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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Dagny Offline



Beiträge: 1.096

04.11.2008 23:48
#76 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von Omni

Naja, da stimme ich Ihnen eben nicht zu. Die hessische Linke als "Kommunisten" zu bezeichnen klingt für mich zu viel nach Kommunistenparanoia. Aber in diesem Punkt werden wir wohl nicht überein kommen.



Doch. van Ooyen ist ein Statthalter Ostberlins gewesen. Zettel hat das akribisch recheriert.

Gorgasal Offline




Beiträge: 3.969

05.11.2008 00:05
#77 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von Omni
Die hessische Linke als "Kommunisten" zu bezeichnen klingt für mich zu viel nach Kommunistenparanoia. Aber in diesem Punkt werden wir wohl nicht überein kommen.

Dem mag durchaus so sein, wobei ich hier eher Zettels Meinung zuneige. Lesen Sie vielleicht doch mal Zettels Post zu van Ooyen durch:
http://zettelsraum.blogspot.com/2008/10/...-willy-van.html

Und einen Vorschlag hätte ich noch. Stellen Sie sich mal vor, die Führungsriege der hessischen Linken - nur die Führung, nicht notwendigerweise die Basis - bestünde tatsächlich aus leninistischen (oder trotzkistischen) Kommunisten, mit dem klaren Plan, Hessen zu einer Sowjetrepublik zu machen. Wie würde diese Führung der Linken Ihrer Meinung nach dann agieren? Und: was für Belege bräuchten Sie ganz persönlich, um zu der Einschätzung zu kommen, es hier mit Kommunisten zu tun zu haben?

Mag sein, dass Sie das als lächerlich ansehen, weil doch niemand im Deutschland des Jahres 2008 Zustände wie unter Lenin will. Wenn Sie diese Grundüberzeugung haben, reden wir hier tatsächlich aneinander vorbei, und ich hoffe inständig, dass Sie recht haben.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 00:48
#78 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von Omni
Zitat von Zettel
Der für die Kommunisten korrekte Vergleich wäre der mit Rechtsextremisten. Und mit denen würden nicht nur in Deutschland, sondern europaweit keine konservativen Parteien paktieren. Das genau ist ja der Unterschied zwischen linken und rechten Demokraten: Die rechten lehnen jeden Extremismus ab, und zwar durch die Bank. Von den linken tut das nur ein kleiner Teil.


Naja, da stimme ich Ihnen eben nicht zu. Die hessische Linke als "Kommunisten" zu bezeichnen klingt für mich zu viel nach Kommunistenparanoia. Aber in diesem Punkt werden wir wohl nicht überein kommen.

Erinnern Sie sich, lieber Omni, was ich dazu in ZR am 5. März geschrieben habe?
Zitat von ZR
Das sind sie, die glorreichen Sechs, von denen sich Andrea Ypsilanti gern mitwählen lassen möchte und auf deren Mitarbeit danach ihre Minderheitsregierung angewiesen sein wird.

Niemand aus der DKP. Kein Apparatschik. Eine Frau ohne politische Erfahrung (Cárdenas Alfonso), eine Trotzkistin (Wissler), eine Veteranin linker Demos (Schott). Ein linker Gewerkschafts- Funktionär (Schaus), ein Funktionär von Organisationen aus dem Umfeld der alten, oft DKP- nahen extremen Linken (van Ooyen). Und ein Altlinker, schon in den achtziger Jahren bei einer von der SPD abgespaltenen Links- Sekte gelandet (Wilken).

Muß man vor dieser Stichprobe aus "Gysis bunter Truppe" Angst haben? Nein, die proletarische Revolution würden sie nicht hinbekommen. Statt sich zwecks Besetzung eines Bahnhofs eine Bahnsteig- Karte zu kaufen, würden sie vermutlich erst einmal diskutieren, ob das politisch richtig ist und wenn ja, ob es einem Mann oder einer Frau aufgetragen werden soll. Und wer das Protokoll schreibt.

Finden Sie, daß das nach Paranoia klingt?

Herzlich, Zettel

Omni Offline



Beiträge: 255

05.11.2008 01:43
#79 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von Zettel

Finden Sie, daß das nach Paranoia klingt?


