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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 4 Antworten
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Frank2000 Offline




Beiträge: 1.758

20.07.2018 18:26
Gesammelte Beobachtungen zum Leben an und für sich antworten

Ich weiß, dass hier in den "Weiteren Themen" nicht so viele mitlesen. Aber für einen "richtigen" Artikel sind meine folgenden Beobachtungen und Gedanken zu unsortiert und zu subjektiv.

- Warum ist Tyrannenmord weiterhin tabuisiert?

Wenn man sich Kunst und Medien der westlichen Welt ansieht (Bücher, Film, Fernsehen, Kunstwerke), dann fällt ein Thema auf: "Tyrannenmord" ist weiterhin verpönt bis undenkbar. Die typische Geschicht verläuft so:
Ein Tyrann (sehr viel seltener eine tyrannische Gruppe) unterdrückt die denkenden Wesen. Der Tyrann ist dabei so abgrundtief böse, dass selbst die üblichen Zwistigkeiten der Existenz dagegen verblassen. Im Vergleich zu diesem Tyrannen werden selbst Mörder und Vergewaltiger zu Verbündeten. Der Tyrann ist das personifizierte Böse, der Teufel in Menschengestalt. Unsägliche Leiden und Opfer, Heerscharen an Toten pflastern seinen Weg. (Sehr, seeeehr viel seltener mal ein weiblicher Tyrann.)
Um den Tyrann zu stürzen müssen weitere Heerscharen an Hörigen und Unterstützern getötet werden. Das ist gemäß der Story aber OK. Irgendwann ist dann der Tyrann aller Macht beraubt - und wird am Leben gelassen! Die Absurdität dieses Vorgangs springt einen gerade zu an, aber genau so geht die typische Tyrannenstory. Ausgenommen davon sind nur außerirdische Tyrannen, die darf man auslöschen.
In vielen Geschichten erhebt sich der Tyrann dann zum zweiten mal, wieder müssen Menschen leiden und sterben. Der Tyrann wird zum zweiten mal besiegt - und wieder nicht getötet! Statt dessen stirbt der Tyrann dann durch eine eigene Handlung, durch Zufall oder durch die Hand eines anderes Bösen.

Die Beispiele für dieses Szenario sind so allgegenwärtig, dass ich mir die Aufzählung hier schenke. Statt dessen nur der Hinweis auf eine bitterböse Actionkomödie, die genau damit spielt: Deadpool. Am Ende muss sich Deadpool einen minutenlangen Monolog anhören, warum es heldenhaft sei, den Erzbösen leben zu lassen (wohlgemerkt, nachdem dutzende an Mitläufern vorher umgebracht wurden). Bis Deadpool dieser Schwachsinn auf die Nerven geht und er dem Bösen eine Kugel durch den Kopf jagt.

Warum ist das in den kulturellen Genen unserer Gesellschaft so verankert? Wäre es nicht viel sinnvoller, gerade (!) die Anführer aus dieser Existenz zu entfernen? Dass das keineswegs nur ein akademisches Thema ist, sondern zutiefst in unser tägliches Handeln hineinreicht, zeigen einige Beispiele:
- Auch Jahrzehnte später wird noch die Diskussion geführt, ob die Todesurteile der Nürnberger Prozesse richtig waren. Das ist schon ein wenig gaga, oder? MILLIONEN Menschen mussten sterben, aber ein paar Dutzend Menschen, die nachweislich höchste Positionen in diesem Verbrecherregime belegten, werden diskutiert?
- Eben so bei Verbrechern wie Hussein oder der Mord an den Zarenfamilie (um mal in die Vergangenheit zu blicken): die Tötung von "Führungsmitgliedern" löst in weiten Teilen unserer Gesellschaft einen Abscheu-Reflex aus. Wenn mir dieser Seitenhieb erlaubt ist: während Merkel ja ansonsten auch nicht jeden Pups kommentiert, war ihr das DERART wichtig, dass Sie in einer Stellungnahme das Todesurteil gegen Hussein verurteilte. Schon immer wieder bemerkenswert, was Merkel kommentiert - und was nicht.

