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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 62 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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DrNick Offline




Beiträge: 639

04.08.2018 12:43
#51 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #50
Zumindest Nahles und Scholz scheinen mir erkannt zu haben, dass man nun endlich einmal auch Politik für die "rote" Stammklientel machen muss.


Nur bedingt: Frau Nahles Diagnose des Problems lautet, daß die SPD momentan für "Intellektuelle und Kulturschaffende" zu uninteressant sei.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inlan...r-15721884.html

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.493

04.08.2018 21:09
#52 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von DrNick im Beitrag #51
"Intellektuelle und Kulturschaffende"


Vielleicht liegt ein Teil des Problems in der Feinjustierung des historischen Sinns. Wäre Frau N. nicht per definitionem beratungsresistent (jede Faser ihres Habitus legt dies nahe; wir wollen ihr also die Ehre antun, den äußeren Schein zum Nennwert zu nehmen), könnte es hilfreich sein, sie darauf hinzuweisen, daß diese Episode, im Wahlkampf '69 lanciert (als Reaktion auf das GroKo-Patt; der erste, versandete, Anlauf, war 8 Jahr zuvor Martin Walsers Bändchen Die Alternative oder Brauchen wir eine neue Regierung? als erstem Band der Rowohlt-Aktuell Taschenbuchreihe; gescheitert deshalb, weil die Einstellung der Autoren zur "BRD" & ihrem politischen Sytem bis auf 1 oder 2 Ausnahmen negativ grundiert war; Walser ist als Reaktion auf dieses Scheitern kurze Zeit bei der DKP gelandet), mit dem Rücktritt Brandts ihr jähes Ende nahm. Schon Schröders Relaunch von 2000 war eine der Berliner Spaßrepublik angemessene Show ohne Einschaltquoten (es wird jedenfalls mal Zeit für die Historiker, Schröder als das politische Pendant zu Frank Elstner zu würdigen). Ansonsten ist es der Behuf von "Kulturschaffenden," wo sie denn vorkommen, der Weisheit der Staatslenkung frenetisch Beifall zu zollen. Und die wird nicht von Frau Nahles verkörpert.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

DrNick Offline




Beiträge: 639

05.08.2018 09:44
#53 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #52
Ansonsten ist es der Behuf von "Kulturschaffenden," wo sie denn vorkommen, der Weisheit der Staatslenkung frenetisch Beifall zu zollen.


Genau, und zwar idealerweise in Gestalt eines "Aufrufs". (Und bei dem Wort "Kulturschaffende" muß ich immer hieran denken.)

Florian Offline



Beiträge: 2.512

17.08.2018 16:00
#54 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #47

Nahles hat zumindest mal den Schuss gehört.
Innerhalb ihrer Partei wird sie für solche Forderungen natürlich Gegenwind bekommen. Aber es ist doch irgendwie beruhigend, dass zumindest der Partei-Chefin der strategische Irrsinn der bisherigen Grün-Positionierung der SPD bewusst ist.



Dazu passt auch dieser Beitrag:
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...-a-1223479.html

"Andrea Nahles kämpft gegen den Niedergang ihrer Partei. Dazu will die Chefin der SPD zurück zu den Wurzeln und sie zu etwas machen, was sie lange nicht mehr war: eine Arbeiterpartei."

Ich bin mir nicht sicher, ob Nahles sich mit diesem Ziel parteiintern durchsetzen wird. Auch der Spiegel ist skeptisch:

"Dabei ist die SPD im Kern schon lange eine Partei des Öffentlichen Dienstes. Arbeiter stellen laut dem Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer gerade mal noch 16 Prozent der Mitglieder. 42 Prozent sind Beamte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes."

Aber immerhin scheint Nahles erkannt zu haben, dass die SPD mehr "Rot" und weniger "Grün" braucht.
(Im Artikel erklärt Nahles z.B., dass die SPD in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt habe, dass die Klimaschutzziele zu Gunsten des Kohlebergbaus aufgeweicht werden. Jetzt mal ganz unabhängig davon, ob man diese Aussage wirklich glauben will: Allein schon, dass sich eine SPD-Vorsitzende überhaupt so äußert ist ein Zeichen für eine Rückbesinnung auf die roten Wurzeln. Im grün angehauchten Partei-Establishment wird man diese neue Prioritätensetzung nämlich wahrscheinlich nicht so toll finden).

