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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 83 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Llarian Offline



Beiträge: 5.571

12.07.2015 10:50
Petry und die Filterblase Antworten

Eine kleine Bemerkung zu einer Feedbackschleife.

Frank2000 Online




Beiträge: 2.626

12.07.2015 12:46
#2 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Über Handytastatur ist die Antwort mühsam...
Was in Ihrem Arzikel fehlt, meiner Meinung nach sind ein paar Hinweise darauf, was genau Petrys Ziel so unrealistisch macht.

Aus den Stimmen der Wahlbeteiligzen zu schöpfen ist schon deswegen unwahrscheinlich, weil das ja in den letzten Wählen möglich gewesen wäre. Zu mal die Gruppe der Stammwähler in DE immer noch hoch ist.

Bleibt also die Gruppe der Nichtwähler. Die war bei der letzten Buwahl wie hoch? 30%? Damit Petry auf eine eigene Mehrheit kommt, müsste sie also nicht nur alle Nichtwähler abfischen, sondern auchnoch 20% Wechselwähler.

Der Punkt ist ja der: je mehr Nichtwähler wieder an die Urnen gebracht werden, desto mehr sinkt der prozentuale Anteil einer Stimme.

Absolute Mehrheit aller Wahlberechtigten können wir also ausschließen - nicht mal Petry kann das glauben.

Absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen können wir auch ausschließen.

Bleibt also nur noch die Möglichkeit, dass die AfD die prozentual stärkste Partei würde. Abseits der Frage, ob das in DE möglich wäre: dann bräuchte die AfD immer noch einen Koalitionspartner. Wer sollte das sein? Eine geschrumofte CDU?

Deswegen hatte Lucke ja auch einen anderen Plan: den etablierten Parteien über abgejagte Sitze so weh zu tun, dass bei rinzelnen Sachthemen gegengesteuert werdenmuss. Wörtlich sagte Lucke, es sei ihm egal, ob die AfD selbst eine Korrektur vernimmt oder ob die anderen Parteien es tun auf Grund der blosen Existenz der AfD.

Petry und Gauland verstehen die AfD aber als Erweckungspartei - und phantasieren sich eben solche Wahlgewinne herbei, wenn das deutsche Volk nur erst erwacht ist.

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

Llarian Offline



Beiträge: 5.571

12.07.2015 13:18
#3 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #2
Was in Ihrem Arzikel fehlt, meiner Meinung nach sind ein paar Hinweise darauf, was genau Petrys Ziel so unrealistisch macht.

Ich bin davon ausgegangen, dass das im Wesentlichen eigentlich auf der Hand liegt. Das meiste haben Sie ja schon geschrieben, aber ein bischen was möchte ich ergänzen:
Die 30% "Nichtwähler" sind ja nicht alles Frustrierte, es sind jede Menge dabei die gar nicht wählen wollen, weil sie das ganze schlicht nicht interessiert. Wieder andere sind krank, alt oder dement und haben gar nicht mehr die Möglichkeit zu wählen. Das wirkliche Potential von Frustrierten wird, glaube ich, massiv überschätzt. Dazu kommt eine wichtige Beobachtung, die ja auch Luckes Kalkül entspricht:
Wenn die AfD diese Wähler einsammelt interessiert das die etablierte Politik genau null. Denn damit bleibt das Stimmengewicht innerhalb des Spektrums der Parteien immer noch erhalten. Wenn da eine sechste Kraft sitzt, mit der aber niemand was zu tun haben will, ist das von mathematischem Interesse, hat aber keine Auswirkung auf die Machtbeteiligung. Anders wäre es, wenn die AfD die heute bei der Union landenden Stimme bedrohen würde. Das würde Frau Merkel schon weh tun, denn Juniorpartner will sie nicht sein. So lange Frau Petry aber stramm nach rechts marschiert, und nur Stimmen einsammelt von Leuten, die ohnehin nicht die CDU gewählt haben, kann ihr das ziemlich egal sein.
Ich glaube wem die jetzige, respektive zukünftige, AfD am meisten weh tun wird, ist die SED.

Zitat
Petry und Gauland verstehen die AfD aber als Erweckungspartei - und phantasieren sich eben solche Wahlgewinne herbei, wenn das deutsche Volk nur erst erwacht ist.


Und genau das haben sie mit ihren divsersen extremistischen Vorgängern, links wie rechts, gemeinsam. Und alle sind gescheitert.

Nola Offline



Beiträge: 1.719

12.07.2015 14:05
#4 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat

Ich glaube wem die jetzige, respektive zukünftige, AfD am meisten weh tun wird, ist die SED.
Zitat:

Dann hätte es wenigstens etwas Gutes.

Zitat:
Petry und Gauland verstehen die AfD aber als Erweckungspartei - und phantasieren sich eben solche Wahlgewinne herbei, wenn das deutsche Volk nur erst erwacht ist.



Das Problem ist doch, daß aktuell so viele inländische Probleme nicht angesprochen bzw. gedeckelt und nicht gelöst werden. So lange verantwortliche Regierungs-Politik dieses Feld brach liegen läßt ist Tür und Tor geöffnet für eine Übernahme. Die Wähler haben ja nicht die AFD gewählt um einen Rechtsruck zu etablieren, ich glaube es war der Person Lucke und seiner gesunden Einschätzung zur EU und deren Finanzgebaren zu verdanken. Warum soll der Wählerwille sich dahingehend geändert haben.

Nun gut, im Zusammenhang der jetzigen und für jeden Bürger unverständlichen aller-aller-aller-letzten Chance mit der flehentlichen Bitte an die Griechen, doch unser Geld anzunehmen, kann es auch bei einigen Bürgern ein "die machen wenigstens überhaupt was" - Wahlverhalten geben.

♥lich Nola

---------------------------

Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

TF Offline



Beiträge: 260

12.07.2015 15:00
#5 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Dass eine Partei die absolute Mehrheit haben will, ist doch vollkommen normal.

Ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber was könnte eine Partei überhaupt noch vertreten, wenn sie nur Ziele verfolgen wollte, die in absehbarer Zeit erreichbar sind? Da bliebe z. B. für eine liberale Partei in Deutschland wenig übrig. Und was realistisch ist, kann sich durchaus ändern. 2002 wurde die FDP für ihr 18%-Ziel belächelt. 2009 erreichte sie dann immerhin 81% davon.

Llarian Offline



Beiträge: 5.571

12.07.2015 16:08
#6 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von TF im Beitrag #5
Dass eine Partei die absolute Mehrheit haben will, ist doch vollkommen normal.

Ich will auch im Lotto gewinnen. Ist auch normal. Allein, es wird nicht passieren.

Zitat
2002 wurde die FDP für ihr 18%-Ziel belächelt. 2009 erreichte sie dann immerhin 81% davon.


Ich wusste das das kommt. Nur hat eben jene Partei eine jahrzehntelange Geschichte und ein sehr lange Tradition, ebenso wie eine Stammwählerschaft und nebenbei vielleicht 50.000 Mitgliedern. Die 18% waren in sich unrealistisch, aber eben nicht vollkommen absurd. Und sie waren natürlich auch ein Statement dahingehend, dass man eben nicht ein Anhängsel ist sondern auch durchaus gestalten will. Aber auch die FDP hat nie Statements von absoluten Mehrheiten aufgestellt, obschon sie dieser mit Sicherheit deutlich näher war als die AfD.

Was ist dagegen die AfD ? Es wäre etwas völlig anderes, wenn Frau Petry verkünden würde, man strebe zunächst einmal stabile fünf oder sechs Prozent an an, wolle ein Stachel im Fleisch der CDU sein, wolle die Möglichkeiten einer Bundestagsfraktion nutzen, und werde über die nächsten Jahre kontinuierlich wachsen (was sich in etwa mit dem deckt, was Lucke geplant hatte). Alles denkbar. Anspruchsvoll, aber denkbar. Wenn man sich aber gerade selber mit Anlauf in den Fuß geschossen hat und vermutlich demnächst ums Überleben kämpfen darf, wenn etliche wichtige Leute gerade die Partei verlassen haben und man gerade zumindest in Umfragen fast die Hälfte seiner Wählerschaft verloren hat, dann sind solche Ansprüche einfach vollkommen lächerlich. Sollte die AfD wirklich einmal eine Mehrheit in Deutschland erreichen (wir erinnern uns an den SV Meppen) dann wird das selbst unter sehr optimistischen Annahmen Jahrzehnte dauern. Bis dahin kann Frau Petry vielleicht die Alterspräsidentin des sächsischen Parlamentes geben, aber sie wird nie etwas in dieser Richtung gestalten. Die Grünen, als letzte erfolgreiche Parteigründung in Deutschland, haben so um die 2-3 Jahrzehnte gebraucht um aus der Amateurecke in die echte Gestaltung zu kommen. Und von einer absoluten Mehrheit sind sie mindestens die selbe Zeit entfernt, selbst wenn sie ähnlich absurd denken würden wie Frau Petry.

saxe Offline



Beiträge: 91

12.07.2015 19:49
#7 RE: Petry und die Filterblase Antworten

aus Wikipedia: "Bei der Europawahl 2014 war der FN mit 24,86 % der Wählerstimmen die französische Partei, die die meisten Wählerstimmen erhielt."
Vielleicht hatte die Dame derlei im Hinterkopf

Emulgator Offline



Beiträge: 2.341

12.07.2015 20:19
#8 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von saxe im Beitrag #7
aus Wikipedia: "Bei der Europawahl 2014 war der FN mit 24,86 % der Wählerstimmen die französische Partei, die die meisten Wählerstimmen erhielt."
Vielleicht hatte die Dame derlei im Hinterkopf
Also mit dem FN habe man ja gar nichts zu tun, so Petry in demselben FAZ-Interview.

