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ZETTELS KLEINES ZIMMER

Das Forum zu "Zettels Raum"



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 Kommentare/Diskussionen zu "Zettels Raum"
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nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.994

09.10.2015 10:13
#276 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Werwohlf im Beitrag #272
Your fault.
Diese Schuld muss ich in der Tat ganz alleine auf meine eigenen schmalen Schultern aufladen und von Tag an alleine mit ihr leben.


Zitat von Werwohlf im Beitrag #272
Zitat von nachdenken_schmerzt_nicht im Beitrag #270
Wir haben eine Empathieokratie.
Ja, vordergründig. [...] Die intuitive Abneigung der Deutschen gegen die Ökonomie ist nur ein Teilaspekt ihrer Wirklichkeitsflucht. "Deutscher sein, heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun."
Hier hast du wohl Recht und meine Analyse ist einer beschränkten und damit fehlerhaften Induktion, lediglich aus eigener, täglicher Erfahrung geschuldet. Dabei sind es eigentlich gerade diese kleinen Momente im Alltag die mir immer wieder zeigen sollten, wie wenig sich die Menschen dieses Landes seit Gründung der Republik im Wesen geändert haben:

Es gab eine Zeit, da gehörte man nicht dazu, wenn man als Mann die Haare lang wachsen lies oder Ohrringe trug, wenn man keine Brokatdeckchen auf der Anrichte liegen hatte oder als Frau arbeitete anstatt bei den Kindern zu bleiben.

Heute gehört man nicht dazu, wenn man seinen kleinen keinen Fahrradhelm beim Dreiradfahren aufzieht, keine zuckerfreies Bio-Gebäck an sie verfüttert oder als Frau entscheidet zuhause bei seinem Kindern zu bleiben, anstatt zu arbeiten.

Die Rebellen gegen das Spießertum des Nachkriegsdeutschlands haben nur das Spießertum ihrer Eltern gegen das eigene eingetauscht und denken dabei es überwunden zu haben. Es ist das deutsche Wesen zu wissen was richtig ist und jeden anderen daran zu messen und zu werten, ob er diesem eigenen Wissen auch folgt.

Die stammelnde Kanzlerin ist für mich Sinnbild einer Nation, welche dieses Stadium der geistigen Beschränktheit nicht zu verlassen in der Lage ist und wenn alles nicht mehr hilft, wird das eigene Weltbild so lange wiederholt, bis es sich wie die Wirklichkeit anfühlt. Einer Wirklichkeit, der man um ihrer selbst WIllen verpflichtet ist.

Ja ich denke, du hast Recht Werwohlf.

Trotzdem passt es für mich ins Bild, dass es zwei Frauen waren, welche in ihren cremefarbenen Sesseln Politik erklärten. Dem "weiblichen Guten" in der Politik zu folgen, anstelle der "kaltherzigen Männlichkeit", erscheint in unserer Gesellschaft derzeit so selbstverständlich, wie der Fahrradhelm beim Dreiradfahren. Es ist ein Fetisch, dem um seiner selbst Willen gehuldigt wird.

Dieses Wesen um das Wissen "des Richtigen" ist es, was die Deutschen schon seit jeher anfällig gemacht hat für jegliche Ideologie und so lange dieses "Wesen" nicht therapiert ist, werden die Deutschen auch immer wieder Ideologen zum Opfer fallen.

Herzlich


nachdenken_schmerzt_nicht

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

nachdenken_schmerzt_nicht Offline




Beiträge: 1.994

09.10.2015 10:14
#277 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Tim im Beitrag #275
Die Bundesregierung könnte ja schlecht diesen Katastrophenfall wieder aufheben, oder?

Natürlich kann sie das.

Mit einem: "Wir schaffen das."

"Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit." - Montesquieu

Nola Offline



Beiträge: 1.719

09.10.2015 11:10
#278 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Tim im Beitrag #275
Fraglich ist natürlich, ob Seehofer so weit gehen wird.


Ja, dazu braucht es kalte Entschlossenheit. Immerhin ist Frau Merkel durch das offene Vorgehen gegen Kohl (das jetzt Wertfrei erwähnt) damit Kanzlerin geworden.

♥lich Nola

---------------------------

Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.652

09.10.2015 11:10
#279 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zumindest eine Nobelpreis-Bundesmutti droht uns nicht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/no...-a-1057012.html



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

Fluminist Offline




Beiträge: 2.015

09.10.2015 11:15
#280 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #279
Zumindest eine Nobelpreis-Bundesmutti droht uns nicht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/no...-a-1057012.html



Zitat
Überraschung in Oslo: Der Friedensnobelpreis 2015 geht nicht an Angela Merkel - sondern an eine Dialoggruppe für ihren Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft in Tunesien.


Das hat ja keine Eile. Nach der Sache mit Obama wartet das Kommittee vielleicht erst einmal ab, bis Merkel ihren Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft in Deutschland "geschafft" hat.

