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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 55 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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DrNick Offline




Beiträge: 597

04.08.2018 12:43
#51 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #50
Zumindest Nahles und Scholz scheinen mir erkannt zu haben, dass man nun endlich einmal auch Politik für die "rote" Stammklientel machen muss.


Nur bedingt: Frau Nahles Diagnose des Problems lautet, daß die SPD momentan für "Intellektuelle und Kulturschaffende" zu uninteressant sei.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inlan...r-15721884.html

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.491

04.08.2018 21:09
#52 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von DrNick im Beitrag #51
"Intellektuelle und Kulturschaffende"


Vielleicht liegt ein Teil des Problems in der Feinjustierung des historischen Sinns. Wäre Frau N. nicht per definitionem beratungsresistent (jede Faser ihres Habitus legt dies nahe; wir wollen ihr also die Ehre antun, den äußeren Schein zum Nennwert zu nehmen), könnte es hilfreich sein, sie darauf hinzuweisen, daß diese Episode, im Wahlkampf '69 lanciert (als Reaktion auf das GroKo-Patt; der erste, versandete, Anlauf, war 8 Jahr zuvor Martin Walsers Bändchen Die Alternative oder Brauchen wir eine neue Regierung? als erstem Band der Rowohlt-Aktuell Taschenbuchreihe; gescheitert deshalb, weil die Einstellung der Autoren zur "BRD" & ihrem politischen Sytem bis auf 1 oder 2 Ausnahmen negativ grundiert war; Walser ist als Reaktion auf dieses Scheitern kurze Zeit bei der DKP gelandet), mit dem Rücktritt Brandts ihr jähes Ende nahm. Schon Schröders Relaunch von 2000 war eine der Berliner Spaßrepublik angemessene Show ohne Einschaltquoten (es wird jedenfalls mal Zeit für die Historiker, Schröder als das politische Pendant zu Frank Elstner zu würdigen). Ansonsten ist es der Behuf von "Kulturschaffenden," wo sie denn vorkommen, der Weisheit der Staatslenkung frenetisch Beifall zu zollen. Und die wird nicht von Frau Nahles verkörpert.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

DrNick Offline




Beiträge: 597

05.08.2018 09:44
#53 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #52
Ansonsten ist es der Behuf von "Kulturschaffenden," wo sie denn vorkommen, der Weisheit der Staatslenkung frenetisch Beifall zu zollen.


Genau, und zwar idealerweise in Gestalt eines "Aufrufs". (Und bei dem Wort "Kulturschaffende" muß ich immer hieran denken.)

Florian Offline



Beiträge: 2.456

17.08.2018 16:00
#54 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #47

Nahles hat zumindest mal den Schuss gehört.
Innerhalb ihrer Partei wird sie für solche Forderungen natürlich Gegenwind bekommen. Aber es ist doch irgendwie beruhigend, dass zumindest der Partei-Chefin der strategische Irrsinn der bisherigen Grün-Positionierung der SPD bewusst ist.



Dazu passt auch dieser Beitrag:
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...-a-1223479.html

"Andrea Nahles kämpft gegen den Niedergang ihrer Partei. Dazu will die Chefin der SPD zurück zu den Wurzeln und sie zu etwas machen, was sie lange nicht mehr war: eine Arbeiterpartei."

Ich bin mir nicht sicher, ob Nahles sich mit diesem Ziel parteiintern durchsetzen wird. Auch der Spiegel ist skeptisch:

"Dabei ist die SPD im Kern schon lange eine Partei des Öffentlichen Dienstes. Arbeiter stellen laut dem Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer gerade mal noch 16 Prozent der Mitglieder. 42 Prozent sind Beamte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes."

Aber immerhin scheint Nahles erkannt zu haben, dass die SPD mehr "Rot" und weniger "Grün" braucht.
(Im Artikel erklärt Nahles z.B., dass die SPD in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt habe, dass die Klimaschutzziele zu Gunsten des Kohlebergbaus aufgeweicht werden. Jetzt mal ganz unabhängig davon, ob man diese Aussage wirklich glauben will: Allein schon, dass sich eine SPD-Vorsitzende überhaupt so äußert ist ein Zeichen für eine Rückbesinnung auf die roten Wurzeln. Im grün angehauchten Partei-Establishment wird man diese neue Prioritätensetzung nämlich wahrscheinlich nicht so toll finden).