Im Übrigen: Wenn man >50% Stimmenpotential hätte, hätten schon die etablierten Parteien sich dort durch entsprechende Programmatik bedient. Die Gründung der AfD ist also ein Beweis dafür, daß das Stimmenpotential so nicht existieren kann; allenfalls sehr langfristig, nach mehreren Generationen.

RichardT Offline




Beiträge: 284

12.07.2015 20:21
#9 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Mal kurz den aktuellen Zustand der AfD beiseite gelassen.

Angenommen die AfD schafft es in den nächsten Monaten Jahren bis zur BT Wahl halbwegs vernünftig zu erscheinen. Und weiter angenommen unsere große Koalition samt den anderen etablierten Parteien macht mit dem "Wir schicken Geld nach Griechenland" wie bisher weiter, dann hat die AfD ein großes Stimmenpotential.

Ich kenn in meinem Bekanntenkreis inzwischen niemand der nicht die Nase voll von Hilfsgeldern nach Griechenland hat.

Und ich glaube einige wären auch bereit ihre Stimme einer Partei am Rand zu geben, nur daß diese Endlosschleife von Reformversprechen Geldüberweisung Nichthalten der Versprechen endlich mal aufhört.

Ich glaube und erfahre aus meinem Bekanntenkreis, daß die Geduld vorbei ist und die Menschen wollen, daß was passiert. Und wenn die Koalition nmicht bereit ist was zu ändern, dann ist vieles zu befürchten. Denn ich glaube auch, daß sogar irgendwann die Deutschen auf die Barrikaden gehen.

Kurz gesagt: Wenn unsere Bundesmutti wieder einknickt, wen willst denn dann wählen?

--------------------------------------------------

Wer ist John Galt?

Werwohlf Offline




Beiträge: 997

12.07.2015 21:12
#10 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von RichardT im Beitrag #9
Wenn unsere Bundesmutti wieder einknickt, wen willst denn dann wählen?
CDU natürlich. Oder SPD. Oder die Grünen. Es sei denn, es gibt irgendwo einen "Skandal". So wählt Deutschland heute.

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

saxe Offline



Beiträge: 91

12.07.2015 21:59
#11 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #10
Zitat von RichardT im Beitrag #9
Wenn unsere Bundesmutti wieder einknickt, wen willst denn dann wählen?
CDU natürlich. Oder SPD. Oder die Grünen. Es sei denn, es gibt irgendwo einen "Skandal". So wählt Deutschland heute.


Nicht nur. Eine AfD hat es ziemlich aus dem Stand über einige Hürden geschafft. Und dass die durch jahrzehntelange mediale Gehirnwäsche im Wahlverhalten geprägten Alten auf die Wahlergebnisse abnehmend Einfluß haben, könnte ja neben vielem anderen auch noch eine Rolle zu spielen haben.
Der FN ist doch analog zur AfD hierzulande ein Schmuddelkind, mit dem man nicht zu spielen hat. Trotzdem das Wahlergebnis s.o. bei der Europawahl.
Nur auf diese Analogie bezog ich die Vermutung, inhaltliche Unterschiede hin oder her.

Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.610

12.07.2015 23:17
#12 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von saxe im Beitrag #11
Zitat von Werwohlf im Beitrag #10
Zitat von RichardT im Beitrag #9
Wenn unsere Bundesmutti wieder einknickt, wen willst denn dann wählen?
CDU natürlich. Oder SPD. Oder die Grünen. Es sei denn, es gibt irgendwo einen "Skandal". So wählt Deutschland heute.


Nicht nur. Eine AfD hat es ziemlich aus dem Stand über einige Hürden geschafft. Und dass die durch jahrzehntelange mediale Gehirnwäsche im Wahlverhalten geprägten Alten auf die Wahlergebnisse abnehmend Einfluß haben, könnte ja neben vielem anderen auch noch eine Rolle zu spielen haben.
Der FN ist doch analog zur AfD hierzulande ein Schmuddelkind, mit dem man nicht zu spielen hat. Trotzdem das Wahlergebnis s.o. bei der Europawahl.
Nur auf diese Analogie bezog ich die Vermutung, inhaltliche Unterschiede hin oder her.



Die Ablehnung für Rechtsaußenpositionen nur "Gehirnwäsche" der letzten Jahrzehnte? Mitnichten.

Für einigen Jahrzehnten war Rechtsaußen weiter rechts und die Medien noch nicht grünrot dominiert. Die Zeit war mal eine nicht-linke Zeitschrift (allerdings liberal, nicht konservativ) und so mancher ÖR-Rundfunk war von einer deutlich weiter rechts stehenden CDU dominiert (nicht der WDR natürlich).

Und die von diesen Medien geprägten Alten wollen mit Rechtsaußen-Parteien neben der CDU nichts zu tun haben. Sie meinen, jüngere wollten im Schnitt mehr mit ihnen zu tun haben? Political Correctnes hängt zwar sehr vielen zum Halse raus, das macht sie aber eben gerade nicht rechts, auch wenn PC-Anhänger dies immer wieder behaupten. Der Hammer ist eigentlich, das rechtsaußen Stehende den PC-Wächtern tatsächlich auf den Leim gehen und diesen glauben (vermutlich, weil sie es glauben wollen), die Mitte der Gesellschaft sei rechts.

Ist sie nicht.

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“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

13.07.2015 09:22
#13 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von TF im Beitrag #5
Dass eine Partei die absolute Mehrheit haben will, ist doch vollkommen normal.

Daß sie es will, ist klar.
Daß sie es aber als realisierbares Ziel ausgibt, ist nur in wenigen Situation so realitätsnah, daß man sich nicht damit lächerlich macht.

Für eine "normale" Partei ist es auch nicht nötig, so ein unrealistisches Ziel zu propagieren. Weil bekannt ist, daß sie wenigstens einen Teil ihrer Ziele in einer Koalition erreichen kann.

Bei der AfD ist aber klar, daß niemand mit ihr koalieren will (und wahrscheinlich wollen auch Petry und Co. sich ihre reine Lehre nicht durch einen Kompromiß mit einer "Altpartei" verwässern lassen). Da bleibt dann die die Utopie "absolute Mehrheit" die einzige Möglichkeit, überhaupt irgendeine Forderung durchzusetzen.

Und Llarian hat völlig recht: Das zeigt sehr gut, daß die neue AfD-Führung ist geistige Niemandsland abgedriftet ist.

augustin Offline



Beiträge: 128

13.07.2015 10:41
#14 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #12
Die Ablehnung für Rechtsaußenpositionen nur "Gehirnwäsche" der letzten Jahrzehnte? Mitnichten.


Das hat 'saxe' nicht geschrieben.

Zitat
Für einigen Jahrzehnten war Rechtsaußen weiter rechts und die Medien noch nicht grünrot dominiert. Die Zeit war mal eine nicht-linke Zeitschrift (allerdings liberal, nicht konservativ) und so mancher ÖR-Rundfunk war von einer deutlich weiter rechts stehenden CDU dominiert (nicht der WDR natürlich).

Und die von diesen Medien geprägten Alten wollen mit Rechtsaußen-Parteien neben der CDU nichts zu tun haben.



Demzufolge müssten die (noch) medial konservativ geprägten Zuschauer nach der medialen Machtübernahme der Linken die Glotze ausgeschaltet haben.

Zitat
Sie meinen, jüngere wollten im Schnitt mehr mit ihnen zu tun haben?



Das ist statistisch in der Tat evident, war allerdings auch schon in den 80ern und 90ern so. Die stärkere Verankerung von Rechtsparteien bei jungen Männern dürfte aber aus meiner Sicht eher mit dem Phänomen "Sturm und Drang" zu tun haben.

Zitat
Der Hammer ist eigentlich, das rechtsaußen Stehende den PC-Wächtern tatsächlich auf den Leim gehen und diesen glauben (vermutlich, weil sie es glauben wollen), die Mitte der Gesellschaft sei rechts.

Ist sie nicht.



Aus meiner Sicht ein klassischer Strohmann. Der typische Rechte ist sich nach meinen Erfahrungen seines gesellschaftlichen Minderheitenstatus absolut bewusst.

Es gibt rechte Positionen, die durchaus gesellschaftlichen Widerhall finden, aber das ist auch mit linken, grünen oder liberalen Positionen so.

Wenn solche Positionen vom Mainstream ignoriert oder sogar marginalisiert werden, kann es schon mal passieren, dass das Thema auch größeren Teilen der Bevölkerung auf den Nägeln brennt, aber das macht diese Menschen nicht zu Rechten im Sinne eines geschlossenen konservativen Weltbildes.

augustin Offline



Beiträge: 128

13.07.2015 11:00
#15 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #13
Bei der AfD ist aber klar, daß niemand mit ihr koalieren will (und wahrscheinlich wollen auch Petry und Co. sich ihre reine Lehre nicht durch einen Kompromiß mit einer "Altpartei" verwässern lassen).