Ja, irgendwie schon. Ich würde eine Tolerierung durch die nach wie vor nicht mit einer Tolerierung durch eine rechtsextreme Partei vergleichen oder sie als "Kommunisten" bezeichnen. Aber wahrscheinlich müsste man jetzt anfangen darüber zu streiten was "Kommunisten" sind.
Wenn ich die Artikel und Beiträge hier im Forum lese fühle ich mich schon ein bischen erinnert an die Kommunistenparanoia des frühen 20. Jahrhunderts. "Die Kommunisten" seien überall bei den Linken mit drin, hätten unterwandert, verschwörten sich gegen die liberale Demokratie. Diese und diese Organisation werden von den Kommunisten ferngesteuert und hier hätten die Kommunisten wieder ihre monströse Fähigkeit bewiesen, einen Kampfbegriff in das öffentliche Bewusstsein zu lancieren. Das seltsame ist eben, dass ich von Linken ähnliche Theorien über den "Neoliberalismus" höre. Dies und dies Nachrichtenmagazin schreibe nur noch neoliberale Propaganda und dieser und jener seien korrupt und gekauft von den Neoliberalen. Unklar bleibt für mich wer "die Kommunisten" oder "die Neoliberalen" sind. Es handelt sich stets um eine abstrakte Gefahr oder einen langsamen Driftprozess, der postuliert wird. Vielleicht ist unsere Gesellschaft bedroht von "neoliberalen Meinungsmachern" oder "kommunistischen Agitatoren". Aber da ich nicht fähig bin, zu entscheiden, wer jetzt Recht hat, ziehe ich es vor mich auf keine der Seiten ziehen zu lassen und diese Theorien vorerst zur Paranoia zu erklären.

califax Offline




Beiträge: 1.499

05.11.2008 01:58
#80 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten
Zitat von Omni

Wenn ich die Artikel und Beiträge hier im Forum lese fühle ich mich schon ein bischen erinnert an die Kommunistenparanoia des frühen 20. Jahrhunderts.


Und jetzt nehmen sie doch bitte einmal ein Geschichtsbuch zur Hand, schauen sich das frühe 20. Jahrhundert und was dann folgte an, und dann überlegen Sie noch einmal, ob Sie die damalige Angst vor Straßenschlachten, Terroranschlägen, Erschießungskommandos, Bürgerkrieg, Gulags und Hungerkatastrophen wirklich als Paranoia bezeichnen wollen.
Wenn Sie es lieber leichter verdaulich aufbereitet haben wollen, empfehle ich, Pasternak und Solschenyzin zu lesen. Eine der Lebenslügen der Kommunisten und vieler anderer Linker ist, erst Stalin hätte da etwas pervertiert.
Im Gegenteil, er war vergleichsweise moderat in seinem Terror. Darin lag der ideologische Graben zwischen ihm und Trotzki.

Klug und fleißig - Illusion
Dumm und faul - das eher schon
Klug und faul - der meisten Laster
Dumm und fleißig - ein Desaster

The Outside of the Asylum

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 02:10
#81 Informationen zum Kommunismus antworten
Zitat von Omni
Wenn ich die Artikel und Beiträge hier im Forum lese fühle ich mich schon ein bischen erinnert an die Kommunistenparanoia des frühen 20. Jahrhunderts.

Ich möchte Ihnen eine Vorschlag machen, lieber Omni.

Im Jahr 1961 lief im "Spiegel" eine ausgezeichnete Serie über den Kommunismus; vor allem über seine Geschichte und über Lenin. Titel: "Warten aufs letzte Gefecht". Ich war damals am Anfang meines Studiums und habe auf jedes Heft gewartet; denn da habe ich zum ersten Mal Details erfahren, die mir ganz unbekannt gewesen waren.

Mein Vorschlag ist, daß Sie - wenn Sie die Zeit erübrigen können - diese Serie lesen. Der "Spiegel" stellt ja dankenswerterweise das gesamte Archiv vergangener Ausgaben zur Verfügung.

