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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

28.02.2022 14:49
#226 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #219


Ich glaube, jetzt kann ich das besser Einschätzen.



Hier gibt es mittlerweile die ganze Sequenz mit englischen Untertiteln. Das an erster Stelle eingebettete Video. https://www.dailymail.co.uk/news/article...estruction.html



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Llarian Offline



Beiträge: 6.992

28.02.2022 15:19
#227 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #224

1. Die deutsche Außenpolitik steht vor einer kompletten, an den Realitäten deutlich besser angepaßten Revision. Die außenpolitische Merkel-Doktrin ggü Rußland, die in den letzten 17 Jahren oft genug einheitliches Europäisches Handeln verhindert hat, endet. Baerbock hat daran einen Anteil.
2. Ausgerechnet ein grüner Wirtschaftsminister stellt eine Bremsung der Energiewende in Aussicht (de facto eine Vorstufe der Aussetzung)
3. 100 Milliarden (Milliarden! Das ist ein Zehntel der geschätzten Kosten der Wiedervereinigung Deutschlands!) für die Bundeswehr und für eine größere Autarkie mit Blick auf Gas; Aufbau einer komfortablen nationalen Reserve. Chapeau, Scholz!
4. Wiederbelebung des transatlantischen Verhältnisses
5. Merkel ist (jetzt erst) endgültig Geschichte.
6. Medien, die diese Paradigmenwechsel aktuell weit überwiegend mittragen (ein Wunder!)


Die positive Sicht möchte ich teilen. Es hat sich lange nicht in der BRD in so kurzer Zeit soviel Sicht auf die Realität breit gemacht. Allerdings möchte ich trotzdem etwas beckmessern: Es ist ja nicht so, dass die Regierung das aus schlauer Selbsterkenntis veranstaltet, sondern sie wird schlicht von der Realität dazu getrieben. Im Gegenteil, die Regierung hat sich lange gesträubt das alles zu tun und wird im Wesentlichen vom Ausland dazu getrieben. Die Deutschen und auch gerade ihre Regierung wollen eigentlich kein russisches Gas boykottieren, sie können nur nicht mehr anders. Und in der Folge ist Habeck bewusst geworden, dass im kommenden Winter Menschen erfrieren werden. (Das macht sich nicht so gut auf Wahlplakaten. Ich bleibe bei der Einschätzung, dass es sich bei den Grünen um Überzeugungstäter handelt, denen Wahlergebnisse am Ende egal sind, aber Habeck mag da ein wenig zurück stehen.)
Und gerade das wiederbelebte transatlantische Verhältnis sehe ich überhaupt nicht. Das ist ein Verhältnis zu einer für die USA untypischen Extremlinksregierung, die noch in diesem Jahr massive Verluste einfahren wird und in zwei weiteren Jahren in Schimpf und Schande davongejagt wird. Damit wird der Schaden den deutsche Regierungen und die ihr verbündete Presse in den letzten 20 Jahren angerichtet haben, nicht gekittet.

Zitat
Es ist eine List der Geschichte, dass den Bundesregierungen in den vergangenen 25 Jahren stets eine Wirklichkeit präsentiert wurde, die weder zu den Parteiprogrammen noch zum Regierungskonzept passte: Jetzt ist es eine Ampel, die insbesondere den oft heillos ins vegane Wünsch-dir-was abdriftenden Grünen und Teilen der SPD viel abverlangt. Aber die Außenministerin, die so gerne ein wenig feministische Außenpolitik gemacht hätte, findet klare Worte, und der Wirtschaftsminister ahnt, was auf ihn zukommt (gemeint ist die Energiewende, Anm. Doeding). Das verdient den Respekt und die Anerkennung auch derjenigen, die nicht die Grünen gewählt haben.


Noch nicht. :)
Ich warte erst einmal was hinten rauskommt, gebe aber gerne zu, dass die Regierung im Moment vieles richtig machen will. Ob sie das dann am Ende tut, wird sich noch zeigen müssen. Habeck kann in einem halben Jahr noch tausend Gründe finden die Atommeiler nicht weiter laufen zu lassen ("Was kann ich dafür, dass die Betreiber nicht wollen...."), Scholz kann die 100 Milliarden noch problemlos unter Finanzierungsvorbehalt stellen (sein Vorgänger Schröder war ja ein Meister in dieser Disziplin) und wenn Trump, Cruz oder DeSantis Präsident wird, dann wird es lustig zu sehen wie Scholz es ertragen muss wie Steingeier wieder den wichtigsten Alliierten beleidigt. Merkel "wollte" auch mal viel richtig machen. Und wir wissen was dabei raus kam. Aber, ich will wirklich nicht unken, der Wille ist trotzdem besser als ein Unwille. Ich werde auf jeden Fall die nächsten Monate abwarten, bevor ich mir ein Urteil bilde. Aber für Respekt und Anerkennung ist es zu früh.

Doeding Offline




Beiträge: 2.612

28.02.2022 16:09
#228 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #227
Die positive Sicht möchte ich teilen.
Freut mich (ernsthaft). Natürlich sind die nicht von selbst drauf gekommen (das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt). Es ist die Normative Kraft des Faktischen, die die Regierung vor sich hertreibt, aber damit kann ich sehr gut leben

Zitat
Und gerade das wiederbelebte transatlantische Verhältnis sehe ich überhaupt nicht. Das ist ein Verhältnis zu einer für die USA untypischen Extremlinksregierung, die noch in diesem Jahr massive Verluste einfahren wird und in zwei weiteren Jahren in Schimpf und Schande davongejagt wird. Damit wird der Schaden den deutsche Regierungen und die ihr verbündete Presse in den letzten 20 Jahren angerichtet haben, nicht gekittet.