Zurück zum Thema (ich will hier ausdrücklich mal keine Diskussion über Merkel): Dabei geht es meiner Meinung nach nicht um eine akademische Rechtsstaatsdiskussion: die ist nur vorgeschoben. In Wahrheit, davon bin ich überzeugt, geht es um eine emotionale, um eine "moralische" Komponente. Man tut das einfach nicht.

Gaga.

- Warum verstecken Frauen ihre Brüste?

Kann sich noch jemand von den älteren Herrschaften an seine Jugendzeit erinnern? Da wusste man(n) noch, dass Brüste unterschiedlich aussehen. Groß, klein, spitz, rund, mehr nach innen oder außen: jeder Frau war anders. Außerdem gab es zwischen "Hals" und "Brust" noch etwas Abstand, eine Körperfläche, die wie auch beim Mann von Rippen dominiert wurde. Den Abschluss der Brust bildeten die Brustwarzen, die auch bei jeder Frau anders aussahen.
Seit eingen Jahrzehnten hat sich das geändert: es gibt nur noch die "Standard-Brust". Gut gepolster und norm-geformt. Körbchengröße C, halbkugelförmig und nach oben gedrückt. Die Brust beginnt 3 Cm unterhalb des Kehlkopfs und hängt dann wie durchgeschnittene Bälle vor dem Oberkörper. Brustwarzen gibt es gar nicht mehr.

Ich selbst finde das abstoßend und überhaupt nicht weiblich. Aber ich scheine mit dieser Einstellung allein zu sein. Während echte Frauen immer mehr zu asexuellen, genormten Puppen werden, hat sich die Pornographie enorm verbreitet. Man kann der Pornographie kaum noch entkommen, bis hinein in Spiele, Werbung und "Kunst&Kultur". (Was sich halt so Kunst und Kultur nennt.)

Gaga.

- Sind Geschlechterklischees wirklich falsch?

Typische Szene in meinem Haushalt: ich lese ein Buch, meine Frau spricht. Ich weiß nicht, ob sie wirklich erwartet, dass ich zuhöre. Aber jedenfalls redet sie. Grundsätzlich scheint es erheblich mehr Männer zu geben, die nicht-reden-und-auch-sonst-nix-tun als durchaus sinnvolle Beschäftigung betrachten. Angeln, zum Beispiel, zieht erheblich mehr Männer an als Frauen (Deutschland: 95% Männer).
Anderes Beispiel: Arztbesuch. Während meine Frau es angenehm findet, wenn ich sie bei Arztbesuchen begleite, ist das umgekehrt nicht der Fall. Wenn möglich gehe ich allein. Ich empfinde es als - ja tatsächlich - unmännlich und unangenehm, meine Frau an Symptomen von Schwäche bei mir teilhaben zu lassen.

Grundsätzlich sollte man bereit sein, auch die Existenz von Ausnahmen zur Kenntnis zu nehmen. Aber inzwischen bin ich schon fast so weit zu vermuten, dass Frauen, die sich sehr männlich verhalten, oft keine "normalen" Frauen sind... und umgekehrt. (jaaa, ich höre jetzt den Aufschrei der Genderkriegerinnen). Im Sinne von: biologische Merkmale, die Mann und Frau unterscheiden, sind in einer gewissen Bandbreite ausgeprägt. Gestagene, Östrogen, Androgene wie Testosteron, Adrenalin... all das kommt mal in höheren mal in niedrigeren Dosierungen vor. Durch unterschiedliche Dosierungen entstehen Randbereiche mit "männlichen Frauen" und "weiblichen Männern".

Ich selbst habe überhaupt kein Problem damit, zumal meine Frau eine relativ agressive, männliche Frau ist und ich ein relativ weiblicher Mann. Aber diese Randbereiche sind kein Gegenbeweis gegen meine Vermutung, dass es in der menschlichen Biologie ein "weibliches Konzept" und ein "männliches Konzept" gibt.