Die Serie beginnt mit diesem Artikel. Zu den weiteren Folgen gelangen Sie, wenn Sie in die Suchfunktion den Titel der Serie eingeben.

Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Herzlich, Zettel
neoliberaler ( gelöscht )
Beiträge:

05.11.2008 07:25
#82 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Eine Kostprobe, wie sich die Ypsilanti-Kommunisten-Fans aufführen kann man hier (http://f2.webmart.de/f.cfm?id=3194114&r=...w&a=1&t=3420866) nachlesen.

Es ist schon bemerkenswert wie sich dieses linke Gesindel aufführt.

Inger Offline



Beiträge: 296

05.11.2008 10:55
#83 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Der Vize mit dem Schweinezitat muß sich schriftlich entschuldigen - wir haben noch Platz für Anstand- im Augenblick jedenfalls.
Gruß,
Inger

Gorgasal Offline




Beiträge: 3.969

05.11.2008 11:06
#84 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Sehr apart auch das Foto von Schaus mit einer "Karikatur" auf dieser Seite:
http://www.hr-online.de/website/rubriken...cument_35679504

Zitat von Schaus
"Keinesfalls war und ist es meine Absicht, Sie als Person herabzusetzen oder herabzuwürdigen."


Bei mir äußert sich solch eine Nicht-Absicht anders.

Inger Offline



Beiträge: 296

05.11.2008 11:55
#85 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Naja, es geht bergab und manchmal merkt man das.
Strauß und Wehner haben die Sprachkultur bereichert und verdorben - natürlich im Ringen um Deutschland.
Fischer hat sich in Turnschuhen vereidigen lassen - natürlich im Zeichen der neuen Befindlichkeit.
.....
Und nun das.
So ist es, wenn man zu sehr an den Trog denkt.

Omni Offline



Beiträge: 255

05.11.2008 14:51
#86 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Oh ja, es gab diese Paranoia.
Nachzulesen zum Beispiel hier
http://en.wikipedia.org/wiki/Red_scare

Zitat

In Antwort auf:

Historian Levin B. Murray described the First Red Scare as "a nation-wide anti-radical hysteria provoked by a mounting fear and anxiety that a Bolshevik revolution in America was imminent--a revolution that would destroy property, church, home, marriage, civility, and the American way of life."

Omni Offline



Beiträge: 255

05.11.2008 15:07
#87 RE: Informationen zum Kommunismus antworten

Stimmt, das Lesen hat sich gelohnt. Sehr interessante Textreihe.
Aber an meiner Meinung, dass die Befürchtungen ob "der Kommunisten" eher Paranoia sind, hat sich nichts geändert.
Ganz im Gegenteil scheinen mir im Text Widersprüche zu dem vorzuliegen, was hier im Forum häufig als die "kommunistischen Methoden" bezeichnet wird: Durchsetzen der Interessen einer (sich selber als Avant-Garde ansehenden) Minderheit mit geeigneten Mitteln gegen den Willen der Mehrheit. Zumindest laut dem Spiegel-Text konnte Lenin seine Politik des Putsches einer Minderheit nur mit großer Mühe gegen den Widerstand seiner eigenen Leute durchsetzen.

Zitat aus http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument...crubrik=artikel

In Antwort auf:

Die Bolschewiken-Führer, die Lenin in Petrograd vorfand, waren nicht gewillt, den Weg des Putsches zu gehen.

Sie hatten Sehnsucht nach dem Stallgeruch der Mehrheit, nach der Wärme sozialistischer Kameradschaft aller Bauern und Arbeiter, nach dem Pathos der revolutionären Spontaneität, nach der Wiedervereinigung mit den Menschewiken, nach der Wiederherstellung der alten, ehrwürdigen Russischen Sozialdemokratischen Partei, die 1898 in Minsk gegründet worden war und zu der sie alle, ob Menschewiken oder Bolschewiken, einmal gehört hatten.


Wenn man damals Kommunist, sogar Bolschewik, und trotzdem gegen den bewaffneten Putsch sein konnte, dann kann man das heute logischerweise auch noch.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 19:39
#88 RE: Informationen zum Kommunismus antworten
Zitat von Omni
Zumindest laut dem Spiegel-Text konnte Lenin seine Politik des Putsches einer Minderheit nur mit großer Mühe gegen den Widerstand seiner eigenen Leute durchsetzen.

Ja, das stimmt. Aber er hat diese Politik eben durchgesetzt. Ich habe die Serie jetzt nicht noch einmal gelesen (das letzte Mal vor vielleicht zwanzig Jahren, als ich mir den Jahrgang 1961 in einem Antiquariat hatte kaufen können). Aber ich habe in Erinnerung, daß darin auch über das Schicksal der Gegner des demokratischen Zentralismus berichtet wurde. Kaum einer ist in seinem Bett gestorben.

Lassen Sie mich, lieber Omni, das erläutern, was Sie als Paranoia wahrnehmen.

Natürlich bin ich nicht der Meinung, daß Gysi und Bisky heimlich die Truppen für einen bewaffneten Putsch trainieren.

Die internen Analysen der Kommunisten kennt naturgemäß niemand, allenfalls der Verfassungsschutz. Aber wenn man a bisserl das kommunistische Denken kennt, dann dürften sie ungefähr so aussehen:

1. Der Sozialismus hat 1989 eine Niederlage erlitten, aber damit ist natürlich der von Marx wissenschaftlich bewiesene Weg in den Sozialismus nicht gescheitert.

2. Unter den gegenwärtigen Bedingungen kann nur eine Gramsci-Taktik uns wieder auf den Weg zum Sozialismus bringen. Also der lange Marsch durch die Institutionen, die allmähliche Änderung des gesellschaftlichen Klimas zu unseren Gunsten

3. Parallel dazu gilt es Machtpositionen zu erobern. Ministerien, in denen man die eigenen Leute in die wichtigen Positionen bringt. Bundesgenossen müssen in den anderen linken Parteien gewonnen werden.

4. Kommt die nächste große Krise des Kapitalismus, dann wird, so vorbereitet, der Ruf nach dem Sozialismus ertönen. Dann stehen wir bereit dafür, den Sozialismus erneut aufzubauen, unter Vermeidung der Fehler der DDR.

Irgendwo habe ich das mal a bisserl ausführlicher geschrieben; nur habe ich leider keine Zeit, es zu suchen. Muß zum Abendessen.

Herzlich, Zettel
gelegentlich ( Gast )
Beiträge:

05.11.2008 19:55
#89 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Hi,

das erste Mal dass ich in diesem Blog lese (war eine Empfehlung aus einem Forum von weissgarnix). Ein paar Dinge verstehe ich nicht:
- die These, Ypsilanti habe mit Juso-Methoden (die leninistisch seien) Politik gemacht: gibt es dafür einen Beleg oder soll man das einfach mal so glauben?
- warum können Sie sich mit Franz Walter nicht ohne Meckern auseinandersetzen? Muß man das ohne Angabe von Gründen einfach so voraussetzen?

Gruß,

gelegentlich

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 21:05
#90 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von gelegentlich
die These, Ypsilanti habe mit Juso-Methoden (die leninistisch seien) Politik gemacht: gibt es dafür einen Beleg oder soll man das einfach mal so glauben?

Nein, glauben sollen Sie nichts, lieber gelegentlich. Ich biete solche Analysen an, schreibe, was mir dafür zu sprechen scheint und überlasse es Ihnen und allen anderen Lesern, zu entscheiden, ob sie das jeweils plausibel oder unplausibel finden.
Zitat von gelegentlich
- warum können Sie sich mit Franz Walter nicht ohne Meckern auseinandersetzen? Muß man das ohne Angabe von Gründen einfach so voraussetzen?

Das ist a bisserl eine Insider-Bemerkung gewesen. Wenn Sie ZR schon längere Zeit lesen, dann wissen Sie, daß ich immer mal wieder gegen Franz Walter wettere.

Falls es Sie interessiert, geben Sie bitte in die Suchfunktion von ZR (also des Blogs, nicht hier des Forums) links oben "Franz Walter" ein (in Anführungszeichen wie bei der Phrasensuche von Google). Sie bekommen dann, chronologisch geordnet, die 11 Artikel, in denen ich mich mit Walter auseinandergesetzt habe. Und wenn Sie mehr wissen wollen, klicken Sie bitte auf die jeweils zugehörigen Diskussionen hier im "kleinen Zimmer".

