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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 46 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
R.A. Offline



Beiträge: 7.058

01.10.2017 22:16
Haltet den Dieb antworten

Nein, es geht nicht um die Formulierung. Es geht darum, wovon Nahles ablenken möchte.

vivendi Offline



Beiträge: 660

02.10.2017 00:42
#2 RE: Haltet den Dieb antworten

Da lenkte die SPD während mehrerer Legislaturperioden zusammen mit ihrem in etwa gleichgewichtigen Koalitionspartner die Geschicke der Nation und hätte ausreichend Gelegenheit gehabt, die Richtung vorzugeben und mitzubestimmen. Jetzt, wo sie nicht einmal mehr ihre Wähler um sich scharen kann, will sie Dampf machen und erklärt ihrem Ex-Partner den Krieg. Arroganz? Wut? Selbstüberschätzung oder Flucht vor dem eigenen Versagen? Gut, dass die SPD-Führung selbst zu spüren bekommen hat, wie es ist, wenn man von den eigenen Wählern, von denen man völlig abgehängt regiert hat, eins in die Fresse bekommt.

schattenparker Offline



Beiträge: 116

02.10.2017 08:53
#3 RE: Haltet den Dieb antworten

Man wundert sich, daß die SPD überhaupt noch gewählt wird. Die Mißachtung der Interessen ihrer eigenen Klientel ist gewaltig, Lafontaine hat das ja gut auf den Punkt gebracht.

Noricus Offline



Beiträge: 1.945

02.10.2017 21:48
#4 RE: Haltet den Dieb antworten

Nahles' Rochus kann ich sogar verstehen: Denn "ihr" Mindestlohn ist außer bei denjenigen Liberalen, die eine eisige soziale Kälte verströmen, zum Gemeingut deutscher Politik geworden. Selbst die angeblich so neoliberale AfD ist dafür. Die Anerkennung für den Staatseingriff hat aber die Kanzlerin und nicht Nahles abgestaubt. In der GroKo konnte man schlecht darüber lamentieren, dass die Chefkellnerin das ganze Trinkgeld erhält und das Küchenpersonal leer ausgeht. Aber jetzt, nach der Kündigung, kann man seinem Unmut freien Lauf lassen.

Bei gelernten Konsenspolitikern wie Nahles funktioniert der Polemik-Regler auch noch nicht so gut. Da kommen dann halt solche - wie Du zutreffend schreibst - absolut akzeptablen, aber rhetorisch doch eher dürftigen Versuche heraus.

Werwohlf Offline




Beiträge: 727

03.10.2017 19:21
#5 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #4
Die Anerkennung für den Staatseingriff hat aber die Kanzlerin und nicht Nahles abgestaubt.
Eben. Deswegen liebe ich auch das auf meinem Blog verlinkte Zitat aus der taz so:

Zitat von taz
Die SPD sagt Nein zu Merkel, weil sie fürchtet, in möglichen Verhandlungen ihr Wahlprogramm bei Rente, Bildung oder Arbeitslosengeld weitgehend durchsetzen zu können.



Die SPD muss immer die Rolle des Underdogs spielen. Aber in den Zeitaltern von präzise ausformulierten Koalitionsverträgen ist das schwierig. Wenn so einer mal unterzeichnet ist, wird nur noch auf das Konto des Kanzlers oder der Kanzlerin eingezahlt. Und das Schlimme daran ist die eingebaute Asymmetrie: Wenn der Kanzler ansonsten seine Sache gut macht, hat der Koalitionspartner nichts davon. Wenn der Kanzler aber Mist baut, wird dem Koalitionspartner vorgeworfen, ihn nicht daran gehindert zu haben. Nein, Koalitionspartner haben nur dann eine Chance bei der nächsten Wahl, wenn sie klein sind und in der Hoffnung gewählt werden, an einer Wunschkoalition teilzuhaben. Oder wenn sie als stabilisierendes Element gebraucht werden, wie die FDP zu bundesrepublikanischen Zeiten. Als potenzielle Kanzlerpartei wird es schwierig. Das ist der SPD bisher nur einmal gelungen, und es ist fraglich, ob die damalige Konstellation wiederherstellbar ist.

Deren Wähler brauchen einfach die Illusion, die SPD trotze ihre Forderungen einem bösen, widerspenstigen Kapitalismus ab und habe einen Pfad vor Augen, der ins Paradies der Werktätigen führt. Ihr Schicksal ist, dass der kapitalistische Erzfeind politisch verschwunden ist und sie sich nicht mehr an ihm profilieren kann.

Und dann muss man der Analyse des Politikwissenschaftlers Merkel eben auch zustimmen: Bei der Migrationskrise hat sich die SPD ihrer Stammwählerschaft zusätzlich entfremdet. Sowas passiert, wenn man eine Partei meint, der politische Köder müsse ihr (als Club akademischer) Angler schmecken statt den (proletarischen) Fischen, die man angeblich einsammeln möchte.