So oder so:
42% der SPD-Mitglieder Beamte und öffentliche Angestellte, nur 16% Arbeiter.
Was für eine krasse Mitglieder-Struktur für eine "Arbeiter-Partei". (Zumal auf der Funktionärs-Ebene das Verhältnis sicher noch viel krasser ist. Im gesamten SPD-Bundesvorstand hat niemand jemals - und sei es auch nur für kurze Zeit während der Lehre o.ä. - einen körperlichen Beruf ausgeübt).
Letztlich ist das eine Partei von Lehrern, die behaupten, Politik für Arbeiter machen zu wollen.

Nobster Offline




Beiträge: 77

17.08.2018 19:28
#55 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #54
Im gesamten SPD-Bundesvorstand hat niemand jemals - und sei es auch nur für kurze Zeit während der Lehre o.ä. - einen körperlichen Beruf ausgeübt

Zählt auch Einzelhandelskauffrau (Leni Breymaier), Polizist (Uli Grötsch), Buchhändlerin (Gabriele Lösekrug-Möller), Bürokaufmann (Michael Müller), Groß- und Außenhandelskaufmann (Boris Pistorius), Industriekaufmann (Carsten Sieling)?

Martin Dulig hat eine Ausbildung zum Maurer.
Heiko Maas arbeitete als Produktionshelfer (ein Euphemismus für Hilfsarbeiter).
Christoph Matschie hat eine Ausbildung zum Mechaniker.
Serpil Midyatli war Leiterin eines Restaurantbetriebes.

Florian Offline



Beiträge: 2.512

17.08.2018 22:40
#56 RE: Die Krise der SPD antworten

@ Nobster:
Sie haben recht, ich habe Blödsinn geschrieben.
"Bundesvorstand" war nicht richtig, eigentlich wollte ich "Präsidium" schreiben.

Und selbst das wäre nicht 100% richtig gewesen.
Wie Sie richtig schreiben, hat tatsächlich Leni Breymeyer eine "bodenständige" Ausbildung als Einzelhandelskauffrau.
Damit ist sie in diesem 17-köpfigen Gremium allerdings tatsächlich die einzige mit Berufsausbildung.

Ansonsten dominiert sehr deutlich der Typ "Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal".
Wobei ich zugeben muss, dass es unter den 17 Präsidiumsmitgliedern immerhin 4 gibt mit (zumindest minimaler) Berufserfahrung außerhalb von Politik und öffentlichem Dienst:
-Olaf Scholz war einige Jahre als Anwalt tätig.
-Natascha Kohnen war einige Jahre selbständige Lektorin.
-Leni Breymeyer hat in den 70ern ein paar Jahre bei Horten gearbeitet (und ist damit wohl das Arbeiter-Aushängeschild des Präsidiums).
-Und dann gibt es noch Bundesumweltministerin Svanja Schulze, die als einzige im Präsidium tatsächlich einen halbwegs beeindruckenden privatwirtschaftlichen Lebenslauf hat. (Sie war immerhin 4 Jahre lang bei strategischen Unternehmensberatungen tätig).
Das war's dann aber auch schon mit Ausflügen in die "normale" Arbeitswelt.


Und der Vollständigkeit halber noch ein Vergleich mit der CDU.
Das CDU-Präsidium besteht aus 15 Mitgliedern.
Auch hier gibt es nur ein Mitglied mit Berufsausbildung: Karl-Josef Laumann ist gelernter Maschinenschlosser (und hat den Beruf etliche Jahre ausgeübt).

Immerhin 8 von 15 Mitgliedern des CDU-Präsidiums waren schon in der Privatwirtschaft tätig:
- Philip Murmann ist Unternehmer (mittelständischer Industriebetrieb)
- Volker Bouffier, David McAllister und Thomas Strobl waren etliche Jahre selbständige Rechtsanwälte
- Julia Klöckner und Armin Laschet waren etliche Jahre Journalisten
- Ursula von der Leyern war Ärztin

Bezüglich "Praxisnähe" ist das zwar auch nicht gerade berauschend.
Aber immerhin schlägt das CDU- das SPD-Präsidium um Längen, was persönliche Erfahrungen im privatwirtschaftlichen Arbeitsleben betrifft.
Dass bei der CDU dabei Rechtsanwälte, Ärzte und Unternehmer relativ stark vertreten sind, ist für eine bürgerliche Partei wie die CDU auch ganz plausibel. Die soziologische Struktur des CDU-Präsidiums war in den 50er Jahren wahrscheinlich nicht so viel anders wie heutzutage.

Es ist die SPD, die sich massiv von ihren Wurzeln entfernt hat und im Laufe der Jahrzehnte zur reinen Beamten-Partei geworden ist.

R.A. Offline



Beiträge: 7.630

20.08.2018 09:13
#57 RE: Die Krise der SPD antworten

Interessante Hintergründe.

So ein bißchen mehr Bodenhaftung hatte ich bei der SPD schon noch vermutet - aber das ist wohl vorbei.

Zum Vergleich habe ich mal noch FDP und Grüne angeschaut. Da haben im Präsidium (bzw. bei den Grünen im Vorstand) alle studiert. Bei der FDP haben alle Mitglieder in der Wirtschaft gearbeitet, bei den Grünen nur der Schatzmeister.
Wenn man Wolfgang Gerhardt dazunimmt (der ist für die Stiftung kooptiert), hätte die FDP wenigstens noch einen Beamten, die waren dort früher stärker vertreten.

Das Führungsgremium der Linken mit seinen 44 Mitgliedern war mir zu mühsam durchzuforschen - einige Mitglieder haben nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Stichproben zeigen aber, daß auch dort die Akademiker dominieren, einen Bankkaufmann habe ich aber auch gefunden.

Florian Offline



Beiträge: 2.512

20.08.2018 21:10
#58 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #57

Zum Vergleich habe ich mal noch FDP und Grüne angeschaut. Da haben im Präsidium (bzw. bei den Grünen im Vorstand) alle studiert. Bei der FDP haben alle Mitglieder in der Wirtschaft gearbeitet, bei den Grünen nur der Schatzmeister.


Ich habe mir auch gerade mal den Grünen-Vorstand angeschaut.
Was ich fast noch schlimmer finde als die fehlende Erfahrung in der Privatwirtschaft (diesbezügliche Hoffnungen hätte ich bei den Grünen eh nicht gehabt) ist das insgesamt extrem niedrige Qualifikationsniveau.

Im (wie gesagt: auch nicht besonders tollen) SPD-Präsidium gibt es zwar wenig Erfahrung außerhalb des Politikbetriebs. Aber wenigstens Erfahrung IM Politikbetrieb. Da gibt es amtierende Bundesminister (wie Scholz) und amtierende Ministerpräsidenten (wie Dreyer und Schwesig). Sowie ehemalige Bundesminister (wie Nahles). Und etliche amtierende und ehemalige MdB und MdL.
Insgesamt also etliche Leute mit Exekutiv- und Legislativ-Erfahrung.

Während das bei den Grünen sehr trostlos ist.
Dort gibt es abgesehen vom ehemaligen Landesminister Habeck eigentlich nur sehr unerfahrene Leute.
Die Bundesvorsitzende Baerbock ist gerade mal 4 Jahre einfache Bundestagsabgeordnete. (Und - Hand aufs Herz - wer von Euch kannte vor 5 Jahren den Namen Baerbock?)
Die Leistung von Michael Kellner? Bevor er in den Bundesvorstand aufstieg, war er "Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Frieden", was auch immer das sein soll. Irgendein politisches Amt hatte er noch nie, noch nicht mal ein einfaches Abgeordnetenmandat, noch nicht mal irgendwo ein Stadtratsmandat. Geschweige denn irgendein noch so kleines Exekutiv-Amt (meinetwegen irgendwo Landes-Staatssekretär o.ä.).
Auch Jamila Schäfter und Gesine Agena hatten noch nie ein politisches Amt.

(Mit "politischem Amt" meine ich hier ein Amt in der Exekutive oder Legislative in Bund oder einem Land.
Also nicht nur rein parteiinterne Aufgaben).

Zusammengefasst gibt es nur 2 Mitglieder, die aktuell irgendwelche politischen Ämter außerhalb ihrer Partei haben:
Baerbeck ist einfache MdB.
Und Benedikt Mayer ist Mitglied im Kreistag Ebersberg (!).
Alle anderen haben - außerhalb ihres Amts als Grünes Vorstandsmitglied - kein politisches Amt und hatten (mit Ausnahme von Habeck) auch noch nie eins.

Soweit ich dem Lebenslauf entnehmen kann, haben die alle außerhalb ihrer parteiinternen Seilschaften-Arbeit nie irgendwas gemacht.
Eigentlich unglaublich, wie unerfahren - auch politisch unerfahren - dieses Gremium besetzt ist.
Dabei HÄTTEN die Grünen ja eigentlich entsprechende Personalreserven. Sie sind an vielen Landesregierungen beteiligt, sie haben eine starke Bundestagsfraktion, sie haben ehemalige Bundesminister, etc.
Aber - anders als bei den anderen Parteien - sind erfahrene Politiker in der Parteispitze praktisch nicht vertreten. Es ist nicht einmal die Bundestagsfraktion angemessen in der Parteispitze vertreten.
Rein ganz praktisch stelle ich es mir schwer vor, wie so ein in der "realen" Politik (d.h. jenseits der rein parteiintenen Seilschaften) derart schwach vernetztes Gremium überhaupt sinnvoll agieren kann.