Ich habe mich a bisserl an Walter festgebissen, weil er aus meiner Sicht exakt das leninistische Politikverständnis repräsentiert, an dem jede Demokratie zugrundegeht: Politik als die Kunst, so zu betrügen, daß keiner es merkt.

Übrigens kann man aus seinen Analysen zur SPD auch unmittelbar die Taktik der Kommunisten entnehmen: Die SPD soll auf eine Partei der Mitte reduziert werden; das ganze linke Spektrum soll von der Partei "Die Linke" übernommen werden, und dann sollen die beiden koalieren.

Herzlich, Zettel

PS: Willkommen im "kleinen Zimmer"!

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 21:47
#91 RE: Informationen zum Kommunismus antworten

Zitat von Zettel
Irgendwo habe ich das mal a bisserl ausführlicher geschrieben; nur habe ich leider keine Zeit, es zu suchen.

Hier ist der Artikel, ziemlich genau zwei Jahre alt.

Es fehlt darin der Hinweis auf Gramsci. Daß die Kommunisten heute jedenfalls in Deutschland ganz auf Gramscis Strategie setzen, ist mir erst kürzlich klargeworden.

Der Wikipedia-Artikel gibt einen guten Einstieg in das Denken Gramscis. Über seine Strategie der kulturellen Hegemonie steht in dem Artikel zB das folgende (Hervorhebungen von mir):
Zitat von Artikel 'Antonio Gramsci'
Hegemony was a concept previously used by Marxists such as Lenin to indicate the political leadership of the working-class in a democratic revolution, but developed by Gramsci into an acute analysis to explain why the 'inevitable' socialist revolution predicted by orthodox Marxism had not occurred by the early 20th century.

Capitalism, it seemed, was even more entrenched than ever. Capitalism, Gramsci suggested, maintained control not just through violence and political and economic coercion, but also ideologically, through a hegemonic culture in which the values of the bourgeoisie became the 'common sense' values of all. (...)

The working class needed to develop a culture of its own, which would overthrow the notion that bourgeois values represented 'natural' or 'normal' values for society, and would attract the oppressed and intellectual classes to the cause of the proletariat. Lenin held that culture was 'ancillary' to political objectives but for Gramsci it was fundamental to the attainment of power that cultural hegemony be achieved first.

In Gramsci’s view, any class that wishes to dominate in modern conditions has to move beyond its own narrow ‘economic-corporate’ interests, to exert intellectual and moral leadership, and to make alliances and compromises with a variety of forces. Gramsci calls this union of social forces a ‘historic bloc’, taking a term from Georges Sorel. (...)

He claimed that modern intellectuals were not simply talkers, but directors and organisers who helped build society and produce hegemony by means of ideological apparatuses such as education and the media. Furthermore, he distinguished between a 'traditional' intelligentsia which sees itself (wrongly) as a class apart from society, and the thinking groups which every class produces from its own ranks 'organically'.

Such 'organic' intellectuals do not simply describe social life in accordance with scientific rules, but rather articulate, through the language of culture, the feelings and experiences which the masses could not express for themselves. The need to create a working-class culture relates to Gramsci's call for a kind of education that could develop working-class intellectuals, who would not simply introduce Marxist ideology from without the proletariat, but rather renovate and make critical of the status quo the already existing intellectual activity of the masses.

Da haben Sie, lieber Omni, das ganze Programm des "Langen Marschs durch die Institutionen".

Geschrieben nicht von einem Paranoiker, sondern von einem Autor, den viele - wie in dem Artikel auch zu lesen ist - für den größten kommunistischen Denker des 20. Jahrhunderts halten.

