"Die Türkei führt eine Altersbegrenzung für soziale Netzwerke ein. Doch es gibt Zweifel, ob es der Regierung wirklich um Kinderschutz geht. Kritiker warnen vor einem Schritt zur Totalüberwachung im Netz." Quelle: SpOn, "Türkisches Parlament stimmt für umstrittenes Social-Media-Verbot" von anonym, 23.04.2026
und
"Mit einer neuen App zur Altersverifizierung unterstützt die EU-Kommission die Initiativen vieler Mitgliedstaaten, Social-Media-Plattformen für Kinder und Jugendliche zu verbieten.[...] Großes Vorbild ist Australien, das in einem Hauruckverfahren ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre in Kraft gesetzt hatte." Quelle: SpOn, "EU-Kommission will Altersnachweis per App" von anonym, 15.04.26
KOMMENTAR: Wenn die EU über ein Verbot sozialer Medien streitet, dann ist die Meinung, dies diene der Internetzensur, "radikal". Sobald ein Land wie die Türkei das selbe einführt, siehen die Kritiker das Risiko sofort.
Das Problem ist, wie man eine Altersverifikation durchführen will, OHNE zugleich die Person zu deanonymisieren.
Wenn man jetzt einfach dogmatisch voraussetzt, dass die EU mit der ihr anvertrauten Macht schon verantwortungsvoll und gut umgehen wird, so könnte man auch auf andere Maßnahmen zur Kontrolle der Regierung verzichten, wie gerichtliche Prüfung, etc. Das würde den Leuten ohne Weiteres als absurd erscheinen.
Zitat von Johanes im Beitrag #1951Wenn die EU über ein Verbot sozialer Medien streitet, dann ist die Meinung, dies diene der Internetzensur, "radikal". Sobald ein Land wie die Türkei das selbe einführt, siehen die Kritiker das Risiko sofort.
Dass "UnsereDemokraten" Putin und Erdogan bei jeder sich bietenden Gelegenheit als totalitär bezeichnen um dann drei Monate später exakt deren Politik umzusetzen ist jetzt auch keine Neuigkeit... mit der ironischen Schlusspointe, dass sie dann Privatleute, die sich erdreisten den Diktatorenvergleich zu ziehen auch noch von der Staatsmacht zersetzen lassen.
Zitat von Johanes im Beitrag #1951Das Problem ist, wie man eine Altersverifikation durchführen will, OHNE zugleich die Person zu deanonymisieren.
Böse Zungen würden ja behaupten, dass die Deanonymisierung der eigentliche Ziel ist und nicht ein Bug - und sei es nur, um die Leute zu vorauseilendem Gehorsam zu dressieren.
Ich sehe davon ab allerdings trotz eher begrenzter IT- und Jurakenntnisse einige andere Probleme, die überaus typisch wären für vonderleyernde Schnapsideen...
Zunächst mal die Frage, wie man die Altersprüfung durchziehen will. Letztendlich gibt es da m.E. zwei Möglichkeiten:
1. Eine Sichtprüfung, wie sie aktuell von ü18-Portalen genutzt wird. Funktioniert nicht mehr, wie Kollege Danisch erst kürzlich beschrieben hat, weil man sich inzwischen nur noch zwei Minuten lang am KI-Prompt austoben muss um einen tadschikischen Personalausweis samt dazugehörigem Tadschiken erschaffen zu können.
2. Der ad hoc-Abgleich mit Behördendaten, wie ihn die EU wohl plant. Da frage ich mich nebst Erschauern über die Backdoor für geballte Behördeninkompetenz was eigentlich die Leute machen sollen, die keine bei denn örtlichen Behörden registrierten Ausweispapiere haben? Werden die dann aus dem Internet ausgesperrt? Oder sollen die dann Proxys in Ländern ohne Verifikationspflicht nutzen, eine Möglichkeit, die vermutlich jeder 14-jährige mit geringster Anstrengung ergoogeln kann? Was sind dann eigentlich die juristischen Konsequenzen für bigtech-Firmen, die in der EU dazu gezwungen werden Kundendaten an die Behörden rauszugeben und gleichzeitig in Texas sitzen, wo das vermutlich strengstens verboten ist?
Und das sind nur ein paar Probleme, die mir auf die Schnelle einfallen. Würde mich sehr wundern, wenn dabei etwas anderes rauskommt als extrem teurer Murks. Mittelfristig dürfte das ganze vermutich dazu führen, dass die Dienstanbieter sich alle in Jurisdiktionen ohne diese Zwänge zurückziehen und dann darauf setzen, dass ihre Nutzer schon rausfinden werden, wie man die Sperren umgeht. Wie sie es bisher auch handhaben mit Kunden in anderen, totalitären Systemen...
Kleiner off-topic Nachtrag zum erwähnten Sichtprüfungsproblem, weil's mir gerade eingefällt: Das Problem mit den KI-Fakes könnte für einige Firmen tatsächlich existenzielle Nöte bedeuten.
Ich nenne als Beispiel mal emmy, ein Unternehmen das in einigen deutschen Großstädten sharing-Netze mit e-Mopeds aufgebaut hat. Ich nutze die äußerst gerne, weil es keine schnellere Möglichkeit gibt in einer Großstadt von A nach B zu kommen (sofern man eine der Möhren in der Nähe findet wenn man sie braucht), weil man durch den Stau durchfahren kann und auch die überaus lästige bis unmögliche Parkplatzsuche entfällt.
Die müssen bei der Kundenregistrierung natürlich überprüfen, ob die Person einen Führerschein hat - das läuft dann über den Scan des Führerscheins i.v.m einem Profilfoto des Nutzers und dann (vermutlich) Gesichtsabgleich. Wenn sich da jetzt jeder per KI einen falschen Führerschein besorgen kann (man sollte nicht unterschätzen, wie viele Leute es gerade in Großstädten gibt die keinen Führerschein haben), dann stellt sich da natürlich die Frage nach der Haftung, wenn etwas passiert. Versicherungen werden sich da entweder querstellen oder das Betrugsrisiko über horrende Prämien einpreisen. Die Kosten in irgendeiner Form auf den Kunden umzuwälzen dürfte gerade bei Betrügern auch nicht funktionieren. Und die Möglichkeit des Abgleichs mit Behördendaten gibt es ja auch nicht... bin gespannt, wie die das lösen werden...
Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #1952Dass "UnsereDemokraten" Putin und Erdogan bei jeder sich bietenden Gelegenheit als totalitär bezeichnen um dann drei Monate später exakt deren Politik umzusetzen ist
Vielleicht hat man unter den Zimmerleuten die Ironie schon bemerkt. Aber in einer gewöhnlichen Diskussion können diese Beispiele schon noch zum Nachdenken bringen, oder?
Abgesehen davon, man muss schon zugeben, dass die Verhältnisse im Westen anders sind.
Zitat von F.AlfonzoBöse Zungen würden ja behaupten, dass die Deanonymisierung der eigentliche Ziel ist und nicht ein Bug - und sei es nur, um die Leute zu vorauseilendem Gehorsam zu dressieren.
Es steht zu befürchten.
Zitat von F.AlfonzoWürde mich sehr wundern, wenn dabei etwas anderes rauskommt als extrem teurer Murks.
Der Unterschied zu sowas wie De-Mail oder ePostbrief ist jedoch: Diesmal werden alle dazu gezwungen, mitzumachen. Und das weltweit, sogar in den USA hört man davon.
Das heißt, Benutzer, die keine Lust auf dieses Verfahren haben, werden zwangsläufig z. B. japanische Proxies oder so gebrauchen müssen.
"Narren sind Alle, die es scheinen, und die Hälfte derer, die es nicht scheinen" ~ Gracian's Handorakel
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