Ich habe den Eindruck, dass in dem verständlichen Versuch, dem Individuum gerecht zu werden, gern vergessen wird, dass es auch gültige Aussagen zu "Standards" gibt. Zu einer "Normalität" im Sinne von "beschreibt die Masse der Beobachtungen". Kann dieser Wunsch zu einer rein "individuellen Beschreibung" nicht auch zu einer Diskriminierung führen? Nämlich in der Form, dass viele Menschen das Gefühl haben, ihr Verhalten Xy sei "normal" und diese Menschen dann indoktriniert werden, ihre Vorstellung von "Normalität" sei diskriminierend?

Gibt es so etwas wie eine "Diktatur der Minderheit über die Merheit"?

Gaga.

- Warum nimmt persönliches ökologisches Verhalten immer weiter ab?

Mir fällt auf, dass in dem Bereich, den nun wirklich jeder persönlich zu 100% kontrollieren kann, das ökologische Handeln immer weiter abnimmt: der eigene Garten.

Meine Frau und ich achten darauf, dass unser Garten nicht nur schön ist, sondern auch ökologisch sinnvoll. Das geht oft ganz einfach: in einem Blumencenter braucht man blos wenige Minuten zuzusehen, um zu erkennen, welche Pflanzen keinen Nektar oder Pollen mehr haben. Wenn sich keine Insekten für die Pflanze interessieren, dann ist diese Pflanze wertlos. Direkt daneben mag eine andere Pflanze stehen, fast gleich in Größe, Aussehen und Farbe, die von Insekten angeflogen wird.

Der typische Garten sieht heute so aus: zuerst mal so viel versiegeln, wie der Gesetzgeber zulässt. Meistens noch ein bischen mehr, weil wo kein Kläger, da kein Richter. Der klägliche Rest wird mit Rollrasen versiegelt, der jedes Jahr mit UNIVERSALROUNDUPKILLER oder etwas ähnlichem vollgepumpt wird, damit keine "Unkräuter" wachsen. Der Vorgarten wird zunächst mit einer Plastikfolie komplett versiegelt, auf die dann Rindenmulch und Vulkansteine drappiert werden. An zwei oder drei Stellen wird die Folie durchstochen und ein paar Geranien gepflanzt.

Dieses perverse Versiegeln ist inzwischen so weit verbreitet, dass unsere eigenen Kinder (!! die wir nun wirklich so naturnah erzogen haben, wie es hier halt geht) uns vorwerfen, unser Garten würde "altmodisch" aussehen. Dieses Versiegeln ist inzwischen so weit verbreitet, dass es als eine der Ursachen gilt für den Rückgang der Insektenpopulation.

Aber an der Wahlurne macht man alles wieder gut... in dem man "Grüne" oder "Linke" wählt. Hat doch früher auch schon funktioniert mit den Ablassbriefen.

Gaga.

Hinweis: Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal einen Strang mit Einzelbeobachtungen angefangen: "Merkwürdigkeiten im Alltag"
Merkwürdigkeiten im Alltag

***
Gruß
Frank

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

hubersn Offline



Beiträge: 797

21.07.2018 19:01
#2 RE: Gesammelte Beobachtungen zum Leben an und für sich antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #1
Der typische Garten sieht heute so aus: zuerst mal so viel versiegeln, wie der Gesetzgeber zulässt. Meistens noch ein bischen mehr, weil wo kein Kläger, da kein Richter. Der klägliche Rest wird mit Rollrasen versiegelt, der jedes Jahr mit UNIVERSALROUNDUPKILLER oder etwas ähnlichem vollgepumpt wird, damit keine "Unkräuter" wachsen. Der Vorgarten wird zunächst mit einer Plastikfolie komplett versiegelt, auf die dann Rindenmulch und Vulkansteine drappiert werden. An zwei oder drei Stellen wird die Folie durchstochen und ein paar Geranien gepflanzt.



