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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Frankenstein Offline




Beiträge: 891

13.03.2022 22:49
#301 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #298
Zitat von Emulgator im Beitrag #294
[...]


Das Video an sich ist interessant, die Modelle dahinter wohl auch nicht falsch, aber...

Ein m. E. deutlich interessanteres Video mit (und nicht von) Rieck im Kanal Mission Money:

Spieltheoretiker Rieck: Das ist jetzt die rationalste Lösung! // Mission Money

Emulgator Offline



Beiträge: 2.843

14.03.2022 00:12
#302 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #295
Ich bezweifle, dass es einen "Eroberungsgewinn" überhaupt gibt. Ganz im Gegenteil, die Satellitenstaaten sowjetischer Prägung waren ja eher Verlustbringer als gewinnträchtig.
So gesehen hätte es auch den Kolonialismus nicht geben dürfen. Weltpolitische Größe hat eben ihren Preis, aber auch einen Profit. Der Profit darin ist, daß die NATO den Herrscher eines Imperiums nicht so einfach stürzen (lassen) kann wie Ghaddafi, Milosevic, Saddam. Und an so etwas wie eine Dominotheorie glaubt Putin auch. Er hat ja sein Mißfallen über die Farbrevolutionen deutlich erklärt.

Zitat von hubersn im Beitrag #295
Übrigens sind die Sanktionen zwar möglicherweise am Anschlag, aber die weitere Eskalation besteht ja darin, sie möglichst lange in dieser Schärfe aufrechtzuerhalten - es ist ein dramatischer Unterschied, ob man die Wirkung einen Monat ertragen muss oder zehn Jahre.
Also meinen Sie, wenn Putin die Ukraine einnimmt, gibt es z.B. fünf Jahre Sanktionen und wenn er danach Moldau angreift, nochmal fünf Jahre? Die Sanktionen wegen der Ukraine haben ein Ablaufdatum, selbst wenn Putin das Land nicht wieder freigibt?

Zitat von hubersn im Beitrag #295
Glaubt jemand ernsthaft, die russischsprachige Minderheit in den baltischen Staaten hoffen auf baldige russische Herrschaft?
Andersherum: Wenn irgendjemand Putin sowieso einladen würde, bräuchte er keinen Krieg.

Zitat von TF im Beitrag #297
bei Kasachstan (und anderen ehemaligen asiatischen Sowjetrepubliken an Pekings Seidenstraße) wäre das Problem, dass er chinesischen Interessen in die Quere kommt, und noch einen bedeutenden Gegner kann sich Putin schlecht leisten.
Putins Leute waren ja erst im Januar in Kasachstan. Proteste gegen Statthalter Toqajew von Putins Partnerpartei wurden durch russische Fallschirmjäger niedergeschlagen.

Zitat von TF im Beitrag #297
Mit rein ökonomischen Erklärungen ist der Verhalten von Putin und der Ukraine sowieso nicht zu erklären. Danach müssten z. B. die Ukrainer ja sofort kapitulieren, wollen sie aber offensichtlich nicht.
Für die Ukrainer ist ja die Wahl, ob sie Widerstand leisten, um ihren Präsidenten auch künftig abwählen zu können, oder ob sie die Einsetzung eines Statthalters hinnehmen, der seine kleptokratische Politik durchführt. Kleptokratie ist teurer.

Zitat von Johanes im Beitrag #298
Was nützt mir der Gewinn aus Eroberungen, wenn ich dafür Nachts nicht mehr gut schlafen kann und der Rest der Menschheit mich für einen Teufel hält?
Ein Herrscher schläft gut, wenn er entweder geliebt oder gefürchtet wird.

Zitat von hubersn im Beitrag #295
Mehr Brückenbau ist spieltheoretisch auf keinen Fall sinnvoll, denn man will ja Aggression bestrafen und nicht belohnen.
Wenn man straft, dann zeitnah. Sanktionen, die erst mittelfristig wirken, sind da untauglich. Eine präventive Wirkung von Strafsanktionen kann man ausschließen. Genau deswegen haben wir ja trotzdem den Krieg.

Zitat von TF im Beitrag #297
Ein Angriff auf ein NATO-Mitglied wird Putin wahrscheinlich nicht wagen, schon gar nicht, solange er noch in der Ukraine beschäftigt ist.
Wenn das so wäre, hätten Polen oder die USA ohne Wimpernzucken MiG-29 in die Ukraine schicken können. Hat man nicht gemacht, also scheint man in NATO-Kreisen einen Angriff nicht ganz ausschließen.

Zitat von Johanes im Beitrag #298
Insofern stellt sich die Frage, ab wann die negativen Auswirkungen von Putins Politik so groß werden, dass die eigene Mannschaft schon aus puren Eigeninteresse rebelliert.
Das ist tatsächlich der entscheidende Punkt. Bei den Sanktionen fokussiert man sich auf die Oligarchen. Allerdings haben die selber Angst vor Putin. Entscheidender ist die Nomenklatura um Putin herum, die Gouverneure, Geheimdienstchefs, Minister. Oligarchen wurden da hauptsächlich durch "Silniki" ersetzt, also Geheimdienstler und Militärs.

Zitat von Doeding im Beitrag #296
Das dritte Schaubild berücksichtigt nicht im geringsten, daß die Sanktionen erst über die Zeit ihr Wirkungsmaximum entfalten und, wichtiger noch: es berücksichtigt nicht die Wechselwirkung zwischen der Sanktionswirkung und Putins Kompensationsmöglichkeiten bzw. seinen Möglichkeiten, überhaupt noch Krieg zu führen.
Irgendwann werden die Wirkungen ja antizipiert. Wann sie eintreten, ist eher für die Frage des Ruinrisikos von belang. Da Staaten nicht wie Firmen durch Bankrott untergehen, ist das aber nicht akut.
Die Wirkung von Sanktionen auf die Kriegsfähigkeit halte ich eher für klein. In Nordkorea und Iran hat es nichts gebracht, und Rußland stellt seine Waffen sowieso selber her.

Zitat von Doeding im Beitrag #296
Rubel im freien Fall, Staatseinnahmen brechen ein, die Hälfte seiner sog. "Kriegskasse" im Ausland festgesetzt (wie zum Geier konnte ihm das passieren!?), Kapitalabwanderung sowie zunehmendes braindrain mit Blick auf Hochqualifizierte. In ein paar Monaten ist das Land sehr wahrscheinlich zahlungsunfähig. Eine über der Ukraine abgeschossene russische Drohne hat gezeigt, daß sie voller westlicher Bauteile steckt. Kein rankommen mehr, weil jedes Land, das die Sanktionen unterläuft, selbst unter das Sanktionsregime gestellt wird.
Braindrain gibt es schon lange, ohne daß deswegen sich die Politik demokratisiert hätte. Über die Zahlungsunfähigkeit kommt Rußland hinweg. Hat man in den Jelzin-Jahren ja auch überstanden. Westliche Bauteile für Drohnen könnten fehlen? Dann muß eben die Luftwaffe bomben oder die Bodentruppen müssen noch mehr auf Aufklärungsergebnisse verzichten.

Johanes Offline




Beiträge: 2.488

14.03.2022 16:18
#303 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Es scheint mir ein Problem zu sein, dass wir nicht mal sicher sein könnenm wie der Westen am Ende der Kriese dastehen wird.

Theoretisch ist jeder einzelne Entscheidungsträger ein Spieler. Das ist ja der "methodische Individualismus". Genau das führt zu Problemen, weil es doch unterschiedliche Präferenze gibt.

Wir haben jetzt die reale Situation, dass die gesamte westliche Welt fast geschlossen Russland sanktioniert hat. Europa, sogar die Schweiz, Amerika, Nord- wie Süd-, Japan, Südkorea usw.usf.