(Auch die berühmte "Trennung von Amt und Mandat" kann hier nicht die Erklärung sein. Wei Baerbeck zeigt, WÄRE bei den Grünen ja erlaubt, auch amtierende MdB im Vorstand zu haben. Und gegen EHEMALIGE Bundesminister o.ä. würde ja auch nichts sprechen).

Meister Petz Online




Beiträge: 3.721

21.08.2018 08:47
#59 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat
Auch die berühmte "Trennung von Amt und Mandat" kann hier nicht die Erklärung sein. Wei Baerbeck zeigt, WÄRE bei den Grünen ja erlaubt, auch amtierende MdB im Vorstand zu haben. Und gegen EHEMALIGE Bundesminister o.ä. würde ja auch nichts sprechen


Es geht nicht darum, was erlaubt wäre, sondern wen die Delegierten wählen. Und die grüne Basis wählt bevorzugt Leute, die sich noch nie mit irgendeinem Kompromiss bezüglich der reinen Lehre die Finger schmutzig gemacht haben. Wenn Sie so wollen, ist das das strikte Gegenteil vom "Kanzlerwahlverein" CDU. Während dort vorrangig die Kandidaten gewählt werden, die - sowohl nach innen als auch nach außen - Machtoptionen versprechen, sind diese bei den Grünen erstmal suspekt.

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

R.A. Offline



Beiträge: 7.630

21.08.2018 11:00
#60 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #58
Dort gibt es abgesehen vom ehemaligen Landesminister Habeck eigentlich nur sehr unerfahrene Leute.

Das sehen die Grünen wohl nicht als Bug, sondern als Feature. Die Partei mit den "basisnahen" Leuten als Gegengewicht zur Fraktion mit den Politprofis.
Und sie können sich das leisten, weil die Medien das Amateurverhalten der Parteispitzen nicht kritisch angehen. Die können unbekümmert Unsinn erzählen (Baerbock mit dem Netz als Energiespeicher ...), bei allen anderen Parteien gäbe das einen shitstorm in den Medien, bei den Grünen nicht.

Zitat
Auch die berühmte "Trennung von Amt und Mandat" kann hier nicht die Erklärung sein.


Ohnehin in diesem Kontext ein extrem peinliches Thema für die Grünen. Schließlich haben sie dieses Prinzp für Habeck suspendiert, damit er noch einige Monate Amtszeit als Minister sammeln konnte. Mit dem einzigen Ziel, die nächsthohere Stufe bei den Rentenansprüchen zu bekommen.
Man stelle sich nur mal vor, ein Politiker einer anderen Partei würde so etwas machen ...

Florian Offline



Beiträge: 2.512

21.08.2018 13:14
#61 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #60
Zitat von Florian im Beitrag #58
Dort gibt es abgesehen vom ehemaligen Landesminister Habeck eigentlich nur sehr unerfahrene Leute.

Das sehen die Grünen wohl nicht als Bug, sondern als Feature. Die Partei mit den "basisnahen" Leuten als Gegengewicht zur Fraktion mit den Politprofis.



Aber selbst das ist doch nicht der Fall.
"Basisnah" ist der Vorstand ja auch nicht.

Nehmen wir mal den Lebenslauf der aktuellen Vorsitzenden Baerbock:
Beruflich - also außerhalb der Partei - hat sie in ihrem Leben bisher folgendes gemacht:
bis 2005 Studium
2005-2008 Mitarbeiterin einer EU-Abgeordneten
2008-2009 Mitarbeiterin der Grünen Bundestagsfraktion
2009-2013 Promotion (abgebrochen)
seit 2013 MdB

Ich kann hier nicht das kleinste bißchen "Basisnähe" erkennen.
"Basisnah" könnte nach meinem Verständnis z.B. die Mitarbeit in einem der grünen Lieblingsprojekte sein. Meinetwegen in einer Windkraft-Firma. Oder Geschäftsführerin eines Vereins für Minderheiten-Schutz.
Oder meinetwegen auch ganz an der Parteibasis: Mitarbeit in der Grünen Jugend. Gründung eines Ortsvereins. Mitglied im Kreistag. Dort Einsatz für ein regionales Klimaschutzprojekt. Irgendetwas wo man wirklich mal die Finger an der Umsetzung grüner Themen hat.