Meine These: Wenn die SPD jetzt sozial- und wirtschaftspolitisch weiter nach links rückt und zugleich in der Einwanderungspolitik viel mehr Realismus zeigt, hat sie bei der nächsten Wahl wieder eine sehr gute Chance. Beides dürfte den Nerv der Mehrheit der Wähler treffen.

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Noricus Offline



Beiträge: 1.945

03.10.2017 20:13
#6 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #5
Meine These: Wenn die SPD jetzt sozial- und wirtschaftspolitisch weiter nach links rückt und zugleich in der Einwanderungspolitik viel mehr Realismus zeigt, hat sie bei der nächsten Wahl wieder eine sehr gute Chance. Beides dürfte den Nerv der Mehrheit der Wähler treffen.


Absolut. Oder um es in Wolfgang Merkels zutreffenden Kategorien zu formulieren: Eine ökonomisch linke, aber kulturell rechte SPD würde ihre einstige Stammwählerschaft (und darüber hinaus wohl auch noch den einen oder anderen Stimmberechtigten) ansprechen.

schattenparker Offline



Beiträge: 116

04.10.2017 00:59
#7 RE: Haltet den Dieb antworten

So einfach ist das nicht.

Weite Teile der SPD haben sich bei der "Willkommenskultur" so weit aus dem Fenster gelehnt, daß man neue Leute bräuchte, wenn man zurückrudern wollte.

Schwer auf den Keks gehen auch zumindest mir die allfälligen Gender-Sätze, mit denen die Wäwäs (Wählerinnen & Wähler) oder Bübüs angesprochen werden. ICH werde keine SPD-Popos mehr wählen.

R.A. Offline



Beiträge: 7.058

04.10.2017 10:31
#8 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #4
Die Anerkennung für den Staatseingriff hat aber die Kanzlerin und nicht Nahles abgestaubt.

Genau das sehe ich überhaupt nicht. Den Mindestlohn hat die SPD von den Linken abgekupfert und Nahles hat das zu ihrem Projekt gemacht. Merkel hat das zugelassen, aber nicht aktiv propagiert und auch nicht im Wahlkampf verwendet.
Wenn überhaupt ein Wähler an Mindestlohn denkt, dann fällt ihm Nahles ein, aber nie Merkel.

Generell gibt es wohl nur ein Thema, das man mit Merkel verknüpft: Flüchtlinge. Ansonsten ist sie mit ihrer schwurbeligen und emotionsarmen Art auch ziemlich unfähig, ein Thema zu besetzen.

Nein, das Mindestlohn ist und bleibt ein SPD-Projekt, und Nahles hat geliefert. Nur interessiert das keinen SPD-Stammwähler. Die verdienen nämlich alle über Mindestlohn.
Mit ihrer linken Politik kloppen sich Nahles und Genossen mit den Linken um die Stimmen einer Handvoll Prekärer und Sozialarbeiter. Und ignorieren die Wünsche und Bedürfnisse von Millionen (nun ex-) SPD-Wählern.
Und das hat überhaupt nichts mit Koalitionen zu tun!

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

04.10.2017 11:00
#9 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat
Generell gibt es wohl nur ein Thema, das man mit Merkel verknüpft: Flüchtlinge


Und, ceterum censo zu Unrecht, die Energiewende.

gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

hubersn Offline



Beiträge: 719

04.10.2017 18:02
#10 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #9

Zitat
Generell gibt es wohl nur ein Thema, das man mit Merkel verknüpft: Flüchtlinge

Und, ceterum censo zu Unrecht, die Energiewende.

gruß Petz



Frau Merkel hat doch den Begriff der Energiewende erst geprägt, oder?

Und sie wurde u.a. dafür gewählt, die schlimmsten Folgen der bis dahin gelaufenen "Wende" durch die Laufzeitverlängerung für die KKWs abzumildern. Nur, um dann das Gegenteil zu beschließen.

Unterm Strich würde ich also eher "zu Recht" als "zu Unrecht" sagen.

Gruß
hubersn

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Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

04.10.2017 20:26
#11 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #10
Frau Merkel hat doch den Begriff der Energiewende erst geprägt, oder?

Genau das meine ich.

Zitat von Jürgen Trittin, 26.10.2000
Kernstück der Energiewende ist die ökologische Steuerreform, mit der in moderaten Schritten Energie teurer und Arbeit billiger wird.

http://www.bmub.bund.de/pressemitteilung...auch-vollenden/

Der Begriff "Energiewende" wird heute - natürlich vorrangig von Leuten, die eben Merkel dafür verantwortlich machen wollen - auf den Kernenergieausstieg reduziert. Die wesentlichen, energiewirtschaftlich bestimmenden Teile sind aber die Erneuerbaren-Förderung und die Ökosteuer.