Tiefseetaucher Offline




Beiträge: 343

09.10.2015 12:03
#281 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #279
Zumindest eine Nobelpreis-Bundesmutti droht uns nicht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/no...-a-1057012.html



Und beim Nachlesen des Artikels bin ich auch endlich mal wieder auf den Bericht einer syrischen Brieftaschenfinderin gestoßen.
Syrerin lehnt Finderlohn ab

Komisch, wenn ich die Kassiererin im Supermarkt darauf hingewiesen habe, dass sie sich zu meinen Gunsten vertippt hat oder mir zuviel Wechselgeld herausgegeben hat, wurde nicht mal im örtlichen Käseblatt darüber berichtet, geschweige denn im Spiegel. Echt gemein.

Ich könnte jetzt eine Runde Bedauern gebrauchen.

Political Correctness ist nichts anderes als betreutes Denken.

Nola Offline



Beiträge: 1.719

09.10.2015 12:38
#282 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #279
Zumindest eine Nobelpreis-Bundesmutti droht uns nicht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/no...-a-1057012.html




Ich finde das gut. Die Tunesier haben wirklich etwas geschafft, etwas geleistet, gegen alle erdenklichen Widerstände, nicht zuletzt gegen französische Langfinger, die immer noch nicht ihr Kolonialisierungsverhalten (siehe auch Syrien und auch Lybien) aufgeben wollten, so wie auch gegen den im Untergrund weiterhin agierenden Widerstand der Muslimbruderschaft (Ennharda-Partei) die kurzfristig mal in Regierungsverantwortung stand und die ebenfalls auch in Syrien mitmischen, und die, weil sie weitgehend ihren politischen Einfluß verloren haben um eine erneute Macht kämpften und immer noch kämpfen. Schaut man sich den "arabischen Frühling" an, kommt man in keinem Fall an der Muslimbruderschaft vorbei.

♥lich Nola

---------------------------

Status quo, nicht wahr, ist der lateinische Ausdruck für den Schlamassel, in dem wir stecken.
Zettel im August 2008

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

09.10.2015 12:51
#283 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Tiefseetaucher im Beitrag #281
Komisch, wenn ich die Kassiererin im Supermarkt darauf hingewiesen habe, dass sie sich zu meinen Gunsten vertippt hat oder mir zuviel Wechselgeld herausgegeben hat, wurde nicht mal im örtlichen Käseblatt darüber berichtet, geschweige denn im Spiegel.

Da geht es ja auch nur um wenige Euros.
Wenn dagegen jemand wieder einmal seinen Geldbeutel in Flüchtlingsnähe verliert, geht es immer um hohe mindestens dreistellige Beträge.
Es ist schon erstaunlich, wie hohe Barbeträge manche Leute mit sich führen ...

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.652

09.10.2015 13:14
#284 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #283

Es ist schon erstaunlich, wie hohe Barbeträge manche Leute mit sich führen ...



Nur die Helldeutschen. Die Dunkelgermanen bedienen sich mafiöser Strukturen wie Bitcoins oder PayPal. Noch.



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

Meister Petz Offline




Beiträge: 3.923

09.10.2015 13:40
#285 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #284
Zitat von R.A. im Beitrag #283

Es ist schon erstaunlich, wie hohe Barbeträge manche Leute mit sich führen ...



Nur die Helldeutschen. Die Dunkelgermanen bedienen sich mafiöser Strukturen wie Bitcoins oder PayPal. Noch.

Interessanterweise ist es genau umgekehrt - je kulturpessimistischer, um so wichtiger ist das Bargeld (am besten noch eine goldgedeckte DM). Auch wenn die Euros von der BRD Finanzagentur zusammen mit der FED, Rothschild und Goldman Sachs morgen entwertet werden. Oder spätestens übermorgen vormittag.

Gruß Petz

Free speech is so last century. (Brendan O'Neill)

Fluminist Offline




Beiträge: 2.015

09.10.2015 23:25
#286 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von adder im Beitrag #71
Zitat von Fluminist im Beitrag #70
Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #69
Die Welt: "Ist die mächtigste Frau der Welt überfordert?"

Es tun sich ja wahre Abgründe auf:

Zitat von Dr Merkel
Und wenn ich was vermisse, dann ist das nicht, dass ich irgendjemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Dann haben wir doch auch, bitte schön, die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche erklären zu können.