Welche "reine Lehre" denn? Ich beobachte Petry nun schon eine Weile und mir ist da noch nicht viel ideologische Programmatik aufgefallen.

Der hauptsächliche Unterschied zu Lucke ist nach meiner Wahrnehmung die taktische Ausrichtung innerhalb und außerhalb der Partei.

Zitat
Da bleibt dann die die Utopie "absolute Mehrheit" die einzige Möglichkeit, überhaupt irgendeine Forderung durchzusetzen.



Ich glaube kaum, dass sie die absolute Mehrheit meinte. Aber ich kann keine Gedanken lesen.

Zitat
Und Llarian hat völlig recht: Das zeigt sehr gut, daß die neue AfD-Führung ist geistige Niemandsland abgedriftet ist.



Das wünschen Sie sich sicherlich.

Jedoch ist ein einzelner Satz - ob er nun dumm ist oder schlau - ein sehr schwaches Indiz dafür, ob jemand "geistig abdriftet". Insbesondere wenn noch nicht einmal klar ist, wie dieser Satz gemeint ist und warum er ausgesprochen wurde.

Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.610

13.07.2015 11:53
#16 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat


Demzufolge müssten die (noch) medial konservativ geprägten Zuschauer nach der medialen Machtübernahme der Linken die Glotze ausgeschaltet haben.



Mitnichten. Warum auch? Der Punkt ist doch, dass diese eben nicht "Jahrzehnte lang dressiert" sind, wie behauptet wurde. Zumindest nicht von der heutigen linken.

Zitat

Das ist statistisch in der Tat evident, war allerdings auch schon in den 80ern und 90ern so. Die stärkere Verankerung von Rechtsparteien bei jungen Männern dürfte aber aus meiner Sicht eher mit dem Phänomen "Sturm und Drang" zu tun haben.



Eben. Jugendlicher Überschwang. Nicht nachhaltig, keine wirklich Verschiebung des politischen Fokus.

Zitat
Der typische Rechte ist sich nach meinen Erfahrungen seines gesellschaftlichen Minderheitenstatus absolut bewusst.



Aber er hält die Mehrheit des Volkes für noch nicht erwachte Rechte. Und er kann sie erwecken. Petry will sich da nun aufmachen. Sie wird keine 10% erreichen. Vermutlich nicht einmal 5%. Zumindest nicht in Gesamtdeutschland.

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― Robert A. Heinlein

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

13.07.2015 13:14
#17 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von augustin im Beitrag #15
Der hauptsächliche Unterschied zu Lucke ist nach meiner Wahrnehmung die taktische Ausrichtung innerhalb und außerhalb der Partei.

Ob man gewisse Gruppen in der Partei haben will ist keine rein taktische Frage, sondern da geht es inhaltlich um den Kern der Partei.

Zitat
Ich glaube kaum, dass sie die absolute Mehrheit meinte.


Was soll denn mit "eigener Mehrheit" sonst gemeint sein?

Zitat
Jedoch ist ein einzelner Satz - ob er nun dumm ist oder schlau - ein sehr schwaches Indiz dafür, ob jemand "geistig abdriftet".


Als Indiz kann ein einzelner Satz durchaus stark sein. Gerade wenn er sehr dumm oder sehr schlau ist.
Zum Gesamturteil braucht es natürlich mehr als nur ein Indiz.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 9.637

13.07.2015 15:31
#18 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #10
Zitat von RichardT im Beitrag #9
Wenn unsere Bundesmutti wieder einknickt, wen willst denn dann wählen?
CDU natürlich. Oder SPD. Oder die Grünen. Es sei denn, es gibt irgendwo einen "Skandal". So wählt Deutschland heute.


Ganz zurecht. Denn Mutti hat Europa gerettet, den €uro, die Griechen & das Geld der Deutschen auch noch. Und bei der nächsten Runde in 3 Monaten wird man sich daran erinnern, daß man sich blind auf sie verlassen kann.

http://www.wahlrecht.de/umfragen/emnid.htm

Wie kocht man noch mal Hummer?



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

TF Offline



Beiträge: 260

13.07.2015 17:16
#19 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #6
Bis dahin kann Frau Petry vielleicht die Alterspräsidentin des sächsischen Parlamentes geben, aber sie wird nie etwas in dieser Richtung gestalten. Die Grünen, als letzte erfolgreiche Parteigründung in Deutschland, haben so um die 2-3 Jahrzehnte gebraucht um aus der Amateurecke in die echte Gestaltung zu kommen. Und von einer absoluten Mehrheit sind sie mindestens die selbe Zeit entfernt, selbst wenn sie ähnlich absurd denken würden wie Frau Petry.


Selbst wenn man über Spinnereien aus ihrer Frühzeit (a la Computerboykott oder Pädophilen-Lobbyismus) gnädig hinwegsieht, vertreten die Grünen aus liberaler Sicht derart viel Quatsch, dass sich Petry noch gewaltig ins Zeug legen müsste, um auch nur annähernd mitzuhalten - Linkspopulismus ohne Ende, bizarrer CO2-Kult, Energiewende, Gender-Ideologie, Bevormundungsphantasien auf so ziemlich allen Gebieten und ganz vieles mehr. Ganz abgesehen davon verhindern weder absurde Inhalte Wahlerfolge (siehe Grüne und SED) noch kaum vorhandene Inhalte (z. B. CDU).

Wenn Sie die AfD für eine spinnerte Rechtsaußensekte halten, die eh bald weg ist vom Fenster, warum beschäftigen Sie (und ein, zwei andere hier) sich dann so mit ihr und blasen eine eher belanglose Äußerung von Petry dermaßen auf?

TF Offline



Beiträge: 260

13.07.2015 17:22
#20 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #13

Bei der AfD ist aber klar, daß niemand mit ihr koalieren will (und wahrscheinlich wollen auch Petry und Co. sich ihre reine Lehre nicht durch einen Kompromiß mit einer "Altpartei" verwässern lassen). Da bleibt dann die die Utopie "absolute Mehrheit" die einzige Möglichkeit, überhaupt irgendeine Forderung durchzusetzen.


Wenn die AfD dauerhaft größere Stimmenanteile gewinnen sollte, würde sie natürlich nicht dauerhaft ausgegrenzt. Jetzt, wo die AfD im Bundestag und auch in vielen Landtagen gar nicht vertreten ist, und dort wo sie drin ist, es meist eine rot(-rot)-grüne Mehrheit gibt, kann man natürlich eine Koalition leicht ausschließen, ohne sich Machtoptionen zu verbauen. Schill war sicher nicht seriöser als Petry, trotzdem haben CDU und FDP mit ihm koaliert.

augustin Offline



Beiträge: 128

13.07.2015 17:36
#21 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #17

Ob man gewisse Gruppen in der Partei haben will ist keine rein taktische Frage, sondern da geht es inhaltlich um den Kern der Partei.


Das sehe ich anders. Churchills Bündnis mit Stalin machte Churchill nicht zum Kommunisten und Stalin nicht zum Konservativen.

Sicherlich wird sich eine Allianz mittelfristig auf die Ziele der Bündnispartner auswirken, die im Regelfall einen Kompromiss der Interessen darstellen. Dieser Kompromiss stellt allerdings naturgemäß nicht den Wunschzustand der einzelnen Bündnispartner dar.

Das mag man jetzt für Beckmesserei halten, aber mich erstaunt etwas das Bild, das hier im Forum von Petry als ideologisch bornierter rechter (rechtsradikaler?) Hardlinerin gezeichnet wird. Das entspricht nicht meiner Wahrnehmung von einer Frau, die das Kopftuchurteil des BVerfG begrüßte und sich dafür Shitstürme der Islamkritiker zuzog oder vor dem Bruch mit Lucke die Konfrontation mit Höcke suchte.

Zitat
Was soll denn mit "eigener Mehrheit" sonst gemeint sein?



Zum Beispiel eine relative Mehrheit. Was sicherlich im Hinblick auf den momentanen Zustand der AfD immer noch ein ausgesprochen ambitioniertes Ziel wäre, aber im Hinblick auf ein zunehmend zersplittertes Parteiensystem eine andere Qualität hätte als die 50%+x.

Ich lese jedenfalls primär heraus, dass Petry für die AfD einen eigenständigen Führungs- und Gestaltungsspielraum anstrebt und die AfD zu einer konservativen Volkspartei machen will. Aber da ist zugebenermaßen ebenso wie bei Ihrer Interpretation der Wunsch der Vater des Gedanken.

augustin Offline



Beiträge: 128

13.07.2015 17:51
#22 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #16
Mitnichten. Warum auch? Der Punkt ist doch, dass diese eben nicht "Jahrzehnte lang dressiert" sind, wie behauptet wurde. Zumindest nicht von der heutigen linken.


Dann müssten wir herausfinden, wann und wie sich die erdrückende linke Mehrheit im Medienbetrieb konkret manifestiert hat. Ich bin Mitte der 80er geboren und kann das aus dem Stand heraus nicht abschließend beurteilen.

Ich vermute allerdings, dass 1988 - 20 Jahre nach 1968 - da schon sehr viel im Argen lag. Das wären bis heute 27 Jahre.

Zitat
Eben. Jugendlicher Überschwang. Nicht nachhaltig, keine wirklich Verschiebung des politischen Fokus.



Da vereinfachen Sie die Sache aber dann doch ein bisserl stark. Die europäischen Rechtsparteien haben seit Jahren - teilweise Jahrzehnten - stabile Wählermilieus. Der jugendliche Überschwang spielt primär eine Rolle, wenn sich eine Partei konstituiert und der Mainstream mit Ausgrenzung und Marginalisierung reagiert. Was den jungen Rebellen eher anzieht als abschreckt.

Mit der Zeit nutzt sich das ab.

Zitat
Aber er hält die Mehrheit des Volkes für noch nicht erwachte Rechte.



Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer keine Hoffnung hat, gesellschaftliche Mehrheiten zu erreichen oder wenigstens politisch in die Gesellschaft hinein zu wirken, der kann die Politik sein lassen.

Warum machen Sie liberale Politik?

Llarian Offline



Beiträge: 5.571

13.07.2015 20:04
#23 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von TF im Beitrag #19
Selbst wenn man über Spinnereien aus ihrer Frühzeit (a la Computerboykott oder Pädophilen-Lobbyismus) gnädig hinwegsieht, vertreten die Grünen aus liberaler Sicht derart viel Quatsch, dass sich Petry noch gewaltig ins Zeug legen müsste, um auch nur annähernd mitzuhalten - Linkspopulismus ohne Ende, bizarrer CO2-Kult, Energiewende, Gender-Ideologie, Bevormundungsphantasien auf so ziemlich allen Gebieten und ganz vieles mehr.

Eine Menge von dem, was Sie (und ich) als Quatsch identifizieren, ist derzeit durchaus gesellschaftlicher Mainstream. Wir können dagegen sein, es für Unsinn halten, für Spinnerei oder Phantasmus, es ändert ja nichts daran, dass es mehrheitsfähig ist. Der Punkt ist aber ein gänzlich anderer: Die Grünen vertreten eine Menge Spinnerein, aber inzwischen in einer vergleichsweise professionellen Art und Weise. Sie sind schlicht und einfach etabliert und es hat lange gedauert bis sie das waren. Davon ist die AfD weit entfernt.

Zitat
Wenn Sie die AfD für eine spinnerte Rechtsaußensekte halten, die eh bald weg ist vom Fenster, warum beschäftigen Sie (und ein, zwei andere hier) sich dann so mit ihr und blasen eine eher belanglose Äußerung von Petry dermaßen auf?


Aus zwei Gründen, lieber TF:
Zum einen halte ich die AfD nicht, oder noch nicht, für eine spinnerte Rechtsaußensekte. Ich sehe allerdings eine klare Entwicklung dahin. Die AfD unter Professor Lucke war eine Partei, bei der ich mir in ihrer Gründerzeit oft und mehrfach Gedanken gemacht habe, ob ich eintreten sollte. Denn auch wenn ich kein Konservativer bin, so habe ich deutlich mehr Übereinstimmung mit den Positionen von Lucke (später auch und gerade auch Henkel) gesehen als mit anderen Parteien. Ich habe es deswegen nicht gemacht, weil ich nicht so kurzfristig in eine andere Partei eintreten wollte, wo ich gerade aus einer anderen ausgetreten war. Aber ich habe selbstredend die AfD gewählt und halte die Gründe, warum Lucke und andere sie gegründet haben, für immer noch absolut aktuell und wichtig. Umso schwieriger ist es damit umzugehen, wenn etwas, was eigentlich sehr wichtig ist, auf diese Art und Weise vor die Wand fährt. Das alleine rechtfertigt eine Beschäftigung mit der Partei.

Der zweite Grund ist hier allerdings der für mich wichtigere: Es ging gar nicht so sehr um die AfD, sondern die Beobachtung dieser Realitätsverzerrung, die ich tatsächlich nun in meinem bisherigen Leben einige Male beobachten durfte. Es ist mit das erste mal richtig aufgefallen als ich die extreme Linke auf der Uni kennengelernt habe, die so 100% in ihrem Weltbild sicher waren, dass es für diese nicht einmal im Bereich des Möglichen lag, dass sie nicht in einer Mehrheit sein könnten. Die Welt war schwarz und weiss, beherscht von Konzernen, die die breite Mehrheit der Menschen unterdrückt, die ja nichts anderes wollen als befreit werden. Wichtig an der Stelle ist: Die haben das wirklich geglaubt. Und glauben es mit aller Sicherheit noch heute. Später habe ich genau das selbe im braunen Rand des Internets wiedergefunden. Auch dort bestand für einige gar nicht die Möglichkeit, dass sie sich in einer Minderheit befinden könnten. Oder das jemand, der alle "Fakten" kennt, auch nur irgendeinen Zweifel an der Interpretation durch die Vordenker haben könnte. Es scheint sich um eine positive Feedbackschleife zu handeln, die umso extremer wird, umso mehr sich eine Gruppe einem "von bösen Mächten kontrollierten Mainstream" (Stichwort "Lügenpresse") gegenüber sieht. Wenn die AfD jetzt durch ihre Vorsitzende dieses Denkmuster aufgreift, dann hat sie tatsächlich jetzt einen Weg zum extremistischen Rand gefunden. Das ist keine Beobachtung von Inhalten sondern von Denkweisen.

PS. In der Tat gibt und gab es bei den Grünen recht amüsanten Beschlüsse aus den siebziger und achtziger Jahren. Ich selber werde nicht müde mich darüber zu belustigen. Allerdings las ich vor einigen Tagen in einem Forum, dass es bei der AfD jetzt ernsthaft Leute gibt, die Chemtrails diskutieren wollen. Insofern scheinen da echte Parallelen zu existieren und in diesem Kontext müsste die AfD noch das eine oder andere Jahrzehnt brauchen, um solche Spinner loszuwerden.

Techniknörgler Offline



Beiträge: 2.610

13.07.2015 20:39
#24 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von augustin im Beitrag #22

Warum machen Sie liberale Politik?


Mache ich ja gar nicht. Ich studiere und neben bei lese und schreibe ich hier. Und letzteres Stelle ich auch bald ein.

Derzeitig Versuche ich noch heraus zu finden, ob andere, die sich selber und die ich für liberal gehalten habe, darunter überhaupt das gleiche verstehen (ein auf abstrakten Prinzipien beruhendes Wertesystem bezüglich der Frage, wann und welche Übergriffe auf Leib, Leben und Eigentum zulässig sind und wie Eigentum überhaupt legitim zustande kommt).

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“Being right too soon is socially unacceptable.”
― Robert A. Heinlein

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 9.637

13.07.2015 21:02
#25 RE: Petry und die Filterblase Antworten

Zitat von augustin im Beitrag #22
Dann müssten wir herausfinden, wann und wie sich die erdrückende linke Mehrheit im Medienbetrieb konkret manifestiert hat. Ich bin Mitte der 80er geboren und kann das aus dem Stand heraus nicht abschließend beurteilen.

Ich vermute allerdings, dass 1988 - 20 Jahre nach 1968 - da schon sehr viel im Argen lag. Das wären bis heute 27 Jahre.


Unterschiedlich - das war ein gleitender Prozess & je nach Thema gab es da unterschiedliche Schwerpunkte. Wir reden hier vom Feuilleton, von der Meinungsmache, nicht vom Wirtschaftsteil. Bei den Trendmedien, den tonangebenden, war die rote Grundierung seit Anfang der 70er klar: Bölls Katharina Blum spielt das vor: natürlich sind wir gegen den Terrorismus, aber der Staat ist ja um so viel furchtbarer..., mit der geistig-moralischen Wende & der Grünfärbung der Sicht aufs Große-Ganze - natürlich geht die Welt bis zum Jahr 2000 unter, wenn wir so weitermachen - war das abgeschlossen. Gegen "AKW nee" hat es nie eine Gegenströmung von Gewicht gegeben; desgleichen die Gorbimanie. Das fällt wohl nicht zufällig mit dem völligen Wegfall der Klassischen Linksthemen à la "Klassenkampf", der Ersetzung von Feminismus i.S.v. Teilhabe durch Genderkram & dem Aufkommen der Toskanafraktion zusammen. Das ist kein "Links-sein" im alten Sinn mehr, sondern Wassermelonentum - statt "Bahnwärter Thiel" höchstens Botho Strauss - eine Irgendwie-Befindlichkeit ohne tiefere Begründung: da sind tote Robbenbabies nur deshalb ein Symbol für das Raubtier Mensch, weil im Fernsehn so viele schlimme Bilder waren; kann nach Belieben ausgetauscht werden & ist gegen jede zeitliche Perspektive immun (weswegen ja die Widerlegung sämtlicher Ökohorrorszenarien durch die Wirklichkeit ohne jede Wirkung bleibt. Der Prolet alten Stils fragte sich noch, wann es denn endlich mal anfing, wie 100x versprochen aufwärts zu gehen).



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

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