Zitat
Und sie wurde u.a. dafür gewählt, die schlimmsten Folgen der bis dahin gelaufenen "Wende" durch die Laufzeitverlängerung für die KKWs abzumildern. Nur, um dann das Gegenteil zu beschließen.


Wie gesagt, die schlimmsten Folgen waren nicht der Kernenergieausstieg (es sei denn, man macht sich die von den Grünlinken geprägte Symbolkraft der Kernenergie zu eigen), sondern der umkoordinierte, überteuerte und lediglich auf installierte Leistung abzielende Ausbau von Wind und PV. Und jawohl, dafür ist Frau Merkel gewählt worden..das Ausbauziel von 30% für 2020 stammt aus der ersten großen Koalition und wurde nicht angetastet, auch von der FDP nicht.

Und was die Laufzeitverlängerung angeht - der Deal sah im Gegensatz dafür die Brennelementesteuer vor (die auch umgesetzt wurde und vom BVerfG gekippt wurde). Man vergleiche mal die Kosten/kWh der Brennelementesteuer mit denen der EEG-Umlage - da schneidet lediglich die PV schlechter ab. Der Staat hat also keineswegs vorgehabt, irgendwelche "Folgen abzumildern", er hat sich die Laufzeitverlängerung sauber vergolden lassen. Aber wie gesagt, das ist sowieso Symbolik, die Kostentreiber sitzen woanders.

Man kann zwar sagen, dass Frau Merkel die Energiewende nicht umgekehrt hat. Aber sie hat sie nicht erfunden und auch (bis auf die Episode mit den Laufzeitverlängerungen) nichts getan, was nicht in einem der Wahlprogramme gestanden hat. Die Befürwortung Energiewende war und ist eine Mehrheitsposition in Deutschland, und allfällige Empörung über Merkel, die sie dem verratenen Volk gegen dessen erklärten Willen aufs Auge gedrückt haben soll, geht ins Leere.

Gruß Petz

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hubersn Offline



Beiträge: 719

05.10.2017 16:01
#12 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #11
Zitat von hubersn im Beitrag #10
Frau Merkel hat doch den Begriff der Energiewende erst geprägt, oder?

Genau das meine ich.

Zitat von Jürgen Trittin, 26.10.2000
Kernstück der Energiewende ist die ökologische Steuerreform, mit der in moderaten Schritten Energie teurer und Arbeit billiger wird.
http://www.bmub.bund.de/pressemitteilung...auch-vollenden/

Der Begriff "Energiewende" wird heute - natürlich vorrangig von Leuten, die eben Merkel dafür verantwortlich machen wollen - auf den Kernenergieausstieg reduziert.



Ein Zitat von Jürgen Trittin mit einer früheren Verwendung des Wortes bedeutet nicht, dass Frau Merkel das Wort nicht geprägt hat. In der öffentlichen Diskussion jedenfalls ist nach meiner Erinnerung das Wort erst nach den unseligen Fukushima-Tagen mit dem folgenden Amoklauf der Regierung Merkel in den Sprachgebrauch getreten.

Und faktisch waren die Nach-Fukushima-Beschlüsse, die die Regierung als "Energiewende" deklarierte, ausschließlich "Kernenergieausstieg" - weil, wie sie ja richtig bemerken, alles andere schon von Rot-Grün und teilweise noch von CDU-FDP unter Kohl in die Wege geleitet wurde.

Gruß
hubersn

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hubersn Offline



Beiträge: 719

05.10.2017 16:12
#13 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #11

Und was die Laufzeitverlängerung angeht - der Deal sah im Gegensatz dafür die Brennelementesteuer vor (die auch umgesetzt wurde und vom BVerfG gekippt wurde). Man vergleiche mal die Kosten/kWh der Brennelementesteuer mit denen der EEG-Umlage - da schneidet lediglich die PV schlechter ab. Der Staat hat also keineswegs vorgehabt, irgendwelche "Folgen abzumildern", er hat sich die Laufzeitverlängerung sauber vergolden lassen.


Wikipedia sagt: zwischen 0,73 und 1,58 ct/kWh. "Da schneidet lediglich die PV schlechter ab" scheint mir also....äh...fake news. Alternative Fakten. Absolut gesehen aufgrund der großen generierten Strommenge natürlich trotzdem eine erhebliche Geldmenge.

Gruß
hubersn

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Florian Offline



Beiträge: 2.211

05.10.2017 16:15
#14 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #12

Ein Zitat von Jürgen Trittin mit einer früheren Verwendung des Wortes bedeutet nicht, dass Frau Merkel das Wort nicht geprägt hat. In der öffentlichen Diskussion jedenfalls ist nach meiner Erinnerung das Wort erst nach den unseligen Fukushima-Tagen mit dem folgenden Amoklauf der Regierung Merkel in den Sprachgebrauch getreten.



