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ZETTELS KLEINES ZIMMER

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Dieses Thema hat 2 Antworten
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Martin Online



Beiträge: 2.338

11.01.2018 13:18
Wer zeigt der DUH mal ihre Grenzen auf? antworten

Eine kleine Notiz in unserer Tageszeitung veranlasst mich mal wieder zu einem Kommentar (ich bitte zu entschuldigen, wenn er etwas länger geworden ist): Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Gerichte und Städte wegen der Nichteinhaltung der Richtlinie 2008/50/EG vor sich hertreibt, ruft nun Bürger dazu auf, neue Messorte für Stickoxide zu benennen, an denen die DUH Luftmessungen vornehmen will.

Zitat
Der Verein ist überzeugt davon, dass es an weit mehr als an den bekannten 90 Städten gesundheitsschädliche Konzentrationen des Abgasgifts Stickstoffdioxid gibt



In dieser Aussage steckt ein großer Teil der Scharlatanerie, die die DUH betreibt: Selbstverständlich ist Stickstoffdioxid Gift, wenn in zu hohen Konzentrationen eingeatmet, so wie Salzwasser, wenn es übermäßig getrunken wird. Ich habe allerdings noch keinen Umweltaktivisten glaubhaft gegen das Umweltgift Mittelmeer, wo das Salzwasser in übermäßiger Konzentration vorliegt, vor Gericht ziehen sehen.

Die DUH erwähnt zwar immer wieder Gefahren für die Gesundheit, oder ‚gesundheitsschädliche Konzentrationen‘, ich erinnere mich aber nicht daran, dass sie behauptet, dass der von der EU für Langzeitexposition festgelegte Grenzwert von 40µg/m³ für Stickstoffdioxid bereits als gesundheitsschädlich, bzw. giftig zu gelten hat. Die DUH und mit ihr verbundene Aktivisten missbrauchen lediglich das nur bei wenigen Menschen vorhandene Verständnis dafür, was Grenzwerte bedeuten.

Die EU-Kommission hat sich Ende der 90er Jahre das Ziel gesetzt, innerhalb der EU die vor allem durch den Verkehr zunehmend beeinträchtigte Luftqualität zu verbessern. Zur Umsetzung hat die Kommission Ziel(Grenz-)werte für einzelne Luftschadstoffe festgelegt, Kriterien für die Messung und einen Zeitplan. Zusätzlich erzwingt die Kommission Gemeinden zu Verbesserungsmaßnahmen, falls Grenzwerte überschritten werden, notfalls mittels Strafmaßnahmen.

Parallel wurden für die Emittenten von Schadstoffen, insbesondere auch für KfZ, die Anforderungen an die Emissionen verschärft, also ein Zusammenwirken verschiedener Zeitpläne. Da aber kein algorithmischer Zusammenhang zwischen all diesen Maßnahmen und den lokalen Zielwerten bestand, war dies ein großes Experiment, bzw. ein umweltpolitisches Spekulationsgeschäft. Anstatt aber die Bedingungen für ein Experiment mit nicht vorhersagbarem Ausgang vernünftig zu korrigieren scheint die Kommission dieses ohne Kosten/Nutzen-Abwägungen stur durchziehen zu wollen, und in Deutschland überlässt man Umweltaktivisten das Feld.

Zuerst mal gibt es einige Fakten und Indikatoren, dass ein Überschreiten des Ziel- oder Grenzwerts für NO2 keine Gefahr für die Gesundheit darstellt, auch nicht im Verständnis der EU-Kommission von 1999: 1999 war der eigentliche Grenzwert 60µg/m³, basierend auf dem Überschreitungen erfasst wurden. Dieser wurde bis 2010 schrittweise auf 40µg/m³ abgesenkt. In der Richtlinie wurde dies verklausuliert dargestellt, weil man anfangs eine 50%ige Überschreitung von 40µg/m³ zugestand. Dies wäre kaum geschehen, wäre von diesen Konzentrationen eine Gefährdung der Gesundheit ausgegangen.

Die 40µg/m³ Grenze für NO2 wiederum ging auf eine WHO-Empfehlung zurück, allerdings hatte die WHO immer betont, dass NO2 lediglich als ‚Marker‘ für ‚schlechte Luft‘ galt, weil es am einfachsten zu messen war. Es gab keine wissenschaftlich fundierte Untersuchung, die diesen Grenzwert für NO2 alleine rechtfertigte. Diese Position wurde über die Folgejahre immer wieder bekräftigt. Die USA haben in Kenntnis der Faktenlage lange nach der EU einen Langzeitgrenzwert eingeführt und diesen auf 100µg/m³ festgelegt. Die EU hat bei der Festlegung nicht berücksichtigt, dass sie ja ‚schlechte Luft‘ bereits in ihre Komponenten zerlegt und individuell mit Grenzwerten beaufschlagt hat, und so die WHO-Empfehlung letztlich falsch umgesetzt hat.