Da kann ich nur noch Johnny English zitieren: This is worse than I thought…


Man kann nur noch den Kopf schütteln. Da ist Europa endlich soweit, dass Staat und Kirche kaum noch etwas mitteinander zu tun haben (zumindest in einigen Ländern und in den anderen so wenig wie nie zuvor). Da gibt es in Europa endlich kaum noch Unterdrückung wegen des Glaubens (zumindest für die Religionen, die ihrerseits keine Andersgläubigen unterdrücken. Für andere ist das ja auch nicht wünschenswert). Jeder der Millionen Europäer eines anderen Glaubens als des Christentums oder des Islams kann doch von so einer Aussage nur noch die Krätze kriegen. Möchte wissen, wann ich denn "endlich" vom deutschen Staat eine Zwangssteuer aufgedrückt bekomme, da ich ja "religionslos" bin (wobei ich ja durchaus auch eine Angabe, nämlich "sonstige", hätte machen können - nur warum will der Fiskus das überhaupt wissen, welcher Religionsgemeinschaft ich angehöre, solange diese keine Kirchensteuer kassiert? Über den Unsinn der zentralen Kirchensteuer rede ich mal lieber nicht - ich habe zum Glück auch noch einen Freund, der als Freikirchler beweist, dass es auch anders geht. Und meine Religion kennt keine Abgaben).
Ist dieser Frau überhaupt bewußt, was sie da gesagt hat? Dass sie alle Nichtchristen und Nichtmuslims damit zu Bürgern zweiter Klasse macht?
Als Jude würde ich mittlerweile wohl meine Übersiedlung nach Israel planen. Sicherer ist es da allemal. Die Heiden, Wiccas, Naturreligiösen, FSMs,..., und Atheisten hingegen haben den Zonk. Welches Land außer Deutschland nimmt denn religiös verfolgte Nichtchristen auf?


Das ist jetzt schon ein paar Wochen alt, aber da sich Frau Merkels Ansichten offensichtlich nicht geändert haben, noch immer aktuell. Ezra Levant, der keine Rücksicht zu nehmen braucht, hat diese Merkelschen Worte hier schön analysiert.

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.652

10.10.2015 00:51
#287 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Nur einmal als unpassendes, eitles, ahnungslos alles vermischendes Gedankenspiel: Gesetzt den Fall, ein großes Unternehmen, börsennotiert, verantwortlich den Aktionären, der Belegschaft & nicht zuletzt den Kunden gegenüber - sagen wir selbst VW, es kann aber auch eine Behörde sein, ein Hospital, you name it: Seit 9 Monaten tut sich nichts mehr, seit 10 Wochen herrscht das blanke Chaos; der Vertrieb ist um 95% eingebrochen, auf dem Hof seit Wochen keine Bewegung, Kundenreklamationen mit 4-stelliger Laufziffer, 3x pro Woche rückt die Feuerwehr an - und zur Rede gestellt vom Aufsichtsrat oder der Hauptversammlung gibt der oberste Chef von sich: "Mir doch egal, wenn ich daran schuld bin. Nun ist es eben so." Auf die Frage: "Wie hoch belaufen sich die aktuellen Verluste?" - "Die genauen Zahlen sind zum Teil sehr unterschiedlich. das ist auch im Augenblick nicht möglich, verlässlich Zahlen zu benutzen. Aber das ist auch egal. Es sind sehr, sehr viele." "Das ist eine Aufgabe, die uns der Herrgott gestellt hat." "Welche konkreten Schritte werden unternommen?" "Das Sollen ist sehr stark."

Was würde passieren? Und Frau M steht nicht einer Klitsche vor, an der mal gerade 100.000 Arbeitsplätze hängen, sondern 800 mal so viele.



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

R.A. Offline



Beiträge: 8.171

10.10.2015 10:27
#288 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von R.A. im Beitrag #283
Es ist schon erstaunlich, wie hohe Barbeträge manche Leute mit sich führen ...

Um vollständig zu bleiben - vielleicht stimmt das ja doch mit den vielen Geldbeutel-Funden durch Flüchtlinge:

http://www.morgenpost.de/vermischtes/art...uechtlinge.html

Emulgator Offline



Beiträge: 2.835

10.10.2015 10:53
#289 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #287
[...]Seit 9 Monaten tut sich nichts mehr, seit 10 Wochen herrscht das blanke Chaos; der Vertrieb ist um 95% eingebrochen, auf dem Hof seit Wochen keine Bewegung, Kundenreklamationen mit 4-stelliger Laufziffer, 3x pro Woche rückt die Feuerwehr an - und zur Rede gestellt vom Aufsichtsrat oder der Hauptversammlung gibt der oberste Chef von sich: "Mir doch egal, wenn ich daran schuld bin. Nun ist es eben so." Auf die Frage: "Wie hoch belaufen sich die aktuellen Verluste?" - "Die genauen Zahlen sind zum Teil sehr unterschiedlich. das ist auch im Augenblick nicht möglich, verlässlich Zahlen zu benutzen. Aber das ist auch egal. Es sind sehr, sehr viele." "Das ist eine Aufgabe, die uns der Herrgott gestellt hat." "Welche konkreten Schritte werden unternommen?" "Das Sollen ist sehr stark."


Oder ab Minute 7 im Interview:

-- "Überfordern Sie die Feuerwehr mit den häufigen Einsätzen?"

Schauen Sie, durch die leckende Ammoniakleitung sind wir vor eine Situation gestellt. Ich habe das Rohr ja nicht kaputtgemacht. Ich muß jetzt aus dieser Ausnahme von der Betriebssicherheit eine Situation machen, die wieder den Sicherheitsbestimmungen entspricht, damit irgendwann wieder kontrolliert das Ammoniak verwendet wird und nicht mehr alles in die Umwelt austritt. Das defekte Rohr hat ja einen Grund, der einfach da ist, nämlich die Korrosion, die chemisch unvermeidlich ist. Natürlich ist das eine Ausnahmesituation, die es im ganzen Chemiepark seit seines Bestehens noch nie gab. Ich bin dankbar daß die Feuerwehr, die so oft mit Atemschutz anrückt und daß das Krankenhaus, welches die Verletzten behandelt, sagt, hier läuft vieles nicht richtig, aber nicht sagt, das geht so nicht, daß Ammoniak ausströmt. Sie versuchen stattdessen, Ordnung in die Notfallmaßnahmen zu bringen.

-- "Die Feuerwehr durchschaut die Ordnung nicht. Sie vermißt den Plan, wo sie das Leck finden und schließen kann."

Richtig, aber den Plan kann ich ja nur geben, wenn ich einen habe.

-- "Haben Sie einen Plan?

Ja, ich habe einen Plan. Aber der hängt ja nicht nur von mir alleine ab. Das kommt auf die Anlage an, in der das kaputte Rohr verbaut ist. Da sind ja so viele Ventile und Rohre, die lecken können. Deswegen müssen wir sehen, daß auch mal die Feuerwehr aus der Nachbargemeinde kommt. Die Nachbargemeinde muß eben auch ihrer Verantwortung für unseren Betrieb gerecht werden. Bis dahin müssen wir gucken, wie wir die Ammoniakdämpfe auf dem Betriebsgelände verdünnen können. Da bin ich auch dankbar den Anwohnern unseres Chemieparks, daß sie seit Wochen nicht mehr lüften oder ihr Haus nicht verlassen, und damit die Hauptlast der Ausnahmesituation tragen.

-- Die Berufsgenossenschaft meint schon in ihrem Brief, an die Betriebsleitung --also Sie-- daß Ihr Betrieb geschlossen werden müßte.

Dazu möchte ich noch etwas sagen, wenn ich darf. Da sind viele gute Vorschläge drin, wie man die Sicherheit gegen Unfälle mit Ammoniak erhöht, die ich auch im Kopf habe. Dann ist da die Zustandsbeschreibung drin, daß wir weiterhin Ammoniak geliefert bekommen, und gleichzeitig ein Leck in der Ammoniakleitung sein muß. Das ist eine Situation, daß neues Ammoniak geliefert wird, während es austritt, es ist keine Geschäftspolitik unseres Betriebes. Es ist eine Situation, die ich technisch angehen muß.

-- Seit wir hier reden, höre ich so ein Blubbern. Kann es sein, daß noch eine ganz andere Leitung nicht ganz dicht ist?

Fluminist Offline




Beiträge: 2.015

10.10.2015 12:07
#290 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #287
Nur einmal als unpassendes, eitles, ahnungslos alles vermischendes Gedankenspiel: Gesetzt den Fall, ein großes Unternehmen, börsennotiert, verantwortlich den Aktionären, der Belegschaft & nicht zuletzt den Kunden gegenüber - sagen wir selbst VW, es kann aber auch eine Behörde sein, ein Hospital, you name it: Seit 9 Monaten tut sich nichts mehr, seit 10 Wochen herrscht das blanke Chaos; der Vertrieb ist um 95% eingebrochen, auf dem Hof seit Wochen keine Bewegung, Kundenreklamationen mit 4-stelliger Laufziffer, 3x pro Woche rückt die Feuerwehr an - und zur Rede gestellt vom Aufsichtsrat oder der Hauptversammlung gibt der oberste Chef von sich: "Mir doch egal, wenn ich daran schuld bin. Nun ist es eben so." Auf die Frage: "Wie hoch belaufen sich die aktuellen Verluste?" - "Die genauen Zahlen sind zum Teil sehr unterschiedlich. das ist auch im Augenblick nicht möglich, verlässlich Zahlen zu benutzen. Aber das ist auch egal. Es sind sehr, sehr viele." "Das ist eine Aufgabe, die uns der Herrgott gestellt hat." "Welche konkreten Schritte werden unternommen?" "Das Sollen ist sehr stark."

Was würde passieren? Und Frau M steht nicht einer Klitsche vor, an der mal gerade 100.000 Arbeitsplätze hängen, sondern 800 mal so viele.