Der Begriff "Energiewende" ist einem Bedeutungswandel unterworfen.
Sehr schön sieht man das, wenn man sich für den Befriff die "Versionsgeschichte" auf Wikipedia anschaut.

Erstmals angelegt wurde ein Eintrag "Energiwende" im August 2007.

Damalige Definition:
"Der Begriff 'Energiewende' bezeichnet die möglichst vollständige Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Sie strebt eine nachhaltige Energieversorgung mit 'Erneuerbaren Energien' wie Sonnenenergie, Wasserkraft, Windkraft, Biomasse und Geothermie an."

Es ging damals also um "weg von fossilen Energieträgern".
Ein "weg von Kernenergie" war damals NICHT Teil der Definition.

Heutzutage ist das anders.
Heutige Definition:

"ls Energiewende wird der Übergang von der nicht-nachhaltigen Nutzung von fossilen Energieträgern sowie der Kernenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien bezeichnet.[2]"

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

05.10.2017 16:34
#15 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #13
Zitat von Meister Petz im Beitrag #11

Und was die Laufzeitverlängerung angeht - der Deal sah im Gegensatz dafür die Brennelementesteuer vor (die auch umgesetzt wurde und vom BVerfG gekippt wurde). Man vergleiche mal die Kosten/kWh der Brennelementesteuer mit denen der EEG-Umlage - da schneidet lediglich die PV schlechter ab. Der Staat hat also keineswegs vorgehabt, irgendwelche "Folgen abzumildern", er hat sich die Laufzeitverlängerung sauber vergolden lassen.
Wikipedia sagt: zwischen 0,73 und 1,58 ct/kWh. "Da schneidet lediglich die PV schlechter ab" scheint mir also....äh...fake news. Alternative Fakten.

Ich habe auch Wikipedia befragt und zum Vergleich einen mittleren EEG-Wert herangezogen, den von 2013 (das halte ich aufgrund der tatsächlichen Laufzeit der Brennelementesteuer zwischen 2011 und 2015 für annähernd realistisch vergleichbar):

Photovoltaik 2,2 ct/kWh
Biomasse 1,1 ct/kWh
Wind onshore 0,7 ct/kWh
Wind offshore 0,19 ct/kWh
Wasser 0,04 ct/kWh
Gase, Geothermie 0,01 ct/kWh
https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbar...setz#EEG-Umlage

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

hubersn Offline



Beiträge: 719

05.10.2017 18:50
#16 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #15
Zitat von hubersn im Beitrag #13
Zitat von Meister Petz im Beitrag #11

Und was die Laufzeitverlängerung angeht - der Deal sah im Gegensatz dafür die Brennelementesteuer vor (die auch umgesetzt wurde und vom BVerfG gekippt wurde). Man vergleiche mal die Kosten/kWh der Brennelementesteuer mit denen der EEG-Umlage - da schneidet lediglich die PV schlechter ab. Der Staat hat also keineswegs vorgehabt, irgendwelche "Folgen abzumildern", er hat sich die Laufzeitverlängerung sauber vergolden lassen.
Wikipedia sagt: zwischen 0,73 und 1,58 ct/kWh. "Da schneidet lediglich die PV schlechter ab" scheint mir also....äh...fake news. Alternative Fakten.

Ich habe auch Wikipedia befragt und zum Vergleich einen mittleren EEG-Wert herangezogen, den von 2013 (das halte ich aufgrund der tatsächlichen Laufzeit der Brennelementesteuer zwischen 2011 und 2015 für annähernd realistisch vergleichbar):

Photovoltaik 2,2 ct/kWh
Biomasse 1,1 ct/kWh
Wind onshore 0,7 ct/kWh
Wind offshore 0,19 ct/kWh
Wasser 0,04 ct/kWh
Gase, Geothermie 0,01 ct/kWh
https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbar...setz#EEG-Umlage



Das ist wohl kaum eine vergleichbare Berechnungsgrundlage, oder? Das wird ja auf die Gesamt-kWh des Stromverbrauchs runtergebrochen und bezogen. Das ergibt ja überhaupt keinen Sinn, wenn ich mir es richtig überlege. Oder werde ich schon gaga? Das EEG kostet pro kWh 5,277 ct. Die Photovoltaik aber nur 2,2 ct? Ich habe mich überzeugt: das ist kompletter Quatsch. Das wäre ja vergleichbar damit zu sagen, dass die 1 ct/kWh durch die Brennelementesteuer bei den Druckwasserreaktoren 0,57 ct und bei den Siedewassereaktoren 0,43 ct ausmachen???

