Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  

ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 229 Antworten
und wurde 11.032 mal aufgerufen
 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
Seiten 1 | ... 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
hubersn Offline



Beiträge: 857

20.10.2018 16:15
#226 RE: Weiß-blaues Wahlorama antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #117
Zitat von hubersn im Beitrag #115
Stattdessen die typische Verbotslitanei. Vom Mineraldünger und Pestiziden bis zu Autos in Innenstädten.

Beim Autoverkehr liegen sie tatsächlich neben der Spur für die meisten bürgerlichen Wähler.



Und bei sonstigen Verkehrsthemen, Bildung, Landwirtschaft, Wirtschaft, Energie, innere Sicherheit/Polizei, Ehe für alle, Genderei? Tut mir leid, ich kann immer noch keine signifikante Überdeckung erkennen.

Zitat

Aber die Rückkehr zu Opas Landwirtschaft ist ein Traum für konservative städtische Spießer.



Vermutlich haben Sie das Wort "konservativ" in Ihrem Sinne umdefiniert. Was den Begriff in Diskussionen sinnlos macht. Passiert mir in letzter Zeit häufiger, dass man sich einfach nicht mehr versteht, weil Dinge wie "konservativ", "liberal", "nachhaltig", "kapitalistisch", "sozialistisch" oder "links" gerne mal radikal uminterpretiert werden.

Ich kenne jedenfalls - außer einem abstrakten Wunsch nach "Natur" - keine Menschen, die ich als konservativ bezeichnen würde, die etwas so Naturzerstörendes wie Biolandbau dufte finden würden, mitsamt dem angedachten Subventionsregime der Grünen. Im Gegenteil, durch ihre täglichen Kaufentscheidungen zeigen die Menschen, dass sie mit Landwirtschaft im grünen Sinne nichts zu tun haben möchten. Nicht vergessen: die Grünen wollen auch eine Reduktion der Viehwirtschaft, also letztlich höhere Milch- und Fleischpreise. Würde mich wundern, wenn Sie da ein paar Konservative auftreiben können, die die Pläne der Grünen prima finden (letzter Schrei: unterschiedliche Mehrwertsteuersätze, um ideologisch von Grün favorisierte Produkte billiger werden, die in grüne Ungnade gefallene hingegen teurer).

Zitat

Und die mögen es generell, wenn die Obrigkeit regelnd eingreift und insbesondere alles mögliche verbietet, was man sich selber nicht leisten kann oder wozu man intellektuell nicht in der Lage ist.



Die Grünen wollen ja generell Steuern erhöhen, Fernreisen verbieten etc. - alles das, was die konservative Mittelschicht stark treffen würde. Ein Hang zur Regulierung und Obrigkeitshörigkeit bedeutet doch noch lange keine Überdeckung von konservativen Grundpositionen mit dem Grünen-Partei- oder -Wahlprogramm. Vermutlich eint Grüne und Konservative nur die weitgehende Abwesenheit liberaler Ideen. Aber aus unterschiedlichen Beweggründen.

Gruß
hubersn

--
Mein Politik-Blog: http://politikblog.huber-net.de/
Mein Mischmasch-Blog: http://miscblog.huber-net.de/

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.721

22.10.2018 15:40
#227 RE: Diese Wahl hat zwei Verlierer antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #225
Zitat von Meister Petz im Beitrag #220
Aber was hätte dagegen gesprochen, die vereinbarten 8000 vom Bahnhof rauszuholen und dann zuzumachen, wie es ja ursprünglich angekündigt war, und wie Orban es dann gefordert hat?


Hilf mir auf die Sprünge: Warum wurde das nicht gemacht?

Diese beiden Sequenzen in ihrer Abfolge sind meines Ermessens äußerst erhellend, um zu zeigen was in dieser Debatte grundsätzlich im Argen liegt:

Glaubt irgendjemand, es würde heute noch ein einziger Hahn danach krähen wenn damals ein paar 10tausend Menschen aufgrund einer Ausnahme eingereist wären und danach wieder „Normalität“ eingekehrt wäre? – Ohne darüber diskutieren zu wollen, ob diese Ausnahmeentscheidung damals richtig oder falsch war oder was im Vorfeld alles geschehen ist. -

Vielleicht würde sogar Merkel heute noch fester im Sattel sitzen als vor 2015 mit dem Hinweis, dass sie in höchster Not auch mal ein menschliches Gesicht gezeigt hätte. Die AfD wäre längst im Nirwana der Bedeutungslosigkeit.