Herzlich, Zettel

gelegentlich ( Gast )
Beiträge:

05.11.2008 21:47
#92 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Danke für die prompte Antwort! Ich habe es leicht finden können und auch gelesen. Aber ich vermute nicht dass ich Ihren Blog weiter aufsuchen werde. Das ist mir zu ,,durchgeknallt", wenn es ein Begriff sein soll: fundamentalistisch-neoliberal, mit einigen paranoiden Verschärfungen.
Als Lehrer habe ich heute nicht mehr viel Zeit. Was an Ypsilanti jusohaft oder leninistisch sein soll enthüllt sich mir nicht. Ich wäre, so sind all die Beiträge aufgebaut, auf das daran glauben angewiesen. Damit kann ich nichts anfangen.
Egal, was man von ihrer Politik hält: die glorreichen 4 haben den Glauben junger Leute an die Funktionsfähigkeit der Demokratie massiv attackiert. Da setzen mächtige und reiche Eliten ihre Interessen durch, und die Doofen werden mit ,,Gewissen" abgespeist, egal, was man wählt, es ergibt sich überall die gleiche neoliberale Politik - solange man die Linke tabuisieren kann. Auch wer diese Partei nicht so mag (dazu zähle ich selber) muß anerkennen, dass ohne sie ein grundlegender Politikwechsel nicht möglich ist.
Die Krise, die begonnen hat, hat das Neoliberale verschrottet, aber aus dem Reden (Merkel spricht ja seit Tagen wie Lafontaine, behauptet bloß, das habe sie schon immer so gesagt...) müßten Taten werden.

Mit freundlichem Gruß,

gelegentlich

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

05.11.2008 22:06
#93 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Neoliberal???

Hoppla, ich sehe niemanden in Deutschland, der Neoliberale Politik macht. Neoliberal bedeutet im Gegensatz zu klassisch liberal / libertär, das setzen von einigen wenigen Rahmen-Regeln, in denen sich der markt völlig frei bewegen darf. Erhardt hat z.B. neoliberale Poltik gemacht, die man in Deutschland aber meist ordoliberal nennt.

Und wo die vier Nein-Sager undemokratisch waren, müssen Sie mir auch erklären, zumindest solange man Demokratie nicht als imperative Partei-Führungs-diktatur versteht. Die geheime Abstimmung ohne Aussprache ist DAS Wesen unserer Demokratie, der Abgeordnete ist NUR seinem Gewissen und keinem Parteitag, Unterbezirksauschuss, Listenaufstellungsversammlung, Probeabstimmung etc. unterworfen.

Dagny Offline



Beiträge: 1.096

05.11.2008 22:12
#94 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Mein Gott, Walter!

Franz Walter, Jürgen Walter, beide in Zusammenhang mit der HEssen-SPD.

Vielleicht schreibe ich in Zukunft Franz Walter (Spiegel) und Jürgen Walter (SPD-Hessen) um die zwei auseinanderzuhalten.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 22:15
#95 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von gelegentlich
Egal, was man von ihrer Politik hält: die glorreichen 4 haben den Glauben junger Leute an die Funktionsfähigkeit der Demokratie massiv attackiert. Da setzen mächtige und reiche Eliten ihre Interessen durch, und die Doofen werden mit ,,Gewissen" abgespeist

Hm, das klingt mir jetzt aber sehr nach einer Verschwörungstheorie; fast möchte ich sagen: A bisserl paranoid.

Herzlich, Zettel

gelegentlich ( Gast )
Beiträge:

05.11.2008 22:20
#96 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Hi,
leider wirklich auf die Schnelle:
Die 4 haben die Regeln innerparteilicher Willensbildung verletzt. Wenn sie diese Politik nicht vertreten möchten können sie das sagen und ggf. zurücktreten, damit das passieren kann, wofür sie gewählt wurden. Sie haben z.B. schon einmal mit der Linkspartei kollaboriert: bei der Abschaffung der Studiengebühren. Das Gewissen kann es also nicht sein.
Die wollen stattdessen eine Linie durchsetzen, die generell eine Tabuisierung der Linkspartei erzwingt. So auch die Begründungen dieser 4. Gelingt das kann es die neue Politik nicht geben, für die sie sich haben wählen lassen. Wahlversprechen haben auch die FDP und die CDU gebrochen: Koch zuerst, gleich am Wahlabend, als er eine Große Koalition ins Auge faßte und später sogar mit den Grünen koalieren wollte. Wie dem auch sei: das primäre Versprechen ist das Wahlprogramm - und das hat Ypsilanti ernst genommen, diese 4 aber nicht.
Die quasireligiöse Verehrung des Marktes ist zum Glück gerade untergegangen. Dauert vielleicht noch ein Weilchen, bis sich das rumspricht, wird aber höchste Zeit.

