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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 84 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Noricus Offline



Beiträge: 2.136

02.09.2018 20:35
Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Wird sich die Wahrnehmung der Ereignisse in Chemnitz auf die beiden im Laufe der nächsten zwölf Monate stattfindenden Schicksalslandtagswahlen auswirken? Ein Blick in die Kristallkugel.

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

02.09.2018 23:05
#2 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Erstaunlich, lieber Noricus, wie man über annährend die selben Informationen verfügen kann und doch zu so unterschiedlichen Prognosen der Zukunft kommt. :)

Denn ich glaube nicht, dass sich allzuviele Konservative von der AfD oder von Sachsen oder Chemnitz abwenden werden, weil ein paar Parolen gegröhlt wurden. Im Gegenteil. Ich glaube umso panischer die öffentliche Reaktion der Merkel-Fraktion ist (und die ist extrem panisch), umso mehr treibt sie die Konservativen in die Hände der AfD. Die Mainstream-Presse, die Grünen, die Regierung, sie alle wünschen sich so sehr ein Pogrom (mit dem sie anschließend die AfD totschlagen können), dass sie eins herbeiphantasiert haben. Dummerweise gibt die Faktenlage genau das Gegenteil wieder. 40 Straftaten? Davon ein Dutzend mal ein Hitler Gruß? Und dazu 20 Körperverletzungen, keine einzige davon schwerwiegend genug um eine typische Homestory abzugeben? Da kommt ja die Rigaer Strasse in einer Woche auf mehr, und das schafft es nicht einmal mehr in die Lokalpresse.
In Chemnitz hat eben trotz aller Beeterei danach eben kein Pogrom stattgefunden. Auch keine Hetzjagden, die die Regierung ja schon verurteilt hat. Bei jeder linken Demo mit wenigen hundert Teilnehmern passiert deutlich mehr und das juckt kaum jemanden mehr.

Wer nur ein bischen mitdenkt, dem fällt diese Diskrepanz derart deutlich ins Auge, dass der ganze Schuss rückwärts losgeht. Und das merkt auch die linke Republik. Wie sonst wären solche Panikausbrüche wie derzeit beim Spargel mit seinen Schlagzeilen, die schon selber in die Nähe des 130 kommen, anders zu erklären? (Unter Augstein wäre so etwas nie passiert.) Wie anders sind solche Tweets, die schon vergleichsweise offen zur Gewalt auffordern und dann innerhalb von Stunden einkassiert werden, wie von Sawsan Chebli am Wochenende, zu erklären? Wie anders sind die vorschnellen (und ja inzwischen deutlich als Fake-News herausgestellten) Äußerungen von Seibert zu bewerten?

Die linke Republik hat Panik, weil sie zunehmend die Kontrolle über den öffentlichen Diskurs verliert. Wo früher noch gezielt und wohldosiert Propaganda getrieben wurde (beispielsweise als Sarrazins erstes Buch niedergemacht wurde) sehen wir jetzt immer öfter verzweifelten Aktionismus, der auf sehr tönernden Füßen steht. Ich glaube das kann der AfD nur nutzen. Jeder Augstein Artikel, jede Fake-News aus dem Kanzleramt, jeder Artikel im Spargel, im Kinderstürmer oder vom neuen Süddeutschland, ist wieder ein Tropfen mehr, der den Stein höhlt. Deswegen stimme ich dem zweiten Teil deiner Prophezeiung zu, in Sachsen selber wird die AfD massiv profitieren. Aber auch in Bayern sehe ich die CSU weiter abstürzen. Schaun wir mal.

Am Rande gesoprochen: Ich tu mich etwas schwer bei jemandem, der mit 20 Messerstichen niedergemacht wurde, von einem "Tötungsdelikt" zu sprechen. Wir haben es schlicht mit einem weiteren Messermord zu tun. Nicht der einzige in diesem Jahr. Nicht einmal der einzige in der Woche.

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.716

02.09.2018 23:13
#3 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Ich glaube, lieber Noricus, die Scharfsinnigkeit deiner Gedanken werden einfach von dem überrollt werden, was der Werwohlf einmal mit It's the despair, stupid! beschrieb.

Die eklatante Undiffrenziertheit weiter Teile der öffentlichen Berichterstattung, sowie der etablierten Parteien, lässt immer weniger Raum für Differenziertheit.

Ich möchte daran erinnern, dass schon eine beginnende Lucke AfD als rechtsradikal, mitunter als "nazi" bezeichnet wurde. Wer ohne Not "Feuer!" schreit, dem glaubt man nicht mehr, selbst wenn es brennt - und auch in Chemitz ist ja aktuell die Frage, ob das Feuer so groß war, wie es gemacht wurde.

Die Politik der letzten Jahre hat Deutschland tief gespalten, Chemitz wirft darauf ein Schlaglicht und diese Spaltung wird weiter voran getrieben. Verzweiflung und Undifferenziertheit sind dazu hervorragende Katalysatoren.

Alleine macht mir immer mehr Angst das toatlitäre Gebaren derer, die sich selbst für gemäsigt halten. Und natürlich wie wütend an manchen Tagen mich selbst das alles macht. Kein gutes Zeichen.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Doeding Offline




Beiträge: 2.397

03.09.2018 08:48
#4 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #3
Alleine macht mir immer mehr Angst das toatlitäre Gebaren derer, die sich selbst für gemäsigt halten. Und natürlich wie wütend an manchen Tagen mich selbst das alles macht. Kein gutes Zeichen.

Komisch, mir macht das immer weniger Angst, einfach weil dieses totalitäre Gebaren meiner Beobachtung nach immer mehr verpufft.

Ich glaube, die Sachsen und die Bayern verbindet ein autotitätsskeptischer Eigensinn, der sich aktuell, insbesondere in Sachsen, in offener Reaktanz zeigt. Daraus könnte, zumindest im Osten, ein echter Flächenbrand werden. Ich denke, Werwohlf liegt da ganz richtig. Es ist viel Verzweiflung im Spiel, und was die (West)Medien schreiben und die Politik redet wird dort sehr viele Menschen überhaupt nicht mehr erreichen; anders als das Gespräch mit dem Nachbarn, hinter vorgehaltener Hand meinetwegen (kennt man ja noch von früher), das maßgeblich zur Meinungsbildung beitragen dürfte.