Gruß
hubersn

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Noricus Offline



Beiträge: 1.945

05.10.2017 20:18
#17 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #8
Zitat von Noricus im Beitrag #4
Die Anerkennung für den Staatseingriff hat aber die Kanzlerin und nicht Nahles abgestaubt.

Genau das sehe ich überhaupt nicht. Den Mindestlohn hat die SPD von den Linken abgekupfert und Nahles hat das zu ihrem Projekt gemacht. Merkel hat das zugelassen


Genau dafür, dass sie etwas so durch und durch Linkes zugelassen hat, hat Merkel ja die Anerkennung erhalten.

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

05.10.2017 23:45
#18 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #16
Ich habe mich überzeugt: das ist kompletter Quatsch.

Dann bin ich ja beruhigt

Mein Ziel war zu belegen, dass der "Atomdeal" in der Form keineswegs das Ziel verfolgt hat, irgendwelche "Härten der Energiewende abzufedern", sondern einfach die Kreation einer neuen staatlichen Einnahmequelle war. Und dazu habe ich verglichen, in wie weit staatliche Maßnahmen (einerseits Brennelementesteuer, andererseits EEG-Umlage), die einzelne PRODUZIERTE Kilowattstunde - gerechnet nach Energieträger - verteuern.

Zum einen hängt die Brennelementesteuer - genau wie die EEG-Umlage - von der Berechnung eben nicht 1:1 an der tatsächlichen Strommenge, sondern an der Menge an verbrauchtem Kernbrennstoff (daher variiert auch die Zahl von Jahr zu Jahr sehr stark). Die EEG-Umlage berechnet sich ebensowenig aus der tatsächlichen Strommenge, sondern aus der Differenz zwischen ausgezahlter Einspeisevergütung und Erlösen aus dem Stromverkauf an der EEX (zumindest war das zum betroffenen Zeitpunkt so, mittlerweile geht ein Großteil des EE-Stroms über die Direktvermarktung). Heißt also: Um die Verteuerung des Strompreises mittels staatlicher Maßnahmen pro Energieträger zu berechnen, ziehe ich jeweils die Beträge heran, die in eine vom jeweiligen Energieträger produzierte kWh fließen. Dass die Gesamt-EEG-Umlage die Addition der einzelnen Posten ist, ist dabei völlig irrelevant. Denn die Gesamt-EEG-Umlage bezieht sich ja nicht auf die produzierte EE-Strommenge, sondern auf die insgesamt (konventionell plus erneuerbar) an den Endkunden VERKAUFTE Strommenge.

Um dann Preisaufschlag aber realistisch zu vergleichen, interessiert dagegen die PRODUZIERTE Menge. Und da gibt es massive Unterschiede zwischen den einzelnen Energieträgern: Wind offshore wird auf absehbare Zeit nahezu subventionsfrei installiert (kürzlich wurden die ersten Konzessionen ohne Subventionen vergeben), während PV immer noch ein Groschengrab ist.

Aber warum ist nun die Einzelbetrachtung der Energieträger eben kein Quatsch, sondern völlig legitim? ich erkläre es an einem Beispiel: Man hätte sich auch dafür entscheiden können, die Brennelementesteuer (die ja sowieso auf den Stromkunden umgelegt wird) direkt über das EEG-Konto abzurechnen. Hätte neben einem riesigen Erklärungsnachteil (wir schaufeln gutes Wind- und Sonnengeld vom Stromkunden in die Staatskasse und entlasten damit die Atomkonzerne) wahrscheinlich den Vorteil gehabt, nicht verfassungswidrig zu sein. Dann wäre die EEG-Umlage um den betreffenden Betrag höher gewesen, ohne dass sich an den Kosten pro Energieträger irgendwas geändert hätte.

EDIT: Sie haben recht, ich habe mich verrechnet. Zwar nicht so, wie Sie behauptet haben, denn die Unterschiede zwischen den Energieträgern sind tatsächlich relevant. Allerdings habe ich vernachlässigt, die Brennelementesteuerkosten auf den Anteil der Kernenergie an der Gesamtproduktion runterzurechnen. Der betrug im Jahr 2013 laut BdEW etwa 15%. Somit beträgt der Zusatzkostenanteil für die Kernenergie auf gleicher Berechnungsgrundlage nur noch ca. 0,2 ct. Dann steht nur noch die Wasserkraft günstiger da und Offshore-Wind etwa gleich. War also unbeabsichtigte Fake News
Gruß Petz

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nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.546

06.10.2017 09:26
#19 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #18
interessiert dagegen die PRODUZIERTE Menge. [...] Wind offshore wird auf absehbare Zeit nahezu subventionsfrei installiert
Eine Verständnisfrage:

Berücksichtigt deine Rechnung auch den Produktionszeitpunkt und kann der Subventionsbedarf für einen stochastischen Stromerzeuger wirklich 0 werden? Der Subventionsbedarf für einen stochastischen Stromerzeuger müßte doch (auch) eine Funktion von der ingesamt stochastisch installierten Leistung sein, oder? Der Gedanke wäre: Je höher die Volatilität der Erzeugung, desto höher die Kosten der Anpassung an den tatsächlichen Bedarf.

Ausschließlich mit Windkraft könnte ja das deutsche Stomnetz nicht betrieben werden, es sei denn man hält eine riesige back up Kapazität auf "Stand by". Wie kann ich daher verstehen, dass Windkraft Suventionsfrei vergeben wird? Wo mache ich den Denkfehler?

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

06.10.2017 10:51
#20 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #19
Berücksichtigt deine Rechnung auch den Produktionszeitpunkt und kann der Subventionsbedarf für einen stochastischen Stromerzeuger wirklich 0 werden? Der Subventionsbedarf für einen stochastischen Stromerzeuger müßte doch (auch) eine Funktion von der ingesamt stochastisch installierten Leistung sein, oder? Der Gedanke wäre: Je höher die Volatilität der Erzeugung, desto höher die Kosten der Anpassung an den tatsächlichen Bedarf.

Die Volatilität wird zum Risiko des Betreibers. Speist er zu einem Zeitpunkt mit geringem "tatsächlichen" Bedarf ein, erzielt er einen geringen Erlös. Die bisherigen Subventionen waren ja dafür da, dem Betreiber dieses Marktrisiko zu nehmen. Anscheinend sehen es mittlerweile die ersten Betreiber als erfolgversprechend an, dieses Risiko einzugehen.

Zitat
Ausschließlich mit Windkraft könnte ja das deutsche Stromnetz nicht betrieben werden, es sei denn man hält eine riesige back up Kapazität auf "Stand by". Wie kann ich daher verstehen, dass Windkraft Suventionsfrei vergeben wird? Wo mache ich den Denkfehler?


Das behaupten auch wirklich nur gewisse Utopisten, ich nehme an, dass selbst die für 2050 angepeilten 80% utopisch sind..es wird wohl einen gewissen natürlichen Deckel irgendwo zwischen 40 und 60 geben.

Zu den Subventionen: Wenn Du es so bezeichnen willst, ist natürlich der Anstieg bei den Netzentgelten aufgrund des gestiegenen Regelleistungsbedarfs eine "versteckte Subvention" des Stromkunden. Aber zum einen gibt es dafür aus meiner Sicht sinnvolle Konzepte, nämlich die Erzeuger die Kosten zahlen zu lassen (Stichwort Fangnetz), und zum anderen müsstest du dann, wie es die Energiewendefans eh schon tun, auch das Thema Endlagerkosten betrachten. Die 23 Mrd im "Entsorgungsfonds" haben nämlich ehrlich gesagt schon auch etwas von der Trittinschen Eiskugel. Ist die Lücke zwischen dem Fonds und den zu erwartenden tatsächlichen Kosten auch eine Subvention?

Gruß Petz

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nachdenken_schmerzt_nicht Offline




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06.10.2017 11:31
#21 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #20
Die Volatilität wird zum Risiko des Betreibers. Speist er zu einem Zeitpunkt mit geringem "tatsächlichen" Bedarf ein, erzielt er einen geringen Erlös. Die bisherigen Subventionen waren ja dafür da, dem Betreiber dieses Marktrisiko zu nehmen.

Das Marktrisiko ist ja aber nur die Hälfte des Problems. Was geschieht, wenn Strom gebraucht wird, aber nicht produziert werden kann? Wer wird gezwungen dann die Versorgung sicher zu stellen und wie wird der stochastische Stromerzeuger an diesen Kosten beteiligt?

Letztendlich ist es ja nur eine Begrifflichkeit. Ob du es Subvention nennst oder Endlagerkosten oder wie auch immer, ist es eben Teil der Produktionkosten des Stromes (unter der Bedingung des Kirchhoffschen Gesetzes, dass angelegte Leistung und Bedarfsleistung im Netz immer gleich sein müssen).

Bei Windkraft kommt nun eben noch die Stochastik hinzu, die einen wesentlichen Unterschied zur konventionellen Stromversorgung produziert: Unter bestimmten Bedingungen kann sie, trotz installierter Leistung, den Bedarf nicht decken. Dazu braucht es ein Back up. Einen geringerer Erlös für den von ihm produzierten Strom würde den Windkraftbetreiber noch nicht an der von ihm notwendig gemachten Back up Leistung beteiligen. Da müßte er, ähnlich wie ein Atomkraftwerkbetreiber Endlagerkosten zahlt, back „Up Beitrräge“ zahlen. Oder? Anders ausgedrückt, müßte jedem Windkraftbetreiber eine Grundlast abverlangt werden, die er jederzeit sicher stellen kann. Dazu müßte er dann eben ein konventionelles Kraftwerk in Reserve halten und dafür zahlen.