Ich habe nicht selten den Eindruck, dass das was die Entscheidung, bzw. Nichtentscheidung 2015ff nach sich zog, gerne instrumentalisiert wird, um seine eigenen Feindbilder und Ängste zu pflegen. Nicht selten, werden dazu auch Strohmänner aufgebaut, um jede berechtigte Kritik von Beginn an lächerlich erscheinen zu lassen. Von allen Seiten. Wen wundert es, wenn da keine vernünftige Diskussion herauskommen kann.

Die Annahme sollte eben nicht sein, dass die AfD wegen des plötzlichen Grassierens eines unchristlichen Menschenbildes stark wurde, sondern eher wegen der Perpetuierung eines politischen Ausnahmezustandes, der alles andere als diskussionsunwürdig war und ist.

Herzlich

nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.721

22.10.2018 16:27
#228 RE: Diese Wahl hat zwei Verlierer antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #212

Zitat
Ich sage nicht JA zu der Asyl- und Flüchtlingspolitik; es ist völlig klar, dass da was passieren muss. Ich sage JA zu den Menschen, die nach Deutschland kommen.

Vielleicht erlaubst du mir eine kleine Anmerkung hierzu.

Das interessante an dieser Formulierung ist meines Ermessens, dass sie eine „Ich Botschaft“ sendet: „Ich sage ja.“

Als diese „Ich Botschaft“ ist die Aussage etwas Wunderbares, die Herr sicher in vollem Bewußtsein der Formulierung so getroffen hat.

Oft genug vermischen sich in diesem Zusammenhang (automatisch) aber auch zwei Dinge, welche getrennt gehören: Nächstenliebe und Politik.

Einfach „Ja“ sagen zu den Menschen ist etwas voraussetzungsloses und damit durchaus etwas göttliches, weil es über gewöhnliches menschliches Verhalten hinaus geht. Im christlichen Menschenbild wird das (Nächsten)Liebe genannt.

Voraussetzungslosigkeit beim Handeln in der Politik ist allerdings in meinen Augen nicht angebracht, sollten hier die Folgen des Handelns und eines „Jas“ doch immer abgewogen werden. – Denn kein „Ja“ ist folgenlos, bzw. hat unter Umständen weitreichende Folgen über das ursprüngliche „Ja“ hinaus. Dies zu Bedenken ist die Verantwortung der Politik. Dies (für sich persönlich) zu ignorieren ist die Großherzigkeit der Liebe.

Die Trennlinie hier verläuft bei der Einforderung des „Jas“ oder seiner Freiwilligkeit und dieser Grat ist ein schmaler. – Vor allem auch, wenn man das „Ja“ über seinen persönlichen Erlebensbereich hinaus ausdehnt.

Die Einforderung eines „Jas“ verkörpert für mich dabei den von mir oft kritisierten Versuch Nächstenliebe zu institutionalisieren. Das kann in meinen Augen nur schief gehen, denn Nächstenliebe ist etwas rein Persönliches, Zwischenmenschliches, das auch zwischenmenschliche Erfahrung braucht, um es erleben zu können.

Dass es ein Spannungsfeld zwischen Politik, Persönlicher Erfahrung und Nächstenliebe geben kann, ja muß, ist für mich dabei keine große Erkenntnis. Der von mir immer wieder wahrgenommen Versuch, Nächstenliebe als Maßstab für Politik zu installieren, finde ich allerdings übergriffig – Vor allem auch deswegen, da das Konzept in der Praxis nicht ohne eine Definition von Subjekt und Objekt der Nächstenliebe auskommt.

Herzlich

nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Florian Offline



Beiträge: 2.533

22.10.2018 16:54
#229 RE: Weiß-blaues Wahlorama antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #226
Die Grünen wollen ja generell Steuern erhöhen, Fernreisen verbieten etc.


Dazu passt meine absolute Lieblings-Umfrage, die die grüne Denk- und Lebensweise wie keine andere enthüllt:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/umfrag...e-120972-2.html

"Ich bin in den letzten 12 Monaten geflogen" sagen:
36% der CDU-Wähler
32% der SPD-Wähler
42% der Linke-Wähler
49% der Grünen-Wähler

"Es ist gut, dass sich heute viele Menschen leisten können, zu fliegen" sagen:
77% der CDU-Wähler
77% der SPD-Wähler
69% der Linke-Wähler
48% der Grüne-Wähler

=>
Grüne-Wähler machen die meisten Flugreisen. Zugleich gönnen diese Pharisäer aber anderen nicht, dass die sich auch eine Flugreise leisten können.
(Interessanterweise sind es übrigens ausgerechnet die Linke-Wähler, die den Grünen hier am nächsten stehen.
Während CDU- und SPD-Wähler das genaue Gegenteil sind: Sie selbst fliegen relativ wenig. Aber sie gönnen anderen den Spass. Eine sehr symphatische Einstellung).