Medien und Politik befinden sich hier in einer Art Ausverkauf, z. T. wirkt es wie das letzte Aufgebot, und der Vergleich zur späten DDR drängt sich immer öfter auf; nicht so global wie damals, aber jedenfalls beim Thema Migration. Wenn Kauder aktuell Wählerbeschimpfung betreibt mit seinem "AfD-Wähler sollten sich was schämen": wen glaubt er denn eigentlich, damit erreichen zu können? Die Vorstellung, daß auch nur ein einziger AfD-Wähler oder jemand, der mit dem Gedanken spielt, sie zu wählen, sich auf diese Intervention hin an den Kopf faßt und zu der Einsicht kommt, daß der Mann ja vollkommen Recht habe, ist absurd. Diese Äußerung wird freilich sehr deutliche Emotionen bei den Adressaten auslösen, doch Scham gehört ganz sicher nicht dazu.

Wen, außer seine Stammklientel, wird Campino als weltweit erster Staatspunk ((c) Alexander Wendt) heute bei dem Konzert noch erreichen, wenn man schon fast damit rechnen kann, daß Angela Merkel als Überraschungsgast die Bühne betreten könnte? Völlig egal, wie die Medien das jubilierend begleiten werden. Ich merke es nicht zuletzt an mir selbst: diese Propaganda erreicht mich inzwischen (und längst) Null. Es handelt sich, so gesehen, um eine schleichende Selbstentmachtung von Politik und Medien, indem sie jegliches Vertrauen und jegliche "Autorität" bei vielen Bürgern verspielen und bereits verspielt haben.

Ich glaube im übrigen, die vielgescholtene Spaltung des Landes ist nicht so negativ zu bewerten, sondern ein notwendiges Übel, durch das das Land jetzt tatsächlich einmal durch muß. Nachhaltige gesellschaftliche und politische Veränderungen geschehen doch eigentlich immer so und durch die daraus entstehende Spannung, oder?

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

Martin Offline



Beiträge: 2.720

03.09.2018 09:03
#5 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #3

Die Politik der letzten Jahre hat Deutschland tief gespalten, Chemitz wirft darauf ein Schlaglicht und diese Spaltung wird weiter voran getrieben. Verzweiflung und Undifferenziertheit sind dazu hervorragende Katalysatoren.

Alleine macht mir immer mehr Angst das toatlitäre Gebaren derer, die sich selbst für gemäsigt halten. Und natürlich wie wütend an manchen Tagen mich selbst das alles macht. Kein gutes Zeichen.


Versuche ich einigermaßen unvoreingenommen nach Chemnitz zu schauen, dann nehme ich erst mal den Unwillen der Bevölkerung ernst, ohne alle Details zu kennen, die der Bevölkerung vor Ort vertraut sind. Daher verstehe ich nicht die Reaktion der Politiker vor Ort und auch nicht der Bundespolitiker (wenn sie sich schon einmischen wollen). Sie hätten viel Wind aus den Segeln nehmen können, wenn sie den Aufgebrachten nur zugehört und Besserung zugesagt hätten. Seehofer ist noch kurz genug im Amt, um sich Missstände anhören zu können, ohne selbst ins Kreuzfeuer zu geraten.

Es gibt wenige Erklärungsoptionen dafür, dass sie das nicht gemacht haben: 1. Sie sind so abgehoben und borniert, dass die Realität gar nicht zu ihnen durchdringt. 2. Sie fühlen sich ertappt in ihrer Vertuschungspolitik und wehren sich mit Händen und Füßen, immer mit Blick auf die AfD. 3. Sie wollen die Eskalation aus welchen Gründen auch immer.

Ich tendiere zu 2. Das Resultat ist aber öffentliche Diffamierung der Bevölkerung, Aufmarsch der gewaltbereiten linken Kampftruppen, nun Chemnitz zum Konzert gegen Rechts (hat die Stadtverwaltung zugestimmt?). Es wird ein Exempel statuiert. Das wiederum treibt das Land weiter in die Teilung. Im Ergebnis lande ich dann bei 3.. Wer will das?

Wie wirkt sich das auf die Wahlen in Bayern und Hessen aus? Die AfD wird gerade medial massiv diskreditiert (Beobachtung durch Verfassungsschutz, 'Aussteigerin' erzählt Böses bei Will, usw..). Die Antwort liegt auf der einen Seite darin, wie die Bayern und Hessen das politische Spiel durchschauen, und ob sie bereit sind rechnerische Konstellationen (bsp. Schwarz-Grün) zu akzeptieren, die in den nächsten Jahren nicht unbedingt Besserung bringen. Ich traue mir keine Prognose zu, außer der, dass die AfD zulegen wird. Tendenziell würde ich behaupten, dass Chemnitz in Hessen und Bayern der AfD mögliche Stimmen kostet, allein weil die ÖR-Medien zu dominant sind, und die Wähler nicht so revolutionär veranlagt sind wie Ossis, Österreicher oder Italiener. Dafür geht es den meisten Leuten noch zu gut.

Gruß, Martin

Yago Offline



Beiträge: 143

03.09.2018 11:00
#6 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Martin im Beitrag #5
Im Ergebnis lande ich dann bei 3.. Wer will das?


Um das Problem auf der Straße zurückzudrängen, sodass die normalen Leute wieder ohne Furcht auf der Straße sind (unabhängig davon, wie berechtigt diese Emotion ist), braucht es sowas wie die Hogesa. Das ist für die die gegenwärtige Politik Tragenden die carte blanche, alles, was dem eigenen Verbleib am Trog gefährdet, zu verbieten. Die meisten Beamten und Polizisten werden das wohl unterstützen, da ein großer Teil der jungen Menschen im öffentlichen Dienst ein angenehmes und gesichertes Dasein sucht. Für den Osten nehme ich raue Zeiten an, denn eine Entwicklung wie in Berlin, Duisburg usw. will man nicht.

Verkürzt kann man sagen, dass die Zuwanderer etwas wollen und die Autochtonen auch. Wenn das nicht das Gleiche ist, wird über kurz oder lang die Scheidung eingereicht werden.

Yago Offline



Beiträge: 143

03.09.2018 11:08
#7 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Nachtrag: https://www.zdf.de/kinder/logo/logo-am-d...gabend-104.html zum Thema Cemnitz. Bei Danisch wird zitiert, daß die Staatsanwaltschaft angibt, es habe keine Hetzjagdten gegeben (http://www.danisch.de/blog/2018/09/02/na...ben/#more-25001).

Das ist wie zu Ostzeiten. Und es funktioniert bei den Kindern. Ein reinigendes Gewitter ist überfällig.

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.802

03.09.2018 13:19
#8 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Ich seh das anders.

1. Wahrnehmung der AfD bei den Wählern

Wie ich an anderer Stelle bereits zitiert habe, sprachen sich bei einer Umfrage 75% der Befragten für eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz aus.

Drei Viertel der Deutschen haben also das Narrativ „AfD = rechtsextrem“ vollkommen verinnerlicht. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Damit ist das Potential der AfD festgelegt: maximal 25% bei Wahlen. In Summe ergibt sich also immer eine „Koalition gegen die AfD“.

2. Tatsächliche Positionierung der AfD

Teile der AfD dürften inzwischen rechtsradikal sein - ich kann das letztlich nicht beurteilen, da der Politisch-Mediale Komplex sich ja beharrlich weigert, das AfD-Bashing mit Fakten zu unterfüttern. RechtsEXTREM ist natürlich Quatsch, da diese Definition eine gewaltsame Abschaffung der FDGO enthält.

Wenn eine Partei sich gegen illegale Einwanderung positioniert oder sogar wenn sich eine Partei gegen die derzeitige EU ausspricht oder für stärkere Grenzkontrollen und die Einhaltung von Dublin und Co, dann kann kein vernünftiger Mensch das als „gewaltsame Abschaffung der FDGO“ interpretieren.

Nach allem, was ich weiß, hat Merkel mehr für die Abschaffung der FDGO getan als jeder andere deutsche Politiker der Neuzeit. Und Merkel wird ja auch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.

3. Handlungsoptionen

Da immer die Möglichkeit der „Koalition gegen die AfD“ existiert und es eine extrem breite und gewaltbereite linke Szene in Deutschland gibt, wird kein Politiker der anderen großen Parteien sich für eine Koalition mit der AfD stark machen. Die haben schließlich auch eine Familie, die sie schützen wollen. Die Atmosphäre der Angst in der Politik ist ja inzwischen so dick, dass man die in Scheiben schneiden und nach Afrika als Kriegswaffe verkaufen könnte. Ein Politiker von CSU, CDU oder FDP, der sich für eine Einbindung bzw. Koalition mit der AfD aussprechen würde, der hätte nicht nur sein politisches Grab geschaufelt. Der müsste auch Telefonterror, Cybermobbing, zerstochene Autoreifen und ähnliche Aktionen von „Aktivisten“ befürchten.

Letztlich wird die AfD in den nächsten drei Legislaturperioden nicht in Regierungsverantwortung kommen. Ob die AfD überhaupt das Personal für konstruktive Politik hätte, ist also irrelevant. Es wird nicht passieren. Wer glaubt, die AfD hätte Regierungschancen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

4. Zukunft

Mindestens 16 Jahre wird die AfD also nicht mitregieren. Jetzt schauen wir uns mal die letzten 3 Jahre an. Muss ich meine Aufzählung wiederholen, wie sich das Land in NUR DREI JAHREN verändert hat?

Wie wird es in 16 aussehen? Die Wähler mit islamischen Migrationshintergrund werden eine der größten Wählergruppen stellen. Die „Bio-Deutschen“ sterben mit rasender Geschwindigkeit aus.

25% der Neugeborenen haben bereits heute Migrationshintergrund. In 18 Jahren dürfen die meisten von denen wählen.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Politiker - Merkel ganz vorn- das „deutsche Volk“ (jaahaha kommt mit der Nazi-Keule! Gemeint ist, und das wisst ihr selber, die Gruppe der deutschen Wähler, die mittels Erziehung und Sozialisierung in der Tradition der Bundesrepublik stehen) schlicht ABGESCHRIEBEN HABEN. Als Auslaufmodell. In deren Köpfen ist die „alte Bundesrepublik“ bereits tot. Und sieht man sich die Geburtenzahlen und den Migrationsdruck an, dann haben die auch recht.

In wenigen Jahrzehnten wird es mehr aktive Moscheen als Kirchen geben. Gegen diese hochagressive Kultur, die da gerade einwandert, sind wir völlig Chancenlos. Nur völlig naive Menschen glauben immer noch daran, dass wir einen „gemäßigten deutschen Islam“ erzeugen könnten. Wie kann man nur an einen solchen Unsinn glauben? Woher sollte denn eine solche islamische Reformation kommen? Wer soll die entwerfen und steuern? Merkel? Und wir werden auch die ultrakonservativen, antiliberalen Traditionen dieser Gruppe nicht ändern.

Und damit wird in wenigen Jahrzehnten auch dieser ganze typisch deutsche Gerechtigkeitskram auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt. Rechte für Kinder oder Homosexuelle? Freie Meinungsäußerung? Sexuelle Selbstbestimmung der Frau? WOVON TRÄUMT IHR, WENN IHR GLAUBT, DIE AKTUELLEN EINWANDERER WÜRDEN DAS AKZEPTIEREN??? So bald diese islamisch geprägte, ultrakonservative und extrem selbstbewusste (!) Gruppe politisch Macht gewinnt, werdet ihr mal sehen, wie wirklich rechtsradikale Politik aussieht.

5. Bezug zu Chemnitz

Wieder mal hat der politisch-mediale Komplex es perfekt geschafft, die Diskussion in die richtige Richtung zu lenken. Und damit meine ich nicht das AfD-Bashing. Ja, da wird viel gelogen. Ist inzwischen normal.

Ich meine damit, dass die Diskussion auf die Leuchtturm-Straftaten konzentriert wird. OK; wir haben inzwischen jedes Jahr etwa 80 zusätzliche Morde, die statistisch auf die aktuelle Einwanderung zurückgeführt werden können.

Dieses Blut klebt an Merkels Händen. Aber mal ehrlich: 80 Morde im Jahr. Kann das unser alltägliches Leben wirklich beeinflussen? Wohl kaum. Was unser Land verändert sind doch nicht diese 80 Morde.

Sondern die ultrakonservative und agressive Tradition, die da einwandert und die damit einhergehende Änderung der Alltagskultur. Wenn ich damit rechnen müsste, dass mir bei einer simplen Rempelei in der Fußgängerzone die Nase eingeschlagen wird, dann würde ein solcher Vorfall es nie in die Nachrichten schaffen. Aber wenn ich den Eindruck habe, dass körperliche Auseinandersetzungen im ALLTAG zunehmen, dann ändert das meine Wahrnehmung dieses Lands dramatisch stärker als 80 Morde. Wenn Zwangsheiraten zunehmen, wenn antisemitische Hetzereien und Straftaten wieder alltäglich werden - DAS ändert dann das Land grundlegend. Das Antisemitismus in Deutschland inzwischen weitgehend ein islamisches Phänomen in Deutschland ist... ist das den 75% Wählern klar, die für eine Überwachung der AfD sind?

Gruß
Frank

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

HR2 Offline



Beiträge: 41

03.09.2018 15:25
#9 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #8


Damit ist das Potential der AfD festgelegt: maximal 25% bei Wahlen. In Summe ergibt sich also immer eine „Koalition gegen die AfD“.




Damit wäre sie dann aber höchstwahrscheinlich stärkste Kraft. Und die Probleme, die die illegale Zuwanderung verursacht, läßt sich von den
anderen Parteien nicht auf Dauer in Kraftakten ignorieren. Die Wirklichkeit und die politische Auseinandersetzung mit ihr wird ihren Weg
auch in die Agenda der anderen Parteien finden. Die CSU hat den ersten Aufstand ja schon geprobt.
Und die nächste Rezession wird auch unweigerlich kommen. Dann sieht der schon länger hier Lebende seine Felle des Sozialstaats davon schwimmen.

R.A. Offline



Beiträge: 7.632

03.09.2018 15:59
#10 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #1
Wird sich die Wahrnehmung der Ereignisse in Chemnitz auf die beiden im Laufe der nächsten zwölf Monate stattfindenden Schicksalslandtagswahlen auswirken?

Weiß nicht.
Ein Totschlag ist natürlich immer eine ernste Sache, aber alles danach in Chemnitz halte ich für künstlich aufgebauscht - das kann in wenigen Wochen wieder vergessen sein. Ganz rechts regt man sich auf und in die üblichen Verdächtigen in Politik und Medien in Berlin regen sich auf, und dem Rest der Bevölkerung geht es ziemlich sonstwo vorbei.

Die möglichen Auswirkungen auf die Sachsenwahl sind überhaupt nicht einzuschätzen - die Wahl ist noch viel zu weit weg und es werden noch so viel andere Sachen bis dahin passieren.

Und in Bayern dürften ohnehin andere Faktoren den Ausschlag geben. Wobei mir die CSU-Flaute doch etwas rätselhaft ist. Das Land scheint mir nach wie vor ordentlich regiert zu sein, mit den üblichen Problemen die früher bei 60% auch da waren, und von außen betrachtet scheint mir Söder ein deutlich kompetenterer Regierungschef zu sein als Seehofer. Und auch die Migrationsthemen scheinen in Bayern im Griff zu sein - kein Vergleich mit gewissen anderen Bundesländern.
Irgendwie würde es mich nicht überraschen, wenn die Umfragen nur ausdrücken, daß die Leute etwas rumgranteln wollen, und das Wahlergebnis der CSU liegt dann doch wieder ganz ordentlich.

hubersn Offline



Beiträge: 837

03.09.2018 19:04
#11 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #10
Irgendwie würde es mich nicht überraschen, wenn die Umfragen nur ausdrücken, daß die Leute etwas rumgranteln wollen, und das Wahlergebnis der CSU liegt dann doch wieder ganz ordentlich.



Könnte ich mir auch vorstellen. Für die derzeitige Talfahrt der CSU in den Umfragen gibt es genausowenig eine plausible Erkärung (zumindest aus meiner Sicht!) wie für den damaligen Schulz-Hype, und wir wissen wie das ausgegangen ist.

Allerdings bin ich mir ganz und gar nicht (mehr?) sicher, dass die Welt um mich rum nicht schon komplett dem Wahnsinn anheim gefallen ist und ich demzufolge überhaupt nicht mehr in der Lage bin, zwischen Schein und Sein zuverlässig zu unterscheiden. Wir werden sehen. Es ist mindestens so spannend wie irritierend. Das Delta zwischen von mir vermuteter Stimmung und medial berichteter Stimmung war noch nie so groß wie heute.

Gruß
hubersn

--
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Noricus Offline



Beiträge: 2.136

03.09.2018 20:07
#12 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #4
Campino als weltweit erster Staatspunk ((c) Alexander Wendt)


Ich fühle mich um meinen Wunschlebenslauf betrogen. Wenn ich vor 25 Jahren gewusst hätte, dass man als Punk mal ein durch und durch respektiertes Mitglied der Gesellschaft sein würde, hätte ich alle bürgerlichen Bedenken über Bord geworfen und eine solche Karriere gewählt.

Zitat von Doeding im Beitrag #4
Ich glaube im übrigen, die vielgescholtene Spaltung des Landes ist nicht so negativ zu bewerten, sondern ein notwendiges Übel, durch das das Land jetzt tatsächlich einmal durch muß.


Das sehe ich mittlerweile auch so, obwohl ich bis vor kurzem anderer Meinung war, was aber vielleicht nichts anderes als die typische Wie-in-der-Weimarer-Republik-Hysterie darstellte. Wenn man sich an die Zeit des Kalten Krieges und die damalige Schärfe der Kontroversen erinnert, wird einem erst bewusst, wie kuschelig der Ton der politischen Auseinandersetzung seit 1989 geworden ist.

Noricus Offline



Beiträge: 2.136

03.09.2018 20:22
#13 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #10
Wobei mir die CSU-Flaute doch etwas rätselhaft ist. Das Land scheint mir nach wie vor ordentlich regiert zu sein, mit den üblichen Problemen die früher bei 60% auch da waren, und von außen betrachtet scheint mir Söder ein deutlich kompetenterer Regierungschef zu sein als Seehofer. Und auch die Migrationsthemen scheinen in Bayern im Griff zu sein - kein Vergleich mit gewissen anderen Bundesländern.
Irgendwie würde es mich nicht überraschen, wenn die Umfragen nur ausdrücken, daß die Leute etwas rumgranteln wollen, und das Wahlergebnis der CSU liegt dann doch wieder ganz ordentlich.


Ich glaube auch, dass die CSU in den Umfragen deutlich unterbewertet wird, dies ganz unabhängig von Chemnitz und dessen möglichen Auswirkungen auf die Landtagswahl in Bayern. Dies ist zwar ein ganz und gar nicht repräsentatives Sample, aber ich habe schon von etlichen CSU-Sympathisanten in meinem Bekanntenkreis gehört, dass sie diesmal erwägen, einer anderen Partei ihre Stimme zu geben. Der Nachsatz lautete dann jedoch unisono: "Aber wahrscheinlich wähle ich dann doch wieder die CSU." Und wenn ich aus meinem Herzen keine Mördergrube mache, muss ich ehrlich gestehen, dass mir ad hoc kaum eine politisch und rechnerisch realistische Alternative einfällt, die ich lieber hätte als eine CSU-Alleinregierung.

An dieser Stelle möchte ich aber auch mal eine Lanze für Seehofer brechen: An der Stabilisierung der CSU nach dem Beckstein-Huber-Debakel (Verlust der absoluten Mehrheit) hatte er einen entscheidenden Anteil. Ob ohne Seehofer eine derart schnelle Wiederherstellung der gewohnten Verhältnisse erreicht worden wäre, wage ich zu bezweifeln.

Rapsack Offline



Beiträge: 147

03.09.2018 20:45
#14 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Martin im Beitrag #5

Es gibt wenige Erklärungsoptionen dafür, dass sie das nicht gemacht haben: 1. Sie sind so abgehoben und borniert, dass die Realität gar nicht zu ihnen durchdringt. 2. Sie fühlen sich ertappt in ihrer Vertuschungspolitik und wehren sich mit Händen und Füßen, immer mit Blick auf die AfD. 3. Sie wollen die Eskalation aus welchen Gründen auch immer.



Die Alternative 2 klingt mir am plausibelsten.

Wir erleben dabei etwas sehr intressantes. Ich habe das Gefühl, dass wir eine Komunikation erleben von Seiten der Regierung und den Medien etc. die zwar von Komunikationsexperten geführt und organisiert wird, die aber mit den Möglichkeiten des Internets noch nicht so richtig umgehen können. Ihre Kommunikationsweisen scheint nicht uin der modernen Zeit angekommen bzw. sie müssen diese noch im Feld testen. Der Informationsfluß in seiner Breite und Geschwindigkeit durch Filme auf Youtube etc. auf genommen mittels Handy und durch verschiedenste Kanäle verbreitet führt zu unvorhergesehenen Ergebnissen. Ich glaube die schlittern von einer Kommunikationspanne in die nächste. Und irgendwann wird es sie einholen. % für % bröckelt die Glaubwürdigkeit. Und es wird immer spannender.

Was zu Fokushima Zeit noch klappte ist inzwischen überaltert.

Ich weiß nicht wie in China die "Wahrheit" gemacht wird, aber was ich erlebe, erinnert nicht nur mich an die DDR.

Was würde passieren, wenn nur als Gedankenmodell 40%, 50% oder XY% der Bundesbürger der Regierung, dem überwiegenden Teil der Parteien sowie den noch wichtigsten Medien einfach nichts mehr glauben? Man wirklich anfängt alles zu hinterfragen. Wie würde sich das auswirken?

Ich weis nicht ob ich einem Feldversuch beiwohnen möchte.

Nobster Offline




Beiträge: 77

03.09.2018 20:59
#15 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #8
wir haben inzwischen jedes Jahr etwa 80 zusätzliche Morde, die statistisch auf die aktuelle Einwanderung zurückgeführt werden können.


Wie kommen Sie auf diese Zahl?

Yago Offline



Beiträge: 143

03.09.2018 21:23
#16 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #8


Wie ich an anderer Stelle bereits zitiert habe, sprachen sich bei einer Umfrage 75% der Befragten für eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz aus.

Drei Viertel der Deutschen haben also das Narrativ „AfD = rechtsextrem“ vollkommen verinnerlicht. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.




Dann hätten in Chemnitz 3/4 AfD-Gegner und 1/4 AfD-Befürworter anwesend sein müssen. War aber nicht so.

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.716

03.09.2018 22:42
#17 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #4
Komisch, mir macht das immer weniger Angst, einfach weil dieses totalitäre Gebaren meiner Beobachtung nach immer mehr verpufft. [...] Ich glaube im übrigen, die vielgescholtene Spaltung des Landes ist nicht so negativ zu bewerten, sondern ein notwendiges Übel, durch das das Land jetzt tatsächlich einmal durch muß.

Das kann man so sehen, lieber Andreas.

Es gibt allerdings eine Dimension, welche mich dabei beunruhigt: Für jedwedes verträgliches, gesellschaftliche Zusammenleben, insbesondere auch für einen liberalen Rechtsstaat, gibt es eine unabdingbare Voraussetzung: Ordnung

Ordnung besteht dabei nicht voraussetzungslos. Wir scheinen nur so an sie gewöhnt, dass wir sie - ähnlich wie Freiheit - als selbstverständlich erachten.

Bisher war Ordnung in unserer Republik kein Thema. Es gab Regeln, die von der überwältigenden Mehrheit geteilt wurden und die einen Ordnungsrahmen schufen, welcher für unser Zusammenleben hervorragende Rahmenbedingungen hergab. Diese Ordnung steht durch die Gräben in unserer Gesellschaft nun immer mehr auf dem Spiel. Wenn relevante Gesellschaftliche Gruppen jegliches Vertrauen ineinander verlieren, hat es eine akzeptierte Ordnung in der Gesellschaft schwer. Die bis zur Feindseligkeit heranwachsende Bitterkeit, mit der sich die gesellschaftlichen Lager immer mehr gegenüberstehen, stellt die bisherige Ordnung für alle Beteiligten zunehmend in Frage.

Wenn die Ordnung aber fällt kann im schlimmsten Fall drohen, dass sie am Ende wieder gewaltsam erzwungen werden muß, um die Gesellschaft nicht in Anarchie versinken zu lassen. Aus heutiger Sicht in meinen Augen ein Horror Szenario

Sicher hat ein solches Szenario keiner auf dem Schirm. Allerdings beschäftige ich mich in anderem Zusammenhang mit "Extrem Ereignissen" und dem daraus erwachsenden Risiko und es scheint, dass die menschliche Einschätzung dazu völlig daneben liegt, da Extremereignisse laut Alltagserfahrung eben nicht stattfinden. Die Dicke singt nicht. Meistens.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Llarian Offline



Beiträge: 4.443

03.09.2018 22:55
#18 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #8
Wie ich an anderer Stelle bereits zitiert habe, sprachen sich bei einer Umfrage 75% der Befragten für eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz aus.

Solche Umfragen sind nicht das Papier wert auf denen sie stehen. Wer wurde gefragt? Was wurde wirklich gefragt? Was ging gerade durch die Presse? Wie wurde gewichtet?

Zitat
Drei Viertel der Deutschen haben also das Narrativ „AfD = rechtsextrem“ vollkommen verinnerlicht. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.


Wenn die Dinge so verinnerlicht wären, dann würden immernoch 50% der Wähler CDU wählen und 40% SPD. Seit Schröder (und so lange ist das nicht her) hat die SPD mehr als die Hälfte ihrer Wähler verloren, bald sind es 2/3. Und die AfD hat alle Chancen das sich da gewaltig was ändert. Jeder Messermord ist ein Stimmenzuwachs für die AfD. Jeder Skandal, jedes neue "Köln", ist jedes mal ein Stimmenzuwachs für die AfD. Und das passiert zwangsnotwenig, die Probleme haben gerade erst angefangen. Wenn die AfD sich nicht selber demontiert (das ist immer eine Gefahr), dann kann sie bald vor Kraft kaum laufen.

Zitat
In Summe ergibt sich also immer eine „Koalition gegen die AfD“.


In Sachsen wird das schon in diesem Jahr schwierig. Wie stellen wir uns denn ernsthaft eine Koaltion zwischen CDU und SED vor? Garniert mit grün und den Resten der Spezialdemokratie. Das ist eine totale Lachnummer, dagegen wäre selbst die Karnelvalsregierung in Berlin (Bundesland) ein Muster an Arbeitsfähigkeit.

Zitat
Da immer die Möglichkeit der „Koalition gegen die AfD“ existiert und es eine extrem breite und gewaltbereite linke Szene in Deutschland gibt, wird kein Politiker der anderen großen Parteien sich für eine Koalition mit der AfD stark machen. Die haben schließlich auch eine Familie, die sie schützen wollen. Die Atmosphäre der Angst in der Politik ist ja inzwischen so dick, dass man die in Scheiben schneiden und nach Afrika als Kriegswaffe verkaufen könnte. Ein Politiker von CSU, CDU oder FDP, der sich für eine Einbindung bzw. Koalition mit der AfD aussprechen würde, der hätte nicht nur sein politisches Grab geschaufelt. Der müsste auch Telefonterror, Cybermobbing, zerstochene Autoreifen und ähnliche Aktionen von „Aktivisten“ befürchten.


Das ist in der Tat ein (gewaltiges) Problem. Aber ganz so mutlos ist die Welt dann doch nicht. Auch die AfD hat (gutes) Personal, dass permanent solchen Gefährdungen ausgesetzt ist und trotzdem weiter macht. Und es gibt auch Beispiele aus anderen Parteien, von Seehofer bis Sarrazin.

Zitat
Letztlich wird die AfD in den nächsten drei Legislaturperioden nicht in Regierungsverantwortung kommen.


Da halte ich gegen. Das selbe hat man auch über die FPÖ gesagt. Oder über Donald Trump. Sehen Sie sich mal dieses Video an: https://www.youtube.com/watch?v=FUEWcH-6x4g

Zitat
Wer glaubt, die AfD hätte Regierungschancen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.


Ich erlaube mir mal Tom Hanks zu zitieren (sinngemäß): An dem Tag, an dem Donald Trump Präsident wird, wird der Tag sein, wo Ufos landen und Dinosurier auf die Erde bringen.

Zitat
Jetzt schauen wir uns mal die letzten 3 Jahre an. Muss ich meine Aufzählung wiederholen, wie sich das Land in NUR DREI JAHREN verändert hat? Zitat:
Zum Beispiel ist die AfD von knappen 5 auf fast 15% gestiegen. Wenn wir das linear fortsetzen würden, dann regiert sie in 7 Jahren alleine. :)
Zitat: 25% der Neugeborenen haben bereits heute Migrationshintergrund. In 18 Jahren dürfen die meisten von denen wählen.


