noch selber, wer mich beleidigt, aber das zieht hier nicht ein. Deshalb sind Sie gerne eingeladen sich in der Sache weiter zu äussern, aber Kommentare (oder gar Beurteilungen) zu anderen Mitforisten bitte ich sowohl mir als auch dem restlichen Zimmer zu ersparen. Wenn ich hier schon einmal das eine oder andere persönliche Details einfliessen lasse, dann vor allem weil wir hier eine gute Atmosphäre haben und keiner die Sorge haben muss, dass solche Details zu Seitenangriffen verwendet werden. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Und nebenbei: 24 Uhr ist für mich früh am Abend.

PS. Ich weiss, es sollte eher witzig sein, aber das Wort "Worrior" tut mir beim Lesen weh.

Krischan Offline




Beiträge: 335

10.02.2017 08:53
#23 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #22
... Etwas zu kritisieren oder in Frage zu stellen ist nicht gleichbedeutend damit, es selber besser machen zu können oder zu wollen. ...


M.a.W.: Man muss kein Koch sein, um zu bemerken, dass die Suppe versalzen ist.

Noch eine Anmerkung zur ach so erdenden Buchhändlerkarriere: In den Zeiten, in denen Schulz Buchhändler war, gab es kein Amazon, dafür die Buchpreisbindung. Mit anderen Worten, ein relativ sicheres Einkommen ohne Margendruck, ohne erheblich starke Konkurrenz und mit geregelten Arbeitszeiten von 10-18 Uhr, samstags geschlossen. Der Buchladen musste nur "da" sein, weil es sonst nirgends Bücher gab. Anders als im restlichen Einzelhandel war die Buchhändlerei ein Biotop, keine Arena.
Ich gehe jede Wette ein: Heute würde Martin Schulz keinen Monat im Buchhändlergeschäft überleben.

Wie gesagt, Buchhändler vor 20 Jahren. Mehr nicht.

Freundlichst,
Krischan

Deutsche Wurst - alles andere ist Käse.

Martin Offline



Beiträge: 2.720

10.02.2017 08:59
#24 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Krischan im Beitrag #23
Zitat von Llarian im Beitrag #22
... Etwas zu kritisieren oder in Frage zu stellen ist nicht gleichbedeutend damit, es selber besser machen zu können oder zu wollen. ...


M.a.W.: Man muss kein Koch sein, um zu bemerken, dass die Suppe versalzen ist.

Noch eine Anmerkung zur ach so erdenden Buchhändlerkarriere: In den Zeiten, in denen Schulz Buchhändler war, gab es kein Amazon, dafür die Buchpreisbindung. Mit anderen Worten, ein relativ sicheres Einkommen ohne Margendruck, ohne erheblich starke Konkurrenz und mit geregelten Arbeitszeiten von 10-18 Uhr, samstags geschlossen. Der Buchladen musste nur "da" sein, weil es sonst nirgends Bücher gab. Anders als im restlichen Einzelhandel war die Buchhändlerei ein Biotop, keine Arena.
Ich gehe jede Wette ein: Heute würde Martin Schulz keinen Monat im Buchhändlergeschäft überleben.

Wie gesagt, Buchhändler vor 20 Jahren. Mehr nicht.

Freundlichst,
Krischan



Nun ja, Schulz würde heute vielleicht gar nicht Buchhändler werden (wollen).

Gruß, Martin

R.A. Offline



Beiträge: 7.632

10.02.2017 09:43
#25 RE: Martin Schulz, I+II antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #21
Es geht mir nicht unbedingt dagegen das der Mann gelernter Buchhändler ist. Sondern eher dagegen, dass das eigentlich alles ist, was er ist.

Das ist nun auch nicht ganz richtig - er hat es immer hin zum Präsidenten des EP gebracht. Und auch wenn man nun die EU und ihre Institutionen nicht mag: die Führungsposten dort sind heiß umkämpft und die kriegt nicht jeder. Ich finde Coca Cola eine ziemlich widerliche Plörre, aber wenn jemand es zum Cola-CEO gebracht hat, ist das trotzdem ein Pluspunkt in meinen Augen.

Er hat erst seine "Karriere in der Wirtschaft" gemacht, und dann ist er in die Politik gewechselt. Um dort dann wirklich Karriere zu machen.

D.h. letztlich wäre der einzige Vorwurf, daß er dann nicht nebenbei noch in der Abendschule Abi etc. gemacht hat.

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