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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Doeding Offline




Beiträge: 2.384

23.07.2018 22:06
#226 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Meister Petz im Beitrag #223

Zitat
Auch Willy Brandt sei sein mutmaßlicher Alkoholismus im privaten von Herzen gegönnt. Denn: er wußte stets, wann er auf den Punkt präsent sein mußte und konnte das m. W. immer sicherstellen (und wenn nicht, gab es halt seine jährliche, ganz kurzfristig auftretende "Grippeerkrankung" mit Verschiebung aller Termine) Völlig OK das alles.

Oder Horst Ehmke kam mit zwei Flaschen Rotwein und dem berühmten Satz "Aufstehen, wir müssen regieren!".

Ich empfinde - auch wenn ich politisch vieles anders sehe - jedenfalls Brandt als den mit Abstand sympathischsten, weil menschlichsten aller unserer bisherigen Kanzler. Man möchte fast sagen: Schade, dass er ein Politiker geworden ist.

Gruß Petz


Habe ich jetzt länger drüber nachgedacht...und bin fast bei Dir...weniger sympathisch aber weit mehr menschlich erscheint mir gleichwohl Adenauer. Wie Brandt ein Kind seiner Lebensgeschichte, viel geprüft, und Adenauer war z. T. wirklich boshaft und chronisch mißtrauisch; was man so weiß. Gleichwohl ähnlich authentisch, charismatisch und realpolitisch-pragmatisch. Die beiden waren sich, glaube ich, ähnlicher als man meinen sollte. Beide zu ihrer Zeit wohl am rechten Platz. Und beide trinkfest

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

Noricus Offline



Beiträge: 2.042

23.07.2018 22:07
#227 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #220
Was man hier zu sehen bekommen hat, kann dann ja nur die Spitze des Eisbergs sein; das, was nicht mehr öffentlich zu kaschieren ist, nämlich daß er nicht mal mehr in der Lage ist, auf einem Natogipfel halbwegs nüchtern zu erscheinen, und das zum wiederholten Male vor laufender Kamera der internationalen Presse. Wie muß man sich dann eigentlich interne Sitzungen; seinen Arbeitstag am Schreibtisch, wie soll man sich Kommissionssitzungen vorstellen?


Ich als Kommissionspräsident (schöne Horrorvorstellung ) würde die diversen Gipfeltreffen weder in nüchternem noch in stockbesoffenem Zustand aushalten. Man trifft sich mit Leuten, die man nicht mag und die einen nicht mögen, und muss doch auf Bussi-Bussi und beste politische Freunde machen.

Am Schreibtisch oder in der trauten Runde der Kommissare ist die Stimmung dann schon viel weniger unangenehm. Und ich glaube ohnehin, dass wenig von dem, was in der EU passiert, auf Junckers Mist wächst, sondern dass es da eher fleißige Mitarbeiter in seinem Stab gibt, deren Arbeit er mit seiner Unterschrift adelt.

Doeding Offline




Beiträge: 2.384

23.07.2018 22:19
#228 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #227
Zitat von Doeding im Beitrag #220
Was man hier zu sehen bekommen hat, kann dann ja nur die Spitze des Eisbergs sein; das, was nicht mehr öffentlich zu kaschieren ist, nämlich daß er nicht mal mehr in der Lage ist, auf einem Natogipfel halbwegs nüchtern zu erscheinen, und das zum wiederholten Male vor laufender Kamera der internationalen Presse. Wie muß man sich dann eigentlich interne Sitzungen; seinen Arbeitstag am Schreibtisch, wie soll man sich Kommissionssitzungen vorstellen?


Ich als Kommissionspräsident (schöne Horrorvorstellung ) würde die diversen Gipfeltreffen weder in nüchternem noch in stockbesoffenem Zustand aushalten. Man trifft sich mit Leuten, die man nicht mag und die einen nicht mögen, und muss doch auf Bussi-Bussi und beste politische Freunde machen.

Am Schreibtisch oder in der trauten Runde der Kommissare ist die Stimmung dann schon viel weniger unangenehm. Und ich glaube ohnehin, dass wenig von dem, was in der EU passiert, auf Junckers Mist wächst, sondern dass es da eher fleißige Mitarbeiter in seinem Stab gibt, deren Arbeit er mit seiner Unterschrift adelt.

Guter Punkt, lieber Noricus. Ich vermute, mir ginge es nicht anders. Ich werde mich zukünftig dafür stark machen, den Beruf des EU-Kommissionspräsidenten zum offizielen Risikoberuf für Alkoholismus erklären zu lassen, analog zum Beruf des Kochs oder des Winzers

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

Llarian Offline



Beiträge: 4.375

23.07.2018 22:52
#229 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #214
Das ist eine eher moderne Auffassung. Wenn ich Dich nicht kennen würde, würde ich eine "snowflake"-Einstellung vermuten.

Es ist nicht alles was sich in den letzten 30 Jahren in unserer Gesellschaft gewandelt hat, eine Folge der Grünen oder grünes Denken. Das man Alkoholismus überhaupt als Krankheit begreift ist beispielsweise durchaus ziemlicher Konsens, ohne das Grüne mit am Tisch sitzen würden.

Zitat
Natürlich gab es immer einige prüde Gesellschaftskreise, die das so gesehen haben (heute repräsentiert von den Grünen).


Das hat mit Prüderie nichts zu tun. Meinetwegen kann Juncker täglich eine schwarze Messe halten und eine Orgie mit dieben sibirischen Ringern veranstalten. Aber Alkoholismus ist eine Krankheit, die die eigene Steuersfähigkeit angreift, bzw. unterminiert. Ein Alkoholer kann keine verantwortungsvolle Position einnehmen, weil er schlicht andere gefährdet.

Zitat
Aber die waren nie wirklich relevant, ansonsten war Saufen für einen Politiker und natürlich auch einen Regierungschef ziemlich normal. Die Weltgeschichte wäre ohne Alkoholiker in Spitzenpositionen nicht vorstellbar.


Das ist eine schöne Folklore. Hält aber der Überprüfung nicht wirklich stand. Ich setze mal ein Beispiel dagegen: In unserer Firma haben wir selbstredend eine ganze Reihe Vertriebler. Und von Vertrieblern wird in einigen Ländern schlicht erwartet, dass sie sich zusammen mit dem Kunden besaufen (daher kommt ja immer der schöne Witz des Fortbildungskurses "Sicheres Verhandeln bei 2 Promille"). Und das tun die auch. Und die müssen (und sind) in dem Sinne trinkfest sein. Dennoch wären die ihren Job los, wenn die beim Antritt beim Kunden oder auch nur am Montag morgen bei uns im Haus angetrunken auflaufen würden. Denn das ist ein ganz entscheidender Unterschied zum Alkoholiker. Ein Vertriebler (genauso wie ein geschickter Außenpolitiker wie beispielsweise Helmut Kohl) kann sich mit einem Kunden zusammen betrinken. Aber deswegen hat er keine Notwendigkeit das zu tun. Er ist immer noch Herr seiner selbst und kann nach dem Abend immer noch verantwortungsvoll seine Aufgabe wahrnehmen. Das kann ein Alkoholiker nicht. Saufen ist nicht das Problem. Der Kontrollverlust ist das Problem.

Zitat
Da muß man wohl auch damit leben, daß sogar in Zettels Raum grüne Moralvorstellungen gepredigt werden ...


Ich glaube Du verwechselst da etwas. Die grüne Moralvorstellung wäre nicht, dass Säufer keine Verantwortung übernehmen dürfen. Die grüne Vorstellung wäre, dass Bekiffte das gefälligst auch dürfen sollen.

Florian Offline



Beiträge: 2.456

23.07.2018 22:57
#230 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Noricus im Beitrag #227
Ich als Kommissionspräsident (schöne Horrorvorstellung ) würde die diversen Gipfeltreffen weder in nüchternem noch in stockbesoffenem Zustand aushalten. Man trifft sich mit Leuten, die man nicht mag und die einen nicht mögen, und muss doch auf Bussi-Bussi und beste politische Freunde machen.


In den aktuell umlaufenden Videos sieht man tatsächlich, wie Juncker männliche Regierungs-Chefs abbusselt.
(siehe z.B. hier https://www.youtube.com/watch?v=oecvYFq_wi0&t=127s bei 0:10min, 0:40min und 2:20min
Ich habe mich da gefragt: Ist so was WIRKLICH üblich?
Für mich waren Begrüßungsküsse zwischen Männern neu. Hatte ich bisher weder bei TV-Berichten über Staatsbesuche noch bei privaten Besuchen im Welschland wahrgenommen.
Verkehre ich einfach in den falschen Kreisen? Und habe ich bisher Tagesschau-Berichte über Staatsempfänge nicht aufmerksam genug beobachtet?
Oder war Junckers Verhalten da nicht vielleicht doch eher unüblich?
(Die Initiative scheint in jedem Fall von Juncker auszugehen. Und man sieht im Video auch keine anderen Staatsmänner, die sich küssen würden. Andererseits scheinen die Kuss-Empfänger auch nicht allzu überrascht zu sein.).

Dennis the Menace Offline




Beiträge: 436

24.07.2018 00:36
#231 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #226
...weniger sympathisch aber weit mehr menschlich erscheint mir gleichwohl Adenauer. Wie Brandt ein Kind seiner Lebensgeschichte, viel geprüft, und Adenauer war z. T. wirklich boshaft und chronisch mißtrauisch; was man so weiß. Gleichwohl ähnlich authentisch, charismatisch und realpolitisch-pragmatisch. Die beiden waren sich, glaube ich, ähnlicher als man meinen sollte. Beide zu ihrer Zeit wohl am rechten Platz. Und beide trinkfest




Okay, sehe ich auch etwa so . Das Letztere bezüglich Adenauer allerdings MITNICHTEN. is zwar nitt grad wichtig, aber hier halt das Thema und deshalb: Bitte reichlich Wasser in diesen Wein.

Bei Empfängen und ähnlichen Gelegenheiten - sofern der Alte das selbst steuern konnte - pflegte ihm der Kellner durch ein diskretes Zeichen auf dem Tablett ein Glas anzubieten, in welchem sich Spudelwasser oder dgl. befand, berichtet sein Sohn Max. Von der Moskau-Sache ist das allen Mitarbeitern verordnete Olivenöl bekannt; soll angeblich als ne Art Pille davor eine gewisse immunisierende Wirkung haben. Er selbst habe auf Wein bestanden und Schärferes verschmäht.

Ferner durfte in seiner Umgebung (inkl.Sitzungen etc.) nicht geraucht werden. Zu damaliger Zeit arg, arg exotisch und skurril.

Sein Nachfolger, eher ein Genussmensch, dessen äußeres Erscheinungsbild schon auf einen gewissen Hedonismus hinweist, war ihm womöglich schon deswegen zuwider - okay; ich sach mal: suspekt. Immerhin soll er sich aber anlässlich von dessen Rausschmiss eine Flasche aller edelsten Weins ausnahmsweise mal genehmigt haben. Eine gewisse Boshaftigkeit war ihm ja nicht so ganz fremd, wie Sie ganz richtig schreiben.

Er pflegte jedenfalls einen frugal-strengen "gesunden" (das war ihm wichtig) Lebensstil. Claudia Roth und Renate Künast sind also nicht die Erfinderinnen des Spaßbremsentums. Bezüglich "Gesundheitsfragen" könnte man diesbezüglich womöglich gar postum an eine Koalition denken ; okay, die waren ja erst ca. 10, als er starb.

lich
Dennis

Frankenstein Offline




Beiträge: 584

24.07.2018 07:39
#232 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Florian im Beitrag #230
Zitat von Noricus im Beitrag #227
Ich als Kommissionspräsident (schöne Horrorvorstellung ) würde die diversen Gipfeltreffen weder in nüchternem noch in stockbesoffenem Zustand aushalten. Man trifft sich mit Leuten, die man nicht mag und die einen nicht mögen, und muss doch auf Bussi-Bussi und beste politische Freunde machen.


In den aktuell umlaufenden Videos sieht man tatsächlich, wie Juncker männliche Regierungs-Chefs abbusselt.
(siehe z.B. hier https://www.youtube.com/watch?v=oecvYFq_wi0&t=127s bei 0:10min, 0:40min und 2:20min
Ich habe mich da gefragt: Ist so was WIRKLICH üblich?
Für mich waren Begrüßungsküsse zwischen Männern neu.

Im Ostblock war das gang und gäbe - genauso wie Alkoholismus in der Nomenklatura.

Die Bezeichnung EUdSSR hat sich nicht umsonst etabliert, die Zahl der Analogien ist Legion ;)

Doeding Offline




Beiträge: 2.384

24.07.2018 08:35
#233 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Dennis the Menace im Beitrag #231
Zitat von Doeding im Beitrag #226
...weniger sympathisch aber weit mehr menschlich erscheint mir gleichwohl Adenauer. Wie Brandt ein Kind seiner Lebensgeschichte, viel geprüft, und Adenauer war z. T. wirklich boshaft und chronisch mißtrauisch; was man so weiß. Gleichwohl ähnlich authentisch, charismatisch und realpolitisch-pragmatisch. Die beiden waren sich, glaube ich, ähnlicher als man meinen sollte. Beide zu ihrer Zeit wohl am rechten Platz. Und beide trinkfest


Das Letztere bezüglich Adenauer allerdings MITNICHTEN. is zwar nitt grad wichtig, aber hier halt das Thema und deshalb: Bitte reichlich Wasser in diesen Wein.


Stimmt, seine Abneigung gegen Tabak ist legendär...allerdings würde zumindest mich auch ein Eßlöffel Olivenöl höchstwahrscheinlich nicht in die Lage versetzt haben, mit Chruschtschow auf Augenhöhe zu saufen, und mir ist ein Interview erinnerlich, in dem dies von einem Mitglied der russischen Delegation anerkennend vermerkt worden ist ("Er konnte trinken wie ein Mann, obwohl er doch so lang und dünn war.") Daß er von dieser mutmaßlichen Trinkfestigkeit wenig Gebrauch gemacht hat, könnte möglicherweise auch an seinem Diabetes gelegen haben, der ihn wohl zu großer Disziplin gezwungen hat. So hat seine Sekretärin einmal berichtet, daß er jahrzehntelang (in der vor-Insulin-Zeit) nach größeren Banketts aufs Klo verschwunden sei, um sich den Finger in den Hals zu stecken...aber wie auch immer; Sie haben schon recht: Adenauer und Brandt sind den Genüssen des Lebens (man denke auch an das Verhältnis zu Frauen) in sehr unterschiedlicher Weise zugetan gewesen.

Herzliche Grüße,
Andreas

"Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit." (Christian Zulliger)

R.A. Offline



Beiträge: 7.540

24.07.2018 08:37
#234 RE: Blut ist im Wasser antworten

Zitat von Dennis the Menace im Beitrag #224
Ja richtig, denn von so watt is jedenfalls nix bekannt.

Die Unterschrift stimmt nicht.
Da heißt es: "Kleinert ist für eine Rede bekannt, die er am 23. November 1994 im alkoholisierten Zustand im Deutschen Bundestag gehalten hat."
Richtig ist, daß Kleinert wohl alle seine Bundestagsreden im alkoholisierten Zustand gehalten hat. Diese hier war aber wohl die einzige, bei der man ihm das angemerkt hat.

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