Werwohlf Offline




Beiträge: 914

24.10.2018 23:41
#230 RE: Diese Wahl hat zwei Verlierer antworten

Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #228
Die Trennlinie hier verläuft bei der Einforderung des „Jas“ oder seiner Freiwilligkeit und dieser Grat ist ein schmaler.
Volle Zustimmung zu Deinen Ausführungen. Es ist ja auch ganz simpel so, dass das politische "JA" nicht nur "eingefordert", sondern auch effektiv erzwungen wird, wie es bei Kollektiventscheidungen in der Natur der Sache liegt. Wer übt denn dann Nächstenliebe? Der, der andere dazu zwingt? Oder der, der von anderen dazu gezwungen wird? Es ist absurd - da passen die Maßstäbe einfach nicht.
Dennoch, und da ist Herr natürlich Recht zu geben: Man darf niemals die Ablehnung der Politik mit der (prinzipiellen) Ablehnung der Menschen verwechseln, die als deren Folge zu uns gekommen sind. Die richtigen Adressaten des Unmuts sitzen in Berlin, nicht in den Flüchtlingsunterkünften irgendwo draußen. Um so übler ist die Kluft zwischen Refugees-Welcome-Rhetorik und konkreten Maßnahmen, um die vielen mit der massenweise Aufnahme kulturell unterschiedlich geprägter Menschen mit überwiegend geringer Qualifikation verbundenen Probleme anzugehen. Wo ist der Plan, wo ist die Liste der Schritte, wo ist das Monitoring? Stattdessen mit der Gießkanne verteilte "Mittel", die mehr oder (wohl meist) weniger effektiv bei irgendwelchen "Trägern" landen. Alles darauf ausgerichtet, kurzfristige Erfolgsmeldungen verfassen zu können, aber meist ohne langen Atem angesetzt. Vielleicht fehlt es, weil es zeigen würde, wie schwierig es ist, wie viel es kostet und wie lange es dauern wird. Aber sorry: Mit der Aufnahme dieser Menschen hat die Politik eine Verpflichtung übernommen, nicht nur gegenüber diesen selbst, sondern auch gegenüber der Mehrheitsgesellschaft in Sachen Integration. Und ich verstehe darunter nicht, dass es Aufgabe der Politik ist, der Gesellschaft Noten zu geben, wie gut sie den Job macht, um den sie sich nicht beworben hat.

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Seiten 1 | ... 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
 Sprung  



Bitte beachten Sie diese Forumsregeln: Beiträge, die persönliche Angriffe gegen andere Poster, Unhöflichkeiten oder vulgäre Ausdrücke enthalten, sind nicht erlaubt; ebensowenig Beiträge mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder obszönem Inhalt und Äußerungen gegen den demokratischen Rechtsstaat sowie Beiträge, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Hierzu gehört auch das Verbot von Vollzitaten, wie es durch die aktuelle Rechtsprechung festgelegt ist. Erlaubt ist lediglich das Zitieren weniger Sätze oder kurzer Absätze aus einem durch Copyright geschützten Dokument; und dies nur dann, wenn diese Zitate in einen argumentativen Kontext eingebunden sind. Bilder und Texte dürfen nur hochgeladen werden, wenn sie copyrightfrei sind oder das Copyright bei dem Mitglied liegt, das sie hochlädt. Bitte geben Sie das bei dem hochgeladenen Bild oder Text an. Links können zu einzelnen Artikeln, Abbildungen oder Beiträgen gesetzt werden, aber nicht zur Homepage von Foren, Zeitschriften usw. Bei einem Verstoß wird der betreffende Beitrag gelöscht oder redigiert. Bei einem massiven oder bei wiederholtem Verstoß endet die Mitgliedschaft. Eigene Beiträge dürfen nachträglich in Bezug auf Tippfehler oder stilistisch überarbeitet, aber nicht in ihrer Substanz verändert oder gelöscht werden. Nachträgliche Zusätze, die über derartige orthographische oder stilistische Korrekturen hinausgehen, müssen durch "Edit", "Nachtrag" o.ä. gekennzeichnet werden. Ferner gehört das Einverständnis mit der hier dargelegten Datenschutzerklärung zu den Forumsregeln.



Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen