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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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Dieses Thema hat 92 Antworten
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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.659

17.07.2013 22:05
Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

…hat m.E. sehr viel mit Al-Qaida zu tun. Welch starke Rolle das Terrornetzwerk in Syrien spielt wird in hiesigen Medien stark heruntergespielt. Die Erschießung eines der Kommandeure der Freien Syrischen Armee durch den Al Qaida Chef im Irak, war mir Anlass genug mal etwas außerhalb der deutschen Presselandschaft zu recherchieren. Deshalb die vielen englischsprachigen Links. Ich bitte das zu entschuldigen.

Viele Grüße, Erling Plaethe

Doeding Offline




Beiträge: 2.399

17.07.2013 23:53
#2 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Vielen Dank für diesen äußerst gut recherchierten und erhellenden Artikel, lieber Erling. Clemens Wergin von der Welt hat sich immer wieder vehement für eine Bewaffnung der Rebellen, trotz zunehmender Unterwanderung durch al qaida, ausgesprochen. Ihm geht es, wenn ich ihn recht verstehe, vor allem darum, die Vormachtstellung der iranischen Mullahs in der Region zu verhindern, wozu Saudi-Arabien alleine wohl nicht in der Lage ist. Zuletzt scheint er zu diesem Thema aber wieder leiser geworden zu sein. Das Risiko, das Sie bei einer Bewaffnung beschreiben, leuchtet jedenfalls ein: Die Rebellen könnten sich untereinander aufreiben.

Darf ich sie trotzdem einmal direkt fragen, da Sie so viel besser eingelesen sind als ich: Sind Sie für eine Bewaffnung der Rebellen oder für Zurückhaltung des Westens in dieser Frage?
Vielen Dank noch mal,

Herzliche Grüße,
Andreas

Erling Plaethe Offline




Beiträge: 4.659

18.07.2013 01:21
#3 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #2
Vielen Dank für diesen äußerst gut recherchierten und erhellenden Artikel, lieber Erling. Clemens Wergin von der Welt hat sich immer wieder vehement für eine Bewaffnung der Rebellen, trotz zunehmender Unterwanderung durch Alkaida, ausgesprochen. Ihm geht es, wenn ich ihn recht verstehe, vor allem darum, die Vormachtstellung der iranischen Mullahs zu verhindern, wozu Saudi-Arabien alleine wohl nicht in der Lage ist. Zuletzt scheint er zu diesem Thema aber wieder leiser geworden zu sein. Das Risiko, das Sie bei einer Bewaffnung beschreiben, leuchtet jedenfalls ein: Die Rebellen könnten sich untereinander aufreiben.

Darf ich sie trotzdem einmal direkt fragen, da Sie so viel besser eingelesen sind als ich: Sind Sie für eine Bewaffnung der Rebellen oder für Zurückhaltung des Westens in dieser Frage?
Vielen Dank noch mal,

Nicht nur Clemens Wergin, der einer der bestinformiertesten Journalisten, besonders was den Nahen Osten anbelangt, ist. Auch Richard Herzinger und viele bei der Achse. Ich denke dass es vielleicht einen Zeitpunkt gab, an dem eine Bewaffnung der Rebellen etwas gebracht hätte. Andererseits ist die al-Nusra Front (Jabhat al-Nusra) schon sehr lange Teil der Rebellen und die FSA hat damit auch kein Problem.
Natürlich ist das eigentliche Ziel der Iran gewesen. Herausgekommen ist, dass Al-Qaida einen Großteil Syriens kontrolliert. Die Vormachtstellung des Iran in Syrien ist begrenzt worden, nur um welchen Preis?
Und der kann sich noch erhöhen.
Meiner Ansicht nach kann die FSA keinen Zweifrontenkrieg führen. Und wir, der Westen, werden nicht massenweise Waffen zusätzlich in die Region pumpen die so oder so bei Al-Qaida landen werden. Wenn die FSA ihre schwierige Lage nicht erkennt und rausholt was rauszuholen ist, nämlich Friedensverhandlungen mit dem Ziel einer Regierungsbeteiligung und einer Chance nicht völlig bedeutungslos zu werden, wird sie zu einem Teil Al-Qaidas oder der vielen Toten in diesem Krieg.
Umso länger der Krieg andauert umso größer werden die Probleme in der Region. Ohne Assad, oder besser, ohne die Kriegspartei die er repräsentiert, wird es keine Regierung geben. Es ist die machtvollste aller Parteien und wenn sie nicht den Krieg gewinnen kann, verlieren wird sie ihn aber auch nicht.
Ich tendiere für eine Zurückhaltung und für einen Deal mit Russland. Al-Qaida steht an einer NATO-Grenze, das sollte keinen unberührt lassen.
Andererseits könnte man die FSA beim Wort nehmen, von ihr verlangen sich nicht nur gegen Al-Qaida im Irak zu stellen, die ihnen sowieso den Krieg erklärt haben, sondern auch gegen die al-Nusra Front. Und ihnen Waffen geben, keine zu hoch entwickelten. Als Gegenleistung sollte ihre Bereitschaft verlangt werden an der Friedenskonferenz teilzunehmen. Dann wird man sehen ob sie es ernst meinen.
Aber ihren Kannibalen sollte die FSA besser nicht mitnehmen.

Viele Grüße, Erling Plaethe

adder Offline




Beiträge: 1.073

18.07.2013 07:05
#4 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Lieber Erling Plaethe, ein sehr interessanter Gesichtspunkt und ein gut geschriebener Artikel.

Zitat von Erling Plaethe im Beitrag #3
Ich denke dass es vielleicht einen Zeitpunkt gab, an dem eine Bewaffnung der Rebellen etwas gebracht hätte. Andererseits ist die al-Nusra Front (Jabhat al-Nusra) schon sehr lange Teil der Rebellen und die FSA hat damit auch kein Problem.


Meiner Ansicht nach - vor allem gestützt auf die wenigen Informationen, die frei erhältlich sind, und auf eine monatelange Diskussion mit Befürwortern eben dieser Waffenlieferungen oder gar einer militärischen Intervention, die mir beständig Quellen um die Ohren/Augen gehauen haben - meiner Ansicht also nach wurde dieser Zeitraum bereits seit langem verstreichen lassen. Machen wir uns nichts vor: Assad ist ein genauso brutaler und hemmungsloser Diktator wie Gaddafi (und anscheinend auch der mittlerweile entfernte Mursi), aber er hat im Gegensatz zu Muhammar al G. etwas richtig gemacht: nämlich sich einen mächtigen Verbündeten gesucht, der ihn vor einer Militärintervention aus dem Westen schützt, solange er es nicht arg wild treibt. Auf der anderen Seite gab es den vom Westen gewünschten Volksaufstand auf nur sehr begrenzt und die Reste wurden innerhalb von Tagen von Fundamentalisten gekapert, deren Herrschaft auch das physische Ende der Alewiten-Minderheit und anderer Minderheiten in Syrien bedeutet hätte.
Es gibt ja Gründe dafür, dass Alewiten und Drusen mehrheitlich Assad stützen, dass die Kurden lange versucht haben, sich aus allem rauszuhalten. Dieser Grund ist die blanke Angst ums Überleben. Auch wenn ich gewagte Vergleiche nicht so schätze: die Alewiten dürften sich fühlen wie die Tutsi - nur dass sie den Genozid vorher erkannt und verhindert haben.

Zitat
Ohne Assad, oder besser, ohne die Kriegspartei die er repräsentiert, wird es keine Regierung geben. Es ist die machtvollste aller Parteien und wenn sie nicht den Krieg gewinnen kann, verlieren wird sie ihn aber auch nicht.



Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis. Assad repräsentiert mittlerweile eine Koalition aus verschiedenen Minderheiten, die einen halbwegs säkularen Staat Syrien wollen und zum Überleben brauchen, und der schiitischen Hisbollah. Er repräsentiert aber auch - und das ist, was der Westen vergessen hat, in Israel allerdings für deutlich mehr Kopfschmerzen sorgt - die berechenbarsten Parteien in Syrien. Kann man die Weitergabe von chemischen Kampfstoffen (und von geringerer Wichtigkeit Luftabwehrwaffen) an die Hisbollah verhindern, dann ist diese Koalition zwar ein bellender und zwickender Gegner Israels und des Westens, aber man weiss, zu was diese Leute fähig sind und was sie tatsächlich davon auch machen.
Die Qaida ist unberechenbarer (vor allem weil sie williger ist, auch dumme und nutzlose Dinge zu tun), und die Sunnitischen Splittergruppen noch einmal deutlich weniger berechenbar, da man von diesen zu wenig weiss.

Zitat
Ich tendiere für eine Zurückhaltung und für einen Deal mit Russland. Al-Qaida steht an einer NATO-Grenze, das sollte keinen unberührt lassen.



Ersteres wäre sinnvoll. Das zweitere scheint im Weißen Haus und in verschiedenen europäischen Regierungssitzen keiner wahrhaben zu wollen. Obama scheint auf dem Islamistischen Auge blind zu werden.

Noricus Offline



Beiträge: 2.302

18.07.2013 21:31
#5 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von adder im Beitrag #4
Assad ist ein genauso brutaler und hemmungsloser Diktator wie Gaddafi (und anscheinend auch der mittlerweile entfernte Mursi), aber er hat im Gegensatz zu Muhammar al G. etwas richtig gemacht: nämlich sich einen mächtigen Verbündeten gesucht, der ihn vor einer Militärintervention aus dem Westen schützt, solange er es nicht arg wild treibt.


Sicher, aber ich denke, die Interventionsneigung des Westens ist auch unabhängig davon erlahmt. Der Arabische Frühling hat doch gezeigt, dass auf die Diktatoren vielleicht demokratisch gewählte, aber in ihrer Politik keinerlei liberaler Rechtsstaatlichkeit verpflichtete Machthaber folgen. Man denkt unwillkürlich an das Sprichwort "den Teufel mit dem Belzebub austreiben".

Für den Westen ist der Krieg in Syrien doch schon längst eine Lose-lose-Situation. Was man auch (nicht) tut, es ist verkehrt. Und vor diesem Hintergrund bevorzugt man es wohl, nicht auch noch Moskau zu verägern. Da gebe ich Ihnen Recht.

Eloman Offline



Beiträge: 137

18.07.2013 23:19
#6 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Bei den Minderheiten sollte man auch noch die ca. 10 % Christen erwähnen.

adder Offline




Beiträge: 1.073

19.07.2013 07:15
#7 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von Eloman im Beitrag #6
Bei den Minderheiten sollte man auch noch die ca. 10 % Christen erwähnen.


Lieber Eloman, ist bereits geschehem.

Zitat von adder im Beitrag #4
deren Herrschaft auch das physische Ende der Alewiten-Minderheit und anderer Minderheiten in Syrien bedeutet hätte.
Es gibt ja Gründe dafür, dass Alewiten und Drusen mehrheitlich Assad stützen,

uniquolol Offline




Beiträge: 254

27.08.2013 00:16
#8 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Jacques Schuster - "Kann der Konflikt in Syrien im Weltkrieg enden?" - Welt-Online
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...rieg-enden.html

uniquolol Offline




Beiträge: 254

27.08.2013 00:22
#9 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Ayaan Hirsi Ali - "Aus dem Arabischen Frühling ist Winter geworden" - Welt-Online
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...r-geworden.html

uniquolol Offline




Beiträge: 254

27.08.2013 00:30
#10 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Cora Stephan - "Muss der Westen in Syrien eingreifen? Nein!" - Welt-Online
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...eifen-Nein.html

R.A. Offline



Beiträge: 8.065

27.08.2013 12:56
#11 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Dann sollte man wohl auch die Pro-Seite lesen.
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...greifen-Ja.html

Mein persönliches (noch sehr unsicheres) Fazit wäre derzeit: Eine gewisse Intervention muß sein. Nicht um Syrien zu "demokratisieren" (das ist völlig unrealistisch), sondern um den Respekt vor "roten Linien" zu erhalten und vor allem das Tabu des Giftwaffeneinsatzes.
Zu denken wäre wohl an einen massiven Bestrafungsschlag gegen syrische Militärflugplätze und ähnliche Einrichtungen. Aber eben auch ein zeitlich begrenzter Schlag, keine dauerhafte Intervention.

Reisender ( gelöscht )
Beiträge:

27.08.2013 14:54
#12 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Ich teile Cora Stephans Einschätzung.

Wenn Mr. Obama, Fr. Merkel oder sonst ein Regierungschef Syrien retten will, kann er sich von seinem Verteidigungsminister ein MG ausleihen und losziehen. Vernünftiger wäre es dagegen, dafür zu sorgen, dass Hungerleidervölker nicht die materielle Möglichkeit haben, sich so ausdauernd (untereinander) zu bekriegen. Die Organisation für Völkerverständigung in Langley könnte sich auch zurück halten. Ein hineinretten in andere Staaten hat bisher jedenfalls keinen wirklichen Erfolg gebracht. Ich sehe es eher als Ursache für die Konflikte. Da man kein Licht in die Dunkelheit schütten kann, müssen die betreffenden Völker ihre Erfahrungen selbst sammeln.

Wenn dem nicht so sein sollte, ist die Frage, wann der Nordkoreakrieg beginnen wird. Oder was Syrien von Ruanda unterscheidet.

Ein linker Abschluss: Für mein Portfolio ist ein kleines Schlächtlein natürlich hilfreich.

R.A. Offline



Beiträge: 8.065

27.08.2013 16:54
#13 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von Reisender im Beitrag #12
Wenn Mr. Obama, Fr. Merkel oder sonst ein Regierungschef Syrien retten will ...

Das würde zwar in der offiziellen Propaganda eine gewisse Rolle spielen, ist aber wohl gar nicht der Punkt.
Sondern es geht darum, daß Giftgaseinsatz bisher völkerrechtlich absolut geächtet war und kein Staatschef damit durchgekommen ist. Und daß der Westen Assad mehrfach gewarnt hat, daß das der casus belli wäre.

Was ihn offensichtlich nicht beeindruckt hat. Weil er wahrscheinlich nicht ganz grundlos zum Schluß gekommen ist, daß der Westen vor einem Einsatz zurückschreckt.

Wenn man sich das gefallen läßt, sind die Schleusen geöffnet und die generellen Einflußmöglichkeiten des Westens radikal reduziert.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.716

27.08.2013 18:03
#14 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von C. im Beitrag RE: Aufruhr in Arabien (37): Die Lage in Syrien
Zitat von Zettel im Beitrag RE: Aufruhr in Arabien (37): Die Lage in Syrien
Sehr interessant. Es gab damals diese Gerüchte, aber meines Wissens ist es nie bestätigt worden. Saddams Chemiewaffen seien, wenn ich mich recht erinnere, in das Bekaa-Tal geschafft worden.

Gibt es jetzt besser gesicherte Erkenntnisse?


Das Bekaa-Tal liegt im Libanon, nicht in Syrien. Urheber des Gerüchts war damals Debka.
Es gab aber noch spätere Meldungen: U.S. OFFICIAL: IRAQIS TOLD ME WMDS SENT TO SYRIA (2008)

Zitat von WND
Some of the inmates, Bordenkircher said, “wanted to trade their information for a release from prison and were amenable to showing the locations.”

The prisoners were members of the Iraqi military or civilians assigned to the Iraqi military, often stationed at munitions facilities, according to Bordenkircher. He said he was told the WMDs were shipped by truck into Syria, and some ended up in Lebanon’s Bekaa Valley.

Other Iraqi military personnel, including former top Saddam associates, have made the same claim.

In early 2006, Saddam’s No. 2 Air Force officer, Georges Sada, told the New York Sun Iraq’s WMDs were moved into Syria six weeks before the war started.

WND also reported in 2006 a former general and friend of Saddam who defected alleged WMDs were hidden in Syria and said the regime supported al-Qaida with intelligence, finances and munitions. Ali Ibrahim Al-Tikriti, the southern regional commander for Saddam’s militia in the late 1980s, said the regime had contingency plans established as far back as the 1980s in the event either Baghdad or Damascus was taken over
.



Die WMD waren der Rechtfertigungsgrund für den 2. Irakkrieg. Nach dem erfolgten Einsatz, nicht nur dem Besitz oder Herstellung, bleibt für den Westen keine Wahl. Alea iacta est.

Reisender ( gelöscht )
Beiträge:

27.08.2013 18:15
#15 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #13

Sondern es geht darum, daß Giftgaseinsatz bisher völkerrechtlich absolut geächtet war und kein Staatschef damit durchgekommen ist. Und daß der Westen Assad mehrfach gewarnt hat, daß das der casus belli wäre.



Aus der FAZ: "Der amerikanische Außenminister John Kerry hatte deshalb am Montag emotionale Worte gewählt, um den von Obama noch nicht beschlossenen, aber absehbaren Einsatz militärischer Gewalt zu rechtfertigen. Er sprach davon, der Giftgaseinsatz in Syrien sei ein „Schock für das Gewissen der Welt“ und urteilte: „Das wahllose Abschlachten von Zivilisten, das Töten von Frauen und Kindern und unschuldigen Passanten mit chemischen Waffen ist eine moralische Obszönität.“ Kerry beschrieb zudem, wie er sich im Internet Filme angeschaut habe, die das Leid der Opfer zeigten und die ihm „als Vater“ nicht mehr aus dem Kopf gingen. „Alle Völker und alle Nationen, die an unsere gemeinsame Menschlichkeit glauben, müssen nun aufstehen“, damit der Einsatz von Giftgas nicht ungestraft bleibe, sagte Kerry."

Alle 5 Sekunden oder in dem Dreh verhungert in der Welt ein Kind unter 5 Jahren. Kerry hat bisher nicht sein Vermögen geopfert, um die schlimmste Not zu lindern. Das Statement ist nur bigott.

Wer ist Kerry zu befinden, was und wer welche Strafe verdient hat?

FAZ: "Obama wartet noch auf die Schlussfolgerungen der amerikanischen Geheimdienste zu dem angeblichen Giftgasanschlag vom Mittwoch nahe Damaskus. Der Bericht der Dienste sollte in Teilen womöglich noch am Dienstag veröffentlicht werden. Soweit bekannt, stützen sich die Dienste auf Gewebeproben, die von Amerika eigens geschulte Kämpfer der syrischen Assad-Gegner entnommen haben. "

So was Ähnliches gab es doch auch vor dem Irakkrieg?

Fakt ist eins: Im Gegensatz zu uns scheint man sich in Nordafrika mit Gewalt sehr wohl zu fühlen. Mit Gewalt wird dort also nichts zu erreichen sein, außer die Situation anzuheitzen.

Wenn Assad dann noch an Gaddafis Ende denkt...

Fluminist Offline




Beiträge: 1.938

27.08.2013 18:27
#16 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #13
Und daß der Westen Assad mehrfach gewarnt hat, daß das der casus belli wäre.

Deshalb kann ich mir auch bis zum Beweis des Gegenteils nicht wirklich vorstellen, daß Assad einen Giftgaseinsatz anordnen würde. Man muß sich doch fragen: cui bono? Er würde doch nichts, wirklich überhaupt nichts dadurch gewinnen, ausgerechnet Frauen und Kinder (statt bewaffneter Rebellen) zu vergasen: taktisch nichts, strategisch nichts und an internationalem Rückhalt gleich zweimal nichts.

Den Rebellen hat der Westen aber immer und immer wieder völlig klargemacht, daß ein Giftgaseinsatz der Knackpunkt ist, ab dem der Westen militärisch eingreift und den unlieben Assad beseitigt. Das, wurde ihnen klar, ist die wesentliche Bedingung für eine bedingungslose Unterstützung aus dem Westen. Da könnte schon der eine oder andere auf den Gedanken kommen, das selbst in die Hand zu nehmen, wenn sich Assad nicht freiwillig diese moralisch-diplomatische Kugel ins Knie schießt...

Martin Offline



Beiträge: 3.131

27.08.2013 18:31
#17 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #14

Die WMD waren der Rechtfertigungsgrund für den 2. Irakkrieg. Nach dem erfolgten Einsatz, nicht nur dem Besitz oder Herstellung, bleibt für den Westen keine Wahl. Alea iacta est.


Selbstverständlich bleibt für den Westen eine andere Wahl. Ich weiß nicht so genau, was den Westen treibt, ganz sicher ist es aber nicht die Sorge um die Syrer. Ich staune, wie unkritisch die Vorwürfe gegen Assad in der deutschen Presse wiederholt werden, ein Einsatz von Chemiewaffen durch Assads Truppen ist völlig unplausibel. Da muss ich dem russischen Außenminister zustimmen.

Gruß, Martin

R.A. Offline



Beiträge: 8.065

27.08.2013 18:39
#18 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #16
Deshalb kann ich mir auch bis zum Beweis des Gegenteils nicht wirklich vorstellen, daß Assad einen Giftgaseinsatz anordnen würde.

Die Erklärungen, die ich bisher gelesen habe, haben das so gesehen:
Es ging um Vororte von Damaskus, also um Gebiete, die endlich unter Kontrolle zu bekommen für Assad essentiell ist.
Trotz einiger Fortschritte in anderen Gebieten hat die Armee hier in vielen Einsätzen keinen Durchbruch geschafft.
Die Frauen und Kinder sind natürlich nur Kollateralschaden, gezielt war der Angriff auf die Widerstandskämpfer, die sich in den Kellern versteckt und unter die Bevölkerung gemischt haben und durch Straßenkämpfe nicht zu kriegen waren.
Der großflächige und gut organisierte Einsatz übersteigt bei weitem das, was die Rebellen hinkriegen würden, selbst wenn sie irgendwo einige Giftgranaten erbeutet hätten.

Und umgekehrt ist es angeblich so, daß Assad schon mehrfach kleinere Gifteinsätze durchgeführt hat - die nicht zu einer Reaktion des Westens geführt haben. Es ist möglich, daß er Obama für einen Papiertiger hält und sich inzwischen sicher fühlt, daß er keine Konsequenzen zu fürchten hat. Und das kann ja durchaus noch richtig sein.

Wesentlich ist eigentlich das, was die Regierungen in der Region glauben. Wenn die nach Sichtung ihrer Informationen zum Schluß kommen, daß
a) Assad Giftgas eingesetzt hat und
b) der Westen sich das gefallen läßt und seine Drohungen leere Kulisse waren,
- dann wird es schwierig.

Dann werden sich die Gegner des Westens ermutigt fühlen und deutlich aggressiver auftreten. Und umgekehrt werden sich Kräfte, die bisher auf den Westen gesetzt haben, eine neue Strategie überlegen. Die im Zweifelsfall ebenfalls auf mehr Aggressivität setzt - weil sie sich ohne Rückendeckung gefährdeter fühlen und auch weniger Rücksichten mehr nehmen werden.

Nola Offline




Beiträge: 1.590

27.08.2013 19:25
#19 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von uniquolol im Beitrag #10
Cora Stephan - "Muss der Westen in Syrien eingreifen? Nein!" - Welt-Online
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...eifen-Nein.html


Wenn man es genau nimmt, hat der Westen und sogar DE das schon getan.

http://www.focus.de/politik/ausland/kris...aid_802500.html


Edit: Eingefügt

Zitat
Deutsche Marine Ein Flottendienstboot der Marine, hier auf Fahrt im Mittelmeer (Archivbild)
Ein Spionageschiff der Deutschen Marine kreuzt angeblich gerade vor der syrischen Küste, um mit modernster Technik Assads Truppen zu beobachten. Doch das Verteidigungsministerium und der BND wollen von Spionage nichts wissen.
Die gewonnenen Erkenntnisse, etwa über militärische Operationen der Assad-Armee, werden an amerikanische und britische Partnerdienste weitergegeben, wie die „Bild am „Sonntag“ berichtete. Von den Amerikanern und Briten aus würden auch Informationen an die syrische Befreiungsarmee gelangen.​




und zur Erinnerung:
http://www.abgeordnetenwatch.de/patriot_...ei-605-482.html

Hier die Abstimmung im Deutschen Parlament über:

Die Bundeswehr wird zum Schutz des NATO-Partners bis zu 400 Soldaten sowie Patriot-Flugabwehrraketen an die türkisch-syrische Grenze entsenden.
Folgende Aufgaben sollen im Rahmen des Einsatzes erfüllt werden:
•Unterstützung der NATO zum Schutz der türkischen Bevölkerung;
•Mitwirkung an der luftgestützten Frühwarnung im Rahmen der Luftraumüberwachung.
Dieser sogenannte Patriot-Einsatz ist auf den Zeitraum vom 15. Dezember 2012 bis 31. Januar 2014 begrenzt und umfasst ein finanzielles Volumen von 25,1 Mio. Euro



Was auch immer die Beweggründe für einen Krieg mit Syrien sein sollen, ich glaube kein Wort davon, solange eine derart einseitige Berichterstattung stattfindet. Es ist ein Spektakel miesester Politik auf dem Rücken, der Bevölkerung. Für wie blöd hält man die Bürger eigentlich. Seit Monaten werden bei uns in den ÖR Bilder aus Syrien gezeigt, zu Vorfällen, die in keiner Weise verifizierbar waren, man sagt das auch gleich dazu. Wie unlauter muß eine Berichterstattung sein, um dem Bürger die Unterstützung der syrischen Rebellen durch den Westen zu verkaufen.
Und wenn nichts mehr geht (Syrien Stück für Stück vom rechtmäßigen Regent und dessen Armee zurückerobert wird) soll Assad plötzlich den Einsatz von Giftgas zu verantworten haben. Diese "rote Linie" hätte er niemals überschritten. Soooooo dumm ist er nicht. Auch nicht mit Putin im Rücken, denn der hätte das auch nie unterstützt. Dieser Giftgasanschlag weist eindeutig in die Einbahnstraße aus der er kam.

Das "obere Management" im nahen Osten soll ausgetauscht werden, daran besteht kein Zweifel, fragt sich nur warum?

♥lich Nola

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Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

notquite Offline



Beiträge: 506

27.08.2013 19:35
#20 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #11
Dann sollte man wohl auch die Pro-Seite lesen.
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...greifen-Ja.html

Mein persönliches (noch sehr unsicheres) Fazit wäre derzeit: Eine gewisse Intervention muß sein. Nicht um Syrien zu "demokratisieren" (das ist völlig unrealistisch), sondern um den Respekt vor "roten Linien" zu erhalten und vor allem das Tabu des Giftwaffeneinsatzes.
Zu denken wäre wohl an einen massiven Bestrafungsschlag gegen syrische Militärflugplätze und ähnliche Einrichtungen. Aber eben auch ein zeitlich begrenzter Schlag, keine dauerhafte Intervention.


Was waren das doch für Zeiten, als derartige Fragen noch realpolitisch behandeln worden sind. Es ist doch interessant, dass allein im Syrien-Konflikt jetzt durch die "Aufständischen" schon zum wiederholten Mal offensichtliche Erpresser-Karten gespielt worden sind, bei denen man offenbar davon ausgeht, dass sie den "humanitären" Westen schon zum Eingreifen "zwingen" werden. Wenn man sich die militärischen Interventionen der letzten sagen wir mal 20 Jahre so ansieht, fällt doch schon auf, dass in ähnlichen Fällen wie jetzt in Syrien bei der offenen Kriegspropaganda oft genug massiv betrogen und gerade in den krassesten Fällen (Ruanda z.B.) überhaupt nicht eingegriffen wurde. Bis zum Beweis des Gegenteils bleibt die aktuelle Giftgasberichterstattung für mich Propaganda. Aber selbst wenn diese Sichtweise völlig falsch sein sollte und man auf dem dann realen Vorgehen Saddats eine Intervention aufbauen wollte, hätte ich immer noch gerne eine Antwort auf die Frage danach, was denn aus einem "befreiten" Syrien dann werden würde. Ein durchgehend korruptes Höllenloch wie Afghanistan, in dem sich an der Rolle der Taliban relativ wenig und an den Rechten der Frau (damals eines der Argumente, mit denen die Intervention verkauft wurde, remember?) praktisch nichts geändert hat? Ein islamistischer Alptraum wie Ägypten bis vor einigen Wochen (jetzt immer noch, nur halt nicht mehr mit exekutiver Gewalt - geschenkt? Sehr wahrscheinlich wäre ein "demokratisches" Syrien doch wie der Irak sehr schnell in der Hand der islamischen Straße und damit in allerkürzester Zeit (sagen wir mal 5-10 Jahre) "christenrein". Kann das ein verantwortlicher Politiker, der sich nicht an seinem eigenen Humanitarismus besäuft, wirklich wollen?

Martin Offline



Beiträge: 3.131

27.08.2013 19:50
#21 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von notquite im Beitrag #20
Kann das ein verantwortlicher Politiker, der sich nicht an seinem eigenen Humanitarismus besäuft, wirklich wollen?


Zumindest Westerwelle dürfte sich nicht an einem eigenen Humanitarismus besaufen. Ich denke, er hat bereits die Zeit nach seinem jetzigen Amt im Hinterkopf. Mit Joschka als Vorbild?

Gruß, Martin

Nola Offline




Beiträge: 1.590

27.08.2013 20:28
#22 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Ja, Lieber Martin, vielleicht hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations

oder besser noch hier, denn da ist auch Joschka Fischer:
http://de.wikipedia.org/wiki/European_Co...reign_Relations

Zitat
...2007 gründete er eine Beraterfirma mit dem Namen Joschka Fischer Consulting. Er ist Gründungsmitglied und Vorstand des European Council on Foreign Relations, das von dem Milliardär und Mäzen George Soros finanziert wird.



Na das trifft sich ja gut. Aber Herrn Soros zu bewegen, seinem Heimatland Griechenland größtmögliche Unterstützung angedeihen zu lassen, hat Herr Fischer wohl nicht als seine Aufgabe angesehen. Nu ja, war ja auch nicht das Thema.

♥lich Nola

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Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

Manfred Sachs Offline




Beiträge: 93

27.08.2013 21:05
#23 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

@Allgemein

Seht's? Was weiß man schon genaues? Was geht's uns überhaupt an? Sind diejenigen, welche eine Intervention fordern auch jene, die ihre Söhne zu Grabe tragen?

Aus liberaler Sicht ist es zum Glück recht einfach: Beziehungen auf Eis legen ansonsten heraushalten. Planwirtschaft funktioniert nämlich nie - Plankriegswirtschaft bildet da keine Ausnahme.

MfG
M. S.

Martin Offline



Beiträge: 3.131

27.08.2013 21:31
#24 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Zitat von Nola im Beitrag #22
Aber Herrn Soros zu bewegen, seinem Heimatland Griechenland größtmögliche Unterstützung angedeihen zu lassen, hat Herr Fischer wohl nicht als seine Aufgabe angesehen. Nu ja, war ja auch nicht das Thema.


Vielleicht liegt das daran, dass Soros in Ungarn geboren ist . Aber stimmt, das war nicht das Thema.

Gruß, Martin

uniquolol Offline




Beiträge: 254

27.08.2013 21:47
#25 RE: Das Dilemma des Westens in Syrien antworten

Daniel-Dylan Böhmer - "Chemiewaffenarsenal ist nicht von oben zerstörbar" - Welt-Online
http://www.welt.de/politik/ausland/artic...erstoerbar.html

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