Und sind damit immer noch eine nicht organisierte Minderheit. Klar ist das ein Problem. Sogar ein gewaltiges. Aber es schwer zu sagen was bis dahin alles passieren wird. Was wir in Chemnitz sehen ist ein Backlash. Und er ist noch sehr harmlos. Aber solche Dinge haben die Eigenschaft ganz schnell zu Flächenbränden werden zu können. Ich weiß nicht einmal wovor ich mehr Angst habe, vor ihrem Szenario oder einem gewaltigen Backlash, den wir seit 80 Jahren nicht mehr gesehen haben. Das ist alles nicht in Stein gemeisselt. Und ich sage es auch noch einmal: Die selben Leute, die am Bahnhof Teddybären geworfen haben, sind unter den richtigen Bedingungen bereit morgen Molotov-Cocktails in bewohnte Häuser zu werfen. Die Deutschen haben einen unglaublichen, ich würde sagen weltweit einmaligen, Herdentrieb. Sie fühlen sich unheimlich wohl das vermeintlich Gute zu tun, wenn sie sich dafür in einer großen Gruppe feiern können. Ebenso schmeissen sie Scheiben ein, wenn sie nur in ihrer peer group ein Lob dafür erwarten.

Zitat
Aber mal ehrlich: 80 Morde im Jahr. Kann das unser alltägliches Leben wirklich beeinflussen? Wohl kaum. Was unser Land verändert sind doch nicht diese 80 Morde.


Aber selbstverständlich tun die das. Kandel ist nur ein einziger Mord, einer von hunderten im Jahr. Und tut Merkel gewaltig weh. Der Anschlag vom Breitscheidplatz ist statistisch fast irrelevant. Und hat die CDU gewaltig gekostet. Das überhaupt die Stimmung nicht mehr so eindeutig ist, dass selbst die Regierung derzeit panisch Fake-News in die Welt setzt, hat sehr viel mit diesen 80 Morden zu tun. Die Stimmung kann erstaunlich schnell kippen. Das ist auch der gesammelten Linken durchaus bewusst.

Lalelu Offline



Beiträge: 89

03.09.2018 22:57
#19 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #8

25% der Neugeborenen haben bereits heute Migrationshintergrund.


Das erscheint mir etwas wenig. Konnte allerdings auf die Schnelle auch keine aktuellen Zahlen finden.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes weisen für 2009 bereits einen Anteil von mindestens 30% aus.
https://www.tagesspiegel.de/politik/stat...er/1883768.html

Frank2000 Offline




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03.09.2018 23:48
#20 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Nobster im Beitrag #15
Zitat von Frank2000 im Beitrag #8
wir haben inzwischen jedes Jahr etwa 80 zusätzliche Morde, die statistisch auf die aktuelle Einwanderung zurückgeführt werden können.


Wie kommen Sie auf diese Zahl?



Stand in der Welt. Ich versuche mal, den Artikel wiederzufinden.

Hab's gefunden:
https://www.welt.de/politik/deutschland/...che-Taeter.html

"Laut Bundeskriminalamt (BKA) gab es in Deutschland 2017 insgesamt 731 Mord- und Totschlagsdelikte, in 83 Fällen wurden Deutsche von Ausländern getötet. Das ergab eine Auswertung des BKA für WELT AM SONNTAG. "

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Jakob Nierstein Offline



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03.09.2018 23:56
#21 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Ich habe in Chemnitz studiert und gelebt, fünf Jahre lang. Es war eine schöne Zeit und könnte mir auch vorstellen, dorthin zurück zu gehen. In der westdeutschen Großstadt, in der ich lebe und die Städte, die ich mittlerweile auch schon auf Dienstreisen kennenlernen durfte, sehen doch elendig aus. In meinem täglichen Umgang mit Westdeutschen stößt mir die beobachtete arrogante Haltung immer wieder auf. Man verbietet sich jede "Fremdenfeindlichkeiten", jedweden "Rassismus", aber wenn es gegen Sachsen und Ostdeutsche geht, dann kenn man keine Gnade.

Chemnitz hat in der Tat ein Problem und das ist gewiss nicht der "rechte Mob", sondern es ist das Problem, das wir in ganz Deutschland haben: Junge perspektivlose Männer aus einer gewalttätigen Kultur... 2015 wusste ich schon, dass das nicht gutgehen kann. Ich hatte noch die Demos des Pali-Links-Packs von 2014 im Gedächtnis. Man skandierte: "Jude, Jude feiges Schwein, kommm heraus und kämpf allein!", "Hamas, Hamas, Juden ins Gas!", "Kindermörder Israel!" - Ich ahnte, wo das hinführt. Denk ich an Deutschlands Juden in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Wir hatten ja kaum die gewaltbereiten jungen Männer arabischer Provenienz vor der Einwanderungswille im Griff.

Die Einwanderungspolitik ist auf ganzer Linie gescheitert und Merkel muss weg. Zu dieser Überzeugung bin ich in den letzten drei Jahren gekommen. Und ich mittlerweile vollstes Verständnis, wenn die Wut auf die Berichterstattung wächst. Denn es gibt ein Asymmetrie: Ist es eine linke Demo, die in verwüsteten Schaufenstern und Pkws endet, dann wird immer betont, wie friedlich die Mehrheit doch war und dass da nur ein paar Chaoten waren. Hier aber in Chemnitz ist ja praktisch nichts geschehen. Im Spiegel-TV-Beitrag hat der arabische Ladenbesitzer selber gesagt, die Fensterscheibe blieb heile. Weil aber ein paar Leute eine rechtsextremistische Haltung offenbarten, erfindet man einen Mob.

Und wenn ich dann heute auf SPON lese, wie sich die "Stars" wieder selber feiern, weil sie "gegen rechts" in Chemnitz abgerockt haben, da könnte ich echt kotzen. Daniel H. ist wahrscheinlich noch nicht einmal beerdigt. Es werden in Deutschland Menschen erstochen und diesen linken Bessermenschen fällt nichts anderes ein, als vor "rechts" zu warnen und schwachsinnige Konzerte zu geben. Man will sich selber in Szene setzen, als der sittlich bessere Mensch. Hat dieser Campino-Troll nicht gerade erst gegen Farid Bang und Kollegah das Wort erhoben? Zurecht! Merkt er nicht, dass wir viele kleine Farid Bangs und Kollegahs ins Land geholt haben?

