Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  

ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 289 Antworten
und wurde 18.923 mal aufgerufen
 Weitere Themen
Seiten 1 | ... 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12
Martin Offline



Beiträge: 3.131

08.07.2019 07:18
#276 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Zitat von Martin im Beitrag #275
In ihren Schlussanträgen kämpft die Generalanwältin erst mal mit einem altbekannten Problem: Den unterschiedlichen Übersetzungen.

Zitat
Da somit Art. 13 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie 2008/50 in den verschiedenen Sprachfassungen nicht zwingend die gleiche Bedeutung hat und Satz 2 verschiedene Auslegungen zulässt, sind insbesondere der Regelungszusammenhang und das Ziel der Regelung näher zu untersuchen.


Die EU-Kommission publiziert nicht nur lausige Richtlinien, die Übersetzer dürfen auch noch ein bisschen Gesetzgeber spielen. Über welche Version stimmt eigentlich das EP ab?

Gruß
Martin

Martin Offline



Beiträge: 3.131

14.07.2019 16:13
#277 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Stolz hat die Umweltministerin Schulze mit dem Prüfer Dr. Wilbring den TÜV-Bericht zur Positionierung von 70 NO2 Verkehrsmessstellen in Deutschland präsentiert. Das Thema Messstellen sei nun keines mehr.

Anders als noch in NRW Ende 2018 hat der TÜV auch prüfen sollen, ob die Messstellen Luftqualität repräsentativ zu einhundert Metern Straßenabschnitt messen. Das ist ein wichtiges Kriterium dafür, dass eine Messstelle nicht zu kleinräumige Verhältnisse misst. Dies ist in Ergänzung zu mehr oder weniger konkreten Vorgaben, wie freier Anströmungswinkel, Abstände zu Gebäuden, Straßen und Kreuzungen.

Die kritischen Messstellen stehen in Deutschland nun seit über 15 Jahren weitgehend unverändert. Dass sich die Bedingung mit den 100 m Straßenabschnitt vor zehn Jahren geändert hat hat die Behörden wenig gekümmert. Offensichtlich gab es nicht mal Kriterien dafür, wie das auszumessen war, außer beim unter Druck stehenden Stuttgarter Verkehrsministerium, dessen Kriterien der TÜV übrigens gleich als unzureichend verworfen hat.

Dafür durfte die prüfende Institution TÜV die Kriterien, nach denen sie unabhängig prüfen sollte, selbst festlegen. Dabei war der TÜV dann gleich so großzügig, dass die 70 Messstellen in Deutschland weitgehend ungestreift als richtig positioniert festgestellt werden konnten. Frau Schulze und der Stuttgarter Verkehrsminister Hermann waren zufrieden.

Repräsentativ für 100 m Straßenabschnitt sind laut TÜV, wenn der Rest der Straße innerhalb eines 30% Fensters in Bezug auf die Messstelle liegt. Umgekehrt heißt das, die Messstelle dürfe 40% über dem Niveau der Straße liegen, die, sollte die Straße selbst 35µg/m³ NO2 Konzentration aufweisen auch schon an der Stelle stehen darf, in der durch kleinräumige Verhältnisse 50µg/m³ Konzentration sind. Das ist genau das, was das Gesetz vermeiden wollte. Der TÜV begründet das damit, dass 100 m Straßenabschnitt naturgemäß nie ganz homogen sein können. Dass aber Stationen kleinräumig unzulässig extrem positioniert sein könnten hat er nicht diskutiert. Frau Schulze hat das abgesegnet.

Der TÜV hat auch nicht diskutiert, wie ungenau die sogenannten Sampler sein dürfen, mit denen Straßenabschnitte ausgemessen werden: 25%. Zusätzlich zu den schon angezweifelten 15% zulässiger Ungenauigkeit der Messstellen selbst ist es also denkbar, dass in einem Straßenabschnitt, der gerade so 40µg/m³ einhält, die Messstation an genau der Stelle steht, an der eine Konzentration von 80µg/m³ NO2 ist.

