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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 52 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2 | 3
Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.05.2009 17:36
Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

In diesem hier schon angekündigten Artikel geht es um das Leben in der DDR, um Angela Merkel, um Oskar Lafontaine.

Es scheint mir, daß die Kanzlerin mit dem Interview bei Maischberger einer möglicherweise bevorstehenden Schmutzkampagne zuvorkommen wollte, in der sie als angebliche einstige Angehörige der "Kampfreserve" der Kommunisten verunglimpft werden soll.

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

20.05.2009 19:14
#2 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten
Sicher sollte man als Westdeutscher vorsichtig sein, Ostdeutschen ihre Verstrickungen in das DDR-Regime vorzuhalten ohne zuvor sein Einfühlungsvermögen eingeschaltet und sich gefragt zu haben, wie man selbst an der Stelle gehandelt hätte. (Heuchelei ist es allerdings nur, wenn man selbst sich in jenem System oder in vergleichbaren etwas zu schulden hat kommen lassen.)

Genauso wie man als Achtundsechziger hätte in punkto Nazivorwürfe hätte vorsichtig sein sollen.

Allerdings gilt dies definitiv nicht für Frau Merkel sondern eben auch für andere, die eben nicht heute in der CDU und Bundeskanzler sind. Auch wenn sie heute in der SPD, bei den Grünen oder gar bei der Linkspartei sind, gilt dergleichen.

Dennoch darf man auch nicht verwischen, was jemand in der DDR getan hat. Darf man bei einem gewissen ostdeutschen Politiker (dessen Namen ich auch Ihnen, Zettel, bekannten Gründen ich nicht nenne) nicht darüber schweigen, was er vor seinem Aufstieg zur Poltitprominenz Ende 1989 getan, so darf man es auch nicht bei der Kanzlerin.

Und es ist eben nunmal nicht wahr, daß sie einfach geschwiegen und sich weggeduckt hat. Sie war - und das ist wohl unbestritten, FDJ-Propagandafunktionärin. Natürlich ist das weit weniger schlimm als Stasi-Spitzel zu sein oder gar ein politisches Führungsamt in der Diktatur innezuhaben. Aber eine opositionell war diese Funktion auch nicht gerade. Beim Demokratischen Aufbruch ist sie erst 1989 gelandet.

Mich persönlich interessiert diese Funktion in der Jugendorganisation der SED aber noch weniger als daß Kanzler Kiesinger im Propagandaministerium gearbeitet hat - was mich interessiert ist schon eher, ob DDR-Residuen in ihrem Denken hängen geblieben sind. Sowas sah man ja gerade bei wackeren Bürgerrechtlern wie den Pfarrern Eppelmann und Führer, daß sie zwar gegen die SED aufstanden aber dennoch innerlich voll von SED-Ideologie waren (bei Führer zeigt sich das gerade in den letzten Jahren).

Und so ich das derzeitige Handeln Oskar Lafontaines ablehne, muß seiner Charakterisierung hier eindeutig widersprochen werden. Lafontaine hat damals in der Bundesrepublik Deutschland Verantwortung übernommen, als OB, als Ministerpräsident, als Kanzlerkandidat und später, nach der Wiedervereinigung, als Parteichef und Minister. Dabei hat er nicht alles richtig gemacht und man muß sicherlich nicht mit jeder seiner Positionen übereinstimmen - dafür leben wir ja in einem freien Land. (Das Bild zu benutzen ist allerdings seltsam, denn ebensolche Bilder gibt es auch von Schmidt, Kohl, Strauss und anderen.) Aber so zu tun, als sei er schon damals ein Maulwurf oder Vorposten der SED gewesen - insbesondere wenn man gleichzeitig Frau Merkel verteidigt. Herr Lafontaine mag damals nicht fest genug gegen den Kommunismus gestanden haben, aber das damalige Fräulein Kasner kämpfte eine Weile für ihn.

Das beide Physiker sind, ist ein interessanter Zufall.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

Liberalismus ist die Ideologie, die, wenn etwas zu verderben droht, nicht nur nichts unternimmt, sondern auch anderen von Gegenmaßnahmen abrät, um anschließend das verfaulte Resultat zum Ideal zu erklären.

The business of Progressives is to go on making mistakes. The business of the Conservatives is to prevent the mistakes from being corrected. (G.K. Chesterton)

Verfassungsfeinde ... in den Tschad!!!

Calimero Offline




Beiträge: 3.278

20.05.2009 19:26
#3 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

In Antwort auf:
Lafontaine: Ein interessanter psychologischer Fall. Die Menschen neigen dazu, ihre eigenen Fehler anderen vorzuwerfen. Frau Merkel müsste ihre eigene DDR- Vergangenheit aufarbeiten, und die ihrer eigenen Partei. Sie war FDJ- Funktionärin für Agitation und Propaganda. Damit gehörte sie zur Kampfreserve der Partei.


Lafontaine sondert Sprechblasen ab. Er ist genau der Typ, der in der DDR eine Funktionärskarierre in der SED (nicht in irgendeiner Alibi-Blockpartei) angestrebt, und wohl auch erfolgreich gemeistert hätte. Und ich denke, das weiß er auch selbst.

Wenn die
In Antwort auf:
Pharisäer aus dem Westen, die ihr Leben in einem freiheitlichen Rechtsstaat verbracht haben und die nun den Zeigefinger heben und andere, die dieses Glück nicht hatten, dafür tadeln, daß sie ihre Existenz nicht aufs Spiel gesetzt haben
von ihnen getadelt werden, lieber Zettel, geschieht dies mit Recht.
Man darf nicht vergessen, dass der erste Aufstand gegen das Regime 1953 blutig mit russischer Hilfe niedergeschlagen wurde, und ab 1961 auch keine Fluchtmöglichkeit mehr bestand. Die DDR existierte halt länger als die zwölf Jahre des "Tausendjährigen Reiches", da wurde man in sein "sozialistisches Vaterland" hinein geboren, wuchs darin auf, wurde berufstätig und gründete eine Familie, in der wiederum Kinder geboren wurden. Alles über Generationen im selben Menschenpark, unter derselben täglichen Indoktrination, demselben gesellschaftlichen Konformitätsdruck.

