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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 31 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2
nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.687

14.03.2018 13:13
#26 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #24
Also erkläre mir, warum diese These falsch ist.
Zitat von Meister Petz im Beitrag #24
Und inwiefern enthält diese Stichprobe jetzt weniger "systematische Fehler"?
Ich habe gesagt, ich halte deine These für falsch. Das ist etwas anderes, als zu sagen sie sei falsch. Für jemandem der mit deiner Wut im Bauch argumentiert, mag das keinen Unterschied machen, auch wenn es einer ist. Daher habe ich auch nicht behauptet eine fehlerfreie Stichprobe zu haben und damit (m)eine Theorie zu untermauern. Ich habe dir meine empirische Beobachtung geschildert, aus der ich (vielleicht falsche) Schlüsse ziehe. Eine Theorie wollte ich damit nicht belegen.

Was ich mich allerdings frage, wenn du von deiner Medientheorie überzeugt bist, warum dich Artikel wie der von Douglas so umtreiben. Die Leute die sich dort tummeln sind ohnehin für die Wahrheit verloren. All die Entscheider und Wirtschaftsbosse lesen jetzt halt das, was sie hören wollen. Davon überzeugt waren sie auch schon vorher. Dann sind all diese Artikel doch völlig gleichgültig. Laß sie schreiben. Überzeugungstäter unter sich. Gibts auch in der Süddeutschen, der Zeit und der FAZ.

Zitat von Meister Petz im Beitrag #24
Ja, von einem typischen TE-Kommentator. Darüber brauchen wir nicht reden, ist eh Lügenpresse. Merkst was?
Du mußt mit mir nicht, wie mit einem kleinen Kind sprechen. Ich habe zwar, möglichwerweise nicht deinen Intellekt, aber völlig unfähig zu denken bin ich nicht. Wenn du mich für geistig minderbemittelt oder blöd hälst, laß mich doch einfach links liegen.

Für viele (so gut wie alle) Menschen die ich persönlich kenne, berichtet das ZDF / ARD die unverhandelbare Wahrheit. Das mag eine unbedeundete / verzerrte Beobachtung sein. Ich schätze sie derzeit als wesentlich ein. Das habe ich gesagt. Sonst nichts. Für mich ist das ein Hinweis darauf, dass der ÖRR die Wahrnehmung in Deutschland beeinflußt. Diese Wahrnehmung mag falsch sein und von dir nicht geteilt werden, ich versuchte dir nur zu sagen, woher sie bei mir kommt. Da verstehe ich nicht, was dein Einwurf soll: "Die anderen ja auch und du ja selber...."


Zitat von Meister Petz im Beitrag #24
Übersetzen wir mal das Konformitätsexperiment von Asch
Wenn die Menschen glauben, dass das was sie täglich in "Heute" sehen, die Wahrheit ist, dann richten sie sich daran aus. Das hat überhaupt nichts mit der Schweigespirale zu tun in meinen Augen. Das hat was mit sozialen Verhaltensweisen zu tun und dem Wunsch nach Normalität und eben Konformität. Ein Urinstinkt. Das ist alles. Das ist meine Interpretstion. Die mag richtig oder falsch sein. Von dir jedenfalls wird sie nicht geteilt. Damit muß ich leben.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Werwohlf Offline




Beiträge: 874

15.03.2018 22:46
#27 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #26
Wenn die Menschen glauben, dass das was sie täglich in "Heute" sehen, die Wahrheit ist, dann richten sie sich daran aus. Das hat überhaupt nichts mit der Schweigespirale zu tun in meinen Augen. Das hat was mit sozialen Verhaltensweisen zu tun und dem Wunsch nach Normalität und eben Konformität. Ein Urinstinkt. Das ist alles. Das ist meine Interpretstion. Die mag richtig oder falsch sein. Von dir jedenfalls wird sie nicht geteilt. Damit muß ich leben.
Ich fürchte, man müsste da viel weiter ausholen. Zunächst mal müssten wir uns eingestehen, dass ein Großteil der Menschen gar nicht politisch interessiert ist, aber trotzdem hin und wieder zu politischen Themen Stellung nehmen soll, spätestens bei Wahlen, aber auch sonst mal im privaten Kreis, oder weil irgendein Dieter Malinek ihnen ein Mikrofon vor die Nase hält. Woher beziehen die dann ihre Infos? Vielleicht vom schlauen Onkel Kurt, der immer alles besser weiß, aber eigentlich ist der einem wegen seiner Schulmeisterei auch arg unsympatisch. Dann wohl doch lieber von denen, die mit offiziöser Geste, staatlichem Geld und lauthals behaupteter Qualität berichten.

Andere haben so eine gewisse politische Grundhaltung. Die kann sich an Weltbildern festmachen, an Milieus oder ganz simpel an Parteien. Meine Eltern z.B. waren unverrückbare CDU-Fans und wären das vermutlich auch noch heute, obwohl die CDU von 1970 eine deutlich andere war als die aktuelle. Sie hätten argumentativ auch nicht viel beitragen können, außer dass die gleichmacherischen Sozis alles kaputt machen würden (womit sie natürlich Recht hatten... ). Es ist nun aber so, dass, von einem fiktiven Stand Null aus gesehen, es keinen Grund geben sollte, warum man als CDU-Fan für oder gegen die Energiewende oder für oder gegen den Euro sein sollte. Das einzige, was da Abhilfe schaffen könnte, wäre eine Mischung aus hinreichender Sachkenntnis und politischen Grundüberzeugungen, aber wo schon letzteres nicht so recht abzuleiten ist, stellt sich ersteres höchstens zufällig ein, z.B. als berufliche Mitgift. Für alle anderen muss diese Verbindung erst durch ständige - ja, hier passt es - "Narrative" geschaffen werden, und obwohl hier natürlich die Politik an erster Stelle die Initiative ergreift, spielen die Medien hier eine entscheidende Rolle. Beispiele: Gedenke ich jedes Jahr der Toten der Reaktorkatastrophe von Fukushima oder des Tsunamis? Mit welchen Beispielen illustriere ich meine Beiträge, welche Stimmen kommen zu Wort? Selbst wenn wir den Jounalisten hier die Absicht der Objektivität unterstellen (wovon man in Zeiten der "Haltung" nicht mehr ausgehen kann), so limitiert schon deren eigener, durch ihre Weltsicht bestimmter Horizont die möglichen Alternativen. Was auch noch okay ist, solange es davon mehrere gibt, aber es scheint ja mittlerweile so zu sein, dass die Berufswahl und das Weltbild stark korrelieren (nicht nur bei Journalisten natürlich, das ist in reiferen Gesellschaften vermutlich auch so zu erwarten). Wie dem auch sei: Beim gemeinen Bürger muss die Überzeugung, die überhaupt stark genug werden könnte, um sie von einer Echokammer bestätigen zu lassen, oft erst noch wachsen. Und bei den meisten wird sie nie ausreichend stark dafür werden, aber stark genug, sie zu äußern, wenn sie eingefordert wird. Darum geht's.

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.473

15.03.2018 23:18
#28 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #27
Beispiele: Gedenke ich jedes Jahr der Toten der Reaktorkatastrophe von Fukushima oder des Tsunamis? Mit welchen Beispielen illustriere ich meine Beiträge, welche Stimmen kommen zu Wort? Selbst wenn wir den Jounalisten hier die Absicht der Objektivität unterstellen (wovon man in Zeiten der "Haltung" nicht mehr ausgehen kann), so limitiert schon deren eigener, durch ihre Weltsicht bestimmter Horizont die möglichen Alternativen.


OT. Aber das ist, wie mir scheint, ein ganz hervorragendes Beispiel, um diese Mechanismen und die Absicht, in der sie in den Medien bedient werden, zu illustrieren - und um es gegebenbefalls als Beispiel dafür anzuführen. Wir haben ja parallel dazu den Fall des Tsunamis von Weihnachten 2004, mit mehr als der zehnfachen Opferzahl.

https://www.britannica.com/event/Indian-...tsunami-of-2004

Aus der ungleichen Behandlung, gerade in der Intensität und der fortwährenden Instrumentierung der Toten von 2011 als "Atomtote" kann man leicht zeigen, daß allein die Möglichkeit dieses Spins, durch den Zufall, daß ein Atomkraftwerk "getroffen", zur Erhebung zum Symbol geführt hat. In anderen Teilen der Welt erheblich weniger. Und man kann daran zeigen, daß dies nur möglich ist, weil "Atom" bei uns eine Art "kollektives/nationales" Trauma ist, das dies ermöglicht hat. Die andere Länder auch haben, die aber anders gelagert sind. Und die sie wohl auch nicht in dieser singulären Fokussierung haben.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.616

15.03.2018 23:55
#29 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat
Zunächst mal müssten wir uns eingestehen, dass ein Großteil der Menschen gar nicht politisch interessiert ist, aber trotzdem hin und wieder zu politischen Themen Stellung nehmen soll, spätestens bei Wahlen, aber auch sonst mal im privaten Kreis, oder weil irgendein Dieter Malinek ihnen ein Mikrofon vor die Nase hält. Woher beziehen die dann ihre Infos? Vielleicht vom schlauen Onkel Kurt, der immer alles besser weiß, aber eigentlich ist der einem wegen seiner Schulmeisterei auch arg unsympatisch. Dann wohl doch lieber von denen, die mit offiziöser Geste, staatlichem Geld und lauthals behaupteter Qualität berichten.


Unterschätz mir den Onkel Kurt nicht. Es ist zumindest für Wahlentscheidungen recht gut belegt, dass Familie und Bekanntenkreis (der Sohn vom Bürgermeister ) einen statistisch hohen Einfluss haben, und zwar gerade bei den politisch gering Interessierten. Das gilt vor allem für diejenigen, die in einem relativ homogenen politischen Umfeld sich bewegen (ist ja logisch, weil man bei einem heterogenen Umfeld schwerer nachweisen kann, wer den Ausschlag gegeben hat). Des weiteren gibt es eine negative Korrelation zwischen Fernsehen und politischem Interesse - gerade die Vielfernseher schauen eher Beate und Irene als Dieter Malinek. Politisch interessierte Menschen schauen selektiver fern und suchen die Beiträge deshalb auch nach Präferenz aus.

Zitat
Für alle anderen muss diese Verbindung erst durch ständige - ja, hier passt es - "Narrative" geschaffen werden, und obwohl hier natürlich die Politik an erster Stelle die Initiative ergreift, spielen die Medien hier eine entscheidende Rolle. Beispiele: Gedenke ich jedes Jahr der Toten der Reaktorkatastrophe von Fukushima oder des Tsunamis? Mit welchen Beispielen illustriere ich meine Beiträge, welche Stimmen kommen zu Wort? Selbst wenn wir den Jounalisten hier die Absicht der Objektivität unterstellen (wovon man in Zeiten der "Haltung" nicht mehr ausgehen kann), so limitiert schon deren eigener, durch ihre Weltsicht bestimmter Horizont die möglichen Alternativen.


Hier würde ich exemplarisch - weil wohl prägend für die Zielgruppe der wenig Interessierten - die "Stimme des Volkes" nennen. Die Bildzeitung hat zwar (was die Linken außer Enzensberger, der mal einen großartigen Aufsatz darüber geschrieben hat, "Triumph der Bildzeitung" nie kapieren) kaum politisch meinungsbildende Wirkung, aber sie ist großartig beim "Agenda-Setting". Die Bildzeitung hat nur einen Maßstab für Nachrichtenwert: Sensation. Deshalb finden sich dort auch Messerattacken und ähnliches viel ausführlicher und detailgetreuer. Nicht weil (was die Rechten nie kapieren werden) die Bildzeitung eine nichtlinke Agenda hätte, sondern weil gerade die Details und Tathintergründe purer Bildzeitungsstoff sind. Ein Bildzeitungsleser ist auch politisch schwer einzuschätzen, er wird höchstwahrscheinlich nicht zu den Grünen tendieren , aber von allen anderen Parteien von der Linken zur AfD ist alles drin. Und hier passt meine geliebte Verstärkungsthese wunderbar: Der Linke kann aus der Bildzeitung genauso eine Verstärkung für seine Meinung (gerade bei Finanzskandalen oder überhaupt was die fetten Bonzen alles verdienen) ziehen wie der AfD-Wähler (Terroranschlag, sind unsere Kinder noch sicher?).

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.616

16.03.2018 01:56
#30 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #26
Zitat von Meister Petz im Beitrag #24
Also erkläre mir, warum diese These falsch ist.
Zitat von Meister Petz im Beitrag #24
Und inwiefern enthält diese Stichprobe jetzt weniger "systematische Fehler"?
Ich habe gesagt, ich halte deine These für falsch. Das ist etwas anderes, als zu sagen sie sei falsch. Für jemandem der mit deiner Wut im Bauch argumentiert, mag das keinen Unterschied machen, auch wenn es einer ist.

Finde ich nicht. Da wir nicht von einer Gleichung reden, von der man mit Sicherheit sagen kann, ob sie richtig oder falsch ist, sondern von einer Theorie, impliziert meine Frage automatisch ein "Deiner Meinung nach", und zwar unabhängig von meinem Gemütszustand. Und da ich - weil ich dich weder für minderjährig noch -bemittelt halte - annehme, dass Du ein paar Gründe dafür hast, habe ich nachgefragt.

Zitat
Was ich mich allerdings frage, wenn du von deiner Medientheorie überzeugt bist, warum dich Artikel wie der von Douglas so umtreiben. Die Leute die sich dort tummeln sind ohnehin für die Wahrheit verloren. All die Entscheider und Wirtschaftsbosse lesen jetzt halt das, was sie hören wollen. Davon überzeugt waren sie auch schon vorher. Dann sind all diese Artikel doch völlig gleichgültig. Laß sie schreiben. Überzeugungstäter unter sich. Gibts auch in der Süddeutschen, der Zeit und der FAZ.


Ich will ja deren Meinung gar nicht ändern (ich weiß ja auch um die begrenzten Möglichkeiten). Aber ich will grundsätzlich, dass sie sie zumindest reflektieren und mit Argumenten untermauern können und nicht mit daherphantasiertem Unsinn. Und genau diese Argumentationslinie kritisiere ich, und zwar unabhängig von der politischen Richtung. Und ich lehne es auch ab, wenn Özdemir statt zu argumentieren nur ausfällig wird, auch wenn es zufällig meinen Lieblingsgegner trifft. Die Debatte krankt doch genau daran, dass aktuell beide Lager dazu tendieren, bei ihren eigenen Protagonisten jede Dummheit, Frechheit etc. mit Verweis auf den vom anderen Lager verursachten Weltuntergang schönreden und zum Teil sogar feiern. Wie gesagt, es gibt sehr vernünftige und fundiert begründete Argumente gegen die Energiewende, ich habe MIhm und Wetzel als Beispiele genannt. Und dieser Wunsch müsste doch, wenn ich dich richtig verstanden habe, auch in deinem Sinne sein: Dass jeder, egal was seine Meinung ist, redlich und mit hoher Qualität diskutiert.

Zitat
Du mußt mit mir nicht, wie mit einem kleinen Kind sprechen. Ich habe zwar, möglichwerweise nicht deinen Intellekt, aber völlig unfähig zu denken bin ich nicht. Wenn du mich für geistig minderbemittelt oder blöd hälst, laß mich doch einfach links liegen.


Also wie man auf eine so einfache Parallele gleich so eingeschnappt reagieren kann, verstehe ich nicht.

Zitat
Für viele (so gut wie alle) Menschen die ich persönlich kenne, berichtet das ZDF / ARD die unverhandelbare Wahrheit. Das mag eine unbedeundete / verzerrte Beobachtung sein. Ich schätze sie derzeit als wesentlich ein. Das habe ich gesagt. Sonst nichts. Für mich ist das ein Hinweis darauf, dass der ÖRR die Wahrnehmung in Deutschland beeinflußt. Diese Wahrnehmung mag falsch sein und von dir nicht geteilt werden, ich versuchte dir nur zu sagen, woher sie bei mir kommt. Da verstehe ich nicht, was dein Einwurf soll: "Die anderen ja auch und du ja selber...."


Der Einwand soll begründen, dass dieser von Dir behauptete Wirkungsunterschied zwischen ÖRR und "Gegenöffentlichkeit" nicht besteht. Diejenigen, die sich dort wiederfinden, verhalten sich ähnlich.

Zitat
Wenn die Menschen glauben, dass das was sie täglich in "Heute" sehen, die Wahrheit ist, dann richten sie sich daran aus. Das hat überhaupt nichts mit der Schweigespirale zu tun in meinen Augen. Das hat was mit sozialen Verhaltensweisen zu tun und dem Wunsch nach Normalität und eben Konformität. Ein Urinstinkt. Das ist alles. Das ist meine Interpretstion. Die mag richtig oder falsch sein. Von dir jedenfalls wird sie nicht geteilt. Damit muß ich leben.


Ob ich sie teile oder nicht, ist doch erstmal egal. Mich überzeugt sie nicht, weil ich sie für widersprüchlich halte.
Zum einen: Die Schweigespirale ist doch genau das gleiche - ein sozial beeinflusstes Verhalten. Weil ich den Wunsch nach Konformität und Normalität hege, versuche ich, in meinem Verhalten nicht anzuecken, und wenn ich mit meiner Meinung das befürchten muss, schweige ich oder passe mich an. Nichts anderes macht der Proband im Konformitätsexperiment - je mehr andere umschwenken, um so leichter passt er sich auch an.

Aber, und jetzt kommt der Punkt, wo es nicht mehr passt: Das Streben nach Konformität hat nichts damit zu tun, was ich tatsächlich für wahr halte. bei der Schweigespirale nicht und bei Asch auch nicht. Oder willst Du sagen, die Probanden kriegen in der Mitte des Experiments plötzlich einen Knick in der Optik und glauben TATSÄCHLICH, dass die längere Linie genau so lang ist wie die Referenzlinie? Das scheint mir ziemlich absurd, und Asch schreibt auch, dass das für die allerwenigsten zutraf:

Zitat
Participants who conformed to the majority on at least 50% of trials reported reacting with what Asch called a "distortion of perception", these participants, who made up a distinct minority (only 12 subjects), expressed the belief that the actors' answers were correct, and were apparently unaware that the majority were giving incorrect answers.

Among the other participants who yielded on some trials, most expressed what Asch termed "distortion of judgment." These participants concluded after a number of trials that they must be wrongly interpreting the stimuli and that the majority must be right, leading them to answer with the majority. These individuals were characterised by low levels of confidence, the final group of participants who yielded on at least some trials exhibited a "distortion of action". These subjects reported that they knew what the correct answer was, but conformed with the majority group simply because they didn't want to seem out of step by not going along with the rest.

https://en.wikipedia.org/wiki/Asch_confo..._or_more_trials

Das heißt, dass der Wunsch nach Konformität zwar das Verhalten erklären kann, aber nicht das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Überzeugung. Denn die ändert sich ja nicht durch das Experiment.

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

Martin Offline



Beiträge: 2.610

16.03.2018 09:33
#31 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #30
Das heißt, dass der Wunsch nach Konformität zwar das Verhalten erklären kann, aber nicht das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Überzeugung. Denn die ändert sich ja nicht durch das Experiment.


In der Diskussion geht m.E. ein wichtiger Aspekt verloren. Konformität betrifft meist Punkte bei denen die Menschen kein heißes Eisen im Feuer haben. Ob nun Putin gut oder böse, Merkel von Soros ferngesteuert, oder was weiß ich was ist, sind relativ abstrakte Themen, bei denen Anecken kaum lohnt. Bei Nachbarstreitigkeiten funktioniert das nicht mehr. Beim Diesel auch nicht mehr, wenn man betroffen sein könnte. Dass sich da Interessengemeinschaften bilden ist normal, und dass die Interessengemeinschaften nicht nur rational, sondern auch emotional funktionieren (Douglas), ist auch normal. Und da ist man schnell bei dem Begriff Echokammer.