Das ist nicht mal so unwahrscheinlich bei Messstellen, die beengt in Straßenschluchten nahe an der Straße und Gebäuden stehen, da das Volumen der Messcontainer allein schon die Vermischung von Emissionen mit der Umgebungsluft behindert.. Im Stuttgarter Umfeld waren die Messstellen typischerweise die am höchsten messenden Punkte im Vergleich zu den Samplern entlang der Straße. In Reutlingen, wo die Messstelle von drei Seiten eingemauert ist kam der TÜV trotz großzügiger Toleranz ins Schleudern:

Zitat
Die Station repräsentiert den oberen Bereich der Spannweite der in 2005/2006 gemessenen NO2-Konzentrationen. An den beiden ca. 60 m bzw. 90 m von der Station entfernten MP wurden zwischen 45% und 40% (2005) bzw. 30 bis 35% (2006) niedrigere Werte gemessen. Damit kann anhand der Messungen aus den Jahren 2005 und 2006 angenommen werden, dass die Station eine kleinräumig begrenzte Situation mit sehr hohen Immissionen abbildet. Eine mögliche Erklärung für diese Situation ist die neben der Station befindliche Ampelanlage.Es gibt somit einen Anhaltspunkt dafür, dass die Station im Sinne des Punktes 1b des Abschnitts B der Anlage 3 der 39. BImSchV nicht repräsentativ für einen mindestens 100 m langen Abschnitt ist. Abgesehen von der Ampelanlage liefern Luftbilder keinen Anhaltspunkt, der gegen die Repräsentativität der Station spricht (ähnliche Bebauungsstruktur, keine relevanten Einmündungen über einen Abschnitt von mehr als 100 m Länge).



Es ist nett vom TÜV, dass er, anstatt simpel ein Verdikt 'nicht repräsentativ' auszusprechen, nach möglichen Ursachen und Anhaltspunkten sucht und trotz klarer Datenlage nur annimmt, dass die Messstelle nicht repräsentativ sei. Aus dieser Mentalität spricht nicht die einem unabhängigen Prüfer zu unterstellende Neutralität. Und genau diese Einstellung durchzieht den gesamten Prüfbericht, nicht nur die Festlegung auf 30% Toleranz.

Durch die Erweiterung auf die Überprüfung der Repräsentanz auf 100 m Straßenabschnitt für Verkehrsmessstellen nach 39.BImSchV 3, Abschnitt B wird nämlich offensichtlich, dass die deutschen Behörden schon immer zusätzlich repräsentativ zu Baufluchtlinien nach Abschnitt C messen, ein Kriterium das für die in Abschnitt B beschriebenen Verkehrsmessstellen nicht gefordert ist und EU-weit auch nicht so interpretiert wird. Der Abstand der Probenahmestellen muss also einige Meter Abstand von Hindernissen, wie Gebäuden haben, und eben nicht mindestens 0,5 m.

Pikant ist nun zusätzlich, dass natürlich sowohl die Sampler, als auch die Messstellen solche Kriterien einhalten müssen, der TÜV die Positionen dieser Sampler aber nicht überprüfte, bzw. nicht überprüfen konnte, weil sie teils längst abmontiert waren (s. Reutlingen 2005/2006). Bei seinen Prüfungen war der TÜV selten vor Ort und hat nur nach Dokumentation oder Satellitenbildern beurteilt. Sonst wäre ihm in Reutlingen auch aufgefallen, dass der Hindernisabstand in der Dokumentation des Regierungspräsidiums nicht stimmen kann.

Der Prüfbericht entspricht keiner angemessenen Qualitätsanforderung. Die von mir in diesem Thread zum NRW Prüfbericht geäußerte Kritik bleibt bestehen.

Gruß
Martin

Werwohlf Offline




Beiträge: 989

14.07.2019 22:47
#278 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Zitat von Martin im Beitrag #277
Der Prüfbericht entspricht keiner angemessenen Qualitätsanforderung.
Sieht die F.A.S.genau so.