Kann sein, ja, zumindest was die Biden-Administration betrifft. Andererseits sind Staaten eigentlich nicht so richtig nachtragend, insbesondere dann, wenn praktische deutsche Politik erkennbar wieder transatlantische (und damit ja auch USA-)-Interessen berücksichtigt. Vermutlich sind die Amerikaner eher mißtrauisch, ob das jetzt mal verläßlich ist und bleibt. Und dieses Mißtrauen ist ja nun leider auch angebracht und wird von mir geteilt.

Zu Deinen anderen Punkten: klar, wie ich schrieb: Momentaufnahme.

Herzliche Grüße,
Andreas

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F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.049

28.02.2022 17:12
#229 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Techniknörgler im Beitrag #215
Zitat von alpha_beta im Beitrag #213
https://twitter.com/Worldsource24/status/1498024449098096647

Ja, vielleicht nicht die beste Idee einer Atommacht den totalen Wirtschaftskrieg zu erklären. Aber bei den Politikern die den Westen regieren würde es nicht überraschen wenn der Planungshorizont bis zu den nächsten Umfragewerten reicht.




Und willst du nicht mein Handelspartner sein, dann schlage ich dir nuklear die Birne ein.




Ich wüsste ehrlichgesagt auch nicht, welche Antwort besser wäre als ein Wirtschaftskrieg. Vor dem Aggressor auf die Knie zu gehen kann jedenfalls nicht die Lösung sein; das ist doch genau das, was Putin erwartet. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass der Krieg jetzt kam, zu einer Zeit, in der so gut wie alle westlichen Regierungen von Leuten gestellt werden, von denen man normalerweise erwartet hätte, dass sie Russlands Aktionen schulterzuckend hinnehmen.

Was die Eskalation angeht: Nun ja, das mad-man-am-roten-Knopf-Problem besteht eigentlich permanent. Und sei es nur ein durchgeknallter U-Boot-Kommandant, der mal auf eigene Faust ohne Befehl ein paar Raketen abfeuert. Letztendlich bleibt einem nichts anderes übrig als zu hoffen, dass es im Umfeld des mad man genügend Leute mit ausreichend Selbsterhaltungstrieb gibt um zu meutern. Jedenfalls macht es m.E. keinen Sinn, außenpolitische Strategie an der Möglichkeit eines Atomkriegs auszurichten, weil einem dann eigentlich gar nichts anderes übrig bleibt als so lange nachzugeben bis der Gegner alles erreicht hat was er erreichen wollte.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.049

28.02.2022 17:22
#230 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #227
Ich warte erst einmal was hinten rauskommt, gebe aber gerne zu, dass die Regierung im Moment vieles richtig machen will. Ob sie das dann am Ende tut, wird sich noch zeigen müssen.


Vor allem ist das aus meiner Sicht inzwischen nicht mal mehr eine Frage des Wollens, sondern des Könnens. Wir haben jetzt in der Pandemie schon regelmäßig vorgeführt bekommen, wie die Regierung und Behörden selbst bei vorhandenem Willen und Geld an den einfachsten Dingen slapstickartig scheitern. Warum soll sich das ausgerechnet ändern, wenn etwas komplexere Sachen wie die Energieversorgung oder die Aufrüstung geplant werden? Da gibt es nur noch viel mehr Stolpersteine als bei Impfstoff und Masken.

Die 100 Milliarden für die Bundeswehr - das sind übrigens gerade mal zwei Jahresbudgets, um die Summe mal einzuordnen; die Bundeswehr ist auch bisher nicht verhungert, sondern hat jedes Jahr 40-50 Milliarden vernichtet um dabei trotzdem immer unfähiger zu werden - werden sicherlich ausgegeben werden; ich würde nur nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass die Armee dadurch besser wird. Sie wird vermutlich nur teurer werden. Teurer & schlechter ist ja die Paradedisziplin der Deutschen geworden...

Doeding Offline




Beiträge: 2.612

28.02.2022 18:20
#231 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #230
Die 100 Milliarden für die Bundeswehr - das sind übrigens gerade mal zwei Jahresbudgets, um die Summe mal einzuordnen; die Bundeswehr ist auch bisher nicht verhungert, sondern hat jedes Jahr 40-50 Milliarden vernichtet um dabei trotzdem immer unfähiger zu werden - werden sicherlich ausgegeben werden; ich würde nur nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass die Armee dadurch besser wird. Sie wird vermutlich nur teurer werden. Teurer & schlechter ist ja die Paradedisziplin der Deutschen geworden...


Guter Punkt, ich hatte 30 Mrd. Jahresbudget im Kopf, aber letztes Jahr waren es tatsächlich knapp 50. Sie haben recht, das sind Zahlen, die so erstmal nicht viel sagen. Der Anteil der Verteidigungsausgaben am BiP ist da schon aussagekräftiger.
https://www.bundestag.de/resource/blob/5...17-pdf-data.pdf
2015 (da endet leider die Aufstellung) betrug der Haushalt 32,7 Mrd. Euro, das entsprach 1,2% des BiP. Was Scholz jetzt gemacht hat, entspricht also etwa einer Verdreifachung des damaligen Budgets (nicht inflationskorrigiert) auf 3,6%, und das einmalig.
In den 60er Jahren betrug der Anteil des Verteidigungshaushaltes jährlich fast immer mehr als 4% des BiP, mit einem Maximum von 5,2% 1963. Das war ein Jahr nach dem Bedingt abwehrbereit-Artikel im Spiegel, der damals schon gezeigt hat, daß die Truppe weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Sind die Deutschen nach 1945 wirklich zu blöd , eine effektive militärische Infrastruktur aufzubauen und zu unterhalten?

Verteidigung ist jedenfalls echt schweineteuer. Dennoch erstmal die richtige Richtung, was gerade passiert.

Herzliche Grüße,
Andreas

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Frankenstein Offline




Beiträge: 891

28.02.2022 19:26
#232 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #231
Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #230
Die 100 Milliarden für die Bundeswehr - das sind übrigens gerade mal zwei Jahresbudgets, um die Summe mal einzuordnen; die Bundeswehr ist auch bisher nicht verhungert, sondern hat jedes Jahr 40-50 Milliarden vernichtet um dabei trotzdem immer unfähiger zu werden - werden sicherlich ausgegeben werden; ich würde nur nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass die Armee dadurch besser wird. Sie wird vermutlich nur teurer werden. Teurer & schlechter ist ja die Paradedisziplin der Deutschen geworden...


Guter Punkt, ich hatte 30 Mrd. Jahresbudget im Kopf, aber letztes Jahr waren es tatsächlich knapp 50. Sie haben recht, das sind Zahlen, die so erstmal nicht viel sagen. Der Anteil der Verteidigungsausgaben am BiP ist da schon aussagekräftiger.
https://www.bundestag.de/resource/blob/5...17-pdf-data.pdf
2015 (da endet leider die Aufstellung) betrug der Haushalt 32,7 Mrd. Euro, das entsprach 1,2% des BiP. Was Scholz jetzt gemacht hat, entspricht also etwa einer Verdreifachung des damaligen Budgets (nicht inflationskorrigiert) auf 3,6%, und das einmalig.
In den 60er Jahren betrug der Anteil des Verteidigungshaushaltes jährlich fast immer mehr als 4% des BiP, mit einem Maximum von 5,2% 1963. Das war ein Jahr nach dem Bedingt abwehrbereit-Artikel im Spiegel, der damals schon gezeigt hat, daß die Truppe weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Sind die Deutschen nach 1945 wirklich zu blöd , eine effektive militärische Infrastruktur aufzubauen und zu unterhalten?

Verteidigung ist jedenfalls echt schweineteuer. Dennoch erstmal die richtige Richtung, was gerade passiert.

Herzliche Grüße,
Andreas

Ich habe gerade mal gegooglet, wie hoch die Verteidugungsetats einzelner Länder sind. Demnach gibt Russland nicht viel mehr für sein Militär aus als Deutschland - und wir haben immerhin keine Atomwaffen.

Rein von den nackten Zahlen her sollte man also fast schon erwarten, dass Russland mit einer Armee auf unserem Niveau große Schwierigkeiten bei einer derart großen Invasion wie in der Ukraine hat.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

28.02.2022 19:28
#233 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #227
("Was kann ich dafür, dass die Betreiber nicht wollen....")




Manfred Haferburg hat dazu heute bei Tichy eine kleine Rechnung aufgemacht. Und es ist wohl so, daß die Zeithorizonte in dem Bereich nicht mal eben auf 10 Monate oder weniger eingedampft werden können.

Zitat
Als drittes müssten neue Betriebsgenehmigungen für den Weiterbetrieb erteilt werden. Seit mehreren Jahren arbeiten die Führungen der Unternehmen mit den Behörden daran, die entsprechenden Genehmigungen für die Stilllegung und den darauf anschließenden Rückbau zu erteilen. Tausende Aktenordner sind mit Anträgen und Erteilungen mit Hunderttausenden Unterschriften und Stempeln gefüllt. Diese Dokumente sind alle rechtlich verbindlich und müssten rückabgewickelt werden. Dieser Prozess würde nach meiner Einschätzung drei Jahre dauern, in denen die Anlagen nicht betrieben werden könnten, aber mit Personal und technischem Aufwand unterhalten werden müssten.

Als viertes müsste dafür gesorgt werden, dass genügend qualifiziertes und lizensiertes Personal für den Weiterbetrieb zur Verfügung steht. Die Kernkraftwerke bereiten sich seit Jahren mit einer detaillierten Personalplanung auf die Stilllegung vor. Einem studienabgebrochenen Politiker mag das fremd vorkommen, aber es dauert im Schnitt fünf Jahre nach abgeschlossenem Studium, bis ein KKW einen Schichtleiter lizensiert hat, damit er in seiner Position verantwortlich arbeiten darf. Ähnliches gilt für viele weitere behördlich genehmigungspflichtige Personalstellen in einem Kernkraftwerk, die Ingenieure, die Abteilungsleiter, selbst der Direktor – alles behördlich genehmigungspflichtige Qualifikationen. Die Personalabwicklungspläne sind in einem langen schmerzhaften Prozess unterschrieben und gültig. Neues Personal von den Hochschulen – Fehlanzeige. Die Jüngeren und die Besten aus den abgeschalteten Anlagen sind im Ausland oder haben sich beruflich neu orientiert. Die verbliebenen nuklearen Silberrücken müssten bei einem Weiterbetrieb natürlich auch weiter arbeiten, bis neues Personal zur Verfügung steht.

Als fünftes müssten neue Brennstoffladungen der Reaktoren bestellt, genehmigt und bezahlt werden. Ein wesentlicher Kostenfaktor in einem Kernkraftwerk ist neben dem Personal der Kernbrennstoff. Die Anlagen optimieren natürlich ihren Brennstoffeinsatz, dafür arbeitet ein ganzes Heer von Physikern. Am 31.12.2022 haben die letzten drei Kernkraftwerke folgerichtig keine Reaktivitätsreserven mehr in ihren Reaktorkernen. Ganze Neubeladungen für jedes Kraftwerk müssten von den Kern-Brennstoffherstellern maßgeschneidert gefertigt werden. Dieser Prozess braucht Zeit und Geld – könnte aber erst gestartet werden, wenn die anderen Voraussetzungen erfüllt sind.
...
Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß ein Weiterbetrieb der letzten drei Kernkraftwerke technisch und organisatorisch zwar machbar, aber nicht unterbrechungsfrei möglich wäre.



https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/l...ke-deutschland/



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Doeding Offline




Beiträge: 2.612

28.02.2022 19:43
#234 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Frankenstein im Beitrag #232
Rein von den nackten Zahlen her sollte man also fast schon erwarten, dass Russland mit einer Armee auf unserem Niveau große Schwierigkeiten bei einer derart großen Invasion wie in der Ukraine hat.

Lieber Frankenstein,

meinen Sie das sarkastisch oder ernst? (ernst gemeinte, nicht sarkastische Frage). Auch auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen: zuerst dachte ich ersteres und jetzt letzteres. Und letzterem würde ich vorsichtig zustimmen. Putins Armee könnte sich als Potemkinsches Dorf herausstellen, mit all den unklaren Konsequenzen, wenn sich seine Schwäche offenbart. Auch die frühe Bereitschaft, mit der Ukraine in Waffenstillstandsverhandlungen einzutreten, spricht mMn dafür. Auch das ganze Atomgedöns (wer hat das nötig; der Starke oder der Schwache?) Heute Morgen habe ich erstmals die Möglichkeit einer Absetzung Putins erwogen. Heute Mittag habe ich im Pressespiegel von Focus-online den Kommentar eines osteuropäischen Mediums (ich erinnere nicht mehr welchen Landes) gelesen, in dem fest davon ausgegangen wurde, daß Putins Absetzung bereits durch Oligarchen und Militärs vorbereitet würde. Letztlich (verkürzt gesagt) einfach weil die keinen Bock auf Putins Atomzündelei haben. Was man ja nun verstehen kann.

Herzliche Grüße,
Andreas

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Emulgator Offline



Beiträge: 2.843

28.02.2022 20:04
#235 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #234
Putins Armee könnte sich als Potemkinsches Dorf herausstellen, mit all den unklaren Konsequenzen, wenn sich seine Schwäche offenbart.
Den Schluß würde ich nicht ziehen. Wie es aussieht, ist Putin einfach Opfer seiner eigenen Propaganda und Führung geworden. Die Frage ist, wie weit "nach unten" die Soldaten nicht wußten, was sie erwartet. Sie sind also mit einem völlig falschen Lagebild losgeschickt worden, um ihnen nicht sagen zu müssen, daß sie einen Erorberungskrieg durchführen sollen. Entsprechend scheint man übrigens bestimmte Waffen und Taktiken nicht einzusetzen.

Angeblich wurden Fallschimjäger nachts auf dem Flugplatz Gotomel abgesetzt, also nahe Kiyv, und zwar am zweiten Tag des Krieges. Weil sie also erwartet wurden und Verteidiger schnell zur Stelle waren, wurden sie dann bis zum nächsten Tag aufgerieben. Das ist schon eklatant dumm. Ebenso sieht man zerschossene russische Militärfahrzeuge, die eng beieinanderstehen. Das ist auch ein Hinweis auf eklatante Dummheit.

Ich möchte behaupten, daß deutsche Offiziere solche Dummheiten nie machen würden.

Doeding Offline




Beiträge: 2.612

28.02.2022 20:15
#236 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #235
Ich möchte behaupten, daß deutsche Offiziere solche Dummheiten nie machen würden.


Wann haben denn deutsche Offiziere einen klassischen Heereseinsatz zuletzt befehligt?

Herzliche Grüße,
Andreas

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Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

28.02.2022 20:33
#237 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Ich zitiere mal aus Steven Pinkers Buch "The Better Angels of Our Nature" (aus der Taschenbuchausgabe bei Penguin Books, 2011). Kontext ist die Frage, ob man sprichwörtliche "Wölfe" zu "Schafen" umerziehen könne. Und er hebt auf die frühere Reputation der Wehrmacht im Kontrast zu den heutigen Bundeswehrsoldaten ab, und die großen Demonstrationen gegen den Golfkrieg und, in geringerem Maß, gegen den Einsatz in Afghanistan.

Zitat
Even the war in Afghanistan which aroused less opposition in Europe, is being fought mainly by American soldiers. Not only do they make up more than half of the forty-four-nation NATO military operation, but the continental forces have acquired a certain reputation when it comes to martial virtues. A Canadian armed forces captain wrote to me from Kabul in 2003:

"During this morning's Kalashnikov concerto, I was waiting for the tower guards in our camp to open fire. I think they were asleep. That's par for the course. Our towers are manned by the Bundeswehr, and they haven't been doing a good job ... when they're actually there. I qualified that last comment because the Germans have already abandoned the towers several times. The first time was when we got hit by rockets. The remaining instances had something to do with it being cold in the towers. A German Lieutenant with whom I spoke about this lack of honour and basic soldier etiquette replied that it was Canada's responsibility to provide heaters for the towers. I snapped back by mentioning that it was Germany's responsiblity to provide warm clothing to its soldiers. I was tempted to mention something about Kabul not being Stalingrad, but I held my tongue.

"The German army of today is not what it once was. Or, as I've heard mentioned here several times: "This ain't the Wehrmacht." Given the history of our people, I can make the argument that that's a very good thing indeed. However, since my safety now rests upon the vigilance of the Herrenvolk's progeny, I'm slightly concerned to say the least." (E-mail from Kabul, 11 Dec 2003) (S. 267)



Daran scheint sich in den letzten 18 Jahren wenig geändert zu haben. https://www.n-tv.de/politik/Bundeswehr-i...le23154290.html



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.049

28.02.2022 21:23
#238 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #231
Der Anteil der Verteidigungsausgaben am BiP ist da schon aussagekräftiger.


Auch nicht wirklich, weil man nicht weiss, wofür das Geld ausgegeben wird, siehe mein Originalbeitrag.

Man kann 100 Millionen nach harten Verhandlungen für 3 neue Kampfjets ausgeben, oder man kann 100 Millionen für 35.000 neue, nach allen 357 Geschlechtern sortierte Toilettenhäuschen ausgeben, um es mal zynisch auf die Spitze zu treiben. Realistisch wird es wohl darauf hinauslaufen, dass von den 100 Millionen schon 10 an McKinsey gehen werden, die nach Jahren und tausenden von in Rechnung gestellten Beraterstunden dann auf den Trichter kommen, dass man neues Material braucht; gut für McKinsey, gut für die Verteidigungsministerin, die schon aussieht wie eine senile Kindergartentante, die sich wird absichern wollen wenn sie schon keine Ahnung von dem Männerkram hat, den man eigentlich abschaffen wollte, usw... so versumpft das dann alles, und das Geld geht überall hin, nur nicht dort, wo es hin soll.

Daher ist auch der Vergleich mit den Russen nicht zulässig; mal abgesehen davon, dass man die Ausgaben erstmal nach Kaufkraftparität bewerten sollte, was den russischen Haushalt massiv auf-, und den deutschen massiv abwertet, kann man auch davon ausgehen, dass die Russen die Kohle halt tatsächlich in Ausrüstung gesteckt haben, und nicht in irgendwelchen Soziologen- und Beraterquatsch.

Kleiner EDIT noch: Die NATO schnauzt ja immer rum, dass wir die Mindestausgaben im Staatshaushalt für das Militär nicht erfüllen; zuletzt auch Trump, als er als damaliger Präsident einen Rant abgelassen hat über die sog. "Verbündeten"; "we pay everything, and Germany gets a free ride..."
Nun, das will der Scholz ja jetzt ändern, ab sofort wird die NATO-Mindestquote im Haushalt erfüllt werden. Aber wie gesagt, ob das das Militär stärkt, bleibt abzuwarten...

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

28.02.2022 21:33
#239 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Halten wir mal fest.

Die Zahlen für den Primärenergieverbrauch in DE 2020. Erzeugt aus:

Erneurbaren Energien: 16,6 %
Kernergie: 6,0 %
Steinkohle: 7,7 %
Mineralöl: 33,7 %
Erdgas: 26,6 %

Aus Russland importieren an unserem Bedarf:

55 % des Erdgases
50 % der Steinkohle
33 % des Erdöls.

Wir sind, wie die Sache nun mal steht, zwingend darauf angewiesen.

Unser grüner Herr Wirtschaftsminister nimmt das zum Anlaß, diesen X-Jahresplan zu ventilieren:

Zitat
Der Ausbau erneuerbarer Energien - durch Russlands Krieg in der Ukraine wird er gerade noch drängender. FDP-Chef Christian Lindner schwärmt am Sonntag im Bundestag von "Freiheitsenergien", Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erklärt die Energieversorgung zur "Frage von nationaler Sicherheit". Wie gut, dass er mit dem passenden Gesetz schon fertig ist.

Diesen Montag soll die nächste große Ökostrom-Novelle in die Abstimmung zwischen den Ministerien gehen, der Süddeutschen Zeitung liegen die Eckpunkte vor. Danach soll das Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht länger irgendwann "vor 2050" die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien vorsehen. Neues Stichdatum wird das Jahr 2035: Bis dahin soll der deutsche Strom "nahezu vollständig" aus erneuerbaren Energien stammen. "Damit richtet Deutschland den Zubau der erneuerbaren Energien konsequent auf den 1,5-Grad-Klimaschutz-Pfad aus", heißt es in einem Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Entsprechend mehr grünem Strom soll das neue Gesetz nun den Weg bahnen. Rund 100 bis 110 Gigawatt Windkraft an Land strebt das neue Gesetz bis 2030 an - das Doppelte dessen, was bisher errichtet ist. Zur See sollen sich, wie schon im Koalitionsvertrag vereinbart, bis 2030 Windräder mit 30 Gigawatt installierter Leistung drehen, fast viermal so viel wie derzeit. Die Leistung von Solaranlagen soll sich ebenfalls nahezu vervierfachen, auf 200 Gigawatt.



https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/e...paign=1.5537854

Die Kernergie fällt in 10 Monaten fort und dürfte nicht in Verlängerung gehen, s.o.

Da Sonne+Wind nunmal unstet sind, ist zur Stabilhaltung der Netzfrequenz für jede installierte Kilowattstunde aus diesen Quellen eine Kilowattstunden-Kapazität als Kaltreserve vorzuhalten, die im Bedarfsfall schnell hochgefahren werden kann. Die dafür vorgesehenen Kraftwerke werden mit Gasturbinen betrieben. Dafür sind wir zwingend auf Gasimporte angewiesen. Hauptsache, wir sind nicht auf dem Kriegs- sondern dem Klimaschutzpfad.

Wir haben eine Armee, bei der der Anteil des einsatzfähigen Großgeräts in allen Bereichen unter einem Drittel und z.T. erheblich darunter lag. Mit zunächst einmal 100 Mrd. möchte der BK der Misere beikommen, was in Sachen Ausrüstung wohl einen Zeithorizont von 3-5 Jahren umfassen würde. In Sachen des Airbus A-400M: die Maschine sollte 2008 in Dienst gestellt werden; die erste reguläre Auslieferung war 2015. 2009 hat die BW zur Sicherung ihrer Transportfähigkeit 6 Antonow An-124 angemietet.

Militärisch können wir nichts bewirken. Unsere Hoffnung besteht darin, daß ein russischer Oligarch eine Aktentasche unter Putins Konferenztisch plaziert.

Immerhin wissen wir jetzt, warum es im Kreml so lange Tische gibt.



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.049

28.02.2022 22:05
#240 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Frankenstein im Beitrag #232
Ich habe gerade mal gegooglet, wie hoch die Verteidugungsetats einzelner Länder sind. Demnach gibt Russland nicht viel mehr für sein Militär aus als Deutschland - und wir haben immerhin keine Atomwaffen.


Deshalb mein Vorschlag, das Ganze mal kaufkraftneutral zu bertrachten... ein deutscher Berufssoldat verdient wohl irgendwas zwischen 30.000 und 300.000 Euro im Jahr, je nach Dienstgrad... die Russen dürften wohl ca. ein Zehntel dieses Soldes bekommen, maximal. Ausrüstung ist aber global eigentlich überall fast gleich teuer, d.h. Detuschland zahlt die Soldaten, die keine Ausrüstung haben, Russland kauft Ausrüstung für Soldaten, die nicht viel verdienen...

Emulgator Offline



Beiträge: 2.843

28.02.2022 22:32
#241 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Doeding im Beitrag #236
Wann haben denn deutsche Offiziere einen klassischen Heereseinsatz zuletzt befehligt?
Ist das wichtig? Man weiß, wie die Waffen wirken, die eigenen und die des Feindes.

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #238
Daher ist auch der Vergleich mit den Russen nicht zulässig; mal abgesehen davon, dass man die Ausgaben erstmal nach Kaufkraftparität bewerten sollte, was den russischen Haushalt massiv auf-, und den deutschen massiv abwertet, kann man auch davon ausgehen, dass die Russen die Kohle halt tatsächlich in Ausrüstung gesteckt haben, und nicht in irgendwelchen Soziologen- und Beraterquatsch.
Bei den Russen gibt es definitv auch diese Art von Friktion, nennt sich dann Korruption und Unterschlagung. Beim Abzug der russischen Streitkräfte 1994 hat Deutschland Geld für neue Soldatenunterkünfte in Rußland bezahlt. In einer Putin-Rede nach 2014 hat er gesagt, daß immer noch Unterkünfte fehlen. 20 Jahre im Weißnichtwo übernachten!?

Verzögerungen bei Rüstungsprojekten gibt es außerdem bei denen wie bei uns, beispielsweise beim T-14 Armata. Bei der Fülle verschiedener Waffensysteme in Rußland glaube ich auch nicht, daß wirklich alles so tolle Leistungsparameter hat, wie angegeben wird, insbesondere, wenn es sowieso nicht exportiert wird. Nicht umsonst haben sich die zivilen Leistungen des russischen Fahr- und Flugzeugbaus auf dem Markt nicht so richtig durchgesetzt.

Bei den Bildern von erbeuteten russischen Fahrzeugen sieht man kleine Details wie kaputte Polster und abgeplatzten Lack, die gegen gute Materialerhaltung sprechen. Mag lächerlich klingen, im Krieg alles blitzeblank haben zu wollen, aber zum Kampf mit dem Feind soll nicht noch der Kampf mit Nässe, Korrosion und verklemmten Teilen kommen. Ich hätte erwartet, daß mit der vielen Arbeitskraft der Wehrpflichtigen solche Sachen in Schuß gehalten werden, aber irgendwie scheint das nicht passiert zu sein.

Das soll natürlich alles nicht heißen, daß die russische Armee nicht gefährlich sei, im Gegenteil. Sie ist sogar doppelt gefährlich, nämlich auch für die Russen selber.

Johanes Offline




Beiträge: 2.488

28.02.2022 23:01
#242 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Krischan im Beitrag #225
In Ihrem obigen Szenario gibt es doch nur einen Bösewicht, und das ist der paranoide A ("...Leute zu verkloppen, die nicht tun, was ihm nicht passt") - Herr Döding kann da bestimmt aus seiner Praxis einige Fallbeispiele aufzählen.


Sehr geehrter Herr @Krischan, mein kleiner, fiktiver Fall beschreibt ja nicht mal meine Position auf das Thema, es ging mir eher darum, die grundsätzliche Legitimität der Suche nach den Motiven der anderen Seite aufzuzeigen, wie sie @Doeding betrieben hat.

Zitat von Krischan
Natürlich schützt man das (potentielle) Opfer - man schützt die Frau vorm gewalttätigen Ehemann, man zeigt Zivilcourage und weist den Schulhof-Bully in die Schranken. Und wenn der Schulhofbully so groß und stark ist, dann macht man das halt gemeinsam, und am besten mit einem großen Knüppel.



Es ist schon komisch. Wir halten jetzt seit Jahren die Fahne der Verantwortungs- gegen die Gesinnungsethik hoch, und jetzt fordern wir alle sofort wieder, dass man sich auf die Seite des Guten stellen soll.

Ja, wir würden den Schulhofbully bestrafen wollen. Aber wir würde niemals einen viel schwächeren, nicht kampferfahrenen jungen Mann auch noch dazu motivieren, sich mit diesen Bully anzulegen.

Falls das kommt, ja ich kenne das Gefühl des Zorns über Ungerechtigkeit auch. Es mag ein edles Gefühl sein und der Antrieb für viele Verbesserungen, aber er muss durch eine rationale Vorgehensweise flankiert sein.

Zitat von Krischan
Ich wundere mich manchmal (nicht explizit auf Sie, lieber Johanes, bezogen!) über den Mangel an Realitätssinn in diesem Forum. In der Politik wie auf dem Schulhof geht es um MACHT und die Möglichkeit, den anderen seine Meinung aufzuzwingen. Die Prozesse sind die gleichen, die Typen auch. Kennste einen, kennste alle.



Ganz ehrlich, werter Herr Krischan, jetzt verstehe ich Sie überhaupt nicht mehr.
Genau diese Analyse über Macht usw. liegt doch den Denken zugrunde, dass die NATO sich nie hätte nach Osten ausdehnen sollen.

Das Kalkül dahinter scheint mir auch nicht das Problem zu haben, dass es keinen Realitätssinn hat.

Ich weiß nicht, ob Sie im realen Leben das Vergnügen hatten, in der Schule mit Bullys zu tun gehabt zu haben. Ich kann Ihnen eines sagen, es kann ein guter Ratschlag sein, der Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen und sich nicht auf einen Kampf einzulassen. Schon gar nicht, wenn dieser Typ den eigenen Nachhauseweg kennt.

Ich teile diese Argumentation nicht mal. Nach meinen Dafürhalten ist die Einschätzung, dass die Ausweitung der NATO gegen Russland gerichtet ist, nicht zutreffend und hätte besser vermittelt werden müssen.

Lasse Sie es mich so sagen: Wenn ich sehe, wie der Bully sich mit einem deutlich Schwächeren anlegt und darüber in Zorn gerate und mich mit ihn anlege und dann hinterher nur selbst verprügelt werden, ist meine Entscheidung. Es ist jedoch natürlich etwas anderes, wenn ich auch noch anderen dazu rate. Das ist keine Rechtfertigung für das, was der Bully tut, sondern eine Erinnerung daran, dass wir die Verantwortung tragen.

Zitat von Llarian im Beitrag #227
Damit wird der Schaden den deutsche Regierungen und die ihr verbündete Presse in den letzten 20 Jahren angerichtet haben, nicht gekittet.


Sehen Sie es mir nach, werter Herr @Llarian, aber ist das nicht ebenfalls ein Stückchen Gesinnungsethik?

Es ist doch klar und erwartbar, dass die "Erdung" Schritt für Schritt erfolgt.

Zitat von Frankenstein im Beitrag #232
Demnach gibt Russland nicht viel mehr für sein Militär aus als Deutschland - und wir haben immerhin keine Atomwaffen.


Entschuldigen Sie, wenn ich das hier radikal zuspitze: Es ist ein Unterschied, ob ich das für Gendergerechte Sitze und teure Berater ausgebe (wo etwa mein Sohn zufällig arbeitet) oder tatsächlich für Waffen, Munition und sonstige Ausrüstung.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.734

28.02.2022 23:10
#243 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #241

Bei den Bildern von erbeuteten russischen Fahrzeugen sieht man kleine Details wie kaputte Polster und abgeplatzten Lack, die gegen gute Materialerhaltung sprechen. Mag lächerlich klingen, im Krieg alles blitzeblank haben zu wollen, aber zum Kampf mit dem Feind soll nicht noch der Kampf mit Nässe, Korrosion und verklemmten Teilen kommen.


Zitat
CaucasusWarReport @Caucasuswar

Footage taken by Ukrainian soldiers showing expired military rations that were given to Russian soldiers by the Russian Armed Forces. Expiry date from 2015.

10:53 PM · Feb 28, 2022·Twitter for iPhone



https://twitter.com/Caucasuswar/status/1498415979038130185



"Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande." - Voltaire

Johanes Offline




Beiträge: 2.488

28.02.2022 23:15
#244 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #241
[...]


Sehr geehrter Herr @Emulgator,

Sie scheinen auf diesen Themenfeld im Gegensatz zu mir und voraussichtlich den meisten anderen Zimmerleuten beschlagen zu sein.
Wäre es Ihnen möglich, die Zeit aufzubringen und vielleicht mal hier im Forum oder gar als Gastbeitrag einen Text darüber zu verfassen, was dieser Krieg über den Zustand der russischen Armee im Vergleich zu den NATO und anderen Streitkräften verrät?

Ich habe durch das Fernsehen den vielleicht irreführenden Eindruck gewonnen, dass die westlichen Beobachter konstantiert haben, dass die Russen entweder nicht das neuste Material geschickt haben oder aber im Vorfeld nicht über solches verfügten.
Mit anderen Worten wäre die russischen Armee im anderen Fall ein Scheinriese. Sieht beeindruckend aus, aber ist in Wahrheit sehr viel weniger beeindruckend.

Meines Erachtens wäre so ein Beitrag sachlich erhellend, ganz im Sinne des alten Zettels Blogs.

Mit freundlichen Gruß

Johanes.



"Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten." (Matthäus 7,12)
"Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese." (Mark. 12,31)

Llarian Offline



Beiträge: 6.992

01.03.2022 02:40
#245 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #240
Deshalb mein Vorschlag, das Ganze mal kaufkraftneutral zu bertrachten... ein deutscher Berufssoldat verdient wohl irgendwas zwischen 30.000 und 300.000 Euro im Jahr, je nach Dienstgrad... die Russen dürften wohl ca. ein Zehntel dieses Soldes bekommen, maximal. Ausrüstung ist aber global eigentlich überall fast gleich teuer, d.h. Detuschland zahlt die Soldaten, die keine Ausrüstung haben, Russland kauft Ausrüstung für Soldaten, die nicht viel verdienen...

Das lohnt sich übrigens nachzuschlagen: Der Bund zahlt für knapp 180.000 "Person" Personalausgaben von etwa 13 Milliarden Euro, was dann so auf 72.000 im Durchschnitt hinausläuft. Gemessen an der Qualifikation ist das ganz ordentlich, aber okay, die sollen im Zweifelsfall ja auch ihr Leben riskieren. Erschreckender ist eher, dass der Bund noch einmal 14 Milliarden für "ziviles Personal" bezahlt. Und nimmt man das zusammen, sind das dann 27 Milliarden des gesamten Etats von 47 Milliarden. Da bleiben dann ganze 20 Milliarden für Waffen und vor allem Instandhaltung (und Fond of Lyings Berater).

Der Durchschnittslohn liegt in Russland bei 600 Euro pro Monat, umhin 7200 Euro im Jahr (also wirklich nur ein Zehntel, stimmt witzigerweise sehr genau). Würde Putin den Soldaten den Durchschnittslohn bezahlen (?) und nur 20 Milliarden dafür ausgeben bekäme er dafür 2,8 Millionen Soldaten bezahlt. Tatsächlich gibt es aber nur eine Million aktiver Soldaten. Entsprechend zahlt er dafür auch keine 10 Milliarden Euro, bleiben mehr als 40 Milliarden für Ausrüstung.

Insofern geht Scholz sein Vorschlag durchaus in die richtige Richtung: Würde die Bundeswehr nur Material für 100 Milliarden beschaffen, könnte sie damit erstmal einiges ausgleichen. Besser fände ich es noch die Hälfte der Soldaten rauszuschmeissen und noch mehr Material zu kaufen. Ein Infanterist gewinnt heute keinen Krieg mehr. Eine gut gesteuerte Drohne oder mehrere können ganze Schlachten entscheiden.

Llarian Offline



Beiträge: 6.992

01.03.2022 02:47
#246 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Johanes im Beitrag #242

Zitat von Llarian im Beitrag #227
Damit wird der Schaden den deutsche Regierungen und die ihr verbündete Presse in den letzten 20 Jahren angerichtet haben, nicht gekittet.


Sehen Sie es mir nach, werter Herr @Llarian, aber ist das nicht ebenfalls ein Stückchen Gesinnungsethik?

Es ist doch klar und erwartbar, dass die "Erdung" Schritt für Schritt erfolgt.


Ich bin mir nicht sicher ob ich die Frage richtig verstehe. Ich kann keine Erdung erkennen. Die linke deutsche Regierung wittert in der noch linkeren amerikanischen Regierung einen Verbündeten. Sie realisiert aber nicht (oder will das nicht), dass die amerikanische Regierung ein Betriebsunfall darstellt (der noch dazu mit massivem Betrug zustande kam, auch wenn in den USA kaum jemand wagt das laut zu sagen). Diese Regierung wird nicht abgewählt, sie wird in Schimpf und Schande davongejagt werden, weil sie wirklich so inkompetent ist, dass dagegen selbst Andi Scheuer als Experte durchgehen kann. An dieser aktuellen Regierung ist nichts, aber auch gar nichts, typisch amerikanisches. Und sich an sie ranzuwanzen wird das Verhältnis mit Amerika nicht verbessern.

Die eigentliche Prüfung wird kommen, wenn in zwei Jahren DeSantis oder gar Trump selber Präsident werden. Und dann wird gerade diese Regierung ein Riesenproblem haben. Und ich freue mich schon auf Steingeier wie er erklären mag, dass der "Hassprediger" eben so eine Vokabel ist, die man unter Freunden ja schon mal benutzen kann.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.049

01.03.2022 05:03
#247 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #245
Besser fände ich es noch die Hälfte der Soldaten rauszuschmeissen und noch mehr Material zu kaufen. Ein Infanterist gewinnt heute keinen Krieg mehr.


Da haben Sie nicht mitgedacht, man will ja die Wehrpflicht wieder einführen. Das ist übrigens die Methode, mit der man meiner Voraussicht nach die 100 Milliarden in einem Jahr verballern (und die NATO-Quote erfüllen) wird: Wehrpflicht wieder einführen, dann hat man 200.000 nutzlose Infanterie-Soldaten, die jeden Monat den Nerv der Berufssoldaten plus 2-3000 Euro pro Nase kosten...

Die Berufsarmee in Deutschland ist m.W. personell gar nicht mal so schlecht aufgestellt, da gibt es kein überflüssiges Kanonenfutter, sondern da weiss schon jeder, was er zu tun hat. Nur kommt das Geld nie an. Wie Sie beschrieben haben: Es versackt halt bei den Zivilisten (a.k.a. Parteigünstlingen) und sonstigem Geschmeiss, das sich qua Parteimitgliedschaft lebenslang von Steuerzahlen durchfüttern lässt.

F.Alfonzo Offline



Beiträge: 2.049

01.03.2022 07:06
#248 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Llarian im Beitrag #245
Das lohnt sich übrigens nachzuschlagen: Der Bund zahlt für knapp 180.000 "Person" Personalausgaben von etwa 13 Milliarden Euro, was dann so auf 72.000 im Durchschnitt hinausläuft. Gemessen an der Qualifikation ist das ganz ordentlich, aber okay, die sollen im Zweifelsfall ja auch ihr Leben riskieren.


Noch ein kleiner Nachtrag: Das Personalbudget sind nicht nur Gehälter, sondern auch Pensionen... sollte man immer im Kopf behalten bei Behörden, deren Pensionen nicht auf dem Markt durch Investments erzielt werden sondern durch reine Steuerkohle-Umverteilung... gerade bei einer Armee dürfte das eine richtig dicke Kerbe schlagen.

Martin Offline



Beiträge: 4.129

01.03.2022 08:12
#249 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von F.Alfonzo im Beitrag #248
Noch ein kleiner Nachtrag: Das Personalbudget sind nicht nur Gehälter, sondern auch Pensionen... sollte man immer im Kopf behalten bei Behörden, deren Pensionen nicht auf dem Markt durch Investments erzielt werden sondern durch reine Steuerkohle-Umverteilung... gerade bei einer Armee dürfte das eine richtig dicke Kerbe schlagen.
Kann es nicht sein, dass es sich sowohl bei Ankündigungen im Energiesektor, als auch bei der Bundeswehr erst mal um mediale und politische Befreiungsschläge im Sinne von 'Signale Senden' handelt? Da kann vieles später umgewidmet werden. So, wie man im Kraftwerkbereich nicht von heute auf morgen halt mal so alles anders machen kann, kann man zwar viel Geld in den Verteidigungsetat werfen, riskiert dann aber, dass dieses in undurchsichtigen Kanälen verschwindet. Auf der anderen Seite verstehe ich bis heute nicht, warum die Bundeswehr noch keine Drohnen hat.

Gruß
Martin

Doeding Offline




Beiträge: 2.612

01.03.2022 08:38
#250 RE: Prof. Rieck: Fehleranalyse Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #241
Zitat von Doeding im Beitrag #236
Wann haben denn deutsche Offiziere einen klassischen Heereseinsatz zuletzt befehligt?
Ist das wichtig? Man weiß, wie die Waffen wirken, die eigenen und die des Feindes.


Das wissen die russischen Ofiziere auch, nicht zuletzt weil kampferprobt. Mir ging es um die Frage, woher Sie den Optimismus nehmen, daß deutlich weniger kampferprobte deutsche Heeresoffiziere das besser können?

Herzliche Grüße,
Andreas

How about another joke, Murray?

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