So oder so:
42% der SPD-Mitglieder Beamte und öffentliche Angestellte, nur 16% Arbeiter.
Was für eine krasse Mitglieder-Struktur für eine "Arbeiter-Partei". (Zumal auf der Funktionärs-Ebene das Verhältnis sicher noch viel krasser ist. Im gesamten SPD-Bundesvorstand hat niemand jemals - und sei es auch nur für kurze Zeit während der Lehre o.ä. - einen körperlichen Beruf ausgeübt).
Letztlich ist das eine Partei von Lehrern, die behaupten, Politik für Arbeiter machen zu wollen.

Nobster Offline




Beiträge: 67

17.08.2018 19:28
#55 RE: Die Krise der SPD antworten

Zitat von Florian im Beitrag #54
Im gesamten SPD-Bundesvorstand hat niemand jemals - und sei es auch nur für kurze Zeit während der Lehre o.ä. - einen körperlichen Beruf ausgeübt

Zählt auch Einzelhandelskauffrau (Leni Breymaier), Polizist (Uli Grötsch), Buchhändlerin (Gabriele Lösekrug-Möller), Bürokaufmann (Michael Müller), Groß- und Außenhandelskaufmann (Boris Pistorius), Industriekaufmann (Carsten Sieling)?

Martin Dulig hat eine Ausbildung zum Maurer.
Heiko Maas arbeitete als Produktionshelfer (ein Euphemismus für Hilfsarbeiter).
Christoph Matschie hat eine Ausbildung zum Mechaniker.
Serpil Midyatli war Leiterin eines Restaurantbetriebes.

Florian Offline



Beiträge: 2.456

17.08.2018 22:40
#56 RE: Die Krise der SPD antworten

@ Nobster:
Sie haben recht, ich habe Blödsinn geschrieben.
"Bundesvorstand" war nicht richtig, eigentlich wollte ich "Präsidium" schreiben.

Und selbst das wäre nicht 100% richtig gewesen.
Wie Sie richtig schreiben, hat tatsächlich Leni Breymeyer eine "bodenständige" Ausbildung als Einzelhandelskauffrau.
Damit ist sie in diesem 17-köpfigen Gremium allerdings tatsächlich die einzige mit Berufsausbildung.

Ansonsten dominiert sehr deutlich der Typ "Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal".
Wobei ich zugeben muss, dass es unter den 17 Präsidiumsmitgliedern immerhin 4 gibt mit (zumindest minimaler) Berufserfahrung außerhalb von Politik und öffentlichem Dienst:
-Olaf Scholz war einige Jahre als Anwalt tätig.
-Natascha Kohnen war einige Jahre selbständige Lektorin.
-Leni Breymeyer hat in den 70ern ein paar Jahre bei Horten gearbeitet (und ist damit wohl das Arbeiter-Aushängeschild des Präsidiums).
-Und dann gibt es noch Bundesumweltministerin Svanja Schulze, die als einzige im Präsidium tatsächlich einen halbwegs beeindruckenden privatwirtschaftlichen Lebenslauf hat. (Sie war immerhin 4 Jahre lang bei strategischen Unternehmensberatungen tätig).
Das war's dann aber auch schon mit Ausflügen in die "normale" Arbeitswelt.


Und der Vollständigkeit halber noch ein Vergleich mit der CDU.
Das CDU-Präsidium besteht aus 15 Mitgliedern.
Auch hier gibt es nur ein Mitglied mit Berufsausbildung: Karl-Josef Laumann ist gelernter Maschinenschlosser (und hat den Beruf etliche Jahre ausgeübt).

Immerhin 8 von 15 Mitgliedern des CDU-Präsidiums waren schon in der Privatwirtschaft tätig:
- Philip Murmann ist Unternehmer (mittelständischer Industriebetrieb)
- Volker Bouffier, David McAllister und Thomas Strobl waren etliche Jahre selbständige Rechtsanwälte
- Julia Klöckner und Armin Laschet waren etliche Jahre Journalisten
- Ursula von der Leyern war Ärztin

Bezüglich "Praxisnähe" ist das zwar auch nicht gerade berauschend.
Aber immerhin schlägt das CDU- das SPD-Präsidium um Längen, was persönliche Erfahrungen im privatwirtschaftlichen Arbeitsleben betrifft.
Dass bei der CDU dabei Rechtsanwälte, Ärzte und Unternehmer relativ stark vertreten sind, ist für eine bürgerliche Partei wie die CDU auch ganz plausibel. Die soziologische Struktur des CDU-Präsidiums war in den 50er Jahren wahrscheinlich nicht so viel anders wie heutzutage.

Es ist die SPD, die sich massiv von ihren Wurzeln entfernt hat und im Laufe der Jahrzehnte zur reinen Beamten-Partei geworden ist.

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