Toxikologen, die ihre Grenzwerte nicht aus unspezifischen epidemiologischen Untersuchungen gewinnen, sondern aus klinischen Untersuchungen, legen den Grenzwert beispielsweise für Arbeitsplätze noch weit höher fest.

Ein weiterer Indikator dafür, dass die EU-Kommission nie die Einhaltung eines Grenzwerts von 40µg/m³ für NO2 für jeden Bürger erzwingen wollte, ist die Tatsache, dass die Einrichtung von Messstationen so gefordert wurde, dass gerade kleinräumiges Erfassen von Konzentrationen vermieden wird, sondern Aussagen repräsentativ über größere Räume sein sollen. Damit wird durchaus akzeptiert, dass kleinräumig höhere Konzentrationen auftreten. Die Richtlinie akzeptiert auch, dass sich ein Messort nur vermutlich an einer am stärksten belasteten Stelle ist und verlässt sich auf diese Vermutung.

Aus der Richtlinie lässt sich nicht ablesen, dass der Bürger ein individuelles Recht auf die Einhaltung eines Grenzwerts von 40µg/m³ NO2 vor seiner Haustüre haben soll, die Richtlinie versucht lediglich großräumig das NO2 abzusenken, festgemacht an einzelnen Messstellen. Aus dieser Lage versucht der DUH einen für jeden Bürger zu garantierenden Grenzwert zu konstruieren, und hat wohl auch Richter gefunden, die sich dieser Position anschließen. Meines Erachtens gibt es dafür aber unabhängig von der nicht-existenten Gefährdungslage keine Rechtsgrundlage. Die Richtlinie erlaubt Sanktionen durch die Mitgliedstaaten, deren einzige Anforderung die ist, „wirksam, verhältnismäßig und abschreckend“ zu sein. Mehr nicht.

In der Liste der beispielhaft angedachten Maßnahmen zur Verringerung von Schadstoffen für Luftreinhaltungspläne ist im Übrigen nicht das Aussperren von bestimmten Fahrzeugen erwähnt. Es sind Anreize erwähnt für Nachrüstungen von Fahrzeugen, vor allem aber Maßnahmen für das öffentliche Beschaffungswesen (Neufahrzeuge, Verkehrsdienste).

Offensichtlich ist aber die durchschnittliche Nutzungsdauer der Fahrzeuge höher, als dies im Zeitplan der Richtlinie angedacht war. Anstatt nun also einer DUH das Scheunentor zu öffnen wäre es vernünftiger, die EU korrigierte ihren Zeitplan. Die aktuellen Entwicklungen gehen eh in die gewünschte Richtung.

Gruß, Martin

PS: Für die Bestimmung der Messorte soll Folgendes berücksichtigt werden:

Zitat
Der Luftstrom um den Messeinlass darf in einem Umkreis von mindestens 270° nicht beeinträchtigt werden, und es dürfen keine Hindernisse vorhanden sein, die den Luftstrom in der Nähe der Probenahmeeinrichtung beeinflussen, d. h. Gebäude, Balkone, Bäume und andere Hindernisse müssen normalerweise einige Meter entfernt sein und die Probenahmestellen für die Luftqualität an der Baufluchtlinie müssen mindestens 0,5 m vom nächsten Gebäude entfernt sein.



Auf der einen Seite sagt hier die Richtlinie, dass die Probenahmeeinrichtungen einige Meter von Gebäuden entfernt sein sollen, andererseits dürfen es mindestens 0,5m sein. In unserer Stadt, wo die NO2-Grenzwerte noch zu oft überschritten werden, ist der Abstand ca. 0,5m. Man kann also die Stadt durchaus mal fragen, warum sie sich an Mindestanforderungen und nicht an den Empfehlungen orientiert.

Werwohlf Offline




Beiträge: 790

11.01.2018 20:58
#2 RE: Wer zeigt der DUH mal ihre Grenzen auf? antworten

Du hast ja sowas von Recht. Danke für Deine Mühe, das mal alles zusammenzustellen! Werde ich künftig als Referenz heranziehen

Aber um die sich nach Lektüre dieses Beitrags langsam steigernde Wut gleich wieder durch Lachen aufzulösen, empfehle ich hier mal den Jahresrückblick von Dieter Nuhr zum Thema (ab Minute 3:50). Die DUH bekommt auch ihr Fett weg:
https://www.youtube.com/watch?v=SaYzpQk8r1w

Und das Schöne: Es lief auf dem "Ersten".

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Martin Online



Beiträge: 2.338

12.01.2018 07:19
#3 RE: Wer zeigt der DUH mal ihre Grenzen auf? antworten

Danke, die vorzeitigen Todesfälle sind ein weiterer Teil der Scharlatanerie des DUH, Nuhr hat das gut parodiert.

Gruß, Martin

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