Mit freundlichem Gruß,

gelegentlich

gelegentlich ( Gast )
Beiträge:

05.11.2008 22:39
#97 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Es klingt ,,paranoid"? Ach Gott. Es ist doch eigentlich einfach, so wie im Krimi: Cui Bono?
Diese Frage zu beantworten heißt das Problem zu lösen. Also: wer wird vom Eingreifen der 4 begünstigt?

Das ist es dann doch schon! Dafür brauchen wir auch kein Gewissen zu bemühen. Und die Frage, was an Ypsilanti leninistisch sein soll ist immer noch nicht beantwortet! :-(

Gruß,

gelegentlich

califax Offline




Beiträge: 1.499

05.11.2008 22:41
#98 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten

Zitat von gelegentlich
Es ist doch eigentlich einfach, so wie im Krimi: Cui Bono?
Diese Frage zu beantworten heißt das Problem zu lösen. Also: wer wird vom Eingreifen der 4 begünstigt?
Das ist es dann doch schon! Dafür brauchen wir auch kein Gewissen zu bemühen.


Die Ansiedlung des Menschen in Städten wurde also von den Ratten geplant?
Oder war es die Klempnerlobby?

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The Outside of the Asylum

Omni Offline



Beiträge: 255

05.11.2008 22:45
#99 RE: Informationen zum Kommunismus antworten

Hachja, ich find diese ganzen Spekulationen zu den geheimen Plänen von DDR-Veteranen ja schon interessant, aber eben auch harmlos. Die Sozialdemokraten wurden bis 1890 verfolgt und lange noch als Staatsfeinde angesehen. Dann haben sie 1914 die Kriegskredite mit angenommen. Und plötzlich waren sie staatstragend und etabliert, hattes etwas zu verlieren. Und ist den Grünen das nicht auch passiert? Wieso sollte die PDS dabei ne Ausnahme darstellen? Immerhin wacht niemand mehr über die Linientreue der Genossen und es sind ne Menge Leute in die Partei eingetreten, z.bsp. die ganze WASG.
Und wenn die größte Beunruhigung dadurch entsteht, dass diese Marxisten die Schnapsidee vertreten, den Fortgang der Geschichte voraussagen zu können, kann man ja auch mal einen kleinen Blick über den großen Teich werfen. Da regierte die letzten 8 Jahre ein Präsident, der seine Macht insbesondere auf Wählerkreise stützte, die meinen dass die Erde 6000 Jahre alt ist und die Bibel der Schlüssel zur Erklärung von allem wäre.

Zettel Offline




Beiträge: 20.200

05.11.2008 22:47
#100 RE: Zettels Meckerecke: Ypsilanti in der Falle antworten
Zitat von gelegentlich
Es ist doch eigentlich einfach, so wie im Krimi: Cui Bono? Diese Frage zu beantworten heißt das Problem zu lösen. Also: wer wird vom Eingreifen der 4 begünstigt?

Verstehe, lieber gelegentlich. Wenn Herrn Meiers Mutter ermordet wurde und Herr Meier ist der Erbe, dann wissen Sie schon, daß ergo Herr Meier der Mörder ist. Weitere Untersuchung überflüssig.

Und Sie fühlen sich auch gleich berechtigt, Herrn Meier öffentlich einen Mörder zu nennen, nicht wahr?

Wenn ich Herr Meier wäre, dann würde ich Sie dafür allerdings vor Gericht bringen. Und ich hoffe, daß Frau Everts, Frau Tesch und Herr Walter das auch mit denen tun, die sie öffentlich diffamieren, ohne daß sie auch nur den Schatten eines Belegs für ihre ehrabschneiderische Vermutung vorlegen können.

Herzlich, Zettel
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