Wie eine Märchenfee, die auch die unsinnigsten Wünsche prompt erfüllt - be careful what you wish for, for you might just get it -, realisiert Frau M die innersten Sehnsüchte der Deutschen.
"Wir wollen atomfrei sein!" - Bitte sehr.
"Wir wollen (aus der Geschichte lernend) nicht mehr wir selbst sein, sondern die Krankenschwester der Welt" - Da habt ihr's, gern geschehen.
Der dritte und letzte Punkt, in dem sie die deutsche Befindlichkeit in den oben zitierten bzw. paraphrasierten Worten widerspiegelt, ist die Politikverdrossenheit. Den Leuten ist alles gleich, für Politik interessieren sie sich nicht, und inzwischen ist auch ihr alles egal.

Ein anderer Gedanke. Wie noch nie in der Geschichte der deutschen Bundesrepublik scheint alles auf das Handeln und Entscheiden einer einzigen Person ausgerichtet. Der Bundeskanzler hat natürlich Richtlinienkompetenz, aber bisher hatte man doch fast immer das Gefühl, er sei in ein Gremium von Personen eingebunden. (Fast immer, weil die Spätphase Kohl auch das Bild eines Solitärbaums bot, an den M selbst alsbald die Axt gelegt hat.)
Im Prinzip entspricht es schon dem repräsentativ-demokratischen System: der Regierungschef geht durch eine Kette von Wahlprozessen aus dem Wählerwillen hervor und repräsentiert diesen; die Konzentration der Entscheidungsbefugnis in 1 Hand dient dazu, die rasche Entscheidungsfähigkeit möglichst sicherzustellen.
Aber diese 1 Person ist nicht nur ein abstraktes politisches Wesen, sondern auch ein fragiler Mensch. Nehmen wir für ein Gedankenspiel einmal an, dieser eine Mensch trifft eine Reihe von Entscheidungen, die von seiner Entourage und dem Land als ganzes als gewagt, kühn, in den Folgen schwer überschaubar, originell angesehen, aber im Vertrauen auf Kompetenz und Weitsicht der Führungsperson hingenommen werden; doch dann stellt sich plötzlich heraus, daß dieser eine Mensch unter einem Hirntumor leidet, der zu völlig irrationalen Handlungen und illusionären Visionen führt. Dann stehen Entourage und Land aber schön gelackmeiert da.
Die römische Republik hatte (außer vorübergehend in Kriegszeiten, wenn Entschlußkraft wichtiger war als Vernunft und dafür ein Diktator eingesetzt wurde) deshalb immer zwei Konsuln.

Eigentlich sollten die Mechanismen der parlamentarischen Demokratie sicherstellen, daß die Aktionen der Regierungsspitze auf verschiedenen Ebenen einer kritischen Kontrolle unterliegen. Die unglückliche Zusammensetzung des Bundestags und die problematische Große Koalition haben diese Mechanismen zu einem hinreichend großen Teil ausgehebelt, so daß diese Kontrolle ausfällt. Eine Hoffnung liegt jetzt nur noch darin, daß die föderative Struktur greift, d.h. daß das Vakuum an der Spitze durch Eingreifen auf Landesebene und darunter ersetzt wird.

alteseuropa Offline



Beiträge: 259

10.10.2015 18:01
#291 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Emulgator im Beitrag #289
Zitat von Ulrich Elkmann im Beitrag #287
[...]Seit 9 Monaten tut sich nichts mehr, seit 10 Wochen herrscht das blanke Chaos; der Vertrieb ist um 95% eingebrochen, auf dem Hof seit Wochen keine Bewegung, Kundenreklamationen mit 4-stelliger Laufziffer, 3x pro Woche rückt die Feuerwehr an - und zur Rede gestellt vom Aufsichtsrat oder der Hauptversammlung gibt der oberste Chef von sich: "Mir doch egal, wenn ich daran schuld bin. Nun ist es eben so." Auf die Frage: "Wie hoch belaufen sich die aktuellen Verluste?" - "Die genauen Zahlen sind zum Teil sehr unterschiedlich. das ist auch im Augenblick nicht möglich, verlässlich Zahlen zu benutzen. Aber das ist auch egal. Es sind sehr, sehr viele." "Das ist eine Aufgabe, die uns der Herrgott gestellt hat." "Welche konkreten Schritte werden unternommen?" "Das Sollen ist sehr stark."


Oder ab Minute 7 im Interview:

-- "Überfordern Sie die Feuerwehr mit den häufigen Einsätzen?"

Schauen Sie, durch die leckende Ammoniakleitung sind wir vor eine Situation gestellt. Ich habe das Rohr ja nicht kaputtgemacht. Ich muß jetzt aus dieser Ausnahme von der Betriebssicherheit eine Situation machen, die wieder den Sicherheitsbestimmungen entspricht, damit irgendwann wieder kontrolliert das Ammoniak verwendet wird und nicht mehr alles in die Umwelt austritt. Das defekte Rohr hat ja einen Grund, der einfach da ist, nämlich die Korrosion, die chemisch unvermeidlich ist. Natürlich ist das eine Ausnahmesituation, die es im ganzen Chemiepark seit seines Bestehens noch nie gab. Ich bin dankbar daß die Feuerwehr, die so oft mit Atemschutz anrückt und daß das Krankenhaus, welches die Verletzten behandelt, sagt, hier läuft vieles nicht richtig, aber nicht sagt, das geht so nicht, daß Ammoniak ausströmt. Sie versuchen stattdessen, Ordnung in die Notfallmaßnahmen zu bringen.

-- "Die Feuerwehr durchschaut die Ordnung nicht. Sie vermißt den Plan, wo sie das Leck finden und schließen kann."

Richtig, aber den Plan kann ich ja nur geben, wenn ich einen habe.

-- "Haben Sie einen Plan?

Ja, ich habe einen Plan. Aber der hängt ja nicht nur von mir alleine ab. Das kommt auf die Anlage an, in der das kaputte Rohr verbaut ist. Da sind ja so viele Ventile und Rohre, die lecken können. Deswegen müssen wir sehen, daß auch mal die Feuerwehr aus der Nachbargemeinde kommt. Die Nachbargemeinde muß eben auch ihrer Verantwortung für unseren Betrieb gerecht werden. Bis dahin müssen wir gucken, wie wir die Ammoniakdämpfe auf dem Betriebsgelände verdünnen können. Da bin ich auch dankbar den Anwohnern unseres Chemieparks, daß sie seit Wochen nicht mehr lüften oder ihr Haus nicht verlassen, und damit die Hauptlast der Ausnahmesituation tragen.

-- Die Berufsgenossenschaft meint schon in ihrem Brief, an die Betriebsleitung --also Sie-- daß Ihr Betrieb geschlossen werden müßte.

Dazu möchte ich noch etwas sagen, wenn ich darf. Da sind viele gute Vorschläge drin, wie man die Sicherheit gegen Unfälle mit Ammoniak erhöht, die ich auch im Kopf habe. Dann ist da die Zustandsbeschreibung drin, daß wir weiterhin Ammoniak geliefert bekommen, und gleichzeitig ein Leck in der Ammoniakleitung sein muß. Das ist eine Situation, daß neues Ammoniak geliefert wird, während es austritt, es ist keine Geschäftspolitik unseres Betriebes. Es ist eine Situation, die ich technisch angehen muß.

-- Seit wir hier reden, höre ich so ein Blubbern. Kann es sein, daß noch eine ganz andere Leitung nicht ganz dicht ist?


Einfach gekonnt!

alteseuropa Offline



Beiträge: 259

10.10.2015 18:06
#292 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #290



Aber diese 1 Person ist nicht nur ein abstraktes politisches Wesen, sondern auch ein fragiler Mensch. Nehmen wir für ein Gedankenspiel einmal an, dieser eine Mensch trifft eine Reihe von Entscheidungen, die von seiner Entourage und dem Land als ganzes als gewagt, kühn, in den Folgen schwer überschaubar, originell angesehen, aber im Vertrauen auf Kompetenz und Weitsicht der Führungsperson hingenommen werden; doch dann stellt sich plötzlich heraus, daß dieser eine Mensch unter einem Hirntumor leidet, der zu völlig irrationalen Handlungen und illusionären Visionen führt.


Es ist komisch: Genau dieser Gedanke ist mir (übrigens zum ersten Mal, seit ich bewußt das aktuelle * politische Geschehen betrachte) ungefähr vor eineinhalb oder zwei Wochen auch gekommen.

* Edit: "aktuell" bedeutet hier das jeweilige Aktuelle, was ich selbst als Zeitgenosse erlebe und erlebt habe, geht also weit zurück

HR ( gelöscht )
Beiträge:

10.10.2015 21:13
#293 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Beitrag gelöscht wegen Verstoß gegen die Forumsregeln.

Petz, als Moderator

Ulrich Elkmann Offline




Beiträge: 13.652

10.10.2015 22:16
#294 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Hat Frau Merkel - vielleicht heimlich aus dem Giftschrank der FDJ geborgt? - eigentlich Nietzsche gelesen? Das Motto zu all ihren Handlungen könnte von ihm entlehnt sein:

Macht' ich's gut, so woll'n wir schweigen;
Macht' ich's schlimm –, so woll'n wir lachen
Und es immer schlimmer machen,
Schlimmer machen, schlimmer lachen,
Bis wir in die Grube steigen.

Freunde! Ja! So soll's geschehn? –
Amen! Und auf Wiedersehn!

Heil euch, brave Karrenschieber,
Stets »je länger, desto lieber»,
Steifer stets an Kopf und Knie,
Unbegeistert, ungespässig,
Unverwüstlich-mittelmässig,
Sans genie et sans esprit!



Les hommes seront toujours fous; et ceux qui croient les guérir sont les plus fous de la bande. - Voltaire

HR ( gelöscht )
Beiträge:

10.10.2015 23:40
#295 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Die massive Zuwanderung muslimischer Flüchtlinge könnte uns Probleme bereiten.

Fluminist Offline




Beiträge: 2.015

11.10.2015 01:33
#296 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Langsam, könnte man hoffen, kommt etwas Leben in die Bude:

Zitat von FAZ
Die politische Entscheidung der Bundeskanzlerin, am 5. September das Weiterreiseverbot außer Kraft zu setzen und die ungehinderte Einreise von Flüchtlingen zu ermöglichen, ist strafrechtlich angreifbar. Dieser Ansicht ist Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Universität Passau. Er verweist auf den Paragraphen 111 des Strafgesetzbuches. Danach „wird bestraft, wer öffentlich zu einer rechtswidrigen Tat auffordert“.
[…]
„Entweder erfüllen Personen, die ab dem 5. September Flüchtlinge nach Deutschland befördert haben, nicht den Tatbestand des Einschleusens von Ausländern,“ meint Putzke. Dann wäre es rechtswidrig, Schleuser zu verfolgen und zu verurteilen. „Oder all jene haben sich ebenfalls strafbar gemacht, die bei der unerlaubten Einreise Hilfe geleistet haben, darunter die Bundeskanzlerin. Für die Hilfeleistung genügt jedes Verhalten, das den unerlaubten Grenzübertritt in irgendeiner Weise objektiv fördert.“ Der Entschluss der Bundeskanzlerin, zusammen mit Österreich „die EU-Abreden über das Weiterreiseverbot von Flüchtlingen außer Kraft zu setzen“, stelle „eine solche Förderung dar, wenn es nicht sogar konkludent als Aufforderung zur unerlaubten Einreise zu verstehen war.“


Soweit, so gut. Befremdlich finde ich (zugegeben als juristischer Laie) den Schluß, den der Strafrechtler daraus zieht:

Zitat von FAZ
„Die Bundeskanzlerin sollte die Initiative ergreifen, um die Rechtslage zu ändern, auch – für die Zukunft gedacht – in ihrem eigenen Interesse.“


Sollte er damit eine Gesetzesänderung meinen, die das Vorgehen der Bundeskanzlerin (womöglich gar rückwirkend) legalisiert, dann erschiene mir dieser Vorschlag sogar in zweierlei Hinsicht problematisch.
Das Ende des Artikels ("… große humanitäre Herausforderung …") entspricht seiner Verortung im Feuilleton.

alteseuropa Offline



Beiträge: 259

11.10.2015 10:39
#297 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #296
Langsam, könnte man hoffen, kommt etwas Leben in die Bude:




Auch hier:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...berechtigt.html
Daraus:
Gibt es Wegweiser der Vergangenheit? Da soll man sehr vorsichtig sein. Die Flüchtlinge von 1945 kamen aus Ostdeutschland nach Restdeutschland. Dass sie willkommen waren am neuen Ort, kann man nicht behaupten. [...] Man rückte zusammen auf engstem Raum, aber man teilte dieselbe Sprache, ähnliche Erinnerungen, Sitten und Gebräuche, Traumata und offene Wunden, dazu über Jahrhunderte geübte Sozialdisziplin, Wertmaßstäbe und Mentalitäten und dazu die Fähigkeit, in Verschiedenheit zu leben. Nichts davon gilt für die Neuankömmlinge heute.

Mir als Nachkomme von Ostdeutschen (den echten, nicht denen, die heute so genannt werden), ist das Balsam auf der Seele. Denn schiefer als der Vergleich von Ostdeutschen und Orientalen kann fast kein Vergleich sein. Auch aus meiner Familie arbeiteten schon vor dem Krieg Leute vorübergehend im Rheinland, und wer als Akademiker einen Ruf an die Universität Königsberg bekam, ging nicht ins Ausland ...

Und weiter:
Die großen Völkerwanderungen, die das Römische Reich in immer neuen Wellen berannten und schließlich die Befestigungslinie des Limes rheinabwärts und mainaufwärts stürmten, waren von anderer Art. Generation für Generation übernahmen sie zunächst die Kultur Roms. In der Spätzeit des Imperiums gab es Legionen und Soldatenkaiser germanischer Herkunft. Aber irgendwann brachen die Wälle, und es begann, was im Englischen die "dunklen Zeitalter" heißt: "the dark ages".

Bisher traute man sich ja nur im stillen Kämmerlein solche Parallelen zu ziehen.
.

Zitat
Befremdlich finde ich (zugegeben als juristischer Laie) den Schluß, den der Strafrechtler daraus zieht:



Das ist mir auch aufgefallen.

automat Offline



Beiträge: 158

11.10.2015 12:13
#298 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von Fluminist im Beitrag #296
Langsam, könnte man hoffen, kommt etwas Leben in die Bude:

Zitat von FAZ
Die politische Entscheidung der Bundeskanzlerin, am 5. September das Weiterreiseverbot außer Kraft zu setzen und die ungehinderte Einreise von Flüchtlingen zu ermöglichen, ist strafrechtlich angreifbar. Dieser Ansicht ist Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Universität Passau. Er verweist auf den Paragraphen 111 des Strafgesetzbuches. Danach „wird bestraft, wer öffentlich zu einer rechtswidrigen Tat auffordert“.
[…]
„Entweder erfüllen Personen, die ab dem 5. September Flüchtlinge nach Deutschland befördert haben, nicht den Tatbestand des Einschleusens von Ausländern,“ meint Putzke. Dann wäre es rechtswidrig, Schleuser zu verfolgen und zu verurteilen. „Oder all jene haben sich ebenfalls strafbar gemacht, die bei der unerlaubten Einreise Hilfe geleistet haben, darunter die Bundeskanzlerin. Für die Hilfeleistung genügt jedes Verhalten, das den unerlaubten Grenzübertritt in irgendeiner Weise objektiv fördert.“ Der Entschluss der Bundeskanzlerin, zusammen mit Österreich „die EU-Abreden über das Weiterreiseverbot von Flüchtlingen außer Kraft zu setzen“, stelle „eine solche Förderung dar, wenn es nicht sogar konkludent als Aufforderung zur unerlaubten Einreise zu verstehen war.“

Soweit, so gut. Befremdlich finde ich (zugegeben als juristischer Laie) den Schluß, den der Strafrechtler daraus zieht:

Zitat von FAZ
„Die Bundeskanzlerin sollte die Initiative ergreifen, um die Rechtslage zu ändern, auch – für die Zukunft gedacht – in ihrem eigenen Interesse.“


Sollte er damit eine Gesetzesänderung meinen, die das Vorgehen der Bundeskanzlerin (womöglich gar rückwirkend) legalisiert, dann erschiene mir dieser Vorschlag sogar in zweierlei Hinsicht problematisch.
Das Ende des Artikels ("… große humanitäre Herausforderung …") entspricht seiner Verortung im Feuilleton.




Ich finde diesen Schluss noch relativ unproblematisch im Vergleich zu der Formulierung, die der Verfasser auf seiner Instituts-Homepage benutzt.

Da stellt er fest, dass Merkel rechtswidrig gehandelt hat und den Bruch geltenden Rechts heute immer noch jeden Tag x-tausendfach zulässt, kommt aber zu folgendem Schluss:

Zitat
Eine strafrechtliche Betrachtung ändert allerdings nichts daran, dass Flüchtlingen ohne Wenn und Aber geholfen werden muss – freilich im Einklang mit geltendem Recht. Notfalls muss man es ändern.



Ich bin ebenfalls kein Jurist, verstehe aber schon ganz grundsätzlich nicht, wie die gleiche Person im gleichen Satz "Hilfe ohne Wenn und Aber" (also auch unter Aussetzung oder Umgehung geltenden Rechts) propagieren und gleichzeitig fordern kann, dies habe "freilich im Einklang mit geltendem Recht" zu geschehen.

http://www.jura.uni-passau.de/putzke/aktuelles/


Ganz nebenbei bemerkt, die Bebilderung des Artikels erinnert mich an Thomas Mann. Da trägt bekanntlich oft der schlechte Zustand der Zähne den inneren geistigen Verfall der Person nach außen.

Kallias Offline




Beiträge: 2.301

11.10.2015 12:33
#299 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von automat im Beitrag #298
Ich bin ebenfalls kein Jurist, verstehe aber schon ganz grundsätzlich nicht, wie die gleiche Person im gleichen Satz "Hilfe ohne Wenn und Aber" (also auch unter Aussetzung oder Umgehung geltenden Rechts) propagieren und gleichzeitig fordern kann, dies habe "freilich im Einklang mit geltendem Recht" zu geschehen.
Ich glaube, das ist leicht zu verstehen. Er möchte nicht mit dem Strafrecht den Zuzug von Flüchtlingen blockieren. Sondern er möchte, dass das Strafrecht so geändert wird, dass sie legal ins Land gebracht werden können.

Emulgator Offline



Beiträge: 2.835

11.10.2015 12:33
#300 RE: Wir schafften das nicht Antworten

Zitat von automat im Beitrag #298
Ich bin ebenfalls kein Jurist, verstehe aber schon ganz grundsätzlich nicht, wie die gleiche Person im gleichen Satz "Hilfe ohne Wenn und Aber" (also auch unter Aussetzung oder Umgehung geltenden Rechts) propagieren und gleichzeitig fordern kann, dies habe "freilich im Einklang mit geltendem Recht" zu geschehen.
Vielleicht indem man erst die Gesetze auf "kommt alle rein!" ändert und dann erst alle hineinläßt? Das hätte auch den Vorteil gehabt, daß man während des Gesetzgebungsverfahrens sich auf die vielen Neuankömmlinge hätte einstellen können: Behausungen, Schulungen und Arbeitsplätze für 1,5 Mio Menschen organisieren. Das alles gibt es ja nicht. Die Leute migrieren in die Obdachlosigkeit. Für meine Begriffe ist das nicht einmal Hilfe.

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