Dass das System letztendlich doch zusammengebrochen ist, nachdem sich Bürgerrechtler organisieren konnten, war nur möglich, weil Gorbatschow seine Sowjetunion reformierte und der DDR-Führung seine Unterstützung versagte. Vor 1988/89 wären solche "Umstürzler" in Bautzen gelandet.

Zwar teile ich ihre positive Sicht auf die Kanzlerin nicht gerade uneingeschränkt, lieber Zettel, aber die Angriffe wegen ihrer FDJ-Vergangenheit muss ich auch verurteilen. Ich selbst wurde z.B. ein Jahr lang von unserer PiLei (Pionierleiterin der Schule) bekniet, doch bitte GOL-Chef (Gruppenorganisationsleiter) der FDJ unserer Schule zu werden, obwohl ich nie irgendwelche besonderen Affinitäten zur Jugendorganisation an den Tag gelegt habe. Der Druck war groß und geschadet hätte es mir karrieretechnisch bestimmt nicht, aber letztendlich habe ich mich erfolgreich dem Drängen widersetzt, weil mir die Rapportfahrten in die Kreishauptstadt einfach als zu stressig erschienen.
So konnte ich mich mit kleineren Funktionen in manchen Jahren auch gut aus der Affäre ziehen. Ich war sogar mal "Sportrat" meiner Klasse (auch eine FDJ-Funktion), obwohl ich außer Schulsport eigentlich nichts Organisiertes betrieben habe.

Herzlich, Calimero

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

20.05.2009 19:42
#4 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von Calimero
Die DDR existierte halt länger als die zwölf Jahre des "Tausendjährigen Reiches", da wurde man in sein "sozialistisches Vaterland" hinein geboren, wuchs darin auf, wurde berufstätig und gründete eine Familie, in der wiederum Kinder geboren wurden. Alles über Generationen im selben Menschenpark, unter derselben täglichen Indoktrination, demselben gesellschaftlichen Konformitätsdruck.


Natürlich sollte man dafür Verständnis haben (aber eben auch für solche, die im Dritten Reich geboren wurden) - die in der DDR Aufgewachsenen hatten es nicht leicht, insbesondere, wenn die Eltern zu den Untersützern des Regimes zählten, so wie der nach Osten migrierte Pfarrer Kasner.

Zitat von Calimero
aber die Angriffe wegen ihrer FDJ-Vergangenheit muss ich auch verurteilen.


Die Angriffe sind verfehlt, aber die hier angewandte Verteidigung eben auch, sofern sie eben auch nach zwei Methoden verfährt: einerseits Merkel wird zur stillen Oppositionellen immerschon verklärt, andererseits Lafontaine nach dem Motto "Tu quoque" zu etwas stilisiert, was er nicht war. (Was er damals wie heute war ist ein hemmungsloser Opportunist.)

Zitat von Calimero
So konnte ich mich mit kleineren Funktionen in manchen Jahren auch gut aus der Affäre ziehen. Ich war sogar mal "Sportrat" meiner Klasse (auch eine FDJ-Funktion), obwohl ich außer Schulsport eigentlich nichts Organisiertes betrieben habe.


Interessant Ihre Geschichte. Sie zeigt aber auch, daß man eben nicht unbedingt Propagandaleiterin werden mußte. Gegen eine FDJ-Sporträtin Kasner würde sich sehr viel schlechter polemisieren lassen.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

Liberalismus ist die Ideologie, die, wenn etwas zu verderben droht, nicht nur nichts unternimmt, sondern auch anderen von Gegenmaßnahmen abrät, um anschließend das verfaulte Resultat zum Ideal zu erklären.

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Calimero Offline




Beiträge: 3.278

20.05.2009 20:17
#5 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von str1977

Interessant Ihre Geschichte. Sie zeigt aber auch, daß man eben nicht unbedingt Propagandaleiterin werden mußte. Gegen eine FDJ-Sporträtin Kasner würde sich sehr viel schlechter polemisieren lassen.


Ich habe das hier schonmal irgendwo thematisiert, die FDJ-Wahlen (und vorher die Freundschaftratswahlen bei den Pionieren) liefen ungefähr so ab:
"Das Jahr ist vorbei, wir hören den Rechenschaftsbericht des vergangenen Jahres." Dann folgte der gequälte Bericht des armen Rechenschaftsführers/Schriftführers über die gesellschaftlichen und sportlichen Erfolge der Klasse. Blabla...
"Nun zur Wahl der neuen Gruppenleitung. Vorschläge?"
Man einigte sich im allgemeinen auf die Klassenbesten als Vorsitzende(r) und Stellvertreter(in). Wehren konnten sich die Ärmsten dabei kaum, denn was hätten sie schon gegen diese "Ehre" anbringen sollen? Abstimmung ... einstimmig ... gewählt!
Dann folgten die übrigen Funktionen (Schriftführer, sollte schreiben können, Handschrift wichtig! Meist ein Mädchen.). Abstimmung ... einstimmig ... gewählt!
Weiter ... Sportrat und Wandzeitungsredakteur (bei der FDJ dann auch als Agitprop-Funktionär benamst). Irgendwer wurde vorgeschlagen, alle anderen waren froh, dass der Kelch an ihnen vorüberging ... gewählt und durch. Bis nächstes Jahr dann.

Es kann sein, dass es noch weitere Funktionen gab, ich erinnere mich nicht mehr so genau. Das zeigt auch den Stellenwert dieser Funktionen. Nix, nada ... nur zusätzliche Aufgaben, die keiner ernst nahm, oder die irgendwie wichtig gewesen wären.
Es mag sein, dass es bei Frau Merkel in Templin anders war, aber ich war in drei verschiedenen Schulen und dort lief es überall gleich ab.

Herzlich, Calimero

P.S. Ich war als Pionier auch mal Wandzeitungsredakteur (quasi junger Funktionär für Agitation und Propaganda), musste es allerdings nur ein Jahr machen, da meine Eltern mit mir umzogen. Ansonsten wäre der Job vielleicht auch an mir kleben geblieben.

Thomas Pauli Offline




Beiträge: 1.486

20.05.2009 20:44
#6 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von str1977
Sicher sollte man als Westdeutscher vorsichtig sein...


Lieber str1977,

ja, klar, aber es gibt eben auch die defensive Generalabsolution "Wenn ich unter diesen Umständen aufgewachsen wäre, wer weiß, was ich dann angestellt hätte", deshalb de Oissibus nil nisi bene. Legst Du mir keinen Maßstab an, erspare ich auch Dir diese Peinlichkeit.
Ich habe genügend Berührungspunkte mit Menschen, die als junge Idealisten erzogen wurden und dem System als solche dienen wollten, auch einem überzeugten Kommunisten, der der Stasi aus menschlichen Gründen mehrfach einen Korb gegeben hatte, um ein wenig Einblick in die damaligen Gegebenheiten reklamieren zu können. Die Apostaten mußten schwer leiden, die unangepaßten weniger, die Wendigen fast gar nicht und die anderen waren im Apparat. Aber selbst die Letzteren mußten Wasser saufen, wenn ein Verwandter "zum Gegner überlief". Die Sippenhaft hatten sie zwar nicht erfunden, die SEDler, aber in der Anwendung waren sie unübertroffen. Das und vieles andere wirkte auf die Idealisten sehr ernüchternd, weshalb sie entweder (mehrheitlich) zu den Angepaßten mutierten oder siehe oben.
Diktaturen deformieren, insbesondere wenn sie auf der mentalen Kapitulation ihrer Untertanen gegründet sind. Wer einmal Schwarz gesehen hat und "Weiß" hat sagen müssen, der braucht große innere Kraft, um weiterhin innerlich gerade bleiben zu können. Nach außen jedoch ist er ein für allemal korrumpiert - ein beabsichtigter Effekt, denn wie sollen sich da Verbündete finden?
Trotz alledem kann ich eben keine Generalabsolution erteilen, denn das System wurde natürlich von seinen Profiteuren betrieben. und da gab es die Antreiber, die Durchreißer die Gerechten und die Selbstgerechten. Und natürlich die, die ganz selbstverständlich über Leichen gehen. Und das in einem Staat mit der härtesten Staatsraison seit dem revolutionären Frankreich. Naja, vielleicht seit Stalin. Das ist eine ziemlich giftige Mischung für freiheitlich Denkende, oder?
Lieb finde ich ja die Merkel-Anekdote von der beklopften Lampe, wenn die Stasi sich doch wahrschenlich schon die Mühe gemacht hatte, einen IM am Kneipentisch zu plazieren - wahrscheinlich in ihrem Perfektionismus, zwei.
Jedem, der solche Deformationen kennengelernt hat, sollte klar sein, daß man solchen Systemen jeden nur möglichen Widerstand entgegensetzen muß, aber auch, daß Menschen eben auch schwach sind und sich für den leichten Weg entscheiden. Wer jedoch zu den Antreibern gehörte, zu den 100%igen und keine Reue erkennen läßt, der soll Konsequenzen tragen. Tja, fragt sich bloß, welche...

Herzlich, Thomas


Zettel Offline




Beiträge: 20.200

20.05.2009 22:16
#7 Der "nationalsozialistische Führungsoffizier" Strauß Antworten
Zitat von str1977
Sie war - und das ist wohl unbestritten, FDJ-Propagandafunktionärin.

Calimero hat ja schon erläutert, was das bedeutete - die Wandzeitung pflegen und Termine organisieren, in einer Schülergruppe, dergleichen.

Es war eine hochtrabende Bezeichnung, so wie ich, auch das habe ich schon erwähnt, in meinem SPD-Ortsverein "Bildungsobmann" war und nie etwas für die Bildung getan habe; ich war für die Pressemitteilungen zuständig.

Wenn Frau Merkel wirklich Agitation und Propaganda betrieben haben sollte - warum bemühen sich ihre Gegner denn dann nicht, das zu dokumentieren? Hat sie agitatorische Reden gehalten, hat sie Propagandaschriften verfaßt? Oder was sonst hat sie getan, was es rechtfertigen würde, sie als "FDJ-Propagandafunktionärin" zu bezeichnen?



Ich habe diesen Artikel geschrieben, lieber str1977, weil ich in diesem Punkt hartnäckig bin: Wenn jemandem etwas angehängt wird, was er nicht getan hat, was er nicht gewesen ist.

Das hat die SED-Propaganda in großem Stil in der alten Bundesrepublik gemacht, indem man, wo es nur ging,jemandem Beziehungen zu den Nazis angelastet hat.

Die direkte Parallele zu dem Vorgehen gegen Angela Merkel war die Hetze gegen Franz-Josef Strauß als "nationalsozialistischer Führungsoffizier" (NSFO). Strauß war ein überzeugter Antinazi, aber er war eben in seinem Trupp der Intellektuelle, und deshalb wurde er für diese Funktion ausgeguckt. Wie Angela Merkel. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß Strauß jemals Nazi-Propaganda gemacht hätte; so, wie niemand bisher Belege dafür vorgelegt hat, daß Merkel jemals kommunistische Propaganda gemacht hat.

Die jetzige Hetze gegen Merkel scheint mir gleichermaßen von Linksaußen und von Rechtsaußen zu kommen; die Masche ist dieselbe wie damals gegen Strau0, Lübke und viele andere. Nur kam das damals nur von links, während die Rechtsextremen ihre Schmutzkübel über Leute wie Willy Brandt ausgossen.

Herzlich, Zettel
str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 00:04
#8 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von Calimero
Ich habe das hier schonmal irgendwo thematisiert, die FDJ-Wahlen (und vorher die Freundschaftratswahlen bei den Pionieren) liefen ungefähr so ab: ...


Aber Propaganda und Agitation scheinen mir doch eminent politische Funktionen zu sein?

Gruß,
str1977

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str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 00:06
#9 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Thomas Pauli,

ja, das kann ich so unterschreiben.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

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str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 00:11
#10 RE: Der "nationalsozialistische Führungsoffizier" Strauß Antworten

Zitat von Zettel
Wenn Frau Merkel wirklich Agitation und Propaganda betrieben haben sollte - warum bemühen sich ihre Gegner denn dann nicht, das zu dokumentieren? Hat sie agitatorische Reden gehalten, hat sie Propagandaschriften verfaßt? Oder was sonst hat sie getan, was es rechtfertigen würde, sie als "FDJ-Propagandafunktionärin" zu bezeichnen?



Ich habe diesen Artikel geschrieben, lieber str1977, weil ich in diesem Punkt hartnäckig bin: Wenn jemandem etwas angehängt wird, was er nicht getan hat, was er nicht gewesen ist.


Wie denn nun? Finden die Ankläger nichts konkretes, oder wollen sie ihr etwas anhängen, was sie nicht getan hat.

In der Tat ist es doch so, daß das, was vorgebracht wird, eben auch stimmt.

Das ihre damalige FDJ-Funktion nun gegen sie unfair eingesetzt wird, darin sind wir ja einig - ebenso wie es mit FJS und Kiesinger geschah (vom Fall Filbinger ganz zu schweigen). Ob Fräulein Kasner damals die Intellektuelle war, weiß ich nicht. Sie ist es jedenfalls nicht geblieben.

Nur darf man nicht im Gegenzug Fräulein Kasner heiligsprechen und Lafontaine als "schon immer böse" verdammen.

Und auch in DDR-Oppositionellen (was Frau Merkel dann 1989 ja war) steckte und steckt leider oft viel DDR drin.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

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Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.05.2009 02:22
#11 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von str1977
Zitat von Calimero
Ich habe das hier schonmal irgendwo thematisiert, die FDJ-Wahlen (und vorher die Freundschaftratswahlen bei den Pionieren) liefen ungefähr so ab: ...

Aber Propaganda und Agitation scheinen mir doch eminent politische Funktionen zu sein?

Ist das denn so schwer zu raffen, lieber str1977? Es gab in der DDR all möglichen bombastischen Bezeichnungen, zum Teil aus der Tradition der Arbeiterbewegung, wie "Agitation und Propaganda". Es waren Worthülsen. Der mächtigste Mann hieß ja auch Sekretär und war das Gegenteil eines Sekretärs. Die Betriebe hießen volkseigen und waren staatseigen. Man ging zu Wahlen und konnte nicht auswählen. Der FDGB hieße frei und war das Gegenteil.

Man kann doch nicht einfach solche Wörter nehmen und sich etwas dazu etwas denken, was sie bedeuten könnten.

Sondern man muß sich, denke ich, doch wohl von denen, die es erlebt haben - hier im Forum zum Beispiel Calimero, Califax, Stefanolix - erklären lassen, was es denn mit diesen Wörtern auf sich hatte:

Im Fall "FDJ-Sekretär für Agitation und Propaganda", daß eben jemand, der unter den Schülern oder Studenten als dafür geeignet galt, ausgeguckt wurde, das zu machen; und daß es dann nicht darin bestand, sich hinzustellen und Agitation und Propaganda zu machen, sondern Terminkalender zu führen und die Wandzeitung aktuell zu halten.

Ist das denn so schwer zu nachzuvollziehen?

Herzlich, Zettel

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.05.2009 02:41
#12 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von Thomas Pauli
Diktaturen deformieren, insbesondere wenn sie auf der mentalen Kapitulation ihrer Untertanen gegründet sind. Wer einmal Schwarz gesehen hat und "Weiß" hat sagen müssen, der braucht große innere Kraft, um weiterhin innerlich gerade bleiben zu können. Nach außen jedoch ist er ein für allemal korrumpiert - ein beabsichtigter Effekt, denn wie sollen sich da Verbündete finden?

Ein wichtiger Punkt, und wohl auch ein wesentliches Motiv für das Rekrutieren dieser Riesenarmee von IMs. Ob man wirklich so viele Leute zur Überwachung des Rests der Bevölkerung brauchte, bezweifle ich. Aber wer sich als IM verpflichtet hatte, der war eben dem Staat verpflichtet. Es war wie der Fahneneid bei einem Soldaten.
Zitat von Thomas Pauli
Trotz alledem kann ich eben keine Generalabsolution erteilen, denn das System wurde natürlich von seinen Profiteuren betrieben. und da gab es die Antreiber, die Durchreißer die Gerechten und die Selbstgerechten. Und natürlich die, die ganz selbstverständlich über Leichen gehen. Und das in einem Staat mit der härtesten Staatsraison seit dem revolutionären Frankreich. Naja, vielleicht seit Stalin. Das ist eine ziemlich giftige Mischung für freiheitlich Denkende, oder?

Aus meiner Sicht, lieber Thomas, verdienen alle Absolution, die im System nur Mitläufer waren und die sich mit der Wiedervereinigung auch geistig von der DDR verabschiedet haben.

Wer mehr war als ein Mitläufer (bei der Entnazifizierung war das ja eine offizielle Kategorie, zwischen, wenn ich mich recht erinnere, "Nichtbelasteten" und "Belasteten", wobei diese dann wieder in verschiedene Kategorien zerfielen), wer also aktiv für das System gearbeitet hat - als Funktionär, als IM, als Mitglied der Nomenklatura -, der soll in Frieden und unbehelligt sein Brot verdienen oder seine Rente verzehren. Aber für eine öffentliche Funktion kommt er meines Erachtens im demokratischen Rechtsstaat nicht in Frage. Er hat ja gezeigt, daß er dessen Feind ist.

Und wer nach der Wiedervereinigung in der kommunistischen Partei geblieben ist und,das mag ja durchaus sein, diese zu "reformieren" versucht hat ("Aus den Fehlern der DDR lernen!"), der mag ja ein ehrenwerter Mann sein. Nur ist er eben ein Kommunist, und ein Staat, der seine Feinde in Machtpositionen läßt, gibt sich selbst auf.
Zitat von Thomas Pauli
Lieb finde ich ja die Merkel-Anekdote von der beklopften Lampe, wenn die Stasi sich doch wahrschenlich schon die Mühe gemacht hatte, einen IM am Kneipentisch zu plazieren - wahrscheinlich in ihrem Perfektionismus, zwei.

Und der Kellner war natürlich auch IM. Hast du mal eine Bericht über das Hotel "Neptun" gesehen? Sozusagen eine Dependance des MfS, als Hotel getarnt.

Herzlich, Zettel

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 09:27
#13 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Herr Zettel,

es gibt hier gar nichts zu "raffen". Ich mache der Frau Merkel ja gar keinen Vorwurf daraus. Nur so zu tun als sei da nichts gewesen geht eben nicht.

Nur weil sie Bundeskanzler ist, weil sie eine erzliberale Politik vertritt ...

Während gleichzeitig einem Linkpolitiker dann jede kleine Funktion im DDR-System als Beleg finstersten Leninismus ausgelegt wird und sogar dahingehend unbescholtene westdeutsche Politiker derartig stilisiert werden. Herr Zettel, Sie tun genau das was Sie anderen vorwerfen!

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

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str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 09:35
#14 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von Zettel
Aus meiner Sicht, lieber Thomas, verdienen alle Absolution, die im System nur Mitläufer waren und die sich mit der Wiedervereinigung auch geistig von der DDR verabschiedet haben.

Wer mehr war als ein Mitläufer (bei der Entnazifizierung war das ja eine offizielle Kategorie, zwischen, wenn ich mich recht erinnere, "Nichtbelasteten" und "Belasteten", wobei diese dann wieder in verschiedene Kategorien zerfielen), wer also aktiv für das System gearbeitet hat - als Funktionär, als IM, als Mitglied der Nomenklatura -, der soll in Frieden und unbehelligt sein Brot verdienen oder seine Rente verzehren. Aber für eine öffentliche Funktion kommt er meines Erachtens im demokratischen Rechtsstaat nicht in Frage. Er hat ja gezeigt, daß er dessen Feind ist.

Und wer nach der Wiedervereinigung in der kommunistischen Partei geblieben ist und,das mag ja durchaus sein, diese zu "reformieren" versucht hat ("Aus den Fehlern der DDR lernen!"), der mag ja ein ehrenwerter Mann sein. Nur ist er eben ein Kommunist, und ein Staat, der seine Feinde in Machtpositionen läßt, gibt sich selbst auf.


Erstmal hat niemand Absolution verdient. Solche könnte sowieso nur für Verbrecher gelten und diese gehören bestraft.

Die anderen haben das Recht, sich geirrt zu haben. (Und daß sie in Frieden in Brot verdienen dürfen sollen versteht sich ja wohl von selbst. Aber selbst für Verbrecher gilt das nach Abbüßung ihrer Strafe.)

Aber das kann man nicht daran festmachen, ob sie heute noch Sozialisten sind. Klar eine Sahra Wagenknecht ist ein unverbesserliche Kommunistin, aber kann man das einfach so für alle PDS-Mitglieder sagen, für alle die später (aus Nicht-DDR-Motiven) eingetreten sind (von der nichtkommunistischen Linkspartei ganz zu schweigen). Und so tun als ob alles außerhalb dieser Partei eitel Sonnenschein wäre! Als ginge es immer nur um "die Kommunisten" und wie sie allein den Staat bedrohen.

Aber Ihren Vergleich zur Entnazifizierung finde ich in sofern passend, als Sie so durch die Blume zugeben, daß wir es hier mit einer damaligen Mitläuferin zu tun haben, nicht mit einer Oppositionellen.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

Liberalismus ist die Ideologie, die, wenn etwas zu verderben droht, nicht nur nichts unternimmt, sondern auch anderen von Gegenmaßnahmen abrät, um anschließend das verfaulte Resultat zum Ideal zu erklären.

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Verfassungsfeinde ... in den Tschad!!!

stefanolix Offline



Beiträge: 1.957

21.05.2009 11:09
#15 Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Wenn ich auch noch etwas einwerfen darf: Es muss doch in jedem Fall auch hinterfragt werden, auf welche Weise jemand seine Funktionen ausgeübt hat. Beispiel: Die hessische SPD ist zwar eine demokratische Partei, aber es gab in den letzten beiden Jahren einige recht zweifelhafte Vorgänge. Diese Vorgänge kann man sicher nicht pauschal der SPD zur Last legen, sondern man muss das Fehlverhalten einzelner Personen und Gliederungen der Partei betrachten. Wenn man in ähnlicher Weise bei jeder politischen Partei differenziert, muss man es auch in Bezug auf die FDJ tun.

Es gab in der FDJ hauptamtliche Scharfmacher, aber die wurden zumindest seit Anfang der achtziger Jahre nicht mehr ernstgenommen. Daneben hat die FDJ mit staatlich zugeteilten Ressourcen auch ganz normale Jugendarbeit gemacht, z.B. die Auftritte westlicher Künstler oder den Urlaub in Zeltlagern organisiert. Das ist für Euch im Westen kaum vorstellbar, aber im Osten war das eben so. Zu den ehrenamtlichen Aufgaben der gewählten Vertreter einer FDJ-Gruppe gehörten auch Funktionen, die man heute einem Klassensprecher oder Studentensprecher zuordnen würde. Es wäre völlig verfehlt, diese gewählten Klassenvertreter mit den hauptamtlichen (gut bezahlten) SED/FDJ-Ideologen gleichzusetzen.

Auf ca. 20 Studenten einer Seminargruppe sollten damals laut Plan vier bis fünf »Funktionsträger« kommen: FDJ-Sekretär, Stellvertreter, Wandzeitungsredakteur und Kulturverantwortlicher (die fünfte Funktion habe ich vergessen). So gesehen hatten etwa 20 bis 25% aller Studenten formell eine »FDJ-Funktion«, in Wahrheit haben sie aber einfach auch die Selbstorganisation der Seminargruppe übernommen. Das Studium war damals ziemlich gruppenorientiert und etwas »verschult«. Es wäre jedenfalls völliger Unsinn, diese Menschen deshalb 30 Jahre später für ein politisches Amt zu diskreditieren.

Der FDJ gehörten zwar formell über 95% aller DDR-Jugendlichen an, aber doch nicht aus Überzeugung, sondern weil die Mitgliedschaft fast so selbstverständlich war wie der Schulbesuch. Aus dem Mitgliederbestand der FDJ gingen (nach meiner Schätzung) maximal fünf bis zehn Prozent in die SED. Alle anderen schieden so schnell wie möglich aus -- in der Regel formell nach dem letzten Bildungsabschluss oder durch stillschweigendes Einstellen der Beitragszahlung.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.05.2009 13:22
#16 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Danke, lieber Stefanolix, für diese klärenden und, wie ich finde, sehr hilfreichen Informationen!

Wie schon gesagt, habe ich den Eindruck, - str1977 ist ein Beispiel -, daß viele das Wort "FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda" nehmen und sich dann einfach irgendwas darunter vorstellen, was dieses Wort bedeuten könnte - und dann auf dieser Basis auf Merkel herumhacken.

Wie eben im Fall Franz-Josef Strauß. Man konnte sich unter "Nationalsozialistischer Führungsoffizier" natürlich auch einen hackenknallenden 150prozentigen Nazi vorstellen; aber Strauß war eben ein Antinazi, den man in dieses Amt kommandiert hat, und der vermutlich froh war, daß er damit sein Soll an "Betätigung im nationalsozialistischen Sinn" absolviert hatte.

Ulbricht war ja auch ein "Sekretär". Also stellen sich viele hier im Westen darunter einen hohen hauptamtlichen Funktionär vor. Deshalb besonderen Dank für die Aufklärung darüber, wie groß diese Gruppen waren und was es bedeutete, in solch einem Grüppchen "Sekretär" zu sein.

Angela Merkel hat übrigens irgendwo gesagt, sie sei "Kultursekretärin" gewesen. Ob das vielleicht die übliche umgangssprachliche Bezeichnung war, und formal nach den Statuten hieß es, arbeiterbewegt-traditionalistisch, "Sekretär für Agitation und Propaganda"?

Herzlich, Zettel

Ungelt ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 13:52
#17 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten


Ich kann für das Land jenseits des Erzgebirges die Aussagen von stefanolix und calimero bestätigen. Für solche "niederen Funktionen" wurden auch dort in der Regel einfach die (aus)gewählt, die das Vertrauen der Schulklasse und die notwendigen "technischen Voraussetzungen" hatten. Und dieses Vertrauen basierte in der Regel nicht auf deren Verbundenheit mit dem System, eher im Gegenteil. Auch die Lehrer haben das normalerweise unterstützt und solche Schüler vorgeschlagen.

Man muß sich das auch so vorstellen, daß es eine offizielle Sprachebene gab, so wie in der Kirche eben bestimmte Formeln verwendet werden. Diese Sprüche hat aber, sofern si wirklich einmal benutzt werden mußten, niemand ernstgenommen. Interessant war nur das dahinterliegende. Jeder der nicht direkt bekloppt war, hat mit der Zeit ein feines Gespür für die eigentlichen Aussagen entwickelt. Er berechnete sozusagen automatisch immer die Differenz zwischen dem Gesagten, und dem vom System Gewünschten. (In den letzten Jahren habe ich übrigens das Gefühl, daß genau diese Zweigleisigkeit auch hier verstärkt um sich greift.)

Beispiel: Lehrer hatten die Aufgabe die Anwesenheit der Klasse beim 1.Mai Umzug sicherzustellen und sie entsprechend zu motivieren. Unser Lehrer, den ich immer in sehr guter Erinnerung behalten werde, handhabte es so:

"Am Samstag ist wieder," (lange Pause) "sie wissen schon." (lange Pause) "Wer kann also nicht kommen?" (80% der Klasse meldet sich.) "Das geht auf keinen Fall!" (pause) "Also noch einmal: Wer kann also wirklich absolut nicht kommen?" (Ein drittel meldet sich.) "Nun gut, aber bitte wirklich alle kommen, die sich jetzt gemeldet haben, sonst gibt es ein Problem." (weiter gemurmelt:) "Sie wissen schon..." (weiteres unverständliches Gemurmel)

Die "Funktionsnamen" sagen nur sehr wenig aus, das konkrete Verhalten ist wichtig, und auch die Absichten, die dahintersteckten. In den sechziger Jahren waren sogar in den höchsten Parteiämtern der KPC einige Leute, denen man (aus meiner Sicht) vertrauen konnte. Und wenn ich zu einem Menschen keine konkreteren Informationen habe, kann ich über ihn praktisch nichts sagen. Im Falle von Frau Merkel also nur, daß sie sich bis zu ihrem 35 Lebensjahr nicht so offensiv dem System angelegt hatte, daß es (aus welchen Gründen auch immer) zu irgendwelchen deutlichen Konsequenzen geführt hatte. Das ist mir aber als Kritikpunkt auf jeden Fall zu wenig.

Schönen Gruß, Ungelt (Funktionär bei den Pionieren, Mitglied bei der tschechischen "FDJ")

Zettel Offline




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21.05.2009 14:31
#18 RE: Zitat des Tages: Merkel, DDR, Lafontaine Antworten

Zitat von str1977
Während gleichzeitig einem Linkpolitiker dann jede kleine Funktion im DDR-System als Beleg finstersten Leninismus ausgelegt wird und sogar dahingehend unbescholtene westdeutsche Politiker derartig stilisiert werden. Herr Zettel, Sie tun genau das was Sie anderen vorwerfen!

Wo habe ich das getan? In welchem Artikel, in welcher Diskussion, in Bezug auf wen?

stefanolix Offline



Beiträge: 1.957

21.05.2009 15:01
#19 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Wenn Angela Merkel lediglich in ihrer Seminargruppe oder Schulklasse für »Agitation und Propaganda« zuständig war, dann gab es noch einen »übergeordneten« FDJ-Sekretär der Klasse (so wie es auch nur einen Klassensprecher geben kann). Das wäre eine Marginalie. Es ging in dieser Funktion eher um Wandzeitung, Pressespiegel und Gruppentagebuch und weniger um Kultur (einen Kulturfunktionär gab es außerdem noch).

Auf jeden Fall gab es dann noch einmal eine Funktionsebene für die ganze Fakultät [die Fakultät einer Hochschule hieß »Sektion«] oder für die ganze Erweiterte Oberschule (Gymnasium). In der Regel hatten erst Organisationseinheiten von der Größe einer Hochschule einen hauptamtlichen FDJ-Sekretär mit Büro. Sollte Angela Merkel wirklich auf irgend einer höheren Ebene tätig gewesen sein, dann würden es ihre Gegner sicher ausschlachten.

Ich werde in den nächsten Tagen mal einen Erfahrungsbericht mit schonungslosen Enthüllungen aus meiner eigenen Vergangenheit schreiben. Ich will damit meinen Gegnern zuvorkommen, falls ich eines Tages in die Politik einsteige ;-)

Nola ( gelöscht )
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21.05.2009 16:41
#20 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten
Lieber Stefanolix,
ehrlich gesagt wusste ich über den Werdegang von Frau Merkel nichts. Seit Jahren Mitglied der CDU und das wars.

Dann gab es mal diesen Aufschrei wegen dem Foto im häuslichen Umfeld von Herrn Havemann, was nicht veröffentlicht werden durfte. Hat mich auch nicht interessiert. Zettel schreibt seit einiger Zeit, das Frau Merkel verunglimpft wird in einigen Blogs, habe ich mir mit Bezug auf bevorstehende Wahlen auch keine großen Gedanken gemacht. Im Gegenteil eine persönliche Diffamierung der Persönlichkeit (ähnl. wie: die Nase ist schief, oder das Bein zu kurz …) ist für mich indiskutabel und absolut verachtenswert. Calimero und Sie haben erklärt was es mit der FDJ auf sich hatte und auch das ist vollkommen nachvollziehbar und nichts, woran man nun eine bestimmte Überzeugung von Frau Merkel hineininterpretieren könnte.

Das Einzige was ich nicht mochte an Frau Merkel war bisher der Pragmatismus, den ich in ihrem Verhalten sah und der sich auf alle Bereiche (zumindest für mein Empfinden) erstreckt und das absichern ihrer Machtposition, dazu gehörte auch das "Absägen" unliebsamer Parteimitglieder, siehe Herrn Merz. u.a.)

Bei Maischberger neulich sprach Frau Merkel dann über ihren ersten Besuch in der Bundesrepublik:
„Während ihrer ersten Reise nach Westdeutschland als Erwachsene im Jahr 1986 habe sie manche praktischen Dinge nicht beurteilen können“, sagte Frau Merkel dort.

Aufgrund unserer Diskussion hier, wurde mir auf einmal bewusst, 1986 ? Also zu DDR-Zeiten und wie kann es da sein, das jemand aus dem Volk so zuverlässig war, noch dazu alleinstehend, kein Rentner, Pfarrerstochter, was zu DDR-Zeiten ja nicht unbedingt vertrauenerweckend für das Regime war, dass der/die in den Westen reisen durfte? Also kann sie ganz ohne Privilegien doch nicht gewesen sein. Und wenn ja warum? Jetzt war ich doch neugierig und habe dann STUNDEN gegoogelt, bin mehrfach auf Error-Seiten gestoßen, wie diese hier:
(http://www.buchwissenschaft.uni-muenchen...uehnert0405.pdf)auf welcher Herr Kuehnert sich mit den Verhältnissen um Havemann befasst hat.

Mhhh, es kann doch nicht sein, das es gar nichts gibt, jeder Mensch hat ein Umfeld auch eine Kanzlerin. Irgendwer muß sich doch zu Wort gemeldet haben, im Netz, der die Kanzlerin von früher kennt oder um die Ecke gewohnt hat oder Mitstudent war. Ich habe da nicht eine Äusserung gefunden.

Aber zum Schluß dann doch das hier, da möge sich jeder denken was er will! Übrigens stammt dieser Bericht schon aus 2005. Er wäre, wenn hier Fakten sich als unwahr herausgestellt hätten, sicherlich schon gelöscht worden.

Vielleicht können Sie, lieber stefanolix, das ja besser einschätzen als ich und können dazu etwas sagen?

Die Karriere der Angela Merkel

http://www.wsws.org/de/2005/jun2005/mer1-j23.shtml

Teil 1: DDR - Jugend und Einstieg in die Politik | Teil 2

edit:
Eine politische Aussage - wie am Ende des 2. Teils - sollte in diesem Zusammenhang unerheblich sein.