--
Bevor ich mit den Wölfen heule, werd‘ ich lieber harzig, warzig grau,
verwandele ich mich in eine Eule oder vielleicht in eine graue Sau.
(Reinhard Mey)

Martin Offline



Beiträge: 3.131

17.07.2019 10:30
#279 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Zitat von Paul Achatz im Beitrag #224
Ein Fingerzeig offenbart sich bei genauerem Hinsehen auf den Eintrag in der aktuellen UBA-Tabelle zu Stickstoffdioxid. Hinter beiden Richtwerten, also auch hinter dem angeblichen Langzeitrichtwert I, der laut UBA bei lebenslanger Exposition ungefährlich sein soll, steht „(60 Min-Wert)“. Heißt das, dass der Langzeitrichtwert tatsächlich ein Kurzzeitgrenzwert sein soll? Man weiß es nicht und vermutet, dass es bei der Festlegung dieses hochpolitischen Themas große Diskussionen gab. Denn alle anderen Stoffe haben diesen Zusatz nicht.

Tatsächlich deutet das ebenso vom UBA veröffentlichte Sitzungsprotokoll des AIR genau darauf hin. Beim Kurzzeitgrenzwert waren da im Mai 2018 noch 500 µg/m³ im Gespräch und einen Langzeitgrenzwert wollte der AIR gar nicht festlegen! Grund:

Zitat
Für eine Ableitung von Langzeitrichtwerten für NO2 in der Innenraumluft liegen aus Sicht des AIR zurzeit keine hinreichend belastbaren epidemiologischen Ergebnisse für NO2 als Einzelsubstanz vor. Im Unterschied zu den Kurzzeitstudien ließ sich aus den Langzeitstudien angesichts der erheblichen Unsicherheiten bzgl. der Expositionsabschätzung und bzgl. der Einflüsse diverser Confounder keine LO(A)EC ermitteln. Aufgrund der Datenlücken kam der AIR überein, von der Festsetzung von Langzeitrichtwerten für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft abzusehen.


Deshalb setzte der AIR am Ende nur zwei Richtwerte fest, einen Kurzzeitrichtwert RW II (Gefahrenwert) von 250 µg/m³, der sich an Asthmatikern orientiert, und einen RW I (60 Min) von 80 µg/m³, dem man aber aus o.g. Gründen das Langzeitkriterium nicht zugestehen will. Von einem Verweis auf die WHO oder deren 40 µg/m³ ist aber nichts zu lesen. Hätte man die 80 µg/m³ aber als Wochenwert der Richtwertkategorie II definiert, wäre es offensichtlich eine Erhöhung des alten 60er Richtwerts gewesen. Das galt es wohl politisch zu vermeiden. Also ist der heutige Kompromiss eigentlich das genaue Gegenteil dessen, was die ARD berichtet hat. Der Grenzwert wurde nicht auf den Straßenwert gesenkt, sondern effektiv erhöht. Getauft hat man die Chose dann vermutlich aus politischen Gründen anders. Interessant ist auch die Begründung der Wissenschaftler, dass die Lage der epidemiologischen Studien keinen Aufschluss über Langzeitwirkungen zulasse. Es ist dasselbe Urteil, das schon 2017 für den deutschen Bundestag verkündet wurde und das beim Studium der wissenschaftlichen Literatur selbst interessierten Laien ins Auge springt.



In Ergänzung zu Paul Achatz' Beitrag vom letzten März, basierend auf dem Protokoll 7. Sitzung des AIR vom Dez. 2018 hier das im Mai veröffentlichte Protokoll der 8. Sitzung, mit einer Ergänzung:

Zitat
Aus Sicht des AIR liegen für eine Ableitung von Langzeitrichtwerten gemäß Basisschema für NO2 in der Innenraumluft als Einzelsubstanz zurzeit keine hinreichend geeigneten humanen oder tierexperimentellen Studien vor. Daher sieht der AIR derzeit von der Festsetzung eines Langzeitrichtwertes für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft ab.
Falls erforderlich, sollte hilfsweise der Leitwert der WHO für die Innenraumluft von 0,04 mg NO2/m³ als Bewertungsmaßstab herangezogen werden. Hierbei ist NO2 nicht als Einzelsubstanz sondern als Indikator für verbrennungsbezogene Immissionen aus Gasherden und -heizungen anzusehen.



Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Im Grunde wurde der 20 Jahre alte Innenraumrichtwert II von 60µg/m³ durch einen neuen von 250µg/m³ ersetzt. Einen Richtwert I gab es nie, denn er hätte in der Systematik des AIR bei unrealistischen 6µg/m³ liegen müssen. Dieser ist nun 80µg/m³. In beiden Fällen nun als Kurzzeitrichtwert über eine Stunde, ein Novum in der Reihe von 50 Schadstoffen.

Noch im letzten Jahr gab es Stimmen aus dem UBA, dass der Innenraumrichtwert heruntergesetzt werde. Professoren, die am Straßengrenzwert von 40µg/m³ der EU mitgearbeitet hatten, haben Prof. Köhler Ahnungslosigkeit vorgeworfen, weil er ja keine Gremienerfahrung habe, usw..

Nun bleibt dem AIR nichts anderes übrig, als zuzugeben, dass es keine hinreichend geeigneten humanen oder tierexperimentellen Studien gebe, aus denen ein Langzeitgrenzwert abgeleitet werden könne, man im Zweifel auf den 20 Jahre alte WHO-Richtwert von 40µg/m³ zurückgreifen solle, der aber nicht für Stickstoffdioxid alleine stehe, sondern stellvertretend für andere Schadstoffe. Der Stand meiner Ausführungen in diesem Thread seit Langem.

Eine Bankrotterklärung des UBA par Excellence. Man kann die Einführung von Kurzzeitrichtwerten nur als politischen Rettungsanker interpretieren.

Erstaunlicherweise schlägt daraus weder eine Partei, noch ein Kläger vor Gericht Kapital.

Gruß
Martin

Martin Offline



Beiträge: 3.131

23.07.2019 07:13
#280 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

In Erweiterung zum vorigen Beitrag: Das Bundesministerium für Umwelt (BMU) hat eine Chronologie zu Diesel und Luftreinhaltung veröffentlicht, darunter am 23.1.2019 (also nach der 8. Sitzung des AIR) eine Stellungnahme zu Äußerungen einiger Lungenärzte. Dort heißt es:

Zitat
Die Definition dieser Grenzwerte fußt auf einer soliden wissenschaftlichen Basis.

 Es ist wissenschaftlich unumstritten, dass Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide zu unterschiedlichen Reaktion im Körper führen können und die Lebenszeit verkürzen. Sie können Krankheiten befördern.

 Der Jahresmittelwert für NO2 von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) ist aus Sicht der WHO am besten dafür geeignet, die Gesundheit aller Menschen zu schützen, auch empfindlicher Bevölkerungsgruppen und zwar bei einer dauerhaften Belastung mit Stickoxiden, wie sie in Städten vorkommen kann. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Jahresmittelgrenzwert bei 30 µg/m3.

Die deutsche Gesellschaft für Pneumologie gibt an, dass es keinen belastbaren Schwellenwert gäbe, bei dem sich Erkrankungen vollständig ausschließen ließen und somit auch bei niedrigeren Werten unter dem Grenzwert gesundheitliche Belastungen möglich sind. Daher sei es wichtig zur Vorsorge niedrige Jahresmittelwerte zu wählen, um wirklich alle Menschen vor gesundheitlichen Belastungen zu schützen.

Der Grenzwert von NO2 von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) ist ein Jahresmittelwert. Das heißt, es ist durchaus verträglich für den Menschen auch höhere Stickoxid-Belastungen einzuatmen – allerdings für kurze Zeiten und nicht für alle Menschen dauerhaft. Das garantiert der niedrige Jahresmittelwert.