Ich habe mittlerweile sogar Verständnis für die Lügenpresse-Skandierer. Ich lehnte das einst ab, weil es vorrangig um Putin ging, und jede Kritik an Putin als "Hetze" diffamiert wurde. Es wurde gelogen, dass die deutschen Medien Pro-Putin-Positionen zu wenig Raum gäben, was ja gelogen ist, wenn man sich die vielen Talkshows mit Dirk Müller und Frau Krone-Schmalz anschaut. Hatte Putin nicht seine Sondersendung bei Jauch oder Anne Will? Aber im Falle von Chemnitz, macht die Lügenpresse ihrem Namen alle Ehre.

Ich habe dort fünf Jahre gelebt, bis vor zehn Jahren. Ich konnte nachts durch die Straßen und den dunklen Park gehen. Ich habe einmal in den fünf Jahren einen fetten Nazi-Klops gesehen. Der war stark tätowiert, hatte Glatze und entsprechende Stiefel. Auf dem T-Shirt stand in alt-englischer Schrift: "Good old Germany".

Die Kaltschnäuzigkeit, die bei Befürworten der "Willkommenskultur" erlebe, macht mich baff. Ich muss es hier schildern. Ein Kollege von mir wohnt in Oldenburg, wo vor ein paar Monaten ein Araber einen anderen Araber in der Fußgängerzone erdolcht hat:

https://www.nwzonline.de/oldenburg/blaul...1774201325.html

Mein Kollege meinte, er sei ja nicht betroffen und das wäre statistisch nicht relevant. Nun könnte man erwidern: Die "Schiffbrüchigen" auf dem Mittelmeer betreffen mich auch nicht und statistisch relevant sind sie auch nicht.

Ich möchte in keinem Land leben, es normal wird, Streitigkeiten mit dem Messer auszutragen. Aber genau das scheinen wir ins Land geholt zu haben:

https://www.mmnews.de/vermischtes/84839-...esmal-oldenburg

Frank2000 Offline




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04.09.2018 00:23
#22 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

"Solche Umfragen sind nicht das Papier wert auf denen sie stehen. Wer wurde gefragt? "

Mag sein. Allerdings deckt sich diese Umfrage mit meiner Alltagserfahrung. Und das macht die Aussage glaubwürdig.

Ich bin ja auch erschüttert, wie PLUMP die Propaganda ist. Da wird von einem Mob und von Hetzjagden gesprochen und wenn man sich auf YouTube den Kram ansieht, dann wirkt das wie eine Altherren-Karnevalsveranstaltung. Kein Vergleich - ach was LICHTJAHRE entfernt von den Bildern, die man von linken Demos kennt.

Die Propaganda und die dazu gelieferten Bilder sind derart weit auseinander, dass ich mich immer wieder frage, wie darauf jemand reinfallen kann.

Aber, werter Llarian, es funktioniert. Ohne wenn und aber, da nützt das ganze philosophieren nichts: die Propaganda hat brachialen Erfolg. In meinem Umfeld ist das Narrativ von der rechtsradikalen AfD und von rechtem Mob, der mordend und brennend durch die Straßen zieht, wie eine Religion eingebrannt. Es ist vollkommen sinnlos anzumerken, dass die Presse bis jetzt jeden Beweis dafür schuldig geblieben ist.

In so weit halte ich die Umfrage für glaubwürdig.

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DrNick Offline




Beiträge: 639

04.09.2018 09:28
#23 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #8
Wie ich an anderer Stelle bereits zitiert habe, sprachen sich bei einer Umfrage 75% der Befragten für eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz aus.


Erst einmal sind es nur 57%, und zweitens ist die Umfrage ein wunderbares Beispiel dafür, wie man als empirischer Sozialwissenschaftler nicht zu arbeiten hat. Näheres hier:

https://sciencefiles.org/2018/09/03/cive...s-faktenfinder/

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.802

04.09.2018 10:24
#24 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Ich habe versucht, die von mir behaupteten 75% zu finden - habe aber ebenfalls nur die 57% gefunden. Deswegen muss ich wohl tatsächlich einen Zahlendreher im Kopf gehabt haben.

Danke für die Korrektur!

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R.A. Offline



Beiträge: 7.632

04.09.2018 10:33
#25 RE: Chemnitz und die Plattentektonik der deutschen Politik antworten

Zitat von Rapsack im Beitrag #14
Ich habe das Gefühl, dass wir eine Komunikation erleben von Seiten der Regierung und den Medien etc. die zwar von Komunikationsexperten geführt und organisiert wird, die aber mit den Möglichkeiten des Internets noch nicht so richtig umgehen können.

Es mag noch Einige geben, die mit den Möglichkeiten des Internets überfordert sind. Aber das halte ich nicht für das Kernproblem.

Vielmehr habe ich den Eindruck, daß Hauptstadtjournalisten (incl. Hamburg) und Spitzenpolitiker mitsamt ihren Kommunikationsexperten viel zu sehr nur in der eigenen Blase unterwegs sind und daher tatsächlich glauben, im wesentlichen hätten (bis auf ein paar Verhetzte und Spinner) die Menschen "draußen im Lande" dieselbe Weltsicht wie sie. Ab und zu wird auch mal etwas gelogen, wenn Details nicht ins Weltbild passen - aber auch das eher "gut gemeint", weil man ja glaubt, daß diese Details untypisch sind und man daher zu Recht die "wirkliche" Lage darstellt.
Insofern ist m. E. auch "Lügenpresse" weitgehend falsch, weil "Lügen" ja impliziert, daß es jemand besser weiß und absichtlich falsch darstellt. Ich glaube aber schon, daß die Typen im Hauptstadtstudio etc. fest davon überzeugt sind, daß sie die Lage korrekt darstellen - schließlich teilen alle Leute die sind auf Parties treffen dieselbe Weltsicht.

Analog sind wohl viele "Argumente" von Regierungspolitikern (incl. Grüne) zwar für uns völlig daneben, aber aus deren Sicht richtig und überzeugend. Die merken gar nicht mehr, wie sie an vielen Wählern vorbei reden.

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