Was viele gar nicht mehr so sehr sehen: In gewisser Weise sind wir "all inn" gegangen.



"Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten." (Matthäus 7,12)
"Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese." (Mark. 12,31)

hubersn Offline



Beiträge: 1.342

14.03.2022 17:06
#304 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #299
Zitat von hubersn im Beitrag #295
Ich bezweifle, dass es einen "Eroberungsgewinn" überhaupt gibt. Ganz im Gegenteil, die Satellitenstaaten sowjetischer Prägung waren ja eher Verlustbringer als gewinnträchtig. Und da hatte man es mit einer Bevölkerung zu tun, die seit Jahrzehnten in Unfreiheit lebte - das wird für Putin schon beim Versuch einer dauerhaften Besetzung der Ukraine schwierig, siehe Afghanistan und Tschetschenien.
Ich versuche gerade die Frage nach dem Eroberungsgewinn auf Die USA im Fall von Afghanistan, Libyen, Irak anzuwenden, und auf die Frage, ob deren Truppen dort willkommen sind.



Ziel der USA war bisher in keinem Falle dauerhafte Eroberung, von daher liegen die Fälle eher anders. Libyen hat ja nicht mal US-Bodentruppen gesehen, mit ein paar Luftschlägen und militärischer Unterstützung lokaler Kräfte startet man sicher keine Eroberung fremder Länder. In Afghanistan waren die Truppen der USA sicher hochwillkommen um die Terrorherrschaft der Taliban zu beenden, aber bekanntlich waren die nachfolgenden Bemühungen nicht von dauerhaftem Erfolg. Aber besser 20 Jahre in relativer Freiheit als 20 Jahre unter Taliban-Herrschaft.

Im Falle des Iraks gab es das theoretische Ziel der Aneignung der irakischen Erdölreserven als "Eroberungsgewinn", aber das ist ja nicht passiert - da sind die USA gegenüber der einheimischen Bevölkerung deutlich freundlicher gestimmt als man es von den Russen vermuten kann. Afghanistan hatte als Ziel die Verhinderung zukünftiger Terroranschläge, das war jetzt nicht gänzlich unerfolgreich, zumindest temporär sowohl Taliban als auch al-Qaida lokal zu binden. Und die amerikanischen Militärinterventionen sind ja stets nur temporärer Natur, wenn sich abzeichnet dass es zu teuer wird und zu wenig bringt sind die ja auch schnell wieder draußen. Ob der Sturz Saddams jetzt langfristig mehr Nutzen oder Schaden verursacht hat - ganz sicher hat es geholfen, dass sich der Nahe Osten von Syrien bis Iran wieder hauptsächlich sich selbst die Köpfe einschlägt, vielleicht genügt das ja - die Bedrohungslage für Israel hat es vermutlich positiv beeinflusst.

Für die Kurden war der "Regime Change" im Irak jedenfalls ein Gottesgeschenk, unter Saddam drohte ja regelmäßiger Völkermord.

Andere militärische Aktionen oder auch Schutzversprechen der USA nach dem Zweiten Weltkrieg hatten eine deutliche Erfolgsbilanz in den letzten Jahrzehnten. Südkorea, Japan, Taiwan.

Zitat

vielleicht setzt Rieck die falschen Maßstäbe an. Oder es ist die Frage, wie der Wert eines Hegemonialanspruchs und eventuell dessen Verhinderung anzusetzen ist.



Die Frage sollte wohl Rieck gestellt werden. Nachdem ich ein paar Sachen von ihm angeschaut habe hat er es ja nicht so mit Logik und Stringenz, er arbeitet eher nach dem Motto "Masse statt Klasse". Als qualitativ besonders schlecht empfand ich seine Einlassungen zu Energiewende und Klimaschutz - auf dem Altar seines Narrativs opfert er allzu bereitwillig die Fakten.

Gruß
hubersn

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hubersn Offline



Beiträge: 1.342

14.03.2022 17:24
#305 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #302
Zitat von hubersn im Beitrag #295
Ich bezweifle, dass es einen "Eroberungsgewinn" überhaupt gibt. Ganz im Gegenteil, die Satellitenstaaten sowjetischer Prägung waren ja eher Verlustbringer als gewinnträchtig.
So gesehen hätte es auch den Kolonialismus nicht geben dürfen.



Ich denke nicht, dass es unter Historikern einen Konsens gibt, dass langfristig Kolonialismus eine Erfolgsgeschichte ist. Insofern: zu einem bestimmten Zeitpunkt mag es so ausgesehen haben, dass Kolonialismus eine gute Idee ist. Im Rückblick kann ich jetzt aber nicht erkennen, dass die damaligen Kolonialreiche in der Moderne vorteilhaft dastehen würden.

Zitat

Weltpolitische Größe hat eben ihren Preis, aber auch einen Profit. Der Profit darin ist, daß die NATO den Herrscher eines Imperiums nicht so einfach stürzen (lassen) kann wie Ghaddafi, Milosevic, Saddam. Und an so etwas wie eine Dominotheorie glaubt Putin auch. Er hat ja sein Mißfallen über die Farbrevolutionen deutlich erklärt.



Das hat Putin in der Tat erklärt, aber das macht es noch lange nicht zum Fakt. Putins Angst vor der NATO - falls es mehr ist als Propaganda um innenpolitisch Einigkeit positiv zu beeinflussen - ist doch substanzlos und irrational. Er hat ein strategisches Atomwaffenarsenal beträchtlicher Größe, dazu einen Haufen konventioneller Streitkräfte und endlosen Raum - wer sollte ihn angreifen wollen und können? Wer hat Russland seit 1945 angegriffen? Irgendwann wird das Führen von Präventivkriegen aufgrund von Sorgen um die eigene Sicherheitslage halt unglaubwürdig. Sowohl die Annexion der Krim als auch die Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine waren ja schon eher irrational. Die Invasion der Ukraine ist nur vorläufiger Endpunkt eskalierender Aktionen mit völlig unklarem Gewinnpotenzial.

Zitat

Zitat von hubersn im Beitrag #295
Übrigens sind die Sanktionen zwar möglicherweise am Anschlag, aber die weitere Eskalation besteht ja darin, sie möglichst lange in dieser Schärfe aufrechtzuerhalten - es ist ein dramatischer Unterschied, ob man die Wirkung einen Monat ertragen muss oder zehn Jahre.
Also meinen Sie, wenn Putin die Ukraine einnimmt, gibt es z.B. fünf Jahre Sanktionen und wenn er danach Moldau angreift, nochmal fünf Jahre? Die Sanktionen wegen der Ukraine haben ein Ablaufdatum, selbst wenn Putin das Land nicht wieder freigibt?



Sagen wir es so: ich bin mir sehr sicher, dass bei einer erfolgreichen Blitzkriegtaktik gegen die Ukraine mit schnellem Absetzen der Regierung und Einsetzen eines Marionetten-Regimes - also sprich: schnelles Schaffen von nicht ohne massive Eskalation zurückdrehbaren Fakten - die Sanktionen deutlich milder und nicht langandauernd gewesen wäre. Siehe Krim und Ostukraine. Mit kleinen Nadelstichen arrangiert sich "der Westen" sehr viel leichter und schneller als mit einer großen Invasion.

Gruß
hubersn

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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

14.03.2022 17:53
#306 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #305
Insofern: zu einem bestimmten Zeitpunkt mag es so ausgesehen haben, dass Kolonialismus eine gute Idee ist.



Ist jetzt ein Nebenkriegsschauplatz. Aber: ökonomisch war das auch vor 150 Jahren, zur Hoch-, zur Höchstzeit der Aufteilung des Erdballs unter die großen Kolonialmächte, nie der Fall. Das war immer eine Wette auf "die Zukunft," die etwa ein Cecil Rhodes beworben hat, um Carte Blanche und staatliche Unterstützung für sein im-Grunde privates Kolonialprojekt einzuwerben. Es ist nicht ganz zu Unrecht zu der Zeit schon bemerkt worden, daß England ganz ungewollt und praktisch ohne es zu merken (nämlich: was Verbindlichkeiten und Folgekosten anging) eines Morgens aufwachte und sich an der Tête eines Weltreichs wiederfand. Der "Struggle for Africa" resultierte hauptsächlich aus dem Wettlauf zwischen Frankreich und England, um der jeweils anderen Partei zuvorzukommen. Dasselbe gilt für das "Great Game" in Zentralasien, mit Afghanistan als Auge des Orkans. Auch dort konnte niemand, weder in Russland noch in England, angeben, welchen konkreten Nutzen das haben sollte; die ventilierten Überlegungen gingen dahin, daß eine Schutz- oder Kolonialmacht, die sich dort etablieren konnte, den anderen Part daran zu hindern, daß als Brückenkopf zu nutzen, um a. Indien selbst. b. China, c. den Rest von Ostasien an sich zu binden. Wenn man so will, war das die erste Auflage der Dominotheorie.

Flankiert wurde das mit der moralischen Volte, "den Wilden" die europäische Zivilisation nahezubrigen. Was nicht ganz unbegründet war, denn die Zündung des europäischen Kolonialismus in Afrika war die Bekämpfung des arabischen Sklavenhandels. (Die amerikanische Marine ist ja überhaupt erst gegründet worden, um die Piraterie und die Versklavung der europäischen Seeleute in den Barbareskenstaaten zu beenden). Ökonomisch hatte sich schon der Kolonialbesitz Spaniens in Lateinamerika im 17. und 18. Jahrhundert als ein bleiernes Seknnewicht erwiesen. England hat die Erfahrung im 18. Jdt. in der Karibik gemacht, die als Agrarresource für hauptsächlich Baumwolle und später Zuckerrohr gedacht war. That said, läßt sich über die Aufwendungen in diese Koloien und die resultierenden Erträge keine saubere Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, weil die meisten Kosten kaum bezifferbar sind und die über die angelieferten Produkte (wo man das für England - Tee, Zucker, Kaffee, die Niederlande, und Spanien, wo seit gut 25 Jahre die Marinearchive im Escorial systematisch aufgearbeitet werden - zwar in Sachen Marktwert recht gut dingfest machen kann, das aber nicht mit dem Staatshaushalt o.ä. abgleichen kann, weil es dergleichen in der Ära des Merkanitlismus schlicht nicht gab).



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

14.03.2022 18:16
#307 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Hat sich das schon herumgesprochen?

Zitat
Bayer AG @Bayer

Bayer has suspended advertising and investments in Russia. Deliveries are focused on medicines and essential health products, i.e. for infants and children. Crop supplies for the 2023 growing season are contingent on peace. Full statement here: https://bayer.com/en/ukraine

9:20 AM · Mar 14, 2022·Twitter Web App



https://twitter.com/Bayer/status/1503285005862199298

Zitat
In a recent statement on the invasion of Ukraine, the G7 agricultural ministers made clear that any increase in food price levels and volatility in international markets could threaten food security and nutrition at a global scale and would especially affecting the most vulnerable. By supplying farmers around the globe, we want to support protecting food supply chains from further disruption and help to prevent what could be an unprecedented food crisis.

For the 2022 growing season, we have already provided essential agricultural inputs to farmers in Russia to alleviate additional pressure on the global food system. Nevertheless, we will closely monitor the political situation and decide about supplies for 2023 and beyond at a later stage, depending on Russia stopping its unprovoked attacks on Ukraine and returning to a path of international diplomacy and peace.



https://www.bayer.com/en/ukraine



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Martin Offline



Beiträge: 4.129

14.03.2022 19:28
#308 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat
Zitat von hubersn im Beitrag #304
Ich versuche gerade die Frage nach dem Eroberungsgewinn auf Die USA im Fall von Afghanistan, Libyen, Irak anzuwenden, und auf die Frage, ob deren Truppen dort willkommen sind.


Ziel der USA war bisher in keinem Falle dauerhafte Eroberung, von daher liegen die Fälle eher anders.

Eine missliebige Regierung beseitigen und durch eine loyale ersetzen kann für eine 'Eroberung' ja schon ausreichen, s. George Friedman. Dass ein Teil der Bevölkerung das vielleicht begrüßt, dürfte für die Strategen der USA kaum erheblich sein. Laut Statista soll Afghanistan die USA nicht ganz 900 Mrd $ und der Irak etwas über 500 Mrd $ gekostet haben. Das sind auch den USA ein paar zufriedene Bewohner nicht wert. Das wären Geschichten für die Regenbogenpresse. Trotzdem wäre interessant, welche Rechnung in diesen Fällen Rieck aufmachte.

Anders als Russland mussten die USA nie Sanktionen befürchten. Dafür profitieren aber eine Menge Leute in den USA von den Waffengängen. Nur muss das irgendwer bezahlen. Die bisher gängige Erklärung war, dass diese Kriege vom Rest der Welt bezahlt werden, weil sich die USA auf deren Kosten beliebig verschulden konnten. $ als Handelswährung und Petro-$ haben das möglich gemacht. Der Wohlstand der US-Elite wird so gesichert. Und weil von Kolonialisierung die Rede war: Auch deren Zweck war der Zugang zu Rohstoffen. Schon die alten Spanier haben das Gold aus Südamerika zur Finanzierung ihrer Kriege, bzw. ihres Machterhalts genutzt.

Die USA müssen nicht erobern, oft reicht es, eine Regierung zu stützen, die sich im Gegenzug bereichern darf (die Chinesen kopieren das inzwischen). Und zur Not gibt es dann ein starkes Militär um eigene Interessen durchzusetzen. Und manchmal wollen Länder nicht mitspielen. Nach meinem Wissen wollte Ghadafi aus dem Petrodollar ausscheren und sogar einige Länder südlich Libyens mitziehen. Dito. Saddam Hussein, der auf Euro umstellen wollte. Die militärischen Interventionen haben das verhindert. Das mag eine etwas eindimensionale Erklärungslinie sein, aber sie könnte zumindest erklären, warum der Zugriff auf das Öl selbst für die USA nicht so wichtig war. Die Militäraktion war zugleich eine Warnung für andere. Also alles das, was man als Dollar-Hegemonie bezeichnet.

Sicher spielten zum Teil auch Israels Sicherheitsinteressen eine Rolle, das ähnlich Russland seine Gegner nicht allzu nah auf der Pelle haben will.

Zurück zu Rieck: Ich wäre neugierig gewesen darauf, wie er die Militärinventionen der USA in vergleichbarer Form wie seine oben referenzierte Analyse zu Russland bewertet hätte. Eine Billion $ Kosten sind nun mal kein Pappenstil.

Gruß
Martin

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

14.03.2022 22:57
#309 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #308

Die USA müssen nicht erobern, oft reicht es, eine Regierung zu stützen, die sich im Gegenzug bereichern darf (die Chinesen kopieren das inzwischen). Und zur Not gibt es dann ein starkes Militär um eigene Interessen durchzusetzen.


Stichwort. Mir kommt gerade diese Analyse aus chinesischer Perspektive unter. Ich geb' das mal zur Kenntnisnahme weiter. Ich zitier' das mal etwas länger, damit es nicht heißt: Jaaa, chinesische Propaganda, kann man ignorieren...

Zitat
Possible Outcomes of the Russo-Ukrainian War and China’s Choice, by US-China Perception Monitor March 12, 2022

March 13, 2022

Update on March 13, 2022: The following article was submitted by the author to the Chinese-language edition of the US-China Perception Monitor. The article was not commissioned by the US-China Perception Monitor, nor is the author affiliated with the Carter Center or the US-China Perception Monitor. Hu Wei is the vice-chairman of the Public Policy Research Center of the Counselor’s Office of the State Council, the chairman of Shanghai Public Policy Research Association, the chairman of the Academic Committee of the Chahar Institute, a professor, and a doctoral supervisor. Written on March 5, 2022.

I. Predicting the Future of the Russo-Ukrainian War

1. Vladimir Putin may be unable to achieve his expected goals, which puts Russia in a tight spot. The purpose of Putin’s attack was to completely solve the Ukrainian problem and divert attention from Russia’s domestic crisis by defeating Ukraine with a blitzkrieg, replacing its leadership, and cultivating a pro-Russian government. However, the blitzkrieg failed, and Russia is unable to support a protracted war and its associated high costs. Launching a nuclear war would put Russia on the opposite side of the whole world and is therefore unwinnable. The situations both at home and abroad are also increasingly unfavorable. Even if the Russian army were to occupy Ukraine’s capital Kyiv and set up a puppet government at a high cost, this would not mean final victory. At this point, Putin’s best option is to end the war decently through peace talks, which requires Ukraine to make substantial concessions. However, what is not attainable on the battlefield is also difficult to obtain at the negotiating table. In any case, this military action constitutes an irreversible mistake.

2. The conflict may escalate further, and the West’s eventual involvement in the war cannot be ruled out. While the escalation of the war would be costly, there is a high probability that Putin will not give up easily given his character and power. The Russo-Ukrainian war may escalate beyond the scope and region of Ukraine, and may even include the possibility of a nuclear strike. Once this happens, the U.S. and Europe cannot stay aloof from the conflict, thus triggering a world war or even a nuclear war. The result would be a catastrophe for humanity and a showdown between the United States and Russia. This final confrontation, given that Russia’s military power is no match for NATO’s, would be even worse for Putin.

3. Even if Russia manages to seize Ukraine in a desperate gamble, it is still a political hot potato. Russia would thereafter carry a heavy burden and become overwhelmed. Under such circumstances, no matter whether Volodymyr Zelensky is alive or not, Ukraine will most likely set up a government-in-exile to confront Russia in the long term. Russia will be subject both to Western sanctions and rebellion within the territory of Ukraine. The battle lines will be drawn very long. The domestic economy will be unsustainable and will eventually be dragged down. This period will not exceed a few years.

4. The political situation in Russia may change or be disintegrated at the hands of the West. After Putin’s blitzkrieg failed, the hope of Russia’s victory is slim and Western sanctions have reached an unprecedented degree. As people’s livelihoods are severely affected and as anti-war and anti-Putin forces gather, the possibility of a political mutiny in Russia cannot be ruled out. With Russia’s economy on the verge of collapse, it would be difficult for Putin to prop up the perilous situation even without the loss of the Russo-Ukrainian war. If Putin were to be ousted from power due to civil strife, coup d’état, or another reason, Russia would be even less likely to confront the West. It would surely succumb to the West, or even be further dismembered, and Russia’s status as a great power would come to an end.

II. Analysis of the Impact of Russo-Ukrainian war On International Landscape

1. The United States would regain leadership in the Western world, and the West would become more united. At present, public opinion believes that the Ukrainian war signifies a complete collapse of U.S. hegemony, but the war would in fact bring France and Germany, both of which wanted to break away from the U.S., back into the NATO defense framework, destroying Europe’s dream to achieve independent diplomacy and self-defense. Germany would greatly increase its military budget; Switzerland, Sweden, and other countries would abandon their neutrality. With Nord Stream 2 put on hold indefinitely, Europe’s reliance on US natural gas will inevitably increase. The US and Europe would form a closer community of shared future, and American leadership in the Western world will rebound.

2. The “Iron Curtain” would fall again not only from the Baltic Sea to the Black Sea, but also to the final confrontation between the Western-dominated camp and its competitors. The West will draw the line between democracies and authoritarian states, defining the divide with Russia as a struggle between democracy and dictatorship. The new Iron Curtain will no longer be drawn between the two camps of socialism and capitalism, nor will it be confined to the Cold War. It will be a life-and-death battle between those for and against Western democracy. The unity of the Western world under the Iron Curtain will have a siphon effect on other countries: the U.S. Indo-Pacific strategy will be consolidated, and other countries like Japan will stick even closer to the U.S., which will form an unprecedentedly broad democratic united front.

3. The power of the West will grow significantly, NATO will continue to expand, and U.S. influence in the non-Western world will increase. After the Russo-Ukrainian War, no matter how Russia achieves its political transformation, it will greatly weaken the anti-Western forces in the world. ... The West will possess more “hegemony” both in terms of military power and in terms of values and institutions, its hard power and soft power will reach new heights.

4. China will become more isolated under the established framework. For the above reasons, if China does not take proactive measures to respond, it will encounter further containment from the US and the West. Once Putin falls, the U.S. will no longer face two strategic competitors but only have to lock China in strategic containment. Europe will further cut itself off from China; Japan will become the anti-China vanguard; South Korea will further fall to the U.S.; Taiwan will join the anti-China chorus, and the rest of the world will have to choose sides under herd mentality. China will not only be militarily encircled by the U.S., NATO, the QUAD, and AUKUS, but also be challenged by Western values and systems.

III. China’s Strategic Choice

1. China cannot be tied to Putin and needs to be cut off as soon as possible. In the sense that an escalation of conflict between Russia and the West helps divert U.S. attention from China, China should rejoice with and even support Putin, but only if Russia does not fall. Being in the same boat with Putin will impact China should he lose power. Unless Putin can secure victory with China’s backing, a prospect which looks bleak at the moment, China does not have the clout to back Russia. The law of international politics says that there are “no eternal allies nor perpetual enemies,” but “our interests are eternal and perpetual.” Under current international circumstances, China can only proceed by safeguarding its own best interests, choosing the lesser of two evils, and unloading the burden of Russia as soon as possible. At present, it is estimated that there is still a window period of one or two weeks before China loses its wiggle room. China must act decisively.

2. China should avoid playing both sides in the same boat, give up being neutral, and choose the mainstream position in the world. At present, China has tried not to offend either side and walked a middle ground in its international statements and choices, including abstaining from the UN Security Council and the UN General Assembly votes. However, this position does not meet Russia’s needs, and it has infuriated Ukraine and its supporters as well as sympathizers, putting China on the wrong side of much of the world. In some cases, apparent neutrality is a sensible choice, but it does not apply to this war, where China has nothing to gain.

3. China should achieve the greatest possible strategic breakthrough and not be further isolated by the West. Cutting off from Putin and giving up neutrality will help build China’s international image and ease its relations with the U.S. and the West. Though difficult and requiring great wisdom, it is the best option for the future. ... Under such circumstances, China’s top priority is to make appropriate strategic adjustments accordingly, to change the hostile American attitudes towards China, and to save itself from isolation. The bottom line is to prevent the U.S. and the West from imposing joint sanctions on China.

4. China should prevent the outbreak of world wars and nuclear wars and make irreplaceable contributions to world peace. As Putin has explicitly requested Russia’s strategic deterrent forces to enter a state of special combat readiness, the Russo-Ukrainian war may spiral out of control. A just cause attracts much support; an unjust one finds little. If Russia instigates a world war or even a nuclear war, it will surely risk the world’s turmoil. To demonstrate China’s role as a responsible major power, China not only cannot stand with Putin, but also should take concrete actions to prevent Putin’s possible adventures. China is the only country in the world with this capability, and it must give full play to this unique advantage.



https://uscnpm.org/2022/03/12/hu-wei-rus...r-china-choice/



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hubersn Offline



Beiträge: 1.342

14.03.2022 23:21
#310 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #308
Laut Statista soll Afghanistan die USA nicht ganz 900 Mrd $ und der Irak etwas über 500 Mrd $ gekostet haben.



Bei solchen Zahlen ist immer Vorsicht geboten, man muss ganz genau die Berechnungsgrundlage kennen. Oftmals werden da munter Kosten addiert, die auch ohne Einsatz und ohne Krieg angefallen wären. Personal, Reparatur von Material, Ersatz von Munition, Training vs. Kampfeinsatz, Veteranenversorgung usw.

Auf der anderen Seite: 900 Mrd. US$ für 21 Jahre Einsatz sind jetzt auch nicht gerade ein Riesenposten pro Jahr. Gerade wenn die Materialausgaben sowieso wieder in die heimische Wirtschaft fließen, finde ich die Summe jetzt nicht soooo dramatisch. Wenn man die USA ist. Wenn man eine wirtschaftlich wenig erfolgreiche Nation wie Russland hingegen ist, könnte schon nach einem Kurzeinsatz in der Ukraine und ein paar Sanktionen die Pleite drohen. Da gibt es ja einige Szenarien die kolportiert werden, die Putin deutlich mehr Sorgen machen sollten als der schleppende Kriegsverlauf. Krieg muss man sich leisten können.

Andere rufen übrigens deutlich höhere Zahlen auf, mit interessanten Detailaufschlüsselungen: https://watson.brown.edu/costsofwar/figu...istan-2001-2022

Gruß
hubersn

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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

16.03.2022 15:26
#311 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat
Around a third of Ukrainian refugees arriving in France are actually economic migrants from other areas of the world, mostly North Africa and the Middle East, according to an investigation by newspaper Le Figaro.

A significant minority of refugees arriving in France who claim to have fled the Russo-Ukrainian conflict are not Ukrainian, with many originating from Africa and the Middle East, according to information published by French newspaper, Le Figaro.

France’s Prime Minister Jean Castex revealed on Tuesday that more than 5,000 prospective asylum seekers had now arrived in the country since the start of the Russian invasion of Ukraine on Feb. 25, and that number is “rapidly increasing.” More than 500 arrived on Monday, many of whom were transported by bus from Berlin, and others reaching France by rail and air. There are many reportedly also arriving unofficially via their own means to stay with family members already settled in France.

However, many of those arriving through official channels and being identified by the authorities are non-Ukrainian, with Le Figaro reporting that as many as 30 percent are migrants of other nationalities.

The newspaper reveals that 7.5 percent are of Algerian nationality, while 3.5 percent of arrivals are from the Ivory Coast and Morocco respectively.

Indians and Kyrgyzstan nationals are next on the list at 2.5 percent apiece, while other nationalities arriving include the Democratic Republic of Congo, Cameroon, Pakistan, Nigeria, and China.



https://rmx.news/france/1-out-of-3-refug...rent-ukrainian/



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Frank2000 Offline




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16.03.2022 15:52
#312 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Ein SPD-Typ rotzt seine Antipathie gegen die Ukraine raus, in dem er den Botschafter beleidigt:
https://www.welt.de/politik/ausland/arti...ch-spaeter.html

Was mich dabei noch mehr gruseln lässt: unter dem Welt-Artikel gibt die übliche Schaltfläche zur Abstimmung, ob man dem Autor zustimmt. Die Hälfte tut es nicht.

Meine Schlussfolgerung: in Deutschland gibt es eine extrem große Gruppe, wenn nicht sogar die Mehrheit, die weiterhin Putin die Stange hält und fest davon überzeugt ist, dass es das Vorrecht von faschistischen Diktaturen ist, kleinere Länder zu überfallen und zu unterjochen.
Und bei solchen Gelegenheiten wie dieser Abstimmungsschaltfläche kann man der Ukraine dann mal den Stinkefinger zeigen.
Wenn ich ehrlich bin: im Moment gibt es zwar etwas mediale Zurückhaltung, weil Putin es in der B-Note durch die Bombardierung von Krankenhäusern und Kindergärten etwas übertrieben hat. Sind halt unschöne Bilder, wenn schwangere Frauen elendig während eines Notkaiserschnitts verrecken. Bzw "nicht hilfreiche Bilder" wie die größte Bundeskanzlerin aller Zeiten und Putin-Freundin sagen würde.

Aber wenn man die mediale Lufthoheit wieder zurückerkämpft hat, dann wird sich meiner Meinung nach zeigen, dass Deutschland kein Freund der Ukraine ist.

___________________
Verbote sind Freiheit. Meinungen sind Terror. Quoten sind Leistung. Linke Regierung ist Familie. (c) Rot-Grüne Allianz
“Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt”, Georg Cristof Lichtenberg
"Warum halten sie Begriffe wie 'Zigeunersoße' für rassistisch, aber 'Schei** Juden' für harmlos?", Hamed Abdel-Samad

F.Alfonzo Offline



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16.03.2022 17:18
#313 RE: "Wippchen's ukrainischer Krieg": 'isch Over!' Antworten

Ich weiss nicht ob ich der einzige hier bin der das so sieht, aber aktuell könnten wir jeden Platz für Flüchtline gebrachen... wenn man nicht schon halb MENA hier eingeparkt hätte, jetzt wird's natürlich ganz eng mit Wohraum.... die echten Flüchtlinge können dann jahrelang in Zelten hausen, während der Marokkaner auf Staatskosten eine Wohnung bezahlt bekommt. Diese Idiotie bringt mich nur zum Brechen....

hubersn Offline



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17.03.2022 14:54
#314 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Martin im Beitrag #308
Nach meinem Wissen wollte Ghadafi aus dem Petrodollar ausscheren und sogar einige Länder südlich Libyens mitziehen. Dito. Saddam Hussein, der auf Euro umstellen wollte. Die militärischen Interventionen haben das verhindert. Das mag eine etwas eindimensionale Erklärungslinie sein, aber sie könnte zumindest erklären, warum der Zugriff auf das Öl selbst für die USA nicht so wichtig war. Die Militäraktion war zugleich eine Warnung für andere. Also alles das, was man als Dollar-Hegemonie bezeichnet.



Diese Theorie der Dollar-Hegemonie muss mir mal irgendjemand mit ökonomischem und währungstheoretischem Wissen erklären. Es ist doch im Bereich der konvertiblen Währungen völlig irrelevant, ob ich meine Öl-Preisschilder in Dollar oder Euro oder Britischen Pfund oder Schweizer Franken auszeichne. Ebenso ist die Theorie, dass sich die USA über den Dollar beliebig auf Kosten anderer Länder verschulden können, doch Quatsch - der Status der "Weltreservewährung" nützt doch wenig bis gar nichts, wie man am Wechselkursverhältnis Dollar gegen Schweizer Franken historisch einfach ablesen kann. Drucken die USA unbegrenzt Dollar, kostet das Erdöl eben irgendwann das Doppelte - in Dollar. Aber nicht in Schweizer Franken. Würden die USA an Dollar-Transaktionen Geld verdienen, wäre es ja was anderes - aber so? Der einzige strategische Vorteil des Dollars ist, dass man gegen Angriffe durch Spekulanten (wie etwa 1992 im Falle des Britische Pfunds) weitgehend abgesichert ist, weil die notwendige Summe, um den Dollarkurs zu manipulieren, einfach zu groß ist. Aber wenn die Wechselkurse Marktkurse sind, ist Spekulation sowieso wenig aussichtsreich sondern eher verlustreich.

Unter all den Gründen für den Irakkrieg hat mir die "irakisches-Öl-sollte-in-Euro-gehandelt-werden"-Theorie immer am wenigsten eingeleuchtet. Dagegen war die Geschichte rund um die Massenvernichtungswaffen ja geradezu ein Hort der Plausibilität.

Gruß
hubersn

--
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Ulrich Elkmann Offline




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17.03.2022 15:05
#315 RE: "Wippchen's ukrainischer Krieg": 'isch Over!' Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #313
die echten Flüchtlinge können dann jahrelang in Zelten hausen...


Das gilt natürlich nicht für die Afrokrainer.

PS. Das ist kein "Hohes Haus," das ist ein moralischer Saustall.

Zitat
14:40 FRANCA WITTENBRINK
Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann ist nach eigenen Angaben „sehr unglücklich“ über die Vorgänge im Bundestag nach der Video-Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Nach dessen Auftritt am Donnerstagmorgen hatten Abgeordnete gestritten, ob es eine Aussprache darüber geben sollte.

„Die eindringliche Ansprache des ukrainischen Präsidenten hat uns alle sehr bewegt“, sagte Haßelmann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Die darauf folgende Geschäftsordnungsdebatte war dem in keiner Weise angemessen. Ich bedaure das sehr.“ Die Fraktionen im Bundestag hätten kein gutes Bild abgegeben. „Wir alle sollten den heutigen Tag selbstkritisch bewerten und dafür Sorge tragen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholt.“

Die Koalition von SPD, Grünen und FDP hatte einen Antrag der Union für eine Aussprache nach kontroverser Debatte abgelehnt. Zustimmung zum Antrag kam von den anderen Oppositionsparteien Linke und AfD.

Parlamentsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) war nach der Rede Selenskyjs ohne Pause zur Tagesordnung übergegangen und hatte zunächst zwei Abgeordneten zum Geburtstag gratuliert - begleitet von Zwischenrufen aus der Unionsfraktion wie „unwürdig“.



https://www.faz.net/aktuell/ukraine-konf...n-17804564.html

Die Tagesordnungsliste war allen Verantwortlichen vorher bekannt, über die Gewichtung müssen sie sich klar sein, oder sie sind außerstande, ihr Amt verantwortungsvoll ausüben zu können. Ich nehme das als symptomatisch für den Zustand unserer parlamentarischen Demokratie.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Florian Offline



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17.03.2022 17:32
#316 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von hubersn im Beitrag #314


Diese Theorie der Dollar-Hegemonie muss mir mal irgendjemand mit ökonomischem und währungstheoretischem Wissen erklären.


Der Status des USD als "Weltreserverwährung" bringt den USA zwei Vorteile:

Erstens den sog. Münzgewinn (auch "Seigniorage" genannt).

Und zwar über folgenden Mechanismus:
weil weltweit sehr viele Transaktionen über Dollar laufen und weil der Dollar ein weltweit beliebtes Wertaufbewahrungsmittel ist, brauchen viele Leute auf der ganzen Welt eine große Menge Dollar.
Diesen Dollar bekommen die Menschen (über diverse Banken als Zwischenhändler) letztlich von der US-Notenbank.
Der Straßenhändler in Simbabwe holt sich die für sein Geschäft notwendigen Dollarscheine von der örtlichen Bank (plus die Dollarscheine, die er als Altersvorsorge unter dem Kopfkissen aufbewahrt). Die von der Zimbabwe-Zentralbank. Und die - gegen Zinsen - von der US-Notenbank.
Diese Zinsen sind der sog. Münzgewinn.

Er entsteht letztlich dadurch, weil für den Straßenhändler der Dollar vertrauenswürdiger ist als die heimische Währung.

Weltweit sind dadurch VIEL mehr USD im Umlauf, als für die eigentliche amerikanische Binnenwirtschaft notwendig sind.
Weil diese aber nicht in den USA selbst nachfragewirksam werden, führen sie in den USA auch nicht zu Inflation.


Zweiter Vorteil: weniger Schwankungen = weniger Risiko = weniger Kapitalkosten

Sie haben recht: Erstmal ist es natürlich egal, ob der Ölpreis in USD oder in Yen angegeben wird. Die beiden Währungen sind frei konvertierbar, also könnte es Käufer und Verkäufer die Abrechnungswährung ja egal sein.
Das stimmt auch für den Spotpreis.
Aber nicht bei Termingeschäften (und die spielen bei Öl und anderen Rohstoffen eine große Rolle).

Wenn ein deutscher Industriebetrieb Öl kauft (mit Lieferung und Bezahlung in 12 Monaten), dann hat er das Risiko von Wechselkursschwankungen.
(Das Risiko entsteht dadurch, dass seine Einnahmen in EUR sind, seine Kosten aber in USD.)
Ein amerikanisches Unternehmen (dessen Einnahmen UND Kosten beide in USD sind) hat dieses Risiko nicht.

Weniger Risiko ist für ein Unternehmen immer vorteilhaft und führt z.B. zu günstigeren Finanzierungskonditionen.

Entsprechend wird die amerikanische Wirtschaft begünstigt, weil viele Rohstoffmärkte auf USD-Basis arbeiten.

Johanes Offline




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17.03.2022 17:41
#317 RE: "Wippchen's ukrainischer Krieg": 'isch Over!' Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #315
[...]


Ist diesen Narren eigentlich nicht klar, dass sie genau mit dieser Rhetorik und diesen -- entschuldigen Sie -- Geschwafel die Gesellschaft spalten und dort eine Frontstellung aufbauen, wo vorher niemals eine gewesen wäre?

Johanes Offline




Beiträge: 2.488

17.03.2022 17:44
#318 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Florian im Beitrag #316
Entsprechend wird die amerikanische Wirtschaft begünstigt, weil viele Rohstoffmärkte auf USD-Basis arbeiten.


Das ist letztlich aber auch eine politische Entscheidung uns spiegelt die Machtverhältnisse wider. Jedenfalls soweit ich das verstanden habe.
Es gibt keine seriöse Methode, mit dem man den Dollar als Standardwährung herleitet. Jedenfalls soweit mir bekannt.
Könnte sein, dass es eine Art "Kooperationsspiel" (wie von Rieck beschrieben) ist und wir uns auf den Dollar geeinigt haben.

In diese Position hätte man aber auch den Euro bringen können oder eine internationale Standardwährung.



"Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten." (Matthäus 7,12)
"Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese." (Mark. 12,31)

Martin Offline



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20.03.2022 21:29
#319 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Bilder aus Mariupol: https://www.youtube.com/watch?v=L6UzUMrEEXM

Ganze Viertel zerstört, kein Strom, kein Gas

Gruß
Martin

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

20.03.2022 21:44
#320 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Wie ich in meinem Beitrag geschrieben habe.

Herfried Münkler heute in der NZZ: Ukraine-Krieg: Putin führt eine weltpolitische Zeitenwende herbei



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Emulgator Offline



Beiträge: 2.843

21.03.2022 01:38
#321 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #320
Wie ich in meinem Beitrag geschrieben habe.

Herfried Münkler heute in der NZZ: Ukraine-Krieg: Putin führt eine weltpolitische Zeitenwende herbei

Mal vorausgeschickt eine kleine Anekdote. Als Student habe ich mal einer nicht-europäischen Freundin, die Politikwissenschaften studiert hat, eine Hausarbeit korrekturgelesen. Dabei ist mir aufgefallen, daß der Name des amtierenden EU-Kommissionspräsidenten in der Arbeit mit dem Namen seines Vorgängers verwechselt war. Ich habe sie darauf angesprochen und sie hat gelacht, weil ihr das ihr Dozent falsch gesagt hatte.

Wahrscheinlich interessieren sich nicht alle Politologen für Politik.

Herfried Münkler gehört nun zu den Politologen, die vor der Invasion "dem Westen" die Schuld am Krieg Rußlands gegen ein nicht-NATO-Land gegeben haben, weil die NATO Rußland eingekreist habe. In anderen Artikel schreibt er, "der Westen" habe Putin zu sehr freie Hand gelassen. Da kann jeder selber versuchen, sich einen Reim drauf zu machen.

Gehen wir mal in die Details, was er diesmal für Unsinn schreibt.

Zitat
Und die Oligarchen in Russland würden ebenfalls ruhig und gelassen bleiben und nicht darüber nachdenken, wie sie den Mann im Kreml loswerden könnten, um wieder ihre Geschäfte zu machen.



Münkler lebt hier noch in den Jelzin-Jahren. Nach Putins Änderungen an Verfassung, Justiz und politischen Leistungsposten sind die Oligarchen effektiv entmachtet. Denn was war früher (oder kürzlich in der Ukraine) das Machtfundament der Oligarchen? Ihr Eigentum im Inland! Worauf kann der russische Staat nach den angesprochenen Änderungen ungestört zugreifen? Auf Eigentum in Rußland!

Zitat
Wir haben das bei der in alle Welt übertragenen zeremoniellen Befragung der Paladine durch Putin beobachten können, in der es um deren Zustimmung zur russischen Anerkennung der Gebiete Donezk und Luhansk als selbständige Staaten ging.

Die zeremonielle Befragung war natürlich nur Show. Es war alles abgesprochen. Sogar Politiker bei uns, die gerne die Wichtigkeit von Pressefreiheit betonen, bestehen auf einer Autorisierung ihrer Interviews vor ihrer Veröffentlichung, damit sie Unfug wieder einfangen können, den sie im Interview gesagt haben. Es gibt auch keine Tonübertragungen aus den Kabinettssitzungen der Bundesregierung. Wieso sollte Putin und sein Regierungsapparat so viel transparenter sein, und sich live beim Regieren filmen lassen?

Es ist glaubwürdig denkbar, daß Putin durchaus besser beraten war, als wir jetzt denken. Der Journalist und Putin-Berater Alexander Newsorow hat in einem Youtube-Video letztes Jahr viele Details des jetzigen Krieges pessimistisch vorhergesehen, etwa den massenhaften Einsatz von Wehrpflichtigen im Ausland, obwohl dies eigentlich gesetzlich den russischen Streitkräften verboten ist. Der Meinungsumschwung in der Ukraine zuungunsten Putin/Rußlands war in den sozialen Medien bemerkbar. Daß man in Rußland trotzdem gedacht habe, die russischen Soldaten würden in der Ukraine mit Blumen begrüßt werden (im Februar?), sind Aussagen von gefangenen russischen Soldaten, durch die sie sich gewissermaßen entschuldigen konnten.

Wir werden auf diese Weise das Kalkül Putins nicht ganz verstehen.

Wir wissen aber, daß Putin von Entscheidungen "des Westens" überrascht wurde. Vor allem ist es die Vorwarnung der USA vor dem Krieg. Dieser Schritt war höchst unkonventionell, weil die Preisgabe von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen stets auch gegenüber dem Feind eine Preisgabe der Quellen bedeutet. Normalerweise ist so etwas tabu (beispielsweise hat England die Zerstörung von Coventry hingenommen, um zu verschleiern, daß man Görings Luftangriffe vorhersagen und abfangen konnte. Beim folgenden Angriff auf London wurde die Luftwaffe dann von starker, effektiver Gegenwehr der RAF überrascht).

Dadurch wurde die Ukraine --als zweite Überraschung für Putin-- rasch mit tragbaren Panzer- und Luftabwehrwaffen und anderer Defensivausrüstung in relevanten Mengen versorgt.

Eine dritte Überraschung ist, daß man tatsächlich nach Invasionsbeginn Rußland mit wesentlich härteren Sanktionen belegt hat, als man vorher angekündigt hat.

Die vierte Überraschung kommt tatsächlich durch die russischen Verhältnisse, nämlich den schlechten Zustand des russischen Militärs. Hier dürfte tatsächlich das vorliegen, das Münkler überall sieht, nämlich, daß Putin von seinen Leuten getäuscht wurde, aber nicht von Jasagern, sondern von ganz normalen Militärs, die Mängel im eigenen Verantwortungsbereich gerne verstecken, damit sie keinen Ärger von ihrem Boss bekommen. So etwas gibt es ja auch in NATO-Truppen und überhaupt in allen Organisationen. Die Ökonomie nennt es Prinzipal-Agent-Problem: Der Prinzipal (Boss) hat einen Informationsnachteil gegenüber seinem Untergebenen, den der Untergebene ausnutzen kann.

In den meisten NATO-Streitkräften werden grobe Mißstände durch Parlament und Beschwerden (Wehrbeschwerdeordnung) aufgedeckt. Dadurch werden zwar Mißstände öffentlich, bleiben aber auch nicht so lange bestehen, wie in Ländern, wo sie weiter versteckt bleiben.

Ich meine, hätte die russische Führung die zweite bis vierte Überraschung vorausgesehen, hätte es keine Invasion gegeben. Hier war es dem Frieden nicht zuträglich, daß "der Westen" die zweite und dritte Überraschung durch den Verzicht auf explizitere Drohungen zu verantworten hat.


Zitat
Es war wohl die Vorstellung, die immer drängender gewordenen Menschheitsaufgaben, die Bekämpfung von Hunger und Elend im globalen Süden, die Begrenzung der sich abzeichnenden Migrationsbewegungen, vor allem aber die Beendigung des Klimawandels, liessen sich nur auf der Grundlage eines politisch organisierten «Wir» der Menschheit bewältigen. Und dieses «Wir» sei am ehesten auf der Grundlage unverbrüchlicher Regeln und gemeinsamer Werte zu erreichen, nicht dagegen in einem auf Konkurrenz und Konflikt ausgelegten Gegeneinander der Staaten und Staatengruppen.

Wenn der Politikwissenschaftler so etwas über seine damalige Meinung schreibt, dann muß ich das natürlich glauben. Ganz verstehen, warum man je so gedacht hat, kann ich nicht. Unsere ganze Wirtschaftspolitik fußt ja darauf, daß ein voraussichtlich einträgliches Geschäft (im weitesten Sinne, einschließlich kriminellen Geschäften) auch tatsächlich eingegangen wird. Entsprechend macht man durch Strafandrohung politisch unerwünschte Geschäfte weniger profitabel und besonders erwünschte Geschäfte durch Subventionen stärker profitabel.

Da kommt niemand auf die Idee, daß Menschenhandel oder Schadstoffverklappung schon keiner betreiben würde, weil das "«Wir» der Menschheit" in "unverbrüchlichen Regeln" so etwas nicht mache, und deswegen Polizei und Strafjustiz überflüssig sei. Es überlegt auch keiner, ob ein Geschäftsmann wirklich das hoch subventionierte Geschäft eingehen will. Solche deplacierten Gedankengänge habe ich bis vor einem Monat hier in ZR/ZkZ und von Politikern oder Kommentatoren gelesen.

Warum kommt man dann auf die Idee, daß Leute, die sich noch rücksichtsloser gebährden, nämlich Politiker, die ja von gewaltsamen Geldeintreiben (Steuererhebung) leben, weniger egoistisch handeln würden? Natürlich wird ein Land in Eroberungsbsicht angegriffen, wenn der Angreifer keine schlechten Folgen erwarten muß!

Johanes Offline




Beiträge: 2.488

25.04.2022 21:25
#322 RE: "Wippchen's ukrainischer Krieg": 'isch Over!' Antworten

Todesfälle russischer Oligarchen
"Die Todesfälle zweier Oligarchen aus Russland sorgen derzeit für weltweites Aufsehen. Sergej Protosenja und Vladislav Avayev wurden innerhalb von 24 Stunden zusammen mit mehreren Familienangehörigen tot aufgefunden. Während die Frauen und Töchter der Oligarchen offenbar ermordet wurden, deuten die Hinweise bei Protosenja und Avayev selbst auf Suizid hin."
'Ukraine-Krieg: Immer mehr mysteriöse Selbstmorde russischer Oligarchen',25.04.2022, V. Büssow
Alternativ: https://www.merkur.de/politik/ukraine-kr...a-91499417.html

Mir fällt dazu nicht viel ein.
Was bedeutet das? Ist das System Putin am Ende oder verstehe ich das falsch?

14.04.2022: Steinmeier ist in Kiew nicht willkommen
16.04.: Twitter darf nicht von Elon Musk übernommen werden
24.04.22, Endlich, EU kämpft gegen Haß im Netz (to be continued)

Ulrich Elkmann Offline




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27.05.2022 16:47
#323 RE: "Wippchen's ukrainischer Krieg": 'isch Over!' Antworten

Ich finde gerade das hier. Kann das mal jemand an die Genderbeflissenen auf der Bonner Hardthöhe weiterreichen?

Zitat
The "Female" tank was a variation of the British heavy tank deployed during the First World War. It carried multiple machine guns instead of the mix of machine guns and cannons mounted on the "male" tank. Lieutenant-Colonel Ernest Swinton, who played a part in the development of the first British tank and who was co-creator of the term "tank" (originally a code word), is credited with inventing these gender-related terms, thinking that the best tank tactics would have the two types operating in concert.[1]

The prototype, nicknamed "Mother", and the first production models of what would become referred to as the Mark I were designed to carry two six-pounder guns and three machine-guns. Swinton expressed the fear that tanks armed in such a way might be unable to protect themselves from attacks by large numbers of enemy infantry. In April 1916, it was therefore decided that half of the 150 tanks on order should be fitted with machine guns in place of the six-pounders. A new sponson was designed so that the tank could carry two Vickers machine guns, with their cooling jackets protected by armoured sleeves, on each side of the hull. Swinton's idea was that tanks should operate in pairs: a "destroyer" (Swinton's original proposed name was "Machine Gun Destroyer") and a "consort" or "man-killing" tank, so that the two gave mutual protection. He stated that he then assigned the names "male" and "female" respectively. The designation "male" applied to those armed with six-pounder guns, whereas the "female" was the tank equipped only with machine guns.

A consequence of these designations was that the prototype Mother was considered a "male" tank.
...
In 1918 it was decided that tanks should be "hermaphrodite", simultaneously male and female, carrying both heavy armament and lighter machine guns. For the World War I tanks, this was achieved by fitting them with one sponson of each type. A mixed ability armament of the heavy gun and multiple machine guns also became common practice on turreted designs, without sponsons. This has become the standard model for tank designs since World War I and since then the terms "male" and "female" have been disused.

The basic idea underlying the concept of female tanks was widely used in design of light tanks and the first British infantry tanks in the years leading to World War II. Some armour of the World War II period, such as the German Ferdinand tank destroyer, were exclusively "male", having only their heavy gun.



https://en.wikipedia.org/wiki/Female_tank



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Ulrich Elkmann Offline




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22.06.2022 20:15
#324 RE: "Wippchen's ukrainischer Krieg": 'isch Over!' Antworten

Tut mir leid, wenn ich an diesen Strang nochmal anlänge. Aber anderswo paßt das schlechterdings nicht hin.

Zitat
Lambrecht: "Der Gepard ist kein Panzer"

Damit sei Deutschland allerdings "ziemlich an der Grenze dessen angelangt, was noch verantwortbar ist", so Lambrecht. Schließlich müsse die Landesverteidigung gewährleistet bleiben, ebenso die Bündnisverteidigung.

Deutschland werde keine Panzer vom Typ "Marder" an die Ukraine liefern, das hätten andere Länder bisher auch nicht getan. Lambrecht sagt:

"Deswegen gehen wir diesen deutschen Alleingang nicht."

Christine Lambrecht (SPD) zu "Marder"-Lieferungen

Allerdings liefert Deutschland "Geparden". Auf die Frage der CSU, warum Deutschland Geparden liefere, aber keine Marder, sagt Lambrecht: "Der Gepard ist kein Panzer. Der Gepard ist ja dafür da, Infrastruktur zu schützen dadurch, dass er dann mit diesem Rohr in die Luft schießt."



https://www.zdf.de/nachrichten/politik/r...O54utSEMMaNm8bE

Nachtrag. Gnade!
https://twitter.com/Ma_Heller/status/1539676470557163530



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Emulgator Offline



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23.06.2022 00:11
#325 RE: Prof. Rieck nochmal Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #324
Tut mir leid, wenn ich an diesen Strang nochmal anlänge. Aber anderswo paßt das schlechterdings nicht hin.

Zitat
Lambrecht: "Der Gepard ist kein Panzer"




Das ist sogar eine Kleinigkeit. In der OSZE-Klassifikation werden FlAK-Panzer tatsächlich anders eingeordnet als Kampf- und Schützenpanzer. Wußte Lambrecht wohl nicht, aber der GI hat das schon richtig gemacht. Und wenn nicht, wäre es auch egal, denn der Grund, warum man nicht mehr liefert, ist ja sowieso, daß man das Material für die Landesverteidigung brauche.

Und da frage ich mich (leider fragte das kein Abgeordneter) gegen wen man Panzerabwehrwaffen zur Landesverteidigung brauche. Gegen die Taliban jedenfalls nicht. Im Bericht der Strukturkommission der Bw 2011 kommt der Begriff Landesverteidigung gar nicht vor, sondern es ging seither nur um Auslandseinsätze. Hat niemand ein Problem drin gesehen. Wo kommt also plötzlich der Feind her, gegen den man Landesverteidigung machen müsse, und wer ist es?

Ist es am Ende etwa der Gegner, gegen den zu kämpfen der Ukraine diese Waffen vorenthalten werden, wegen vorgeblicher Landesverteidigung?

Noch etwas anderes: Material aus Bundeswehrbeständen wird auf Beschluß des BMVg in die Ukraine geschickt. Waffen aus Industrieproduktion werden auf Beschluß des Bundessicherheitsrates verschickt. Das ist zwar auch ein Gremium aus Bundesministern, aber die Abgeordneten fanden die Unterscheidung wichtig.

Was keiner gefragt hat: Wenn dem Erwerb von Material für die Bundeswehr der Bundestag zustimmen muß, ist es dann nicht unlogisch, wenn das auf Bundestagsbeschluß gekaufte Material freihändig vom BMVg ins Ausland weitergegben werden kann? Hätte nicht der Bundestag über Lieferungen aus Bundeswehrbeständen an die Ukraine beschließen müssen?

Das ist nebenbei ein Punkt, den Abgeordnete nicht fragen wollen. Die sind momentan ganz froh darüber, sich nicht positionieren zu müssen. Bei einem früheren Fall, nämlich den Milan-Panzerabwehrraketen für die syrischen Kurden im Spätsommer 2014 (!), wurde der Bundestag um Abstimmung gebeten. Interessant aus heutiger Perspektive, sich die Überlegungen damals vor Augen zu führen.

Die syrischen Kurden setzten die Milan-Raketen anschließend gegen ungepanzerte Fahrzeuge des IS ein, die man auch mit einer 30mm-Kanone hätte bekämpfen können. Die Ukraine wäre heute froh über Milan-Raketen (40.000€ pro Stück), weil 30mm-Kanonen nicht gegen russische Panzer helfen. Aber 2014 dachte man ja noch irgendwie, deutsche Panzerabwehrfähigkeiten bräuchte man nicht.

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