♥lich Nola

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

21.05.2009 16:46
#21 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Zitat von Nola
Die Karriere der Angela Merkel
http://www.wsws.org/de/2005/jun2005/mer1-j23.shtml
Teil 1: DDR - Jugend und Einstieg in die Politik | Teil 2

Liebe Nola, Sie wissen, wen Sie da verlinken? Kommunisten, die noch links von der DKP stehen. Trotzkistn der "Vierten Internationale", die mit denselben Propagandamitteln arbeiten wie alle Kommunisten.

Herzlich, Zettel

Nola ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 17:09
#22 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Gerade habe ich, lieber Zettel, editiert, das politische Aussagen hier nicht relevant sind. Da haben wir uns überschnitten. Es geht lediglich um die Biographie von Frau Merkel.

♥lich Nola




Calimero Offline




Beiträge: 3.278

21.05.2009 17:39
#23 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Zitat von Nola

Das Einzige was ich nicht mochte an Frau Merkel war bisher der Pragmatismus, den ich in ihrem Verhalten sah und der sich auf alle Bereiche (zumindest für mein Empfinden) erstreckt und das absichern ihrer Machtposition, dazu gehörte auch das "Absägen" unliebsamer Parteimitglieder, siehe Herrn Merz. u.a.)


Liebe Nola, ihre kritische Sicht auf Frau Merkel umreißt auch sehr schön meine Kritikpunkte die ich die Kanzlerin betreffend nennen würde.

Zitat von Nola

„Während ihrer ersten Reise nach Westdeutschland als Erwachsene im Jahr 1986 habe sie manche praktischen Dinge nicht beurteilen können“, sagte Frau Merkel dort.

Aufgrund unserer Diskussion hier, wurde mir auf einmal bewusst, 1986 ? Also zu DDR-Zeiten und wie kann es da sein, das jemand aus dem Volk so zuverlässig war, noch dazu alleinstehend, kein Rentner, Pfarrerstochter, was zu DDR-Zeiten ja nicht unbedingt vertrauenerweckend für das Regime war, dass der/die in den Westen reisen durfte? Also kann sie ganz ohne Privilegien doch nicht gewesen sein. Und wenn ja warum?


Ach, wissen sie, Mitte der 80-er Jahre war die (West-)Besuchspraxis schon nicht mehr ganz so restriktiv. Wenn man nicht gerade als "unzuverlässig" eingestuft wurde, oder familiäre Bande in den Westen (bzw fehlende in der DDR) eine "Republikflucht" wahrscheinlich gemacht hätten, waren Besuche zu runden Geburtstagen, Hochzeiten oder Beerdigungen nächster Verwandter auch für Nichtrentner durchaus drin. Die eigene Familie musste ja in der DDR bleiben.
Ich weiß den Anlass jetzt grad nicht mehr, aber Anfang/Mitte der 80-er durfte meine Großmutter mit meinem Vater und seinen drei Geschwistern (aus der DDR) meinen Onkel in Westberlin besuchen. Das hätte auch niemand in der Familie für möglich gehalten, es ging aber.

Herzlich, Calimero

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 18:08
#24 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Zitat von stefanolix
Wenn man in ähnlicher Weise bei jeder politischen Partei differenziert, muss man es auch in Bezug auf die FDJ tun.


Das finde ich sehr gut, stefanolix. Das gilt dann aber in alle Richtungen. Nicht für für jemanden, der halt zufällig grade Kanzler ist sondern auch für andere, selbst wenn wir deren derzeitige politische Verortung so ganz und gar nicht teilen.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

Liberalismus ist die Ideologie, die, wenn etwas zu verderben droht, nicht nur nichts unternimmt, sondern auch anderen von Gegenmaßnahmen abrät, um anschließend das verfaulte Resultat zum Ideal zu erklären.

The business of Progressives is to go on making mistakes. The business of the Conservatives is to prevent the mistakes from being corrected. (G.K. Chesterton)

Verfassungsfeinde ... in den Tschad!!!

str1977 ( gelöscht )
Beiträge:

21.05.2009 18:13
#25 RE: Die »Führungskader« der FDJ Antworten

Zitat von Zettel
Wie schon gesagt, habe ich den Eindruck, - str1977 ist ein Beispiel -, daß viele das Wort "FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda" nehmen und sich dann einfach irgendwas darunter vorstellen, was dieses Wort bedeuten könnte - und dann auf dieser Basis auf Merkel herumhacken.


Ich wäre, lieber Zettel, sehr erfreut, wenn Sie zu Kenntnis nähmen was ich oben und von Anfang an geschrieben habe.

Ja, ich hacke auf Frau Merkel herum. Aber ich tue es nicht wegen und nicht mittels ihrer FDJ-Vergangenheit, sondern wegen ihrer Amtsführung bzw. deren Fehlen und wegen einiger ihrer politischen Positionen.

Und ich kritisiere auch, wenn man Frau Merkel das zugedenkt, was man anderen nicht bereit ist zu geben.

Immer wieder mit dem angeblich so harmlosen Wort "Sekretär" zu hantieren, ist doch auch überflüssig. Ganz beim Wort genommen, ist ein Sekretär ein Geheimnisträger. Aber Ulbricht & Kollegen waren nicht bloß Sekretär sondern "General- bzw. Erster Sekretär des Zentralkommitees der Partei", was etwas völlig anderes ist als bloß Sekretär. Generalsekretäre kennt man übrigens auch im Westen als hohe Ämter, sei es bei westdeutschen Parteien, bei der UNO, der NATO etc.

Gruß,
str1977

Faschismus und Antifaschismus sind nicht dasselbe, genausowenig wie Libanon und Antilibanon. Aber beide sind aus Stein gemacht.

Liberalismus ist die Ideologie, die, wenn etwas zu verderben droht, nicht nur nichts unternimmt, sondern auch anderen von Gegenmaßnahmen abrät, um anschließend das verfaulte Resultat zum Ideal zu erklären.

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