Lieber Frank,

könnten Sie den Garten hinter unserem Haus sehen - sie würden vor Freude jubilieren. Naturwiese, einige Bäume und Büsche und Sträucher und Hecken, seit Jahrzehnten gewachsen und nur ab und an sanft zurückgeschnitten (z.B. dieses Jahr der inzwischen riesige Nussbaum, der uns buchstäblich über den Kopf gewachsen war). Immer wenn ich in den Medien etwas von Insektensterben oder Rückgang der Vogelpopulation oder sonstigem Getier lese, denke ich: nö, bei uns nicht. In unserem Garten summt und brummt und wuselt es, dass es nur so eine Freude ist. Abends pfeifen sich zwei gefiederte Talente auf dem Dachfirst gegenseitig wahre Arien zu. Jedes Jahr nisten verschiedene Vogelarten unter dem Dachfirst. Schmetterlinge wohin man blickt. Von der Hummel bis zur Hornisse fliegt hier alles was bestäubt durch die Gegend. Mindestens drei Eichhörnchen (mehr habe ich noch nicht gleichzeitig auf dem Baum sitzen sehen), vermutlich versorgt unser Nussbaum eine komplette Kolonie. Dazu hört man nachts die Grillen zirpen, dass es vermutlich an mancher Hauptverkehrsstraße leiser wäre. Der nahe Tümpel beherbergt reichlich Amphibien und Libellen.

Das alles ist nicht Ausfluss besonderer ökologischer Gesinnung, sondern gesunder Menschenverstand mit besonderem Augenmerk auf Pflegeleichtigkeit (manche würden sagen: meiner Faulheit geschuldet ). Die Natur sorgt am besten für sich selbst. Ich schaue ihr gerne zu dabei.

Und dann ist da noch ein Zierbuchsbaum vor dem Haus. Der ist seit Jahren dem Angriff des unsäglichen Buchsbaumzünslers ausgesetzt. Da, muss ich zugeben, greife ich ohne Bedenken zur chemischen Keule (auch wenn es ja inzwischen eher ein Wattebäuschchen ist). Anders geht es in diesem Falle nicht.

Gruß
hubersn

--
Mein Politik-Blog: http://politikblog.huber-net.de/
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Frankenstein Offline




Beiträge: 584

21.07.2018 21:12
#3 RE: Gesammelte Beobachtungen zum Leben an und für sich antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #1
Warum ist Tyrannenmord weiterhin tabuisiert?

Eine mögliche Antwort darauf hat Alice Miller seinerzeit exemplarisch am Beispiel Saddam Husseins gegeben:

Mitleid mit dem Vater

Frank2000 Offline




Beiträge: 1.758

21.07.2018 22:44
#4 RE: Gesammelte Beobachtungen zum Leben an und für sich antworten

Sehr interessant, wobei ich die These nicht unterstütze, dass Erziehung und Sozialisierung allein den späteren Charakter formen. Für mich ist immer auch eine angeborene Komponente dabei.

___________________
Kommunismus mordet.
Ich bin bereit, über die Existenz von Einhörnern zu diskutieren. Aber dann verlange ich außergewöhnlich stichhaltige Beweise.

Frankenstein Offline




Beiträge: 584

22.07.2018 10:56
#5 RE: Gesammelte Beobachtungen zum Leben an und für sich antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #4
Sehr interessant, wobei ich die These nicht unterstütze, dass Erziehung und Sozialisierung allein den späteren Charakter formen. Für mich ist immer auch eine angeborene Komponente dabei.

Da stimme ich Ihnen absolut zu. Ich halte es aber für ausgeschlossen, dass ein Mensch, der in einer liebevollen Umgebung aufwächst, später zum brutalen Tyrannen wird (von schweren Hirnschäden, mit denen man ohnehin kaum eine derartige Position erreichen dürfte, mal abgesehen).

Ich habe Millers Buch lange vor dem SPIEGEL-Artikel gelesen, ihre Recherchen zur Kindheit von Hitler, Stalin und Co. waren schon recht beeindruckend.

 Sprung  



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