Bei konkreteren Aussagen zu gesundheitlichen Folgen wird NO2 nicht alleine referenziert, sondern in Kombination mit Feinstaub - in letzter Zeit häufiger zu beobachten. 'aus Sicht der WHO' kenne ich nur Aussagen, dass die Leitlinie mangels wissenschaftlicher Evidenz nicht erhöht wurde.

Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie dürften im Übrigen auch beim AIR mitgewirkt haben. Im Protokoll ist von 'keinem belastbaren Schwellenwert' keine Rede mehr - es gibt einfach keine belastbaren wissenschaftlichen Fakten für niedrige Grenzwerte. Die Aussagen sind im Stil von 'gehen Sie nicht zur Arbeit, es ist nicht auszuschließen, dass Sie ansonsten einen Unfall erleiden. Bleiben Sie zur Vorsorge zuhause'. Wobei es dazu wenigsten statistische Daten gibt.

Was der niedrige WHO-Wert genau garantieren soll ist nicht ersichtlich.

Gruß
Martin

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 7.716

23.07.2019 13:59
#281 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Zitat von Martin im Beitrag #280
Dort heißt es:

Zitat
...dass es keinen belastbaren Schwellenwert gäbe, bei dem sich Erkrankungen vollständig ausschließen ließen



Dieser "kein Schwellenwert"-Trick ist satanisch. Nicht nur, daß er jegliche Maßnahmen rechtfertigt; da er aufgrund des natürlichen Eintrags des "Gifts" gar nicht eingehalten werden kann, ist das von vornherein Schindluder. Wir haben das gleiche Muster bei dem Bohei um Radioaktivität gesehen, bei dem die natürliche Strahlungsexposition schlicht ausgeblendet wurde. Dahinter steckt natürlich ein anderes Ziel, das mit einem solchen Endlos-Hebel angegangen werde3n soll. OT-Ton heute im DLF: "...wobei man natürlich auch den Individualverkehr drastisch reduzieren müßte..."

EU-Verbot von Mikroplastik bedroht Kunstrasen – Interview Philipp Sommer, DUH

Das Ziel ist die weitgehende Deindustrialisierung und Zerstörung der individuellen Freiheit. CO2, Stickoxide, die Drohung mit dem Klima: das sind alles nur Werkzeuge, dieses grüne Utopia zu implementieren. Genau DESHALB ist man prinzipiell an wirksamen Lösungsansätzen für diese imaginären Bedrohungen vollkommen uninteressiert. Erweist sich eins davon als illusionär (wie etwa das Waldsterben, das Ozonloch, Ressourcenerschöpfung) wird es umstandslos durch den nächsten Dämon ersetzt.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Martin Offline



Beiträge: 3.131

23.07.2019 15:22
#282 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #281
Dieser "kein Schwellenwert"-Trick ist satanisch. Nicht nur, daß er jegliche Maßnahmen rechtfertigt; da er aufgrund des natürlichen Eintrags des "Gifts" gar nicht eingehalten werden kann, ist das von vornherein Schindluder. Wir haben das gleiche Muster bei dem Bohei um Radioaktivität gesehen, bei dem die natürliche Strahlungsexposition schlicht ausgeblendet wurde. Dahinter steckt natürlich ein anderes Ziel, das mit einem solchen Endlos-Hebel angegangen werde3n soll. OT-Ton heute im DLF: "...wobei man natürlich auch den Individualverkehr drastisch reduzieren müßte..."


Das ALARP (as low as reasonably practicable) - Prinzip kommt ja von der anfangs noch schwer einschätzbaren Radioaktivität.

Mittlerweile ist das aber schizophren, da das Bundesamt für Strahlenschutz bei Patienten im Prinzip nach ALARP vorgeht (grundsätzlich müsste bei jeder Exposition eine medizinische Risiko/Nutzen-Analyse gemacht werden), beim Arbeitsschutz gibt es dann aber Grenzwerte für die jährliche Belastung. Man kann beim Personal so schlecht gesundheitliches Risiko gegen den Nutzen des Arbeitsplatzes abwägen. Ich habe mich vor 7 Jahren mit einem Juristen bei der Kommission darüber auseinandergesetzt, sein durch Jurastudium geprägtes Gehirn hat die Kurve nicht gekriegt. Folge: Eine nicht umsetzbare Norm.