Zitat von Meister Petz im Beitrag #20
auch das Thema Endlagerkosten betrachten.

Wie ich oben schon schrieb, gebe ich dir Recht. Alle Kosten die die Produktion und ihre Besonderheiten (unter der Bedingung der Netzstabilität) verursacht, sollten zum Vergleich der Wirtschaftlichkeit dazu gezählt werden.

Da ich aber, wie du weisst, ohnehin den menschlichen Einfluß auf das Klima als überschaubar annehme und selbst unter Annahme er sei groß, den Anteil der Stromerzeugung daran als klein erachten würde, bin ich ohnehin auch für eine starke Nutzung von Kohle und Gas, wenn das billiger sein sollte als Atomkraft + Lagerung der „Abfälle“

Grundsätzlich vielleicht noch ein Gedanke zur „Endlagerung der Abfälle“. Ich denke, diese Terminologie ist ohnehin nur dem "Anti Atomkraft Bewußtsein" unserer Gesellschaft geschuldet. Die „Abfälle“ von heute können schon ein Rohstoff von morgen sein. Der Dual Fluid Reaktor ist dafür ja ein Beispiel und der technologische Fortschritt wird immer schneller voran schreiten (zumindest ausserhalb einbes grün dominierten Deutschlands). Abfälle von Atomreaktoren daher unerreichbar mit hohen Kosten irgendwo zu verschanzen, erscheint mir recht dumm. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass sie irgendwann als wertvoller Rohstoff wieder ausgegraben werden müssen.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

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hubersn Offline



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06.10.2017 12:48
#22 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #18
Und dazu habe ich verglichen, in wie weit staatliche Maßnahmen (einerseits Brennelementesteuer, andererseits EEG-Umlage), die einzelne PRODUZIERTE Kilowattstunde - gerechnet nach Energieträger - verteuern.


Nein, das haben Sie nicht.

Die EEG-Umlage in ct/kWh ist ja DER DURCHSCHNITT pro EEG-vergütetem Energieträger bezogen auf die Gesamtstrommenge. Ganz einfach gesprochen: es kann zwingenderweise nicht jeder Energieträger unterdurchschnittlich kosten. Dass in der Wikipedia diese Tabelle steht ist eine grobe Irreführung.

Gruß
hubersn

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Emulgator Offline



Beiträge: 1.920

06.10.2017 13:07
#23 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #21
Grundsätzlich vielleicht noch ein Gedanke zur „Endlagerung der Abfälle“. Ich denke, diese Terminologie ist ohnehin nur dem "Anti Atomkraft Bewußtsein" unserer Gesellschaft geschuldet. Die „Abfälle“ von heute können schon ein Rohstoff von morgen sein. Der Dual Fluid Reaktor ist dafür ja ein Beispiel und der technologische Fortschritt wird immer schneller voran schreiten (zumindest ausserhalb einbes grün dominierten Deutschlands). Abfälle von Atomreaktoren daher unerreichbar mit hohen Kosten irgendwo zu verschanzen, erscheint mir recht dumm. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass sie irgendwann als wertvoller Rohstoff wieder ausgegraben werden müssen.
Stimmt. Abfälle sind Wertstoffe. Deswegen stellen wir ja nur noch Wertstofftonnen, keine Müll- oder Abfalltonnen mehr zur Abholung an die Straße.

Für die Natur ist die Endlagerung von Atomwertstoffen nicht problematischer als die Endlagerung von Giftwertstoffen, wie sie z.B. in Herfa-Neurode ohne große Greenpeace-Proteste schon lange geschieht. Erst als politischen Gründen wird so ein Aufsehen um Atomwertstoffe gemacht, weil sie nämlich für Waffenbau mißbraucht werden können. Die Nichtweiterverbreitung von spaltbaren oder strahlendem Material soll also als ökonomisch-technologische Barriere dienen, um geringer entwickelte Mächte vom Waffenbau mit solchen Materialien abzuhalten. Da aber inzwischen alle interessierten Staaten ihr eigenes Kernwaffenprogramm aus eigenen Mitteln schaffen, ist diese Barriere überholt.

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

06.10.2017 13:28
#24 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat
Die EEG-Umlage in ct/kWh ist ja DER DURCHSCHNITT pro EEG-vergütetem Energieträger bezogen auf die Gesamtstrommenge. Ganz einfach gesprochen: es kann zwingenderweise nicht jeder Energieträger unterdurchschnittlich kosten.


Nein eben nicht. Die EEG-Umlage ist die Summe aller gezahlten Fördergelder (also Prämien minus Börsenerlös minus vermiedene Netzentgelte) geteilt durch die Anzahl ALLER vom Endkunden gekauften kWh Strom (egal ob konventionell oder erneuerbar). Das hat nix mit der tatsächlichen Erzeugung pro Energieträger zu tun (da bin ich ja zuerst auch drauf reingefallen, weshalb ich die Brennstoffsteuer mit den EEG-Anteilen gleichgesetzt habe).