Auch politische Parteien, Kirchen u.ä. sind Echokammern. Das ist nichts neues, neu ist nur das Etikett.

Gruß, Martin

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.687

16.03.2018 13:38
#32 RE: Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #30
Der Einwand soll begründen, dass dieser von Dir behauptete Wirkungsunterschied zwischen ÖRR und "Gegenöffentlichkeit" nicht besteht. Diejenigen, die sich dort wiederfinden, verhalten sich ähnlich.
Genau das teile ich nicht, da es einen wesentlichen Sachverhalt nicht berücksichtigt, welchen der Werwohlf ausgeführt hat: Es gibt eine große Menge politisch nicht besonders oder nur partikular interessierter Menschen.

Solche Menschen haben zu vielen Dingen keinen vorgefertigte Meinung. Vor allem wenn es Meinungen zu Dingen sind, welche in ihrem täglichen Leben nicht vorkommen: Stickoxydgrenzwerte, "Fukushima Tote", Klimakollaps. Es gibt eine Menge Menschen, die haben dazu keine dezidierte Meinung. Wenns in den Tagesthemen mit Dringlichkeit kommt, wird es aber stimmen.

Menschen die in Kommentarspalten Rückmeldung geben, sind überweigend, wenn nicht vollständig, politisch sehr interessiert. Da kannst du davon ausgehen, dass sie vorgefertigte Meinungen haben. Die lesen das, was sie lesen wollen. Nur sagt das in meinen Augen gar nichts darüber aus, wie die Berichterstattung des ÖRR auf die erste Kategorie der politisch nicht sonderlich interessierten wirkt.

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist die erste Kategorie die große Mehrheit. Die glauben dem ÖRR einfach deswegen unhinterfragt, weil sie keinen Grund sehen es nicht zu tun -- nicht weil sie bestimmtes glauben wollen. Die sind eben nicht überzeugt davon, dass es keine "Fukushima Toten" gibt und lassen sich dann "umdrehen". Die glauben einfach was sie hören, weil sie keinen Grund sehen es nicht zu glauben. Damit schafft der ÖRR Rundfunk eine "Wissenbasis" für viele Menschen und dann kommt die Konformität ins Spiel: Es glauben so viele bestimmte, berichtete Sachverhalte, dass es völlig Normal ist diese Sachverhalte zu glauben. Man kommt gar nicht auf die Idee sie zu hinterfragen, bzw. man immunisiert bis zu einem gewissen Grad gegenüber Gegenargumenten (seriöse Quellen (das sind die ÖRR in vielen Augen durchgehend) und unseriöse (das sind Quellen, die inhaltlich von den ÖRR abweichen) werten die Arguemten dabei vorab. Es wird also das Argument über den Sender, nicht den Inhalt bewertet.).

Die Konformität wirkt hier in dem Sinne lediglich verstärkend, nicht dass sie eine Wahrheit, die man in Wirklichkeit erkennt, unterdrückt. Eine Variation des Asch Experimentes also.

Ich kenne einen ganzen Haufen Leute, die haben von Wissenschaftstheorie keine Ahnung. Die haben von Naturwissenschaften keine Ahnung. Die Verstehen nicht mal den Unterschied zwischen Empirie und wissenschaftlicher Theorie und Zweifel und Widerlegung. Und die haben auch überhaupt keine Interesse an alldem. Aber die schütteln trotzdem den Kopf, dass ich über den Klimawandel denke, wie ich es tue, nur weil eben im ÖRR jeden Abend was anderes kommt als ich denke. Sie werten das Argument (auf dem ihre Meinung beruht) über den Sender, nicht über den Inhalt.

Und damit sage ich nicht, dass alles was im ÖRR kommt Bullshit ist (deswegen ärgern mich immer diesbezüglich Einwürfe sehr.). Ich sage nur zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel Migration, Klima, Energie und politischen Parteien, wird mit einem eindeutigem Bias berichtet, das die Meinung der "Uninterssierten" determiniert. Damit manipulieren die ÖRR die öffentliche Meinung maßgeblich.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

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