Gruß
Martin

Paul Achatz Offline



Beiträge: 60

23.07.2019 21:09
#283 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

ALARP wäre ja noch akzeptabel, da man immerhin die Vernunft als Maßstab anlegt. Bei der LNT-Marschrichtung ist Vernunft ausgeschlossen. Sie hat die Kernenergie auf dem Gewissen und nimmt gerade die Industrie aufs Korn. Dem Wahnsinn werden damit alle Schranken geöffnet, obwohl mittlerweile gerade in der Strahlungsmedizin genügend Erkenntnisse gewonnen wurden, um die LNT Hypothese zu beerdigen. Aber was zählt heutzutage schon Empirie?

Martin Offline



Beiträge: 3.131

24.07.2019 11:26
#284 RE: Da stimmt etwas ganz und gar nicht antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #281
OT-Ton heute im DLF: "...wobei man natürlich auch den Individualverkehr drastisch reduzieren müßte..."


Der DLF erweist sich zur Zeit als Propagandainstrument einer Ökoreligion sondergleichen. Ich hatte schon kürzlich aus einer Diskussion eines Niko Paech vs. Matthias Politycki auf einen anderen Sender umgeschaltet. Offensichtlich hat der DLF Herrn Paech weiter die Bühne geboten. Der Duktus des Herrn könnte direkt der Scientology Church entspringen, der Blockwart des dritten Reichs winkt auch schon. Sind denn alle übergeschnappt? Was läuft da?

Den Mann zur Abschreckung einmal reden lassen ist gut. Einen GEZ-finanzierten Sender zum Propagandainstrument machen geht zu weit.

Gruß
Martin

Nachgereicht ein Link: https://www.deutschlandfunk.de/oekonom-z...ticle_id=454447

hubersn Offline



Beiträge: 963

25.07.2019 02:03
#285 Neues Experiment in Stuttgart, am Neckartor gestartet antworten

Letzte Woche wurde in Stuttgart ein interessantes Experiment (unfreiwillig?) gestartet. Es wurde ein neuer Teil der Busspur eingerichtet für den X1, den ebenso legendären wie nutzlosen und quasi immer leeren Expressbus zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart. Dieser neue Teil der Busspur führt genau entlang an der bundesweit bekannten Messstation Neckartor.

Durch die Busspur fährt der "normale" Verkehr nun also ein paar Meter weiter entfernt vom Entnahmerüssel der Messstation vorbei. Ich bin gespannt, ob das messtechnisch einen Unterschied macht.

Gruß
hubersn

--
Mein Politik-Blog: http://politikblog.huber-net.de/
Mein Mischmasch-Blog: http://miscblog.huber-net.de/

Frank2000 Offline




Beiträge: 2.058

25.07.2019 02:43
#286 RE: Neues Experiment in Stuttgart, am Neckartor gestartet antworten

Sollte es einen Unterschied geben, dann wissen wir, wie die Politik reagieren wird: entweder die Messstation wird versetzt, oder, was noch wahrscheinlicher ist:

Es wird ein "Korrekturfaktor" eingeführt, um die Schadstoffmenge so hoch angeben zu können, wie die linken Politiker es für richtig halten.

___________________
Jeder, der Merkel stützt, schützt oder wählt, macht sich mitschuldig.

Martin Offline



Beiträge: 3.131

25.07.2019 07:19
#287 RE: Neues Experiment in Stuttgart, am Neckartor gestartet antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #285
Letzte Woche wurde in Stuttgart ein interessantes Experiment (unfreiwillig?) gestartet. Es wurde ein neuer Teil der Busspur eingerichtet für den X1, den ebenso legendären wie nutzlosen und quasi immer leeren Expressbus zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart. Dieser neue Teil der Busspur führt genau entlang an der bundesweit bekannten Messstation Neckartor.

Durch die Busspur fährt der "normale" Verkehr nun also ein paar Meter weiter entfernt vom Entnahmerüssel der Messstation vorbei. Ich bin gespannt, ob das messtechnisch einen Unterschied macht.


Das Ganze ist Teil der 3. Fortschreibung des Luftreinhalteplans : https://rp.baden-wuerttemberg.de/rps/Abt...P_3_FS_2018.pdf

Die Erwartung ist u.a., dass sich das Verkehrsaufkommen reduziert. Möglicherweise wird auch Schwerlastverkehr ausgesperrt, weil die Breite der Fahrspuren nicht mehr ausreichend ist. Der Abstand der Messstation zum Verkehr ist sicher ein Nebeneffekt, der Abstand war aber im Vergleich zur Hohenheimer Straße (dort 1 m) nicht ganz so kritisch. Ich sehe die beengten Verhältnisse zu den Gebäuden daneben und dahinter kritischer.

Man wird jedenfalls zuallererst sehen, ob die Berechnungen der Gutachter aufgehen.

Gruß
Martin

Martin Offline



Beiträge: 3.131

25.07.2019 07:23
#288 RE: Neues Experiment in Stuttgart, am Neckartor gestartet antworten

Zitat von Frank2000 im Beitrag #286
Sollte es einen Unterschied geben, dann wissen wir, wie die Politik reagieren wird: entweder die Messstation wird versetzt, oder, was noch wahrscheinlicher ist:

Es wird ein "Korrekturfaktor" eingeführt, um die Schadstoffmenge so hoch angeben zu können, wie die linken Politiker es für richtig halten.


Mein Eindruck ist schon, dass Kretschmann das Problem vom Hals haben möchte. Er hat seinen verbissenen Verkehrsminister ja schon ein bisschen entmachtet. Stuttgart hat sich aber in diese Situation hineinmanövriert, Kläger DUH treibt Stuttgart vor sich her.

Gruß
Martin

hubersn Offline



Beiträge: 963

25.07.2019 18:21
#289 RE: Neues Experiment in Stuttgart, am Neckartor gestartet antworten

Zitat von Martin im Beitrag #287

Die Erwartung ist u.a., dass sich das Verkehrsaufkommen reduziert.



Bestimmt wird diese Erwartung nicht erfüllt. Nur die Stauhäufigkeit wird zunehmen (und damit die Schadstoffe). Der Expressbus ist ja kein sinnvolles Angebot an Pendler, weil an allen Haltestellen an der Strecke kein Parkraum zur Verfügung steht. Und wer vor Bad Cannstatt schon in Straßenbahn/Stadtbahn/S-Bahn sitzt, wird nicht ernsthaft in den Bus umsteigen - und würde schon gar kein Verkehrsaufkommen reduzieren. Die verkehrenden Busse sind ja zunächst mal zusätzlicher Verkehr.

Der Expressbus ist mit Schildbürgerstreich noch freundlich umschrieben. Da wollte ich schon ewig einen Blog-Beitrag dazu schreiben. Man war ja schon sehr überrascht, dass das Angebot nicht so gut angenommen wird. Echt eine wahnsinnige Überraschung, aber höchstens für die, die nicht auf drei zählen können.

Zitat

Möglicherweise wird auch Schwerlastverkehr ausgesperrt, weil die Breite der Fahrspuren nicht mehr ausreichend ist.



Extrem unwahrscheinlich. Die beiden verbliebenen Fahrspuren sind mehr als breit genug, und wenn ein echter überbreiter Transport kommt, wird der die Busspur als "Verfügungsmasse" sicher mitnehmen.

Zitat

Der Abstand der Messstation zum Verkehr ist sicher ein Nebeneffekt, der Abstand war aber im Vergleich zur Hohenheimer Straße (dort 1 m) nicht ganz so kritisch. Ich sehe die beengten Verhältnisse zu den Gebäuden daneben und dahinter kritischer.



Die Nische, in der die Messstation steht, ist natürlich per se ein Problem. Aber der Abstand zur Straße war bisher genau eine Gehwegbreite. Viel näher geht nicht.

Zitat

Man wird jedenfalls zuallererst sehen, ob die Berechnungen der Gutachter aufgehen.



Immer gut, wenn gerechnet statt gemessen wird...

Gruß
hubersn

--
Mein Politik-Blog: http://politikblog.huber-net.de/
Mein Mischmasch-Blog: http://miscblog.huber-net.de/

hubersn Offline



Beiträge: 963

25.07.2019 18:25
#290 RE: Neues Experiment in Stuttgart, am Neckartor gestartet antworten

Zitat von Martin im Beitrag #288
hat sich aber in diese Situation hineinmanövriert, Kläger DUH treibt Stuttgart vor sich her.



Vielleicht hätte es geholfen, sich vor Gericht anständig zu verteidigen - mit anständigen Gutachtern, mit Pochen auf die Verhältnismäßigkeit, mit alternativen Messstandorten. Stattdessen waren die Maßnahmen über die Jahre - bis auf die Mann+Hummel-Feinstaubfilter, und da musste man ja zum Jagen getragen werden - reine Alibimaßnahmen, teuer und absehbar nutzlos. Man denke nur an die legendäre dynamische Beschilderung zur Optimierung der Grünphasenausnutzung, an die nicht weniger legendäre Mooswand, an die einspurige Busspur mit einem halben Jahr Umbau mit Stauchaos oder das allgemeine Tempolimit, wo man jetzt mit 50 auch in der Nacht herumschleichen darf statt wie früher zügig und sparsam mit 80 dahinzugleiten.

Aber Stuttgart hat Grün gewählt und bekommt was es verdient. Vom Dieselfahrverbot sind ja viele Stuttgarter betroffen. Geliefert wie bestellt. Das sehe ich entspannt.

Gruß
hubersn

--
Mein Politik-Blog: http://politikblog.huber-net.de/
Mein Mischmasch-Blog: http://miscblog.huber-net.de/

Seiten 1 | ... 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12
 Sprung  



Bitte beachten Sie diese Forumsregeln: Beiträge, die persönliche Angriffe gegen andere Poster, Unhöflichkeiten oder vulgäre Ausdrücke enthalten, sind nicht erlaubt; ebensowenig Beiträge mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder obszönem Inhalt und Äußerungen gegen den demokratischen Rechtsstaat sowie Beiträge, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Hierzu gehört auch das Verbot von Vollzitaten, wie es durch die aktuelle Rechtsprechung festgelegt ist. Erlaubt ist lediglich das Zitieren weniger Sätze oder kurzer Absätze aus einem durch Copyright geschützten Dokument; und dies nur dann, wenn diese Zitate in einen argumentativen Kontext eingebunden sind. Bilder und Texte dürfen nur hochgeladen werden, wenn sie copyrightfrei sind oder das Copyright bei dem Mitglied liegt, das sie hochlädt. Bitte geben Sie das bei dem hochgeladenen Bild oder Text an. Links können zu einzelnen Artikeln, Abbildungen oder Beiträgen gesetzt werden, aber nicht zur Homepage von Foren, Zeitschriften usw. Bei einem Verstoß wird der betreffende Beitrag gelöscht oder redigiert. Bei einem massiven oder bei wiederholtem Verstoß endet die Mitgliedschaft. Eigene Beiträge dürfen nachträglich in Bezug auf Tippfehler oder stilistisch überarbeitet, aber nicht in ihrer Substanz verändert oder gelöscht werden. Nachträgliche Zusätze, die über derartige orthographische oder stilistische Korrekturen hinausgehen, müssen durch "Edit", "Nachtrag" o.ä. gekennzeichnet werden. Ferner gehört das Einverständnis mit der hier dargelegten Datenschutzerklärung zu den Forumsregeln.



Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen