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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 82 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 13.848

18.05.2022 22:52
"Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Frank2000 Offline




Beiträge: 3.322

18.05.2022 23:31
#2 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Dazu in der Welt (Abo):
https://www.welt.de/politik/deutschland/...NRW-steckt.html

Laut diesem Artikel ist das "schöne Wetter" schuld an der schlechten Wahlbeteiligung. Und die Jugend engagiert sich sowieso schon direkt und persönlich politisch; deswegen würden klassische Wahlen für die jungen Wähler keine so große Rolle mehr spielen.

Unfassbar, mit welchen maximal absurden Thesen die 45% Nichtwähler "erklärt" werden. 45%: das sind CDU, SPD und Grüne zusammen.

Und schuld sei das Wetter.

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Verbote sind Freiheit. Meinungen sind Terror. Quoten sind Leistung. Linke Regierung ist Familie. (c) Rot-Grüne Allianz
“Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt”, Georg Cristof Lichtenberg
"Warum halten sie Begriffe wie 'Zigeunersoße' für rassistisch, aber 'Schei** Juden' für harmlos?", Hamed Abdel-Samad

Frank2000 Offline




Beiträge: 3.322

18.05.2022 23:41
#3 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Der Kommentar des WDR ist wie erwartet pure Propaganda. Eine Mischung aus Fake news, Unterstützung der Linke im Klassenkampf und Filterblase:
https://www1.wdr.de/nachrichten/landespo...motive-100.html

Danach gibt es folgende Gründe, warum Menschen nicht wählen gehen:

- Sie sind dumm und blöd ("Prekariat")
- Sie schaffen es weder, am Sonntag aus dem Bett zu kriechen noch Briefwahlunterlagen anzufordern (ein Klick mit dem Handy)

Im gesamten Artikel des WDR gibt es nicht eine Zeile ohne Framing, Propaganda oder Fake news.

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Frank2000 Offline




Beiträge: 3.322

18.05.2022 23:49
#4 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Immer, wenn man denkt: noch dümmer geht es nicht...
Die Stuttgarter Zeitung findet, dass mangelnde Durchsetzungskraft des Staates bei der Durchsetzung der Corona-Politik und zu zaghafter Kampf gegen den Klimawandel der Grund für die Nichtwähler ist:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal...70c5ede848.html

Die sind doch alle komplett... Ok, lieber die nicht strafbare Formulierung verwenden: die leben in einer Filterblase, die jede Hardcore-Sekte vor Neid erblassen lassen würde.

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Frankenstein Offline




Beiträge: 891

19.05.2022 00:28
#5 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Alles Linksradikale - ausser Mutti!

Ganz ehrlich? Je niedriger die Wahlbeteilgung, desto besser: Das bedeutet nämlich, dass weniger politisch Ahnungslose an die Urne gehen, was dem Ergebnis gut tut.

Ich rate Ihnen diesbezüglich zurt Lektüre von Bryan Caplans "The Myth of the Rational Voter: Why Democracies Choose Bad Policies".

Ansonsten empfehle ich, die Kirche im Dorf lassen. Diese dramatisierende Untergangsgerede ist doch genauso platt wie das der Linken.

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 13.848

19.05.2022 00:51
#6 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von Frankenstein im Beitrag #5
Ansonsten empfehle ich, die Kirche im Dorf lassen.


Wir haben aber unabweisbar in den letzten 10 Jahren einen Trend gehabt, der es möglich gemacht hat, völlig irrationale Entscheidungen in Sachen Zukunft zu treffen und sie eisern beizubehalten & zu implementieren, obwohl wirklich jeder, der sich mit den Konsequenzen befaßt hat, klar erkennen konnte, daß das nicht funktioniert. Und das auch gesagt hat. Die Entscheidung, einfach Million auf Million Kostgänger zu importieren, am liebsten mit einer religiös befeuerten Idelogie, die allen Werten der Aufklärung und des Westens Hohn spricht. Obwohl oder gerade weil man spätestens seit 9/11 wußte, welche soziale Sprengkraft darin sitzt. Eine Eneergiepolitik, die von A bis Z nicht tragfähig ist - und wir können (quelle ironie) noch von Glück sagen, daß uns das JETZT dank Putin um die Ohren fliegt und nicht erst in 10 oder 5 Jahren. Es wirkt wirklich, als gäbe es da eine unbewußte Entschlossenheit, über fast alle politischen Lager hinweg, die zukunftsfähigen Grundlagen einer zivilen und einigermaßen wohlhabenden Gesellschaft zu vernichten. Und durch erweislich nicht lebensfähige und schlicht dekadente Kinkerlitzchen zu ersetzen, wie eben Wokeness und 569 Gender und das "Klima in 100 Jahren", denen allesamt eines gemeinsam ist: all diese neuen Ideologien haben keinerlei positive Rückseite, sie zeichnen sich durch reine Negativität aus. Und sie müssen fortwährend um eine weitere Spiraldrehung verstärkt werden. Die einzigen, die einen Nutzen davon haben, sind die Sprechpuppen, die das medial geförderte Geschrei anstimmen, die Greta, Luisa, Nancys, Karls e tutti quanti.

Deswegen hoffe ich, daß der gegenwärtige Krieg - und die Folgekosten des Coronawahns - hier klarmachen: wir können uns solche Sperenzien nicht mehr leisten. Wir haben hier statt pragmatischer Politik 10, 20 Jahre Geisterbahn gespielt, zum großen Teil mit Gestalten, die wirklich nur dazu taugen. Ich weiß nicht, ob der Zug unwiderruflich abgefahren ist.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Llarian Offline



Beiträge: 7.018

19.05.2022 02:31
#7 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Wie auch der Erfolg an sich so hat auch die Nichtwählerschaft an sich mit Sicherheit eine ganze Reihe Väter.

Das mangelnde Angebot mag sicher einer der Gründe sein. Aber es ist mitunter auch der schwächste aller Gründe, denn am Ende ist es wie in der Marktwirtschaft: Wenn ein Mangel da ist, dann findet sich auch jemand, der den Mangel ausnutzt. Wenn wirklich ein großer Bedarf nach konservativen Parteien da wäre, dann würde sich normalerweise auch jemand finden, der da reinstößt. Nehmen wir also mal an diese nicht braune "Alternative für NRW" wäre jetzt da, so bin ich nicht so sicher wie viele Stimmen die am Ende wirklich bekommen würde. Zur AfD gab es ja durchaus Alternativen. Die sind unter ferner liefen gelandet.

Und natürlich liegt es tatsächlich auch am guten Wetter. Ich habe den ganzen Tag in einer warmen Schule verbracht und die immer selben Sätze runter gerattert. Bei 26 Grad ist Schwimmen immer eine schöne Alternative im Hinterkopf.

Der Hauptgrund ist aber eigentlich ein ganz anderer: Das wählen ist in NRW ziemlich sinnfrei. Die beiden "Kandidaten" wissen doch selber nicht einmal mehr, was sie unterscheidet. Der eine will den Kohleausstieg bis 2040, der andere bis 2035. Na hallmarsch, das sind ja mal Differenzen. Ihr eigentlicher Konflikt besteht im Wesentlichen darin, wer denn nun den Sessel des MP die nächsten vier Jahre warm halten darf, aber inhaltlich ist da null Differenz. Und deswegen wurde auch rein nach Bundespolitik gewählt (das erklärt die Stärke der Grünen, die Schwäche der FDP und das Versagen der SPD, das ist alles Bundespolitik). Und in so einer Situation bleiben Leute zuhause. Das Problem besteht im Wesentlichen darin, dass wir eben nicht mehr streiten. Wir reden nur noch über Nuancen einer überall gleichen Politik. Wenn Kutschaty wirklich einen Anspruch auf den Sessel erheben will, dann hätte er mal klar machen müssen, was er denn wirklich anders machen will als Wüst. Konnte er nicht. Wüst auch nicht. DAS ist das Problem.

Florian Offline



Beiträge: 3.147

19.05.2022 12:26
#8 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #7
Die beiden "Kandidaten" wissen doch selber nicht einmal mehr, was sie unterscheidet.


Wird in Zukunft noch viel schlimmer werden. Wenn dann mal Jack Johnson gegen John Jackson antritt...

https://www.youtube.com/watch?v=GEPD1qyHZec

Ein ganz kurzer Clip von "Futurama". Ist SEHR witzig. Und sagt eigentlich alles voraus, was wir hier diskutieren.

Johanes Offline




Beiträge: 2.528

19.05.2022 12:49
#9 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat Frank2000:
"Wenn man dem medialen Mainstream und dem ÖR Rundfunk folgt, kann es sowie nur eine Antwort geben, warum mir das AfD-Programm liegt (...)"

Diese Antwortet lautet, dass Sie irgendwelche manipulativen "alternativen Medien" über das Internet konsumieren. Vollständige Abstinenz gepaart mit ihrer täglichen Dosis "Tagesschau" oder "heute" würde Sie erkennen lassen, dass sie belogen und getäuscht worden sind und sich von finsteren Mächten (praktisch immer die Russen) haben instrumentalisieren lassen.

Der obige Abschnitt ist übrigens keine politisch einseitige Meinungsbekundung, sondern spiegelt ausschließlich die Realität wider.
Die einzige Möglichkeit, nicht Opfer von Manipulation zu sein, liegt darin, sich aus garantiert unvoreingenommenen Medien wie ARD und Co. zu informieren.

Zitat Frank2000:
"Sogar in Zeitungen liest man schon Artikel, dass "Wähler nicht begriffen hätten, was Demokratie wäre" (so zum Beispiel nach dem Erdrutschsieg in Sachsen)."

Das Wort "Demokratie" ist eben, genauso wie Freiheit, nicht so eindeutig.

Theoretisch könnte man meinen, "Demokatie" wäre einfach "die Regierung wird gewählt". So einfach ist es aber dann doch nicht. Sowohl Sie als auch die meisten Linken verstehen mehr darunter. Es ist sozusagen nur notwendige, nicht hinreichende Bedingung.

Zitat Frank2000:
"Und schließlich ist das konservative Menschenbild von Höcke und Chrupalla nicht mehrheitsfähig."

Wenn man die Diskussion wirklich auf diese Ebene heben würde, dann sehe die Auseinandersetzung anders aus.
Ich bezweifle aber, dass die durch die genannten Personen repräsentierten Strömungen in so einer Diskussion lange durchhalten würden.

Zitat Frank2000:
"Wer jetzt ernsthaft glaubt, diese Wähler seien zu Hause geblieben, weil die mit der Politik zufrieden seien - der/die lebt in einer anderen Welt als ich."

Wir können feststellen, dass wir nicht wissen, warum die Wähler Zuhausen blieben.
Das kann aus Rationalismus erfolgen oder aus dem Gefühl, keine Alternative zu haben oder schlicht aus echter Zufriedenheit.

Es ist letztlich Spekulation.

@Frank2000
Ich stimme Ihrer Meinung zu, dass Nationalismus und seine Ideologien unmöglich die Antwort auf unsere Fragen sein können.
Und ich persönlich finde viele Äußerungen von AfD-Politikern schlicht so untragbar, dass sie für mich für eine Wahl gar nicht in Betracht kommen.

Allerdings haben Sie für mich den Elefant im Raum gar nicht angesprochen: 20% für die Grünen.
Ungefähr jeder 10. in NRW hat die Partei gewählt, wenn man grob schätzt und die Nichtwähler berücksichtigt.

Für mich ist das ein mehr als deutliches Signal.

Der Westen der Republik wird ergrünen. Der Osten wird blau.
Wenn selbst so konservative Bundesländer wie BW letztlich den Grünen erliegen, dann besteht kaum eine Chance, dass sich das in traditionell linken Ländern ändert. Falls jetzt kein unerwartetes Ereignis aus dem Ausland kommt, ist der Weg zementiert.

P.S.: Wobei ich ehrlich gesagt schon seit mehr als 5 Jahren der Auffassung bin, dass wir uns in einer Situation befinden, welche die Handlungsfähigkeit der Politik übersteigt. Selbst der hardcore-Konservative muss einige Änderungen schlicht in Kauf nehmen.

Johanes Offline




Beiträge: 2.528

19.05.2022 12:57
#10 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von Frankenstein im Beitrag #5
Je niedriger die Wahlbeteilgung, desto besser: Das bedeutet nämlich, dass weniger politisch Ahnungslose an die Urne gehen, was dem Ergebnis gut tut.


Sehr geehrter Herr @Frankenstein, Ihr Kalkül geht allerdings nicht auf:
Das Problem ist, dass die politisch desinteressierten nicht wählen gehen, aber die politisch Interessierten sehr wohl.

Ich meine, es war auch aus dem Mythos der rationalen Wähler: Es gibt eben die Hobbits, die Hooligans und die Spocks.

Der Spock ist der rationale Analytiker in Sachen Politik.
Der Hooligan ist der fanatische Fan, der seiner Mannschaft (=Partei) überall hin folgt und die andere Mannschaft verabscheut.
Der Hobbit ist der "Normalo", der nicht stark politisiert ist.

Nichtwählen wirkt sich jetzt stärker auf die Hobbits und die Spocks aus als auf die Hooligans und das Ergebnis ist dann, dass Ideologie über Gesunden Menschenverstand siegen kann.

Zitat von Llarian im Beitrag #7
Das wählen ist in NRW ziemlich sinnfrei.


In NRW ist die Sozialdemokratie eben als Fundament verankert.

Es geht nur noch darum, wie viel Geld wohin umverteilt wird.

Und ich füge hinzu: Das ist nicht unbedingt die schlechteste Politik. Solange genug Geld da ist.



Jemanden darauf hinzuweisen, dass er etwas Falsches gesagt hat, ist ein Freundschaftsdienst.
Es gehört zur politischen Weisheit, niemals einen Feind beim Fehlermachen zu unterbrechen.

Eloman Offline



Beiträge: 242

19.05.2022 13:43
#11 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Der Post liest sich ein wenig wie die Langfassung meines Kommentar zum Artikel von Vera Lengsfeld auf der Achse von Gestern. Ich schrieb:
"Warum sollte man sich an einer Demokratie-Simulation beteiligen, bei der die Protagonisten sowieso immer das Gegenteil von dem tun, was sie im Wahlkampf versprochen haben und im Endeffekt immer das gleiche herauskommt, egal wen man auch wählt? Und die einzige Partei, die davon abweicht, ausgegrenzt wird und sich darum im Rahmen einer selbsterfüllenden Prophezeiung genau in die Richtung entwickelt, in die der Apparat sie haben will, um weiter ungestört sein eigenes Süppchen zu kochen?"

Ulrich Elkmann Online




Beiträge: 13.848

19.05.2022 21:53
#12 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Apropos "woke."

Zitat
Elon Musk @elonmusk
Replying to @Astro_Angry

Unless it is stopped, the woke mind virus will destroy civilization and humanity will never reached Mars

8:30 PM · May 19, 2022·Twitter for iPhone



https://twitter.com/elonmusk/status/1527356085090545664



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Emulgator Offline



Beiträge: 2.854

20.05.2022 00:31
#13 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von Frankenstein im Beitrag #5
Ich rate Ihnen diesbezüglich zurt Lektüre von Bryan Caplans "The Myth of the Rational Voter: Why Democracies Choose Bad Policies".
Sah erstmal interessant aus, aber vom Klappentext her wird als der Erklärungsgrund wohl hauptsächlich Dummheit oder Unüberlegtheit angeführt. Aber unterstellt nich jeder Dummheit als Grund abweichender Meinungen Dritter und hält nur die eigene Ansicht für klug? Wer sagt schon: "X ist nicht meiner Meinung, aber meine Meinung ist auch die dümmere?"

Speziell beim Thema Marktwirtschaft hatten wird in Deutschland sogar lange Zeit eine ziemliche Einstimmigkeit sogar über alle Parteien, daß Wettbewerb und Markt nicht zu trauen sei. Friedrich Naumann, auf den sich die FDP beruft, gründete beispielsweise den Nationalsozialen Verein, der alles andere als marktliberal war. Waren/sind nun die Deutschen alle dumm?

In der Wirtschaftswissenschaft ist ein expliziteres Erklärungsmodell bekannt, das m.E. aktuell ziemlich viel erklärt. Demzufolge werden die kurzfristigen Vorteile einer Politik den langfristigen Vorteilen einer anderen Politik stets demokratisch vorgezogen, sogar wenn zwischen beiden ein arges Mißverhältnis besteht. Der Grund ist, daß für die kurzfristigen Vorteile leichter Mehrheiten gewinnen. Sie sind konkreter. Der Kreis der Begünstigten ist schärfer gezogen. Der Kreis der Begünstigten einer langfristig vorteilhaften Politik ist hingegen unschärfer: Bin ich in 10 Jahren noch Immobilienbesitzer? Lebe ich da noch? Vielleicht bin ich am Ende doch nicht begünstigter der langfristigen Politik. Das ist im Grunde wie die Gegenwartspräferenz, nur hat sie durch das Mehrheitskriterium einen Heben. Für die Profiteure der kurzfristigen Politik ist der Profit groß genug, daß sie politisch Druck machen, wohingegen den Profiteuren der langfristigen Politik der Vorteil zu gering ist, um politischen Aufwand zu treiben.

So kann man sehr viele Entscheidungen verstehen, interessanterweise unabhängig davon, welche Partei sie trifft. Natürlich unabhängig davon, denn der Mechanismus wirkt immer auf alle Regierungsparteien. Beispielsweise führt der Glaube an den Klimawandel ja nicht dazu, daß seine globale Verhinderung bewirkt wird (z.B. indem man fossilen Kohlenstoff dem Markt entzieht) oder seinen Folgen vorbeugt wird (z.B. Rücklagen für Deicherhöhungen). Stattdessen wird ein wirkungsloser Umbau der Energieversorgung vorgenommen, der einen eng umrissenen Kreis kurzfristiger Profiteure hat.
Oder Bundeswehr: Wenn man heute ein PzBtl bestellt, ist es in 6 Jahren personell ausgestattet und in 8 Jahren einsatzfähig. Vorher schreckt es keinen Feind ab. Vorher kostet es aber Geld, das man in Kulturförderung und Bankenrettung stecken kann, und dessen Profiteure wissen sofort, was sie wem zu verdanken haben.
Oder "Bankenrettung": Marktwirtschaftlich hätte man den Haltern griechischer Staatsanleihen Abschreibungen zumuten müssen, evtl. hätten bestimmte Banken dann die Einlagensicherung aktivieren müssen. Weil die kurzfristigen Risiken aber zu blümerant waren, hat man Sparrunden bei staatlichen Kernaufgaben durchgesetzt (z.B. wurde 2011 die "Strukturreform der Bundeswehr" durchgezogen, derzufolge Einsatzbereitschaft für Landesverteidigung zu teuer ist und nur Bereitschaft für geplante Auslandseinsätze reicht), die Zinsen gesenkt, und für die betroffenen Anleihen gebürgt.
Oder Pandemiebekämpfung: Wir haben gesehen, daß ernste Maßnahmen nicht dann eingeleitet wurden, als im Ausland die Menschen starben und man sich überlegen konnte, daß es auch bei uns so werden konnte, sondern erst dann, als es für die ersten Toten schon zu spät war. Beim Ausschleichen aus den Maßnahmen wiederum waren die kurzfristigen Nachteile, sich womöglich bald anzustecken, dominierend über die langfristigen wirtschaftlichen Nachteile, deren Folgen auch noch über Kurzarbeit und Hilfpackete in die weitere Zukunft verschoben werden.
Oder umlagefinanzierte Rente. Hier ist sogar bewiesen: Unter der Annahme rationalen Stimmverhaltens findet sich eine Mehrheit für eine Ausweitung der umlagefinanzierten Rente genau dann, wenn sie zur Überlastung künftiger Generationen führt. Das konnten wir jüngst sehen bei der Aussetzung des Nachholfaktors und seiner Wiedereinführung sehen. Der Nachholfaktor reduziert Rentenerhöhungen, wenn in den Vorperioden eine Rentensenkung (z.B. wegen Rezession) angezeigt gewesen wäre, aber wegen der Rentenhöhengarantie nicht erfolgt ist. Die FDP hat jüngst Druck gemacht, daß dieser Faktor wieder eingeführt wird, nachdem die GroKo ihn zugunsten eine Rentenerhöhung ausgesetzt hat. Das Ergebnis war in NRW, daß der FDP die älteren Wähler, die von den Erhöhungen profitieren, weggebrochen sind.

Mit anderen Worten: Es gibt eine Reihe von Entscheidungen, bei denen Demokratie systembedingt stets den Keim für Katastrophen in sich trägt. Demokratie funktioniert bei uns also sehr gut. Die Crux ist nur, daß diese Mechanismen, wie sie funktioniert, bei der "Erfindung" unserer jetzigen demokratischen Grundlagen im 19. Jh überhaupt nicht verstanden waren.

Frankenstein Offline




Beiträge: 891

20.05.2022 13:19
#14 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #13
Zitat von Frankenstein im Beitrag #5
Ich rate Ihnen diesbezüglich zurt Lektüre von Bryan Caplans "The Myth of the Rational Voter: Why Democracies Choose Bad Policies".
Sah erstmal interessant aus, aber vom Klappentext her wird als der Erklärungsgrund wohl hauptsächlich Dummheit oder Unüberlegtheit angeführt. Aber unterstellt nich jeder Dummheit als Grund abweichender Meinungen Dritter und hält nur die eigene Ansicht für klug? Wer sagt schon: "X ist nicht meiner Meinung, aber meine Meinung ist auch die dümmere?"

Ist jetzt schon ein paar Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, aber zentral war meiner Erinnerung nach beispielsweise, dass ein Wähler eben u. a. deshalb nicht rational wählt, weile seine Stimme letztlich bedeutungslos ist und es sich daher mehr um ein moralisches Statement handelt (ähnlich einer Ablasszahlung).

Von daher ist die Wahlentscheidung etwas komplett anderes als beispielsweise die Kaufentscheidung bei einem neuem Auto oder einer Waschmaschine, wo man sich in der Regel vorher wirklich umfassend informiert.

Ein anderer interessanter Aspekt ist auch das Dilemma von Politikern, eine Politik zu verfolgen, die den Wählern nützt, aber von diesen nicht gewollt ist und schlechte Politik, die den Wählern schadet, aber von diesen gewünscht wird, zu meiden.

Konkretes Beispiel: Wähler mögen Marktwirtschaft/Kapitalismus deutlich weniger als es rational wäre und favorisieren stattdessen irrationale sozialistische/dirigistische Politik.

Eloman Offline



Beiträge: 242

20.05.2022 16:37
#15 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Ich sehe jetzt nicht, dass die Schweiz mit ihrem Politikansatz, der dem Bürger mehr Mitsprachemöglichkeiten einräumt als hierzulande üblich, so schlecht fährt.

Johanes Offline




Beiträge: 2.528

20.05.2022 17:06
#16 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von Eloman im Beitrag #15
Ich sehe jetzt nicht, dass die Schweiz mit ihrem Politikansatz, der dem Bürger mehr Mitsprachemöglichkeiten einräumt als hierzulande üblich, so schlecht fährt.


Die Frage ist nicht, welche Entscheidungsspielräume der Wähler hat, sondern wer am Ende wählt.
So jedenfalls das Fazit, welches ich aus den Diskussionen um die Rationalität des Wahlverhaltens mitgenommen habe.

Nur bin ich mir nicht sicher, ob die Schlussfolgerungen denn so zutreffen.



Jemanden darauf hinzuweisen, dass er etwas Falsches gesagt hat, ist ein Freundschaftsdienst.
Es gehört zur politischen Weisheit, niemals einen Feind beim Fehlermachen zu unterbrechen.

zwerg Offline



Beiträge: 80

21.05.2022 15:48
#17 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zumindest scheint der Wähler in der Schweiz manches korrigiert zu bekommen, natürlich auch teils nur begrenzt. Aber letztlich krankt Deutschland doch daran, dass die tonangebenden Politiker einen einheitlichen Unsinn wollen, der in vielen Teilen klar unterschiedlich zu Wünschen der Bevölkerung ist, so dass hier eine Korrektur stattfinden könnte (auch bei Kernenergie und Energiewende wäre die Bevölkerung mehrheitlich vernünftiger, Merkel hat ja nicht auf die Mehrheitsmeinung geschaut, sondern die Mehrheitsmeinung von Journalisten und NGOs, was laut Medien die Bevölkerung ist). Darauf baut auch die AfD die Hoffnungen, aber da die AfD noch stärker in Unsinn abdriftet als die Grünen, ist es halt keine Alternative mehr und die Union unter Merz vielleicht der geringere Schmerz.

HR2 Offline



Beiträge: 1.008

21.05.2022 23:42
#18 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von zwerg im Beitrag #17
Aber letztlich krankt Deutschland doch daran, dass die tonangebenden Politiker einen einheitlichen Unsinn wollen, der in vielen Teilen klar unterschiedlich zu Wünschen der Bevölkerung ist, so dass hier eine Korrektur stattfinden könnte (auch bei Kernenergie und Energiewende wäre die Bevölkerung mehrheitlich vernünftiger, Merkel hat ja nicht auf die Mehrheitsmeinung geschaut, sondern die Mehrheitsmeinung von Journalisten und NGOs, was laut Medien die Bevölkerung ist).




Schön wär`s! Nach Fukushima haben alle Parteien, alle!, genau nach der Mehrheitsmeinung entschieden.
Damals wollte die Mehrheit der Deutschen raus aus der Kernenergie.

Und grundsätzlich: Der Unsinn der Politik wird so lange goutiert bis er im Geldbeutel seine Stimme erhebt.
So simpel, so wahr.

HR2 Offline



Beiträge: 1.008

21.05.2022 23:52
#19 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Ich habe zum ersten Mal nicht gewählt, gar nicht aus Trotz, ich wußte nur nicht was.
AFD: Raus seit Ukrainekrieg
FDP: Raus seit Impfpflicht

Stimme an "Sonstige" ins Nirwana? Nö, besseres zu tun gehabt.

HR2 Offline



Beiträge: 1.008

22.05.2022 00:29
#20 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

"Tichys Einblick" ist so seriös und wahrheitsliebend wie die "Süddeutsche":
https://www.focus.de/politik/deutschland..._102219699.html

Sehr schön von Fleischhauer herausgestellt, daß die Impfgegner, die "Kämpfer für Freiheit", sich im Grunde nur nach einer
Autorität (Putin) sehnen, die sich gegen die herrschende Autorität (Westen,Nato,EU,USA) stellt. (Gruß an Herrn Doeding in diesem Zusammenhang).

Und der These, daß der Antiamerikanismus das schlimmste Übel in Deutschland ist, stimme ich zu.
Unausrottbar! Zum ewigen Hinken verdammt, gefesselt auf Lebenszeit.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.096

22.05.2022 00:54
#21 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von HR2 im Beitrag #19
Stimme an "Sonstige" ins Nirwana? Nö, besseres zu tun gehabt.


Das kann ich persönlich gar nicht nachvollziehen, erst recht nicht bei Dauergästen in Zettels kleinem Haus der Aussätzigen...
Ich wähle fast ausschließlich Kleinstparteien, meist streng nach Programm, und obwohl mir klar ist dass diese Parteien keinen Einfluss auf das Parlament haben werden (wozu auch, wenn da aktuell sowieso die SED alle Sitze hält?), macht es dennoch Sinn sie zu wählen; zum einen weil man damit insignifikant deren Finanzierung verbessert, zum anderen, weil man damit eine Wahlentscheidung getroffen hat, mit der man leben kann. Und wer was besseres zu tun hat als am Tag des Herren 10 Minuten für die Wahl zu verplanen ist entweder Pfarrer oder zu faul Briefwahlunterlagen zu bestellen....

HR2 Offline



Beiträge: 1.008

22.05.2022 01:01
#22 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #21

Ich wähle fast ausschließlich Kleinstparteien, meist streng nach Programm,


Ok, dann mal Hosen runter... ; )

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.096

22.05.2022 01:07
#23 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von HR2 im Beitrag #22
Ok, dann mal Hosen runter... ; )


Z.B. die LKR. What's wrong with that? Ich kann mich an einen Artikel auf der Achse kurz vor der Bundestagswahl erinnern, in dem der Autor dagegen gewettert hatte statt der AfD die LKR zu wählen, "weil die eh nicht im Parlament landen". Mag sein, aber was bringt mir eine AfD, mit der nicht nur niemand koalieren will, sondern die auch in Sachen Oppositionsarbeit zunehmend eine schlechtere Figur abgibt weil sie nur noch mit innerparteilichem Quatsch beschäftigt sind? Da kann ich genausogut die Original-SED wählen, selbes Resultat. Nein Danke.

Sehr simple Logik: Wer im Parlament sitzt und da nicht liefert, gehört rausgewählt. Vielleicht landen die LKR irgendwann mal drin, sind dann genauso schlecht, dann wähl ich die eben auch nicht mehr.

HR2 Offline



Beiträge: 1.008

22.05.2022 01:13
#24 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Sind die angetreten? Die standen zur Wahl?
LKR wollte ich wählen, war auf deren Website: tot...uralte Einträge...

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.096

22.05.2022 01:19
#25 RE: "Warum ich in das Lager der Nichtwähler wechseln werde" Antworten

Zitat von HR2 im Beitrag #24
Sind die angetreten? Die standen zur Wahl?


Sie meinen in NRW? Weiss ich nicht, aber wenn die nicht dabei sind, gibt's sicher 1-2 andere die in die gleiche Richtung stoßen. Im Zweifel würde ich sogar die orange Kröte schlucken und die FW wählen, auch wenn die ihre Energiepolitik von den Grünen kopiert haben; in einer Landesregierung spielt das sowieso nicht so eine große Rolle, der ganz große Schaden wird da ja in Berlin angerichtet.

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