Und natürlich kann man diese Summe von Fördergeldern in ihre Bestandteile splitten und auf die tatsächliche Erzeugung durch den jeweiligen Energieträger umrechnen. Also beispielsweise (x Euro ausgezahlt an PV für [a von PV erzeugte kWh]) plus y Euro für ausgezahlt an Wind für [b von Wind erzeugte kWh] plus z Euro ausgezahlt an Wasser für [c von Wasser erzeugte kWh]. Allerdings muss man eben den jeweiligen Anteil an der Gesamtstromerzeugung berücksichtigen, was ich bei der Kernenergie unterlassen habe. Und deshalb habe ich meine Berechnung in soweit korrigiert.

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.274

06.10.2017 14:00
#25 RE: Haltet den Dieb antworten

Zitat
Das Marktrisiko ist ja aber nur die Hälfte des Problems. Was geschieht, wenn Strom gebraucht wird, aber nicht produziert werden kann? Wer wird gezwungen dann die Versorgung sicher zu stellen und wie wird der stochastische Stromerzeuger an diesen Kosten beteiligt?


Ich muss sagen, selbst für einen "Gerade-noch-FDP-Wähler" hast Du ein ziemlich planwirtschaftliches Verständnis vom Strommarkt. Es ist ja nicht mehr so wie in den von den meisten hier zurückgesehnten Kohl-Zeiten, wo es eben keinen europäischen Stromhandel mit 1,3 TW installierter Leistung gab, sondern der Strom vom kommunalen Versorger* zu staatlich festgesetzten Preisen geliefert wurde.
*Versorger bedeutet hier: Versorger von altgedienten Kommunalpolitikern mit wohldotierten Frühstücksdirektorenposten sowie Sicherstellung der Querfinanzierung von defizitären Spaßbädern.

Ich mache mal ein Beispiel: Nimm mal an, die Gier nach leckeren Bratkartoffeln treibt Dich in den LIDL-Markt, um Kartoffeln zu erwerben. Leider sind aber die Kartoffeln gerade ausgegangen. Wird nun der REWE oder EDEKA "gezwungen", dir Kartoffeln zu verkaufen? Nein, es verkauft Dir der die Kartoffeln, der sie gerade hat (womöglich ist der REWE etwas teurer, das wäre dann sozusagen ein lokaler Spotmarkt). Und genauso läuft es beim Strom auch. Wer Kapazitäten hat, speist ein. Natürlich zu höheren Preisen - Stichwort Regelleistungsmarkt.

Bislang werden diese Kosten auf den Stromkunden umgelegt. Ich halte dieses Modell für ineffizient, weil es gerade für den EE-Betreiber keinen Anreiz bietet, die Produktion dem Verbrauch anzupassen. Im Gegensatz, der Anreiz ist sogar da, möglichst viel EE-Strom zu versprechen, den man gar nicht liefern kann. Wie es marktorientiert funktionieren kann, habe ich hier versucht darzulegen, und zumindest das damalige BMWi unter Gabriel schien diese Idee für sinnvoll zu halten: Das Wirtschaftsministerium sucht einen Strommarkt

Des weiteren fällt mir auf, dass in der Diskussion immer einseitig auf den theoretischen "Strommangel" verwiesen wird (wahrscheinlich ist das Kennzeichen einer Generation, die niemals einem tatsächlichen Mangel ausgesetzt war). Wenn es ein Problem gibt, dann ist es eher ein temporäres Überangebot (bis hin zu den spektakulären negativen Preisen). Dieses Problem ließe sich hervorragend lösen, wenn man den Einspeisevorrang lockert. Ich bin da auch ziemlich zuversichtlich, dass sich der ab einem bestimmten Punkt nicht mehr rechtfertigen lässt.

Zitat
Da ich aber, wie du weisst, ohnehin den menschlichen Einfluß auf das Klima als überschaubar annehme und selbst unter Annahme er sei groß, den Anteil der Stromerzeugung daran als klein erachten würde, bin ich ohnehin auch für eine starke Nutzung von Kohle und Gas, wenn das billiger sein sollte als Atomkraft + Lagerung der „Abfälle“


Leicht OT, aber eins hab ich in der ganzen Diskussion auch nie verstanden: Das Argument, Deutschland könne mit der Energiewende "sich nicht mehr selbst versorgen und mache sich vom Ausland abhängig". Das heißt ja, lieber kaufe ich russisches Gas und Uran, um damit rein deutsches Wasser zu verdampfen, anstatt Teile meines Stroms von den europäischen Nachbarn zu kaufen...

Gruß Petz

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