Aber da ist bei Baerbeck eben auch nichts. Alles was sie in ihrem Leben beruflich gemacht hat, war subalterne Zuarbeiterin für Grüne Abgeordnete.
Also die Kombination aus "basisfern" und zugleich "machtlos".

Johanes Offline



Beiträge: 261

08.09.2018 12:23
#62 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #25
[...]


Die Deutsche, das kommt noch oben drauf, sind in dem Punkt extrem irrational eingestellt.
Diplomatie hat die Aufgabe, dafür zur Sorgen, dass Beziehungen aufrecht erhalten bleiben, man "freundschaftlich" verkehrt und vergleichbares. Es ist explizit nicht die Aufgabe der Diplomatie, über das Gegenüber zu richten.
Diplomatisches Verhalten kommt ja grade dann zum Einsatz, wenn man sich eben nicht in der Position befindet über jemanden zu richten oder über Moral spricht. Man stelle sich mal vor, z. B. nach dem 30 jährigen Krieg hätten die Abgesandten versucht, eine Kriegsschuld festzustellen oder eine Seite zu verurteilen. Man hätte damit bestenfalls einen nächsten Frieden erzwungen, schlimmstenfalls ginge das Morden weiter.

Dieser Natur der Diplomatie sind sich die Deutschen plötzlich bewusst, wenn es darum geht, z. B. eine "Entspannungspolitik" gegenüber der Sowjetunion zu betreiben oder mit Saudi-Arabien, China usw. zu verkehren. Nur gegenüber den USA verwandelt man sich plötzlich in einen politischen Kommentator.

Das ist die "Janusköpfigkeit" der deutschen Außenpolitik, von der ich mal sprach. Einerseits führt man die Diskussion so, als würde man selbstlos nur für höhere sittliche Werte kämpfen, andererseits führt man dann doch Aktionen durch, die selbst Machiavelli das fürchten lehren würden.
In anderen Ländern scheint man das dann doch besser hinzukriegen.

Florian Offline



Beiträge: 2.512

17.09.2018 13:08
#63 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #2
Guter Artikel, dem ich natürlich 100% zustimme.

Ein paar ergänzende Anmerkungen:

1. Jetzt mal ganz grob vereinfacht:
es gibt auf der politischen Linken zwei verschiedene Strömungen. Ich nenne sie einmal "Rot" und "Grün". (Hier bitte nicht parteipoltisch verstehen. Sondern als verschiedene Geisteshaltungen).

(...)
In den letzten 15 Jahren hat sich die SPD aber wenn es zum Konflikt zwischen "roten" und "grünen" Zielen kam, fast immer für "grün" entscheiden.
Ein schwerer taktischer Fehler, der eigentlich kaum verständlich ist.
Die Quittung sind eben genau die Zahlen, die Llarian präsentiert hat.
(...)
HIER liegt der eigentliche Niedergang dieser Partei. Eine Arbeiter-Partei, die bei den Arbeitern gerade noch 23% holt, hat ganz offensichtlich bei ihrer eigenen Kern-Klientel die Hausaufgaben nicht gemacht.




Hier ein Artikel über einen SPDler, der das so ähnlich sieht wie ich. Und über die Mauer, gegen die er in seiner eigenen Partei mit seinen Thesen läuft:
http://www.spiegel.de/plus/spd-warum-and...00-000159428620

Zitatfetzen:
"Die Parteielite stellt einen Genossen kalt, der mit Thesen gegen Multikulti und "Gleichberechtigungs-Pissoirs" für Furore sorgt. Ist für solche Stimmen in der Sozialdemokratie kein Platz mehr?"

"Aus seiner Sicht sind auch die Sozialdemokraten Teil einer linksliberalen "Schickeria", die sich an einer postmodernen Gesellschaftspolitik berausche; ein hippes, städtisches "Bio-Bürgertum", das den Kontakt zur Realität verloren habe. "Das linksliberale Establishment macht Politik gegen den Willen vieler seiner – ehemaligen – Wähler und wundert sich dann, warum es nicht gewählt wird", meint Heisterhagen."

"Sozialpolitisch muss es aus seiner Sicht radikal nach links gehen: mehr Systemkritik, mehr Verteilungsgerechtigkeit. Integrationspolitisch dagegen nach rechts: Multikulti-Denken abstellen, Wunschdenken einstellen, Probleme ansprechen. Mit reiner "Diversity-Philosophie", so der Sozialdemokrat, ließen sich die Integrationsprobleme nicht in den Griff kriegen."

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